{"id":109070,"date":"2024-01-04T11:29:52","date_gmt":"2024-01-04T10:29:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109070"},"modified":"2024-01-05T07:57:15","modified_gmt":"2024-01-05T06:57:15","slug":"ein-hoch-auf-die-umstrittenen-hier-daniele-ganser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109070","title":{"rendered":"Ein Hoch auf die \u201eUmstrittenen&#8221; &#8211; Hier: Daniele Ganser"},"content":{"rendered":"<p>Das neue Buch <strong>&bdquo;&sbquo;Umstritten&lsquo; &ndash; Ein journalistisches G&uuml;tesiegel&ldquo;<\/strong> ist denen gewidmet, die sich in politisch schwierigen Zeiten das Recht auf eine eigene Position herausgenommen haben. Gut, dass es &bdquo;die Umstrittenen&ldquo; gibt: <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong> (Hg.) hat Texte zu so unterschiedlichen Personen wie Patrik Baab, Ulrike Gu&eacute;rot, Stefan Homburg, Michael Meyen oder Friedrich P&uuml;rner zusammengestellt. In dem Buch, das im Januar im Verlag Fifty-Fifty erscheint, findet sich auch ein Interview mit dem Herausgeber der NachDenkSeiten, Albrecht M&uuml;ller. Hier folgt als Auszug der Text zu Daniele Ganser von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3477\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-109070-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240104_Ein_Hoch_auf_die_Umstrittenen_Hier_Daniele_Ganser_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240104_Ein_Hoch_auf_die_Umstrittenen_Hier_Daniele_Ganser_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240104_Ein_Hoch_auf_die_Umstrittenen_Hier_Daniele_Ganser_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240104_Ein_Hoch_auf_die_Umstrittenen_Hier_Daniele_Ganser_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=109070-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240104_Ein_Hoch_auf_die_Umstrittenen_Hier_Daniele_Ganser_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240104_Ein_Hoch_auf_die_Umstrittenen_Hier_Daniele_Ganser_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><em>Das Buch <strong>&bdquo;&sbquo;Umstritten&lsquo; &ndash; Ein journalistisches G&uuml;tesiegel&ldquo;<\/strong> von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner (Hg.)<\/strong> umfasst 190 Seiten, es erscheint am 15. Januar im Verlag Fifty-Fifty. Das Buch kann <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/umstritten.html\">unter diesem Link<\/a> bei den &bdquo;Buchkomplizen&rdquo; bestellt werden.<\/em> <\/p><p><strong>Das Kapitel zu Daniele Ganser von Tobias Riegel:<\/strong><\/p><p>Daniele Ganser geh&ouml;rt schon lange zu den &raquo;Umstrittenen&laquo;. Er hat sich diesen Titel bereits Anfang der 2000er Jahre durch kritische Ver&ouml;ffentlichungen etwa zu &raquo;Gladio&laquo;-Gruppen der NATO und durch die entsprechenden Reaktionen auf seine Texte vonseiten transatlantischer Meinungsmacher &raquo;verdient&laquo;. Eine damals schon polarisierte Debattenkultur hat sich seither massiv zugespitzt. Entsprechend musste man in den letzten Monaten eine nochmalige Steigerung der Diffamierung Gansers feststellen: Im Vorfeld seiner Auftritte im M&auml;rz dieses Jahres wurde in zahlreichen Orten in Deutschland eine harte Stimmungsmache gegen den 51-j&auml;hrigen Schweizer Historiker betrieben. Etwa in Dortmund und N&uuml;rnberg waren seine geplanten Auftritte nach Kampagnen zun&auml;chst ganz verwehrt worden und konnten erst nach Rechtsstreitigkeiten und <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/ruhrgebiet\/aerger-auftritt-daniele-ganser-dortmund-100.html\">entsprechenden Gerichtsurteilen<\/a> stattfinden. <\/p><p>Ziel der Kampagnen waren &ndash; wie so oft heutzutage &ndash; nicht der argumentative Einspruch gegen eine bestimmte Meinung und der Eintritt in eine gesittete Diskussion, sondern zumindest f&uuml;r einige Beteiligte war das Ziel die komplette Verhinderung einer unbequemen Meinungs&auml;u&szlig;erung. Zu diesem Vorgehen wird vor allem von gesellschaftlichen Akteuren gegriffen, die zwar nicht die Inhalte auf ihrer Seite haben, aber die Mittel, einen emotionalen Shitstorm auszul&ouml;sen, dem sich viel zu viele Veranstalter und andere Verantwortliche viel zu schnell beugen. Im Fall Ganser kann man die Kampagnen als intensiv bezeichnen, Beispiele f&uuml;r Medienbeitr&auml;ge gegen die Auftritte des Friedensforschers folgen weiter unten im Text. <\/p><p><strong>Ganser und die illegalen Kriege<\/strong><\/p><p>Wegen seiner Arbeit ist Ganser pr&auml;destiniert daf&uuml;r, ein Ziel von medialen und politischen Unterst&uuml;tzern der US-Kriegspolitik und der aktuellen militaristischen &raquo;Zeitenwende&laquo; zu sein: Er ist mit Untersuchungen zu sogenannten &raquo;Stay-Behind-Armeen&laquo; der NATO in europ&auml;ischen Staaten bekannt geworden, also zu Gruppen, die potenziell und verdeckt f&uuml;r Sabotage und Terror in ebendiesen Staaten bereitgestanden h&auml;tten. Auch sonst st&ouml;rt Ganser mit seiner Forschung das gesch&ouml;nte Bild, das zahlreiche Journalisten und Politiker in trauter Einigkeit hierzulande von den USA und der NATO zeichnen, etwa mit seinen B&uuml;chern &raquo;Illegale Kriege: Wie die NATO-L&auml;nder die UNO sabotieren: Eine Chronik von Kuba bis Syrien&laquo; oder &raquo;Imperium USA: Die skrupellose Weltmacht&laquo;. <\/p><p>Auch beim Thema Ukrainekrieg, bei dem Ganser bei seinen aktuellen Vortr&auml;gen auch die wichtige Vorgeschichte in den Fokus r&uuml;ckt, befindet er sich in Widerspruch zu einer gro&szlig;en Koalition aus Politikern und Meinungsmachern, die h&ouml;chst empfindlich darauf reagiert, wenn man ihr &raquo;Narrativ&laquo; vom russischen Imperialismus als einzigem Kriegsgrund infrage stellt. <\/p><p>Getragen wurden die diesj&auml;hrigen Versuche der &raquo;Cancel Culture&laquo; gegen Ganser von lokalen Initiativen mit oft pseudolinkem Anstrich, von Politikern sowie von regionalen und &uuml;berregionalen Medien. Diese Versuche sind als Meinungsunterdr&uuml;ckung scharf zur&uuml;ckzuweisen &ndash; sie sind aber auch eine Art Auszeichnung, denn der publizistische Aufwand, der gegen Ganser betrieben wird, und die Wut, die der Historiker ausl&ouml;st, sind Belege seiner Relevanz. Versuche, Meinungs&auml;u&szlig;erungen zu unterbinden, werfen au&szlig;erdem ein helles Licht auf eine gro&szlig;e Sorge der Initiatoren der Zensurversuche: n&auml;mlich in einer fairen Diskussion mit den eigenen Argumenten nicht bestehen zu k&ouml;nnen. Mit diesem Text wird nicht automatisch allen Thesen Gansers zugestimmt &ndash; aber er pocht unbedingt darauf, dass der Historiker seine Thesen vortragen darf. <\/p><p>Dass solche Kampagnen auch von Gruppen unterst&uuml;tzt werden, die sich selber irref&uuml;hrend als &raquo;links&laquo; bezeichnen, tr&auml;gt dazu bei, dass inzwischen die Untugend der Meinungsunterdr&uuml;ckung als eine &raquo;linke&laquo; Tendenz dargestellt werden kann, was zus&auml;tzlich zur&uuml;ckgewiesen werden muss: Die Forderungen, Vortr&auml;ge zu verbieten oder Waffen in ein Kriegsgebiet zu liefern, k&ouml;nnen selbst nach den erlebten Umdeutungen der Begriffe keinesfalls als linke Positionen gelten. <\/p><p><strong>&raquo;&hellip; kontrafaktische, antisemitische und antidemokratische Verschw&ouml;rungsfantasien &hellip;&laquo;<\/strong><\/p><p>M&auml;chtiger als pseudolinke (und teils staatlich gef&ouml;rderte) Kleingruppen und noch problematischer als die Aussagen einzelner (Lokal-)Politiker wirken (nicht nur im Fall Ganser) viele etablierte Journalisten in gro&szlig;en deutschen Medien. Als Beispiele unter zahlreichen anderen Beitr&auml;gen im geb&uuml;hrenfinanzierten &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk zu Ganser soll hier auf den NDR und das ZDF Bezug genommen werden. Das <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/daniele-ganser-ukraine-hannover-historiker-100.html\">ZDF<\/a> zitiert ein &raquo;B&uuml;ndnis aus Parteien, Religionsgemeinschaften, Verb&auml;nden&laquo;:<br>\n&raquo;Sie eint der Protest gegen den umstrittenen Historiker, dessen Vortr&auml;ge sie f&uuml;r kontrafaktische, antisemitische und antidemokratische Verschw&ouml;rungsfantasien halten. (&hellip;) Rechtlich ist Ganser nicht beizukommen und so darf er weiter im weichen Bett der Demokratie Menschen manipulieren.&laquo; Der <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/niedersachsen\/Umstrittener-Historiker-Wer-ist-Daniele-Ganser,ganser114.html\">NDR<\/a> l&auml;sst etwa folgende Behauptungen unwidersprochen: <\/p><blockquote><p>&raquo;Auf diese Weise verharmlost er den Holocaust, stellt die Anschl&auml;ge vom 11. September 2001 oder gegen das Satiremagazin Charlie Hebdo infrage, schiebt Corona diffusen M&auml;chten in die Schuhe oder dreht beim Krieg in der Ukraine T&auml;ter und Opfer um. Das kommt gut an in manchen Kreisen. Denn Ganser kennt sein Publikum. Schlie&szlig;lich sei er Gesch&auml;ftsmann, sagt Jasmina Bindner von der Koordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit.&laquo;<\/p><\/blockquote><p>Personal wie die hier eingef&uuml;hrte Rechtsextremismus-Expertin findet sich in zahlreichen Artikeln zu Ganser und anderen &raquo;umstrittenen&laquo; Regierungskritikern. Dass zu Ganser &uuml;berhaupt eine &raquo;Koordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit&laquo; befragt wird, ist sachlich unbegr&uuml;ndet und es ist der infame Versuch, einen Andersdenkenden bereits durch die Auswahl des jeweiligen &raquo;Experten&laquo; als rechtsextrem hinzustellen. <\/p><p><strong>Das &raquo;Gesch&auml;ft&laquo; mit den &raquo;Verschw&ouml;rungsmythen&laquo;<\/strong> <\/p><p>Auch die Betonung, Ganser betreibe (im Gegensatz zu anderen Buchautoren?) ein &raquo;Gesch&auml;ft&laquo;, taucht h&auml;ufig in Artikeln zu dem Historiker auf. Und so f&auml;hrt auch die oben bereits genannte Expertin fort: <\/p><blockquote><p>&raquo;Seine Masche: Ganser s&auml;t Zweifel durch Suggestivfragen, baut dadurch Verschw&ouml;rungsideologien auf, ohne sich angreifbar zu machen. (&hellip;) Es ist sein Job, B&uuml;cher zu verkaufen. Es ist sein Job, seine Tour zu verkaufen.&laquo; Das hei&szlig;e, es sei auch sein Job, sein Publikum anzusprechen, so Bindner. Das mache er mit Argumenten, die gut ankommen, &raquo;und das sind eben die einfachen Argumente&laquo;. <\/p><\/blockquote><p>Auf die Aussage von den &raquo;einfachen Argumenten&laquo; soll hier kurz eingegangen werden, weil sie den B&uuml;rgern in Varianten immer wieder begegnet, nicht nur beim oft als &raquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&laquo; bezeichneten Ganser: So ist zum Beispiel die in zahllosen Beitr&auml;gen ge&auml;u&szlig;erte Floskel von der Verschw&ouml;rungstheorie als &raquo;einfache Erkl&auml;rung in einer komplexen Welt&laquo; zum einen anma&szlig;end und zum anderen oft falsch: Die indirekte Darstellung, dass diese komplexe Welt nur von den etablierten Journalisten und ihren befragten &raquo;Experten&laquo; durchschaut werden k&ouml;nne, sollte als selbstverliebter Irrtum abgetan werden. <\/p><p>Es gibt zwar nat&uuml;rlich irrelevante Spinner, aber: Oft sind die Versionen von seri&ouml;sen Skeptikern erheblich komplexer als etwa die simplen offiziellen Darstellungen des syrischen Konflikts als &raquo;Volksaufstand&laquo; oder des ukrainischen Maidan-Umsturzes als &raquo;demokratischem Sieg der Zivilgesellschaft&laquo;. Zudem wird vieles bereits als Theorie gebrandmarkt, obwohl es sich tats&auml;chlich um Fragen handelt. Wahlweise wird auch behauptet, es w&uuml;rden &raquo;Suggestivfragen&laquo; gestellt, zu Dingen, die &raquo;l&auml;ngst aufgekl&auml;rt seien&laquo;. <\/p><p><strong>Ein untoter Kampfbegriff<\/strong> <\/p><p>Der Kampfbegriff &raquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&laquo; wurde schon zahllose Male auf Ganser angewendet. Er ist alt und erscheint eigentlich abgenutzt. Doch das ist ein Irrtum. Wie ein Untoter h&auml;lt sich der Begriff und entfaltet nach wie vor seine destruktive Wirkung, um offizielle Narrative zu verteidigen, die in Bedr&auml;ngnis geraten sind. Diese Haltbarkeit eines lange und mehrfach enttarnten Kampfbegriffes ist skurril, aber man muss mit diesem Ph&auml;nomen umgehen. <\/p><p>Der Begriff m&ouml;chte selbstverst&auml;ndlich nicht aufkl&auml;ren oder vor Fake News sch&uuml;tzen, wie seine Benutzer suggerieren: Er will stattdessen Andersdenkende abservieren, ohne sich erst m&uuml;hsam mit deren &ndash; teils komplexen &ndash; Argumenten auseinanderzusetzen. Als zentrale Taktiken sind in dem Bereich vor allem auszumachen: die pauschale Einordnung als &raquo;rechts&laquo; sowie die Verkn&uuml;pfung von m&ouml;glicherweise realen Vorg&auml;ngen mit kompletten Spinnereien &ndash; in der Hoffnung, dass etwa der unseri&ouml;se Ruf von Mondlandungs-Skeptikern oder Holocaust-Leugnern auf Menschen mit berechtigten Nachfragen zu den sozialen Folgen des Corona-Lockdowns oder zum konkreten Verlauf der 9\/11-Anschl&auml;ge abf&auml;rbt, wie das beispielsweise hier der &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/roger-schawinski-verschwoerung-100.html\">Deutschlandfunk<\/a>&ldquo; praktiziert: <\/p><blockquote><p>&raquo;Man trifft sie auf Partys oder im Bekanntenkreis, liest ihre Kommentare im Internet, sieht sie in Fernsehdokumentationen &ndash; Menschen, die nach vielen einsamen Stunden in den Weiten des Netzes voller &Uuml;berzeugung erstaunliche Ansichten von sich geben: Der Holocaust habe nicht stattgefunden, die Mondlandung sei eine Hollywoodinszenierung, das World-Trade-Center h&auml;tten die Amerikaner h&ouml;chstselbst in die Luft gesprengt.&laquo; <\/p><\/blockquote><p><strong>Ganser, der &raquo;brandgef&auml;hrliche&laquo; Historiker<\/strong> <\/p><p>Nicht nur der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk, auch private Medien haben sich in den vergangenen Monaten aggressiv zu Ganser positioniert. Das sogenannte <a href=\"https:\/\/www.rnd.de\/panorama\/daniele-ganser-verschwoerungserzaehler-und-russland-freund-geschaeftsmodell-spaltung-64VRCEW2HZHOHPHIZO5MMBPEKI.html\">Redaktionsnetzwerk Deutschland<\/a> hatte einen Artikel so &uuml;berschrieben: <\/p><blockquote><p>&raquo;Daniele Ganser: Gesch&auml;ftsmodell Spaltung&laquo; <\/p><\/blockquote><p>Die &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/daniele-ganser-in-offenbach-der-star-der-putin-versteher-18722288.html\">FAZ<\/a>&rdquo; zitiert einige Stimmen, die Ganser als &raquo;brandgef&auml;hrlich&laquo; einordnen, denn: <\/p><blockquote><p>&raquo;Der Schweizer Historiker Daniele Ganser erw&auml;hnt meist nur das, was zu seiner Argumentation passt, und verbreitet Verschw&ouml;rungsmythen.&laquo;<\/p><\/blockquote><p>Abs&auml;tze wie der folgende beschreiben aber eher das schlichte Geschichtsbild der FAZ als das von Ganser: <\/p><blockquote><p>&raquo;Auch den &rsaquo;Euromaidan&lsaquo;, den Kiewer Aufstand gegen die ukrainische Ann&auml;herung an Russland, der mit der Flucht des prorussischen Pr&auml;sidenten Wiktor Janukowitsch endete, beschreibt Ganser regelm&auml;&szlig;ig als eine von amerikanischen Geheimdiensten gesteuerte und finanzierte Verschw&ouml;rung. Bei seinen Vortr&auml;gen verbreitet er auch die lange widerlegte Behauptung, der Westen habe im Zuge der Verhandlungen &uuml;ber die deutsche Wiedervereinigung zugesichert, dass es zu keiner NATO-Osterweiterung kommen werde. <\/p>\n<p>Der Antiamerikanismus zieht sich wie ein roter Faden durch seine Auftritte und Publikationen.&laquo; <\/p><\/blockquote><p>Im folgenden Absatz werden zwei hier bereits thematisierte Taktiken verbunden: zum einen die Wahl des Antisemitismusbeauftragten als Gespr&auml;chspartner, was Ganser in eine entsprechende Ecke r&uuml;cken soll. Zum anderen die negative Betonung des normalen Vorgangs, dass ein Buchautor mit dem Verkauf seiner B&uuml;cher Geld verdient: <\/p><blockquote><p>&raquo;Michael Blume, der baden-w&uuml;rttembergische Antisemitismusbeauftragte, nannte Ganser gegen&uuml;ber dem Portal &rsaquo;t-online&lsaquo; j&uuml;ngst einen antiwestlichen Verschw&ouml;rungsunternehmer, der mit der Verbreitung von Verschw&ouml;rungsmythen seit Jahren Geld verdient&lsaquo;.&laquo; <\/p><\/blockquote><p><strong>Sprachliche Verrohung<\/strong> <\/p><p>Festzustellen ist in der Ganser-Debatte &ndash; so wie momentan bei zahlreichen anderen Themen &ndash; eine nochmals zunehmende sprachliche Verrohung. Das &auml;u&szlig;ert sich darin, dass statt seri&ouml;ser Inhalte und der dauernd betonten &raquo;Wissenschaft&laquo; Kraftausdr&uuml;cke, Emotionen, Kontaktschuld und Diffamierungen zum Einsatz kommen. So titelte etwas das Medium &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/region\/stuttgart\/id_100146112\/deutliche-worte-daniele-ganser-ein-putin-troll-auf-globuli-.html\">T-Online<\/a>&ldquo;: <\/p><blockquote><p>&raquo;Daniele Ganser: &rsaquo;Putin-Troll auf Globuli&lsaquo;&laquo;.<\/p><\/blockquote><p>Auch in diesem Beitrag verbinden sich die &uuml;blichen besorgten Gruppen aus der &raquo;Zivilgesellschaft&laquo; mit entsprechenden &raquo;Experten&laquo; und werden dann wohlwollend von der Presse begleitet: Beschrieben wird eine Veranstaltung gegen Ganser vom &raquo;B&uuml;ndnis Solidarit&auml;t statt Hetze&laquo;. Der zitierte Historiker Klaus Gestwa bezeichnet diese Zusammenkunft als &raquo;Verschw&ouml;rungstheoretische Drogenpr&auml;vention&laquo;. Die unangemessene Art der &raquo;Argumentation&laquo; Gestwas illustriert der folgende Absatz: <\/p><blockquote><p>&raquo;Gestwa bezeichnete Daniele Ganser in Anspielung auf dessen Russland-Propaganda und alternativmedizinischen Seminare als &rsaquo;Putin- Troll auf Globuli&lsaquo;. F&uuml;r den Begriff wollte er sich auch in der Fragerunde nicht entschuldigen, als ihm ein Gast aus dem Publikum vorwarf, damit doch ebenfalls Hetze zu betreiben. Das entspreche schlie&szlig;lich nur den Tatsachen, so Gestwa. Neben Ganser bezeichnete Klaus Gestwa auch Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer als &rsaquo;Friedensschwurbler&lsaquo;.&laquo; <\/p><\/blockquote><p><strong>&raquo;Cancel Culture&laquo; lebt von Unterw&uuml;rfigkeit <\/strong><\/p><p>&raquo;Cancel Culture&laquo; funktioniert nur, weil viele Verantwortliche schnell einknicken, wenn aus politischer Motivation gegen Andersdenkende vorgegangen wird. Ein positives Gegenbeispiel im Zusammenhang mit Ganser lieferte der Oberb&uuml;rgermeister der Stadt Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart, Roland Klenk (CDU), wie die &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.ob-zum-geplanten-ganser-auftritt-in-leinfelden-ich-halte-mich-ans-grundgesetz.049eb9c7-d0da-4a55-8719-d37dd073997a.html?reduced=true\">Stuttgarter Zeitung<\/a>&ldquo; berichtet hatte. Auf den Hinweis, dass unter anderem Dortmund oder N&uuml;rnberg die Auftritte des Historikers (zu diesem Zeitpunkt) abgesagt h&auml;tten, hatte Klenk geantwortet: Die Auftritte Gansers seien in den erw&auml;hnten St&auml;dten nicht aus rechtlichen Gr&uuml;nden, sondern auf politischen Druck hin (vor&uuml;bergehend) abgesagt worden. Er aber wolle sich trotz Gegenwind ans Grundgesetz und die dort festgeschriebene Meinungsfreiheit halten: <\/p><blockquote><p>&raquo;Da muss ich dann auch, das ist jetzt der Fall, politischen Druck aushalten.&laquo; <\/p><\/blockquote><p>Wie auf anderen Gebieten werden beim Komplex Cancel Culture reale Missst&auml;nde (Rassismus, fehlendes Bewusstsein gegen&uuml;ber Kolonialismus und vieles andere) genutzt, um weit &uuml;ber das Ziel hinaus- oder auch komplett daran vorbeizuschie&szlig;en. Besondere Ausw&uuml;chse dieser Zensur-Praxis haben sich mittlerweile vom Ursprung komplett gel&ouml;st, sie sind nun eine vielf&auml;ltig einsetzbare politische Waffe. <\/p><p>Neben einer Einschr&auml;nkung der Meinungsvielfalt sind zwei Dinge in dem Zusammenhang hervorzuheben: zum einen die anma&szlig;ende Haltung, bestimmen zu wollen, was &ouml;ffentlich stattfinden darf &ndash; oft ohne dass die Gr&uuml;nde f&uuml;r die geforderten Ausschl&uuml;sse zuvor gesellschaftlich verhandelt worden w&auml;ren oder dass sie eine juristische Grundlage h&auml;tten (etwa wegen Beleidigung, Volksverhetzung oder &Auml;hnlichem). Zum anderen die Bereitschaft mancher Veranstalter, Redakteure, Politiker et cetera, das &raquo;Canceln&laquo; eifrig in die Tat umzusetzen und sich beflissen und opportunistisch dem wechselnden Zeitgeist unterzuordnen, der von diversen Seiten ausgerufen wird. Zus&auml;tzlich k&ouml;nnen Politiker und Medien die Praxis, da sie nun etabliert ist, nutzen, um die eigene Politik abzuschirmen und Kritik daran zu diffamieren. Wie gesagt: Durch das &raquo;Canceln&laquo; erspart man sich auch Debatten, in denen man inhaltlich keine Chance h&auml;tte. <\/p><p><strong>Abgenutzte Diffamierungen? <\/strong><\/p><p>Die gute Nachricht: Soweit man es als Au&szlig;enstehender beurteilen kann, konnten die Kampagnen Ganser bisher nicht kleinkriegen &ndash; im Gegenteil: Vielleicht haben sie ihn einfach nur noch bekannter gemacht, was ein Zeichen daf&uuml;r w&auml;re, dass sich bestimmte Mechanismen der Diffamierung und der Meinungsmache abgenutzt haben. Das Beispiel des Prominenten Ganser ist allerdings nicht einfach &uuml;bertragbar. Au&szlig;erdem sollte die Wirkung auch abgenutzter Meinungsmache auf weniger informierte Zeitgenossen nach wie vor nicht untersch&auml;tzt werden. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Das Buch <strong>&bdquo;&sbquo;Umstritten&lsquo; &ndash; Ein journalistisches G&uuml;tesiegel&ldquo;<\/strong> von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner (Hg.)<\/strong> umfasst 190 Seiten, es erscheint am 15. Januar im Verlag Fifty-Fifty. Das Buch kann <a href=\"https:\/\/www.buchkomplizen.de\/umstritten.html\">unter diesem Link<\/a>  bei den &bdquo;Buchkomplizen&rdquo; bestellt werden.<\/em> <\/p><p>Der Verlag schreibt zu der Ver&ouml;ffentlichung: <\/p><blockquote><p>&bdquo;Dieses Buch ist jenen gewidmet, die sich in politisch schwierigen Zeiten ein demokratisches Ur-Recht herausgenommen und verteidigt haben: das Recht auf eine eigene Position. So unterschiedliche Personen wie Patrik Baab, Daniele Ganser, Ulrike Gu&eacute;rot, Stefan Homburg, Michael Meyen, Albrecht M&uuml;ller, Friedrich P&uuml;rner stehen beispielhaft daf&uuml;r. &bdquo;Umstritten&ldquo; &ndash; so bezeichnen &bdquo;Qualit&auml;tsmedien&ldquo; heutzutage kritische Denker, die auf die Realit&auml;ts- und Sinnbr&uuml;che in Politik und Berichterstattung hinweisen. Mit dieser Formulierung sollen Kritiker an den vorherrschenden &bdquo;Wahrheiten&ldquo; mundtot gemacht werden. L&auml;ngst aber haben viele B&uuml;rger die Masche durchschaut. &bdquo;Umstritten&ldquo; zu sein, ist als ein Pr&auml;dikatssiegel f&uuml;r Demokraten zu verstehen. Wer heutzutage vom Polit- und Medienmainstream niedergemacht wird, muss sehr viel richtig gemacht haben. Gut, dass es &bdquo;die Umstrittenen&ldquo; gibt.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kloeckner-Umstritten-95RGB.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kloeckner-Umstritten-95RGB.jpg\" alt=\"\" width=\"596\" height=\"950\" class=\"alignleft size-full wp-image-109071\" srcset=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kloeckner-Umstritten-95RGB.jpg 596w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kloeckner-Umstritten-95RGB-188x300.jpg 188w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kloeckner-Umstritten-95RGB-408x650.jpg 408w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kloeckner-Umstritten-95RGB-307x490.jpg 307w, https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Kloeckner-Umstritten-95RGB-154x245.jpg 154w\" sizes=\"auto, (max-width: 596px) 100vw, 596px\" \/><\/a><\/p><p><small>Im Artikel verwendete Fotos: Fifty Fifty Verlag<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das neue Buch <strong>&bdquo;&sbquo;Umstritten&lsquo; &ndash; Ein journalistisches G&uuml;tesiegel&ldquo;<\/strong> ist denen gewidmet, die sich in politisch schwierigen Zeiten das Recht auf eine eigene Position herausgenommen haben. 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