{"id":109722,"date":"2024-01-19T14:00:26","date_gmt":"2024-01-19T13:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109722"},"modified":"2024-01-19T16:08:30","modified_gmt":"2024-01-19T15:08:30","slug":"reiche-arme-sportler-skifahrer-formel-1-pilot-fussballer-gladiatoren-eines-gierigen-systems","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109722","title":{"rendered":"Reiche, arme Sportler: Skifahrer, Formel-1-Pilot, Fu\u00dfballer \u2013 Gladiatoren eines gierigen Systems"},"content":{"rendered":"<p>Eine aktuelle Schlagzeile aus der Welt des Alpinen Skizirkus hat es in sich: &bdquo;Horrorsturz auf der Streif!&ldquo; Sie wissen schon, am Wochenende steigt wieder das ber&uuml;hmte Abfahrtsrennen in Kitzb&uuml;hel. Ganz nebenbei, derlei sensationsl&uuml;sterne &Uuml;berschriften &uuml;ber extreme Ereignisse im Profisport gab es schon immer, und sie sind auch in unserer au&szlig;er Rand und Band geratenen Zeit keine Seltenheit, sie h&auml;ufen sich sogar. Vor allem best&auml;tigen sie: Wie es sich f&uuml;r eine nimmersatte &bdquo;Wachstumsbranche&ldquo; geh&ouml;rt, werden die Grenzen der Belastbarkeit der Sportler permanent ausgereizt, sei es auch zu einem m&ouml;glichen Schaden der Athleten: schneller, h&ouml;her, weiter &ndash; mehr, mehr, mehr. Auf der Strecke bleiben die Sportler. Ein Zwischenruf von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5152\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-109722-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240119-Reiche-arme-Sportler-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240119-Reiche-arme-Sportler-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240119-Reiche-arme-Sportler-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240119-Reiche-arme-Sportler-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=109722-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240119-Reiche-arme-Sportler-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240119-Reiche-arme-Sportler-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Auch die Sportstars sind nur Arbeitnehmer<\/strong><\/p><p>Manch begeisterter Sportfan versp&uuml;rte sicher einmal den Wunsch, selbst ein ber&uuml;hmter Sportler zu werden. Wird der Traum wahr, folgen (so das Klischee) Erfolg, Ruhm, Reichtum und ein sch&ouml;nes, sorgenfreies Leben. Die Fans, die n&uuml;chtern hinschauen, beobachten, dass die m&auml;rchenhaften Stories aus der Welt des Sports auch dunkle Seiten haben.<\/p><p>Zwar verdienen die gro&szlig;en Stars viel Geld, doch ihr K&ouml;nnen, ihre Energie, ihre Arbeitskraft verkaufen sie genau wie ihre Sportlerkollegen, die nicht ganz oben auf dem Siegertreppchen landen. Die Stars selbst sind bei allem Ruhm lediglich Angestellte ihrer nimmersatten Arbeitgeber. Die spitzenm&auml;&szlig;igen, mitunter schier unglaublichen Leistungen (so auch in Kitzb&uuml;hel), die von den Profis gefordert (und erbracht) werden, unterliegen dem gierigen Motto &bdquo;mehr, mehr, mehr&ldquo;. Der olympische Slogan &bdquo;schneller, h&ouml;her, weiter&ldquo; wird dank der unz&auml;hligen Live-TV-&Uuml;bertragungen f&uuml;r uns Zuschauer auf absurde Weise sichtbar auf die Spitze getrieben &ndash; Hauptsache, Einschaltquoten und somit Einnahmen stimmen.<\/p><p>Kritiker der Kritik am Profisport und dem Kommerz werden einwenden, dass das alles ein Klagen auf hohem Niveau ist. Profisportler z&auml;hlen zu den bestverdienenden Arbeitnehmern weltweit, die zudem wissen, was sie tun &ndash; und k&ouml;nnen, was sie leisten. Auch haben Sportler selbst einen ihnen innewohnenden Ehrgeiz und die Gier nach Erfolg, nach Siegen, nach Rekorden. Stimmt. Was soll das also?<\/p><p>Es bleibt dabei: Trotz hoher Gehalts-, Pr&auml;mien- und Werbeeinnahmensummen, trotz des Erfolgs und der Freuden &uuml;ber Rekorde tanzen die Stars, sich selbst gef&auml;hrdend, nach der Pfeife ihrer Chefs, ihre Arbeitgeber sind die wirklichen Profiteure, die selbst nicht in Gefahr geraten.<\/p><p>Ein Innehalten, eine M&auml;&szlig;igung ist nicht oder wenig zu beobachten. F&uuml;r die Lebensphase ihres stressigen, H&ouml;chstleistung fordernden Engagements gehen <strong>nur<\/strong> die Athleten voll auf Risiko und verharren dazu noch im Dschungel dichter, enger, mitunter knebelnder Vertragswerke und Abh&auml;ngigkeiten, gl&auml;sern, unm&uuml;ndig, immer in die Kameras l&auml;chelnd. Viele Trainingseinheiten und Entbehrungen sp&auml;ter machen sie das ganze Spiel ohne Grenzen ohne Widerspruch mit, denn sie haben es geschafft, f&uuml;r ein paar Jahre Gladiatoren unserer gehetzten Zeit zu werden und vielleicht bald ausgesorgt zu haben &ndash; f&uuml;r sp&auml;ter. Den Chefs sei aber gesagt: Trotz hoher Gagen sind Sportler kein Freiwild der Gier.<\/p><p><strong>Noch ein Turnier mehr, noch mehr Nervenkitzel bei der Tour, noch mehr Rennen und Risiko bei der Formel 1<\/strong><\/p><p>Das Zauberwort hei&szlig;t &bdquo;mehr&ldquo;. Hatten Fu&szlig;ballprofis fr&uuml;her eine relativ &uuml;berschaubare Zahl an Punktspielen, Pokalspielen und internationale Wettbewerbsverpflichtungen im K.-o.-System bestritten, stehen in ihren mittlerweile &uuml;bervollen Terminkalendern Worte wie Gruppenphase, Klub-WM, Auslandsspiele f&uuml;r Sponsoren, Testspiele, L&auml;nderspiele. Selbst Trainer beklagen inzwischen schon &ouml;ffentlich, dass die k&ouml;rperliche Belastbarkeit ihrer Sch&uuml;tzlinge erreicht sei.<\/p><p>Nicht anders ist es bei den Basketball-Stars. Sie und ihre Teams spielen sich die Finger wund, bis nach etlichen Play-offs endlich die Meisterschaft beendet ist.<\/p><p>Die Kalender im Skisport sind randvoll mit Wettbewerbsterminen. Und wird nicht um Sieg und Platz gek&auml;mpft, wird trainiert. H&ouml;hentraining, Training im Sommer f&uuml;r den Winter und so weiter.<\/p><p>Radfahrer beklagen, dass die Routen bei Rennen wie der Tour de France oder dem Giro in Italien von den Veranstaltern &bdquo;gef&auml;hrlicher&ldquo; gestaltet werden. Anstatt &uuml;berschaubare, sichere Stra&szlig;en und P&auml;sse zu nutzen, muss der Nervenkitzel befriedigt werden, also sind Abfahrten steiler, Ortsdurchfahrten und Zielank&uuml;nfte enger. Die Fernsehzuschauer werden sich erinnern, wie oft in j&uuml;ngster Zeit heftige, folgenreiche St&uuml;rze zu sehen waren.<\/p><p>Der Tennissport artet aus. Mehr, mehr, mehr Turniere, mehr Spiele, mehr Zuschauer, mehr TV-Termine. Dem nicht genug, so leiden die Sportler unter der Missachtung elementarer wie einfacher Forderungen. Schon mal etwas vom Ball-Problem geh&ouml;rt? Warum werden unterschiedliche Ballgr&ouml;&szlig;en und somit auch Ballgewichte verwendet, die bei Akteuren k&ouml;rperliche Beschwerden ausl&ouml;sen? Wohl wahr, dass kleine B&auml;lle nicht lebensbedrohlich sind, aber Interessen der Sportler nicht zu beachten &hellip;<\/p><p>Bei der Formel 1 fragen sich Kritiker und selbst die Stars in der Manege, wie lange der Wahnsinn im Autorennsport noch gut geht. Der Rennkalender ist &uuml;bervoll, die Piloten fahren Rennen eng getaktet weltweit, &uuml;ber Zeit- und Klimazonen hinweg, ohne Achtsamkeit gegen&uuml;ber den menschlichen F&auml;higkeiten selbst von H&ouml;chstleistungssportlern wie Max Verstappen. Wer kam auf die Idee, in hei&szlig;en Gebieten wie Qatar oder Singapur Autorennen zu veranstalten? Neue Bestrebungen f&uuml;r noch mehr Nervenkitzel liegen schon vor, so werden weitere riskante Rennen durch Innenst&auml;dte von Metropolen geplant &ndash; vorbei an VIP-Bereichen f&uuml;r solvente Zuschauer, die schon mal f&uuml;nfstellige Ticketpreise l&ouml;hnen. In Kurven werden bis zu 200 km\/h gefahren, die h&ouml;chsten Geschwindigkeiten liegen bei mehr als 300 km\/h an. Schneller, h&ouml;her? Es geht noch mehr?<\/p><p><strong>The show must go on.<\/strong><\/p><p>Der gewagteste Sprung von einer Klippe ins Meer, die rasanteste Fahrt mit dem Bike bergab durch die Altstadt einer Weltmetropole &ndash; ein &ouml;sterreichischer Getr&auml;nkehersteller als Sportveranstalter und Vermarkter ist Champion in der Ausreizung der Reizgebung durch den Sport im Beisein von Publikum. Rekorde, au&szlig;ergew&ouml;hnliche menschliche Leistungen im Sport werden der &Ouml;ffentlichkeit rei&szlig;erisch pr&auml;sentiert, bis die Schwarte kracht. Kameraeinstellungen gibt es bei diesen Events aus nahezu allen m&ouml;glichen Perspektiven, hautnah, live, ungeschnitten, und das mit viel Werbung. Heftig muss es zugehen, spektakul&auml;r, schnell, hoch, weit, hart, bunt, grell, krass. Wagemutige, junge, frohe Sportler sind die Stars, die Gladiatoren, die viel riskieren. No risk, no fun. Die Show must go on, bei all diesem atemlosen Treiben geh&ouml;ren Unf&auml;lle, Trag&ouml;dien dazu.<\/p><p>Warum laufen vor oder neben Spitzen-Marathonl&auml;ufern andere (unbekannte) L&auml;ufer, die tats&auml;chlich sogar &bdquo;Hasen&ldquo; genannt werden? Antwort: Sie machen das Tempo, &bdquo;ziehen&ldquo; den Spitzen-Marathonl&auml;ufer, um diesem bei einem angepeilten Rekordversuch zu unterst&uuml;tzen. Eine weitere Spielart des mehr, mehr, mehr. Bald wird die Zwei-Stunden-Marke im Marathon geknackt werden &hellip;<\/p><p><strong>Zur&uuml;ck zur &bdquo;Streif&ldquo;<\/strong><\/p><p>All der Kritik zum Trotz: Die ber&uuml;hmteste Rennstrecke des Alpinen Skisports in Kitzb&uuml;hel (&Ouml;sterreich), die &bdquo;Streif&ldquo;, wird an diesem Wochenende wieder in aller Munde sein. Das steilste St&uuml;ck hat um die 85 Prozent Gef&auml;lle, der l&auml;ngste Sprung eines Abfahrers kann schon mal um die 80 Meter betragen. Wenn der Sportler es dann fast geschafft hat, erwartet ihn noch eine Besonderheit:<\/p><blockquote><p>\n<em>Dann kommt der Zielsprung, Hocke und runter geht es zum Zielsprung, h&ouml;chste Geschwindigkeiten werden hier gefahren, bis zu 150 km\/h. Die Kompression vor dem Zielsprung dr&uuml;ckt die Rennl&auml;ufer regelrecht auf die Piste, und anschlie&szlig;end heben sie in den finalen Zielhang ab. Die Zuschauer feuern die Rennl&auml;ufer nochmals richtig an. Endlich das Ziel, abschwingen und ein schneller Blick auf die Zeituhr. Entt&auml;uschung und Freude liegen hier eng beieinander. Sieger sind sie alle, die die Streif bew&auml;ltigen.<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/hahnenkamm.com\/rennstrecken\/die-streif-abfahrt\/\">hahnenkamm.com<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Das Risiko im Spitzensport wird hochgehalten, es ist unsere Natur?<\/strong><\/p><blockquote><p>\n<em>Die Streif in Kitzb&uuml;hel gilt als ber&uuml;hmtestes Abfahrtsrennen der Welt. Wer hier gewinnt, wird mit einem Schlag zur Skilegende. Doch wer zu viel riskiert, bezahlt einen hohen Preis.<\/em><br>\n<em>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/sport\/skifahren-die-streif-in-kitzbuehel-die-beruehmteste-abfahrt-der-welt-a-e6c24ea0-66ff-4434-b1d9-9defc405c9c3\">SPIEGEL<\/a>)<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><small>Titelbild: MilanTomazin\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine aktuelle Schlagzeile aus der Welt des Alpinen Skizirkus hat es in sich: &bdquo;Horrorsturz auf der Streif!&ldquo; Sie wissen schon, am Wochenende steigt wieder das ber&uuml;hmte Abfahrtsrennen in Kitzb&uuml;hel. 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