{"id":10901,"date":"2011-10-05T14:15:23","date_gmt":"2011-10-05T12:15:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10901"},"modified":"2014-09-11T14:30:11","modified_gmt":"2014-09-11T12:30:11","slug":"uber-die-strategie-zur-steuerung-der-zerstorenden-bildungsreform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10901","title":{"rendered":"\u00dcber die Strategie zur Steuerung der zerst\u00f6renden Bildungs\u201creform\u201c"},"content":{"rendered":"<p>In der FAZ vom 29. September erschien ein interessanter Beitrag von Jochen Krautz (&bdquo;<a href=\"\/upload\/pdf\/111005_krautz-sanfte-steuerung.pdf\">Die sanfte Steuerung der Bildung [PDF &ndash; 35 KB]<\/a>&ldquo;). Der Autor beschreibt, wie das deutsche Bildungswesen mit Hilfe einer f&uuml;r dieses Thema demokratisch nicht legitimierten OECD (=PISA) und bei strategischer Anleitung durch den Bertelsmann-Ableger CHE ausgeh&ouml;hlt worden ist. Lesenswert. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Einige Erg&auml;nzungen:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Vieles ist f&uuml;r Leser der NachDenkSeiten und der einschl&auml;gigen Kapitel in &bdquo;<a href=\"\/?page_id=4080\">Meinungsmache<\/a>&ldquo;, namentlich Kapitel 14 (&bdquo;Die Auslieferung der Universit&auml;ten an die Wirtschaft&ldquo;), Kapitel 15 (&bdquo;Mit Bachelor und Master die Hochschulabschl&uuml;sse verschlimmbessert&ldquo;) und 16 (&bdquo;Der st&auml;rkste Motor beim Zerst&ouml;rungswerk &ndash; die Bertelsmann Stiftung&ldquo; eine passende und weiterf&uuml;hrende Erg&auml;nzung. Der Autor beschreibt in wenigen S&auml;tzen das Zusammenwirken von einer geplanten Strategie mit der gleichzeitig laufenden Propaganda.<\/li>\n<li>Der Autor zitiert aus einem Papier der Bertelsmann Stiftung &bdquo;Die Kunst des Reformierens. Konzeptionelle Uberlegungen zu einer erfolgreichen Regierungsstrategie.&ldquo; Hier  <a href=\"http:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/bst\/de\/media\/xcms_bst_dms_30519_30520_2.pdf\">ist der Link [PDF &ndash; 2.8 MB]<\/a> auf dieses erhellende St&uuml;ck strategisch geplanter Einflussnahme. Sie tr&auml;gt im Kern einen antidemokratischen Charakter.<\/li>\n<li>Es erstaunt mich immer noch, wie sp&auml;t &ndash; oder gar nicht &ndash; die direkt Betroffenen, die Professoren und die Bildungspolitiker, die geplante Umw&auml;lzung des Deutschen Hochschulwesens begriffen haben. Auch die Umst&auml;nde, die arrangierten Organisationen wie das CHE und dessen Gebaren, haben offensichtlich nur wenige irritiert. Nur wenige haben den undemokratischen Charakter dieser Art von Bildungsreform wahr genommen. Den Hinweis auf den FAZ-Artikel bekam ich von einem befreundeten fr&uuml;heren Hochschulrektor. Er hatte auch schon vor fast zehn Jahren begriffen, was hier ablief. Er hat mich zum Beispiel damals schon davon unterrichtet, dass bei Konferenzen der Hochschulrektoren im Rahmen des CHE die Pressemitteilung &uuml;ber das Ergebnis der Konferenz schon zu Beginn der Konferenz fertig war. Die Mehrheit der Hochschulrektoren hat dieses Verfahren hingenommen wie auch insgesamt die seltsame Konstruktion, dass n&auml;mlich eine private Einrichtung wie die Bertelsmann Stiftung in eine gemeinsame Einrichtung mit der quasi staatlichen Institution Hochschulrektorenkonferenz (HRK) aufgenommen wird. Das ist eine klare Verletzung demokratischer Regeln. &ndash;<br>\nDie Bertelsmann-Stiftung gilt &uuml;brigens immer noch als gemeinn&uuml;tzig, obwohl sie eher gemeingef&auml;hrlich ist, wie man an ihrem bildungspolitischen Wirken sehen kann.<\/li>\n<li>Genauso h&auml;tte &uuml;ber die Jahre hinweg auffallen m&uuml;ssen, dass es allen Regeln einer demokratischen Verfassung widerspricht, wenn sich ein Volk von einer internationalen Organisation wie der OECD &uuml;ber die so genannten Pisa Studien vorschreiben l&auml;sst, was es von seinem Bildungswesen zu halten hat und wie es zu ver&auml;ndern w&auml;re. Die OECD ist dazu nicht legitimiert. Sie hat allerdings wie die Bertelsmann Stiftung das notwendige Kleingeld, um Studien zu finanzieren, &Ouml;ffentlichkeitsarbeit zu machen, Schl&uuml;sselprofessoren und andere Bildungsfunktion&auml;re einzukaufen und damit ihre Ideologie durchzusetzen. Ich habe immer wieder erleben m&uuml;ssen, dass auch Menschen, die ich f&uuml;r einigerma&szlig;en kritisch und in jedem Fall f&uuml;r intelligent hielt, auf Pisa und die Machenschaften der OECD hereingefallen sind. Immer noch wird der Vertreter der OECD in Deutschland wie ein sachverst&auml;ndiger Heiliger herumgereicht. Selbst wenn er sachverst&auml;ndig w&auml;re, m&uuml;sste sein Auftreten  wegen der mangelnden Legitimation von vornherein skeptisch betrachtet werden.<\/li>\n<li>Die Propaganda zur Durchsetzung des Bolognaprozesses ist vermutlich wesentlich dadurch erleichtert worden, dass die Macher des CHE in Teilbereichen eine Medienpartnerschaft mit der Wochenzeitung &bdquo;Die Zeit&ldquo; eingegangen sind. &bdquo;Die Zeit&ldquo; hatte &ndash; und hat vielleicht immer noch &ndash; eine hohe Glaubw&uuml;rdigkeit beim Bildungsb&uuml;rgertum.<\/li>\n<li>Der Autor des Beitrags in der FAZ Jochen Krautz (Alfter) wird eine l&auml;ngere Fassung seines Textes bei einer Tagung unter dem Thema &bdquo;<a href=\"http:\/\/bildung-wissen.eu\/veranstaltungen-1\/veranstaltungen-fortbildungen-u-a\/25-26-november-2011-symposion-in-koln-verschwinden-in-der-sichtbarkeit-demokratie-setzt-aus.html\">Bildungsreform und Propaganda: Durchsetzungsstrategien in einer gesteuerten Demokratie<\/a>&ldquo; vortragen. Der Vortrag wird in den n&auml;chsten Wochen als Tagungsdokumentation beim Deutschen Lehrerverband erscheinen und als pdf im Netz stehen (hier unter &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.lehrerverband.de\/\">Dokumentationen von Fachtagungen<\/a>&ldquo;).<\/li>\n<li>In diesem Vortrag wird der Bildungswissenschaftler Dr. Jochen Krautz dann ausf&uuml;hrlicher auf eine Vermutung eingehen, die im letzten Absatz seines Beitrages in der FAZ auftaucht. Ich zitiere:<br>\n<blockquote><p><em>&bdquo;Das neue Bild von Bildung und Wissenschaft als Dienstleistungsfaktor, der prim&auml;r Stakeholder-Interessen zu bedienen habe, wurde auch in der &Ouml;ffentlichkeit selbstverst&auml;ndlich. Sind all das nur unbeabsichtigte Nebeneffekte gutgemeinter Reformen? Oder wozu ruinieren wir mit vermeintlich angloamerikanischen Ideen unser Bildungswesen und lassen dabei die wirklichen Erziehungs- und Bildungsprobleme ungel&ouml;st? Hier denkt inzwischen mancher weiter: Das sind wohl eine Art versp&auml;tete Reparationszahlungen, bemerkte trocken ein Bildungs&ouml;konom neulich in der Kaffeepause einer Tagung. Denn was schw&auml;cht eine starke Volkswirtschaft, der man anders nicht beikommen kann, mehr, als deren Bildungswesen zu torpedieren?&ldquo;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Vermutung, es sei eine Art versp&auml;tete Reparationszahlung, halte ich f&uuml;r weit hergeholt. Auch die Annahme, die Angelsachsen wollten unsere Volkswirtschaft schw&auml;chen, ist aus meiner Sicht ziemlich abenteuerlich. Aber richtig ist, dass die dortigen Ideologen ihre Ideologie auch bei uns durchsetzen wollten, auch deshalb, weil damit die Herausforderung durch und der Vergleich mit einem Konkurrenzmodell, dem kontinentaleurop&auml;ischen, zumindest sozialstaatlich orientierten Modell der Organisation einer Gesellschaft, wegf&auml;llt. Auf den missionarischen Charakter der neoliberalen Ideologie und ihr Unwesen habe ich mit Berufung auf Naomi Kleins &bdquo;Schockstrategie&ldquo; ebenfalls in &bdquo;Meinungsmache&ldquo; hingewiesen.<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der FAZ vom 29. September erschien ein interessanter Beitrag von Jochen Krautz (&bdquo;<a href=\"\/upload\/pdf\/111005_krautz-sanfte-steuerung.pdf\">Die sanfte Steuerung der Bildung [PDF &ndash; 35 KB]<\/a>&ldquo;). Der Autor beschreibt, wie das deutsche Bildungswesen mit Hilfe einer f&uuml;r dieses Thema demokratisch nicht legitimierten OECD (=PISA) und bei strategischer Anleitung durch den Bertelsmann-Ableger CHE ausgeh&ouml;hlt worden ist. Lesenswert. 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