{"id":108084,"date":"2023-12-12T09:10:22","date_gmt":"2023-12-12T08:10:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108084"},"modified":"2023-12-13T07:30:08","modified_gmt":"2023-12-13T06:30:08","slug":"1000-und-ein-tunnel-maerchenhaft-sind-bei-stuttgart-21-nur-die-intrigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108084","title":{"rendered":"1000 und ein Tunnel. M\u00e4rchenhaft sind bei Stuttgart 21 nur die Intrigen."},"content":{"rendered":"<p>Alle mal g&auml;hnen! Das Bahnprojekt Stuttgart 21 wird mindestens zwei Milliarden Euro teurer als nach der letzten Fehleinsch&auml;tzung. Alle mal lauschen! Die Macher hatten sich nie verrechnet, sie wussten schon vor mindestens zehn Jahren vom sicheren finanziellen Supergau, bis auf die Stelle hinterm Komma. Der &Ouml;ffentlichkeit tischten sie andere Zahlen auf, damit weiter gebuddelt werden konnte &ndash; gegen jede Vernunft und mit maximaler Verachtung der B&uuml;rger. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_6603\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-108084-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231212_1000_und_ein_Tunnel_Maerchenhaft_sind_bei_Stuttgart_21_nur_die_Intrigen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231212_1000_und_ein_Tunnel_Maerchenhaft_sind_bei_Stuttgart_21_nur_die_Intrigen_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231212_1000_und_ein_Tunnel_Maerchenhaft_sind_bei_Stuttgart_21_nur_die_Intrigen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231212_1000_und_ein_Tunnel_Maerchenhaft_sind_bei_Stuttgart_21_nur_die_Intrigen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=108084-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231212_1000_und_ein_Tunnel_Maerchenhaft_sind_bei_Stuttgart_21_nur_die_Intrigen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231212_1000_und_ein_Tunnel_Maerchenhaft_sind_bei_Stuttgart_21_nur_die_Intrigen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Kostenexplosionen bei Stuttgart 21 (S21) haben irgendwie nichts mehr von Knalleffekt. Sie kommen so sicher wie Silvester und bescheren doch nur noch Langeweile. Die erste Sch&auml;tzung lag bei 2,5 Milliarden Euro, laut Finanzierungsvertrag von 2009 waren es dann schon 4,5 Milliarden Euro, 2016 wurden daraus 6,5 Milliarden Euro, sp&auml;ter 8,2 Milliarden Euro, Anfang 2022 dann 9,2 Milliarden Euro. Bis zur Zehn-Milliarden-H&uuml;rde war es da nicht mehr weit, und die Frage lautete nicht, ob, sondern wann sie endlich f&auml;llt. Seit ein paar Tagen steht eine neue Hausnummer im Raum: Deutschlands irrwitzigstes Bahnprojekt soll noch einmal 1,7 Milliarden Euro teurer werden und bis zur Fertigstellung <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/wirtschaft\/unternehmen\/bahn-stuttgart-21-kosten-teurer-100.html\">rund elf Milliarden Euro<\/a> verschlingen. Mindestens: Denn die Planer planen mit einem &bdquo;Puffer&ldquo; von weiteren 500 Millionen Euro &ndash; f&uuml;r den Fall unvorhersehbarer Umst&auml;nde, wie sie bei S21 die Regel sind. Womit man bei 11,5 Milliarden Euro w&auml;re. Prost Neujahr!<\/p><p>Offiziell best&auml;tigt sind die Zahlen noch nicht. Sie sollen aus Kreisen des Aufsichtsrats der Deutschen Bahn (DB) stammen, wie am vergangenen Donnerstag die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete. Zuvor wurden sie bereits bei der j&uuml;ngsten Sitzung des S21-Lenkungskreises gehandelt. Irgendeine Ausrede findet sich immer: Schuld an der Entwicklung sollen diesmal die erh&ouml;hten Baukosten sein. Verglichen mit dem davor bem&uuml;hten Kostenrahmen bel&auml;uft sich der Zuschlag auf satte 25 Prozent in nur zwei Jahren &ndash; so viel Inflation gab es sonst nur im Supermarkt. F&uuml;r Carl Wa&szlig;muth, Sprecher beim B&uuml;ndnis &bdquo;Bahn f&uuml;r alle&ldquo;, sind die st&auml;ndigen Ausgabensteigerungen Ausdruck von &bdquo;Erpressung&ldquo;. Die beteiligten Baufirmen h&auml;tten Stuttgarts Herz aufgerissen, &bdquo;und sie n&auml;hen es erst wieder zu, wenn ihnen alle Mondpreise bezahlt wurden&ldquo;, bemerkte er gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten.<\/p><p><strong>Zeitpuffer bis 2099<\/strong><\/p><p>Das kann lange dauern, denn der st&auml;rkste Preistreiber ist der Faktor Zeit, insbesondere in Hochzinsphasen, die Kreditgebern eine goldige Zukunft garantieren. Urspr&uuml;nglich wollten die Macher das Vorhaben bis 2019 realisieren und nicht erst bis zum blo&szlig; scheinbar namensgebenden Jahr 2021. Tats&auml;chlich steht S21 f&uuml;r das 21. Jahrhundert, womit immerhin noch allerhand Spielraum bleibt. Wie es hei&szlig;t, wolle man trotzdem an dem vor zwei Jahren kolportierten Er&ouml;ffnungstermin bis Dezember 2025 festhalten, wohl wissend, dass auch daraus nichts wird.<\/p><p>&bdquo;Realistischer&ldquo; sei das Jahr <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/stuttgart\/stuttgart-21-wird-spaeter-fertig-100.html\">&bdquo;2026 oder 2027&ldquo;<\/a>, schrieb am Freitag der <em>S&uuml;dwestdeutsche Rundfunk (SWR)<\/em> unter Berufung auf Insider. Recherchen h&auml;tten &bdquo;Fehlplanungen der Bahn&ldquo; offenbart, &bdquo;Verz&ouml;gerungen beim Innenausbau der Bahnhofshalle und Probleme mit einem Partnerunternehmen, das bei der Digitalisierung des Bahnknotens Schwierigkeiten hat&ldquo;. Vor wenigen Wochen erst wurden die daf&uuml;r ma&szlig;geblichen Unternehmensteile aus der Thales Group an die japanische Hitachi Rail ver&auml;u&szlig;ert, wodurch es nun &bdquo;Personalengp&auml;sse, unklare Strukturen sowie Lieferengp&auml;sse bei Materialien&ldquo; gebe.<\/p><p>Dabei soll gerade die Digitalisierung des Bahnknotens die vielen materiellen M&auml;ngel des Systems irgendwie kompensieren. Das Hauptdilemma besteht bekanntlich darin, dass der k&uuml;nftige Tiefbahnhof deutlich geringere Kapazit&auml;ten hat als der bisherige Kopfbahnhof. Schlie&szlig;lich soll dieser nicht weichen, um den Bahnbetrieb zu optimieren, sondern um Platz zu schaffen f&uuml;r die Bebauung profitabler Grundst&uuml;cke. Also wird dessen Performance komprimiert beziehungsweise virtualisiert oder eben digitalisiert, was f&uuml;r gew&ouml;hnlich bedeutet: Es wird alles schlechter.<\/p><p><strong>Kein Regionalzug am Hauptbahnhof<\/strong><\/p><p>S21 setzt in dieser Hinsicht neue Ma&szlig;st&auml;be. Dieter Reicherter, Sprecher beim <a href=\"https:\/\/kopfbahnhof-21.de\/\">&bdquo;Aktionsb&uuml;ndnis gegen Stuttgart 21&ldquo;<\/a>, listete am Montag im Gespr&auml;ch mit den NachDenkSeiten nur ein paar der Schwachstellen auf: Regionalz&uuml;ge w&uuml;rden den Tiefbahnhof in Zukunft &bdquo;gar nicht anfahren, sondern am Stadtzentrum vorbei &uuml;ber drei Extrabahnh&ouml;fe geleitet&ldquo;. Brandschutz und Evakuierung seien &bdquo;ungel&ouml;st&ldquo;, Gleisneigung und zahlreiche Doppelbelegungen der Bahnsteige beeintr&auml;chtigten die Leistungsf&auml;higkeit. &bdquo;Beim Ausfall einer Tunnelr&ouml;hre bricht das System zusammen und Stuttgart ist vom Bahnverkehr weitgehend abgeschnitten&ldquo;, setzte Reicherter nach. &bdquo;Und auf alles wird noch das elektronische Zugleitsystem ETCS aufgepfropft. Originalton der Bahn: &sbquo;Daf&uuml;r gibt es keine Blaupause.&lsquo;&ldquo;<\/p><p>Tats&auml;chlich sorgte das European Train Control System in der Vergangenheit immer wieder f&uuml;r Zugausf&auml;lle. Dabei soll es eigentlich einen zuverl&auml;ssigeren, schnelleren und dichteren Zugverkehr gew&auml;hrleisten und die Fahrgastkapazit&auml;ten erh&ouml;hen. Also setzt man auf das Prinzip Hoffnung. &bdquo;Der digitale Knoten Stuttgart ist der herausforderndste Punkt&ldquo;, unkte unl&auml;ngst DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber. Es m&uuml;ssten aktuell alle Reserven ausgesch&ouml;pft werden, damit die Testphasen wie geplant durchgef&uuml;hrt werden k&ouml;nnten. Dass es eng werden k&ouml;nnte mit einer S21-Er&ouml;ffnung in den n&auml;chsten zwei Jahren, schwant auch Baden-W&uuml;rttembergs Verkehrsminister Winfried Hermann von den Gr&uuml;nen, einst passionierter &bdquo;S&thinsp;21&ldquo;-Gegner. Dem SWR beschied er: &bdquo;Von einem Holperstart haben wir alle nichts.&ldquo;<\/p><p><strong>Warten auf den Rumpfbetrieb<\/strong><\/p><p>Dabei wird schon bald 14 Jahre lang geholpert. Seit dem ersten Spatenstich verunm&ouml;glicht das Mammutprojekt einen geregelten Bahnverkehr in Deutschland, torpediert die viel beschworene Mobilit&auml;tswende und produziert Klimagase ohne Ende. Nachdem die Botschaft vom n&auml;chsten Offenbarungseid des Aufsichtsrats die Runde gemacht hatte, meldete sich die Stuttgarter Gemeinderatsfraktion aus Die Linke, S&Ouml;S, Piraten- und Tierschutzpartei per Pressemitteilung zu Wort: <a href=\"https:\/\/diefraktion-stuttgart.de\/2023\/12\/07\/pm-naechste-kostenexplosion-beim-tunnelwahnsinn-stuttgart-21\/\">&bdquo;Mit den S21-Ausgaben h&auml;tte man ganz Stuttgart klimaneutral machen k&ouml;nnen.&ldquo;<\/a> Dass S21 &bdquo;kein Beitrag zur Verkehrswende, sondern schon heute eine Qual f&uuml;r alle Bahnreisenden ist, ist l&auml;ngst klar&ldquo;, &auml;u&szlig;erte sich Luigi Pantisano von der Linkspartei. Aber die &bdquo;echten Probleme&ldquo; w&uuml;rden erst richtig mit der Inbetriebnahme beginnen. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Mit dem geplanten Rumpfbetrieb wird das Desaster von diesem Tag an richtig sp&uuml;rbar.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Kopfweh bereitet den Stadtpolitikern auch die Finanzierungsfrage. Wer die Mehrbelastungen wird tragen m&uuml;ssen, steht n&auml;mlich in den Sternen. Die Kostenverteilung &ndash; zwischen dem Land Baden-W&uuml;rttemberg, der DB, dem Flughafen Stuttgart, der Stadt und dem Verband Region Stuttgart &ndash; ist nur f&uuml;r den bei Baubeginn veranschlagten Kostenrahmen von 4,5 Milliarden Euro geregelt. Bei allem, was dar&uuml;ber hinausgeht, nehmen laut Kontrakt die &bdquo;EIU&ldquo;, also die Bahn-Unternehmen, &bdquo;und das Land Gespr&auml;che auf&ldquo;. Die Landesregierung beharrt allerdings darauf, nur die vereinbarten 930 Millionen Euro beizusteuern, und weigert sich eisern, auch nur einen Euro mehr zu bezahlen. Die DB als Projekttr&auml;gerin und Bauherrin habe die Risiken allein zu schultern.<\/p><p><strong>Stadt droht Bankrott<\/strong><\/p><p>Der Staatskonzern sieht das nicht ein und hat <a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swraktuell\/baden-wuerttemberg\/stuttgart\/s21-bahn-will-projektpartner-an-mehrkosten-beteiligen-100.html\">Klage beim Stuttgarter Verwaltungsgericht<\/a> eingereicht, die seit Mai 2023 verhandelt wird. Im August hatte sie vor Gericht pr&auml;zisiert, dass s&auml;mtliche Projektpartner an m&ouml;glichen Gesamtkosten von &bdquo;bis zu 11,8 Milliarden Euro&ldquo; (sic) zu beteiligen w&auml;ren. Das tr&auml;fe freilich auch die Landeshauptstadt. Hannes Rockenbauch von der Partei Stuttgart &Ouml;kologisch Sozial sieht schwarz: &bdquo;Wenn die Bahn AG damit durchkommt, ist die Stadt zahlungsunf&auml;hig.&ldquo; Aber Oberb&uuml;rgermeister Frank Nopper (CDU) schaue &bdquo;bei all dem nur belustigt und ahnungslos zu&ldquo;.<\/p><p>So oder so steht fest: Begleichen wird die Zeche die Allgemeinheit, also der Steuerzahler. Denn selbst wenn nur die Bahn drauflegen muss, geh&ouml;rt die immer noch dem Staat. Und mit den nun aufgerufenen knapp zw&ouml;lf Milliarden Euro ist die Sache l&auml;ngst nicht erledigt. Wie die NachDenkSeiten vor knapp drei Jahren unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=70196\">&bdquo;Doppelter Rohrkrepierer&ldquo;<\/a> berichtet hatten, wird S21 obendrein um sogenannte Erg&auml;nzungsprojekte erweitert, die den drohenden Totalschaden durch den Kapazit&auml;tsabbau abwenden sollen.<\/p><p>Laut Reicherter handelt es sich dabei &bdquo;in Wahrheit um eine Verschlimmbesserung mit weiteren fast 50 Kilometern an Tunnelr&ouml;hren, darunter der l&auml;ngste Eisenbahntunnel Deutschlands zwischen B&ouml;blingen und Flughafen Stuttgart&ldquo;. Der Irrsinn der neuen Ideen zeige sich etwa darin, &bdquo;dass man eine bereits fertige Tunnelr&ouml;hre wieder aufrei&szlig;en will, um den Anschluss f&uuml;r weitere zus&auml;tzliche Tunnel herzustellen&ldquo;. Der DB-Kritiker rechnet mit Arbeiten, die bis in die 2040er-Jahre andauern w&uuml;rden, massive Klimafolgen h&auml;tten und nach vorsichtigen Sch&auml;tzungen weitere f&uuml;nf Milliarden kosten sollen. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ohne allzu pessimistisch sein zu wollen, darf man jedoch getrost von weiteren zehn Milliarden Euro ausgehen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Vors&auml;tzlich gelogen<\/strong><\/p><p>Aber der Skandal ist noch viel gr&ouml;&szlig;er als gedacht. Nach einem neueren Bericht der <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> waren die wiederholten Kostenexplosionen im zur&uuml;ckliegenden Jahrzehnt nur vorget&auml;uschte Knaller. Demnach wussten die Verantwortlichen mindestens seit 2013, welche finanziellen Dimensionen das Projekt annehmen und dass sich der Starttermin um etliche Jahre verschieben wird. Kalkulationen h&auml;tten schon damals Kosten &bdquo;zwischen 10,7 und 11,3 Milliarden Euro&ldquo; ergeben und damit das Vierfache dessen, was der &Ouml;ffentlichkeit weisgemacht wurde. &bdquo;Doch die brisanten Hochrechnungen von Experten blieben unter Verschluss&ldquo;, schrieb das Blatt, &bdquo;und der Staatskonzern sowie die damalige Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) verhinderten den Abbruch des damals schon v&ouml;llig aus dem Ruder gelaufenen Tunnelprojekts am Neckar.&ldquo;<\/p><p>Der Autor des Artikels beruft sich unter anderem auf den Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter, dessen Gr&uuml;nen-Partei das Projekt nach dem 2011er-Volksentscheid pro S21 auf Landesebene und heute als Teil der Bundesregierung &bdquo;mit Bauchschmerzen&ldquo; mitverantwortet. Zu Hofreiters Verteidigung: Er selbst hatte seinerzeit auf die Mauscheleien &ouml;ffentlich aufmerksam gemacht, was aber ohne Folgen blieb. &bdquo;W&auml;ren die wahren Kosten und Zeitpl&auml;ne ehrlich zugegeben worden, h&auml;tte man S21 nie begonnen oder wenigstens sp&auml;ter abgebrochen&ldquo;, sagt er heute.<\/p><p><strong>Ausstieg jetzt!<\/strong><\/p><p>Erwogen wurde ein Abbruch sogar im Bundesverkehrsministerium. &bdquo;Die Argumente, eine weitere Finanzierung nicht abzulehnen, sind zu schwach&ldquo;, hie&szlig; es in einem internen Dossier, das der <em>Stuttgarter Zeitung<\/em> zugespielt wurde. &bdquo;Der Aufsichtsrat der DB AG unter Leitung von Utz-Hellmuth Felcht beschloss nach Druck aus dem Kanzleramt dennoch den Weiterbau &ndash; mit den intern vorhergesagten und nun durch die Realit&auml;t best&auml;tigten Folgen.&ldquo; Und man verkaufte die Menschen im Land mit einer &bdquo;politischen Zahl&ldquo; f&uuml;r dumm, &bdquo;um das Projekt am Leben zu erhalten&ldquo;. Noch einmal Hofreiter: &bdquo;Stuttgart 21 steht f&uuml;r ein beispielloses Betr&uuml;gen der &Ouml;ffentlichkeit und ein katastrophales Versagen.&ldquo;<\/p><p>Zu fragen ist, warum er diese Bombe jetzt noch einmal platzen l&auml;sst. Zu hoffen ist, dass er damit jene Kr&auml;fte st&auml;rken will, die nach wie vor auf einen Abschied von Stuttgart 21 pochen. &bdquo;Noch immer sind die Ausstiegskosten wesentlich g&uuml;nstiger als die Fortf&uuml;hrung, erst recht auf lange Sicht&ldquo;, bekr&auml;ftigte Wa&szlig;muth von &bdquo;Bahn f&uuml;r alle&ldquo;. Dabei verwies er auf &Uuml;berlegungen durch Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), die dringende Erneuerung einsturzgef&auml;hrdeter Br&uuml;cken vorerst abzublasen, um so Haushaltsl&ouml;cher zu stopfen. &bdquo;Lindner soll mal in Stuttgart in den Krater am Hauptbahnhof schauen. Wenn er S21 stoppt, kann er einige Milliarden Euro sparen&ldquo;, so Wa&szlig;muth. &bdquo;Und f&uuml;r den Bahnverkehr w&auml;re es auch ein Gl&uuml;ck.&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: 2630ben\/shutterstock.com<\/small><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/4a2d54b0bb5c4dacb605995fef86655d\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle mal g&auml;hnen! Das Bahnprojekt Stuttgart 21 wird mindestens zwei Milliarden Euro teurer als nach der letzten Fehleinsch&auml;tzung. Alle mal lauschen! Die Macher hatten sich nie verrechnet, sie wussten schon vor mindestens zehn Jahren vom sicheren finanziellen Supergau, bis auf die Stelle hinterm Komma. 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