{"id":108469,"date":"2023-12-29T12:00:33","date_gmt":"2023-12-29T11:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108469"},"modified":"2023-12-20T10:40:42","modified_gmt":"2023-12-20T09:40:42","slug":"hoefgens-teuer-und-stemmers-staat-macht-geld-neue-buecher-zur-wirtschaftspolitischen-debatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108469","title":{"rendered":"H\u00f6fgens \u201eTeuer!\u201c und Stemmers \u201eStaat Macht Geld\u201c &#8211; neue B\u00fccher zur wirtschaftspolitischen Debatte"},"content":{"rendered":"<p>Die hohe Inflation, das Chaos rund um den Ampel-Haushalt, die Diskussion um die Schuldenbremse wie auch die immer wieder aufflackernde Debatte zu Zinskritik und Geldsystem &ndash; all dies zeigt: Der Diskussions- und Informationsbedarf zu makro&ouml;konomischen Themen ist hoch. Passend dazu sind in j&uuml;ngster Zeit zwei B&uuml;cher aus dem Bereich Postkeynesianismus \/ Modern Monetary Theory (MMT) erschienen, die genau diese Themen abdecken. Die Rede ist von Maurice H&ouml;fgens <a href=\"https:\/\/www.dtv.de\/buch\/teuer-28327\">&bdquo;Teuer!&ldquo;<\/a> und von Monika Stemmers <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/staat-macht-geld\/\">&bdquo;Staat Macht Geld&ldquo;<\/a>. Eine Rezension von <strong>Thomas Trares<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn &bdquo;Teuer &ndash; Die Wahrheit &uuml;ber Inflation, ihre Profiteure und das Versagen der Politik!&ldquo; beleuchtet der Autor Maurice H&ouml;fgen die Inflationsentwicklung der vergangenen zwei Jahre in all ihren Facetten &ndash; von den Ursachen &uuml;ber die Gewinner und Verlierer bis hin zur ad&auml;quaten Therapie. Demnach ist die aktuelle Inflation auf einen Energiepreisschock zur&uuml;ckzuf&uuml;hren und nicht etwa auf zu viel Gelddrucken, wie gern behauptet wird. Entsprechend finden sich die Profiteure vornehmlich im Ausland, etwa in Saudi-Arabien, Katar, Norwegen, den USA oder auch in Russland, also in L&auml;ndern, die &uuml;ber umfangreiche Energiereserven verf&uuml;gen. Das T&uuml;ckische an dieser Art von Inflation ist, dass sie f&uuml;r die Politik nur schwer zu bek&auml;mpfen ist. Deswegen sieht H&ouml;fgen die Europ&auml;ische Zentralbank mit ihrer aktuellen Geldpolitik auf dem Holzweg. &bdquo;Einen Energiepreisschock mit h&ouml;heren Zinsen zu therapieren, ist, wie Viruserkrankungen mit Antibiotika zu begegnen. Es hilft nicht nur, es schadet sogar.&ldquo;<\/p><p><strong>Senkrechter unter den &Ouml;konomen<\/strong><\/p><p>H&ouml;fgen ist so etwas wie der Senkrechtstarter unter den progressiven &Ouml;konomen. Noch keine 30 Jahre alt, ist er bereits wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag (u.a. war er bei dem fr&uuml;heren Linken-Finanzexperten Fabio de Masi), Kolumnist bei der <em>Berliner Zeitung<\/em>, YouTuber bei <em>Jung &amp; Naiv<\/em>, und nicht zuletzt betreibt er mit <em>Geld f&uuml;r die Welt<\/em> auch einen eigenen YouTube-Kanal. Hinzu kommt eine umfangreiche Liste von Gastbeitr&auml;gen bei verschiedenen Print-, Online- und Fachmedien. Und als w&auml;re dies nicht schon genug, hat H&ouml;fgen in den vergangenen drei Jahren auch noch drei B&uuml;cher geschrieben. 2020 erschien mit &bdquo;Mythos Geldknappheit&ldquo; ein Buch &uuml;ber die MMT, 2022 folgte dann &bdquo;Der neue Wirtschaftskrieg&ldquo;, in dem er die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Kriegs analysierte, und 2023 schlie&szlig;lich &bdquo;Teuer!&ldquo;.<\/p><p>Ob gewollt oder nicht geriert sich H&ouml;fgen in seinem neuen Werk zum Apologeten des herrschenden Geldsystems. Deutlich wird dies vor allem in dem Kapitel &bdquo;Angst als Gesch&auml;ftsmodell&ldquo;, in dem er kr&auml;ftig gegen Crash-Propheten und Bitcoin-Vertreter austeilt, also gegen all jene, die im &bdquo;Fiat-Geld&ldquo; die Wurzel allen &Uuml;bels sehen. &Uuml;ber die Crash-Propheten &ndash; namentlich erw&auml;hnt er Marc Friedrich &ndash; schreibt H&ouml;fgen: &bdquo;Die Methode ist stumpf, aber wirkungsvoll. Mit einer Mischung aus Halbwissen, Falschinformationen, rhetorischen Tricks, polemischer Emp&ouml;rung und Selbstinszenierung werden Zuschauer und Leser beschallt &ndash; hin und wieder auch mit einem Fu&szlig; &uuml;ber die Grenze zur Verschw&ouml;rungstheorie.&ldquo;<\/p><p><strong>Hauptgegner Monetarismus<\/strong><\/p><p>Sein ideologischer Hauptgegner sind jedoch die Monetaristen, die zumindest in Deutschland noch den geldpolitischen Mainstream stellen und &uuml;berdies auch eine durchaus prominent und illuster besetzte Anh&auml;ngerschar aufbieten k&ouml;nnen. Dazu z&auml;hlen etwa der fr&uuml;here Ifo-Pr&auml;sident Hans-Werner Sinn, ZDF-Moderator Theo Koll, Arbeitgeberpr&auml;sident Rainer Dulger, Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbr&uuml;ck (SPD), der AFD-Politiker Kay Gottschalk, aber auch Bitcoin-Influencer Roman Reher (Blocktrainer), Funk-Youtuber Mr-Wissen2Go und der bereits erw&auml;hnte Marc Friedrich.<\/p><p>Monetaristen gehen prinzipiell davon aus, dass Inflation vom &uuml;berm&auml;&szlig;igen Gelddrucken kommt und dass Schuldenmachen schlecht f&uuml;r die Wirtschaft ist. Diese Theorie werde &bdquo;in Talkshows h&auml;ufig unwidersprochen propagiert und verbreitet&ldquo;, schreibt H&ouml;fgen. Mit zu viel Geld, das in Umlauf gebracht wird, h&auml;tten aber weder Preisschock noch Inflation etwas zu tun. &bdquo;Ob Deutschland, Simbabwe oder anderen Hyperinflationsereignissen &ndash; immer wieder wird man feststellen: Am Anfang stand ein massiver Angebotsschock. Krieg, Embargos und Missernten sind der Stoff, aus dem Hyperinflationen gemacht sind.&ldquo; F&uuml;r den Leser hat H&ouml;fgen am Ende dann noch eine gute und eine schlechte Nachricht parat. Die gute Nachricht: Die Inflationsrate wird wieder sinken. Die schlechte Nachricht: Das hei&szlig;t nicht, dass alles wieder &bdquo;gut&ldquo; wird, denn die Preise werden nicht wieder auf das Vorkrisenniveau zur&uuml;ckfallen.<\/p><p><strong>Staat macht Geld<\/strong><\/p><p>Das Buch von Monika Stemmer mit dem zweideutigen Titel &bdquo;Staat Macht Geld&ldquo; (Geht es hier um Staat, um Macht und um Geld? Oder macht der Staat das Geld?) ist im Kern eine kompakte und ausf&uuml;hrliche Darstellung der MMT. Dabei handelt es sich um eine moderne Variante des Postkeynesianismus, an dessen Anfang die korrekte Analyse und Beschreibung des Geldsystems steht. Woher kommt das Geld? Wieso ist es meist knapp, aber in Krisen unbegrenzt verf&uuml;gbar? Wer sch&ouml;pft dieses Geld? Unter welchen Umst&auml;nden entsteht Inflation? Und m&uuml;ssen unsere Kinder die Staatsschulden sp&auml;ter einmal zur&uuml;ckzahlen? Solche Fragen sind es, die Stemmer mit ihrem Buch beantworten will.<\/p><p>Interessant ist auch die Biografie der Autorin. Sie ist n&auml;mlich keine &Ouml;konomin, sondern Juristin und Malerin. Seit der Finanzkrise jedoch hat sich Stemmer intensiv mit wirtschaftlichen Fragen besch&auml;ftigt und sich &Ouml;konomie quasi im Selbststudium beigebracht. Entsprechend eignet sich das Buch auch sehr gut f&uuml;r Einsteiger und Nicht&ouml;konomen, da Stemmer die Zusammenh&auml;nge manchmal etwas unkonventionell, aber doch recht einfach und verst&auml;ndlich erkl&auml;rt.<\/p><p><strong>24 Mythen Mehrwert<\/strong><\/p><p>Einen Mehrwert f&uuml;r den Leser stellen &uuml;berdies die 24 Mythen dar, die Stemmer in ihrem Buch in separaten K&auml;stchen und abgetrennt vom Flie&szlig;text in kurzer und pr&auml;gnanter Weise diskutiert. Dabei handelt es sich um Trugschl&uuml;sse, Fehlannahmen und sonstige Irrungen und Wirrungen, die in der Bev&ouml;lkerung zu &ouml;konomischen Themen kursieren. Beispiele sind die Annahme, dass Geld ein knappes Gut ist (Mythos 1), dass Schulden schlecht sind, Staatsschulden sowieso (Mythos 7), dass der Zins das Problem ist (Mythos 9), dass wir stolz auf unsere Export&uuml;bersch&uuml;sse sein k&ouml;nnen (Mythos 15) oder dass die Inflation Hitler an die Macht gebracht h&auml;tte (Mythos 19).<\/p><p>Allerdings muss man sowohl bei H&ouml;fgen als auch bei Stemmer etwas Wasser in den Wein kippen: Denn beide &auml;u&szlig;ern sich zwar kritisch zu Neoliberalismus, Marktradikalismus und Monetarismus, die aktuellen Tendenzen zur illiberalen und autorit&auml;ren Demokratie sehen sie jedoch nicht. H&ouml;fgen etwa &uuml;bernimmt sowohl bei Corona als auch beim Ukraine-Krieg weitgehend unkritisch das Regierungsnarrativ, und auch Stemmer findet zu Themen wie dem digitalen Zentralbankgeld keine kritischen Worte. Zudem ist ihr Buch komplett durchgegendert, was dem Lesefluss nicht gerade zutr&auml;glich ist.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/d97682852bd5445c95f9bf79c06b02c9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die hohe Inflation, das Chaos rund um den Ampel-Haushalt, die Diskussion um die Schuldenbremse wie auch die immer wieder aufflackernde Debatte zu Zinskritik und Geldsystem &ndash; all dies zeigt: Der Diskussions- und Informationsbedarf zu makro&ouml;konomischen Themen ist hoch. 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