{"id":108755,"date":"2023-12-22T10:08:19","date_gmt":"2023-12-22T09:08:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108755"},"modified":"2023-12-22T18:29:08","modified_gmt":"2023-12-22T17:29:08","slug":"die-verleihung-des-hannah-arendt-preises-an-masha-gessen-in-bremen-musste-im-hinterhof-stattfinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108755","title":{"rendered":"Die Verleihung des Hannah-Arendt-Preises an Masha Gessen in Bremen musste im Hinterhof stattfinden"},"content":{"rendered":"<p>Vergleiche sind in der Geschichtswissenschaft und im Journalismus das t&auml;gliche Brot. China wird mit den USA, das persische mit dem &auml;gyptischen Gro&szlig;reich, das r&ouml;mische mit dem britischen oder mit dem US-amerikanischen Imperium, Metternich mit Kissinger, Konrad Adenauer mit Willy Brandt usw. usf. verglichen. Besonders beliebt ist Hitler, der mit Stalin, Mao, Gaddafi, Saddam Hussein, Bashar Al-Assad und vielen anderen Pr&auml;sidenten und Staatsoberh&auml;uptern verglichen wurde. J&uuml;ngstes Beispiel: Wladimir Putin und Wolodymyr Selenskyj beschuldigen sich gegenseitig, Hitler zu sein. Ausgerechnet zwei Vergleiche aber unterliegen einem absoluten Tabu: Israel und seine Politik d&uuml;rfen nicht mit irgendwelchen Erscheinungen oder Vorkommnissen aus Nazi-Deutschland und der Holocaust darf sowieso mit nichts verglichen werden, weil sonst seine &bdquo;Singularit&auml;t&ldquo; in Frage gestellt w&uuml;rde. Von <strong>S&ouml;nke Hundt<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3538\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-108755-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231222-Hannah-Arendt-Preis-an-Masha-Gessen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231222-Hannah-Arendt-Preis-an-Masha-Gessen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231222-Hannah-Arendt-Preis-an-Masha-Gessen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231222-Hannah-Arendt-Preis-an-Masha-Gessen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=108755-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/231222-Hannah-Arendt-Preis-an-Masha-Gessen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"231222-Hannah-Arendt-Preis-an-Masha-Gessen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>F&uuml;r Masha Gessen, die renommierte j&uuml;disch-russisch-amerikanische Autorin, gelten diese Tabus nicht. Was zu einem gro&szlig;en Skandal in Bremen f&uuml;hrte, &uuml;ber den schlie&szlig;lich <em>ARD<\/em>, <em>ZDF<\/em>, <em>Radio Bremen<\/em>, <em>Deutschlandfunk<\/em>, <em>Taz<\/em>, <em>Weser Kurier<\/em>, <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em>, <em>Die Zeit<\/em>, <em>Der Spiegel<\/em>, <em>Frankfurter Rundschau<\/em>, <em>Frankfurter Allgemeine<\/em>, <em>Die Welt<\/em>, <em>Neue Z&uuml;rcher Zeitung<\/em>, <em>The Guardian<\/em> usw. mehrfach und ausf&uuml;hrlich berichteten.<\/p><p>Was war geschehen? Eine international zusammengesetzte Jury hatte zun&auml;chst schon im Sommer 2023 beschlossen, den renommierten Hannah-Arendt-Preis Bremen an Masha Gessen<em> <\/em>zu vergeben. Der Preis wird j&auml;hrlich ausgelobt von einem Verein (&bdquo;Hannah-Arendt-Preis f&uuml;r politisches Denken e.V.&ldquo;) und ist mit 10.000 Euro dotiert. Das Preisgeld wird von der Stadt Bremen und der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung aufgebracht. Die Verleihung sollte wie &uuml;blich am 13. Dezember 2023 w&auml;hrend einer gro&szlig;en Feier in der historischen oberen Rathaushalle stattfinden &ndash; mit allem Pomp, den die Hansestadt zu bieten hat.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231222_gessen_1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231222_gessen_1.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Festveranstaltung wurde abgesagt<\/strong><\/p><p>Es kam anders. Die Festveranstaltung im Rathaus wurde kurzfristig abgesagt. Das als Ersatz vorgesehene &bdquo;Institut Fran&ccedil;ais&ldquo; stand pl&ouml;tzlich auch nicht mehr zur Verf&uuml;gung. Die Teilnehmer an der Festveranstaltung wurden schlie&szlig;lich am Morgen des 16. Dezembers an einen nur einem ausgew&auml;hlten Kreis bekannten Ort gef&uuml;hrt, n&auml;mlich eine kleine Kunstgalerie in einem Hinterhof im Bremer Steintorviertel. Wer nicht auf der Liste der etwa 50 zugelassenen Teilnehmer stand, wurde nicht reingelassen. Die Polizei war alarmiert und beobachtete. &bdquo;Das ist die seltsamste Preisverleihung, an der ich je teilgenommen habe&ldquo;, meinte Gessen bei ihrer Ankunft in Bremen. Und: &bdquo;Hannah Arendt would have been laughing in her grave.&ldquo;[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/p><p>Eigentlich hatten sich die Jurymitglieder (Prof. Antonia Grunenberg, Prof. Grit Stra&szlig;enberger, Claudia Hilb, Prof. Michael Daxner, Klaus Wolschner, Dr. Monika Tokarzewska) eine f&uuml;r den woken Zeitgeist &uuml;beraus passende Kandidatin ausgew&auml;hlt. Masha Gessen<em> <\/em>ist J&uuml;din, wurde 1967 in Moskau geboren, emigrierte 1981 in die USA und kehrte 1996 nach Russland zur&uuml;ck, wo sie sich aktiv in der Lesben- und Schwulenbewegung bet&auml;tigte und B&uuml;cher u.a. &uuml;ber Putin und Pussy Riot verfasste. Im Jahr 2000 adoptierte sie einen damals dreij&auml;hrigen russischen Waisenjungen. Au&szlig;erdem hat Gessen einen Sohn und eine Tochter und heiratete in einer j&uuml;disch-religi&ouml;sen Zeremonie ihre Moskauer Lebensgef&auml;hrtin. Als nichtbin&auml;re Person bevorzugt Gessen, geschlechtsneutral, d.h. ohne Verwendung eines Pronomens, bezeichnet zu werden.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] 2013 verlie&szlig; sie Russland wieder (wegen der Repressionen gegen Homosexuelle) und re-emigrierte nach New York. Hier nimmt sie Lehrauftr&auml;ge wahr, schreibt f&uuml;r angesehene Zeitschriften und wurde mehrfach f&uuml;r ihre B&uuml;cher ausgezeichnet. Zurzeit ist Gessen &bdquo;staff writer&ldquo; des ber&uuml;hmten Intellektuellen-Blattes <em>The New Yorker<\/em> und hat hier am 9. Dezember 2023 einen 24 Seiten langen Essay mit dem Titel <a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/news\/the-weekend-essay\/in-the-shadow-of-the-holocaust\">&bdquo;In the Shadow of the Holocaust &ndash; How the politics of memory in Europe obscures what we see in Israel and Gaza today&rdquo;<\/a>[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] ver&ouml;ffentlicht.<\/p><p><strong>Der Essay im The New Yorker<\/strong><\/p><p>Allein der Titel des Essays war offenbar schon zu provokant f&uuml;r die Bremer Szene der unbedingten Israel-Verteidiger. Hermann Kuhn, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) Bremen\/Unterweser, machte den ersten Aufschlag und forderte in einem offenen Brief den Verein umgehend auf, die Entscheidung f&uuml;r die Verleihung des Hannah-Arendt-Preises auszusetzen. Seine Begr&uuml;ndung: Es w&uuml;rde eine Person geehrt, deren Denken in deutlichem Gegensatz zum Denken Hannah Arendts st&uuml;nde. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Als Deutsch-Israelische Gesellschaft befremdet uns vor allem Masha Gessens Aussage, dass Gaza &sbquo;wie ein j&uuml;disches Ghetto in einem von Nazi-Deutschland besetzten osteurop&auml;ischen Land&lsquo; gewesen sei. [&hellip;] Es ist uns unbegreiflich wie ein\/e so erfahrene\/r Wissenschaftler:in (sic) wie Masha Gessen, die sich so gro&szlig;e Verdienste um die kritische Analyse des russischen Imperiums erworben hat, ernsthaft Gaza mit den Vernichtungs-Ghettos der Nazis gleichsetzen kann. Es gibt f&uuml;r uns nur eine Erkl&auml;rung: Ein tiefsitzendes und grunds&auml;tzliches negatives Vorurteil gegen&uuml;ber dem j&uuml;dischen Staat. Mit politischem Urteilen im Sinne Hannah Arendts hat das nichts zu tun.&ldquo;[<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Der offene Brief der DIG erzielte umgehend Wirkung. Bj&ouml;rn Fecker (Gr&uuml;ne), Finanzsenator und stellvertretender B&uuml;rgermeister der Hansestadt Bremen, erkl&auml;rte im Namen des Bremer Senats und im Einvernehmen mit der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung sofort, dass die obere Rathaushalle f&uuml;r die Preisverleihung nicht mehr zur Verf&uuml;gung st&uuml;nde. Lothar Probst, Politikwissenschaftler und Gr&uuml;ndungsmitglied des Arendt-Preis-Vereins, und Helga Tr&uuml;pel, ehemalige Europa-Abgeordnete und Kultursenatorin, r&uuml;gten gemeinsam in einem Brief an Senat, Vereinsvorstand und Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung die Jury, dass sie &bdquo;Gessens mehrfach bekr&auml;ftigten Antizionismus mindestens billigend in Kauf genommen haben muss.&ldquo;[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>] Die Auseinandersetzungen wurden sofort zum Topthema in den Medien, die ausf&uuml;hrlich berichteten.<\/p><p>Die Jury und der Vorstand des Vereins blieben trotz des Drucks, der von vielen Seiten auf sie ausge&uuml;bt wurde, standhaft bei ihrer einmal getroffenen Entscheidung. In einer sorgf&auml;ltig abgewogenen Presseerkl&auml;rung nahmen sie die Absage des stellvertretenden B&uuml;rgermeisters &bdquo;bedauernd zur Kenntnis&ldquo;. Und sie fanden es &bdquo;bemerkenswert, dass der &ouml;ffentliche Streit um das Verstehen und das Be- und Verurteilen der Terrorangriffe der Hamas auf Israel und der Bombardierung Gazas durch Israel dadurch blockiert wird, dass eine politische Denkerin boykottiert wird, die darum bem&uuml;ht ist, Kenntnis, Einsicht und ein scharfes Denkverm&ouml;gen in diesen Streit einzubringen. Der &sbquo;Hanna-Arendt-Preis f&uuml;r politisches Denken&lsquo; steht f&uuml;r eine offene Streitkultur, f&uuml;r das Zulassen und das Aushalten von Kontroversen, f&uuml;r unangenehme Einsichten, neue Verst&auml;ndigungsweisen und kenntnisreich gef&uuml;hrte &ouml;ffentliche Debatten.&ldquo;[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/p><p><strong>Die inkriminierte Aussage im Wortlaut<\/strong><\/p><p>Was aber hatte Masha Gessen nun eigentlich so Schlimmes geschrieben? Zitiert wurde immer wieder ihre Aussage, dass &bdquo;Gaza wie ein j&uuml;disches Ghetto in einem von Nazi-Deutschland besetzten osteurop&auml;ischen Land&ldquo; gewesen sei. Da anzunehmen ist, dass kaum einer der Teilnehmer an der aufgeregten Debatte den inkriminierten Text vollst&auml;ndig gelesen hat, sei hier ausf&uuml;hrlich und nicht aus dem Zusammenhang gerissen zitiert:<\/p><p>Masha Gessen schreibt: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>For the last seventeen years, Gaza has been a hyperdensely populated, impoverished, walled-in compound where only a small fraction of the population had the right to leave for even a short amount of time &ndash; in other words, a ghetto. Not like the Jewish ghetto in Venice or an inner-city ghetto in America, but like a Jewish ghetto in an Eastern European country occupied by Nazi Germany. In the two months since Hamas attacked Israel, all Gazans have suffered from the barely interrupted onslaught of Israeli forces. Thousands have died. On average, a child is killed in Gaza every ten minutes. Israeli bombs have struck hospitals, maternity wards, and ambulances. Eight out of ten Gazans are now homeless, moving from one place to another, never able to get to safety.<\/em><\/p>\n<p><em>The term &sbquo;open-air prison&lsquo; seems to have been coined in 2010 by David Cameron, the British Foreign Secretary who was then Prime Minister. Many human rights organizations that document conditions in Gaza have adopted the description. But as in the Jewish ghettoes of occupied Europe, there are no prison guards &ndash; Gaza is policed not by the occupiers but by a local force. Presumably, the more fitting term &sbquo;ghetto&rsquo; would have drawn fire for comparing the predicament of besieged Gazans to that of ghettoized Jews. It also would have given us the language to describe what is happening in Gaza now. The ghetto is being liquidated.&rdquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Hier die &Uuml;bersetzung<\/strong>[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>In den letzten 17 Jahren ist aus Gaza ein extrem dicht besiedeltes, verarmtes, ummauertes Gebiet geworden, in dem nur ein kleiner Teil der Bev&ouml;lkerung das Recht hatte, das Land auch nur f&uuml;r kurze Zeit zu verlassen &ndash; mit anderen Worten: ein Ghetto. Nicht wie das j&uuml;dische Ghetto in Venedig oder ein innerst&auml;dtisches Ghetto in Amerika, sondern wie ein j&uuml;disches Ghetto in einem osteurop&auml;ischen Land, das von Nazi-Deutschland besetzt war. In den zwei Monaten seit dem Angriff der Hamas auf Israel haben alle Bewohner des Gazastreifens unter den kaum unterbrochenen Angriffen der israelischen Streitkr&auml;fte gelitten. Tausende sind gestorben. Im Durchschnitt wird in Gaza alle zehn Minuten ein Kind get&ouml;tet. Israelische Bomben haben Krankenh&auml;user, Entbindungsstationen und Krankenwagen getroffen. Acht von zehn Bewohnern des Gazastreifens sind mittlerweile obdachlos, ziehen von einem Ort zum anderen und k&ouml;nnen sich nirgends in Sicherheit bringen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Begriff &sbquo;Freiluftgef&auml;ngnis&lsquo; ist wahrscheinlich 2010 von David Cameron, dem britischen Au&szlig;enminister und damaligen Premierminister, gepr&auml;gt worden. Viele Menschenrechtsorganisationen, die die Zust&auml;nde in Gaza dokumentieren, haben die Beschreibung &uuml;bernommen. Aber wie in den j&uuml;dischen Ghettos im besetzten Europa gibt es keine Gef&auml;ngnisw&auml;rter &ndash; Gaza wird nicht von den Besatzern, sondern von einer &ouml;rtlichen Truppe &uuml;berwacht. Vermutlich w&auml;re der eigentlich passendere Begriff &sbquo;Ghetto&lsquo; zu sehr kritisiert worden, weil er die Situation der belagerten Bewohner von Gaza mit den in Ghettos eingesperrten Juden verglichen h&auml;tte. Der Begriff &sbquo;Ghetto&lsquo; h&auml;tte uns auch das Vokabular gegeben, zu beschreiben, was jetzt in Gaza passiert. Das Ghetto wird liquidiert.<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Mit den Argumenten in ihrem Essay hat sich niemand in Bremen auseinandergesetzt. Masha Gessen selbst reagierte auf die Vorw&uuml;rfe wie erwartet mit Unverst&auml;ndnis. Im Interview mit dem Bremer Regionalfernsehen[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>] meinte sie nur, dass Hannah Arendt, w&uuml;rde man auch an sie diese Ma&szlig;st&auml;be angelegt haben, den Preis auch nicht erhalten h&auml;tte. Ihren Satz mit dem Ghetto-Vergleich, der in allen Berichten nur noch mit dem Attribut &bdquo;umstritten&ldquo; versehen wird, bekr&auml;ftigte sie. &bdquo;I absolutely mean it in this way. F&uuml;r mich ist es der wichtigste Satz in dem ganzen Essay. [&hellip;] Im konkreten Fall Gaza denke ich, da gibt es eindeutige &Auml;hnlichkeiten mit dem, was in j&uuml;dischen Ghettos passiert ist. Und da muss sich die ganze Welt die Frage stellen: Was machen wir, um das Sterben der Zivilisten im Gazastreifen zu stoppen?&ldquo;<\/p><p><strong>&Uuml;berhaupt die Vergleiche<\/strong><\/p><p>Das Tabu um die Singularit&auml;t des Holocaust kennt Masha Gessen sehr wohl &ndash; und sie bricht es mit Bedacht. In ihrem Essay &bdquo;In the Shadow of the Holocaust&ldquo; zitiert sie einige der gro&szlig;en j&uuml;dischen Denker, die den Holocaust &uuml;berlebt haben und den Rest ihres Lebens damit zubrachten, der Welt zu erz&auml;hlen, dass der Holocaust zwar singul&auml;r, aber keine Fehlentwicklung (aberration) der Geschichte gewesen sei. Der Soziologe und Philosoph Zygmunt Baumann z.B. bestand darauf, dass gerade die systematische und effiziente Durchf&uuml;hrung des Holocaust eine Funktion der Moderne (function of modernity) sei und dementsprechend in einer Linie mit anderen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts gesehen werden m&uuml;sse. Und Theodor W. Adorno ging in seinen Forschungen zum autorit&auml;ren Charakter gerade der Frage nach, warum Menschen dazu neigten, autorit&auml;ren F&uuml;hrern zu folgen, und wie ein weiteres Auschwitz in der Zukunft verhindert werden k&ouml;nne.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231222_gessen_2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/231222_gessen_2.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Hannah Arendt und Albert Einstein<\/strong><\/p><p>Prominentes Beispiel f&uuml;r historische Vergleiche ist nat&uuml;rlich Hannah Arendt selbst. Ein halbes Jahr nach der Gr&uuml;ndung des Staates Israel hatten sich j&uuml;dische amerikanische Intellektuelle, darunter Hannah Arendt und Albert Einstein, am 2. Dezember 1948 in einem <a href=\"https:\/\/www.lebenshaus-alb.de\/magazin\/005057.html\">offenen Brief an die <em>New York Times<\/em><\/a> gegen den bevorstehenden USA-Besuch von Menachem Begin, damals F&uuml;hrer der Partei Tnuat HaHerut (&bdquo;Freiheitspartei&ldquo;) und sp&auml;terer Ministerpr&auml;sident, gewandt. Diese Partei geh&ouml;re zu den &bdquo;beunruhigendsten politischen Ph&auml;nomenen im neu geschaffenen Staat Israel&ldquo;, schrieben sie. Sie sei eine &bdquo;Partei, die in ihrer Organisation, ihren Methoden, ihrer politischen Philosophie und ihrem sozialen Appell eng verwandt ist mit den Nazis und anderen faschistischen Parteien&ldquo;. &Auml;u&szlig;erer Anlass f&uuml;r diesen Warnruf war das Massaker von Deir Jassin, das damals bekannt geworden war. J&uuml;dische Terroristengruppen hatten das friedliche Dorf angegriffen und die meisten seiner Bewohner &ndash; 240 M&auml;nner, Frauen und Kinder &ndash; get&ouml;tet. &bdquo;Der Vorfall von Deir Jassin&ldquo;, so hie&szlig; es in dem Brief weiter, &bdquo;ist ein Beispiel f&uuml;r den Charakter und die Aktionen dieser Partei. Innerhalb der j&uuml;dischen Gemeinde haben sie eine Mischung aus Ultranationalismus, religi&ouml;ser Mystik und Rassen&uuml;berlegenheit gepredigt. [&hellip;] Dies ist der unmissverst&auml;ndliche Stempel einer faschistischen Partei, f&uuml;r die Terrorismus (gegen Juden, Araber und Briten gleicherma&szlig;en) und falsche Darstellung Mittel sind, und ein &sbquo;F&uuml;hrerstaat&lsquo; das Ziel.&rdquo;[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/p><p>&Uuml;brigens: Die Herut-Partei von Menachim Begin, bei ihrer Gr&uuml;ndung die Partei des revisionistischen Zionismus, ging 1988 zusammen mit der Liberalen Partei im Likud auf. Und deren Vorsitzender ist heute Ministerpr&auml;sident Benjamin Netanyahu. Wer sich also heute fragt, warum das israelische Milit&auml;r derzeit schon wieder mit dieser Brutalit&auml;t gegen die pal&auml;stinensische Bev&ouml;lkerung im Gazastreifen vorgeht, sei also an Hannah Arend und an die Geschichte von Likud und Herut erinnert.<\/p><p><strong>Charlotte Wiedemann<\/strong><\/p><p>Die deutsche Autorin Charlotte Wiedemann hat es ebenfalls gewagt, historische Vergleiche anzustellen, und sich der Aufgabe unterzogen, in der fr&uuml;hen israelischen Literatur dem &bdquo;Schmerz des Anderen&ldquo; nachzusp&uuml;ren.[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>] Sie fand das folgende Zitat mit diesem Vergleich: &bdquo;Wir sind gekommen und haben geschossen, niedergebrannt, gesprengt, verdr&auml;ngt, vertrieben und verbannt. Wagen, Transporte. Woran erinnert dich das &hellip; Juden werden umgebracht. Europa. Jetzt sind wir die Herren. &ndash; Mit Hurra werden wir Wohnraum schaffen und Einwanderer eingliedern. Man wird die Felder pfl&uuml;gen und s&auml;en und abernten, ja wird Gro&szlig;es leisten. [&hellip;] &ndash; Meine Eingeweide schrien. L&uuml;ge schrie es in mir. Noch nie hat ein Maschinengewehr, Marke Spandau, irgendein Recht geschaffen. &ndash; In meinem Inneren st&uuml;rzte etwas mit bet&auml;ubender Wucht zusammen.&ldquo; <\/p><p>Wiedemann zitiert hier aus einem schmalen B&uuml;chlein, geschrieben aus Sicht eines jungen Beteiligten an den Ereignissen des Jahres 1948. Der Verfasser S. Yishar, eigentlich Yizhar Smilanski, sei kein Au&szlig;enseiter gewesen; als preisgekr&ouml;nter Schriftsteller habe er sp&auml;ter lange der Knesset angeh&ouml;rt. &bdquo;Anspielungen auf den Holocaust, auf die Verflochtenheit von Genozid, Staatsgr&uuml;ndung und der Entwurzelung eines anderen Volks fanden sich&ldquo;, so Charlotte Wiedemann, &bdquo;damals bei einer Reihe von Dichtern und Poeten. [&hellip;] Zu wissen, dass es in Israel eine Zeit gab, in der klar und humanistisch die eigene Beteiligung am Inhumanen benannt wurde, war mir eine Hilfe, als ich mich auf die Suche nach verscharrter Erinnerung und verscharrter Humanit&auml;t machte.&ldquo;<\/p><p><strong>Ari Shavit in &bdquo;My promised Land&ldquo;<\/strong>[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/p><p>Ari Shavit verkehrte das Tabu, dass Geschehnisse in Israel und in Nazi-Deutschland nicht verglichen werden d&uuml;rfen, geradezu ins Gegenteil. Sein Problem war nicht, dass man bestimmte Vergleich nicht anstellen darf, sondern dass es nahezu unm&ouml;glich wurde, ihnen auszuweichen. Shavit hat mit &bdquo;Mein gelobtes Land&ldquo; einen in viele Sprachen &uuml;bersetzten Bestseller geschrieben. Er beschreibt darin die bedr&uuml;ckende Atmosph&auml;re anl&auml;sslich seines Besuches bei Soldaten der IDF an der Grenze zu Gaza w&auml;hrend der Zeit der zweiten Intifada. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Es h&auml;ngt etwas in der Luft wie ein &uuml;bler Geruch, den noch nicht einmal die Mittelmeerbrise vertreiben kann. Sicher, es ist ungerecht und unbegr&uuml;ndet, aber allenthalben und zu jeder Zeit dr&auml;ngt sich einem eine unheilvolle Analogie auf. Das liegt nicht an der israelfeindlichen Propaganda, sondern an der Sprache, die die Soldaten v&ouml;llig selbstverst&auml;ndlich und unreflektiert benutzen. [&hellip;] Sogar N., der politisch ziemlich weit rechts steht, murrt jedem die Ohren voll, dass die ganze Anlage einem Konzentrationslager gleicht. M. erkl&auml;rt mit einem schwachen L&auml;cheln, dass er w&auml;hrend der Intifada so viele Tage Wehrdienst angesammelt hat, dass man ihn bald zu einem hohen Gestapo-Offizier bef&ouml;rdern wird. Und auch ich, der diese Analogie immer verabscheut hat, der mit jedem stritt, der nur entsprechende Anspielungen machte, kann mich ihrer bald nicht mehr erwehren. Die Assoziationen sind zu stark. [&hellip;] Ich erkenne, dass das Problem nicht in der &Auml;hnlichkeit begr&uuml;ndet ist; niemand kann allen Ernstes glauben, dass eine wirkliche &Auml;hnlichkeit besteht. Das Problem liegt darin begr&uuml;ndet, dass es keinen ausreichenden Mangel an &Auml;hnlichkeit gibt. Der Mangel an &Auml;hnlichkeit ist nicht gro&szlig; genug, als dass die unguten Ankl&auml;nge ein f&uuml;r allemal verstummen k&ouml;nnten.&ldquo;[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Um noch einmal auf das Problem mit den historischen Vergleichen zur&uuml;ckzukommen: In ihrer improvisierten Festrede, gehalten in der kleinen Galerie im Steintorviertel, machte Masha Gessen auf einige Selbstverst&auml;ndlichkeiten aufmerksam. Selbstverst&auml;ndlich k&ouml;nne (und d&uuml;rfe) man vergleichen, in jeder historischen Analyse w&uuml;rde verglichen. Aber ebenso selbstverst&auml;ndlich m&uuml;sse unbedingt der feine Unterschied zwischen &bdquo;vergleichen&ldquo; und &bdquo;gleichsetzen&ldquo; beachtet werden. Jedes Ereignis oder jeder Zusammenhang habe seine Singularit&auml;t in Ort und Zeit und in den Umst&auml;nden. Die Aufgabe best&uuml;nde eben darin, dass bei Vergleichen genau unterschieden werden m&uuml;sse zwischen dem, was den Ereignissen, hier also dem jetzigen Gaza und den damaligen Juden-Ghettos in den osteurop&auml;ischen St&auml;dten, gemeinsam oder &auml;hnlich sei und wo die Unterschiede l&auml;gen.<\/p><p>Die DIG Bremen\/Unterweser hat in ihrem offenen Brief, der den Skandal ins Rollen brachte, genau diese Selbstverst&auml;ndlichkeit &ndash; wahrscheinlich absichtsvoll &ndash; unter den Tisch fallen lassen. In dem Brief der DIG hie&szlig; es: &bdquo;Es ist uns unbegreiflich, wie ein\/e so erfahrene\/r Wissenschaftler:in wie Masha Gessen, [&hellip;] ernsthaft Gaza mit den Vernichtungs-Ghettos der Nazis gleichsetzen kann.&ldquo;[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>] Da kann man nur noch den Kopf sch&uuml;tteln. Denn Masha Gessen hat nichts gleichgesetzt, sie hat Vergleiche, die aufr&uuml;tteln sollen, angestellt.<\/p><p><strong>Rudert die Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung zur&uuml;ck?<\/strong><\/p><p>Das Geld f&uuml;r den Preis von 10.000 Euro wird von der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung Bremen, der Heinrich-B&ouml;ll-Bundesstiftung und dem Bremer Senat aufgebracht. Die schlussendliche Absage des Festaktes in der oberen Rathaushalle war eine gemeinsame Entscheidung aller drei preisstiftenden Institutionen. Der Festakt wurde gecancelt, so zu lesen auf der Homepage der <a href=\"https:\/\/www.boell-bremen.de\/de\">Bremer B&ouml;ll-Stiftung<\/a> (18. Dezember 2023), &bdquo;weil wir Gessens Vergleich des Gaza-Krieges mit der Liquidierung eines Ghettos in der NS-Zeit f&uuml;r <em>untragbar und indiskutabel <\/em>halten.&ldquo;[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>] Der Vorstand des Vereins &bdquo;Hannah-Arendt-Preis f&uuml;r politisches Denken e.V.&ldquo; und die Jury allerdings, was den Geldgebern so gar nicht gefiel, haben dem Druck standgehalten und sind bei ihrer Entscheidung geblieben. Respekt. Der Verein, so hei&szlig;t es in der Erkl&auml;rung der Bremer B&ouml;ll-Stiftung auf ihrer Homepage, habe die Kommunikation mit ihr verweigert und sei auch nicht bereit gewesen, sich &uuml;ber eine m&ouml;gliche Modifizierung des Festaktes zu verst&auml;ndigen.<\/p><p>F&uuml;r die Heinrich-B&ouml;ll-Bundesstiftung allerdings hatte der Skandal ein Nachspiel. Wie konnte es m&ouml;glich sein, dass eine Stiftung, die sich in aller Welt, vor allem in den osteurop&auml;ischen L&auml;ndern f&uuml;r Diskussionen, Dialoge, offene R&auml;ume, Toleranz, Verst&auml;ndnis, ausgestreckte H&auml;nde usw. in enger Anlehnung an die &bdquo;feministische und wertegeleitete&ldquo; Au&szlig;enpolitik einer gr&uuml;nen Au&szlig;enministerin stark macht, einer international renommierten Autorin die Diskussion verweigert? Die sich dazu in der Lesben- und Schwulenbewegung engagiert, &uuml;ber die herrschende Elite in Russland kritische B&uuml;cher schreibt, deswegen emigrieren muss und aus einer gro&szlig;en, ehemals in Russland und der Ukraine beheimateten j&uuml;dischen Familie stammt, die unter dem Holocaust viel Leid erfahren musste. Man kann sich vorstellen, wie die Telefondr&auml;hte in Bremen und zwischen Bremen und Berlin in diesen Tagen gegl&uuml;ht haben m&uuml;ssen. <\/p><p>Die B&ouml;ll-Bundesstiftung in Berlin jedenfalls entschloss sich kurzfristig und in deutlicher Ablehnung des Beschlusses ihrer Bremer Abteilung, in ihren R&auml;umen in Berlin eine Diskussion zu organisieren, die dann am 18. Dezember vor einem zahlreichen Publikum auch stattfand. Dr. Tamara Or (gesch&auml;ftsf&uuml;hrende Vorst&auml;ndin der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum) moderierte, und Dr. Imme Scholz sowie Jan Philipp Albrecht vom Vorstand der B&ouml;ll-Stiftung diskutierten mit ihrem Gast Masha Gessen. Die Diskussion konnte online verfolgt werden und steht auch jetzt im Netz.[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>] Die Entscheidung der Stiftung habe gro&szlig;e interne Debatten ausgel&ouml;st, wurde einleitend erkl&auml;rt; sie w&uuml;rden vom Vorwurf der Cancel-Culture gegen&uuml;ber einer j&uuml;dischen Intellektuellen, die sich israelkritisch &auml;u&szlig;ere, bis zur Forderung reichen, ihr den Hannah-Arendt-Preis nachtr&auml;glich wieder abzuerkennen.<\/p><p>Masha Gessen hatte sich gut vorbereitet und untermauerte ihre fundamentale Kritik, dass Gaza heute einem der Ghettos einer osteurop&auml;ischen Stadt gliche. Der einzige Unterschied best&uuml;nde darin, dass Gaza noch nicht vollst&auml;ndig liquidiert sei und die Welt&ouml;ffentlichkeit diese Katastrophe noch verhindern k&ouml;nne. Sie zitierte w&ouml;rtlich den israelischen Leiter einer Stadtverwaltung mit dem Namen David Azulay und entschuldigte sich, dass sie diese &Auml;u&szlig;erungen jetzt laut vorlese: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Nach dem 7. Oktober sollten wir die Menschen nicht dazu auffordern, in den S&uuml;den zu gehen, sondern sie an die Str&auml;nde schicken. Die Marine kann sie an die K&uuml;ste des Libanon bringen, wo es bereits gen&uuml;gend Fl&uuml;chtlingslager gibt. Dann sollte ein Sicherheitsstreifen vom Meer bis zum Grenzzaun des Gazastreifens eingerichtet werden, v&ouml;llig leer, als Erinnerung an das, was dort einmal war. Er sollte dem Konzentrationslager Auschwitz &auml;hneln.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Sodann wurde ein Mitglied der Netanyahu-Regierung, Verteidigungsminister Yoav Galant zitiert: &bdquo;Es wird keinen Strom geben, keine Lebensmittel, keinen Treibstoff, alles ist geschlossen. Wir k&auml;mpfen gegen menschliche Tiere, und wir handeln entsprechend.&ldquo; Es folgten der Energieminister Israel Katz (&bdquo;Kein elektrischer Schalter wird aufgedreht, kein Wasserhahn ge&ouml;ffnet und kein Treibstofftransporter wird einfahren, bis die entf&uuml;hrten Israelis nach Hause zur&uuml;ckgekehrt sind.&ldquo;) und die inzwischen ber&uuml;chtigte &Auml;u&szlig;erung des Ministers f&uuml;r nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;So lange die Hamas die Geiseln nicht freil&auml;sst, m&uuml;ssen nur Hunderte von Tonnen Sprengstoff von der Luftwaffe in den Gazastreifen gebracht werden, und nicht eine Unze humanit&auml;rer Hilfe.&ldquo;[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]\n<\/p><\/blockquote><p>Die Sympathien des Publikums lagen erkennbar bei Masha Gessen. Sie machte auch klar, dass dieser Abend nicht auf Einladung der B&ouml;ll-Stiftung zustande gekommen sei, obwohl jetzt sowohl die Moderatorin als auch die beiden Vorstandsmitglieder gern den Eindruck vermitteln m&ouml;chten, dass sie schon immer den Dialog mit ihr gesucht h&auml;tten. Es sei vielmehr so gewesen: Mit Zustimmung der Stiftung sei die Festveranstaltung im Bremer Rathaus als einer gro&szlig;en repr&auml;sentativen &ouml;ffentlichen Veranstaltung mit voraussichtlich mehr als 400 Teilnehmern und einer entsprechenden Medienberichterstattung gecancelt worden, ebenso eine Diskussionsveranstaltung in der Bremer Universit&auml;t. Aber der Versuch, sie mundtot zu machen, sei fehlgeschlagen und h&auml;tte dann das Gegenteil bewirkt. Nie h&auml;tte ihr Essay in <em>The New Yorker<\/em> ohne den Skandal sonst so viel Aufmerksamkeit erreicht. Das aber w&auml;re wirklich kein Verdienst der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung, sondern eine Folge des Eklats. Trotzdem freue sie sich, dass die Veranstaltung hier in Berlin habe stattfinden k&ouml;nnen. &bdquo;Es war seltsam&rdquo;, sagte Gessen nach der Diskussion in einem Interview mit der <em>Berliner Zeitung<\/em>, &bdquo;aber es war nicht sinnlos. F&uuml;r eineinhalb Stunden meines Lebens ist das keine schlechte Bilanz.&ldquo;[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]<\/p><p><small>Titelbild\/Bilder: S. Hundt<\/small> <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] so berichtet von der Taz v. 18.12.2023<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Biografische Angaben aus Wikipedia (17.12.2023) und Taz v. 06.04.2019<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/news\/the-weekend-essay\/in-the-shadow-of-the-holocaust\">newyorker.com\/news\/the-weekend-essay\/in-the-shadow-of-the-holocaust<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.dig-bremen.de\/de\/dokumente-downloads\/offener-brief-zum-hannah-arendt-preis-2023.html\"> Offener Brief der DIG Bremen\/Unterweser v. 13.12.2023.<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Taz v. 13.12.2023<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Stellungnahme auf der Homepage des <a href=\"https:\/\/www.hannah-arendt-preis.de\/veranstaltungen\/\">&ldquo;Vereins Hannah-Arendt-Preis f&uuml;r politisches Denken e.V.&rdquo;<\/a> (17.12.2023)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] &Uuml;bersetzung S.H. (mit Hilfe von Google)<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/nachrichten\/hannah-arendt-preis-bremen-masha-gessen-100.html\"> buten un binnen v. 15.12.2023<\/a> &Uuml;bersetzung von Radio Bremen<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] vgl. <a href=\"https:\/\/www.cafetelaviv.de\/israel\/einstein-arendt-ueber-partei-von-menachem-begin-faschisten\/\">cafetelaviv.de\/israel\/einstein-arendt-ueber-partei-von-menachem-begin-faschisten\/<\/a> (17.12.2023). Der Brief ist auch von den NachDenkSeiten abgedruckt worden, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/231023-Einstein-Arendt-Brief-NYT-1948.pdf\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Vgl. Charlotte Wiedemann: Den Schmerz des Anderen begreifen. Berlin 2022. Die Ausf&uuml;hrungen hier beziehen sich auf ihren Artikel (&bdquo;Das Trauma von 1948&Prime;) in <a href=\"https:\/\/monde-diplomatique.de\/artikel\/!5906053\">Le Monde Diplomatique v. 12.01.2023<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Ari Shavit: My Promised Land: The Triumph and Tragedy of Israel. New York 2013. Das Buch wird sofort nach Erscheinen New-York-Times-Bestseller und erh&auml;lt unz&auml;hlige Preise. In Deutschlandfunk-Kultur (am 12.06.2015) hei&szlig;t es anl&auml;sslich der deutschen &Uuml;bersetzung &uuml;berschw&auml;nglich: &bdquo;Das aufregendste Buch &uuml;ber Israel. Welches Buch sollte man lesen, wenn man sich &uuml;ber die Geschichte Israels informieren will? Dieses hier. Der Journalist erz&auml;hlt in &sbquo;Mein gelobtes Land&lsquo; differenziert, engagiert und eindringlich [&hellip;] Hier wird polyphon und multiperspektivisch erz&auml;hlt, mit narrativer Kraft und Ehrlichkeit.&rdquo;<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Ari Shavit: Mein gelobtes Land, Bielefeld 2015, hier S. 324 f. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.dig-bremen.de\/de\/dokumente-downloads\/offener-brief-zum-hannah-arendt-preis-2023.html\"> Offener Brief der DIG Bremen\/Unterweser v. 13.12.2023.<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] <a href=\"https:\/\/www.boell-bremen.de\/de\"> Homepage der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung Bremen <\/a>(17.12.2023), Hervorhebung S.H.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] <a href=\"https:\/\/calendar.boell.de\/de\/event\/gespraech-mit-masha-gessen-hannah-arendt-preistraegerin-2023\"> Gespr&auml;ch mit Masha Gessen am 18.12.2023<\/a>. Die Stunde lohnt sich, auch wegen der lebhaften Diskussion im Saal nach dem Gespr&auml;ch.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Alle &Auml;u&szlig;erungen aus der Mitschrift der deutschen &Uuml;bersetzung.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Vgl. den sehr informativen Bericht in der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/debatte\/masha-gessen-in-berlin-der-versuch-mich-mundtot-zu-machen-ist-misslungen-li.2169713\">Berliner Zeitung v. 18.12.2023<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergleiche sind in der Geschichtswissenschaft und im Journalismus das t&auml;gliche Brot. China wird mit den USA, das persische mit dem &auml;gyptischen Gro&szlig;reich, das r&ouml;mische mit dem britischen oder mit dem US-amerikanischen Imperium, Metternich mit Kissinger, Konrad Adenauer mit Willy Brandt usw. usf. verglichen. Besonders beliebt ist Hitler, der mit Stalin, Mao, Gaddafi, Saddam Hussein, Bashar<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108755\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":108756,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,126,201,123],"tags":[3179,3041,3212,302,1533,1557,1865,2507],"class_list":["post-108755","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-erosion-der-demokratie","category-ideologiekritik","category-kampagnentarnworteneusprech","tag-arendt-hannah","tag-cancel-culture","tag-doppelte-standards","tag-gaza","tag-heinrich-boell-stiftung","tag-israel","tag-meinungsfreiheit","tag-streitkultur"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/231222_gessen_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/108755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=108755"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/108755\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":108825,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/108755\/revisions\/108825"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/108756"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=108755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=108755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=108755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}