{"id":108970,"date":"2024-01-02T15:02:40","date_gmt":"2024-01-02T14:02:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108970"},"modified":"2024-01-05T08:47:43","modified_gmt":"2024-01-05T07:47:43","slug":"vertrauen-wieder-aufbauen-das-ist-die-zentrale-aufgabe-fuer-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108970","title":{"rendered":"Vertrauen wieder aufbauen. Das ist die zentrale Aufgabe f\u00fcr 2024"},"content":{"rendered":"<p>Wie im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108950#h07\">Hinweis Nr. 7 von heute<\/a> berichtet wurde, hat der russische Pr&auml;sident bei seinen Neujahrsgr&uuml;&szlig;en eine Auswahl getroffen: dem Papst gratulierte er, dem deutschen Bundeskanzler nicht; dem brasilianischen Pr&auml;sidenten Ja, dem US-amerikanischen Nein; Gerhard Schr&ouml;der Ja, der amtierenden EU-Kommissionspr&auml;sidentin Ursula von der Leyen Nein, auch Angela Merkel Nein. Wir sind offensichtlich umgeben von Politikerinnen und Politikern, die sich gegenseitig nicht mehr vertrauen. Kann uns das egal sein? Weil ich die gef&auml;hrliche Phase des Kalten Krieges in den F&uuml;nfzigerjahren des letzten Jahrhunderts pers&ouml;nlich erlebt habe und dann das Gl&uuml;ck hatte, mit dabei zu sein, als Vertrauen wieder aufgebaut wurde, beunruhigt mich die aktuelle Entwicklung. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVertrauen wieder aufbauen &ndash; das ist zu Beginn des Jahres 2024 die deutlich erkennbare politische Aufgabe Nummer 1. Diese Aufgabe anzupacken ist m&ouml;glich und kann erfolgreich sein. Deshalb komme ich zu Beginn des Jahres 2024 auf diese f&uuml;r das Zusammenleben der V&ouml;lker entscheidende politische Konzeption und ihre Umsetzung in der j&uuml;ngeren Geschichte unseres Landes zur&uuml;ck:<\/p><p>Der schreckliche Ausgangspunkt war gekennzeichnet von einer rassistisch anmutenden Aggression der f&uuml;hrenden Politiker Westdeutschlands gegen die im Osten, gegen die Russen und auch gegen alle anderen V&ouml;lker im Osten, die Deutschen in der DDR, jedenfalls ihre F&uuml;hrung inbegriffen. <\/p><p>Das Nachkriegsbekenntnis &bdquo;Nie wieder Krieg&ldquo; wurde vom damaligen Bundeskanzler Adenauer mit tatkr&auml;ftiger Unterst&uuml;tzung der westlichen Alliierten abgel&ouml;st durch die Gr&uuml;ndung der Bundeswehr und Aufr&uuml;stung. Diese politischen Entscheidungen und Taten waren jeweils propagandistisch untermalt und begleitet. In unserer <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?tag=serie-alter-interessanter-dokumente\">&bdquo;Serie alter, interessanter Dokumente&ldquo;<\/a> haben wir auf den fr&uuml;heren Bundesinnenminister (CDU) und sp&auml;teren Bundespr&auml;sidenten Gustav Heinemann (SPD) hingewiesen. An seiner politischen Biografie kann man gut studieren, wie die Belebung des Kalten Krieges in den f&uuml;nfziger und beginnenden sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts aussah und welche kritischen Folgen das f&uuml;r unser Land hatte. Siehe dazu die <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108318\">Rede des sp&auml;teren Bundespr&auml;sidenten Gustav Heinemann vom 23. Januar 1958<\/a> und hier <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108769\">Die Spiegel-Geschichte zur Rede von Gustav Heinemann und Thomas Dehler<\/a>. Gustav Heinemann hatte in der dokumentierten Rede skizziert, welche gro&szlig;en Chancen der Verst&auml;ndigung, des Sich-Vertragens und Sich-Vertrauens in den ersten Jahren der Bundesrepublik Deutschland bestanden und mutwillig verspielt worden waren. Treibende Kraft waren Adenauer und seine CDU.<\/p><p>Ende der F&uuml;nfzigerjahre gab es dann im Kreis um den damaligen Regierenden B&uuml;rgermeister Willy Brandt erste &Uuml;berlegungen dazu, wie der Westen und wie Westdeutschland aus der Konfrontation herauskommen k&ouml;nnten und zu diesem Zweck Vertrauen wieder aufbauen k&ouml;nnten. 1963 dann testeten der damalige SPD-Vorsitzende Brandt und sein Mitarbeiter Egon Bahr, damals Pressesprecher des Berliner Senats, die von ihnen formulierte Parole und Konzeption &bdquo;Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo;. Das geschah auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing. <\/p><p>Als Au&szlig;enminister der Gro&szlig;en Koalition mit der CDU\/CSU und Bundeskanzler Kiesinger konnte Willy Brandt dann 1966-1969 im Gespr&auml;ch mit den Alliierten und in Kontakten mit Vertretern des &bdquo;feindlichen&ldquo; Ostens ausloten, ob die Politik der Verst&auml;ndigung und des Vertrauensaufbaus eine Chance hat. In seiner ersten Regierungserkl&auml;rung als Bundeskanzler hie&szlig; es dann am 28. Oktober 1969: &bdquo;Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein&ldquo;. Das war aktive Vertrauensbildung und ist auch so begriffen worden. <\/p><p>In den Texten zur 1975 zusammentretenden Konferenz f&uuml;r Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) taucht dann der Begriff &bdquo;Vertrauensbildende Ma&szlig;nahmen&ldquo; auf. Siehe <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/archiv\/533719\/zehn-jahre-vertrauensbildende-massnahmen\/\">hier<\/a>. In Ost und West hatte man die Bedeutung der Vertrauensbildung f&uuml;r Zusammenarbeit und Frieden erkannt.<\/p><p>Es ist schon sehr seltsam, dass solche grundlegenden und f&uuml;r unser &Uuml;berleben wichtigen Gedanken und Erkenntnisse sp&auml;ter verloren gehen k&ouml;nnen und dann Spr&uuml;che geklopft werden, die das Gegenteil bedeuten und bewirken. Zum Beispiel vom heutigen Verteidigungsminister Pistorius, wenn er erkl&auml;rt, wir m&uuml;ssten &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo; werden. Oder wenn Angela Merkel nachtr&auml;glich erkl&auml;rt, die Minsker Abkommen seien eine Art Hinhaltetaktik gewesen. &bdquo;Das Minsker Abkommen war der Versuch, der Ukraine Zeit zu geben. Sie hat diese Zeit auch genutzt, wie man heute sieht&ldquo;, sagte Merkel in einem Interview mit der <em>Zeit<\/em>. <\/p><p>Es ist erstaunlich, dass und wie sich Vertrauen und Misstrauen zwischen V&ouml;lkern im Zeitablauf ver&auml;ndert haben, genauer m&uuml;sste man wohl sagen: ver&auml;ndert worden sind. Denn die grundlegende &Auml;nderung im Umgang mit Russland zum Beispiel ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern Teil einer gemachten Stimmung und Meinung. Und auch die 1969 entschiedene und verk&uuml;ndete Bereitschaft der westdeutschen Bundesregierung, die sogenannte Oder-Nei&szlig;e-Grenze anzuerkennen, war ein bewusster Akt mit dem Ziel, Vertrauen aufzubauen.<\/p><p><strong>Das Vertrauen zwischen West und Ost, das Vertrauen zwischen dem Westen und Russland ist heute wieder weitgehend zerst&ouml;rt. Wir stehen vor einem Scherbenhaufen. Wir tun gut daran, uns besserer Zeiten zu erinnern und daraus zu lernen. Wenn wir den Frieden erhalten wollen, dann sollten wir Vertrauen neu schaffen, Vertrauen wieder aufbauen. Damit sollten wir 2024 beginnen. Dass die in der Politik verantwortlichen Menschen das begreifen, w&auml;re mein sehnlichster Wunsch f&uuml;r das Neue Jahr.<\/strong><\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Artikel <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109098\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie im <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108950#h07\">Hinweis Nr. 7 von heute<\/a> berichtet wurde, hat der russische Pr&auml;sident bei seinen Neujahrsgr&uuml;&szlig;en eine Auswahl getroffen: dem Papst gratulierte er, dem deutschen Bundeskanzler nicht; dem brasilianischen Pr&auml;sidenten Ja, dem US-amerikanischen Nein; Gerhard Schr&ouml;der Ja, der amtierenden EU-Kommissionspr&auml;sidentin Ursula von der Leyen Nein, auch Angela Merkel Nein. 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