{"id":108147,"date":"2023-12-13T12:18:16","date_gmt":"2023-12-13T11:18:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108147"},"modified":"2023-12-13T16:12:24","modified_gmt":"2023-12-13T15:12:24","slug":"corona-fuer-literatur-film-und-fernsehen-offenbar-ein-tabu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108147","title":{"rendered":"Corona? F\u00fcr Literatur, Film und Fernsehen offenbar ein Tabu"},"content":{"rendered":"<p>Jede zeitliche Periode, jedes mehr oder weniger wichtige geschichtliche Ereignis musste schon als Rahmen f&uuml;r unz&auml;hlige Romane, Spielfilme oder sonstige Fernsehproduktionen herhalten. Wie viele B&uuml;cher und Filme gibt es beispielsweise, deren Rahmenhandlung der Mauerfall ist? Unz&auml;hlige. Doch was ist mit den Coronajahren? Dabei g&auml;ben die Coronama&szlig;nahmen und all die Irrungen und Wirrungen, die pers&ouml;nlichen Schicksale im Gro&szlig;en wie im Kleinen doch ein &auml;u&szlig;erst vielschichtiges Sujet f&uuml;r k&uuml;nstlerische Ans&auml;tze ab. Doch hier herrscht g&auml;hnende Leere. Noch nicht einmal in den zeitgen&ouml;ssischen TV-Produktionen dieser Jahre kamen Masken, Schulschlie&szlig;ungen, Ausgangssperren oder der Umgang mit Ungeimpften vor. Ist das nicht seltsam? Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9071\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-108147-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231213_Corona_Fuer_Literatur_Film_und_Fernsehen_offenbar_ein_Tabu_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231213_Corona_Fuer_Literatur_Film_und_Fernsehen_offenbar_ein_Tabu_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231213_Corona_Fuer_Literatur_Film_und_Fernsehen_offenbar_ein_Tabu_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231213_Corona_Fuer_Literatur_Film_und_Fernsehen_offenbar_ein_Tabu_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=108147-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231213_Corona_Fuer_Literatur_Film_und_Fernsehen_offenbar_ein_Tabu_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231213_Corona_Fuer_Literatur_Film_und_Fernsehen_offenbar_ein_Tabu_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Allein im letzten Jahr sind in Deutschland fast 65.000 B&uuml;cher ver&ouml;ffentlicht worden. Die Zahl der Kino- und TV-Filme samt Serien geht in Zeiten von Streamingangeboten ohnehin durch die Decke. Man hat das Gef&uuml;hl, jede Geschichte wurde in irgendeiner Form schon mal erz&auml;hlt. Vor allem die gro&szlig;en Themen Liebe und Beziehungen, Alter und Tod, Verzweiflung und Hoffnung, Identit&auml;t und Selbstfindung, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit oder ethische und psychologische Fragen sind die Dauerbrenner bei fiktiven Geschichten. Was sich allerdings &auml;ndert, ist der Rahmen, das Sujet. Man kann eine unvollendete Liebe in Zeiten des Mauerfalls, im Kontext der Fl&uuml;chtlingsdebatte oder verschiedener Kriege erz&auml;hlen. Der Rahmen gibt stets Ans&auml;tze f&uuml;r spannende Geschichten abseits des Haupterz&auml;hlungsstrangs. Doch warum ist gerade die Coronapandemie ein Rahmen, der so gut wie nie gew&auml;hlt wird?<\/p><p>Lie&szlig;e sich keine gute Geschichte erz&auml;hlen, bei der beispielweise die Eltern im Altenheim versterben, ohne dass man sie dank der Besuchsverbote ein letztes Mal gesehen hat und auf dem Sterbebett mit ihnen den letzten Frieden geschlossen hat? W&auml;re es nicht erz&auml;hlenswert, sich die psychischen Probleme von Kindern in Zeiten der Schulschlie&szlig;ungen und des Lockdowns einmal vorzunehmen? Und wie ist es mit der Liebe? Mein damals frisch verliebter Schwager aus L&ouml;rrach war beispielsweise wochenlang von seiner Freundin aus Basel durch einen Grenzzaun getrennt. Sie trafen sich dann illegal, indem sie die gr&uuml;ne Grenze &uuml;bertraten. Ist das keine Geschichte, die erz&auml;hlt werden kann? <\/p><p>Aber nein, diese Geschichten, die in welcher Form auch immer fast jeder von uns in den letzten Jahren erlebt hat, werden nicht erz&auml;hlt. Noch nicht einmal als Rahmen scheint die Coronazeit f&uuml;r Autoren von Romanen und Drehb&uuml;chern interessant zu sein. Zumindest ist mir keine Produktion bekannt, bei der z.B. eine der handelnden Figuren eine Gastst&auml;tte nicht betreten darf, weil sie nicht geimpft ist. Die zahlreichen Fernsehkommissare mussten auch nie die Verbrecherjagd pausieren lassen, weil sie daheim auf ihre Kinder aufpassen mussten, die nicht mehr in den Kindergarten oder die Schule gehen durften. Besonders auff&auml;llig: Selbst in Produktionen, die w&auml;hrend der Coronazeit unter den G-Regeln stattfanden, tr&auml;gt niemand vor der Kamera eine Maske. Warum? <\/p><p>Auf dieses &bdquo;Warum?&ldquo; habe ich weder im Kleinen noch im Gro&szlig;en eine wirklich &uuml;berzeugende Antwort. Will man das Publikum nicht abschrecken? Gibt es eine Schere im Kopf? Ist der Schmerz noch zu frisch und muss von den Kreativen selbst erst noch verarbeitet werden? Ist es Feigheit oder Scham, weil man selbst ein Mitl&auml;ufer war und dies lieber verdr&auml;ngen will? Oder ist jegliche Kritik an den Ma&szlig;nahmen &ndash; und sei sie nur in die Rahmenhandlung eingebettet &ndash; von den Verlagen und Studios unerw&uuml;nscht? <\/p><p>Vielleicht wissen Sie da ja mehr als ich oder haben eine &uuml;berzeugende Erkl&auml;rung. Auf mich wirkt es jedenfalls so, als g&auml;be man sich die gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche M&uuml;he, das Thema und alles, was damit zusammenh&auml;ngt, so gut wie m&ouml;glich zu verdr&auml;ngen, ja zu tabuisieren. Vielleicht m&uuml;ssen ja noch einige Jahre ins Land gehen, bis unsere Kulturschaffenden dieses hei&szlig;e Eisen anfassen. <\/p><p><small>Titelbild: Media Whale Stock\/shutterstock.com<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/ddb709b1fe72408296153c24bbc29fb5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jede zeitliche Periode, jedes mehr oder weniger wichtige geschichtliche Ereignis musste schon als Rahmen f&uuml;r unz&auml;hlige Romane, Spielfilme oder sonstige Fernsehproduktionen herhalten. Wie viele B&uuml;cher und Filme gibt es beispielsweise, deren Rahmenhandlung der Mauerfall ist? Unz&auml;hlige. Doch was ist mit den Coronajahren? 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