{"id":10871,"date":"2011-09-30T09:17:27","date_gmt":"2011-09-30T07:17:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10871"},"modified":"2014-09-11T14:28:35","modified_gmt":"2014-09-11T12:28:35","slug":"mit-bloggerblumen-gegen-medienpanzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10871","title":{"rendered":"Mit Bloggerblumen gegen Medienpanzer"},"content":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist eine Erwiderung zu Stephan Sasses Artikel <a href=\"http:\/\/www.spiegelfechter.com\/wordpress\/6904\/berger-vs-sasse-meinungspluralitat-auch-fur-blogs-teil-i\">&ldquo;Vernetzung und Information heute&rdquo;<\/a>. <\/p><p>Wer denkt, die Massenmedien w&uuml;rden durch ihre Simulation von Meinungspluralit&auml;t tats&auml;chlich auf die Gegen&ouml;ffentlichkeit eingehen, irrt gewaltig. Der Siegeszug des Internets und der sozialen Netzwerke ist am ehesten mit der Erfindung des Buchdrucks zu vergleichen. Vor Gutenbergs revolution&auml;rer Entwicklung besa&szlig; die katholische Kirche de facto das Monopol f&uuml;r gedrucktes Wissen. Dank der Buchdrucktechnik konnte fortan jedermann, der genug Geld hatte, sein Wissen und seine Meinung verbreiten, um den kostenaufw&auml;ndigen Druck eines Buches oder einer Zeitung zu finanzieren. Erst das Netz demokratisierte die Publizistik, in dem es wirklich jedermann die M&ouml;glichkeit verschaffte, andere Menschen an seinen Gedanken in schriftlicher oder audiovisueller Form teilhaben zu lassen. Dass die finanzstarken Massenmedien den Verlust ihres Meinungsmonopols nicht einfach so hinnehmen w&uuml;rden, war klar &ndash; sie hatten schlie&szlig;lich aus den Fehlern der katholischen Kirche gelernt. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p>Von daher &uuml;berrascht es keineswegs, dass die Massenmedien versuchen, sich durch die Simulation der Leserpartizipation und des Zulassens von Meinungspluralit&auml;t einen aufkl&auml;rerischen, modernen Anstrich zu verpassen. Ein marodes Haus, dessen Fundament br&ouml;ckelt, bleibt jedoch auch dann marode, wenn man ihm neue bunt gestrichene Fensterl&auml;den verpasst. Blickt man hinter die Kulissen, stellen sich die &bdquo;Modernisierungsma&szlig;nahmen&ldquo; der Massenmedien schnell als potemkinsche D&ouml;rfer dar. <\/p><p>Nehmen wir doch einmal das besucherst&auml;rkste Onlinemedium als Beispiel. Sicher, SPIEGEL Online hat sich durch seine neue Rubrik &bdquo;Die Kolumnisten&ldquo; den Anstrich eines Mediums gegeben, das Meinungspluralit&auml;t zul&auml;sst. Aber wie weit geht diese &bdquo;Meinungspluralit&auml;t&ldquo;? Georg Dietz und Sibylle Berg schreiben &uuml;ber &bdquo;weiche Themen&ldquo;, ihre Kolumnen schrammen hart an der Grenze zur Belanglosigkeit vorbei und reihen sich damit m&uuml;helos in den &bdquo;Panorama-Teil&ldquo; des Mediums ein. Auf so etwas muss man nicht n&auml;her eingehen. Sascha Lobos Kolumne ist zweifelsohne interessant &ndash; da aber eigentlich niemand, der sie &uuml;berhaupt versteht, je gro&szlig;artig anderer Meinung als Lobo war oder ist, h&auml;lt sich die aufkl&auml;rerische Wirkung ohnehin in Grenzen, zumal sein Themenspektrum auch eng umrissen ist und allenfalls von &bdquo;Netzjunkies&ldquo; als &bdquo;hartes Thema&ldquo; verstanden wird. Bleiben Jan Fleischhauer und Jakob Augstein.<\/p><p>Fleischhauers Versuche, eine rechte Version von Karl-Eduard von Schnitzlers &bdquo;schwarzem Kanal&ldquo; in Kolumnenform zu ver&ouml;ffentlichen, sind schlichtweg l&auml;cherlich. Der Schmalspuragitator mit seinem geifernden Hass auf alles, was irgendwie links oder aufkl&auml;rerisch daherkommen k&ouml;nnte, mag allenfalls als &uuml;berspitzte Persiflage auf die sonstige SPIEGEL-Berichterstattung durchgehen &ndash; so wird er aber wohl von den wenigsten Lesern verstanden. Der einzige Kolumnist, der hin und wieder Meinungen publiziert, die nicht auf SPIEGEL-Linie sind, ist der SPIEGEL-Mitinhaber Jakob Augstein. Er schreibt zwar viele vern&uuml;nftige Sachen, schreibt aber auch viel Unfug und ist dabei ungef&auml;hr so systemkritisch wie die SPD. Mal drischt er in bester BILD-Manier <a href=\"\/?p=10487#h17\">auf die Linkspartei ein<\/a>, mal verteidigt er einen nicht <a href=\"http:\/\/www.freitag.de\/positionen\/0909-an-der-staatsgrenze\">ideologischen Neoliberalismus<\/a>, ohne dem Leser Antwort zu geben, was das eigentlich sein soll, mal <a href=\"\/?p=10818\">bejubelt er die katholische Kirche<\/a>. Es scheint eher so, als sei Augstein selbst die fleischgewordene Meinungspluralit&auml;t. F&uuml;r den SPIEGEL ist er kaum mehr als ein mehr oder weniger linksliberales Feigenblatt. Selbst seine besseren Artikel gehen in der t&auml;glichen Flut der Meinungsmache in diesem Medium unter. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer &ndash; erst recht dann nicht, wenn sie so aufgeplustert ist, dass sie gar nicht fliegen kann.<\/p><p>Wer denkt, SPIEGEL und Co. lie&szlig;en nun Meinungspluralit&auml;t zu, ist dieser Taktik bereits auf den Leim gegangen. Wer dar&uuml;ber hinaus implizit fordert, auch soziale Netzwerke und Blogs sollten sich gegen&uuml;ber diametralen Positionen &ouml;ffnen, erinnert an Sicherheitspolitiker, die von den Taliban fordern, sich den hochger&uuml;steten NATO-Truppen in offener Feldschlacht zu stellen, und jeden Akt asymmetrischer Kriegsf&uuml;hrung als feige brandmarken. Dieses martialische Beispiel mag &uuml;berzogen sein &ndash; die Grundlage der krass unterschiedlichen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse gilt jedoch auch f&uuml;r die &bdquo;Meinungsschlacht&ldquo; zwischen den Massenmedien und den Blogs. W&uuml;rden Blogs sich einer selbstzerst&ouml;rerischen Meinungspluralit&auml;t &ouml;ffnen, w&uuml;rden sie das Prinzip der Gegen&ouml;ffentlichkeit ad absurdum f&uuml;hren. <\/p><p>Internetangebote wie die NachDenkSeiten nutzen ihre &ndash; im Vergleich zu den Massenmedien &ndash; erschreckend geringen Mittel, um einen Gegenpol zur Meinungsmache und der angestrebte Deutungshoheit des Mainstreams zu bilden. Warum sollte man dieses Werk, das aufgrund der unterschiedlichen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse ohnehin irgendwo zwischen K&auml;rrner- und Sisyphusarbeit angesiedelt ist, auch noch dadurch unterminieren, dass man so &bdquo;fair&ldquo; ist und der Gegenseite auf der eigenen Plattform Raum f&uuml;r eben diese Meinungsmache bietet, die man ja eigentlich bek&auml;mpfen will? Wenn David und Goliath sich der Waffengleichheit verschreiben, wird immer Goliath gewinnen. Wenn die Gegen&ouml;ffentlichkeit sich der Meinungspluralit&auml;t verschreibt, wird sie damit ihr eigenes Grab schaufeln. Wir sind die Emp&ouml;rten, die den auffahrenden Panzern Blumen ins Gesch&uuml;tzrohr stecken und wissen, dass jeder Kampf mit gleichen Mitteln aussichtslos f&uuml;r uns ist.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/a8c6935727d94411a9d4d6de34a725aa\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel ist eine Erwiderung zu Stephan Sasses Artikel <a href=\"http:\/\/www.spiegelfechter.com\/wordpress\/6904\/berger-vs-sasse-meinungspluralitat-auch-fur-blogs-teil-i\">&ldquo;Vernetzung und Information heute&rdquo;<\/a>. <\/p>\n<p>Wer denkt, die Massenmedien w&uuml;rden durch ihre Simulation von Meinungspluralit&auml;t tats&auml;chlich auf die Gegen&ouml;ffentlichkeit eingehen, irrt gewaltig. Der Siegeszug des Internets und der sozialen Netzwerke ist am ehesten mit der Erfindung des Buchdrucks zu vergleichen. 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