{"id":10983,"date":"2011-10-13T15:15:08","date_gmt":"2011-10-13T13:15:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10983"},"modified":"2014-11-26T09:14:35","modified_gmt":"2014-11-26T08:14:35","slug":"occupyworld-der-protest-gegen-das-finanzsystem-nimmt-fahrt-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=10983","title":{"rendered":"Occupy:World \u2013 der Protest gegen das Finanzsystem nimmt Fahrt auf"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/15october.net\/\">Am 15. Oktober<\/a> sollen  in 719 St&auml;dten in 71 L&auml;ndern Kundgebungen gegen die Ausw&uuml;chse des Finanzkapitalismus stattfinden. Es scheint so, als   wachten die Menschen endlich auf, um der Politik zu &bdquo;demonstrieren&ldquo;, dass es nicht nur um die Bedienung der Interessen der Finanzwirtschaft und darum geht der Herde der Spekulanten an den &bdquo;M&auml;rkten nachzulaufen, sondern dass diejenigen, die letztlich f&uuml;r alles haften und bezahlen sollen, auch noch da sind. Was am 15. Mai in Madrid <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Proteste_in_Spanien_2011\">begann<\/a> und sich in den letzten Wochen in den USA wie ein Lauffeuer ausbreitete, k&ouml;nnte sich weltweit zu einem hei&szlig;en Herbst entwickeln.  Auch in Deutschland gibt es ein gewaltiges Protestpotential. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><br>\nSeit dem Beginn der Finanzkrise beteuern die Regierungen von Berlin bis Washington, das Finanzsystem st&auml;rker regulieren, das Kasino an den Finanzm&auml;rkten schlie&szlig;en und die Profiteure der z&uuml;gellosen Spekulationen auch finanziell f&uuml;r den angerichteten Schaden zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Gut gebr&uuml;llt, L&ouml;we &ndash; doch den Worten folgten keine Taten. Zu eng sind die Verflechtungen zwischen der Politik und der Finanzindustrie. Mit Sonntagsreden und Absichtserkl&auml;rungen lassen sich die  &bdquo;Monster&ldquo; (Horst K&ouml;hler) nicht b&auml;ndigen. Mit jedem Tag, an dem das Casino nicht geschlossen wird, m&uuml;ssen wir noch hilfloser zuschauen, wie die Finanz-&bdquo;M&auml;rkte&ldquo; die Politik vor sich her treiben. Das Vertrauen in die Demokratie geht so mehr und mehr verloren. <\/p><p>Wir schauen tatenlos zu, wie das Finanzsystem sich der Politik bedient und z.B. die &bdquo;Troika&ldquo; von EU, EZB und IWF ganzen L&auml;ndern eine zerst&ouml;rerische Sparpolitik  diktiert, die Generationen von Menschen ihrer Lebensgrundlage und Perspektiven beraubt. Mehr und mehr erleben wir,  dass diese Austerit&auml;tspolitik sich nicht auf Griechenland oder Portugal beschr&auml;nken wird. Schon seit Jahren treiben die Spekulanten und die Banken die Politik nach Lust und Laune vor sich her. Sie machen nicht an irgendwelchen Landesgrenzen halt. <\/p><p> Dar&uuml;ber emp&ouml;ren und wehren sich immer mehr Menschen. Es ist nicht verwunderlich, dass nun weltweit B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger   zu ihrem letzten Mittel in der Demokratie greifen und auf die Stra&szlig;e gehen, es ist eher verwunderlich, dass dies erst jetzt passiert.<\/p><p>Wenn der Druck der &Ouml;ffentlichkeit es schafft, eine schwarz-gelbe Koalition zum Atomausstieg zu treiben, sollte es prinzipiell auch m&ouml;glich sein, die etablierten Parteien zu  wirklichen Reformen der Finanzm&auml;rkte zu dr&auml;ngen. So &bdquo;einfach&ldquo;, wie dieser Vergleich es nahelegt, ist dies jedoch leider nicht.<\/p><p>In der Finanzpolitik ist &bdquo;Fukushima&ldquo; der Dauerzustand. Die Tatsache, dass Spekulanten &uuml;ber die &bdquo;M&auml;rkte&ldquo; die gesamte europ&auml;ische W&auml;hrungsunion auf den Spieltisch setzen und  ganze L&auml;nder in den Bankrott treiben k&ouml;nnen, ist nichts anderes als ein politischer Super-GAU. <\/p><p>Doch die &ouml;ffentliche Wahrnehmung ist erstaunlicherweise eine komplett  andere. Als in Japan die Atommeiler havarierten, waren in Deutschland Iod-Tabletten ausverkauft, die Medien &uuml;berschlugen sich geradezu mit Katastrophen-Berichterstattung. Mit den Gr&uuml;nen gab es eine Partei, die ma&szlig;geblich von der Kernschmelze einer falschen Energiepolitik profitierte und  so die anderen Parteien um ihre Macht f&uuml;rchten lie&szlig;.  Einigerma&szlig;en fundierte Kritik am Finanzsystem kommt in Deutschland nahezu ausschlie&szlig;lich von der Linkspartei, die jedoch von den Medien wahlweise ignoriert oder d&auml;monisiert wird. Wie schon bei der Finanzkrise vor drei Jahren erleben wir nun auch bei den Nachbeben diese Krise, Finanzkrise der Staaten ein weitgehendes Versagen der Medien. Sie &uuml;bernehmen kritiklos die Umdeutung der Finanzkrise in eine &bdquo;Staatsschulden-Krise&ldquo; durch die Politik &ndash; angeleitet von den Bankern, die mit Griechenland und anderen L&auml;ndern mit Finanzproblemen endlich einen S&uuml;ndenbock gefunden haben und schon wieder die Steuerzahler zum B&uuml;rgen f&uuml;r ihre Fehlspekulationen einsetzen wollen. Und die Politik l&auml;sst sich erneut auf dieses Spiel ein. <\/p><p>Immer mehr Menschen erkennen, dass nur sie selbst dieses Spiel verderben k&ouml;nnen, dass nur durch den Druck von unten die Teufelsspirale gestoppt werden kann. <\/p><p>Nun wird vielfach wird kritisiert, dass die &bdquo;Occupy-Bewegung&ldquo; keine konkreten Ziele nennen k&ouml;nne. Diese Kritik ist jedoch vorschnell. Hatte denn etwa die 68er-Bewegung ein fertiges Alternativ-Programm? Wusste die damalige au&szlig;erparlamentarische Opposition von damals nicht auch viel eher wogegen sie ist, als dass sie ihre Ziele h&auml;tte auf einen Nenner bringen k&ouml;nnen. Und dennoch hat diese Bewegung viel in Bewegung gebracht. Auch heute vernimmt man im Umfeld der &bdquo;Occupy-Bewegung&ldquo; zum Teil sehr unvergorene  Statements. Das ist aber gar nicht zu vermeiden, wenn sich eine politisch und weltanschaulich &auml;u&szlig;erst heterogene Bewegung ohne hierarchische Entscheidungsstrukturen  und ohne eine zentral organisierte Planung  in dieser Gr&ouml;&szlig;enordnung spontan formiert. Anstatt diese &ndash; oft als Naivit&auml;t wahrgenommene &ndash; Vielfalt zu kritisieren, sollte man diese Bewegung lieber konstruktiv begleiten. In den USA haben sich bereits die Gewerkschaften und kritische Intellektuelle wie Paul Krugman, Joseph E. Stiglitz, Michael Moore, Noam Chomsky oder Naomi Klein der &bdquo;Occupy-Bewegung&ldquo; angeschlossen und versuchen ihre alternativen Ideen einzubringen. In Deutschland sind es vor allem attac und einige Politiker der Linken, die sich bisher mit der &bdquo;Occupy-Bewegung&ldquo; solidarisiert haben. Wo bleibt eigentlich die kritische Intelligenz? Wo bleiben kritische Wissenschaftler und K&uuml;nstler?<\/p><p>Wichtig ist zun&auml;chst der kleinste gemeinsame Nenner dieser Bewegung. Und dieser Nenner ist die Forderung nach einer wirkungsvollen Regulierung der Finanzm&auml;rkte, nach der Beschneidung der Macht der Banken und schlie&szlig;lich die Anmahnung einer Politik, die nicht die Interessen einer finanzstarken Minderheit, sondern die der gro&szlig;en Mehrheit vertritt die f&uuml;r all diese kriminellen Machenschaften den Kopf hinhalten soll und deren Interessen nach sozialer Sicherheit und allgemeinem Wohlstand in den letzten Jahrzehnten mit F&uuml;&szlig;en getreten wurden. Sich auf diesem gemeinsamen Nenner zu solidarisieren, sollte nicht schwerfallen. Es kann nicht Aufgabe einer heterogenen Protestbewegung sein, bis ins Detail ausgefeilte Reformpl&auml;ne auszuarbeiten &ndash; der Protest gibt lediglich die Richtung vor, den genauen Weg  m&uuml;ssten diejenigen vorschlagen und in die Diskussion einbringen, die das n&ouml;tige kritische Wissen haben.<\/p><p>Dies ist ein Diskussionsprozess, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen sein wird.  Das hat auch die Geschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung oder j&uuml;ngst der Widerstand gegen Stuttgart 21 gezeigt. Aber dieser Entwicklungsprozess  k&ouml;nnte jedoch die Krux der &bdquo;Occupy-Bewegung&ldquo; sein. Sie k&ouml;nnte von den Entwicklungen auf den Finanz-&bdquo;M&auml;rkten&ldquo; und der Politik schlicht &uuml;berrollt und in die Resignation getrieben werden. Das Schicksal solcher &bdquo;offenen&ldquo; Bewegungen l&auml;sst sich ein St&uuml;ckweit bei den Befreiungsbewegungen in Nordafrika studieren.<br>\nDie Lage ist ernst und die Zeit dr&auml;ngt. Dies ist aber kein Argument gegen die Proteste. Im Gegenteil &ndash; dies ist eher ein Argument daf&uuml;r, die Proteste auf konkretere Ziele auszurichten und auf eine noch breitere (Massen-)Basis zu stellen. Und vor allem sie solidarisch zu unterst&uuml;tzen Die NachDenkSeiten begr&uuml;&szlig;en diese neue Protestbewegung, weil wir sie sie als einen Ansatz f&uuml;r eine demokratische Gegen&ouml;ffentlichkeit bewerten. Wir wollen den uns m&ouml;glichen Beitrag leisten, diese Bewegung zu st&auml;rken und uns in ihren Diskussionsprozess konstruktiv einbringen. <\/p><p><strong>Links zum Thema:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/occupywallst.org\/\">Occupy:WallStreet<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.occupyfrankfurt.de\/doku.php\">Occupy:Frankfurt<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.occupytogether.org\/\">Occupy togehter<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.attac.de\/aktuell\/eurokrise\/europaweiter-aktionstag\/\">Attac<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/15october.net\/\">15.10.2011 &ndash; united for #globalchange<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/wearethe99percent.tumblr.com\/\">We are the 99 Percent<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.echte-demokratie-jetzt.de\/\">echte demokratie jetzt<\/a><\/li>\n<\/ul><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/f44992bbd4e245a185925d5fda937b82\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/15october.net\/\">Am 15. 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