{"id":107927,"date":"2023-12-09T13:00:43","date_gmt":"2023-12-09T12:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107927"},"modified":"2026-02-16T08:56:37","modified_gmt":"2026-02-16T07:56:37","slug":"konflikt-zwischen-venezuela-und-guyana-spitzt-sich-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107927","title":{"rendered":"Konflikt zwischen Venezuela und Guyana spitzt sich zu"},"content":{"rendered":"<p>Die Ank&uuml;ndigung der venezolanischen Regierung, das v&ouml;lkerrechtlich umstrittene Esequibo-Gebiet k&uuml;nftig als venezolanisches Staatsterritorium zu behandeln, sorgt f&uuml;r Unruhe in der Region. Am Dienstag hat Pr&auml;sident Nicol&aacute;s Maduro&nbsp;<a href=\"https:\/\/albaciudad.org\/2023\/12\/presidente-maduro-anuncia-nueve-acciones-para-la-recuperacion-por-la-guayana-esequiba\/\">eine Reihe von Ma&szlig;nahmen<\/a>&nbsp;verk&uuml;ndet, um das&nbsp;<a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2023\/12\/267091\/venezuela-esequibo-referendum\">Referendum<\/a>&nbsp;&uuml;ber den Territorialkonflikt mit Guyana vom vergangenen Sonntag umzusetzen. Guyana wiederum erschwert mit Vergabe von &Ouml;lf&ouml;rderlizenzen einvernehmliche L&ouml;sung des Territorialkonflikts. Von <strong>Amerika21<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDas venezolanische Parlament verabschiedete am Mittwoch in erster Lesung einstimmig ein Gesetz, das die Schaffung des Bundesstaats &bdquo;Guayana Esequiba&rdquo; vorsieht. Zudem wies Maduro die staatlichen Erd&ouml;l- und Rohstoffkonzerne PDVSA und CVG an, Ableger f&uuml;r den Esequibo zu gr&uuml;nden sowie F&ouml;rderlizenzen f&uuml;r Erd&ouml;l, Gas und Mineralien zu vergeben. Die milit&auml;rische Pr&auml;senz nahe des Gebietes solle au&szlig;erdem verst&auml;rkt werden.<\/p><p>In einer rechtlich nicht bindenden Abstimmung hatten sich am Sonntag&nbsp;<a href=\"https:\/\/albaciudad.org\/2023\/12\/elvis-amoroso-ratifica-que-mas-de-10-millones-de-personas-participaron-en-el-referendo\/\">laut offiziellen Angaben<\/a>&nbsp;10,43 Millionen W&auml;hler beteiligt und zu gut 95 Prozent die Position der venezolanischen Regierung unterst&uuml;tzt. Da der Nationale Wahlrat (CNE) keine detaillierten Ergebnisse ver&ouml;ffentlicht hat, ist eine transparente &Uuml;berpr&uuml;fung der Angaben nicht m&ouml;glich.<\/p><p>Der guyanische Pr&auml;sident Ali Irfaan bezeichnete die von Maduro verk&uuml;ndeten Ma&szlig;nahmen in einem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/OPGuyana\/videos\/899944721116235\/\">Videostatement<\/a>&nbsp;als &bdquo;direkte Bedrohung f&uuml;r Guyana, seine territoriale Integrit&auml;t, Souver&auml;nit&auml;t und politische Unabh&auml;ngigkeit&rdquo;. Es handele sich um &bdquo;eine Verletzung grundlegender Prinzipien des internationalen Rechts&rdquo; und der Anordnungen des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag. Dessen Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r den Fall erkennt Venezuela jedoch nicht an. Am vergangenen Freitag hatte der Gerichtshof beide Parteien dazu aufgerufen, jegliche Aktion zu unterlassen, die den Status quo ver&auml;ndern sollen, so lange der Fall gerichtlich nicht gekl&auml;rt ist.<\/p><p>Ali k&uuml;ndigte zudem an, den Fall vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen. Die guyanischen Streitkr&auml;fte seien in Alarmbereitschaft versetzt worden und st&uuml;nden in Kontakt mit milit&auml;rischen Partnern, darunter auch dem US-S&uuml;dkommando (US Southcom). Die venezolanische Regierung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.vtv.gob.ve\/venezuela-comando-sur-presencia-guayana-esequiba\/\">kritisierte Guyana harsch daf&uuml;r<\/a>, &bdquo;gr&uuml;nes Licht&rdquo; f&uuml;r die Pr&auml;senz des US Southcom im Esequibo gegeben zu haben, und warnte vor der Installierung von US-Milit&auml;rbasen in der Region. Am Donnerstag&nbsp;<a href=\"https:\/\/gy.usembassy.gov\/southcom-to-conduct-flight-over-guyana\/\">best&auml;tigte<\/a>&nbsp;die US-Botschaft in Guyana die Durchf&uuml;hrung gemeinsamer &Uuml;bungsfl&uuml;ge des US Southcom und der Guyana Defense Force (GDF). Die brasilianische Regierung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/americas\/brazil-reinforces-border-with-venezuela-guyana-over-esequibo-tensions-2023-12-05\/\">st&auml;rkte indes ihre Milit&auml;rpr&auml;senz<\/a>&nbsp;im Grenzgebiet zu Venezuela, und Guyana sprach sich deutlich&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/americas\/brazil-sees-no-risk-armed-conflict-between-guyana-venezuela-minister-2023-12-06\/\">gegen eine weitere Eskalation<\/a>&nbsp;aus. Die Regierungen Venezuelas und Guyanas einigten sich am Mittwoch darauf,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/es\/guyana-y-venezuela-acuerdan-mantener-abiertos-canales-de-comunicaci%C3%B3n-sobre-el-esequibo\/a-67651975\">ihre Kommunikationskan&auml;le offen zu lassen<\/a>. Der venezolanische Au&szlig;enminister Yv&aacute;n Gil und sein guyanischer Amtskollege Hugh Todd&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.aporrea.org\/actualidad\/n388493.html\">f&uuml;hrten<\/a>&nbsp;ein Telefongespr&auml;ch &uuml;ber den Territorialstreit.<\/p><p>Unterdessen gehen die venezolanischen Beh&ouml;rden gegen Personen vor, die sich gegen die Durchf&uuml;hrung des Referendums gestellt hatten. Generalstaatsanwalt Tarek William Saab erlie&szlig; am Mittwoch Haftbefehle gegen 13 oppositionelle Politiker. Die Vorw&uuml;rfe handeln von &bdquo;destabilisierenden und konspirativen Aktionen&rdquo;, die einen Boykott des Referendums erreichen sollten. Betroffen sind mehrere Personen aus dem Umfeld der designierten Pr&auml;sidentschaftskandidatin der Opposition, Mar&iacute;a Corina Machado.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.elnacional.com\/venezuela\/presidente-de-la-ong-sumate-roberto-abdul-detenido-por-funcionarios-del-sebin\/\">Verhaftet wurde bisher nur Roberto Abdul-Hadi<\/a>, Pr&auml;sident der oppositionellen Nichtregierungsorganisation S&uacute;mate, die Machado nahesteht. Auch betroffen sind bekannte exilierte Oppositionspolitiker wie Leopoldo L&oacute;pez, Juan Guaid&oacute; und Julio Borges sowie die prominenten chavistischen Ex-Minister Rafael Ram&iacute;rez und Andr&eacute;s Izarra, die beide in Europa leben. Bei den Anspr&uuml;chen auf den Esequibo sind sich Regierung und Opposition, anders als bei anderen Themen, jedoch weitgehend einig.<\/p><p>Mit Ausnahme einer Flussinsel wird das d&uuml;nn besiedelte, 160.000 Quadratkilometer gro&szlig;e Esequibo-Gebiet (etwa die Gr&ouml;&szlig;e Tunesiens), von Guyana verwaltet. Die staatliche Pr&auml;senz ist allerdings gering. Der Esequibo macht etwa zwei Drittel von Guyanas deklariertem Staatsgebiet aus, besteht &uuml;berwiegend aus schwer zug&auml;nglichem Waldgebiet und hat knapp 130.000 Einwohner. Diese sprechen &uuml;berwiegend Englisch, aber auch andere Sprachen. In der Esequibo-Region leben mindestens neun indigene Gruppen, von denen sich mehrere auf beiden Seiten der Grenze bewegen. Zudem sind Goldsucher aus Brasilien und Venezuela in dem rohstoffreichen Gebiet aktiv. Die Meinung der lokalen Bev&ouml;lkerung spielt in dem alten Konflikt bisher keine Rolle. Im 18. Jahrhundert z&auml;hlte Spanien das Gebiet zu seinem Kolonialreich.<\/p><p>Nach der Unabh&auml;ngigkeit Venezuelas im Jahre 1811 wurde der Esequibo daher zun&auml;chst als venezolanisches Gebiet ausgewiesen. 1814 erwarb Gro&szlig;britannien Teile des heutigen Guyanas von den Niederlanden und beauftragte den deutschen Forschungsreisenden Robert Schomburgk 1840, die westliche Grenze der Kolonie zu definieren. 1899 sprach ein internationales Schiedsgericht die Esequibo-Region schlie&szlig;lich British Guyana zu. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden allerdings begr&uuml;ndete Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Schiedsgerichtes bekannt. Wenige Monate vor der Unabh&auml;ngigkeit Guyanas im Jahr 1966 erkannte Gro&szlig;britannien im &bdquo;Vertrag von Genf&rdquo; an, dass der Konflikt durch Verhandlungen gel&ouml;st werden solle. Guyana beruft sich bis heute auf den Schiedsspruch von 1899, Venezuela hingegen pocht auf den Vertrag von 1966.<\/p><p>An Brisanz gewann der Konflikt ab 2015, als ein Konsortium um den US-Konzern ExxonMobil gro&szlig;e Erd&ouml;lvorkommen und Gasvorr&auml;te vor der K&uuml;ste entdeckte. Guyana hat dem Konsortium, dem mit der&nbsp;<a href=\"https:\/\/cnoocinternational.com\/en\/operations\/americas\/guyana\">China National Offshore Oil Corporation<\/a>&nbsp;(CNOOC) auch ein chinesischer Staatskonzern angeh&ouml;rt, bereits F&ouml;rderlizenzen zur Ausbeutung des Stabroek Blocks vor der K&uuml;ste des Esequibo erteilt. Bis 2027 will das kleine Land 1,2 Millionen Barrel Erd&ouml;l am Tag produzieren, momentan sind es zwischen 300.000 und 400.000. Die geplante Vergabe weiterer Konzessionen hat den Streit weiter angefacht.<\/p><p><em>Dieser Artikel erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2023\/12\/267150\/konflikt-venezuela-guyana\">Amerika21<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Zarko Prusac<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105206\">Stimmen aus Lateinamerika: &bdquo;Guayana ist eine vorgeschobene Operationsbasis der Nato&rdquo;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103191\">Vom Hinterhof zum Vorgarten &ndash; 200 Jahre Monroe-Doktrin<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=105555\">Koloniales Erbe: Spannungen zwischen Guyana und Venezuela um das &ouml;lreiche Gebiet Esequibo<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/b641502471564ed79a0a91f3cfed9518\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ank&uuml;ndigung der venezolanischen Regierung, das v&ouml;lkerrechtlich umstrittene Esequibo-Gebiet k&uuml;nftig als venezolanisches Staatsterritorium zu behandeln, sorgt f&uuml;r Unruhe in der Region. 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Von <strong>Amerika21<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":107929,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,20,178],"tags":[2760,1613,3440,2071,1333,1464],"class_list":["post-107927","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-ressourcen","tag-bodenschaetze","tag-brasilien","tag-guyana","tag-maduro-nicolas","tag-venezuela","tag-volksabstimmung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/shutterstock_1848888646-1.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107927","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=107927"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107927\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":146323,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/107927\/revisions\/146323"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/107929"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=107927"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=107927"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=107927"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}