{"id":108674,"date":"2023-12-30T13:00:35","date_gmt":"2023-12-30T12:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108674"},"modified":"2024-01-03T08:06:38","modified_gmt":"2024-01-03T07:06:38","slug":"senk-ju-deutsche-bahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108674","title":{"rendered":"Senk ju, Deutsche Bahn!"},"content":{"rendered":"<p>Bis vor einigen Wochen war ich der Ansicht, dass es sinnvoll ist, kein Auto zu haben und mit der Bahn zu fahren &ndash; wegen des Klimas. Das war ganz sch&ouml;n naiv von mir. Bislang hatte ich gut angebunden in Frankfurt am Main gewohnt. Da fiel zwar auch mal die Bahn aus, aber irgendwie kam man immer vom Fleck, und sei es nur mit einem Elektroroller. Allerdings lebte ich in Frankfurt nicht preisg&uuml;nstig, konnte mir die Miete dort kaum leisten. Also zog ich um, dorthin, wo sich eine Jungk&ouml;chin &ndash; ich bin 22 Jahre alt &ndash; noch halbwegs eine Wohnung leisten kann. Jetzt lebe ich seit einiger Zeit im Frankfurter Umland, etwa 20 Kilometer und knapp 40 Minuten Bahnfahrt von der Metropole entfernt, habe dort eine 60-Quadratmeter-Wohnung, die ich mir in Frankfurt selbst mit einem Vollgehalt nicht leisten k&ouml;nnte. Daf&uuml;r musste ich pendeln, was ich in Kauf nehmen wollte. Die Deutsche Bahn w&uuml;rde mich schon in die Stadt bringen &ndash; zu meinem Arbeitgeber, den ich auch noch nicht so lange hatte. Ich war also noch in der Probezeit. Von <strong>Anna Maria Hummel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5725\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-108674-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231221-Senk-ju-Deutsche-Bahn-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231221-Senk-ju-Deutsche-Bahn-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231221-Senk-ju-Deutsche-Bahn-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231221-Senk-ju-Deutsche-Bahn-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=108674-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231221-Senk-ju-Deutsche-Bahn-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231221-Senk-ju-Deutsche-Bahn-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Arbeitsbeginn war bei mir um 6:30 Uhr. F&uuml;r mich bedeutete das, dass ich den ersten Zug um 5 Uhr nehmen musste. Es ist zwar hart, so fr&uuml;h aufzustehen, aber alternativlos. Ich habe ja nicht mal einen F&uuml;hrerschein, meine Lebensrealit&auml;t machte Autofahren nie n&ouml;tig. Au&szlig;erdem wollte ich das ohnehin nicht, denn das Klima dankt es uns. So dachte ich bis neulich.<\/p><p>Auf dem Bahnsteig angekommen, kam der erste Zug des Morgens h&auml;ufig nicht. Informationen gab es keine, also musste ich auf den n&auml;chsten Zug ausweichen. Und schon kam ich zu sp&auml;t zur Arbeit. So ging das dauernd, sp&auml;ter guckte ich, noch im Bett liegend, ob die App den 5-Uhr-Zug anzeigte. Oft fiel er aus, ich blieb liegen und plante gleich den n&auml;chsten Zug. W&ouml;chentlich mehrmals musste ich meinen Chef anrufen und meine Versp&auml;tung anzeigen. Er zeigte sich verst&auml;ndig, erfreut war er nat&uuml;rlich dennoch nicht.<\/p><p>So ging das wochenlang, ich war &ouml;fter zu sp&auml;t als p&uuml;nktlich. Einmal kam der Zug, dann sagte man nach kurzer Fahrt durch, dass hier Endstation sei &ndash; wegen eines kurzfristigen Krankheitsfalles. Also war ich doch wieder zu sp&auml;t dran. Meine Versp&auml;tungszeiten h&auml;uften sich an &ndash; in der Probezeit. Klar, wie das enden musste: Man entlie&szlig; mich, K&uuml;ndigung w&auml;hrend der Probezeit. <\/p><p>An einem Tag lief es aber besonders rund f&uuml;r mich. Als der gro&szlig;e Warnstreiktag war n&auml;mlich. Ich glaubte, nicht zur Arbeit zu k&ouml;nnen, fast alle Verbindungen fielen aus. Aber ich war p&uuml;nktlich, wenige Z&uuml;ge fuhren, sogar der 5-Uhr-Zug. K&ouml;nnen die Lokf&uuml;hrer nicht immer streiken? Vielleicht h&auml;tte ich dann meinen Arbeitsplatz noch.<\/p><p>Den habe ich nicht wegen streikender Bahnmitarbeiter verloren, sondern wegen einer Bahn, die im Dienst ist und nicht kommt. Danke, Deutsche Bahn! F&uuml;r nichts! Da habe ich mich dummerweise auf die Schiene verlassen, mir gedacht, ich mache was Gutes und bin am Ende doch die Dumme. Bin ja auch selbst schuld, dass ich ins Umland zog, wo ich mir die Miete noch leisten kann. Wenn das die Verkehrswende ist, retten wir das Klima und die Umwelt niemals.<\/p><p>Nun sitze ich in meinem Ort, wo ich nur schwer einen Job bekommen kann &ndash; muss mich also weiter auf Frankfurt fokussieren, wei&szlig; aber nicht, wie zuverl&auml;ssig ich an die Arbeitsstelle gelangen kann. Der F&uuml;hrerschein steht also auf meiner Agenda. Klimarettung ist f&uuml;r mich vorbei, ich muss Geld verdienen, da kann ich keine R&uuml;cksichten nehmen. Auf die Bahn kann ich mich nicht mehr verlassen. Es war die Bahn, die mich verlassen hat.<\/p><p>Es ist ein Dilemma, in dem ich mich befinde. Wir sind doch gar nicht ausgestattet, um Umweltschutz zu betreiben. Die Bahn ist das beste Argument f&uuml;r ein Auto. Das konnte ich nicht ahnen, als ich noch in der Gro&szlig;stadt lebte, da glaubte ich in meiner Unwissenheit, das ganze Land k&ouml;nne auf das Auto verzichten. Aber es ist die Bahn, auf die man verzichten kann, wenn man auf dem Land lebt.<\/p><p>Nun bin ich arbeitslos. Vielleicht sollte ich mich bei der Deutschen Bahn in Frankfurt bewerben, aber wom&ouml;glich k&auml;me ich immer zu sp&auml;t zur Schicht und die Bahn w&uuml;rde mich k&uuml;ndigen, weil mich ihre eigenen Z&uuml;ge nicht fahrplangem&auml;&szlig; in der Stadt absetzen w&uuml;rden. Senk ju vor nassing, Deutsche Bahn!<\/p><p><small>Titelbild: phM2019\/shutterstock.com<\/small><\/p><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108983\">Leserbriefe zu diesem Artikel finden Sie hier.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis vor einigen Wochen war ich der Ansicht, dass es sinnvoll ist, kein Auto zu haben und mit der Bahn zu fahren &ndash; wegen des Klimas. Das war ganz sch&ouml;n naiv von mir. Bislang hatte ich gut angebunden in Frankfurt am Main gewohnt. 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