{"id":109132,"date":"2024-01-06T13:00:05","date_gmt":"2024-01-06T12:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109132"},"modified":"2024-01-06T02:58:48","modified_gmt":"2024-01-06T01:58:48","slug":"joe-bidens-aussenpolitik-gegenueber-lateinamerika-ich-ignoriere-dich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109132","title":{"rendered":"Joe Bidens Au\u00dfenpolitik gegen\u00fcber Lateinamerika: \u201eIch ignoriere dich&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Keine Einsch&uuml;chterung oder Schikane wird erreichen, dass die Regierungen Lateinamerikas sich auf die Seite Washingtons stellen. Die USA sind nicht mehr der Hegemon der Hemisph&auml;re. Nicht alle US-Administrationen und ihre Regierungen waren in Bezug auf Lateinamerika gleich, einige waren aggressiver, andere weniger aggressiv. Wir werden uns hier den Fall der Regierung von Joe Biden anschauen und ihre Nuancen, ihre Ignoranz und Indifferenz hervorheben. Von <strong>Jos&eacute; A. Amesty R.<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWir erinnern uns daran, dass Biden im Wahlkampf zahlreiche Versprechen gemacht hat, um &ndash; in seinen Worten &ndash; die Ursachen der lateinamerikanischen und insbesondere der mittelamerikanischen Migration anzugehen, einen wirksamen Ansatz gegen Venezuela zu suchen und seinen &bdquo;demokratischen&rdquo; Stil in Lateinamerika zu bef&ouml;rdern. Doch die Faktoren, die die Migration antreiben, haben sich kaum ver&auml;ndert. Venezuela setzt seinen Weg der Selbstbestimmung der V&ouml;lker fort, und viele &bdquo;Demokratien&rdquo; wanken nach Auffassung der USA weiterhin.<\/p><p>Der Schwerpunkt dieser &Auml;ra Biden, der ein Produkt des Krieges in der Ukraine und jetzt des Gaza-Israel-Konflikts ist, hat die USA mit Westeuropa und dem Nahen Osten verbunden, wobei Biden mehr Gl&uuml;ck mit den europ&auml;ischen Verb&uuml;ndeten hat als mit den Drogen- und Migrationsproblemen Lateinamerikas.<\/p><p>Bidens diplomatisches Team hat bisher die meiste Zeit mit dem Versuch verbracht, Allianzen mit Europa, dem Nahen Osten und Asien neu zu schmieden. Erst in j&uuml;ngster Zeit haben sie begonnen, Lateinamerika Aufmerksamkeit zu schenken. Jedoch sagen Parlamentarier ebenso wie Wirtschaftsf&uuml;hrer, dass diese Bem&uuml;hungen zu wenig seien. Sie w&uuml;rden deshalb die Geduld verlieren.<\/p><p>Die US-Regierung sagt, sie habe einen Plan. Letztes Jahr k&uuml;ndigte sie die Amerikanische Partnerschaft f&uuml;r wirtschaftlichen Wohlstand (Asociaci&oacute;n de las Am&eacute;ricas para la Prosperidad Econ&oacute;mica, Apep) an. Kritiker sagen aber, dass die Apep heute kaum mehr ist als ihre Initialen. Die Unternehmen sind frustriert, da sie keine M&ouml;glichkeit haben, der Regierung ihre Erwartungen an das geplante Abkommen vorzutragen. Es hie&szlig;, dass es Ende 2022 oder Anfang 2023 Verhandlungen geben werde. Aber tats&auml;chlich geschieht nichts.<\/p><p>Sogar Bidens Verb&uuml;ndete sind besorgt, denn wenn es keine raschen Fortschritte im Wettlauf um wirtschaftlichen Einfluss in Lateinamerika und der Karibik gibt, werden die USA weiter hinter China zur&uuml;ckfallen. Peking hat in der Region bereits 20 Mitgliedsl&auml;nder in seiner Belt-and-Road-Wirtschaftsinitiative.<\/p><p>Letztlich werden der politische Druck und die Wirtschaftssanktionen der Biden-Administration und anderer US-Regierungen gegen&uuml;ber den lateinamerikanischen und karibischen L&auml;ndern dazu f&uuml;hren, dass diese sich gezwungen sehen, ihre politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu China und Russland zu vertiefen.<\/p><p>Wenn Chinas Angebot lautet: Wir verlangen keine Reformen, wir bieten nur etwas Geld an, es gibt eine Investition. Und wenn das Angebot der USA lautet: Helfen wir euch erst einmal dabei, all diese Dinge &ndash; politische, soziale und wirtschaftliche Auflagen &ndash; besser zu machen, dann werden wir f&uuml;r einen Austausch offen sein &hellip;  Dann wird dies dazu f&uuml;hren, dass die USA immer weiter zur&uuml;ckfallen werden.<\/p><p>Auf der anderen Seite und in der gleichen Art und Weise pl&auml;dieren die wichtigsten republikanischen Kandidaten im Vorfeld der Wahlen 2025 f&uuml;r eine Wiederbelebung der unter Donald Trump geschlossenen Abkommen mit &bdquo;sicheren L&auml;ndern&rdquo; in Lateinamerika, um Druck auf diese L&auml;nder auszu&uuml;ben, die Migration zu verhindern. Und sie wollen die Sanktionen gegen Kuba, Venezuela und andere versch&auml;rfen. Letzteres ist f&uuml;r einflussreiche W&auml;hler in S&uuml;dflorida eine Priorit&auml;t.<\/p><p>Wenn das Wei&szlig;e Haus 2025 die F&uuml;hrung wechselt, wird es also seinen au&szlig;enpolitischen Schwerpunkt vom Atlantik auf Lateinamerika verlagern.<\/p><p>Dieses von uns erw&auml;hnte Desinteresse Bidens und seiner Au&szlig;enpolitik gegen&uuml;ber Lateinamerika zeigt sich zum Beispiel darin, dass Biden von 14 Auslandsreisen in 21 L&auml;nder als Pr&auml;sident nur einmal in Lateinamerika war, und das nur f&uuml;r 48 Stunden.<\/p><p>Damit wollen wir nicht sagen, dass die Vorschl&auml;ge der Demokraten und Republikaner der USA die Krise der westlichen Hemisph&auml;re l&ouml;sen werden, sondern ganz im Gegenteil, sie k&ouml;nnten uns in die Katastrophe f&uuml;hren, wenn sie es in einigen L&auml;ndern nicht schon tun.<\/p><p>Kurz gesagt, Demokraten und Republikaner leben tagt&auml;glich in unterschiedlichen Welten. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie so unterschiedliche Au&szlig;enpolitiken formulieren.<\/p><p>Deshalb k&ouml;nnten Ma&szlig;nahmen, die sich an den Republikanern orientieren, die Sympathien derjenigen W&auml;hler f&uuml;r die Regierung Biden erh&ouml;hen, die der Meinung sind, dass die wichtigsten au&szlig;enpolitischen Anliegen der USA n&auml;her an zu Hause als in Europa, Asien und dem Nahen Osten liegen.<\/p><p>Wenn wir zu unserem Hinterhof zur&uuml;ckkehren, etwa zu Mexiko und seinem aktuellen Problem mit Fentanyl als zerst&ouml;rerische Droge in den USA, m&uuml;ssen sie einsehen, dass Mexiko ein wichtiger sozio&ouml;konomischer Akteur ist und sie die Beziehungen nicht gef&auml;hrden sollten. Eine Intervention br&auml;chte hohe wirtschaftliche Kosten f&uuml;r die einfachen Amerikaner mit sich.<\/p><p>Keine Art von Abschreckung &ndash; egal, wie brutal sie sein mag &ndash; wird die Einwanderung und den Drogenhandel stoppen.<\/p><p>Letztlich wird keine Einsch&uuml;chterung oder Schikane erreichen, dass die lateinamerikanischen Regierungen sich auf die Seite Washingtons stellen. Auch wenn man das von den republikanischen Kandidaten nicht h&ouml;rt, die USA sind bereits nicht mehr der allm&auml;chtige Hegemon der Hemisph&auml;re.<\/p><p>Eine Spezialfall, was Bidens &bdquo;Indifferenz&rdquo; angeht, ist Kuba. Er machte mehrere Wahlkampfversprechen hinsichtlich der &Uuml;berpr&uuml;fung der Beziehungen zu Kuba, hat aber die Politik seines Vorg&auml;ngers Trump beibehalten.<\/p><p>Diese Politik hat jedoch ihre Ziele nicht erreicht und f&uuml;hrt dazu, die USA weiter zu isolieren. Die Insel wurde zum Mitglied der UN-Menschenrechtskommission gew&auml;hlt, wobei sie das Land mit den meisten Stimmen in Lateinamerika wurde. Au&szlig;erdem stimmten zum 30. Mal die UN-Mitgliedsl&auml;nder fast einstimmig gegen die Blockade.<\/p><p>Die US-Politik gegen Kuba schr&auml;nkt selbst die Rechte von US-B&uuml;rgern und Unternehmern ein, die inmitten einer globalen Wirtschaftskrise Gesch&auml;ftsm&ouml;glichkeiten verlieren.<\/p><p>Wenn die US-Au&szlig;enpolitik gegen&uuml;ber Lateinamerika und der Karibik sich nicht &auml;ndert, wird sie die gleichen Fr&uuml;chte ernten, die Frankreich heute mit seiner Politik gegen&uuml;ber den afrikanischen L&auml;ndern erntet. Sie werden von China und Russland besser behandelt, mit denen sie tragf&auml;higere politische und wirtschaftliche Beziehungen wahrnehmen.<\/p><p>Drei Jahre nach seiner Wahl zum Pr&auml;sidenten hat Biden eine eigene Agenda gegen&uuml;ber Lateinamerika und der Karibik nur sehr unzureichend entwickelt. Er irrte sich in der Annahme, dass die Beibehaltung des republikanischen Ansatzes in der Region dazu beitragen w&uuml;rde, dass die Mitglieder dieser politischen Richtung bei den n&auml;chsten Wahlen f&uuml;r die Demokraten stimmen w&uuml;rden. Lateinamerika entfernt sich immer weiter von den USA, und Florida, einst ein Swing State, ist heute eine Republikaner-Hochburg.<\/p><p>&Uuml;bersetzung: Vilma Guzm&aacute;n, <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/267433\/biden-us-aussenpolitik-lateinamerika\">Amerika21<\/a><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Philip Yabut<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<p><strong>Mehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=92739\">Stimmen aus Lateinamerika: Die Einmischung der USA geht unvermindert weiter<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=95723\">&bdquo;Versto&szlig; gegen das V&ouml;lkerrecht&ldquo; &ndash; USA haben in drei Jahren fast drei Millionen lateinamerikanische Migranten abgeschoben<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=90571\">Stimmen aus Lateinamerika: Die neue Welt aus Sicht der USA<\/a><\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/8c9308373c2040719ae20461af1f0890\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Keine Einsch&uuml;chterung oder Schikane wird erreichen, dass die Regierungen Lateinamerikas sich auf die Seite Washingtons stellen. 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