{"id":10805,"date":"2011-09-23T13:57:51","date_gmt":"2011-09-23T11:57:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10805"},"modified":"2014-09-11T11:18:02","modified_gmt":"2014-09-11T09:18:02","slug":"warum-eurobonds","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10805","title":{"rendered":"Warum Eurobonds?"},"content":{"rendered":"<p>Wie wir aus zahlreichen Zuschriften wissen, gibt es bei unseren Lesern ein gro&szlig;es Interesse am Thema Eurobonds. Zeit, sich dieses Thema einmal ausf&uuml;hrlicher anzunehmen, zumal viele klassische Medien sich bei der Berichterstattung nicht eben mit Ruhm bekleckern und verschiedene Interessengruppen gezielt Desinformation streuen. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Der Status quo<\/strong><\/p><p>Jedes Euroland ist selbst f&uuml;r die Ausgabe seiner Anleihen verantwortlich. In Deutschland ist beispielsweise die <a href=\"http:\/\/www.deutsche-finanzagentur.de\/startseite\/\">Finanzagentur<\/a> im Auftrag des Finanzministeriums f&uuml;r das Schuldenmanagement des Bundes zust&auml;ndig. Vereinfacht stellt sich das folgenderma&szlig;en dar: Das Finanzministerium sagt, zu welchem Zeitpunkt der Bund Geld ben&ouml;tigt und die Finanzagentur versteigert die Bundesanleihen so, dass sie zeitlich mit den anderen Zahlungsverpflichtungen des Bundes abgestimmt sind. Bei der Versteigerung erhalten die Bieter den Zuschlag, die den jeweils h&ouml;chsten Kurswert versprechen, der mit der niedrigsten Verzinsung einhergeht. S&auml;mtliche Eurol&auml;nder haben vergleichbare Mechanismen, um K&auml;ufer f&uuml;r ihre jeweiligen Anleihen zu finden.<\/p><p>Zu welchem Zins Anleihen ausgegeben werden, h&auml;ngt somit einzig und allein von der Bereitschaft der K&auml;ufer ab. Die &bdquo;goldene Regel&ldquo; der Kreditvergabe besagt, dass ein h&ouml;heres Risiko mit einem h&ouml;heren Zins einhergeht. Nicht erst seit der Einf&uuml;hrung des Euros gilt die Bundesanleihe aufgrund ihres geringen Risikos als Benchmark f&uuml;r andere Anleihen. In Finanzkreisen wird daher auch vom sogenannten &bdquo;Bund-Spread&ldquo; gesprochen &ndash; also der Zinsdifferenz einer Anleihe zur jeweils vergleichbaren Bundesanleihe. Vor der Finanzkrise lag dieser &bdquo;Bund-Spread&ldquo; f&uuml;r s&uuml;deurop&auml;ische Anleihen meist nur bei geringen 20 bis 30 Basispunkten &ndash; das bedeutet, dass L&auml;nder wie Spanien oder Italien lediglich 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte h&ouml;here Zinsen als Deutschland zahlen mussten. <\/p><p>Von diesem &bdquo;Bund-Spread&ldquo; waren und sind jedoch auch L&auml;nder betroffen, deren Verschuldung und Haushaltsdisziplin eigentlich wesentlich solider als die Deutschlands sind. F&uuml;r Investoren und Spekulanten spielt nicht nur die Sicherheit, sondern auch die &bdquo;Liquidit&auml;t&ldquo; eine Rolle bei der Zinsbemessung. Bei kleineren L&auml;ndern wie beispielsweise &Ouml;sterreich, den Niederlanden oder Finnland ist der Markt f&uuml;r Anleihen nun einmal wesentlich kleiner als der Markt f&uuml;r Bundesanleihen. Wenn ein Spekulant gr&ouml;&szlig;ere Mengen dieser Papiere kauft oder verkauft, kann dies signifikante Auswirkungen auf den Kurs haben. Der Markt f&uuml;r Bundesanleihen ist jedoch derart gro&szlig; und liquide, dass solche Ausschl&auml;ge ziemlich schnell wieder ausgeglichen werden. Dieser &bdquo;eingebaute Schutz vor Spekulanten&ldquo; ist ein Grund, warum institutionelle Anleger wie Pensionsfonds oder Lebensversicherungen gerne zu &bdquo;gro&szlig;en Anleihen&ldquo; wie Bundesanleihen oder US-Treasury-Bonds greifen, obwohl sie f&uuml;r diese Papiere einen geringeren Zins bekommen als f&uuml;r die Anleihen kleinerer, aber durchaus grundsolider Staaten.<\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"upload\/bilder\/110923_Eurobonds.png\" alt=\"Teure Kredite f&uuml;r Eurokrisenl&auml;nder\" title=\"Teure Kredite f&uuml;r Eurokrisenl&auml;nder\"><\/p><p>Seit der Finanzkrise sind die Zeiten der kleinen Zinsaufschl&auml;ge jedoch vorbei. Die Spekulanten nutzen die Konstruktionsfehler des Eurosystems gnadenlos aus, um gegen verschiedene Eurol&auml;nder zu wetten. Zu den Hintergr&uuml;nden und Auswirkungen auf die Zinsen vieler Eurol&auml;nder durch diese Spekulationen haben die NachDenkSeiten bereits berichtet:<\/p><ul>\n<li><a href=\"?p=10585\">Die Eurokrise in Zahlen (I) &ndash; Wie Mustersch&uuml;ler zu Problemkindern wurden<\/a><\/li>\n<li><a href=\"?p=10641\">Eurokrise in Zahlen (II) &ndash; Krisengewinnler Neoliberalismus<\/a><\/li>\n<\/ul><p><strong>Teufelskreis aus Zinsen, Schuldenbremsen und Spekulationen<\/strong><\/p><p>Im gegenw&auml;rtigen Rahmen bedeuten h&ouml;here Zinsen den Beginn eines Teufelskreises, der die angegriffenen L&auml;nder in eine prek&auml;re Situation bringen kann. H&ouml;here Zinsen bedeuten immer auch einen h&ouml;heren Zinsdienst. Der betroffene Staat muss also f&uuml;r seine neu aufgelegten Anleihen, die zwingend notwendig sind, um auslaufende Anleihen zu bedienen, mehr Geld zahlen. Daraus ergeben sich im gegenw&auml;rtigen Rahmen zwei Handlungsoptionen: Entweder der Staat nimmt noch mehr Schulden auf, um die h&ouml;heren Zinslasten zu bedienen und riskiert damit eine weitere Abstufung durch die Ratingagenturen und eine weitere Erh&ouml;hung der Zinsen. Oder er k&uuml;rzt Ausgaben in anderen Bereichen, um die h&ouml;heren Zinslasten zu bedienen und w&uuml;rgt damit die Konjunktur ab, was in der Folgeperiode zu sinkenden Staatseinnahmen f&uuml;hrt, womit sich die Frage nach den Handlungsoptionen erneut stellt. Aus diesem Teufelskreis gibt es im gegenw&auml;rtigen Rahmen kein Entkommen. Die Sparprogramme, die europaweit aufgelegt werden, sind keine L&ouml;sung, sondern eine simple Verschiebung des Problems. <\/p><p>Um die Spekulationen zu unterbinden und die daraus resultierenden brandgef&auml;hrlichen Folgen f&uuml;r die betroffenen Staaten abzuwenden, muss der Teufelskreis aus h&ouml;heren Zinsen und Sparprogrammen oder h&ouml;herer Neuverschuldung gestoppt werden. Um dies zu erreichen, muss das betreffende Land eine M&ouml;glichkeit bekommen, sich weitestgehend unabh&auml;ngig vom Einfluss der Spekulanten zu refinanzieren. Ein solches Modell m&uuml;sste folgenderma&szlig;en aussehen:<\/p><ul>\n<li>Die Zinsen m&uuml;ssten niedrig sein<\/li>\n<li>Die Liquidit&auml;t m&uuml;sste hoch sein<\/li>\n<li>Die Sicherheit m&uuml;sste hoch sein<\/li>\n<\/ul><p>Die beste M&ouml;glichkeit w&auml;re freilich eine direkte Staatsfinanzierung &uuml;ber die Zentralbanken, wie wir sie im Artikel <a href=\"?p=9857\">&bdquo;Staatsfinanzierung als Subvention des Finanzsektors&ldquo;<\/a> bereits angerissen haben. Leider ist eine solche L&ouml;sung aber momentan politisch nicht umsetzbar, da vor allem die deutsche Regierung aus ideologischen Gr&uuml;nden oder ihrer Verflechtung mit dem Finanzsektor nicht das geringste Interesse daran hat, die unglaubliche Subventionierung des Finanzsektors, die mit der Refinanzierung &uuml;ber die Finanzm&auml;rkte einhergeht, zu beenden. Den einzig sinnvollen &ndash; wenn auch nur zweitbesten &ndash; L&ouml;sungsansatz, dessen politische Umsetzung nicht vollkommen ausgeschlossen ist, stellen die sogenannten &bdquo;Eurobonds&ldquo; dar.<\/p><p><strong>Eurobonds als Alternativer<\/strong><\/p><p>Der gro&szlig;e Unterschied von Eurobonds zu nationalen Anleihen ist die gemeinsame Haftung. F&uuml;r Eurobonds haftet die gesamte Eurozone, somit wird die erstklassige Sicherheit deutscher, &ouml;sterreichischer, finnischer oder niederl&auml;ndischer Anleihen in die Waagschale geworfen, um die schlechtere Sicherheit von L&auml;ndern, die nach Ansicht der Ratingagenturen und der Spekulanten weniger solide sind, auszugleichen. Anstatt nie enden wollende Rettungsschirme aufzuspannen, m&uuml;ssten die Eurol&auml;nder bei Eurobonds &bdquo;lediglich&ldquo; einen Mechanismus entwerfen, der die Haftungsfrage kl&auml;rt.<\/p><p>Dabei ist es freilich zwingend erforderlich, dass die Eurobonds zu 100% durch die Mitgliedsstaaten abgesichert sind. Dies w&uuml;rde freilich bedeuten, dass vermeintlich solide L&auml;nder voll f&uuml;r vermeintlich unsolide L&auml;nder haften &ndash; ansonsten w&auml;re das Modell zum Scheitern verurteilt, da es Ratingagenturen und Spekulanten genau den Hebel in die Hand geben w&uuml;rde, was die Eurobonds ja verhindern sollen. &Auml;u&szlig;erungen, <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/finanzen\/:schuldenkrise-fuer-s-p-sind-eurobonds-ramsch\/60099640.html\">wie die der Ratingagentur Standard &amp; Poors<\/a>, die suggerieren, dass das Rating f&uuml;r Eurobonds sich am schw&auml;chsten Eurozonenmitglied ausrichten wird, verkennen &ndash; fahrl&auml;ssig oder vors&auml;tzlich &ndash; die gemeinsame Haftung als Grundlage von Eurobonds. Was Standard &amp; Poors mit solchen Dummheiten bezweckt, ist unbekannt. Dass die versammelte deutsche Presselandschaft diese Dummheiten unreflektiert wiedergibt, mag etwas mit Denkfaulheit zu tun haben, obgleich Stimmungsmache <a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/2011\/09\/04\/eurobonds-uberfordern-uns-aber-nur-intellektuell_3516\">die wahrscheinlichere Erkl&auml;rung ist<\/a>.<\/p><p><strong>Was kosten uns die Eurobonds?<\/strong><\/p><p>Ebenfalls in die Kategorie &bdquo;Stimmungsmache&ldquo; geh&ouml;ren die &Auml;u&szlig;erungen von Hans-Werner Sinn, der &uuml;ber sein ifo-Institut <a href=\"http:\/\/www.cesifo-group.de\/portal\/pls\/portal\/docs\/1\/1211447.PDF\">ausrechnen lie&szlig; [PDF &ndash; 570 KB]<\/a>, dass Eurobonds f&uuml;r den deutschen Bundeshaushalt zu j&auml;hrlichen Mehrbelastungen in H&ouml;he von 47 Milliarden Euro f&uuml;hren w&uuml;rden. Die zugrundeliegende Berechnung als Milchm&auml;dchenrechnung zu bezeichnen, w&uuml;rde jedoch jedes Milchm&auml;dchen beleidigen. Sinns Rechenk&uuml;nstler haben ganz einfach den Mittelwert f&uuml;r die Zinsen aller Eurol&auml;nder ermittelt und ihn als Zins f&uuml;r die Eurobonds unterstellt. Wenn man die spekulationsbedingten Aufschl&auml;ge f&uuml;r s&uuml;deurop&auml;ische Anleihen mit einberechnet, so kommt man auf einen Zinsaufschlag von 2,3% gegen&uuml;ber den Bundesanleihen. Doch diese Berechnung widerspricht fundamental den oben umrissenen elementaren Regeln des Anleihenmarktes.<\/p><p>Durch die gemeinsame Haftung sind Eurobonds nicht so &bdquo;sicher&ldquo; wie der Durchschnitt der nationalen Anleihen, sondern so sicher wie das st&auml;rkste Mitgliedsland, das schlie&szlig;lich in letzter Konsequenz f&uuml;r die Eurobonds haftet. Die Gesamtverschuldung der Eurozone ist mit rund 85,1% des Bruttoinlandsprodukts jedoch geringer als die Verschuldung der USA, die in diesem Jahr die 100%-Marke &uuml;bersteigt. Es gibt keinen Grund anzunehmen, warum die Schulden der Eurozone unsicherer sein sollten als die Schulden der USA. Daher gibt es auch keinen Grund (wenn man mal Wechselkurs- und W&auml;hrungseffekte beiseite l&auml;sst) anzunehmen, warum Eurobonds eine h&ouml;here Verzinsung haben sollten als die Treasury-Bonds der USA. Es gibt auch keinen Grund anzunehmen, dass Eurobonds bei Investoren nicht als sicherer Hafen gelten k&ouml;nnten. Welche Anlageform gibt es schon, die &auml;hnlich sicher ist? <\/p><p>Es gibt einen weiteren entscheidenden Faktor, der daf&uuml;r spricht, dass Eurobonds &uuml;berhaupt keinen relevanten Zinsaufschlag gegen&uuml;ber den heutigen Bundesanleihen haben d&uuml;rften. Au&szlig;er US-Staatsanleihen gibt es kein Finanzinstrument, das h&ouml;chste Sicherheit mit einer derart hohen Liquidit&auml;t (die Gesamtstaatsverschuldung der Eurozone liegt bei rund 7.000 Milliarden Euro) in Verbindung mit einer ebenfalls hoch liquiden Ausgabew&auml;hrung kombiniert. Sicher, auch Schweizer Bundesanleihen gelten als sehr sicher &ndash; es gibt aber nicht genug davon, um alle institutionellen Anleger zu bedienen (die Schweiz ist nur mit rund 209 Milliarden Franken verschuldet) und der Schweizer Franken birgt als &bdquo;kleinere&ldquo; W&auml;hrung, die zudem Spekulationseffekten unterworfen ist, ein signifikantes W&auml;hrungsrisiko.  <\/p><p>Vor allem die gro&szlig;en institutionellen Anleger, wie Pensionsfonds und Lebensversicherer, m&uuml;ssen aufgrund der gesetzlichen Kapitalanlagerestriktionen ihre Einlagen (alleine die deutschen Lebensversicherer verwalten eine Versicherungssumme in H&ouml;he von 2.600 Milliarden Euro) zu gro&szlig;en Teilen in Staatsanleihen im eigenen W&auml;hrungsraum investieren. Welche Papiere werden diese Anleger wohl kaufen, wenn es nur noch Eurobonds gibt? Die Finanzm&auml;rkte sind schlicht und einfach nicht gro&szlig; genug, um seri&ouml;se Produkte vorzuhalten, die eine realistische Alternative zu Eurobonds w&auml;ren, und daher ist es auch unsinnig anzunehmen, dass es relevante Zinsaufschl&auml;ge auf Eurobonds geben wird.<\/p><p>Ein weiterer gro&szlig;er Vorteil von Eurobonds besteht darin, dass sie alleine aufgrund der hohen Liquidit&auml;t einen systemimmanenten Schutzmechanismus gegen Spekulanten h&auml;tten. Spekulanten schaffen es zwar, den griechischen, spanischen und sogar den italienischen Anleihenmarkt zu manipulieren &ndash; an einem &bdquo;7-Billionen-Euro-Markt&ldquo; mit inh&auml;renter R&uuml;ckendeckung durch die EZB w&uuml;rden sie sich jedoch die Z&auml;hne ausbei&szlig;en. Eurobonds h&auml;tten somit den gro&szlig;en Vorteil, allen Eurol&auml;ndern g&uuml;nstige Zinsen zu erm&ouml;glichen und gleichzeitig einen Schutzschirm vor Spekulanten zu spannen. <\/p><p><strong>Beispiel Italien<\/strong><\/p><p>Um die Vorteile von Eurobonds zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf Italien. Das Land ist mit rund 1.900 Milliarden Euro verschuldet. Momentan muss Italien jedes Jahr rund 80 Milliarden Euro zur Bedienung der Zinskosten zahlen. Wenn das Land seine gesamten Schulden zum aktuellen Marktzins von 5,7% neu aufnehmen m&uuml;sste, w&uuml;rden die Zinskosten auf 108 Milliarden Euro steigen. Legt man jedoch den aktuellen Marktzins f&uuml;r Bundesanleihen von 1,8% an, w&uuml;rden die Zinskosten auf 34 Milliarden Euro sinken. Wenn man einmal unterstellt, dass der Zins f&uuml;r Eurobonds sich am Zins f&uuml;r Bundesanleihen orientiert, betr&auml;gt der Vorteil f&uuml;r Italien somit 74 Milliarden Euro &ndash; Geld, das nicht nur zur R&uuml;ckzahlung der Schulden verwendet werden kann, sondern auch ausreichend Man&ouml;vriermasse f&uuml;r Konjunkturprogramme darstellt. Dank der gesunkenen Zinskosten w&auml;re die Politik auch nicht gezwungen, sich auf  kontraproduktive und halsbrecherische Sparprogramme einzulassen.<\/p><p><strong>Einfallstor f&uuml;r den Schlendrian?<\/strong><\/p><p>Ein weiteres Argument, das immer wieder gegen Eurobonds ins Spiel gebracht wird, ist die popul&auml;re Fehlannahme, dass die nationalen Regierungen in unbegrenztem Umfang von diesem Instrument Gebrauch machen k&ouml;nnten. Diese Sorge ist jedoch komplett unbegr&uuml;ndet. Die vertragliche Ausgestaltung der Eurobonds obliegt der europ&auml;ischen Politik und es gibt viele mehr oder weniger gute M&ouml;glichkeiten, die einen &bdquo;Missbrauch&ldquo; wirkungsvoll verhindern k&ouml;nnen. Als ein Beispiel von vielen sei hier die Aufteilung in &bdquo;blaue&ldquo; und &bdquo;rote&ldquo; Eurobonds genannt.<\/p><p>Bei diesem Modell darf jeder Staat so lange &bdquo;blaue&ldquo; Bonds ausgeben, bis das Volumen einen vertraglich festgelegten Grenzwert &uuml;berschritten hat. Dies k&ouml;nnte beispielsweise das Maastricht-Kriterium von 3% des Bruttoinlandsprodukts sein. Will ein Land h&ouml;here Schulden aufnehmen, muss es &bdquo;rote&ldquo; Bonds ausgeben, f&uuml;r die dann jedoch nicht die Gemeinschaft, sondern ausschlie&szlig;lich das betreffende Land haftet und die dadurch mit einem signifikanten Zinsaufschlag verbunden w&auml;ren. Dieser Schutzmechanismus ist jedoch gleichzeitig eine Achillesferse bei der Konstruktion der Eurobonds. Aus deutschen Kreisen ist bereits die Idee durchgesickert, die Grenze zwischen &bdquo;blauen&ldquo; und &bdquo;roten&ldquo; Bonds nicht an der Neuverschuldung, sondern an der Staatsschuldenquote festzumachen. F&uuml;r L&auml;nder mit einer hohen Staatsschuldenquote hie&szlig;e dies jedoch, dass sie die Vorteile der &bdquo;blauen&ldquo; Bonds kaum nutzen k&ouml;nnten und im Endeffekt sogar noch f&uuml;r ihre schlechteren Startbedingungen bei der Einf&uuml;hrung der Eurobonds bestraft w&uuml;rden. Ein solches Vorgehen w&uuml;rde somit nicht die gew&uuml;nschte Stabilit&auml;t bringen, sondern &ndash; im Gegenteil &ndash; die Situation abermals versch&auml;rfen und die &bdquo;roten&ldquo; Bonds zu einem Spielfeld f&uuml;r Spekulanten machen. <\/p><p>Nicht nur die Trennung anhand der Gesamtverschuldung, sondern auch die Trennung anhand der Neuverschuldung hat ihre T&uuml;cken. Setzt man die Grenzwerte unrealistisch niedrig an, kann es passieren, dass L&auml;nder in eine fiskalische Notsituation geraten. Kein Land nimmt nur aus &bdquo;Spa&szlig; an der Freud&acute;&ldquo; Kredite zu hohen Zinsen auf. Ein Land, das sich in einer Notlage befindet, &uuml;ber h&ouml;here Zinsen auch noch zus&auml;tzlich zu bestrafen, kann allerdings nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Sinnvoller w&auml;re da sicherlich eine Ausgabe der &bdquo;roten&ldquo; Eurobonds &uuml;ber einen speziellen Mechanismus, bei dem eine gemeinschaftliche Finanzierungsanstalt die Eurobonds ausgibt und mit einem festgelegten Strafaufschlag an die betreffenden Staaten weiterreicht. Dies h&auml;tte den Vorteil, dass der Strafaufschlag politisch bestimmt werden k&ouml;nnte und das Schicksal ganzer Volkswirtschaften somit nicht dem Wankelmut und der Gier der Spekulanten ausgeliefert w&uuml;rde.<\/p><p><strong>Was Eurobonds nicht k&ouml;nnen<\/strong><\/p><p>H&auml;tte die Eurozone bereits bei ihrer Gr&uuml;ndung auf das Instrument gemeinsamer Anleihen gesetzt, w&auml;re es nie zur den Spekulationen am Anleihenmarkt gekommen, die heute ganze Volkswirtschaften in ihrer Existenz bedrohen.<\/p><p>Die grundlegenden volkswirtschaftlichen Probleme allerdings, wie beispielsweise die unterschiedlichen Lohnst&uuml;ckkosten und damit die unterschiedliche Wettbewerbsf&auml;higkeit, werden durch Eurobonds nicht gel&ouml;st. (siehe dazu: H. Flassbeck und F. Spiecker: <a href=\"upload\/pdf\/110812_Flassbeck_Intereconomics.pdf\">The Euro &ndash; a Story of Misunderstanding [PDF &ndash; 130 KB]<\/a>). Eurobonds sind kein Allheilmittel und keine eierlegende Wollmilchsau. Sie sind lediglich ein sinnvolles Instrument, um die Eurokrise zu entsch&auml;rfen und die Staatsfinanzierung von dem Wankelmut und der Gier der M&auml;rkte sowie der Macht und der Willk&uuml;r des Finanzsektors und der Ratingagenturen zu entkoppeln. Sie sind vor allem eine <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/34690_34698.htm\">notwendige Bedingung<\/a> f&uuml;r jegliche Diskussion &uuml;ber die Umschuldung oder den Schuldenschnitt bestimmter Eurol&auml;nder.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/d8749b2a39f14c1591d30bd0c72f3f7b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wir aus zahlreichen Zuschriften wissen, gibt es bei unseren Lesern ein gro&szlig;es Interesse am Thema Eurobonds. 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