{"id":107919,"date":"2023-12-10T12:00:57","date_gmt":"2023-12-10T11:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107919"},"modified":"2023-12-09T19:31:54","modified_gmt":"2023-12-09T18:31:54","slug":"deutsche-wissen-immer-alles-besser-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107919","title":{"rendered":"Deutsche wissen immer alles besser! \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Wer glaubt, dass die weltweite Blamage Deutschlands durch die deutsche Au&szlig;enpolitik gegen Ende des Jahres 2022, als die Fu&szlig;ballweltmeisterschaft in Katar die Zeitungsseiten und TV-Sendungen beherrschte, beendet sein k&ouml;nnte, wird eines Besseren belehrt. Es geht munter weiter, wirft man einen Blick auf die (nicht nur Au&szlig;en-)Politik der Ampel-Regierung. Von <strong>Ulrich van der Heyden<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Propaganda &ndash; Fake News &ndash; Wahrheit<\/strong><\/p><p>Schauen wir einmal konkret auf die Vorw&uuml;rfe der deutschen Politiker und dieser antichambrierenden Journalisten, die mit dem Heranr&uuml;cken des Er&ouml;ffnungsspiels der Fu&szlig;ball-WM folgend aufgef&uuml;hrtes Kritikw&uuml;rdige zu entdecken glaubten (in Auswahl), was es nach ihrer Meinung unbedingt notwendig erscheinen lassen w&uuml;rde, die schon einmal auf dem afrikanischen Kontinent (wenigstens tempor&auml;r) gescheiterte arrogante Strategie zu wiederholen, n&auml;mlich, dass am deutschen Wesen nunmehr endlich auch die Kataris (!) genesen sollten. <\/p><p>Das waren vor allem die im Lande geltenden Alkoholverbote, Ablehnung der Zurschaustellung von Homosexualit&auml;t, die durchaus Ablehnung verdienende gesellschaftliche Stellung und Behandlung von Frauen und insbesondere eine vorgebliche Ausbeutung der Arbeitskr&auml;fte aus dem Ausland, die zu vielen t&ouml;dlichen Arbeitsunf&auml;llen gef&uuml;hrt haben sollen.<\/p><p>Vergegenw&auml;rtigen wir uns einmal die vergleichbaren historischen Basisdaten in der alten Bundesrepublik, aus denen sich eigentlich keine &Uuml;berheblichkeit speisen sollte: <\/p><p>Der Paragraph 175 des (west)deutschen Strafgesetzbuches kriminalisierte 123 Jahre lang die Homosexualit&auml;t schwuler M&auml;nner. Erst seit 1994 wurde der Paragraph in dem staatlich vereinigten Deutschland endg&uuml;ltig abgeschafft &ndash; in der DDR &uuml;brigens bereits im Jahre 1968.<\/p><p>Auch bei der Kritik an der Rolle der Frau am Golf sollte man sich an die eigene Nase fassen, denn: Als 1974 die BRD die Fu&szlig;ball-WM ausrichtete, war die westdeutsche Frau noch verpflichtet, den Haushalt zu f&uuml;hren. Die Frau hatte ihre Rolle als Hausfrau und Mutter zu spielen; Ern&auml;hrer der Familie war der Mann. Frauen ben&ouml;tigten die Erlaubnis ihres Mannes, um arbeiten gehen zu k&ouml;nnen. In der DDR war bereits in deren Verfassung von 1949 im Artikel 7 die Passage enthalten, dass alle Bestimmungen aufgehoben sind, die der Gleichberechtigung der Frau widersprechen. Abtreibungen bei ungewollten Schwangerschaften waren in Westdeutschland bei Strafe verboten; in der DDR wurde 1972 ein Gesetz zur Schwangerschaftsunterbrechung verabschiedet.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Die Gleichberechtigung der Frau wurde erst am 25. Juni 1980 in der Bundesrepublik festgeschrieben.<\/p><p>Wenn sich nun einige moralische Tugendw&auml;chter hierzulande um die arabischen bzw. islamischen Frauen im Nahen Osten Sorgen machen, h&auml;tten sie eigentlich im eigenen Land gen&uuml;gend Gelegenheit, sich zu engagieren. <\/p><p>Denn es sollte doch eigentlich f&uuml;r betriebsame Aktivisten geradezu eine Notwendigkeit sein, sich um hier wohnende Angeh&ouml;rige des weiblichen Geschlechts aus jenen Regionen zu k&uuml;mmern, in denen das Menschenrecht der Frauen missachtet wird. In Deutschland leben n&auml;mlich etwa 68.000 Frauen und M&auml;dchen, die von weiblichen Genitalverst&uuml;mmelungen betroffen und 15.000 weitere, die davon bedroht sind.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Auch w&auml;re es m&ouml;glich, wenn man die angeblich diskriminierte Stellung der Frauen in arabischen L&auml;ndern anprangern will, diese f&uuml;r ein Verbot des Kopftuchtragens zumindest hierzulande zu unterst&uuml;tzen. Aber was war das Resultat ihrer Kritik? Da die deutschen Journalisten, die sich im arabischen Raum zur Fu&szlig;ball-WM aufhielten, sich angesichts der vielen verschleierten Frauen verpflichtet f&uuml;hlten, etwas zu tun, aber es nicht vor Ort tun konnten, genderten die Radioreporter besonders stark. So sahen sie in Doha &bdquo;Fans&ldquo; und &bdquo;F&auml;ninnen&ldquo; sowie &bdquo;User&ldquo; und &bdquo;Userinnen&ldquo;. Die unterdr&uuml;ckten Frauen werden den aktivistisch eingestellten Reportern f&uuml;r so viel Unterst&uuml;tzung zu Dank verpflichtet sein!<\/p><p>Am heftigsten wurden die sozialen und betriebsbedingten Umst&auml;nde der Arbeitsbedingungen Tausender ausl&auml;ndischer Arbeitskr&auml;fte, die vornehmlich aus Asien stammen, kritisiert. Man tat das gern und oft, ohne &ndash; wie sich herausstellte &ndash; je einen Blick auf die Baustellen getan zu haben. In den Reden der Politiker und in den der ihnen dienenden Medien &uuml;berschlugen sich die Horrormeldungen &uuml;ber die angeblich unmenschlichen Bedingungen der Arbeiter, die vor allem im Stadionbau eingesetzt worden waren.<\/p><p>Zur viel diskutierten Situation der Lage der in Katar arbeitenden ausl&auml;ndischen Arbeitskr&auml;fte &auml;u&szlig;erte sich Anfang November 2022 das Mitglied des Pr&auml;sidiums der Arabisch-Deutschen Handelskammer und ehemaliger SPIEGEL-Nahostkorrespondent J&uuml;rgen Hogrefe, der als ein wirklicher Kenner der Situation im arabischen Raum gilt:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Das Ausma&szlig; der verdrehten Berichterstattung &uuml;ber Katar und die Diffamierung seiner Bewohner und seiner Regierung hat l&auml;ngst einen kampagnenartigen Charakter angenommen, in dem die Fakten unter die R&auml;der gekommen sind.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Er analysierte in einem Gastbeitrag f&uuml;r den <em>Tagesspiegel<\/em>, wie die Zahl von angeblich 6.500 toten Gastarbeitern in Katar bei den Bauten der Sportstadien seit der Vergabe der WM in den Medien entstehen konnte.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Best&auml;tigen lasse sich, so Hogrefe, lediglich eine Anzahl von 35 &bdquo;nicht arbeitsbedingten Todesf&auml;llen&ldquo; auf den Stadionbaustellen. Inzwischen geisterte jedoch schon eine Zahl von 15.021 toten Gastarbeitern, die die Menschenrechtsorganisation Amnesty International genannt hatte, in den Gazetten.[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>] Damit hatte man zwar eine richtige Anzahl von Toten erfasst, jedoch von der gesamten ausl&auml;ndischen Bev&ouml;lkerung Katars, die seit der Vergabe der Fu&szlig;ball-WM an diesen Golfstaat verstorben waren. Man hatte die Zahl einfach &uuml;bernommen. Das seien, nach Hogrefe, bei etwa drei Millionen Wanderarbeitern nicht allzu viele Unfalltote. Die nat&uuml;rliche Sterberate Katars l&auml;ge, so der Nahostexperte, sogar unter der in Deutschland.[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/p><p>Aber die Klarstellung eines Fachmanns erreichte nicht die Mainstreammedien und vermutlich auch nicht die Politiker, die sich so weit aus dem Fenster gelehnt hatten. Soweit es zu recherchieren war, wurde selbst in linken Zeitungen und Zeitschriften auch die Klarstellung einer Schweizer Gewerkschafterin, Rita Schiavi, die in der <em>Luzerner Zeitung<\/em> in Form eines Interviews ver&ouml;ffentlicht wurde, nicht beachtet.[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>] Dort machte die Vertreterin in der internationalen Bau- und Holzarbeitergewerkschaft deutlich, dass auf den katarischen Stadionbaustellen &bdquo;die Arbeitssicherheit von Anfang an besser als auf anderen Baustellen&ldquo; au&szlig;erhalb der zuk&uuml;nftigen Sportst&auml;tten gewesen war. Es herrschten dort europ&auml;ische Standards &ndash; so die renommierte Gewerkschafterin. Sie h&auml;tte seit 2016 insgesamt siebenmal das Baugel&auml;nde besucht und konnte feststellen: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es hat sich in den letzten Jahren wirklich viel zum Guten ver&auml;ndert.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>In dem Interview machte Rita Schiavi noch einmal sehr deutlich, dass die kritisierten Arbeitsbedingungen, welche zuvor haupts&auml;chlich von Amnesty International medienwirksam verbreitet wurden, sich auf Hausangestellte oder Arbeitskr&auml;fte beziehen, die in kleinen Betrieben in Katar arbeiten, nicht auf Angestellte von gro&szlig;en Firmen. Die dortigen Arbeitskr&auml;fte h&auml;tten durch vorheriges gewerkschaftliches Engagement &bdquo;heute keine Probleme mehr, den Arbeitgeber zu wechseln&ldquo;. 300.000 Arbeitsmigranten h&auml;tten dies schon getan. Sie kl&auml;rte ebenso auf, wie die Zahl von 6.500 Toten zustande gekommen ist und von der Zeitung <em>Guardian<\/em> als erste in die weltweite Presse gebracht wurde. &bdquo;Der &sbquo;Guardian&lsquo; ist zu den Botschaften jener L&auml;nder gegangen, aus denen die Arbeitsmigranten in Katar kommen, und hat Todeszahlen erfragt. So kamen 6.500 Tote &uuml;ber zehn Jahre zusammen. Das hat aber nichts mit den Baustellen zu tun.&ldquo; Und zum Vergleich f&uuml;hrte sie an: &bdquo;&Uuml;ber zehn Jahre gibt das 6.500 Tote, bei einer Population von 1,4 Millionen Arbeitsmigranten aus den angefragten L&auml;ndern. Ich habe nachgeschaut, wie viele Todesf&auml;lle es in der Schweiz bei den Leuten unter 65 im Verh&auml;ltnis waren. Die Zahl ist doppelt so hoch.&ldquo;<\/p><p>In ihrem Interview r&uuml;ckte sie weitere unrealistische Zahlen gerade und beklagte: &bdquo;Es gibt im Westen viele falsche Vorstellungen&ldquo; und kritisierte aufgrund ihrer Erfahrungen, dass die relevanten Debatten in westlichen Medien &bdquo;teilweise sehr scheinheilig gef&uuml;hrt&ldquo; w&uuml;rden, und h&auml;lt auch den Schweizern einen Spiegel vor: &bdquo;F&uuml;r die Toten auf unseren Baustellen &ndash; im Durchschnitt 13,4 pro 100.000 Arbeiter &ndash; interessiert sich nie jemand.&ldquo; Das Anfang November 2022 ver&ouml;ffentlichte Interview haben anscheinend weder Journalisten der Mainstreammedien noch Politiker, die sich zu dieser Thematik meinten &auml;u&szlig;ern zu m&uuml;ssen, gelesen. <\/p><p><strong>Bitte in den Spiegel schauen!<\/strong><\/p><p>Immer wieder waren auch schon vor dem ersten Ansto&szlig; der WM Anklagen laut geworden, dass die Todesf&auml;lle bei den WM-Stadienbauten in einem direkten Zusammenhang mit den Arbeitsverh&auml;ltnissen als WM-Austragungsort stehen w&uuml;rden. Das sei, so pflichtet der zitierte Fachmann J&uuml;rgen Hogrefe bei, &bdquo;nur wenig lauter&ldquo;. Denn einen Beleg hierf&uuml;r hat niemand liefern k&ouml;nnen. Dass es Defizite bei den Arbeitsbedingungen gab und gibt, gesteht der Fachmann ein. Aber der dortige Staat arbeite an einer Verbesserung. Er zitierte in seinem Interview einen weiteren hohen internationalen Gewerkschaftsfunktion&auml;r, der festgestellt hatte, dass in Katar &bdquo;die Verh&auml;ltnisse in Bezug auf Arbeits- und Gesundheitsschutz vergleichbar (sind) mit dem deutschen oder US-amerikanischen Standard&ldquo;. Da anderslautende Verlautbarungen von so viel &Uuml;berheblichkeit und Anma&szlig;ung nicht nur in die Presse sowie ins TV und Radio getragen, sondern selbst von Politikern &uuml;bernommen wurden, wird in dem Interview darauf hingewiesen, dass heute noch auch in der EU &auml;hnliche Verh&auml;ltnisse herrschen: &bdquo;In Europa gibt es nach EU-Erhebungen rund eine halbe Million moderne Arbeitssklaven &ndash;&nbsp;darunter osteurop&auml;ische Ausbeiner in Schlachth&ouml;fen oder illegale afrikanische Tomatenpfl&uuml;cker in Spanien.&ldquo; Warum werden diese Arbeitsbedingungen und -verh&auml;ltnisse nicht ebenfalls in der &Ouml;ffentlichkeit vehement kritisiert?<\/p><p>Bekannt sollte zudem sein, dass insbesondere in Deutschland jahrelang und teilweise bis heute in Schlachth&ouml;fen und Fleischbetrieben vornehmlich sogenannte Werkvertragsarbeiter unter dem gesetzlichen Mindestlohn arbeiten. Sie mussten schon vor einigen Jahren und m&uuml;ssen vermutlich noch heute 170 bis 300 Euro im Monat vom ohnehin nicht hohen Lohn &bdquo;f&uuml;r ein Bett in irgendeine heruntergekommene Bude&ldquo; bezahlen.[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>] Tausende von ihnen arbeiten im Oldenburger Land oder im Emsland. Es sind Polen, Ukrainer, Bulgaren, Rum&auml;nen. Sie arbeiten im Akkord. Diese nach einer Bundestagsabgeordneten &bdquo;Sklavenhaltermethoden&ldquo; sind seit Langem bekannt. Jedoch erst im Sommer 2017, nachdem Belgien, Frankreich und D&auml;nemark sich laut einer AFP-Meldung kritisch zu den Lohn- und Arbeitsbedingungen in den deutschen Betrieben ge&auml;u&szlig;ert hatten[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>], begann sich die Politik daf&uuml;r zeitweilig zu interessieren. <\/p><p>In einem Zeitungsartikel hei&szlig;t es dazu: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Dank dieser Armee von Lohnarbeitern ist das reiche Deutschland zum Billigland f&uuml;r Schlachter geworden. Die Arbeitsbedingungen sind nach Ansicht von Experten dabei oft miserabel. Doppelschichten von bis zu 15 Stunden, &uuml;berzogene Mieten f&uuml;r Massenunterk&uuml;nfte, groteske Geb&uuml;hren f&uuml;r Zeiterfassungschips, Schutzkleidung oder die Nutzung des Pausenraums.&ldquo;[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Erst im Dezember 2022 entschied der Europ&auml;ische Gerichtshof, dass Leiharbeiter &ndash; die bekanntlich zum gro&szlig;en Teil sogenannte Gastarbeiter waren und sind &ndash; nicht schlechter bezahlt werden d&uuml;rfen als Stammbesch&auml;ftigte. Bislang verdienten jene bis zu einem Drittel weniger Stundenlohn.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/p><p>Jeder, der sich einmal mit dem Bild Deutschlands in der Welt besch&auml;ftigt hat, wird &auml;hnlich wie J&uuml;rgen Hogrefe angesichts des peinlichen &bdquo;Zeichensetzens&ldquo; der deutschen Fu&szlig;ballmannschaft fragen: &bdquo;Woher stammt eigentlich unsere &Uuml;berheblichkeit? Und die Ma&szlig;losigkeit? Weswegen m&uuml;ssen wir unabl&auml;ssig Leuten aus anderen L&auml;ndern und Kulturen vorschreiben, was sie zu tun haben? Wo bleibt die viel beschworene Empathie?&ldquo;[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>In diesem Sinne argumentieren auch andere Pers&ouml;nlichkeiten, die um das au&szlig;enpolitische Ansehen in Deutschland besorgt sind. Lars Pohlmeier von der Organisation &Auml;rzte f&uuml;r die Verh&uuml;tung des Atomkrieges (IPPNW) warb in einem Interview im Februar 2023 f&uuml;r mehr Realismus und selbstkritische R&uuml;ckschau auf das eigne Verhalten, etwa im Ukraine-Krieg, und mahnte an: &bdquo;Wir m&uuml;ssen wieder zur&uuml;ck dazu, universelle demokratische Werte zu vereinbaren, deren Einhaltung &uuml;berpr&uuml;ft und bei Verst&ouml;&szlig;en durch unabh&auml;ngige internationale Gremien sanktioniert werden. <em>Und wir m&uuml;ssen endlich dazu bereit sein, uns solchen Regeln auch selbst zu unterwerfen und dies nicht nur von anderen zu fordern<\/em> (Hervorhebung von mir &ndash; UvdH).&ldquo;[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/p><p><strong>Was w&auml;re, wenn&hellip;?<\/strong><\/p><p>Die TV-&Uuml;bertragungen und Kommentierungen rund um das Sportereignis in Katar sowie das &uuml;berhebliche Auftreten deutscher Politiker in anderen Regionen der Welt geben berechtigten Anlass, dass sich in ideologisch-politischer Hinsicht, seit Deutschland ein Kolonialreich hatte, nicht viel ge&auml;ndert hat. Denn bis in die Gegenwart hinein versp&uuml;ren Aktivisten, Journalisten und Politiker das Bed&uuml;rfnis, sich daf&uuml;r einsetzen zu m&uuml;ssen, dass das deutsche Wesen dazu beitragen solle, eine andere Welt nach ihrem historisch und politisch zweifelhaften Gusto zu errichten. Das w&auml;ren vor einigen Jahrzehnten Steilvorlagen f&uuml;r Au&szlig;enpolitiker, Publizisten und Wissenschaftler damaliger Staaten des sozialistischen Lagers gewesen! Oder h&auml;tte sich &bdquo;der Westen&ldquo; solch ein paternalistisch-kolonialistisches Gehabe angesichts des damals noch realen politischen Gegners erst gar nicht erlaubt?<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Pixelvario<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/202ca192a70c4d9d961d062e56fb1b4a\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Vgl. ausf&uuml;hrlicher hierzu Schubert-Lehnhardt, Viola: Die DDR als Gesellschaftsentwurf mit sozialen und feministischen Anspruch, in: Bollinger, Stefan (Hrsg.): Die DDR in der gesamtdeutschen Geschichte &ndash; Vertane Chance, Sackgasse, Nachwirkungen, Neuruppin 2022, S. 97&ndash;108.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Siehe die Angaben der damaligen Ministerin und sp&auml;tere Regierende B&uuml;rgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey, in dem Artikel &bdquo;Kein Wort, das den Schmerz beschreibt&ldquo;, in: Berliner Zeitung, 26.06.2020. Nach neuesten Informationen des Hessischen Rundfunks (HR 3) vom 12.11.2023 handelt es sich um etwa 17.000 bedrohte junge Frauen.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Vgl. Hogrefe, J&uuml;rgen: Der Umgang mit Katar ist scheinheilig, in: Der Tagesspiegel, 2.11.2022.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Vgl. hierzu auch Spiller, Christian: Wie viele Arbeiter sind f&uuml;r die WM gestorben?, Interview mit Ellen Wesem&uuml;ller von Amnesty, in: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/sport\/2022-11\/wm-katar-tote-arbeiter\">Zeit online, 16.11.2022<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Vgl. von Mary Abdelaziz-Ditzow: Kritik an Katar ist berechtigt. Bashing aber ist unangebracht, in: Capital, 24.11.2022.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Wirth, Dominic: &bdquo;6500 Tote, aber nicht auf den Baustellen&ldquo;. Interview mit Rita Schiari, in: Luzerner Zeitung, 8.11.2022.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] Br&uuml;mmer, Matthias: &bdquo;Ausbeutung breitet sich aus.&ldquo; Interview mit dem Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gastst&auml;tten in der Region Oldenburg\/Ostfriesland, in: Die Tageszeitung (taz), 4.12.2015.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Vgl. 44 Millionen Schlachttiere importiert, in: Neues Deutschland, 23.06.2017.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Balser, Markus: Geheime Schlachtordnung, in: S&uuml;ddeutsche Zeitung, 2.06.2017. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Vgl. die DPA-Meldung in: Neues Deutschland, 16.12.2022.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Hogrefe, J&uuml;rgen: Der Umgang&hellip;, a.a.O.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Pohlmeier, Lars: Mediatoren dringend gesucht. Interview mit Gisela D&uuml;rselen, in: Neues Deutschland, 13.02.2023.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer glaubt, dass die weltweite Blamage Deutschlands durch die deutsche Au&szlig;enpolitik gegen Ende des Jahres 2022, als die Fu&szlig;ballweltmeisterschaft in Katar die Zeitungsseiten und TV-Sendungen beherrschte, beendet sein k&ouml;nnte, wird eines Besseren belehrt. Es geht munter weiter, wirft man einen Blick auf die (nicht nur Au&szlig;en-)Politik der Ampel-Regierung. Von <strong>Ulrich van der Heyden<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":107920,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,183,161],"tags":[1041,1740,3212,3089,834,2603,1479,1792],"class_list":["post-107919","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-medienkritik","category-wertedebatte","tag-amnesty-international","tag-arbeitsbedingungen","tag-doppelte-standards","tag-frauenrechte","tag-fussball","tag-gastarbeiter","tag-katar","tag-kolonialismus"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/shutterstock_2388975667.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107919","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=107919"}],"version-history":[{"count":31,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107919\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":108007,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107919\/revisions\/108007"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/107920"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=107919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=107919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=107919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}