{"id":107913,"date":"2023-12-09T12:00:35","date_gmt":"2023-12-09T11:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107913"},"modified":"2023-12-08T15:56:46","modified_gmt":"2023-12-08T14:56:46","slug":"deutsche-wissen-immer-alles-besser-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107913","title":{"rendered":"Deutsche wissen immer alles besser! \u2013 Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Wer glaubt, dass die weltweite Blamage Deutschlands durch die deutsche Au&szlig;enpolitik gegen Ende des Jahres 2022, als die Fu&szlig;ballweltmeisterschaft in Katar die Zeitungsseiten und TV-Sendungen beherrschte, beendet sein k&ouml;nnte, wird eines Besseren belehrt. Es geht munter weiter, wirft man einen Blick auf die (nicht nur Au&szlig;en-)Politik der Ampel-Regierung. Einige der heutigen Politiker wollen die Folgen nicht erkennen, oder sie erkennen sie einfach nicht. Von <strong>Ulrich van der Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie Kritik an der intellektuellen Kompetenz von Politikern soll jedoch nicht im Mittelpunkt der folgenden Ausf&uuml;hrungen stehen, sondern es soll gen&uuml;gen anzudeuten, warum sich vor etwa einem Jahr viele deutsche B&uuml;rger &uuml;ber ihre Politiker ge&auml;rgert und fremdgesch&auml;mt haben, insbesondere dar&uuml;ber, was kurz vor der Fu&szlig;ballweltmeisterschaft von jenen, begleitet von einem Shitstorm in den Mainstream-Medien, &uuml;ber angebliche Ungeheuerlichkeiten in dem arabischen Emirat vermeldet wurde und dann sogar vor Ort ablief. Das verwunderte dann schon, wenngleich eigentlich schon jedem Interessierten jahrelang klar war, dass Katar kein Hort der Demokratie ist. Dennoch wurde trotz nachgewiesener Korruption die Weltmeisterschaft (WM) aus finanziellen Gr&uuml;nden dorthin vergeben. Es gab genug Zeit, sich f&uuml;r Boykott, Ausrichtung der Spiele an anderen Orten oder &ndash; was auch immer im Rahmen der M&ouml;glichkeiten denkbar gewesen w&auml;re &ndash; anders zu entscheiden. Das tat man jedoch nicht, denn es winkte ein Maximalprofit f&uuml;r einige Inverstoren und Sportmanager. <\/p><p>Unmittelbar vor Beginn der Spiele stellten Politiker und die sie hofierenden Medien vorgeblich &uuml;berrascht fest, dass die Kataris sich nicht an das hielten, was den Deutschen in ihrem Sendungsbewusstsein vorschwebte. Dabei konnte jeder wissen, dass nur zehn Prozent der 2,7 Millionen B&uuml;rger des Landes von Geburt aus Kataris waren, die anderen gelten als Arbeitsmigranten. Es w&auml;re keine Schwierigkeit gewesen, herauszufinden, dass diese nicht als gleichberechtigte Staatsb&uuml;rger betrachtet und behandelt werden. Warum tat man aber dennoch &uuml;berrascht, als man sich mit einer anderen Kultur konfrontiert sah? Offensichtlich tat man dies, weil es einfacher ist, sich &uuml;ber Lappalien bis hin zu angeblichem oder wirklichem Unrecht in anderen L&auml;ndern demonstrativ zu erregen, als sich mit Ungerechtigkeiten und Problemen im eigenen Land zu befassen. <\/p><p>Die Missbilligung einer fremden Kultur, in der Alkoholgenuss und offene Pr&auml;sentation von Homosexualit&auml;t nicht erw&uuml;nscht, ja verboten sind, schienen vor Beginn der WM in hiesigen Redaktions- und Wohnstuben das Hauptthema geworden zu sein. Die &Uuml;berraschung angesichts anderer Kulturen, Wertevorstellungen und Mentalit&auml;ten in einem anderen Teil der Welt erschien indes von Anfang an heuchlerisch. Denn am deutschen Wesen sollte doch schon seit der Kaiserzeit vor mehr als eineinhalb Jahrhunderten die Welt genesen. Die M&ouml;glichkeit, sich von der WM zur&uuml;ckzuziehen, war offensichtlich vor&uuml;ber; das wurde dann schon bald auf sportliche Weise in der Gruppenphase von anderen Fu&szlig;ballmannschaften erzwungen. <\/p><p>Nunmehr sah man sich in Politikerkreisen und Redaktionsstuben einem Dilemma ausgesetzt. Das inzwischen so beliebte Verh&auml;ngen von Sanktionen und Boykotts war in diesem Fall nicht mehr m&ouml;glich und aus &ouml;konomischen Gr&uuml;nden auch nicht gewollt. Selbst wenn man von den nun kritisierten Verh&auml;ltnissen in der absoluten Monarchie am Persischen Golf angeblich nichts wissen wollte, wuchs die Erkenntnis, dass Deutschland zuk&uuml;nftig auf das &Ouml;l der Kataris angewiesen sein wird. Einen dadurch notwendig gewordenen politischen Spagat versuchte die inzwischen selbst in ihrem Amt umstrittene Au&szlig;enministerin Annalena Baerbock, wobei sie bekanntlich wiederholt in den internationalen Medien keinen guten Eindruck hinterlie&szlig;. Der an der Berliner Humboldt-Universit&auml;t lehrende Herfried M&uuml;nkler gestand in einem Interview: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Mich hat ihre Praxis der Menschenrechtsperformation nie &uuml;berzeugt [&hellip;] man kann zum Beispiel nicht gleichzeitig bei den Kataris Gas kaufen und sich am Fu&szlig;ball dort echauffieren. Es macht keinen Sinn, in dem einen Raum von Menschenrechten zu reden und im anderen hemmungslos Interessen&ouml;konomie zu betreiben.&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Allzu bemerkenswert ist es allerdings nicht, dass die im Nahen Osten erneut unter Beweis gestellte, moralisch get&uuml;nchte deutsche Besserwisserei verwundert oder ver&auml;rgert und zum Teil auch mit Abscheu in den L&auml;ndern des heute so genannten globalen S&uuml;dens zur Kenntnis genommen wurde. Nicht nur die Kataris, sondern auch die anderen im Arabischen Kooperationsrat zusammengeschlossenen Golf-Anrainerstaaten wiesen in einem Statement die den &Uuml;berheblichkeitscharakter, vor allem der deutschen Innenministerin Nancy Faeser, deutlich machende Kritik scharf zur&uuml;ck und verwahrten sich gegen eine Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Dieser an kolonial-paternalistisches Handeln der deutschen Politiker erinnernde Versuch der Einmischung einer ehemaligen Kolonialmacht in die Politik eines au&szlig;ereurop&auml;ischen Staates, verbunden mit der Abwertung von dessen traditioneller Kultur und Wertevorstellungen, ist in der sich immer noch dekolonisierenden Welt nicht gut angekommen. Das wurde insbesondere von einigen internationalen Beobachtern als ganz eindeutig kolonialistisches Gehabe gewertet.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Prazis Images<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/b8209659ebe64cf394f389eadaa3be4f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Reich, Anja: Interview mit Herfried M&uuml;nkler, in: Berliner Zeitung, 5.12.2022.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Vgl. Vor Besuch von Faeser. Katar verbittet sich Einmischung, in: Der Tagesspiegel, 1. November 2022.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer glaubt, dass die weltweite Blamage Deutschlands durch die deutsche Au&szlig;enpolitik gegen Ende des Jahres 2022, als die Fu&szlig;ballweltmeisterschaft in Katar die Zeitungsseiten und TV-Sendungen beherrschte, beendet sein k&ouml;nnte, wird eines Besseren belehrt. Es geht munter weiter, wirft man einen Blick auf die (nicht nur Au&szlig;en-)Politik der Ampel-Regierung. 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