{"id":10818,"date":"2011-09-26T11:59:40","date_gmt":"2011-09-26T09:59:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10818"},"modified":"2014-09-11T14:16:29","modified_gmt":"2014-09-11T12:16:29","slug":"albrecht-mullers-wochenruckblick-zur-besonderen-verankerung-der-union-bei-medien-und-vorfeldorganisationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10818","title":{"rendered":"Albrecht M\u00fcllers Wochenr\u00fcckblick: Zur besonderen Verankerung der Union bei Medien und Vorfeldorganisationen."},"content":{"rendered":"<p>Bei den Wahlen in Berlin am vor-vergangenen Sonntag ist die FDP abgestraft worden. Die CDU nicht. Warum eigentlich nicht? Die Politik von Merkel (CDU) und Sch&auml;uble (CDU) in der wichtigen Frage, wie man mit der Finanzkrise und der Krise um Griechenland umgeht, ist nur in Nuancen kompetenter. Auch diese beiden haben die Spekulation im Zusammenhang mit Griechenland immer wieder angeheizt. Und sie huldigen der popul&auml;ren aber falschen Vorstellung, mit Sparabsicht k&ouml;nne man immer und &uuml;berall einen Sparerfolg erzielen. Die Union kommt trotz ihrer wirtschaftspolitischen und finanzpolitischen Inkompetenz besser weg als die FDP, und als SPD, Gr&uuml;ne und Linke sowieso, weil CDU und CSU in den Medien und auch in anderen wichtigen Einrichtungen ausgezeichnet vertreten ist. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Zur besonderen Verankerung der Union bei Medien und Vorfeldorganisationen ein paar Beispiele aus der letzten Woche:<\/strong><\/p><p>Die Woche endete gestern Abend mit einem Soloauftritt der Bundeskanzlerin in der Talkshow von Jauch. Der Auftritt kam auf Anregung von Merkel zu Stande, wie Spiegel Online unter der &Uuml;berschrift <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/tv\/0,1518,druck-788295,00.html\">&bdquo;Kanzlerin bei Jauch&ldquo;<\/a> berichtet:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Eigentlich wollte G&uuml;nther Jauch &uuml;ber den Papst plaudern. Mit Thomas Gottschalk zum Beispiel. Dann aber rief Angela Merkel an: Sie h&auml;tte auch Zeit am Sonntag.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Das Ergebnis war entsprechend den W&uuml;nschen der Bundeskanzlerin (CDU):<\/p><blockquote><p>&bdquo;So pl&auml;tschert das Ganze dahin, unaufgeregt, ohne Sch&auml;rfe und Klamauk, ganz in Merkels Sinn. Am Fernsehger&auml;t d&uuml;rfte sich mancher wieder ganz geborgen gef&uuml;hlt haben bei dieser Frau und ihrer zur Schau gestellten Gelassenheit. &ldquo;Mutti&rdquo;, so wird die Kanzlerin ja gern genannt, bis in die Reihen der CDU. Und Jauch, der gilt als der perfekte Schwiegersohn. Mutti und der Schwiegersohn &ndash; das ist Krisen-TV zum Wohlf&uuml;hlen. Alles im Griff, alles wird gut. Ob bei dieser Inszenierung aber auch die eigenen Leute mitspielen, muss sich in dieser Woche erst noch zeigen.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Keine Sorge, die eigenen Leute werden vom Erfolg dieser Inszenierung beeindruckt sein.<\/p><p>Selbstverst&auml;ndlich ist ein solcher Auftritt, und die Tatsache, dass sich der Talkshowgast selbst einl&auml;dt, nicht. Bei den fr&uuml;heren Bundeskanzlern der SPD, bei Brandt und Schmidt, war das so nicht m&ouml;glich. Aber schon Kohl hat so &uuml;ber die Medien regiert. Er hatte dank seiner Freundschaft zum Medienmacher Kirch und seiner zu Gunsten von Kirch betriebenen Kommerzialisierung des Fernsehens bei SAT 1 eine eigene Sendung arrangiert bekommen.<\/p><p>Auf ein herausragendes Beispiel von Kampagnenjournalismus zu Gunsten der Regierenden von der Union haben wir in den NachDenkSeiten am 21. September aufmerksam gemacht &ndash; die <a href=\"?p=10783\">gleichgeschaltete und unkritische Berichterstattung zum so genannten Gl&uuml;cksatlas<\/a>. (Nebenbei muss ich zu diesem das heute journal des ZDF und andere Medien kritisch betrachtenden Beitrags korrigierend nur anmerken, was einer unserer Leser moniert hat: Auch beim heute journal des ZDF gibt es manchmal einen Lichtblick &ndash; dann, wenn Marietta Slomka moderiert.)<\/p><p>Die Union hat ihren Einfluss in den Medien systematisch ausgebaut. Angela Merkel pflegt den besonderen Kontakt zu den entscheidenden Frauen bei Springer und Bertelsmann, zu Liz Mohn und Friede Springer. Der Einfluss der Union bei den lokalen und regionalen Medien ist traditionell gro&szlig;. Durch die &Uuml;bernahme bzw. die Einflussnahme konservativer Verleger auf Bl&auml;tter wie die S&uuml;ddeutsche Zeitung und die Frankfurter Rundschau ist der linksliberale Geist auch dort auf dem R&uuml;ckzug. Seit dem ersten Machtverlust im Jahr 1969 baut die Union systematisch den Einfluss in den Rundfunkanstalten aus. Das in der letzten Woche erlebte Beispiel der Berichterstattung &uuml;ber den Gl&uuml;cksatlas im ZDF ist die Spitze eines Eisbergs. Fast &uuml;berall wurde vom Gl&uuml;cksgef&uuml;hl der Deutschen berichtet. Das zielt genau auf das Anliegen von CDU und CSU ab, den Eindruck zu vermitteln, es gehe uns rundum gut, ihre Politik sei erfolgreich. &ndash; Der von der Union wie von der FDP betriebene Schm&auml;h gegen&uuml;ber anderen L&auml;ndern, gegen&uuml;ber Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Irland, wird von den meisten Medien unterst&uuml;tzt und angefeuert. Damit lenkt man erfolgreich von den eigenen Fehlern und der gro&szlig;en Verantwortung der deutschen Politik f&uuml;r die Fehlentwicklungen im Euro-Raum ab.<\/p><p><strong>Kritische Gegengewichte?<\/strong><\/p><p>Gelegentlich gibt es ja Lichtblicke in der unseligen Debatte zu Euro und Finanzkrise &ndash; so am vergangenen Mittwoch in der Financial Times Deutschland. Dort erschien ein Leitartikel auf der ersten Seite mit einem Pl&auml;doyer daf&uuml;r, auf die drohenden Gefahren einer massiven Rezession mit einer expansiven Geld- und Konjunkturpolitik zu antworten. Immerhin wird in der gleichen Ausgabe des Blattes auf den Teufelskreis von Einsparungen und fallendem Wachstum hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, dass die Urs&uuml;nde (<strong>eine<\/strong> Urs&uuml;nde, w&uuml;rde ich sagen) der jetzigen Krise vom Duo Merkel\/Steinbr&uuml;ck begangen wurde, als diese beiden vor drei Jahren auf nationale L&ouml;sungen bei der Bankenrettung setzten. Damals rettete dieses Duo die M&uuml;nchner HypoRealEstate und damit &uuml;ber 80 Milliarden Forderungen von privaten Gl&auml;ubigern an dieses Institut. Gezahlt haben wir. Die Bankenrettung ist eine wesentliche Ursache f&uuml;r den Schuldenanstieg &ndash; hierzulande wie auch bei den meisten der geschm&auml;hten anderen V&ouml;lker.<\/p><p>Beitr&auml;ge gegen den Strich wie in der erw&auml;hnten Ausgabe der Financial Times Deutschland sind in den deutschen Medien selten, in der &ouml;konomischen Wissenschaft sowieso. Das ist in Frankreich <strong>etwas<\/strong> anders. Dort wird in der Wissenschaft der &Ouml;konomie wenigstens etwas differenzierter diskutiert. In der Politik sieht es unter dem Einfluss der Vorherrschaft der deutschen ideologischen Debatte auch d&uuml;ster aus. Die sechs Kandidaten der sozialistischen Partei f&uuml;r die Nominierung als Pr&auml;sidentschaftskandidat haben sich dem deutschen Vorbild zugewandt. &Uuml;ber diesen erstaunlichen Schwenk wie auch &uuml;ber die franz&ouml;sische Debatte berichtete Le Monde am 20. September. Gerhard Kilper hat die beiden Artikel dankenswerterweise f&uuml;r die NachDenkSeiten reportiert. Siehe Anhang 1.<\/p><p><strong>Anzeichen der gro&szlig;en Verankerung der Union im Vorfeld der Medien<\/strong><\/p><p>Am vergangenen Freitag, 23 September, strahlte der Deutschlandfunk in der Serie &bdquo;Das Kulturgespr&auml;ch&ldquo; die Diskussion einer Runde zum Thema <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/kulturgespraech\/1561873\/\">&bdquo;Deutsche Krisenbew&auml;ltigung. Zwischen Entzauberung und Rechthaberei&ldquo;<\/a> aus. Dieses Gespr&auml;ch war in mehrerer Hinsicht interessant:<\/p><p><strong>Erstens<\/strong> wird hier eine Diskussion mit Gertrud H&ouml;hler, Heinz Bude, Gerd Langguth und Michael Naumann als Diskussion mit Wissenschaftlern und Experten und als &bdquo;Kulturgespr&auml;ch&ldquo; angedient. (Zu den einzelnen Personen siehe Anlage 2.) Keine und keiner der Teilnehmer kann als Experte f&uuml;r das gestellte Thema gelten. Ihre wissenschaftliche Qualit&auml;t muss ebenfalls infrage gestellt werden. Entsprechend waren die Einlassungen zum Thema. Zum Beispiel wurde die Bewunderung der extrem hohen deutschen Export&uuml;bersch&uuml;sse nachgebetet, so als sei dies nicht gerade ein gro&szlig;es Problem des Euroraums. Zum Beispiel diente Michael Naumann die Theorie an, die Finanzkrise sei eine Folge der um den Globus jagenden Geldmengen. Von politischer Korruption, von der Abh&auml;ngigkeit der Politik von der Finanzindustrie, von der kriminellen Energie, wie sie bei der Verbriefung amerikanischer Hypothekenschulden sichtbar wurde &ndash; keine Rede. Wenn das eine Runde von Intellektuellen war, dann muss man feststellen: Die Intellektuellen sind &uuml;ber weite Strecken inkompetent und erz&auml;hlen das nach, was sich die Meinungsmacher und Strategen im Hintergrund ausgedacht haben. Was Intellektuelle auszeichnen sollte, ein kritischer Verstand, geht den heute bei uns &bdquo;Intellektuelle&ldquo; genannten offenbar ab.<\/p><p><strong>Zweitens:<\/strong> Die Runde war ausgesprochen rechtslastig. Der ehemalige Kulturstaatsminister Gerhard Schr&ouml;ders und Rechtsau&szlig;en bei der Hamburger SPD, Michael Naumann, war der Linksau&szlig;en dieser Runde, die sich Kulturgespr&auml;ch nennt. Gertrud H&ouml;hler ist bekannterma&szlig;en wirtschaftsnah, Heinz Bude ist bekannt als eifriger Vertreter der Agenda 2010, ein neoliberal eingef&auml;rbter Soziologe mit N&auml;he zu Blair und Schr&ouml;der. Gerd Langguth wird uns als objektiver Professor f&uuml;r Politische Wissenschaft verkauft. Es bleibt unerw&auml;hnt, dass er aktiver K&auml;mpfer in den Reihen der Union, Bundestagsabgeordneter, RCDS-Vorsitzender, Funktion&auml;r der Konrad Adenauer Stiftung, Mitglied des Bundesvorstandes der CDU und, zusammen mit Miegel, Aktivist des rechtskonservativen B&uuml;rgerkonvent war. Bis heute ist definitiv ungekl&auml;rt, woher die Millionen zur Finanzierung des Starts jener Vorfeldorganisation der Union stammt.<\/p><p>Mit dem Auftauchen von Gerd Langguth in dieser Runde wie in vielen anderen Runden wird <strong>drittens<\/strong> an dieser Runde des Deutschlandfunks nicht nur erkennbar, wie weit die Union in die &ouml;ffentlich-rechtlichen Medien beherrscht. Es wird auch schlaglichtartig eine besondere Spielart der Einflussnahme der Union sichtbar: In ihrem Vorfeld tummeln sich Personen wie Gerd Langguth, Michael H&uuml;ther, Warnfried Dettling und Meinhard Miegel, um nur vier Personen aus dem Vorfeld der Union zu nennen, die als objektive Beobachter des Zeitgeschehens und sogar als Wissenschaftler firmieren und jeweils in die Talkrunden, in Interviews und andere Diskussionen eingeschoben werden. Erstaunlich dabei ist schon, wie leicht dieser Betrug zu bewerkstelligen ist. Denn dass die genannten Personen der Union eng verbunden sind, der Wirtschaft nahe stehen und keinesfalls unabh&auml;ngige Wissenschaftler sind, ist ausgesprochen leicht zu erkennen.<br>\nVielleicht beobachten Sie selbst im weiteren Geschehen, wie oft Ihnen diese Personen begegnen. <\/p><p><strong>Der Einfluss der Union auf Medien und Vorfeldorganisationen wird von einer miserablen Personalpolitik der SPD gest&uuml;tzt<\/strong><\/p><p>Das angebliche &bdquo;Kulturgespr&auml;ch&ldquo; unter Leitung des Moderators Norbert Seitz wie auch die Sendung des heute journals zum Gl&uuml;cksatlas und die Ignoranz der ma&szlig;geblichen Kr&auml;fte in Deutschland gegen&uuml;ber den Folgen der so genannten Sparpolitik in der jetzigen konjunkturpolitisch labilen Phase reizen zu einigen Anmerkungen zur Medien- und Personalpolitik der SPD:<\/p><p>&bdquo;Aufseher&ldquo; und Chef des Moderators der Sendung zum Gl&uuml;cksatlas, Klaus Kleber, ist der Chefredakteur Peter Frey. Er ist seit 2010 in diesem Amt und ist dies auf dem so genannten SPD-Ticket geworden. Auch Norbert Seitz ist vermutlich auf Betreiben der SPD zum Angestellten des Deutschlandfunks gemacht worden und moderiert jetzt so rechtslastige Runden wie das Kulturgespr&auml;ch. Er war fr&uuml;her f&uuml;r ein Medienorgan, die Frankfurter Hefte\/Neue Gesellschaft, t&auml;tig, das zum Einflussbereich der SPD geh&ouml;rt.<\/p><p>Einer der Hauptmatadore der neoliberal eingef&auml;rbten Wirtschafts- und Finanzpolitik, der ehemalige Bundesbankpr&auml;sident Weber, ist dies durch Entscheidung von Bundeskanzler Gerhard Schr&ouml;der (SPD) und Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) geworden. Der Vertreter der Finanzwirtschaft in der deutschen Politik und jetzt bei der EZB, J&ouml;rg Asmussen (SPD), verdankt seine &Auml;mter und seinen Einfluss den sozialdemokratischen Finanzministern Eichel und Steinbr&uuml;ck. Merkel hat ihn konsequenterweise &uuml;bernommen und weiter promoviert. Nicht wegen seines angeblichen fachlichen K&ouml;nnens, sondern wegen seiner Interessenverbundenheit mit der Finanzwirtschaft. Auch Bert R&uuml;rup und das Mitglied des Sachverst&auml;ndigenrates, Professor Beatrice Weder di Mauro verdanken ihren unr&uuml;hmlichen Einfluss der SPD.<\/p><p>Es ist offensichtlich ein Markenzeichen der SPD-Personalpolitik, dass die von ihr Ausgew&auml;hlten auf jeden Fall aus dem angepassten Spektrum stammen m&uuml;ssen. Im Zweifel ist ein Konservativer immer noch besser als ein linker Sozialdemokrat &ndash; so diese erkennbare Marschroute. Das ist die Grundregel, sie hat bisher verheerende Folgen f&uuml;r die Debatte und f&uuml;r politische Entscheidungen. Auch dank dieser falschen Personalpolitik weht der Geist rechts, soweit er als solcher &uuml;berhaupt noch auszumachen ist.<\/p><p><strong>Der Papstbesuch geh&ouml;rt auch zum Vorfeld der Union<\/strong><\/p><p>Ein Wochenr&uuml;ckblick ohne Blick auf den Papstbesuch geht eigentlich nicht, k&ouml;nnte man meinen. Da ich mit meinem Beitrag vom 22. September (<a href=\"?p=10795\">Steht die Kirche des Papstes auf den Boden der FDGO?<\/a>) das, was mich angesichts dieses Besuches bewegt, schon geschrieben habe und nichts zur&uuml;ckzunehmen habe, kann ich mich auf wenige Anmerkungen beschr&auml;nken:<\/p><ul>\n<li>Meines Erachtens gab es viel zu viel mediale Aufmerksamkeit f&uuml;r diesen Besuch. Es kam das Oberhaupt <strong>einer<\/strong> Kirche, nicht &bdquo;<strong>der<\/strong> Kirche&ldquo;. Mein Hinweis auf diesen falschen Sprachgebrauch im oben genannten Beitrag hatte keinerlei Wirkung. Immer wieder las ich und h&ouml;rte ich von den Vertretern und Vertreterinnen der Medien: &bdquo;Die Kirche&ldquo;. Gemeint war die r&ouml;misch-katholische Kirche.<\/li>\n<li>Das Medienecho war auch deshalb zu gro&szlig;, weil es diesem Oberhaupt einer Kirche erkennbar um die innerorganisatorische St&auml;rkung ging. Gut getroffen die Schlagzeile meiner Regionalzeitung von heute: &bdquo;Benedikt XVI. ruft deutsche Katholiken zu Demut, Treue und Einheit auf.&ldquo; Die Befolgung solcher Sekund&auml;rtugenden ist offensichtlich gew&uuml;nscht. Aber das ist ein innerorganisatorisches Problem, dass die deutsche &Ouml;ffentlichkeit eigentlich nicht zu interessieren braucht.<\/li>\n<li>Fr&uuml;her haben katholische Priester und Pfarrer von den Kanzeln direkt zur Wahl von CSU und CDU aufgerufen. Das gibt es heute wohl nur noch selten. Insofern gibt es einen Fortschritt. Aber der so breit aufgemachte Medienauftritt des Papstes aus Rom wird seine Wirkung nicht verfehlen. Mich w&uuml;rde es nicht wundern, wenn die Union in den n&auml;chsten Umfragen nach oben klettern w&uuml;rde.\n<p>Der Papst ist besonders belobigt worden f&uuml;r eine Anmerkung in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag. Er hat die &bdquo;&ouml;kologische Bewegung in der deutschen Politik seit den siebziger Jahren&ldquo; besonders gelobt. W&ouml;rtlich:<\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Ich w&uuml;rde sagen, dass das Auftreten der &ouml;kologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht &uuml;berh&ouml;ren darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet.<br>\nJungen Menschen war bewusst geworden, da&szlig; irgend etwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Da&szlig; Materie nicht nur Material f&uuml;r unser Machen ist, sondern da&szlig; die Erde selbst ihre W&uuml;rde in sich tr&auml;gt und wir ihrer Weisung folgen m&uuml;ssen.<br>\nEs ist wohl klar, da&szlig; ich hier nicht Propaganda f&uuml;r eine bestimmte politische Partei mache &ndash; nichts liegt mir ferner als dies. Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann m&uuml;ssen wir alle ernstlich &uuml;ber das Ganze nachdenken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur &uuml;berhaupt verwiesen.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch wenn der Papst ausdr&uuml;cklich betont, er wolle nicht Propaganda f&uuml;r eine bestimmte politische Partei machen, waren die Gr&uuml;nen besonders gl&uuml;cklich &uuml;ber die Bemerkung. Auch die Union kann gl&uuml;cklich sein, denn diese Bemerkung zahlt sich mit Sicherheit f&uuml;r &Uuml;berlegungen f&uuml;r schwarz-gr&uuml;ne Koalitionen aus. Es lockert die Barrieren zwischen den beiden Parteien. So ist es aus meiner Sicht auch gedacht. Diese p&auml;pstliche Bemerkung war vermutlich eine Auftragsarbeit.<\/p>\n<p>Der Papst f&auml;lscht mit dieser Bemerkung im &uuml;brigen die deutsche Geschichte. Die Fenster f&uuml;r den Umweltschutz in Deutschland wurden sehr viel fr&uuml;her aufgerissen. Aber zu einer ehrlichen und wahrheitsgem&auml;&szlig;en Beschreibung der deutschen Geschichte hat dieser Papst nicht die Kraft und nicht die Absicht. Er m&uuml;sste n&auml;mlich Willy Brandt loben f&uuml;r dessen &Ouml;ffnung zur Umweltpolitik Anfang der sechziger Jahre. Er m&uuml;sste die sozialliberalen Koalition und die von ihr 1969 begonnene konkrete Umweltpolitik mit einer F&uuml;lle von Gesetzen und Verordnungen loben und den Bundeskanzler Helmut Schmidt kritisieren, weil dieser das &ouml;kologische Erbe seiner Partei zerst&ouml;rt und den Gr&uuml;nen den Weg bereitet hat. Der Papst m&uuml;sste den ehemaligen IG Metall-Vorsitzenden Otto Brenner loben f&uuml;r dessen Engagement und weitsichtiges Arrangement einer Konferenz zum Thema Lebensqualit&auml;t und Umweltschutz im April 1972. Aber Willy Brandt und Otto Brenner zu loben, das w&auml;re ja fast schon eine Tods&uuml;nde.<\/p>\n<p>&Uuml;ber die Geschichtsf&auml;lschung mithilfe der Meinungsmache habe ich f&uuml;r mein Buch &bdquo;Meinungsmache&ldquo; ausf&uuml;hrlich recherchiert. Die entsprechende Passage finden Sie in Anhang 3.<\/p><\/li>\n<li>Die letzte Anmerkung zum Papstbesuch gilt einer Hoffnung in der Medienlandschaft unseres Landes und zugleich einem Zeichen von Niedergang dieses von vielen als Hoffnung betrachteten Organs, des &bdquo;Freitag&ldquo;. Wenn man liest, was der Verleger dieses Blattes, Jakob Augstein, &uuml;ber den Papstbesuch schreibt, kann man vorausahnen, wo dieses Organ einmal landen wird &ndash; da wo die FR, die SZ und andere ehedem linksliberale Organe heute schon sind. &ndash; Unter der &Uuml;berschrift <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,787711,00.html\">&bdquo;Papa ist der Beste&ldquo;<\/a> hei&szlig;t es:<br>\n<blockquote><p>&ldquo;Die Kirche verdient unseren Respekt, und der Protest gegen Benedikt XVI. ist pubert&auml;r, meint Jakob Augstein. Wir haben alle etwas vom Papst, Katholiken und Nicht-Katholiken &ndash; aus einem wichtigen Grund: Ethik ist in der Politik nicht gut aufgehoben.&rdquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Dann Augstein w&ouml;rtlich:<\/p>\n<blockquote><p>&bdquo;Der Papst ist da! Und alle Reflexe funktionieren. Wenn der alte Mann aus Rom an diesem Donnerstag im Bundestag auftritt, wird wohl die H&auml;lfte der Linke-Abgeordneten seine Rede boykottieren, jeder Dritte der Gr&uuml;nen und jeder F&uuml;nfte der SPD. Da will man den Kollegen Parlamentariern zurufen: Gut gebr&uuml;llt, L&ouml;we! Aber die katholische Kirche ist die &auml;lteste Institution der Welt. Ob es uns gef&auml;llt oder nicht: Wir Abendl&auml;nder entstammen alle ihrem Scho&szlig;. Der Protest gegen den Papst ist pubert&auml;r. Die Kirche verdient Respekt.&ldquo;<\/p><\/blockquote>\n<p>Das steht in einem Beitrag von SPON, dessen Dachzeile lautet &bdquo;Im Zweifel links&ldquo; Darunter firmieren die Kolumnen des Gastautors Augstein. Komplette Sprachverwirrung &ndash; Armes Deutschland.<\/p><\/li>\n<\/ul><p><strong>Anhang 1<\/strong><\/p><p><strong>Zur Diskussion der Sparpolitik in Frankreich<\/strong><br>\n&Uuml;bersetzungen\/Berichte von Gerhard Kilper<\/p><p>In Frankreich ist die Diskussion um die Sparpolitik voll entbrannt, nach dem sich alle 6 sozialistischen Vorwahlkandidaten f&uuml;r den PS-Pr&auml;sidentschaftskandidaten in einer Fernsehdiskussion mehr oder weniger auch zum Schwenk zur Sparpolitik bekannt haben. F&uuml;r die NachDenkSeiten zwei Le Monde-Artikel. G.K.:<\/p><ol type=\"A\">\n<li><strong>Claire Gu&eacute;land: &Ouml;konomen, Sparpolitik und Sparpolitik-&Uuml;bertreibungen<\/strong>\n<p>In der Pariser Tageszeitung&ldquo; Le Monde vom 20.9.2011 (S.2) als &bdquo;Blog des Tages&ldquo; zur innerfranz&ouml;sischen Diskussion um die &ouml;ffentliche Sparpolitik erschienener Artikel.<\/p>\n<p>Originaltitel: &bdquo;Les &eacute;conomistes, la rigueur et ses exc&egrave;s&ldquo;.<\/p>\n<p>Claire Gu&eacute;land ist Le Monde-Journalistin.<\/p>\n<p>Es erscheint paradox, dass der Schwenk der sechs sozialistischen Vorwahlkandidaten f&uuml;r die PS-Pr&auml;sidentenkandidatenwahl hin zu einer Politik &ouml;ffentlicher Schuldenreduktion genau in dem Augenblick erfolgt, in dem immer mehr &Ouml;konomen vor &uuml;berm&auml;&szlig;igem &ouml;ffentlichem Sparen oder vor einer Verallgemeinerung der Sparpolitik &uuml;berhaupt warnen (Fernsehdebatte der sechs Kandidaten im &ouml;ffentlichen Fernsehkanal FR2 am 15.9.2011).<\/p>\n<p>Vorreiter der Sparpolitik ist die deutsche Politik, die den &Uuml;bergang zu einem strukturellen Defizit von quasi null (0,35% des BIP) ab dem Jahr 2016 in der Verfassung verankerte und in der Euro-Zone auch schon einige Partnerstaaten fand, die ihrem Beispiel folgen wollen.<\/p>\n<p>Die beiden Forscher am Konjunkturforschungsinstitut OFCE, Henri Sterdyniak und Cath&eacute;rine Mathieu, erkl&auml;rten in einer am 7.9.2011 verbreiteten &ouml;ffentlichen  Verlautbarung, die &bdquo;goldene Finanzierungsregel&ldquo; der Deutschen sei in dieser Form (wissenschaftlich) unhaltbar. Die von Paul Leroy-Beaulieu im 19. Jahrhundert formulierte, &bdquo;echte&ldquo; goldene Finanzierungsregel f&uuml;r den Staatshaushalt erkenne ausdr&uuml;cklich das Recht des Staates an, f&uuml;r die Vornahme von &ouml;ffentlichen Investitionen ein Haushaltsdefizit in Kauf zu nehmen.<\/p>\n<p>Ein Null-Saldo &ouml;ffentlicher Finanzen lasse sich weder mit der klassischen oder neoklassischen Theorie, noch mit der von Keynes weiter entwickelten und neu formulierten Makrotheorie begr&uuml;nden.<\/p>\n<p>Die beiden Forscher meinen weiter, im Jahr 2006 sei in Frankreich ein Defizit von 2,3% des BIP konjunkturpolitisch angemessen im Sinne der &bdquo;echten goldenen Finanzierungsregel&ldquo; gewesen. Im Jahr 2009 dagegen habe, entsprechend der ge&auml;nderten wirtschaftlichen Situation, ein Defizit von 7,5 % des BIP dieser Regel entsprochen. <\/p>\n<p>Bei schwachem Wachstum, bei hoher Arbeitslosigkeit und bei schon niedrigen Zinss&auml;tzen k&ouml;nne eine Reduktion des &ouml;ffentlichen Defizits (d.h. der staatlichen Nachfrage als Teil der allgemeinen Umsatzt&auml;tigkeit und damit der Einkommen der Produktionsfaktoren) keine Priorit&auml;t haben. Vielmehr komme es in einer solchen Konjunkturlage darauf an, die private Nachfrage (bzw. die allgemeine Umsatzt&auml;tigkeit) zu st&uuml;tzen.<\/p>\n<p>Nicht nur an Keynes orientierte &Ouml;konomen denken so. Auch der Nichtkeynesianer Christian de Boissieu, Professor an der Universit&auml;t Paris-I, sagt offen, er wisse nicht, woher die Deutschen die Zahl von 0,35 % Defizit her haben und was es mit ihr auf sich haben k&ouml;nne. <\/p>\n<p>Patrick Artus, Direktor des Forschungsinstituts Naxitis ist der Meinung, die von den Deutschen vorgebrachte goldene Finanzierungsregel sei schon deshalb problematisch, weil sie dem Staat das Recht aberkenne, zur Vornahme von &ouml;ffentlichen Investitionen Kredite aufzunehmen und weil sie das langfristige Staatsziel einer &ouml;ffentlichen Nullverschuldung habe. Dies sei jedoch &ouml;konomisch gesehen absurd, genauso unhaltbar simplifizierend  sei das Verbot der Schuldenfinanzierung laufender Staatsausgaben.<\/p>\n<p>Das bedeutet f&uuml;r die Fernsehdebatte der Vorwahlkandidaten, dass Arnaud Montebourg mit der Meinung, &bdquo;es k&ouml;nne keinen Wettbewerb zur m&ouml;glichst schnellen Schuldenreduktion geben&ldquo;, sachlich am wenigsten daneben lag. <\/p>\n<p>(Die schwankende) Martine Aubry wird in der &ouml;konomischen Literatur gut fundierte Argumente finden, die sie ihrem Konkurrenten Fran&ccedil;ois Hollande (dem Favoritenkandidaten der frz. Presse und der frz. Meinungsmacher) entgegen setzen kann, der das frz. Haushaltsdefizit als gew&auml;hlter Pr&auml;sident bis 2017 auf Null bringen will.<\/p>\n<p>Der Fall Griechenlands, das zwei Jahre nach dem ersten Sparprogramm in die Rezession abgerutscht ist, zeigt anschaulich, dass die Gesundung der &ouml;ffentlichen Finanzen Zeit und ein gewisses Dosierungs-Fingerspitzengef&uuml;hl braucht. <\/p>\n<p>&bdquo;Wenn zu schnell zu viel an Staatsausgaben gestrichen wird, werden Wachstum abgew&uuml;rgt und wirtschaftlichen Aktivit&auml;ten verlangsamt oder aber man versch&auml;rft eine Rezession&ldquo;, meint Christian de Boisseau. <\/p>\n<p>Wenn die Sparpolitik das Wirtschaftswachstum bremst und die Erholung der &ouml;ffentlichen Finanzen verhindert, wird die allgemeine Sparpolitik der Euro-Zone in der jetzigen Phase wirtschaftlicher Stagnation zu einer weiteren depressiven Abw&auml;rtsspirale (&bdquo;negative Multiplikatorprozesse&ldquo;) f&uuml;hren, warnt inzwischen eine wachsende Zahl franz&ouml;sischer &Ouml;konomen.<\/p><\/li>\n<li><strong>Martin Wolf, Berlin entscheidet &uuml;ber das Schicksal Europas<\/strong>\n<p>Inhalte eines in der &Ouml;konomie-Beilage der Pariser Tageszeitung Le Monde vom 20.9.2011 (S.2) erschienenen Artikels.<\/p>\n<p>Originaltitel: &bdquo;Le choix corn&eacute;lien de Berlin&ldquo;.<\/p>\n<p>Martin Wolf ist Chef-Leitartikler der Financial Times London.<\/p>\n<p>&bdquo;Eines Tages werden die Historiker den Maastricht-Vertrag als entscheidenden Schritt auf dem Weg zu einem stabilen und m&auml;chtigen Europa sehen. Aber  auch ein eher d&uuml;steres Szenario ist denkbar: der Versuch, Staaten zusammenzubringen, kann zu enormen zwischenstaatlichen Reibereien f&uuml;hren&ldquo;. Das schrieb ich vor 20 Jahren, meine damaligen Bef&uuml;rchtungen scheinen sich heute zu best&auml;tigen.<\/p>\n<p>Die aktuelle Krise zeigt, dass nicht nur das Maastricht-Ausgangskonzept einer W&auml;hrungsunion unzul&auml;nglich angelegt war, was vielen aufgekl&auml;rten Analysten schon damals klar war. Die aktuelle Krise zeigt in versch&auml;rfter Art und Weise auch das Fehlen von Grundvertrauen bzw.  Identit&auml;tsbewusstsein der V&ouml;lker, die man zusammen bringen wollte und die sich heute wie in einer gescheiterten Ehe  aneinandergekettet sehen.<\/p>\n<p>Das Ausma&szlig; des Scheiterns der Maastricht-Vertr&auml;ge wurde mir bei einem Rom-Besuch  deutlich, als  ein hoher Regierungsvertreter sagte: &bdquo;Wir verzichteten (mit der W&auml;hrungsunion) auf die &uuml;blichen &ouml;konomischen Ventile Inflation und Abwertung, die niedrige Zinss&auml;tze erm&ouml;glichten. Heute gibt es keine Option mehr f&uuml;r niedrige Zinss&auml;tze&ldquo;. Und er f&uuml;gte hinzu: &bdquo;Es w&auml;re besser die W&auml;hrungsunion zu verlassen als 30 Jahre wirtschaftliche Entbehrungen ertragen zu m&uuml;ssen.&ldquo;<\/p>\n<p>Diese &Auml;u&szlig;erungen zeugen vom Vertrauensverlust sowohl in das europ&auml;ische Projekt als auch in die europ&auml;ischen Partner.<\/p>\n<p>Jean-Claude Trichet, der scheidende EZB-Pr&auml;sident, hob in seiner letzten Pressekonferenz die ausgezeichnete Bilanz seiner Institution im Kampf gegen die Inflation hervor. Der bescheidene Preisanstieg verdeckt allerdings die entstandenen makro&ouml;konomischen Ungleichgewichte innerhalb der W&auml;hrungsunion und das Fehlen von Mitteln bzw. von politischem Willen zur L&ouml;sung dieser Probleme.<\/p>\n<p>In der Folge besteht heute die reale M&ouml;glichkeit der Zahlungsunf&auml;higkeit eines Mitgliedsstaates oder das Zerbrechen der W&auml;hrungsunion oder beides.<\/p>\n<p>Das durch diese Situation ausgel&ouml;ste Sicherheitsstreben einer nur theoretisch integrierten W&auml;hrungsunion mit Schutz-Ma&szlig;nahmen nach au&szlig;en, birgt die Gefahr einer Implosion der ganzen Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Wir sind aktuell Zeuge einer t&ouml;dlichen Interaktion zwischen staatlichen Zahlungsschwierigkeiten,  zunehmender &ouml;ffentlicher Illiquidit&auml;t und resultierenden Spannungen auf den Finanzm&auml;rkten.<\/p>\n<p>Der europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion fehlen offensichtlich die f&uuml;r ihr Funktionieren wesentlichen Institutionen. Insbesondere fehlt eine europ&auml;ische Zentralbank, die letzte Geldgeberinstitution f&uuml;r alle wichtigen M&auml;rkte ist, die &uuml;ber einen umfangreich ausgestatteten Rettungsfonds zur Garantie der Liquidit&auml;t des Anleihen-Marktes verf&uuml;gt und die effizient ein Hilfsnetz f&uuml;r in Zahlungsschwierigkeiten geratene Staaten oder Banken aufbauen kann.<\/p>\n<p>Mangels fehlender starker eigener Institutionen wurden f&uuml;r die europ&auml;ische W&auml;hrungsunion  politische Grundhaltungen und Politik der zentraleurop&auml;ischen L&auml;nder wegweisend.<\/p>\n<p>Wie andere so sch&auml;tze auch ich die Leistungen der Deutschen beim wirtschaftlichen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der Wiedervereinigung, sowie ihre Vorliebe f&uuml;r wirtschaftliche Stabilit&auml;t und hohe Qualit&auml;t ihrer Industrieprodukte, mit der sie  erfolgreichen Export betreiben.<\/p>\n<p>Doch das reicht als wirtschaftspolitisches Konzept nicht aus. Die verantwortlichen deutschen Politiker sehen die Welt der &Ouml;konomie aus der Perspektive ihrer im internationalen Ma&szlig;stab doch relativ kleinen, wenn auch nach au&szlig;en offenen und sehr wettbewerbsf&auml;higen Volkswirtschaft. Die Euro-Zone als Ganzes ist keine kleine offene Wirtschaft, sondern ein gro&szlig;er, nach au&szlig;en relativ abgeschlossener Wirtschaftsraum.<\/p>\n<p>Deutschland als Motor dieses Wirtschaftsraums muss auch den weniger zahlungskr&auml;ftigen Mitgliedsl&auml;ndern, die ihre Haushaltsdefizite nicht mehr zu finanzieren in der Lage sind, bei der Schaffung eines dynamischen Marktes helfen und es muss notfalls bereit sein, deren Defizite direkt zu finanzieren.<\/p>\n<p>Wenn der private Bankensektor seine Finanzierungsaufgabe nicht ausreichend wahrnimmt, muss der &ouml;ffentliche Sektor selbst einspringen. Tut er das nicht, wird eine breite Welle privater und &ouml;ffentlicher Zahlungsunf&auml;higkeiten ausgel&ouml;st, die auf den Finanzsektor zur&uuml;ckschlagen und am Ende das Wirtschafts-Motor-Land selbst treffen werden.<\/p>\n<p>Die Unf&auml;higkeit der deutschen Politiker, diese Zusammenh&auml;nge ihrer Bev&ouml;lkerung vern&uuml;nftig zu erkl&auml;ren, verhindert die L&ouml;sung der aktuellen Krise. Die deutschen Politiker verbreiten im Gegenteil die Illusion, jemand anders (als die Deutschen) k&ouml;nne der Geldbeschaffer sein.<\/p>\n<p>Kleine offene Volkswirtschaften wie Lettland oder Irland k&ouml;nnen wahrscheinlich &uuml;ber eine Deflations-Politik wieder wettbewerbsf&auml;hig gemacht werden, aber f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere Volkswirtschaften wie Italien w&auml;re eine solche Rosskur nicht nur unertr&auml;glich, sondern praktisch nicht durchsetzbar. <\/p>\n<p>Der deutsche Finanzminister Wolfgang Sch&auml;uble mag zwar zur rigiden Sparpolitik aufrufen, doch diese wird nicht realisiert werden. Vor dem Neubeginn einer &bdquo;feuerfesteren&ldquo; Euro-Zonen-Politik m&uuml;ssen zun&auml;chst vorrangig die Hauptbr&auml;nde gel&ouml;scht werden.<\/p>\n<p>Die am wenigsten schlechte Option eines Neubeginns w&auml;re die unbegrenzte Bereitstellung von EZB-Ziehungsgeldern f&uuml;r Staaten und gesunde Bankinstitute. Es m&uuml;sste intellektuell m&ouml;glich sein, zu verdeutlichen, dass der Ankauf &ouml;ffentlicher Anleihen mit der Aufrechterhaltung der Geldwertstabilit&auml;t kompatibel ist, w&auml;chst doch die Geldmenge im Euro-Raum j&auml;hrlich nur um ca. 2% .<\/p>\n<p>Politisch wird im Euro-Raum eine heikle Situation entstehen, wenn am 1. November 2011 der Italiener Umberto Draghi die Funktion des EZB-Pr&auml;sidenten &uuml;bernimmt. <\/p>\n<p>Angesichts der Unzul&auml;nglichkeit des anvisierten Euro-Rettungsschirms k&ouml;nnte die Situation eintreten, dass Draghi im Fall von Zahlungsschwierigkeiten gr&ouml;&szlig;erer europ&auml;ischer Volkswirtschaften  weitere EZB-Finanzhilfen gew&auml;hren wird. Die Politiker m&uuml;ssten dann den Mut aufbringen, ihn dabei zu unterst&uuml;tzen.<\/p>\n<p>Was geschieht, wenn Berlin sich solchen Initiativen verweigert?<\/p>\n<p>Die EZB m&uuml;sste ihren eingeschlagenen Weg weitergehen, um eine Abfolge von Zusammenbr&uuml;chen zu verhindern. Die Deutschen st&uuml;nden vor der Wahl, ob sie &ndash; vielleicht zusammen mit &Ouml;sterreich, den Niederlanden und Finnland &ndash; aus der W&auml;hrungsunion austreten. Sie m&uuml;ssten sich dann allerdings dar&uuml;ber im Klaren sein, dass ein solcher Schritt eine brutale Erh&ouml;hung ihres W&auml;hrungs-Wechselkurses, eine massive Absenkung der Rentabilit&auml;t ihrer Exporte, einen enormen Finanzschock und ein Absinken ihres Brutto-Inlandsprodukts nach sich ziehen wird. <\/p>\n<p>Politisch w&auml;re der Zerfall der W&auml;hrungsunion das Ende des Projekts von zwei Generationen, die einen soliden Rahmen f&uuml;r ein vereintes Europas schaffen wollten.<\/p>\n<p>Gegen die Ausweitung von EZB-Haushalts-Hilfen hat Deutschland nat&uuml;rlich ein Veto-Recht. Angesichts der Schwere der Krise f&uuml;r Europa und die Weltwirtschaft h&auml;tte jedoch allein die EZB ad&auml;quate Handlungsm&ouml;glichkeiten. <\/p>\n<p>Demgegen&uuml;ber w&auml;ren die Kosten ihres Nichthandelns schlimm. Wahrscheinlich w&uuml;rde eine politische Krise, ganz sicher jedoch eine verheerende Wirtschaftskrise ausgel&ouml;st.<\/p>\n<p>Am Ende der Rechnung hat Deutschland die Wahl zwischen <\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>einer Euro-Zone, die nicht Gro&szlig;-Deutschland ist und<\/li>\n<li>&uuml;berhaupt keiner Euro-Zone.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich verstehe, dass deutschen Politikern und der deutschen Bev&ouml;lkerung die anstehende  Schicksalsentscheidung unangenehm ist. Frau Merkel muss jetzt den Mut aufbringen, sich  klar und deutlich f&uuml;r die richtige Wahl zu entscheiden.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Anhang 2:<\/strong><\/p><p><strong>DAS KULTURGESPR&Auml;CH<\/strong><\/p><p>23.09.2011 &middot; 19:15 Uhr<\/p><p><strong>Deutsche Krisenbew&auml;ltigung<br>\nZwischen Entzauberung und Rechthaberei<\/strong><\/p><p>Moderation: Norbert Seitz<\/p><p>Seit Wochen hagelt es Hiobsbotschaften aus der europ&auml;ischen Finanzwelt. Die aufwendigen Rettungsma&szlig;nahmen sind umstritten, das Vertrauen in das politische Krisenmanagement scheint begrenzt. Wie reagieren die Deutschen auf die Krise, nachdem ihnen in kritischen Perioden der Nachkriegszeit h&auml;ufig ein &ldquo;Hang zur Apokalypse&rdquo; unterstellt worden ist?<br>\nDiskussion mit Wissenschaftlern und Experten.<\/p><p>Es nehmen teil: <\/p><p>Gertrud H&ouml;hler<br>\nem. Professorin f&uuml;r Literatur an der Universit&auml;t Paderborn, Unternehmensberaterin und freie Publizistin (u.a. &ldquo;G&ouml;tzend&auml;mmerung. Die Geldreligion frisst ihre Kinder&rdquo;)<\/p><p>Heinz Bude<br>\nProfessor f&uuml;r Soziologie an der Universit&auml;t Kassel sowie am Hamburger Institut f&uuml;r Sozialforschung (u.a. &ldquo;Bildungspanik. Was unsere Gesellschaft spaltet&rdquo;)<\/p><p>Gerd Langguth<br>\nProfessor f&uuml;r Politische Wissenschaft an der Universit&auml;t Bonn (u.a. &ldquo;Kohl &ndash; Schr&ouml;der &ndash; Merkel. Machtmenschen&rdquo;)<\/p><p>Michael Naumann<br>\nHerausgeber des Monatsmagazins &ldquo;Cicero&rdquo;<\/p><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.dradio.de\/dlf\/sendungen\/kulturgespraech\/1561873\/\">dradio.de<\/a><\/p><p><strong>Anhang 3:<\/strong><\/p><p><strong>Auszug aus Albrecht M&uuml;ller: &bdquo;Meinungsmache&ldquo;, Seiten 30 und 31:<\/strong><\/p><p>Auch wichtige Impulse f&uuml;r den Umweltschutz kamen in den sechziger und siebziger Jahren nicht nur von den politischen Spitzen, sondern aus den verschiedensten Ecken, zum Beispiel aus den Wirtschaftswissenschaften: In der National&ouml;konomie waren die theoretischen Ans&auml;tze Jahrzehnte vorher in den sogenannten Welfare Economics formuliert worden. Lange vor der &ouml;ffentlichen umweltpolitischen Debatte wurde hier die Vorstellung entwickelt und formuliert, dass es bei der Produktion von G&uuml;tern und Dienstleistungen externe Effekte geben k&ouml;nne (&raquo;external economies&laquo; und &raquo;diseconomies&laquo;) . Wenn ein Lkw von Rotterdam nach Basel f&auml;hrt, verursacht er Kosten, die nicht beim Spediteur anfallen, sondern bei den Menschen, die entlang der befahrenen Strecke wohnen, und bei uns allen, die wir mit unseren Steuern f&uuml;r die Stra&szlig;en aufkommen und unter der Belastung des Klimas leiden. Dass der Markt in diesen F&auml;llen versagt und deshalb staatliche Entscheidungen getroffen werden m&uuml;ssen, die die externen Effekte in die privaten Kalkulationen zwingen, war unter &Ouml;konomen, die sich mit diesen Fragen besch&auml;ftigten, unstrittig. In den Sechzigern erreichte die einschl&auml;gige wissenschaftliche Diskussion allm&auml;hlich die publizistische und politische Ebene. 1972 erschien der Bericht des Club of Rome &raquo;Die Grenzen des Wachstums&laquo;. Im April desselben Jahres veranstaltete die IG Metall unter dem Vorsitz von Otto Brenner eine Konferenz zum Thema Lebensqualit&auml;t. <\/p><p>Der Begriff zierte dann ein halbes Jahr sp&auml;ter den Titel des SPD-Wahlprogramms. Diese &ouml;ffentliche Debatte hatte immerhin den Effekt, dass ab 1969 eine gr&ouml;&szlig;ere Zahl von politischen Entscheidungen pro Umweltschutz getroffen wurde. Erst 1979\/80 gr&uuml;ndeten sich die Gr&uuml;nen, die den Umweltschutz zum Leitmotiv ihres Parteiprogramms machten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den Wahlen in Berlin am vor-vergangenen Sonntag ist die FDP abgestraft worden. Die CDU nicht. Warum eigentlich nicht? Die Politik von Merkel (CDU) und Sch&auml;uble (CDU) in der wichtigen Frage, wie man mit der Finanzkrise und der Krise um Griechenland umgeht, ist nur in Nuancen kompetenter. Auch diese beiden haben die Spekulation im Zusammenhang<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10818\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[13,183,190],"tags":[423,232,939,315,271],"class_list":["post-10818","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-denkfehler-wirtschaftsdebatte","category-medienkritik","category-wahlen","tag-austeritaetspolitik","tag-bertelsmann","tag-jauch-guenther","tag-merkel-angela","tag-springer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10818","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10818"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10818\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":23245,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10818\/revisions\/23245"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}