{"id":109741,"date":"2024-01-21T15:00:21","date_gmt":"2024-01-21T14:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109741"},"modified":"2024-01-21T01:28:42","modified_gmt":"2024-01-21T00:28:42","slug":"kunstausstellung-zur-ddr-der-osten-kommt-schlecht-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109741","title":{"rendered":"Kunstausstellung zur DDR: Der Osten kommt schlecht weg"},"content":{"rendered":"<p>Dass wir im besten Deutschland aller Zeiten leben, haben geb&uuml;rtige Ostdeutsche &ndash;&nbsp;ironisch betrachtet &ndash; l&auml;ngst begriffen und auch, dass man zur Best&auml;tigung von Besserdeutschland den Osten schlechter als den Westen stellt, weil der Osten &ndash; die DDR &ndash; eben schlechter war und bleibt. Das ist in vielen Lebensbereichen, im Alltag bis hinein in die Kunst zu beobachten und nicht verbindend. Bei einem Besuch einer Kunstausstellung im Albertinum Dresden war das zu sp&uuml;ren. Die Initiatoren der Ausstellung sagen zwar, dass sie am Anfang ihrer Arbeit stehen. Ihr Anfang n&auml;herte nicht an. Was sie vermissen lie&szlig;en, waren vielf&auml;ltige Ost-Perspektiven und, neben der Kritik am Osten auch die am Westen und am Heute zu ber&uuml;cksichtigen. Bei einem Gem&auml;lde, das Chiles ehemaligen Pr&auml;sidenten Allende zeigt, liest sich der Begleittext neben dem Werk irritierend. Von <strong>Frank Blenz<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Exposition im Albertinum &uuml;ber DDR-Kunst und Beziehungen zum Globalen S&uuml;den<\/strong><\/p><p>Das Albertinum in Dresden an der Br&uuml;hlschen Terrasse ist ein Schmuckst&uuml;ck, ein wundervoller Ort der Kunst. Ein Besuch der Staatlichen Kunstsammlungen, der Galerie Neuer Meister und weiterer Pr&auml;sentationen bringt mir den Gewinn, den ich mir bei einem Aufenthalt in der s&auml;chsischen Landeshauptstadt zum Jahresauftakt erhofft habe. Zahlreiche Gem&auml;lde, Skulpturen, Zeichnungen, Fotografien sind zu sehen, dass es eine Freude und &uuml;beraus bewegend ist. Nicht nur &bdquo;sch&ouml;ne&ldquo; Werke betrachte, erlebe ich hautnah, ebenfalls aufw&uuml;hlende, darunter Otto Dix&acute; Triptichon &bdquo;Der Krieg&ldquo;. Dix&acute; Werk ist f&uuml;r mich aktuell wie nie, heftige Kriegsm&uuml;digkeit ausl&ouml;sen sollte es bei allen, die kriegst&uuml;chtig sind.<\/p><p>Bei aller Freude und allen Emotionen passiert es, dass eine Sonderexposition in dem grandiosen Geb&auml;ude f&uuml;r mich teils irritierend ist. Die Ausstellung &bdquo;Revolutionary Romances &ndash; die freundschaftlich-revolution&auml;ren Beziehungen &ndash; der DDR zu den L&auml;ndern des Globalen S&uuml;dens&ldquo; konzentriert sich, so der Albertinum-Begleittext, &bdquo;auf ein bisher kaum erforschtes Kapitel der Kunst in der DDR als Teil einer globalen Kunstgeschichte&ldquo;.<\/p><blockquote><p>\n<em>Das Team des Albertinum unternimmt, so ihre Erl&auml;uterung, eine erste Ann&auml;herung &ndash; fragend, forschend, selbstkritisch und mit vielen Wissensl&uuml;cken &ndash; an ein aktuelles Themenfeld, dessen Bearbeitung auch in den SKD erst am Anfang steht. Es bedarf weiterer kunstwissenschaftlicher, historischer und k&uuml;nstlerischer Forschung, in der vor allem auch die Perspektive und Expertise von Menschen aus dem Globalen S&uuml;den h&ouml;r- und sichtbar wird, um die Kunstgeschichte der DDR im globalen Kontext diskutieren zu k&ouml;nnen.<\/em><br>\n(Quelle: <a href=\"https:\/\/albertinum.skd.museum\/ausstellungen\/revolutionary-romances\/\">albertinum.skd.museum<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p>Ausdr&uuml;cklich sage ich den Produzenten der Ausstellung im Mittelteil des Hauses, dass sie v&ouml;llig frei sind, auf ihre Art und mit ihren Absichten die Betrachtungen zu konzipieren und zu ver&ouml;ffentlichen. Doch frei bin ich auch, und unwidersprochen lassen will ich ihre Produktion und die mir teils kritikw&uuml;rdigen Bewertungen nicht, die sie in der Ausstellung &uuml;ber nationale und internationale Kunst in der und &uuml;ber die damalige DDR sowie deren damalige Bruderl&auml;nder wie Chile, Kuba und Vietnam offenbaren. Es bleibt nicht bei der Kunst, ver&ouml;ffentlicht ist ihre Sicht, ihre Forschungen &uuml;ber den damaligen Alltag, die ich wie eine Abrechnung empfinde.<\/p><p><strong>Politische Schulung anno 2024<\/strong><\/p><p>Die Exposition kommt einem wie eine politische Schulung f&uuml;r Galeriebesucher &uuml;ber die genannten L&auml;nder samt DDR und ihre Menschen vor. Abgerechnet wird mit dem Gesellschaftssystem des Sozialismus, mit Techniken der Macht, hier als Beispiel der der Propaganda in der Kunst. Jedem Engagement, sei es die Zusammenarbeit der &bdquo;Bruderl&auml;nder&ldquo;, Bildungsangebote, der internationale Austausch von Arbeitern und Fachkr&auml;ften, werden in der Albertinum-Ausstellung negative Ziele unterstellt. Das Handeln der Regierungen und B&uuml;rger in sozialistischen Staaten erh&auml;lt latent die Beschreibung &agrave; la sie taten all das aus Prestige-Gr&uuml;nden. Die Gegenparts, der Kapitalismus und das f&uuml;hrende Gegnerland der genannten und gepeinigten L&auml;nder Vietnam, Kuba und Chile &ndash; die USA &ndash;, kommen in der Kritik unzureichend vor. Schlussfolgernd nach dem Besuch der Ausstellung frage ich: Der Westen, also auch wir als Gesamtdeutschland, sind trotz allem die Guten, und was diese Chilenen, Kubaner, Vietnamesen und Ostdeutsche anbelangt &hellip;?<\/p><p>Ich frage mich auch, wer und warum diese Experten die Beschriftungen, Wertungen, Texte neben den Exponaten formulierten &ndash; die erste Ann&auml;herungsversicherung der Kuratoren hin oder her? Geb&uuml;rtige ostdeutsche B&uuml;rger, die zu dieser Zeit lebten? Ich wage das zu bezweifeln, die Worte der Begleittexte zu den Ausstellungst&uuml;cken haben einen mir mitunter &uuml;berlegen, erhaben wirkenden Unterton, belehrende Formulierungen, die Erfahrungen, Ansichten, vielf&auml;ltige, differenzierte Erinnerungen ostdeutscher Betroffener aus jenen Jahren au&szlig;en vor lassen. Dabei hat die Ausstellung Gewicht, sie wurde von der Bundesregierung gef&ouml;rdert sowie von der Bundeszentrale f&uuml;r politische Bildung. Dass sie so ausfiel, wie sie im Albertinum stattfindet, wundert mich nicht, wohl weil sie von obigen F&ouml;rderern zielgerichtet gef&ouml;rdert wurde. Ein polemisches Wort regt mich schlie&szlig;lich in dieser Ausstellung ziemlich auf, welches die Distanz der Macher und ihre Erhabenheit zu fr&uuml;her, zur damaligen DDR und ihren &bdquo;Bruderl&auml;ndern&ldquo; deutlich macht: &bdquo;freilich&ldquo;. Dazu sp&auml;ter.<\/p><p><strong>Drei L&auml;nder, drei Katastrophen &ndash; die Kommentierung dazu: Begleittexte teils irritierend<\/strong><\/p><ol>\n<li>Chile. Ein Gem&auml;lde aus Chile. Ein Mann, in die Nationalfahne des Landes geh&uuml;llt, liegt, in einen Sessel gesunken, offensichtlich tot. Der Mann ist Pr&auml;sident Salvador Allende. Ein weiteres Schwarz-Wei&szlig;-Bild zeigt den Putschisten General Pinochet mit schwarzer Sonnenbrille, die seine Augen vollends verh&uuml;llt. Bedrohlich. Gewaltvoll. M&auml;chtig.<\/li>\n<li>Vietnam. Eine farbige, bildnerische Arbeit zeigt vietnamesische Bauern, die Waffen tragen, einen Munitionsg&uuml;rtel, den vietnamesischen Dschungel. Eine andere Arbeit portr&auml;tiert eine verzweifelte Frau, die schreiend ihr Gesicht gen Himmel richtet, der voller Bomben beim Fall auf ihr Land Vietnam ist.<\/li>\n<li>Kuba. Ein farbenfrohes Bild, am Strand verweilen Touristen, im Hintergrund das Land, das br&ouml;ckelt, das aus wenig viel macht. Ein weiteres Bild, eine Grafik, wirkt auf den Betrachter &uuml;ppig und stark, weil es voller Mosaikelemente ist, die Pers&ouml;nlichkeiten und Situationen Kubas zeigen, das Land, das sich trotz st&auml;ndiger Anfeindungen der USA wehrt und lebt.<\/li>\n<\/ol><p>Meine fr&uuml;heren Erinnerungen zu den in der Ausstellung betrachteten L&auml;ndern decken sich mit den transportierten Inhalten der Kunstwerke. Ich wei&szlig; noch, geradezu k&ouml;rperlich litt ich als kleiner Junge darunter, als ich von der Milit&auml;rjunta in Chile h&ouml;rte und, dass Allende tot war. Auch die Bilder der Zerst&ouml;rung Vietnams, die in Flammen stehenden W&auml;lder, die Gnadenlosigkeit der Angriffe der US-Army wirken bei mir bis heute und machen mich fassungslos. Kuba w&uuml;nsche ich sehr, dass endlich diese uns&auml;gliche Blockade gegen den Inselstaat beendet wird. Das wird von vielen L&auml;ndern in der UN gefordert, bisher ohne Erfolg.<\/p><p><strong>Ich stehe in der Galerie und mache mir als interessierter Besucher Gedanken<\/strong><\/p><p>Zu 1.<\/p><p>Chile.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-01.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-01.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-02.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-02.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p>Das Land wurde 1973 durch einen Milit&auml;rputsch der Junta von General Pinochet mit nachgewiesener, ma&szlig;geblicher Unterst&uuml;tzung und F&ouml;rderung der USA f&uuml;r viele Jahre in den Zustand einer gewaltsamen Diktatur und eines &uuml;beraus entfesselten Kapitalismus gest&uuml;rzt, dessen Folgen bis heute, w&auml;hrend sich Chile von Pinochets Geist allm&auml;hlich l&ouml;st, zu sp&uuml;ren sind. Die Ausstellungsmacher schreiben zur Entwicklung bis ins Heute keine Zeile &uuml;ber dieses Drama, vielmehr wird das Gem&auml;lde von Allende fragw&uuml;rdig kommentiert.<\/p><p><strong>Mein Kommentar: <\/strong>Milit&auml;rputsch ist Milit&auml;rputsch. Allende wurde, selbst wenn er sich durch Freitod der Verhaftung durch die Putschisten entzog, von der Junta indirekt ermordet. Dass Allende durch die Darstellung des Malers &bdquo;heroisiert&ldquo; wurde &ndash; die Kuratoren gehen mit dieser Qualifizierung auf Distanz zu einem Politiker, der aber in der Tat ein Held war &ndash; damals in Chile. Und daf&uuml;r weg musste &hellip;<\/p><p>zu 2.<\/p><p>Vietnam.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-03.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-03.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-04.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Das Wort &bdquo;freilich&ldquo;. <\/strong>Der Maler zeigt, soso, die &bdquo;politische Lesart&ldquo; der DDR &uuml;ber den Krieg, die von einem &uuml;berm&auml;chtigen Aggressor (samt chemischer Kampfstoffe und massiver Bombardierungen) berichtet und auf der anderen Seite das sich verteidigende Volk in den Himmel hebt. Die Kuratoren setzen sogleich heldenhaft k&auml;mpfendes Volk in G&auml;nsef&uuml;&szlig;chen und schreiben, dass in der Erz&auml;hlung f r e i l i c h (!) nicht vorkommt, dass es eine enorme Milit&auml;rhilfe der Sowjetunion und Chinas f&uuml;r dieses angegriffene Volk gegeben habe. Das Wort &bdquo;freilich&ldquo; behauptet, meine Folgerung, dass K&uuml;nstler und Politik seinerzeit die Kriegssituation so darstellten, als w&uuml;rde nicht die ganze Geschichte erz&auml;hlt. Tats&auml;chlich wurde sehr wohl &uuml;ber die Unterst&uuml;tzung Vietnams durch die Sowjetunion, die DDR, China und andere Staaten erz&auml;hlt, diskutiert, abgewogen. Die Solidarit&auml;t, die zahlreichen Demonstrationen, die Proteste weltweit sorgten schlie&szlig;lich mit daf&uuml;r, dass der lange, zerst&ouml;rerische Krieg in Vietnam endete. Und auch das wurde damals nicht vergessen: Ein US-amerikanischer Politiker namens Henry Kissinger war seinerzeit wie andere m&auml;chtige Drahtzieher aus Washington ein heftig kritisierter Kriegstreiber. 2024 wird die Kunst zu Vietnam kritisiert, der inzwischen verstorbene Kissinger wird in der Mainstream-&Ouml;ffentlichkeit als verdienstvolle, weise Jahrhundertpers&ouml;nlichkeit gew&uuml;rdigt &hellip;<\/p><p>zu 3.<\/p><p>Kuba.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-04.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-05.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><span><\/span><\/a><\/div><p><strong>Mein Kommentar: <\/strong>Kuba und seine Menschen leiden seit 60 Jahren bis heute unter der fortgesetzten Blockade der USA, dem m&auml;chtigen Nachbarland. Die Kuratoren bleiben f&uuml;r mich geradezu transatlantisch: keine Kritik an den USA. Kein Gedanke dar&uuml;ber, dass statt Blockade Zusammenarbeit und Respekt m&ouml;glich sind.<\/p><p>Die Kunstwerke wirken auf mich, wie sie die K&uuml;nstler wohl meinten: sich &uuml;ber Krieg und &uuml;ber Machtmissbrauch, hier ein Putsch, dort eine Blockade, zu emp&ouml;ren und aufzubegehren. Keiner hat das Recht, zu Kriegst&uuml;chtigkeit aufzufordern und Menschen, die Krieg ablehnen, als kriegsm&uuml;de zu verh&ouml;hnen.<\/p><p><strong>Kunst ist wundervoll, Propaganda nicht. Was ist Propaganda?<\/strong><\/p><p>Die Kuratoren haben eine Frage an eine Wand geschrieben: Wann wird Kunst zu Propaganda? Ich unterstelle den Experten fast, dass sie denken: Nutzt und gef&auml;llt eine k&uuml;nstlerische Aussage einem, ist es Kunst &ndash; passt sie nicht in den Kram, ist es Propaganda. Das Wort Propaganda klingt allein so, als w&auml;re das per se etwas Schlechtes. In der Tat ist Propaganda ein Werkzeug, das f&uuml;r ideologische, Macht unterst&uuml;tzende Zwecke eingesetzt wird. Doch haben die gezeigten K&uuml;nstler ihre Mittel und M&ouml;glichkeiten genutzt, um auf ein Verbrechen (Allendes Tod, der Putsch), auf den zerst&ouml;rerischen, sinnlosen Krieg (Vietnam) oder auf die Ausgrenzung und Anfeindung eines ganzen Volkes auf einer Insel (Kuba) hinzuweisen. Wenn ihr Schaffen, ihre Kunst, ihr berechtigter Protest damit Propaganda sind, dann bitte sehr. Richtig und wichtig ist und bleiben ihr Engagement, ihr k&uuml;nstlerischer Aufschrei, ihre Anklage.<\/p><p><strong>Geschichte wiederholt sich<\/strong><\/p><p>Gerade erleben wir fortgesetzt Kriege unbeschreiblichen Ausma&szlig;es und f&uuml;r uns noch mit sicher scheinendem territorialen Abstand, obwohl wir als Staat Bundesrepublik Deutschland, als m&auml;chtige Interessengruppe beteiligt und mitschuldig sind. Gaza, der Nahe Osten, die Ukraine, Russland. Wir erhalten tagein, tagaus Nachrichten &uuml;ber weitere L&auml;nder und Regionen, deren Menschen in spannungsgeladenen, bedrohlichen Situationen leben m&uuml;ssen: Lateinamerika, immer noch und fortgesetzt Kuba, Pakistan, die Pazifikregion. Wir erleben Propaganda. Propaganda ist es laut bestimmter Lesart dann, wenn die Gegenseite politisch motiviert agiert. Bei uns im Wertewesten hei&szlig;t das dagegen ausgewogene Berichterstattung. Kunstwerke braucht es, auf Ursachen und Wirkung von Krieg und Unterdr&uuml;ckung aufmerksam zu machen.<\/p><p>Gut ist, dass K&uuml;nstler aufbegehren, ohne auf die Bewertung ihrer Arbeit R&uuml;cksicht zu nehmen. Sicher wird der eine oder andere den ber&uuml;hmten (in Person unbekannten, weil &bdquo;unsichtbaren&ldquo;) K&uuml;nstler Banksy kennen. Dessen Aussagen in seinen Werken haben die gleiche Wirkung wie die der K&uuml;nstler, die in Dresden zu sehen sind, finde ich.<\/p><p><strong>Nachtrag<\/strong><\/p><p>Die moralische &Uuml;berlegenheit unserer Wertegemeinschaft, der Klassengesellschaft Bundesrepublik wird oft betont. In Gesamtdeutschland bleiben dabei jedoch Vorstellungen, Erfahrungen, Ideen und Beitr&auml;ge, die vom Osten ausgehen, au&szlig;en vor. Inzwischen jedoch ist endlich eine Debatte in Gang gekommen, in der nicht mehr geschwiegen, weggeschoben, tendenziell abgewertet wird.<\/p><p>In der Berliner Zeitung entwickelt sich, ein Beispiel, ebenfalls eine Debatte zu Ost und West und dem Zusammensein in Deutschland. Viele &bdquo;Ostb&uuml;rger&ldquo; und Westb&uuml;rger, lobt der Verlag, melden sich zu Wort, schreiben pers&ouml;nliche Briefe, Beitr&auml;ge f&uuml;r die Rubrik &bdquo;Open Source&ldquo;. Das ist gut. Noch immer jedoch wird andernorts so getan, als w&auml;ren &bdquo;Westdeutschlands&ldquo; Perspektiven und Wertungen das alternativlose Nonplusultra.<\/p><p>Wie hier geschrieben, habe ich diesen Eindruck selbst in der obigen Kunstausstellung gesp&uuml;rt und ja subjektiv empfunden mit den Abwertungen, Ausblendungen von Perspektiven und weiterer Bilder aus einer vergangenen Gesellschaft, einem alten Land, das durch diese Exposition stattdessen einen unsichtbaren Stempel aufgedr&uuml;ckt bekommt: Das, was die DDR war, war und bleibt kritikw&uuml;rdig, fragw&uuml;rdig, schlecht. W&uuml;nschenswert, erforderlich ist, dass die angefangene Ann&auml;herung auch in Dresden fortgesetzt wird. Nicht unerw&auml;hnt lassen will ich, dass die kritisierte Ausstellung im Albertinum noch weitere Themen behandelt als die Themen Chile, Vietnam und Kuba, so beispielsweise Arbeiter aus dem Ausland (Globaler S&uuml;den) in der DDR und Studenten aus dem Globalen S&uuml;den in der DDR.<\/p><p><small>Bildnachweis: alle Bilder &copy; Frank Blenz<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass wir im besten Deutschland aller Zeiten leben, haben geb&uuml;rtige Ostdeutsche &ndash;&nbsp;ironisch betrachtet &ndash; l&auml;ngst begriffen und auch, dass man zur Best&auml;tigung von Besserdeutschland den Osten schlechter als den Westen stellt, weil der Osten &ndash; die DDR &ndash; eben schlechter war und bleibt. Das ist in vielen Lebensbereichen, im Alltag bis hinein in die Kunst<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109741\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":109743,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[123,917,171],"tags":[669,277,304,1368,663,3230,357,1019],"class_list":["post-109741","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kampagnentarnworteneusprech","category-kultur-und-kulturpolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-chile","tag-ddr","tag-kriegsverbrechen","tag-kuba","tag-putsch","tag-revisionismus","tag-vietnam","tag-wirtschaftssanktionen"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/240121-Blenz-Kunstausstellung-Dresden-titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/109741","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=109741"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/109741\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":109819,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/109741\/revisions\/109819"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/109743"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=109741"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=109741"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=109741"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}