{"id":109125,"date":"2024-01-07T11:00:15","date_gmt":"2024-01-07T10:00:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109125"},"modified":"2024-01-07T13:23:59","modified_gmt":"2024-01-07T12:23:59","slug":"die-ersten-israelischen-soldaten-verlassen-den-gazastreifen-rueckzug-abzug-oder-lediglich-eine-variante-des-krieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109125","title":{"rendered":"Die ersten israelischen Soldaten verlassen den Gazastreifen \u2013 R\u00fcckzug, Abzug oder lediglich eine Variante des Krieges?"},"content":{"rendered":"<p>Am 31. Dezember 2023 sind die ersten israelischen Soldaten aus dem Gazastreifen nach Israel zur&uuml;ckgekehrt. Ob es in absehbarer Zeit weitere Truppenreduzierungen geben wird, bleibt abzuwarten. Jetzt stellt sich erst einmal die Frage, ob es sich bei der aktuellen Reduzierung um einen Abzug oder einen R&uuml;ckzug handelt und was die Gr&uuml;nde f&uuml;r die Verringerung der israelischen Truppen im Gazastreifen sind. Hat Israel seine Kriegszeile erreicht oder diese aufgegeben, oder handelt es sich lediglich um eine neue Phase dieses Krieges? Ist es ein Signal an die eigene Bev&ouml;lkerung, dass auch dieser Krieg ein Ende haben wird? Hat die israelische Regierung sich eigenst&auml;ndig zu diesem Schritt entschlossen, oder ist dieser auf Druck der US-Regierung und der zunehmenden weltweiten Kritik an der Art der israelischen Kriegsf&uuml;hrung erfolgt, durch die mittlerweile ca. 22.000 Pal&auml;stinenser, darunter fast die H&auml;lfte Frauen und Kinder, zu Tode gekommen sind.  Oder war der Grund die zunehmende Gefahr einer Regionalisierung des Krieges und damit m&ouml;glicher neuer Fronten f&uuml;r Israel, f&uuml;r die man ebenfalls Soldaten ben&ouml;tigen w&uuml;rde? Der Versuch einer Analyse von <strong>J&uuml;rgen H&uuml;bschen<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>M&ouml;gliche Gr&uuml;nde f&uuml;r die Verringerung der milit&auml;rischen Pr&auml;senz Israels im Gazastreifen<\/strong><\/p><p><strong>M&ouml;gliche innenpolitische Gr&uuml;nde<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst einmal kann es f&uuml;r die Entscheidung handfeste innenpolitische Gr&uuml;nde geben.<\/p><p><u>Die evakuierten Menschen<\/u><\/p><p>Da ist in erster Linie die Evakuierung von ca. 100.000 israelischen B&uuml;rgern aus den Grenzgebieten zum Gazastreifen und zum Libanon zu nennen. Diese Menschen sind in sicherere Regionen Israels gebracht worden und leben dort haupts&auml;chlich in gro&szlig;en Hotelanlagen. Die Kosten daf&uuml;r tr&auml;gt die Regierung. Aber neben der finanziellen Belastung des Staates gibt es nat&uuml;rlich auch Probleme mit der Versorgung dieser Menschen, nicht mit Nahrungsmitteln, sondern mit allen anderen G&uuml;tern des t&auml;glichen Bedarfs. Die Evakuierten konnten beim Verlassen ihrer H&auml;user und Wohnungen ja nur das N&ouml;tigste mitnehmen, und die Kinder haben ihre Kitas und Schulen verlassen m&uuml;ssen. Die sozialen Spannungen, die sich f&uuml;r die betroffenen Menschen zunehmend ergeben, werden nat&uuml;rlich noch dadurch versch&auml;rft, dass viele der Evakuierten Angeh&ouml;rige bei der k&auml;mpfenden Truppe haben oder diese zu den Geiseln geh&ouml;ren, die sich immer noch in den H&auml;nden der Hamas oder anderer islamistischer Gruppen befinden.<\/p><p><u>Das Schicksal der israelischen Geiseln<\/u><\/p><p>Die Zahlen der noch immer in der Hand der Hamas und anderer islamistischer Organisationen befindlichen Geiseln sind nicht genau bekannt, aber es d&uuml;rften immer noch zwischen 100 und 110 Personen sein.  Niemand wei&szlig;, wie es den Geiseln geht, und die Sorgen der Angeh&ouml;rigen wachsen mit jedem weiteren Tag, vor allem, weil wiederholt tote Geiseln gefunden wurden bzw. drei sogar von israelischen Soldaten erschossen wurden.<br>\nDazu kommt, dass viele der freigelassenen Geiseln von Misshandlungen durch Angeh&ouml;rige der Hamas sprechen. Inwieweit diese Aussagen zutreffen, kann man nicht beurteilen. <\/p><p><u>Die Belastungen der israelischen Wirtschaft<\/u><\/p><p>Neben den Kosten f&uuml;r die Kriegsf&uuml;hrung geht das israelische &bdquo;Taub Center for Social Policy Studies&ldquo; von einem R&uuml;ckgang der israelischen Wirtschaft von mehr als zwei Prozent aus, Tendenz steigend. Hauptgrund daf&uuml;r sind die f&uuml;r den Krieg eingezogenen Reservisten &ndash; man spricht von bis zu 350.000 Soldaten &ndash;, die ja in Friedenszeiten alle einer zivilen Besch&auml;ftigung nachgehen. Diese Arbeitskr&auml;fte fehlen jetzt in allen Wirtschaftsbereichen und nat&uuml;rlich auch in der &ouml;ffentlichen Verwaltung, im Gesundheits- und auch im Bildungswesen.<\/p><p><u>Die Entwicklungen im Westjordanland und an der israelisch-libanesischen Grenze<\/u><\/p><p>Die israelischen Soldaten, die im Gazastreifen gebunden sind, fehlen nat&uuml;rlich f&uuml;r andere Bereiche, in denen die Sicherheitslage ausgesprochen instabil ist. Das gilt einmal f&uuml;r das Westjordanland, in dem die Siedler ganz offensichtlich &ndash; quasi im Windschatten des Gaza-Krieges &ndash; immer mehr Gewalttaten gegen&uuml;ber den Pal&auml;stinensern begehen, und zwar vielfach unter den Augen israelischer Milizen. Aber zum Zweiten trifft es ganz besonders auf das Gebiet s&uuml;dlich der israelisch-libanesischen Grenze zu, also f&uuml;r den Norden Israels. Dort wird die milit&auml;rische Lage von Tag zu Tag brisanter, sodass man schon fast von einer zweiten Front sprechen kann. Entscheidend hat zur Versch&auml;rfung der Lage der Tod des stellvertretenden F&uuml;hrers der Hamas im Libanon, Saleh al-Arouri, beigetragen. Nach bislang vorliegenden Hinweisen wurde er in Beirut mit Hilfe einer israelischen Drohne liquidiert. Mit ihm starben nach Aussage des libanesischen Chefs der Hamas, Ismail Haniyeh, sieben weitere Angeh&ouml;rige der Hamas.<\/p><p><u>Das Urteil des israelischen Supreme Court<\/u><\/p><p>Last, but not least hat auch das aktuelle Urteil des obersten israelischen Gerichts die innenpolitische Lage des Landes ver&auml;ndert und auch die Regierung Netanjahus erheblich geschw&auml;cht. Das Gericht hatte mit 8:7 Stimmen ein Gesetz, das die Position der Justiz entscheidend geschw&auml;cht h&auml;tte, abgelehnt, obwohl das israelische Parlament diesem im Juli zugestimmt hatte. In Israel hatte es monatelang massive Proteste gegen dieses Gesetz gegeben, die nur wegen des &Uuml;berfalls der Hamas vom 7. Oktober aufgeh&ouml;rt hatten. Auch viele Reservisten hatten sich an diesen Demonstrationen beteiligt und angek&uuml;ndigt, nicht mehr f&uuml;r den Dienst in den Streitkr&auml;ften zur Verf&uuml;gung zu stehen, falls die Regierung Netanjahus nicht von diesem Gesetz Abstand nehmen w&uuml;rde. Wegen des Krieges hatten sie sich dann doch f&uuml;r die Verteidigung ihres Vaterlandes zur Verf&uuml;gung gestellt, was aber an ihrer Grundhaltung gegen&uuml;ber der Regierung nichts ge&auml;ndert haben d&uuml;rfte. <\/p><p><strong>M&ouml;gliche au&szlig;enpolitische Gr&uuml;nde<\/strong><\/p><p><u>Die Haltung der US-Regierung<\/u><\/p><p>In einem sehr intensiven Telefongespr&auml;ch hatte US-Pr&auml;sident Biden den israelischen Premierminister in den Weihnachtstagen noch einmal dringend aufgefordert, seine Strategie zur Eliminierung der Hamas zu &auml;ndern. Biden hatte Netanjahu letztlich sogar davor gewarnt, eine Kriegsf&uuml;hrung fortzusetzen, bei der immer mehr Zivilisten zu Tode kommen. Er wird dem Premier sicherlich auch klargemacht haben, dass sein Krieg sofort beendet sein w&uuml;rde, falls die USA ihre milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung einstellten. Bislang hatte Netanjahu diese amerikanischen Mahnungen und Warnungen in den Wind geschlagen, aber musste mittlerweile wohl einsehen, dass er ohne US-Unterst&uuml;tzung langfristig in einem Krieg scheitern w&uuml;rde, in dem es ihm nicht zuletzt um das eigene politische &Uuml;berleben geht. <\/p><p>Vielleicht hat das Treffen seines wichtigsten Beraters Ron Dermer mit dem US-Au&szlig;enminister Tony Blinken und dem Sicherheitsberater des US-Pr&auml;sidenten Jake Sullivan am 26. Dezember 2023 im Wei&szlig;en Haus zu einem Meinungsumschwung Netanjahus gef&uuml;hrt. In diesem Gespr&auml;ch war Israel noch einmal nachdr&uuml;cklich aufgefordert worden, statt des bislang &uuml;blichen Bombardements der Infrastruktur im Gazastreifen konkrete Operationen gegen die K&auml;mpfer der Hamas durchzuf&uuml;hren, auch auf die Gefahr hin, gr&ouml;&szlig;ere eigene Verluste in Kauf zu nehmen. W&ouml;rtlich hie&szlig;e es seitens des Wei&szlig;en Hauses &bdquo;maximize focus on high-value Hamas targets.&ldquo;<\/p><p><u>Zunehmende Gefahr einer Regionalisierung des Krieges<\/u><\/p><p>Eine weitere Sorge der USA und wohl auch Israels ist mit Sicherheit eine m&ouml;gliche Ausweitung des Krieges. Dabei sieht Washington nicht nur die Entwicklung an der israelisch-libanesischen Grenze, sondern auch z.B. die Liquidierung eines Hamas-F&uuml;hrers im Ausland, wie jetzt ganz konkret in Beirut. Es muss in diesem Zusammenhang bezweifelt werden, ob Israel diese Operation vorher mit den USA abgestimmt hat. Washington ist n&auml;mlich sehr bem&uuml;ht, dass es nicht zu einer direkten Konfrontation mit dem Iran kommt, dem st&auml;rksten Verb&uuml;ndeten der Hisbollah im Libanon. Weitere Sorgen bereiten Washington sicherlich auch israelische Luftangriffe gegen Ziele in Syrien, und zwar nicht nur auf die Flugh&auml;fen von Damaskus und Aleppo, sondern auch gegen iranische Milizen in Syrien. <\/p><p>Die USA mussten zur Kenntnis nehmen, dass sie als engster Verb&uuml;ndeter Israels selbst ins Fadenkreuz arabischer und iranischer Milizen geraten. Es gab Anschl&auml;ge gegen US-Einrichtungen in Syrien und vermehrt im Irak. Auch die Raketenangriffe der Huthis auf Ziele in Israel und zunehmend gegen die internationale Schifffahrt im Bereich des Roten Meeres verwickeln die USA immer mehr in den Nahostkrieg. Amerikanische Kriegsschiffe haben aktuell drei Boote der Huthis, mit denen ein Containerschiff angegriffen werden sollte, versenkt und die jemenitischen K&auml;mpfer get&ouml;tet. Mittlerweile gibt es sogar &Uuml;berlegungen der USA und Gro&szlig;britanniens, Einrichtungen der Huthis im Jemen direkt anzugreifen. In all diesen Szenarien spielt der Iran im Hintergrund eine wichtige Rolle, und das macht die amerikanischen Operationen besonders brisant.<\/p><p>Auch die Rolle der T&uuml;rkei muss im Auge behalten werden, schlie&szlig;lich hat sich Pr&auml;sident Erdogan ohne Wenn und Aber auf die Seite der Hamas gestellt und die eigene Bev&ouml;lkerung massiv gegen Israel demonstrieren lassen. Insgesamt besteht die Gefahr, dass die Regierungen der arabischen Staaten durch die eigene Bev&ouml;lkerung, die sich mit den Pal&auml;stinensern solidarisiert, so unter Druck geraten, dass sie praktisch zu Ma&szlig;nahmen oder sogar milit&auml;rischen Operationen gegen Israel gezwungen werden k&ouml;nnten, um die eigene Macht nicht zu gef&auml;hrden.<\/p><p><u>Weltweite Kritik an der israelischen Kriegsf&uuml;hrung<\/u><\/p><p>Ein weiterer Grund f&uuml;r die Verringerung der milit&auml;rischen Pr&auml;senz Israels im Gazastreifen k&ouml;nnte die weltweite Kritik an Israels Kriegsf&uuml;hrung sein. Niemand auf der Welt akzeptiert, was Israel mit der pal&auml;stinensischen Bev&ouml;lkerung im Gazastreifen macht. Das Recht auf Selbstverteidigung, das niemand Israel nach dem &Uuml;berfall der Hamas abspricht, rechtfertigt aber nicht den Tod von 22.000 Pal&auml;stinensern und noch viel mehr verwundeten und traumatisierten Zivilisten, nicht zu vergessen die Vertreibung von fast zwei Millionen Menschen innerhalb des Gazastreifens und die weitgehend zerst&ouml;rte zivile Infrastruktur in diesem K&uuml;stenstreifen. <\/p><p>Allen Bewohnern des Gazastreifens werden aufgrund der israelischen Angriffe die menschlichen Grundbed&uuml;rfnisse verweigert, und es gibt f&uuml;r niemanden dieser leidenden Menschen irgendeine Zukunftsperspektive &ndash; und das alles geschieht vor den Augen der Weltbev&ouml;lkerung. Unmittelbar nach dem 7.Oktober waren die Sympathien und das Mitgef&uuml;hl der meisten Menschen auf der Seite Israels, aber das hat sich seit Wochen in das Gegenteil verkehrt.<br>\nVielleicht hat die Regierung Netanjahus doch endlich eingesehen, dass man einen Kampf gegen die Weltmeinung nicht gewinnen kann und endlich irgendein Signal erforderlich ist, dass man diese nicht weiter v&ouml;llig ignorieren wird.<\/p><p><strong>Die ersten israelischen Soldaten verlassen den Gazastreifen &ndash; R&uuml;ckzug oder Abzug?<\/strong><\/p><p>Die genauen Gr&uuml;nde f&uuml;r die israelische Truppenreduzierung im Gazastreifen sind nicht bekannt. M&ouml;glicherweise handelt es sich sozusagen um eine Mischung aus den dargestellten Begr&uuml;ndungen. Handelt es sich also jetzt um einen Abzug oder einen R&uuml;ckzug? Ein Abzug w&uuml;rde bedeuten, dass die israelische Regierung der Meinung ist, man brauche nicht mehr so viele Soldaten im Gazastreifen. Ein R&uuml;ckzug dagegen w&auml;re das Zugest&auml;ndnis oder zumindest ein Hinweis, dass man seine Ziele im Kampf gegen die Hamas nicht erreichen k&ouml;nne, die eigenen Verluste zu hoch w&uuml;rden oder die Soldaten in einem anderen Bereich dringender ben&ouml;tigt w&uuml;rden. <\/p><p>Der ehemalige israelische Brigadegeneral Yossi Kuperwasser ordnet die Ma&szlig;nahme in Bezug auf den Norden des Gazastreifens als einen Abzug ein, indem er sagt: <em>&bdquo;We can dilute our forces there, because we&acute;ve taken control. To hold on, you need fewer than it took to take over.&rdquo;  (Wir k&ouml;nnen dort unsere Truppen ausd&uuml;nnen, weil wir den Raum kontrollieren. Um etwas zu halten, braucht man weniger Soldaten als es zu erobern.)<\/em> Mick Mulroy, ein ehemaliger Pentagon-Experte f&uuml;r den Mittleren Osten, bewertete die Verringerung der israelischen Milit&auml;rpr&auml;senz im Gazastreifen mit den Worten: <em>&bdquo;The troop withdrawal does not mean that the war is close to conclusion,&ldquo; but it could mean &bdquo;a lower intensity phase for the near future.&ldquo; (&bdquo;Ein Truppenr&uuml;ckzug hei&szlig;t nicht, dass der Krieg kurz vor dem Ende ist&ldquo;, aber er k&ouml;nnte bedeuten, &bdquo;dass es in der nahen Zukunft eine weniger intensive Phase gibt.&ldquo;<\/em> Der israelische Milit&auml;rsprecher, Rear Admiral Daniel Hagar, betonte ausdr&uuml;cklich, dass die Demobilisierung einiger Soldaten kein Hinweis daf&uuml;r w&auml;re f&uuml;r <em>&bdquo;any compromise of Israel&acute;s intention to continue fighting until it destroys Hamas, and the fighting across Gaza remained intense.&ldquo; (auf irgendeinen Kompromiss hinsichtlich Israels Absicht, den Kampf fortzusetzen bis die Hamas zerst&ouml;rt ist.&ldquo;<\/em> Und er f&uuml;gte hinzu, dass dieser Krieg noch f&uuml;r das ganze Jahr andaure <em>(&bdquo;He expected warfare throughout this year.&ldquo;<\/em>) und dass es durchaus sein k&ouml;nne, dass einige Reservisten in 2024 noch einmal eingezogen w&uuml;rden. (<em>&bdquo;that some troops would be called back to service in 2024.&rdquo;<\/em>)<\/p><p><strong>Zusammenfassende Bewertung<\/strong><\/p><p>Aus meiner Sicht handelt es sich bei der Truppenreduzierung im Norden des Gazastreifens um eine Mischung aus einem Abzug und einem Teilr&uuml;ckzug. Dieser erste Abzug erfolgt n&auml;mlich nicht wirklich freiwillig und ist auch nicht darin begr&uuml;ndet, dass die Truppen nicht mehr gebraucht w&uuml;rden. Das Gegenteil k&ouml;nnte n&auml;mlich sehr schnell der Fall sein, weil die Hamas milit&auml;risch noch nicht ann&auml;hernd besiegt ist. Nein, dieser Abzug ist in der Hauptsache sowohl innenpolitisch als auch au&szlig;enpolitisch ein dringend notwendiges Signal. <\/p><p>Der eigenen Bev&ouml;lkerung will man demonstrieren, dass man milit&auml;risch im Kampf gegen die Hamas so erfolgreich war, dass bereits die ersten Reservisten entlassen werden k&ouml;nnen.  Dass diese M&auml;nner und Frauen zu Hause z.B. dringend auf ihren zivilen Arbeitspl&auml;tzen gebraucht werden, muss man ja nicht ausdr&uuml;cklich erw&auml;hnen&hellip; Man wird dieses erste Signal der &bdquo;Normalisierung&ldquo; vermutlich dadurch noch verst&auml;rken, dass die ersten evakuierten israelischen B&uuml;rger in die Grenzregion zum Gazastreifen zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnen, wie es der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant am Abend des 1. Januar 2024 bereits angedeutet hat. Ob das auf Dauer allerdings so bleiben kann, muss sich erst einmal zeigen. <\/p><p>Au&szlig;enpolitisch handelt es sich um den &ndash; wie ich f&uuml;rchte untauglichen &ndash;  Versuch, der Welt klarzumachen, dass ein Ende des Krieges und damit die angestrebte Vernichtung der Hamas m&ouml;glich sei, obwohl davon noch nicht einmal in Ans&auml;tzen die Rede sein kann. Aktuell bleibt jetzt erst einmal abzuwarten, ob der in K&uuml;rze zu erwartende Besuch von US-Au&szlig;enminister Blinken in Israel die Gesamtsituation entscheidend ver&auml;ndert.<\/p><p>Daf&uuml;r m&uuml;sste es aus meiner Sicht einen sofortigen Waffenstillstand und im Gegenzug die Freilassung aller israelischen Geiseln geben. Parallel dazu m&uuml;ssten massive Hilfslieferungen f&uuml;r die pal&auml;stinensische Bev&ouml;lkerung auf den Weg gebracht werden, um eine konkret drohende Hungernot noch abzuwenden. Ohne gro&szlig;en Zeitverzug m&uuml;ssten unter Vermittlung der Vereinten Nationen konkrete Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Pal&auml;stinensern beginnen, begleitet vom schrittweisen Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen, die durch eine arabische Friedenstruppe ersetzt w&uuml;rden.<\/p><p>Bis jetzt ist die israelische Truppenreduzierung nicht mehr als eine neue Phase oder Variante des Krieges, in dem wie immer die Zivilbev&ouml;lkerung auf beiden Seiten den Preis bezahlt.<\/p><p><small>Titelbild: Melnikov Dmitriy\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 31. Dezember 2023 sind die ersten israelischen Soldaten aus dem Gazastreifen nach Israel zur&uuml;ckgekehrt. Ob es in absehbarer Zeit weitere Truppenreduzierungen geben wird, bleibt abzuwarten. 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