{"id":109256,"date":"2024-01-09T09:00:54","date_gmt":"2024-01-09T08:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109256"},"modified":"2024-01-09T10:26:41","modified_gmt":"2024-01-09T09:26:41","slug":"die-ukraine-hat-den-krieg-verloren-nur-keiner-im-westen-sagt-es","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109256","title":{"rendered":"Die Ukraine hat den Krieg verloren &#8211; nur keiner \u201eim Westen\u201c sagt es"},"content":{"rendered":"<p>Dass die Ukraine den Krieg milit&auml;risch verloren hat, ist sp&auml;testens seit ihrer gescheiterten Fr&uuml;hlings-\/Sommer-Offensive offensichtlich. Mittlerweile muss allerdings davon ausgegangen werden, dass Kiew den Kampf gegen Russland auch politisch nicht mehr gewinnen wird, dass der Krieg also insgesamt verloren ist. Stellt sich die Frage, warum das niemand im &bdquo;Westen&ldquo; sagt oder wahrhaben will. Die Gr&uuml;nde daf&uuml;r sind vielf&auml;ltig und sowohl innenpolitischer als auch au&szlig;enpolitischer Natur. Von <strong>J&uuml;rgen H&uuml;bschen<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Kurze Bilanz der bisherigen Entwicklung<\/strong><\/p><p>Russland hatte 2014 die Krim annektiert, und in einem 2014 offen ausgebrochenen B&uuml;rgerkrieg hatten bis 2022 bereits 14.000 Menschen der vorwiegend russischen Bev&ouml;lkerungsgruppe im Donbass ihr Leben verloren. &bdquo;Der Westen&ldquo; hatte nachweislich seit 2008 die Ukraine nicht nur durch Waffenlieferungen unterst&uuml;tzt, sondern die ukrainischen Streitkr&auml;fte in gemeinsamen Ausbildungsvorhaben und Man&ouml;vern milit&auml;risch aufger&uuml;stet. Moskau hatte diese Aktivit&auml;ten beobachtet und durch gro&szlig;e Truppenansammlungen an der russisch-ukrainischen Grenze seit Mitte 2021 signalisiert, dass man diese Entwicklung nicht weiter hinnehmen und vor allem einen m&ouml;glichen Beitritt der Ukraine zur NATO nicht akzeptieren w&uuml;rde. Trotzdem wurden verschiedene russische Gespr&auml;chsangebote vom &bdquo;Westen&ldquo; ignoriert, so dass man den Eindruck gewinnen konnte, dass es besonders die USA darauf ankommen lie&szlig;en, ob Russland wirklich &bdquo;ernst machen&ldquo; w&uuml;rde, oder es sogar darauf angelegt hatten, dass Moskau milit&auml;risch eingreifen w&uuml;rde, um dann die Ukraine dabei zu unterst&uuml;tzen, Russland eine Niederlage in diesem Krieg zuzuf&uuml;gen, der von Beginn an ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland werden w&uuml;rde oder eben sein sollte.<\/p><p>Am 24. Februar 2022 griffen russische Truppen v&ouml;lkerrechtswidrig die Ukraine an, und damit hatte Washington genau das erreicht, womit man kalkuliert oder das man sogar gewollt hatte. Anfangs schien die Rechnung aufzugehen, und Russland zahlte f&uuml;r seinen Angriff einen hohen materiellen und auch personellen Preis. Moskau hatte n&auml;mlich die Lage v&ouml;llig falsch beurteilt und geglaubt, man k&ouml;nne praktisch &bdquo;in einem Spaziergang&ldquo; und mit der Unterst&uuml;tzung der Bev&ouml;lkerung die ukrainische Regierung gegen eine russland-freundliche Variante ersetzen.<\/p><p>Doch im Herbst 2022 wendete sich das Blatt, weil Moskau seine falsche Lagebeurteilung korrigierte. W&auml;hrend &bdquo;der Westen&ldquo; immer noch glaubte, Russland milit&auml;risch schlagen zu k&ouml;nnen, und die Ukraine durch immer umfangreichere Waffenlieferungen dabei unterst&uuml;tzte, hatte Moskau seine Strategie ge&auml;ndert und war von einer Offensive in die Verteidigung der eroberten Gebiete &uuml;bergegangen. Man kann also in einer Zwischenbilanz zum Ende 2022 feststellen, dass Russlands den Krieg mit einer falschen Lagebeurteilung begonnen hatte, aber flexibel genug war, daraus die Konsequenzen zu ziehen. Diese Erkenntnis hatte &bdquo;der Westen&ldquo; nicht, sondern setzte weiterhin auf einen Sieg der Ukraine nach dem Motto, &bdquo;egal, wie lange es dauert, und egal, wieviel es kostet&ldquo;. Der endg&uuml;ltige Sieg sollte durch eine ukrainische Offensive ab Juni 2023 errungen werden, obwohl sich die Lage bereits in vielerlei Hinsicht ver&auml;ndert und f&uuml;r die Ukraine trotz der massiven milit&auml;rischen und finanziellen Unterst&uuml;tzung &bdquo;des Westens&ldquo; dramatisch verschlechtert hatte.<\/p><p>Es hatte zwar auf beiden Seiten gro&szlig;e personelle Verluste gegeben, die aber auf russischer Seite wegen der gr&ouml;&szlig;eren Ressourcen leichter zu verkraften waren. Fachleute gehen davon aus, dass neben der nicht genau bekannten Anzahl von Gefallenen auf beiden Seiten etwa 10 Prozent der ukrainischen Gesamtbev&ouml;lkerung von der Situation in den Streitkr&auml;ften irgendwie betroffen waren. Fast 80 Prozent davon hatten entweder Freunde oder Familienmitglieder, die gefallen waren oder verwundet wurden. Man geht davon aus, dass mittlerweile 30.000 oder noch mehr ukrainische Soldaten Gliedma&szlig;en verloren haben, also amputiert werden mussten und damit auf Dauer kampfunf&auml;hig sind.<\/p><p>Zu Beginn des Krieges hatte die Ukraine eine Bev&ouml;lkerung von ca. 31 Millionen. Mittlerweile sind mehr als 6 Millionen in &bdquo;den Westen&ldquo; geflohen, ca. 2 Millionen nach Russland und etwa 8 Millionen haben innerhalb der Ukraine ihre Heimat verloren. Das Potential an wehrf&auml;higen M&auml;nnern ist weitgehend ersch&ouml;pft, auch, weil viele junge Ukrainer sich ins Ausland abgesetzt haben. Allein in Deutschland sollen sich etwa 200.000 Ukrainer im wehrf&auml;higen Alter aufhalten. Die Milit&auml;rf&uuml;hrung der Ukraine spricht von einem dringenden Bedarf von zus&auml;tzlich etwa 500.000 Mann, um das aus ihrer Sicht noch vorhandene milit&auml;rische Patt auf dem Schlachtfeld zu halten. Mittlerweile sind gro&szlig;e Teile der Infrastruktur zerst&ouml;rt, die Wirtschaft liegt am Boden und das Land ist bankrott, lebt nur noch von der finanziellen Unterst&uuml;tzung &bdquo;des Westens&ldquo;, in der Hauptsache von den USA und durch Deutschland. Die demokratische Entwicklung der Ukraine ist g&auml;nzlich vorbei.<\/p><p>Die Korruption wuchert in allen Bereichen, die Medien sind weitgehend gleichgeschaltet und die Justiz funktioniert nicht mehr. Von der Opposition h&ouml;rt man ebenso wenig wie vom Parlament. Politisch scheint die Ukraine nur noch aus Pr&auml;sident Selensky und ein bisschen aus Au&szlig;enminister Kuleba zu bestehen. Am 4. Oktober 2022 hatte der ukrainische Pr&auml;sident z.B. Verhandlungen mit dem russischen Pr&auml;sidenten Wladimir Putin verboten, nachdem dieser die Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson annektiert hatte. Das Dekret basierte nicht auf einer Entscheidung des Parlaments, sondern auf einem Beschluss des &bdquo;Rates f&uuml;r Sicherheit und Verteidigung&ldquo;. Selenskyj leitet diesen Rat, der sich aus Regierungsmitgliedern und den Chefs von Armee und Geheimdiensten zusammensetzt. Die eigentlich f&uuml;r M&auml;rz 2024 geplanten Wahlen wurden ebenfalls ohne Beteiligung des Parlaments durch Anweisung des Pr&auml;sidenten auf unbestimmte Zeit mit der Begr&uuml;ndung verschoben, im Krieg k&ouml;nne man nicht w&auml;hlen.<\/p><p>In Russland ist ebenfalls der Pr&auml;sident die dominierende Person, allerdings mit dem Unterschied, dass es sich in Russland um ein totalit&auml;res System handelt, w&auml;hrend die Ukraine von sich behauptet, eine Demokratie zu sein. Pr&auml;sident Putin hat seine Position nach einigen Schwierigkeiten, z.B. durch Prigoshin, den Chef der Wagner-S&ouml;ldner, wieder gefestigt und wird von ca. 70 Prozent der Bev&ouml;lkerung unterst&uuml;tzt. Diejenigen, die &uuml;ber die &bdquo;Spezialoperation&ldquo; anders denken, bilden keine geschlossene Opposition und haben keine Chance zur politischen Ver&auml;nderung. Die vom &bdquo;Westen&ldquo; gegen Russland verh&auml;ngten Sanktionen sind offensichtlich weitgehend verpufft, und es gibt Stimmen in Russland, die ironisch behaupten, man solle US-Pr&auml;sident Biden f&uuml;r diese Sanktionen dankbar sein, weil Russland dadurch in seiner Geschichte noch nie zuvor eine solche F&auml;higkeit zur Innovation entwickelt habe. In der vom Staat gelenkten russischen Industrie wurde erfolgreich auf Kriegswirtschaft umgestellt, sodass es keinerlei Verknappungen bei Waffensystemen, Munition, Raketen oder Drohnen zu geben scheint. Nach einer Meldung der <em>Frankfurter Rundschau<\/em> legte das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2023 um 5,5&nbsp;Prozent zu.<\/p><p><strong>Gesamtlage zum Jahresbeginn 2024<\/strong><\/p><p><u>Die milit&auml;rische Lage<\/u><\/p><p>Zum Jahresbeginn 2024 hat Russland seine Luftangriffe auf die Infrastruktur der Ukraine verst&auml;rkt, ohne dass die ukrainische Luftverteidigung das letztlich verhindern kann. Es gibt zwar immer wieder Aussagen dar&uuml;ber, wie viele russische Drohnen und\/oder Raketen abgeschossen wurden, aber niemand kann diese Angaben &uuml;berpr&uuml;fen. Es werden immer wieder Sch&auml;den an Wohnblocks und andere zivilen Objekten gezeigt, aber die Anzahl der dabei get&ouml;teten und\/oder verletzten Zivilisten beweist, dass Russland derartige Einrichtungen nicht direkt angreift, weil sonst die Verluste in der Zivilbev&ouml;lkerung viel h&ouml;her w&auml;ren. Die Ukraine verbraucht zu Abwehr russischer Luftangriffe sehr viel Munition und vor allem auch Raketen, die &bdquo;der Westen&ldquo; nicht in ausreichender Zahl nachliefern kann.<\/p><p>Es findet hier, ebenso wie an der Front, ein klassischer Abnutzungskrieg statt, den Russland auf Grund seiner Ressourcen so lange fortsetzen kann und wird, wie Moskau sich das vorstellt. Am Boden k&ouml;nnen die russischen Streitkr&auml;fte eigene Verluste minimieren, weil diese durch eine hervorragend gestaffelte Verteidigung weitgehend gesch&uuml;tzt sind. Wann immer die ukrainischen Streitkr&auml;fte gegen diese vor allem auch durch umfangreiche Minenfelder gesicherten russischen Linien vorgehen, erleiden sie erhebliche personelle Verluste, die sie mittlerweile nicht mehr ausgleichen k&ouml;nnen. Moskau kennt die Lage auf dem Gefechtsfeld auf Grund der Beherrschung des Luftraums und hervorragender Aufkl&auml;rungsmittel sehr genau und muss eigentlich nur noch abwarten, bis die ukrainischen Streitkr&auml;fte vollst&auml;ndig geschlagen sind. Daran werden auch die punktuell erfolgreichen ukrainischen Angriffe gegen Ziele auf russischem Territorium oder im Schwarzen Meer nichts &auml;ndern.<\/p><p>&bdquo;Der Westen&ldquo; gibt mittlerweile mehr oder weniger offen zu, dass die Ukraine den Krieg milit&auml;risch nicht gewinnen kann, begr&uuml;ndet aber die immer noch erfolgenden Waffenlieferungen jetzt damit, dass die Ukraine dadurch in die Lage versetzt w&uuml;rde, eine eventuelle Verhandlungsposition zu verbessern. Dabei ist jedem Fachmann klar, dass vor allem die Waffenlieferungen f&uuml;r die ukrainischen Streitkr&auml;fte immer nur punktuell eine Entlastung an der Front schaffen, falls &uuml;berhaupt. Daf&uuml;r sind neben der Anzahl vor allem die fehlende Logistik, also nicht vorhandene Nachschublinien verantwortlich. Einfach gesprochen kann z.B. ein gelieferter &bdquo;Leopard&ldquo; nur so lange eingesetzt werden, bis die notwendige Wartung ansteht oder irgendein Bauteil ersetzt werden muss. Es gibt keine ausreichend ausgebildeten ukrainischen Mechaniker und auch keine Feldinstandsetzung. Nicht mehr einsatzbereite &bdquo;Leos&ldquo; oder andere schwere deutsche Waffen, wie z.B. die Panzerhaubitze 2000 oder der &bdquo;Gepard&ldquo;, m&uuml;ssen entweder in deutsche Instandsetzungseinrichtungen in der Slowakei oder nach Litauen verbracht werden. Welcher Zeitaufwand daf&uuml;r zu veranschlagen ist und wie risikoreich der Hin- und R&uuml;cktransport ist, liegt auf der Hand.<\/p><p>Die Logistik und die Instandsetzung der schweren Waffen wird nat&uuml;rlich auch dadurch versch&auml;rft oder vielleicht sogar nicht m&ouml;glich, weil viel zu viel verschiedene Waffensysteme im Einsatz sind, weil diese ja von sehr vielen L&auml;ndern geliefert wurden, die ihre eigenen Streitkr&auml;fte sehr unterschiedlich ausger&uuml;stet haben. Und noch ein Wort zu den immer wieder genannten Lieferungen von F-16-Kampfflugzeugen, von denen vor allem aktuell immer die Rede ist. Die ukrainischen Piloten, die bereits an diesem Kampfflugzeug ausgebildet werden, k&ouml;nnen das Flugzeug am Ende ihrer Ausbildung zwar fliegen, aber deswegen noch lange nicht einsetzen. Dazu geh&ouml;rt nicht nur das Umsetzen von Einsatztaktiken und das Erkennen der russischen Abwehrm&ouml;glichkeiten, sondern vor allem auch eine f&uuml;r dieses Flugzeug geeignete Infrastruktur an den ukrainischen Fliegerhorsten, eine funktionierende Logistikkette und vor allem auch gut ausgebildetes und erfahrenes Wartungspersonal. Das ist &uuml;brigens ein Grund, warum D&auml;nemark die f&uuml;r Januar 2024 zugesagte Lieferung von F-16 um 6 Monate verschoben hat. Last, but not least ist jedes Kampfflugzeug entscheidend gef&auml;hrdet und nur begrenzt einsetzbar, wenn, wie in der Ukraine, der Luftraum vom Gegner beherrscht wird.<\/p><p>Der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkr&auml;fte, General Saluschnyi, sagte im November 2023 in einem Interview mit dem britischen <em>Economist<\/em>:<\/p><ul>\n<li>&bdquo;<em>Wie im Ersten Weltkrieg haben wir ein Niveau der Technologie erreicht, das uns in eine Sackgasse bringt.&ldquo;<\/em><\/li>\n<li>Der Krieg stecke angesichts der gegenw&auml;rtigen &bdquo;milit&auml;rischen Parit&auml;t&ldquo; der russischen und ukrainischen Armee fest.<\/li>\n<li>&bdquo;<em>Es wird aller Wahrscheinlichkeit nach keinen tiefen und sch&ouml;nen Durchbruch geben.&ldquo;<\/em><\/li>\n<li>&Auml;ndern k&ouml;nne sich das nur, wenn die Ukraine Luft&uuml;berlegenheit und mehr Ausr&uuml;stung f&uuml;r das R&auml;umen der bis zu 20 km tiefen russischen Minenfelder bekomme, mehr Artilleriemunition und bessere Ausr&uuml;stung zur St&ouml;rung der effektiven russischen Elektronik, und zudem mehr Ukrainer einziehen und trainieren k&ouml;nne.<\/li>\n<li>All dies sei umso notwendiger, weil das gegenw&auml;rtige Patt es Russland erm&ouml;gliche, <em>&bdquo;seine milit&auml;rische Macht wiederherzustellen und aufzubauen.&ldquo;<\/em><\/li>\n<li>Trotz hoher Verluste behalte Moskau seine<em> &bdquo;&Uuml;berlegenheit in Waffen und Ausr&uuml;stung, Raketen und Munition f&uuml;r beachtliche Zeit, w&auml;hrend die F&auml;higkeiten seiner Milit&auml;rindustrie wachsen.&ldquo;<\/em><\/li>\n<li>Zwar steigerten auch Kiews Partner die Produktionskapazit&auml;t von Waffen und Munition dramatisch, doch dauere dies je nach Waffen- oder Munitionstyp ein oder auch zwei Jahre.<\/li>\n<\/ul><p><u>Die politische Lage<\/u><\/p><p>Sp&auml;testens seit dem NATO-Gipfel vom Juli 2023 in der litauischen Hauptstadt ist klar &ndash; vermutlich sogar dem ukrainischen Pr&auml;sidenten &ndash; dass die Ukraine niemals ein Mitglied der NATO werden wird, weil das einen Krieg zwischen Russland und den USA zur Folge haben w&uuml;rde. Was einen m&ouml;glichen Beitritt der Ukraine zur EU angeht, so ist dieser in weiter Zukunft theoretisch m&ouml;glich. Auf dem EU-Gipfel am 14. Dezember 2023 haben die EU-Staaten beschlossen, Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine (und Moldawien) aufzunehmen. Diese Entscheidung, f&uuml;r die ein einstimmiges Votum erforderlich war, gelang nur mit dem Trick, indem der ungarische Pr&auml;sident Orban vorher den Raum verlassen und nicht mit abgestimmt hatte. Dieses b&uuml;hnenreife Theater muss als Signal daf&uuml;r gewertet werden, dass ein EU-Beitritt der Ukraine insgesamt wenig realistisch ist.<\/p><p>Ob die finanzielle und auch milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung durch die USA und die EU auch weiterhin gew&auml;hrleistet ist, muss bezweifelt werden. Pr&auml;sident Biden hat bislang kein gr&uuml;nes Licht vom Kongress, die Ukraine 2024 auch nur ann&auml;hernd so massiv finanziell und milit&auml;risch zu unterst&uuml;tzen, wie das bislang der Fall gewesen ist. In diesem Zusammenhang spielt auch der Nahostkrieg eine Rolle, in dem Israel zwingend auf die milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der USA angewiesen ist. Es ist durchaus m&ouml;glich, dass sich der US-Pr&auml;sident im amerikanischen Wahljahr zwischen einer finanziellen und milit&auml;rischen Unterst&uuml;tzung Israels und der Ukraine entscheiden muss. In diesem Fall ist davon auszugehen, dass es Israel sein wird. Damit m&uuml;sste Europa sozusagen in die Bresche springen, falls man noch immer nicht bereit sein sollte, Pr&auml;sident Selensky an den Verhandlungstisch zu zwingen. Das Problem dabei w&auml;re neben der Tatsache, dass die Europ&auml;er gar nicht in der Lage w&auml;ren, die amerikanische Milit&auml;rhilfe zu kompensieren, dass die EU sich in ihrer Ukraine- und Russlandpolitik &uuml;berhaupt nicht einig ist. Neben Ungarn geht jetzt auch die Slowakei auf Distanz, was weitere Waffenlieferungen an die Ukraine angeht.<\/p><p>Die politische Alternative zu den zu erwartenden Problemen sind Verhandlungen mit Russland, die Pr&auml;sident Selenskyj nach wie vor ablehnt, entweder in totaler Selbst&uuml;bersch&auml;tzung oder weil die USA und vielleicht auch GB daf&uuml;r noch kein gr&uuml;nes Licht gegeben haben, weil das ja letztlich das Eingestehen einer Niederlage w&auml;re. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass es bereits im M&auml;rz 2022 in der T&uuml;rkei Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine gegeben hat, die nach dem Besuch des damaligen britischen Premierministers Johnson am 10. April 2022 in Kiew auf Druck aus Washington und London abgebrochen wurden. Russland selbst &ndash; das mag Beobachtern gefallen oder nicht &ndash; hat &uuml;berhaupt keine Veranlassung, irgendwelche Gespr&auml;che anzubieten, falls daf&uuml;r weiterhin Vorbedingungen gestellt werden. In einer Rede hatte Pr&auml;sident Putin am 15. Dezember 2023 seine Grundforderungen noch einmal formuliert:<\/p><ul>\n<li>Entmilitarisierung der Ukraine<\/li>\n<li>Entnazifizierung der Ukraine<\/li>\n<li>Neutralit&auml;t der Ukraine<\/li>\n<\/ul><p>Moskau wird die Krim nicht zur&uuml;ckgeben und f&uuml;r die anderen aktuell besetzten\/annektierten Gebiete mit &uuml;berwiegend russischer Bev&ouml;lkerung maximal eine zeitlich befristete internationale Verwaltung mit anschlie&szlig;ender Volksabstimmung akzeptieren.<\/p><p><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p><p>Die weltpolitische Lage hat sich seit Beginn des Ukrainekrieges ganz entscheidend ver&auml;ndert und f&uuml;r &bdquo;den Westen&ldquo; deutlich verschlechtert. Die vom &bdquo;Westen&ldquo; auf Initiative der USA angestrebte Isolierung Russlands hat nicht funktioniert, sondern zur Bildung von f&uuml;r &bdquo;den Westen&ldquo; nachteiligen neuen B&uuml;ndnissen gef&uuml;hrt. Russland und China sind n&auml;her zusammenger&uuml;ckt und der Iran hat sich diesen beiden Staaten angeschlossen. Immer mehr Staaten schlie&szlig;en sich dem BRICS- B&uuml;ndnis an oder bewerben sich um eine Mitgliedschaft. In Afrika gewinnen Russland und China zunehmend an Einfluss und zwar zu Lasten &bdquo;des Westens&ldquo;. Mali ist aktuell daf&uuml;r das deutlichste Beispiel.<\/p><p>Die wirtschaftliche Situation hat sich vor allem in Deutschland durch die neue Energiepolitik deutlich verschlechtert. Statt des billigen russischen Gases importiert Deutschland jetzt u.a. das deutlich teurere amerikanische LNG, obwohl dieses durch das von Deutschland abgelehnte Fracking-Verfahren gewonnen wird.<\/p><p>Die USA und mit ihr die westlichen Verb&uuml;ndeten wollen nicht zugeben, dass sie im Ukrainekrieg gescheitert sind und auch ihre einseitige anti-russische Strategie erfolglos oder besser gesagt sozusagen ein Schuss ins eigene Knie war und weiterhin ist. Ausschlie&szlig;lich auf die milit&auml;rische Karte zu setzen, war v&ouml;llig falsch und das damit verbundene Ignorieren einer diplomatischen L&ouml;sung ein kaum noch zu reparierender Fehler.<\/p><p>&bdquo;Der Westen&ldquo; hat zwar immer wieder behauptet, in der Ukraine w&uuml;rde auch seine Freiheit verteidigt, hat aber die ukrainischen Soldaten und auch die Zivilbev&ouml;lkerung daf&uuml;r den Preis bezahlen lassen. Durch umfangreiche Waffenlieferungen und massive finanzielle Hilfe hat man dabei das eigene Gewissen beruhigt.<\/p><p>Es ist an der Zeit, dass vor allem Washington einsieht, dass dieser Stellvertreterkrieg gegen Russland definitiv verloren ist, so wie die amerikanischen Kriege in Vietnam, im Irak und auch in Afghanistan verloren wurden und die USA auch in Libyen und Syrien mit ihren Eins&auml;tzen gescheitert sind.<\/p><p>Au&szlig;erdem m&uuml;ssen die USA und auch die EU endlich begreifen, dass Pr&auml;sident Wolodymyr Selenskyj kein geeigneter ukrainischer Verhandlungsf&uuml;hrer f&uuml;r Gespr&auml;che mit Russland ist. Das hat er sp&auml;testens durch sein Interview bewiesen, dass er zum Jahresende dem britischen <em>Economist<\/em> gegeben hat, in dem er &bdquo;dem Westen&ldquo; f&uuml;r den Fall, dass die Ukraine den Krieg verlieren w&uuml;rde, prophezeite:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Putin wird Euch alle zum Abendessen fressen samt Eurer EU, NATO, Freiheit und Demokratie.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Es muss jetzt gehandelt werden.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Ivan Marc<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106744\">Zeitenwende der Zeitenwende in der Ukraine? &ndash; Die Anzeichen mehren sich<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104217\">Deutschlands milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung der Ukraine &ndash; ohne Strategie und ohne Moral<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=106483\">Verfolgung von Oppositionellen in der Ukraine: Maxim Goldarb und die Haltung der Bundesregierung<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/6d3f67ac84a4446092409b04b46843ad\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die Ukraine den Krieg milit&auml;risch verloren hat, ist sp&auml;testens seit ihrer gescheiterten Fr&uuml;hlings-\/Sommer-Offensive offensichtlich. Mittlerweile muss allerdings davon ausgegangen werden, dass Kiew den Kampf gegen Russland auch politisch nicht mehr gewinnen wird, dass der Krieg also insgesamt verloren ist. Stellt sich die Frage, warum das niemand im &bdquo;Westen&ldquo; sagt oder wahrhaben will. 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