{"id":10973,"date":"2011-10-12T09:10:44","date_gmt":"2011-10-12T07:10:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10973"},"modified":"2014-11-26T09:04:02","modified_gmt":"2014-11-26T08:04:02","slug":"von-der-deutschen-tea-party-zur-henkel-partei-ii-der-rechte-ritt-auf-der-welle-der-emporung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10973","title":{"rendered":"Von der deutschen Tea Party zur Henkel-Partei (II) &#8211; Der rechte Ritt auf der Welle der Emp\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p>Lange Jahre hat die amerikanische Tea-Party-Bewegung die au&szlig;erparlamentarische Opposition in den USA fast im Alleingang gepr&auml;gt. Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Heute betreibt die Tea Party parlamentarische Fundamentalopposition, w&auml;hrend sich in den Stra&szlig;en unter dem Slogan &bdquo;Occupy Wall Street&ldquo; endlich wieder eine linke Massenbewegung formiert. Ganz anders in Deutschland: Hierzulande planen prominente Rechtspopulisten den Einzug in die Parlamente und setzen dabei neben Europakritik und D-Mark-Nostalgie auch auf origin&auml;r linke Themen, wie beispielsweise die Kritik am Finanzsystem. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><br>\nDer erste Teil mit dem Titel <a href=\"?p=10924\">&bdquo;Rechtspopulist Hans Olaf Henkel spielt mit den &Auml;ngsten der Bev&ouml;lkerung&ldquo;<\/a> ist am 7. Oktober auf den NachDenkSeiten erschienen.<\/p><p>Wenn sich PR-Strategen ein zentrales Thema f&uuml;r eine &bdquo;neue&ldquo; rechte Partei aussuchen m&uuml;ssten, w&uuml;rde ihre Wahl auf den Euro fallen. Verschiedene mehr oder weniger seri&ouml;se Umfragen <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/staatsverschuldung\/schuldenkrise-jeder-zweite-deutsche-will-die-d-mark-zurueck_aid_670403.html\">behaupten<\/a>, dass rund die H&auml;lfte der Deutschen zur&uuml;ck zur D-Mark will &ndash; besonders stark ist die Eurokritik dabei bei W&auml;hlern der FDP vertreten. Dabei bedient die Eurokritik auch typisch b&uuml;rgerliche Emp&ouml;rungsrituale. Da sie abseits der Springer-Zeitungen in den Medien nicht sonderlich goutiert wird und eine breite Mehrheit der Parlamentarier sich gegen die Eurokritik verwehrt, kann bei den eurokritischen B&uuml;rgern der Eindruck entstehen, ihre Meinung sei unterdr&uuml;ckt und w&uuml;rde von &bdquo;den Politikern&ldquo; nicht ernst genommen. Dieser Sarrazin-Effekt f&uuml;hrt nicht nur zu absurden Verschw&ouml;rungstheorien, sondern auch zu einer halsstarrigen &bdquo;Das-wird-man-doch-noch-sagen-d&uuml;rfen-Mentalit&auml;t&ldquo;, die nur darauf wartet, von Populisten bedient zu werden.<\/p><p><strong>Potential am rechten Rand<\/strong><\/p><p>Glaubt man einer aktuellen <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/news\/staatsverschuldung\/focus-umfrage-jeder-dritte-deutsche-wuerde-eurokritiker-waehlen_aid_672793.html\">Emnid-Umfrage<\/a>, k&ouml;nnte sich jeder Dritte vorstellen, eine eurokritische Partei zu w&auml;hlen. Schon im letzten Jahr antwortete auf dem H&ouml;hepunkt der Sarrazin-Debatte jeder f&uuml;nfte Befragte, dass er sich vorstellen k&ouml;nne, eine <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/blogs\/8\/148078\">neue &bdquo;Rechtspartei&ldquo; zu w&auml;hlen<\/a>. Erstaunlicherweise z&auml;hlten bei beiden Umfragen Anh&auml;nger der Linkspartei zu den gr&ouml;&szlig;ten potentiellen Fans einer noch nicht gegr&uuml;ndeten &bdquo;Rechtspartei&ldquo;. Ob eine solche Umfrage das wahre Potential einer solchen Partei widerspiegelt, ist jedoch fraglich. Selbst wenn man die hohen Umfragewerte nicht all zu ernst nehmen sollte, scheint jedoch am rechten Rand durchaus Potential f&uuml;r eine neue Partei vorhanden zu sein.<\/p><p><strong>Frank Sch&auml;ffler &ndash; der Manchester-Kapitalist<\/strong><\/p><p>Um die Schlagrichtung einer solchen Partei einordnen zu k&ouml;nnen, lohnt es sich, einen Blick auf das Umfeld von Hans Olaf Henkels j&uuml;ngsten Ausfl&uuml;gen in die politische Agitation zu werfen. Wenn Henkel auftritt, so hat er meist die Herren Sch&auml;ffler und Schachtschneider an seiner Seite. Der FDP-Mann Frank Sch&auml;ffler ist durch seine konsequent eurokritische Linie in den letzten Monaten bereits zu fragw&uuml;rdigem Ruhm gekommen und wird als Gesicht der parlamentarischen Eurokritik durch die Fernsehstudios der Republik gereicht. So &bdquo;harmlos&ldquo;, wie er auf den ersten Blick wirkt, ist Sch&auml;ffler jedoch keinesfalls. Er bezeichnet sich selbst als <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/fdp-politiker-frank-schaeffler-zurueck-ins-jahrhundert-1.1144467\">Anh&auml;nger des Manchester-Kapitalismus<\/a>, er ist ein Anh&auml;nger von August Hayek, dem volkswirtschaftlichen Vorbild von Reagan und Thatcher, ein radikaler Wirtschaftsliberaler wie aus dem Bilderbuch. Seine Quersch&uuml;sse gegen den Euro im Allgemeinen und Griechenland im Speziellen d&uuml;rften mittlerweile bekannt sein. Sch&auml;ffler wurde bereits in der gro&szlig;en <a href=\"http:\/\/www.bild-studie.de\/\">BILD-Studie der Otto-Brenner-Stiftung<\/a> als eine der Personen genannt, die mit Vorliebe von der BILD befragt werden, wenn es gilt den steilen, populistischen Thesen des Blattes ein Politikergesicht zu geben. <\/p><p>Politiker wie Frank Sch&auml;ffler sind in Deutschland relativ selten. Das mag auch an der sozialstaatlichen Tradition und der Erfolgsgeschichte der sozialen Marktwirtschaft liegen, die nie gro&szlig;en Raum f&uuml;r offen ausgesprochene marktradikale Positionen geboten hat. In den USA ist Sch&auml;fflers ideologische Welt alles andere als selten, sie bildet vielmehr das libert&auml;re R&uuml;ckgrat der Tea-Party-Bewegung, wenn es um wirtschaftspolitische Fragen geht. Das erzkonservative R&uuml;ckgrat der Bewegung findet in Deutschland in Henkels zweitem Mitstreiter ein Gesicht: Karl Albrecht Schachtschneider.<\/p><p><strong>Karl Albrecht Schachtschneider &ndash; der Eurogegner vom rechten Rand<\/strong><\/p><p>Schachtschneider ist ein Eurogegner der ersten Stunde, der an allen Verfassungsklagen gegen den Euro beteiligt war. Der emeritierte Jurist hat <a href=\"http:\/\/www.bnr.de\/content\/auf-rechten-abwegen\">keine Ber&uuml;hrungs&auml;ngste mit dem rechtsextremen Rand<\/a>. Er trat in j&uuml;ngster Vergangenheit unter anderem bei Veranstaltungen der B&uuml;rgerbewegung pro K&ouml;ln, der Haider-Partei FP&Ouml;, dem als Netzwerk der &bdquo;Neuen Rechten&ldquo; geltenden <a href=\"http:\/\/www.redok.de\/index2.php?option=com_content&amp;do_pdf=1&amp;id=330\">Studienzentrum Weikersheim<\/a>, dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Verein_zur_F%C3%B6rderung_der_psychologischen_Menschenkenntnis\">rechts-sektiererischen VPM<\/a> und diversen Burschenschaften auf. Schachtschneider ist (wie Henkel und andere Personen aus dessen Umfeld) regelm&auml;&szlig;iger Autor der &bdquo;Jungen Freiheit&ldquo; und ein beliebter Interviewpartner des rechtspopulistischen und islamfeindlichen Internetblogs &bdquo;Politically Incorrect&ldquo;. Bereits in den 90ern war er Mitglied der rechtspopulistischen, euroskeptischen Partei &bdquo;Bund freier B&uuml;rger &ndash; Offensive f&uuml;r Deutschland&ldquo;, die damals vom ehemaligen FDP-Rechtau&szlig;en Manfred Brunner gegr&uuml;ndet  und ma&szlig;geblich von August von Finck jr. finanziert wurde. Finck ist auch als gro&szlig;z&uuml;giger Spender des B&uuml;rgerkonvents bekannt, aus dem die &bdquo;Zivile Koalition&ldquo; hervorging, die nicht nur durch ihre eurofeindlichen Kampagnen, sondern auch immer wieder durch Veranstaltungen mit den Eurogegnern Henkel, Sch&auml;ffler und Schachtschneider von sich Reden macht.<br>\n(Siehe dazu: <a href=\"?p=10678\">B&uuml;rgerkonvent 2.0 &ndash; die deutsche Tea-Party-Bewegung<\/a>)<\/p><p><strong>Verschw&ouml;rungstheoretiker und Querfrontstrategien<\/strong><\/p><p>Zum erweiterten Umfeld der Gruppe um Hans Olaf Henkel z&auml;hlen auch Gruppierungen, die man eher in der Kategorie &bdquo;Verschw&ouml;rungstheoretiker&ldquo; verorten w&uuml;rde. Dazu z&auml;hlt beispielsweise das <a href=\"http:\/\/eurodemostuttgart.wordpress.com\/\">&bdquo;Aktionsb&uuml;ndnis Direkte Demokratie&ldquo;<\/a>, das Henkels Thesen voll teilt und von obskuren Gruppierungen und Kleinstparteien getragen wird, wie beispielsweise dem <a href=\"http:\/\/netzwerkvolksentscheid.de\/\">&bdquo;Netzwerk Volksentscheid&ldquo;<\/a>, zu dessen &bdquo;Medienpartnern&ldquo; das Who is Who der deutschen Verschw&ouml;rungstheoretikerszene geh&ouml;rt, und der <a href=\"http:\/\/www.parteidervernunft.de\/node\/1727\">&bdquo;Partei der Vernunft&ldquo; (pdv)<\/a>, die nicht nur den Euro, sondern auch gleich noch die Einkommens-, Lohn- und K&ouml;rperschaftsteuer ersatzlos abschaffen will und ebenfalls bestens mit der Verschw&ouml;rungstheoretikerszene vernetzt ist.<\/p><p>Erschreckend ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass die kruden Thesen dieser Gruppierungen auch bei links-denkenden Menschen teilweise auf gro&szlig;e Begeisterung sto&szlig;en, zumal sie oft geschickt mit dem Thema Kritik am Finanzsystem spielen. Bereits in den 1920ern griffen rechtsextreme Gruppierungen unter dem Schlagwort &bdquo;Querfront&ldquo; zu solchen B&uuml;ndnisstrategien. Diese Strategien erfreuen sich auch im Sog der Finanzkrise gr&ouml;&szlig;ter Beliebtheit: So z&auml;hlt beispielsweise auch der ehemals &bdquo;linke&ldquo; Publizist J&uuml;rgen Els&auml;sser mit seiner rechtspopulistischen &bdquo;Volksinitiative gegen das Finanzkapital&ldquo; zu den gl&uuml;hendsten Verehrern von Henkel, Sch&auml;ffler, Schachtschneider und Co. <\/p><p><strong>&Uuml;bernahme der FDP?<\/strong><\/p><p>Ob Hans Olaf Henkel und seine Mitstreiter wirklich eine neue Partei gr&uuml;nden, h&auml;ngt wohl auch von dem Mitgliederentscheid der FDP ab, den Frank Sch&auml;ffler initiiert hat. Sollte die FDP-Basis gegen den Euro votieren, w&auml;re die Partei nicht mehr koalitionsf&auml;hig und somit binnen k&uuml;rzester Zeit sturmreif f&uuml;r die Eurogegner. Hans Olaf Henkel lie&szlig; bereits mehrfach bekunden, dass ihm eine solche &bdquo;feindliche &Uuml;bernahme&ldquo; der FDP wesentlich lieber w&auml;re, als die Gr&uuml;ndung einer neuen Partei.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/b6e323068dec44c3a8cb297bea4c544e\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lange Jahre hat die amerikanische Tea-Party-Bewegung die au&szlig;erparlamentarische Opposition in den USA fast im Alleingang gepr&auml;gt. Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Heute betreibt die Tea Party parlamentarische Fundamentalopposition, w&auml;hrend sich in den Stra&szlig;en unter dem Slogan &bdquo;Occupy Wall Street&ldquo; endlich wieder eine linke Massenbewegung formiert. 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