{"id":109894,"date":"2024-01-23T12:00:13","date_gmt":"2024-01-23T11:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109894"},"modified":"2024-01-23T13:41:08","modified_gmt":"2024-01-23T12:41:08","slug":"westliche-luftangriffe-auf-einrichtungen-der-huthis-im-jemen-alternativlose-massnahme-zur-abwehr-der-attacken-gegen-die-handelsschifffahrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109894","title":{"rendered":"Westliche Luftangriffe auf Einrichtungen der Huthis im Jemen &#8211; Alternativlose Ma\u00dfnahme zur Abwehr der Attacken gegen die Handelsschifffahrt?"},"content":{"rendered":"<p>Nach wiederholten Angriffen der Huthis auf Handelsschiffe im Golf von Aden und im Roten Meer haben US-amerikanische und britische Kampfflugzeuge im Rahmen der Operation &bdquo;Prosperity Guardian&ldquo; mehrfach Einrichtungen der Huthis im Jemen angegriffen und damit eine weitere Eskalation der Gesamtlage in der Nahmittelost-Region in Kauf genommen. Washington und London und die sie bei ihren Angriffen unterst&uuml;tzenden Staaten berufen sich bei ihren Operationen auf die UN-Resolution 2722 vom 10. Januar 2024. In diesem Zusammenhang stellen sich allerdings zwei Fragen: Ob die Angriffe auf Einrichtungen im Jemen von der Resolution gedeckt sind und ob es keine Alternativen zu dieser offensiven Reaktion auf die Gef&auml;hrdung der Handelsschifffahrt gibt. Bevor die m&ouml;glichen Alternativen aufgezeigt werden, ist es wichtig zu wissen, auf welcher Basis die aktuellen Angriffe der USA und Gro&szlig;britanniens durchgef&uuml;hrt werden. Von <strong>J&uuml;rgen H&uuml;bschen<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Operation &bdquo;Prosperity Guardian&ldquo;<\/strong><\/p><p>Bei der Operation &bdquo;Prosperity Guardian&ldquo; handelt es sich um eine multinationale Koalition, die im Dezember 2023 als Reaktion auf die Angriffe der Huthi-Rebellen auf die Schifffahrt im Roten Meer in der Meerenge Bab al-Mandab ins Leben gerufen wurde. Au&szlig;er den USA beteiligen sich, nach Angaben aus dem US-Verteidigungsministerium, u.a. Bahrain, Frankreich, Gro&szlig;britannien, Italien, Kanada, die Niederlande, Norwegen und die Seychellen an der Operation. Durch die st&auml;rkere Kooperation zwischen den Seestreitkr&auml;ften solle der Schutz von Handelsschiffen verbessert werden. Nach US-Angaben haben, mit Stand 22. Dezember 2023, insgesamt mehr als 20 L&auml;nder zugestimmt, sich an der Koalition zu beteiligen, wobei einige nicht &ouml;ffentlich genannt wurden.<\/p><p>Die Operation steht unter amerikanischem Kommando, und das Hauptquartier liegt in Bahrain, wo Gro&szlig;britannien und die USA St&uuml;tzpunkte betreiben.<\/p><p>Vertreter des Pentagons bezeichneten das B&uuml;ndnis als Antwort auf ein internationales Problem, demnach w&uuml;rde die Huthi-Miliz die Wirtschaft von Nationen der ganzen Welt gef&auml;hrden. Die Operation m&uuml;sse sich allerdings nicht nur auf Schiffe begrenzen.<\/p><p>Au&szlig;er den USA und Gro&szlig;britannien beteiligen sich die vom Pentagon genannten Staaten nicht an konkreten Angriffen gegen die Huthi-Rebellen, vor allem nicht an Eins&auml;tzen gegen Huthi-Einrichtungen im Jemen selbst. Einige Staaten, z.B. Kanada, Niederlande und Norwegen, haben lediglich Offiziere in das Hauptquartier nach Bahrain entsandt, und andere L&auml;nder, die mit eigenen Marinekr&auml;ften in der Region pr&auml;sent sind, haben eine Unterstellung unter das US-Kommando abgelehnt.<\/p><p>So erkl&auml;rte das franz&ouml;sische Verteidigungsministerium, seine Kriegsschiffe w&uuml;rden &bdquo;unter franz&ouml;sischem Kommando bleiben&ldquo;. Auch Italien, das aktuell die Fregatte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/FREMM\"><em>Virginio Fasan<\/em><\/a> in der Gegend stationiert hat, erkl&auml;rte, dass das Kriegsschiff nicht Teil von &bdquo;Prosperity Guardian&ldquo; sei. Das spanische Verteidigungsministerium machte unmissverst&auml;ndlich klar, dass es sich nur an Operationen unter NATO- oder EU-Koordinierung beteiligen werde. Au&szlig;erdem legte Spanien ein grunds&auml;tzliches Veto gegen jeglichen EU-Beitrag zur Operation &bdquo;Prosperity Guardian&ldquo; ein, sollte dieser &uuml;ber die Ressourcen der EU-gef&uuml;hrten <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Operation_Atalanta\">Operation &bdquo;Atalanta<\/a>&ldquo; bereitgestellt werden. Die Ursachen f&uuml;r die Zur&uuml;ckhaltung europ&auml;ischer Staaten liegen auch in begr&uuml;ndeten Zweifeln, ob die britischen und US-amerikanischen Luftangriffe im Jemen durch die UN-Resolution 2722 gedeckt sind.<\/p><p><strong>Die UN-Resolution 2722<\/strong><\/p><p>Der nachfolgende vollst&auml;ndige Text der Resolution soll die Basis f&uuml;r die Bildung einer eigenen Meinung sein:<\/p><blockquote><p>\nDer Sicherheitsrat,<\/p>\n<p><em>in Bekr&auml;ftigung seiner nach der Charta der Vereinten Nationen bestehenden Hauptverantwortung f&uuml;r die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit sowie seiner Verpflichtung, die Ziele und Grunds&auml;tze der Charta hochzuhalten, erneut erkl&auml;rend, dass das V&ouml;lkerrecht, wie im Seerechts&uuml;bereinkommen der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1982 niedergelegt, den f&uuml;r T&auml;tigkeiten in den Ozeanen, einschlie&szlig;lich der Bek&auml;mpfung rechtswidriger T&auml;tigkeiten auf See, anwendbaren rechtlichen Rahmen vorgibt, mit dem Ausdruck seiner Besorgnis angesichts der Bedrohung, die von widerrechtlichen Handlungen gegen die Sicherheit der Seeschifffahrt f&uuml;r Seeleute und andere Personen ausgeht, unterstreichend, wie wichtig die Aus&uuml;bung der Rechte und Freiheiten der Schifffahrt durch Schiffe aller Staaten im Roten Meer, einschlie&szlig;lich der die Meerenge Bab al-Mandab durchfahrenden Handelsschiffe, im Einklang mit dem V&ouml;lkerrecht ist, und  ferner unterstreichend, dass die Durchfahrt von Handelsschiffen durch das Rote Meer ungehindert weitergehen muss,  betonend, dass Stabilit&auml;t und Wohlstand der K&uuml;stenstaaten des Roten Meeres zum Weltfrieden und zur internationalen Sicherheit beitragen, nachdr&uuml;cklich darauf hinweisend, dass die gestiegenen Kosten der Bef&ouml;rderung unverzichtbarer G&uuml;ter die wirtschaftliche und humanit&auml;re Lage weltweit und auch die der jemenitischen Zivilbev&ouml;lkerung beeintr&auml;chtigen werden, unter Hinweis auf seine Resolutionen betreffend Jemen sowie auf die Angriffe, die in der Vergangenheit auf &Ouml;lverladestationen ver&uuml;bt wurden, die der Kontrolle der Regierung Jemens unterstehen, in Bekr&auml;ftigung seiner Achtung der Souver&auml;nit&auml;t und territorialen Unversehrtheit der K&uuml;stenstaaten des Roten Meeres und  erneut erkl&auml;rend, dass den Staaten in der Region eine f&uuml;hrende Rolle dabei zukommt, in enger Zusammenarbeit mit regionalen und subregionalen Organisationen zu Frieden und Sicherheit beizutragen<\/em><\/p>\n<p><em>S\/RES\/2722 (2024)<\/em><br>\n<em>24-004372\/2<\/em><\/p>\n<ol>\n<li><em>verurteilt auf das Entschiedenste die mindestens zwei Dutzenden Angriffe der Huthi auf Handelsschiffe seit dem 19. November 2023, als die Huthi die Galaxy Leader und ihre Besatzung angriffen und in ihre Gewalt brachten;<\/em><\/li>\n<li><em>verlangt, dass die Huthi unverz&uuml;glich alle derartigen Angriffe einstellen, die den Welthandel hemmen und die Rechte und Freiheiten der Schifffahrt wie auch den Frieden und die Sicherheit in der Region untergraben, und verlangt ferner, dass die Huthi die Galaxy Leader und ihre Besatzung sofort freigeben;<\/em><\/li>\n<li><em>bekr&auml;ftigt, dass die Aus&uuml;bung der Rechte und Freiheiten der Schifffahrt durch Handelsschiffe im Einklang mit dem V&ouml;lkerrecht zu achten ist, und nimmt davon Kenntnis, dass die Mitgliedstaaten nach dem V&ouml;lkerrecht das Recht haben, ihre Schiffe gegen Angriffe, einschlie&szlig;lich solcher, die die Rechte und Freiheiten der Schifffahrt untergraben, zu verteidigen;<\/em><\/li>\n<li><em>w&uuml;rdigt die Anstrengungen, die Mitgliedstaaten im Rahmen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation unternehmen, um die Sicherheit und die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen aller Staaten durch das Rote Meer zu verbessern;<\/em><\/li>\n<li><em>legt den Mitgliedstaaten nahe, die Kapazit&auml;tsaufbauma&szlig;nahmen der jemenitischen K&uuml;stenwache zu unterst&uuml;tzen, damit die in Ziffer 14 der Resolution 2216 (2015) verh&auml;ngten Ma&szlig;nahmen unter uneingeschr&auml;nkter Achtung der Souver&auml;nit&auml;t und territorialen Unversehrtheit Jemens wirksam umgesetzt werden k&ouml;nnen;<\/em><\/li>\n<li><em>legt den Mitgliedstaaten au&szlig;erdem nahe, ihre Kapazit&auml;ten weiter auszubauen und zu st&auml;rken und den K&uuml;sten- und Hafenstaaten am Roten Meer und an der Meerenge Bab al-Mandab Hilfe beim Aufbau ihrer Kapazit&auml;ten zu leisten, um die maritime Sicherheit zu erh&ouml;hen, unter anderem indem sie diesen Staaten nach Bedarf und auf deren Antrag &uuml;ber die zust&auml;ndigen Institutionen der Vereinten Nationen im Rahmen ihres jeweiligen Mandats technische Hilfe bereitstellen;<\/em><\/li>\n<li><em>unterstreicht die Notwendigkeit, die tieferen Ursachen, darunter die zu regionalen Spannungen und zur St&ouml;rung der maritimen Sicherheit beitragenden Konflikte, anzugehen, um eine zeitnahe, effiziente und wirksame Reaktion zu gew&auml;hrleisten, und bekr&auml;ftigt in dieser Hinsicht, dass alle Mitgliedstaaten ihren Verpflichtungen, darunter das in seiner Resolution 2216 (2015) enthaltene gezielte Waffenembargo sowie die Bezeichnung der Huthi gem&auml;&szlig; Resolution 2624 (2022) als eine dem Waffenembargo unterliegende Gruppe, nachkommen m&uuml;ssen, und erinnert daran, dass die Sachverst&auml;ndigengruppe des Rates in ihrem Bericht vom Oktober 2023 (S\/2023\/833) umfangreiche Verst&ouml;&szlig;e gegen das Waffenembargo festgestellt hat;<\/em><\/li>\n<li><em>verurteilt ferner die unter Versto&szlig; gegen seine Resolution 2216 (2015) erfolgende Bereitstellung von Waffen und sonstigem Wehrmaterial aller Art an die Huthi und fordert mehr praktische Zusammenarbeit, um die Huthi daran zu hindern, in den Besitz des f&uuml;r weitere Angriffe ben&ouml;tigten Wehrmaterials zu gelangen;<\/em><\/li>\n<li><em>fordert nachdr&uuml;cklich zu Vorsicht und Zur&uuml;ckhaltung auf, um eine weitere Eskalation der Situation im Roten Meer und in der gesamten Region zu verhindern, und legt allen Parteien nahe, zu diesem Zweck st&auml;rkere diplomatische Bem&uuml;hungen, einschlie&szlig;lich anhaltender Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den Dialog und den Friedensprozess in Jemen unter der &Auml;gide der Vereinten Nationen, zu unternehmen;<\/em><\/li>\n<li><em>ersucht den Generalsekret&auml;r, dem Sicherheitsrat als Informationsgrundlage f&uuml;r seine k&uuml;nftigen Beratungen monatlich bis zum 1. Juli 2024 schriftliche Berichte &uuml;ber etwaige weitere Angriffe der Huthi auf Handelsschiffe im Roten Meer vorzulegen;<\/em><\/li>\n<li><em>beschlie&szlig;t, mit dieser Angelegenheit aktiv befasst zu bleiben <\/em><\/li>\n<\/ol>\n<p>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.un.org\/depts\/german\/sr\/sr_24\/sr2722.pdf\">Deutscher &Uuml;bersetzungsdienst der Vereinten Nationen<\/a>)\n<\/p><\/blockquote><p>Bei der Verabschiedung dieser Resolution haben sich Algerien, China, Mozambik und Russland der Stimme enthalten. Der aktuelle Streit geht jetzt darum, ob diese Resolution auch die &bdquo;westlichen&ldquo; Luftangriffe gegen Huthi-Einrichtungen im Jemen rechtfertigt oder eben nur die direkte Abwehr der Huthi-Angriffe auf die internationale Schifffahrt. Russland h&auml;lt &ndash; im Gegensatz zu den USA und anderen westlichen Staaten &ndash; die Angriffe auf Ziele im Jemen selbst f&uuml;r nicht gedeckt von der Resolution, auch im Hinblick auf die Souver&auml;nit&auml;t und territoriale Integrit&auml;t des Jemen.<\/p><p>Dar&uuml;ber sollen V&ouml;lkerrechtler entscheiden, aber unstrittig ist aus meiner Sicht, dass nach Ziffer 9 der Resolution alle Mitgliedstaaten der UNO aufgefordert werden, eine weitere Eskalation zu vermeiden und nach diplomatischen L&ouml;sungen zu suchen.<\/p><p>Das f&uuml;hrt zu der Frage, ob es nur die M&ouml;glichkeit gibt, durch Luftangriffe auf Einrichtungen der Huthis im Jemen selbst weitere Attacken von ihnen auf die Handelsschifffahrt zu verhindern oder Alternativen dazu vorstellbar sind.<\/p><p><strong>Milit&auml;rische St&uuml;tzpunkte in Dschibuti<\/strong><\/p><p>Dschibuti liegt sozusagen dem Jemen gegen&uuml;ber, an der Gegenk&uuml;ste der Meeresstra&szlig;e Bab al-Mandab. Diese Meerenge ist nur 27 km breit und verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden, der ein Teil des Arabischen Meeres und damit des Indischen Ozeans ist.<\/p><p>Die USA betreiben in Dschibuti das &bdquo;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Camp_Lemonnier\">Camp Lemonnier<\/a>&ldquo;. Der St&uuml;tzpunkt wurde 2002 von Dschibuti an die Vereinigten Staaten verpachtet, zusammen mit dem Recht, den benachbarten Flughafen und die Hafenanlagen zu nutzen. Der St&uuml;tzpunkt ist das Herzst&uuml;ck eines Netzwerks von rund sechs US-Drohnen- und &Uuml;berwachungsbasen, die sich &uuml;ber den gesamten Kontinent erstrecken. Diese Basen sind kleiner und operieren von abgelegenen Hangars aus, die sich in lokalen Milit&auml;rbasen oder zivilen Flugh&auml;fen befinden. Genauere Informationen dazu liegen nicht vor. Aufgrund seiner strategischen Lage dient &bdquo;Camp Lemonnier&ldquo; auch als Drehscheibe f&uuml;r Luftoperationen in der Region des Persischen Golfs.<\/p><p>China unterh&auml;lt eine Marinebasis, Frankreich den Luftwaffenst&uuml;tzpunkt &bdquo;Colonel Massart&ldquo;, Italien die &bdquo;Base Militare Italiana di Supporto&ldquo;, Japan die Marinebasis &bdquo;Self-Defence Force Base Djiibouti&ldquo; &ndash; der einzige japanische St&uuml;tzpunkt im Ausland &ndash; und Saudi-Arabien baut aktuell in Dschibuti eine Milit&auml;rbasis auf. Diese St&uuml;tzpunkte k&ouml;nnten in vielerlei Hinsicht zur Abwehr von Huthi-Angriffen auf die Handelsschifffahrt eingesetzt werden.<\/p><p><strong>EU-Mission &bdquo;Atalanta&ldquo;<\/strong><\/p><p>Im Februar 2008 hatte die somalische &Uuml;bergangsregierung den VN-Sicherheitsrat angerufen und um Unterst&uuml;tzung bei der Bek&auml;mpfung der Piraterie gebeten. Der Sicherheitsrat beschloss am 2. Juni 2008 in der Resolution 1816, auch fremde Staaten zum Vorgehen gegen die Piraterie in den somalischen Hoheitsgew&auml;ssern zu erm&auml;chtigen. Der Rat der Europ&auml;ischen Union richtete auf Basis dieser Resolution und des Seerechts&uuml;bereinkommens der VN von 1982 am 10. November 2008 die &bdquo;Operation Atalanta&ldquo; ein, deren Mandat seitdem stets erneuert und angepasst wurde. Der Auftrag der &bdquo;European Union Naval Forces Somalia&ldquo; (EU NAVFOR Somalia) &ndash; so die vollst&auml;ndige Bezeichnung der Mission &ndash; umfasst den Schutz der Schiffe des VN-World Food Programmes, die Abschreckung, Verh&uuml;tung und Beendigung von Piraterie vor der K&uuml;ste Somalias, am Horn von Afrika und im Golf von Aden, die Durchsetzung des gegen Somalia verh&auml;ngten Waffenembargos sowie das &Uuml;berwachen des illegalen Handels mit Suchtstoffen und Fischereit&auml;tigkeiten. &bdquo;EU NAVFOR Somalia&ldquo; ist die erste Marineoperation der EU und bezeichnet gleichzeitig einen gemischten multinationalen Marineverband, also eine Flottille. Das Mandat wurde &ndash; bislang letztmalig &ndash; 2022 bis zum Ende 2024 verl&auml;ngert. An der Mission beteiligen sich nach vorliegenden Informationen 19 EU-Staaten und zus&auml;tzlich auch Gro&szlig;britannien, Norwegen, Serbien und Neuseeland.<\/p><p>Deutschland hat seine Beteiligung an der &bdquo;Operation Atalanta&ldquo; zum 31.12.2022 beendet.<\/p><p><strong>&bdquo;Operation Sentinel&ldquo;<\/strong><\/p><p>Im August 2019 begann in der Stra&szlig;e von Hormuz die amerikanische Milit&auml;rmission &bdquo;Operation Sentinel&ldquo;. Der damalige US-Verteidigungsminister Mark Esper erkl&auml;rte, neben dem US-Milit&auml;r seien auch Kr&auml;fte aus Gro&szlig;britannien, Australien und Bahrain beteiligt. Genaue Angaben dar&uuml;ber, wie viele Schiffe und Soldaten im Einsatz sind, machte er nicht.<\/p><p>Ziel der Operation sei es, die freie Schifffahrt in der f&uuml;r den globalen Handel bedeutenden Meerenge zu garantieren. Zudem sollten Provokationen verhindert und dadurch ein Konflikt in der Region vermieden werden. Die Sicherheitslage in der Stra&szlig;e von Hormuz im Persischen Golf hatte sich zuvor wegen des <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2019-08\/mohammed-dschawad-sarif-aussenminister-iran-g7-gipfel-biarritz\">Konflikts zwischen den USA und dem Iran<\/a> deutlich verschlechtert. Immer wieder war es dort zu gef&auml;hrlichen Situationen gekommen. Die USA machten den Iran f&uuml;r diverse Attacken auf Handelsschiffe in dem Seegebiet verantwortlich, was die F&uuml;hrung in Teheran bestritt. Esper betonte trotzdem, dass die USA keinen Konflikt wollten.<\/p><p>Die Bundesregierung hatte eine Anfrage Washingtons zur Teilnahme an der US-Mission zur&uuml;ckgewiesen. Konkret sagte der damalige deutsche Au&szlig;enminister Heiko Maas w&ouml;rtlich:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;An der von den USA vorgestellten und geplanten Seemission wird sich die Bundesregierung nicht beteiligen. Wir befinden uns da in enger Abstimmung mit unseren franz&ouml;sischen Partnern.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Er begr&uuml;ndete die deutsche Absage damit, dass Deutschland die US-Strategie des &bdquo;maximalen Drucks&ldquo; auf den Iran f&uuml;r falsch halte. Deutschland wolle keine milit&auml;rische Eskalation und setze weiterhin auf Diplomatie. Die Frage, ob er eine parallele europ&auml;ische Mission bef&uuml;rworte, beantwortete Maas nicht<em>. <\/em>Der US-Mission wollen sich viele EU-Staaten ebenfalls nicht anschlie&szlig;en, weil sie f&uuml;rchten, dass diese f&uuml;r weitere Spannungen mit dem Iran sorgen k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>European Maritime Awareness in the Strait of Hormuz (EMASoH)<\/strong><\/p><p>Knapp ein halbes Jahr nach Beginn der US-Mission &bdquo;Operation Sentinel&ldquo; begann am 25. Februar 2020 die &bdquo;European Maritime Awareness in the Strait of Hormuz&ldquo;. EMASoH ist eine europ&auml;isch gef&uuml;hrte Meeres&uuml;berwachungsmission, die zu Beginn von acht europ&auml;ischen Nationen politisch unterst&uuml;tzt wurde. Auf der Basis einer franz&ouml;sischen Initiative unterst&uuml;tzt diese unabh&auml;ngig agierende und nicht mit der Europ&auml;ischen Union verbundene &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; einen deeskalierenden Ansatz im Umgang mit regionalen Sicherheitsfragen. Die Regierungen von Belgien, D&auml;nemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, der Niederlande und Portugals unterst&uuml;tzen politisch die Einrichtung von EMASoH. Seit September 2021 ist Norwegen als neunte europ&auml;ische Nation EMASoH beigetreten.<\/p><p>Gleichzeitig wurde im Rahmen von EMASoH die Milit&auml;roperation &bdquo;Ag&eacute;nor&ldquo; gestartet.<\/p><p><u>Operation Ag&eacute;nor<\/u><\/p><p>Die Mission &bdquo;Ag&eacute;nor&ldquo; ist die milit&auml;rische Komponente der europ&auml;ischen &Uuml;berwachungsinitiative in der Stra&szlig;e von Hormuz &bdquo;EMASoH&ldquo;. Den Namen &bdquo;Ag&eacute;nor&ldquo; hatte die EU gew&auml;hlt, weil &bdquo;Ag&eacute;nor&ldquo; als Sohn des Poseidon und der Libya der Vater der &bdquo;Europa&ldquo; ist. Die von Frankreich etablierte, europ&auml;isch gef&uuml;hrte maritime &Uuml;berwachungs- und Sicherheitsmission in der Stra&szlig;e von Hormuz zielt darauf ab, die Freiheit der Schifffahrt zu gew&auml;hrleisten. Ausdr&uuml;cklich unterstrichen wird der deeskalierende Charakter von EMASoH. Die Operation steht f&uuml;r andere Nationen, die im gleichen Sinne zur Stabilit&auml;t in der Region beitragen wollen, offen.<\/p><p>Die damalige franz&ouml;sische Verteidigungsministerin Florence Parly erkl&auml;rte auf dem Gel&auml;nde der franz&ouml;sischen Marinebasis in Abu Dhabi zum offiziellen Auftakt der Operation:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Dies ist ein entscheidender Schritt im Engagement der europ&auml;ischen Partner f&uuml;r die Sicherheit des Seeverkehrs und die Freiheit der Schifffahrt in der Region&ldquo;.<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das franz&ouml;sische Hauptquartier Abu Dhabi &uuml;bernahm die operationelle Kontrolle und die taktische F&uuml;hrung von &bdquo;Ag&eacute;nor&ldquo;. Neben Frankreich und den Niederlanden beteiligen sich bisher Belgien und D&auml;nemark an der Operation (Belgien und D&auml;nemark mit Personalabstellungen). Deutschland, Griechenland, Italien und Portugal unterst&uuml;tzen EMASoH politisch.<\/p><p><strong>Bewertung und Aufzeigen von m&ouml;glichen Alternativen <\/strong><\/p><p>Die aktuelle milit&auml;rische Auseinandersetzung mit den Huthis ist eine Regionalisierung des Nahostkrieges. Die Huthis begr&uuml;nden ihre Angriffe auf Israel und auch gegen die Handelsschifffahrt mit ihrer Unterst&uuml;tzung der Pal&auml;stinenser. Hinter den schiitischen Huthis steht der Iran, so dass durch die aktuellen Angriffe der USA und Gro&szlig;britanniens die Gefahr besteht, dass es zu einer direkten Konfrontation zwischen dem Iran und den USA kommen k&ouml;nnte. Au&szlig;erdem gef&auml;hrden die Luftangriffe gegen Einrichtungen der Huthis auf jemenitischem Territorium den momentan noch bestehenden, aber sehr fragilen Waffenstillstand zwischen den Huthis und Saudi-Arabien. Der De-facto-Herrscher des K&ouml;nigshauses, Mohammed bin Salman, hatte die Huthis 2015 im Rahmen der Operation &bdquo;Sturm der Entschlossenheit&ldquo; angegriffen und wurde dabei von den USA mit Waffen und vor allen Dingen auch durch Aufkl&auml;rungsergebnisse unterst&uuml;tzt. Der Waffengang war letztendlich f&uuml;r Saudi-Arabien erfolglos und deswegen ist Riad besonders darauf bedacht, dass die K&auml;mpfe nicht wieder aufbrechen, zumal das K&ouml;nigreich eine 1.600 km lange Grenze zum Jemen hat.<\/p><p>So wie Israel die Hamas milit&auml;risch nicht besiegen kann, werden auch die Luftangriffe der USA und Gro&szlig;britanniens nicht dazu f&uuml;hren, dass die Huthis die Handelsschifffahrt nicht mehr attackieren. Zus&auml;tzlich muss bef&uuml;rchtet werden, dass besonders die saudischen &Ouml;lf&ouml;rderanlagen &ndash; so wie in der Vergangenheit wiederholt geschehen &ndash; mit Raketen der Huthis angegriffen werden. In Kenntnis dieser Lage sollte darauf verzichtet werden, die Huthis direkt auf jemenitischem Territorium zu bek&auml;mpfen. Das hei&szlig;t nicht, dass man die Attacken der Huthis in Zukunft hinnehmen und dabei zusehen sollte, wie sich die Frachtraten der Handelsschiffe st&auml;ndig weiter erh&ouml;hen und Handelsketten unterbrochen werden, weil die zivile Schifffahrt die Risiken eines Transports durch das Rote Meer vermeidet und stattdessen die kostspielige und deutlich l&auml;ngere Route um S&uuml;dafrika nimmt.<\/p><p>Europa muss sich vielmehr von der US-gef&uuml;hrten Operation &bdquo;Prosperity Guardian&ldquo; distanzieren und nach realistischen Alternativen suchen, die aus meiner Sicht durchaus vorhanden sind.<\/p><p><strong>M&ouml;gliche Alternativen <\/strong><\/p><p><strong>Alternative 1: Schutz der Handelsschifffahrt aus St&uuml;tzpunkten in Dschibuti heraus<\/strong><\/p><p>Theoretisch denkbar w&auml;re z.B. ein Schutz der Handelsschifffahrt durch Abwehrma&szlig;nahmen der Huthi-Angriffe aus den internationalen St&uuml;tzpunkten in Dschibuti heraus. Das k&ouml;nnten land- oder seegest&uuml;tzte Operationen sein oder eine Kombination. Daran k&ouml;nnten sich auch die USA beteiligen, allerdings nicht unter ihrem Kommando.<\/p><p><u>Vorteil<\/u><\/p><p>Es w&auml;ren neben europ&auml;ischen Kr&auml;ften auch China und Japan beteiligt und als arabisches Land k&ouml;nnte sich auch Saudi-Arabien einbringen. Mit den USA w&auml;re neben China ein zweite Veto-Macht involviert. Durch die in unmittelbarer N&auml;he des Einsatzgebietes gelegenen St&uuml;tzpunkte w&auml;re die Logistik relativ einfach. Man m&uuml;sste sich &uuml;ber eine F&uuml;hrungsnation verst&auml;ndigen, und die w&uuml;rden vermutlich die USA beanspruchen, auch, weil sie den gr&ouml;&szlig;ten St&uuml;tzpunkt betreiben.<\/p><p><u>Nachteil<\/u><\/p><p>Es w&auml;ren zu wenige Staaten beteiligt. Au&szlig;erdem w&uuml;rde Washington es vermutlich nicht akzeptieren, eigene Truppen unter ein fremdes Kommando zu stellen, da man bislang immer darauf bestanden hatte, eigene Soldaten ausschlie&szlig;lich unter amerikanischem Oberbefehl einzusetzen. Vermutlich w&auml;re es aus amerikanischer Sicht auch zu schwierig, solche Eins&auml;tze mit ihrer Operation &bdquo;Prosperity Guardian&ldquo; in Einklang zu bringen. Saudi-Arabien h&auml;tte sicherlich Bedenken, sich direkt in einer Operation gegen die Huthis zu beteiligen, weil der Krieg im Jemen ja noch nicht beendet und der Waffenstillstand ziemlich fragil ist.<\/p><p><strong>Alternative 2: Erweiterung des Mandats der EU-Mission Atalanta<\/strong><\/p><p>Die zweite M&ouml;glichkeit w&auml;re eine Ausweitung des Auftrags\/Mandats der &bdquo;Atalanta&ldquo;-Mission um einen Schutz der Handelsschifffahrt vor den Angriffen der Huthis. Ein solcher Schutz k&ouml;nnte &ndash; wie auch schon beim Kampf gegen die Piraten &ndash; durch eine Art &bdquo;Geleitz&uuml;ge&ldquo; organisiert werden. Handelsschiffe w&uuml;rden sich au&szlig;erhalb der bislang &uuml;blichen Reichweite der Huthi-Operationen sammeln und dann eskortiert von Kriegsschiffen durch das Rote Meer und den Suez-Kanal zum Mittelmeer fahren.<\/p><p><u>Vorteil<\/u><\/p><p>&bdquo;Atalanta&ldquo; ist zweifelsfrei durch das Mandat der UN-Resolution 2722 gedeckt. Es besteht bereits eine funktionierende europ&auml;ische Organisation, die v&ouml;llig unabh&auml;ngig von den USA arbeitet.<\/p><p><u>Nachteil<\/u><\/p><p>Der aktuelle Auftrag von &bdquo;Atalanta&ldquo; m&uuml;sste um den Schutz der Handelsschiffe vor Angriffen der Huthis erweitert werden. Dar&uuml;ber m&uuml;sste in der EU Einigkeit erzielt werden, zumindest zwischen den aktuell beteiligten 19 Mitgliedsstaaten.<\/p><p><strong>Alternative 3: Eine Kombination aus &bdquo;Atalanta&ldquo; mit erweitertem Mandat und Eins&auml;tzen aus St&uuml;tzpunkten in Dschibuti<\/strong><\/p><p>Eine dritte und aus meiner Sicht besonders erfolgversprechende Option w&auml;re eine Kombination aus Kr&auml;ften von St&uuml;tzpunkten in Dschibuti und einer um das Mandat &bdquo;Schutz vor Huthi-Angriffen&ldquo; erweiterten &bdquo;Operation Atalanta&ldquo;.<\/p><p><u>Vorteil<\/u><\/p><p>Diese Vorgehensweise w&auml;re durch die UN-Resolution 2722 zweifelsfrei gedeckt, w&uuml;rde den Waffenstillstand zwischen den Huthis und Saudi-Arabien weniger gef&auml;hrden und vor allem auch die Gefahr einer Eskalation deutlich verringern. Durch die Anzahl der an &bdquo;Atalanta&ldquo; beteiligten Staaten w&uuml;rde den Huthis ein deutliches Signal geschickt, die Angriffe auf die internationale Handelsschifffahrt einzustellen. Die finanziellen, materiellen und personellen Lasten w&uuml;rden auf viele Schultern verteilt. Europa w&uuml;rde sich deutlich von der amerikanischen und britischen Vorgehensweise distanzieren. Mit Frankreich und Italien verf&uuml;gen zwei Teilnehmerstaaten von &bdquo;Atalanta&ldquo; &uuml;ber St&uuml;tzpunkte in Dschibuti. Auf eine Beteiligung der USA und Saudi-Arabiens k&ouml;nnte man verzichten, aber mit China und Japan w&uuml;rden das internationale Engagement im Kampf gegen die Huthi-Angriffe wirkungsvoll unterstrichen.<\/p><p><u>Nachteil<\/u><\/p><p>Zus&auml;tzlicher Zeitbedarf bei der Realisierung, weil mit China und Japan verhandelt werden m&uuml;sste, unter welchen Bedingungen Peking und Tokio bereit w&auml;ren, sich einer EU-Mission anzuschlie&szlig;en<\/p><p><strong>Alternative 4: Integration der European Maritime Awareness in the Strait of Hormuz (EMASoH) und der Milit&auml;roperation &bdquo;Ag&eacute;nor&ldquo; in eine Mission &bdquo;Atalanta&ldquo; mit einem erweiterten EU-Mandat<\/strong><\/p><p>Die vierte M&ouml;glichkeit w&auml;re eine Ausweitung European Maritime Awareness in the Strait of Hormuz (EMASoH) und der Milit&auml;roperation &bdquo;Ag&eacute;nor&ldquo;. Da f&uuml;r &bdquo;Ag&eacute;nor&ldquo; kein EU-Mandat besteht, denken die Br&uuml;sseler Diplomaten dar&uuml;ber nach, ob man diese Milit&auml;roperation in die Mission &bdquo;Atalanta&ldquo; integrieren k&ouml;nnte und dadurch praktisch ein Mandat f&uuml;r einen gesamteurop&auml;ischen Einsatz geschaffen werden k&ouml;nnte. &Uuml;ber diese Option wird in Br&uuml;ssel aktuell nachgedacht und am 19. Februar 2024 soll konkret dar&uuml;ber entschieden werden.<\/p><p><u>Vorteil<\/u><\/p><p>Auf diese Weise k&ouml;nnten die Streitkr&auml;fte der EU die Handelsschifffahrt auf einer Route von Hormuz, an der K&uuml;ste von Oman und S&uuml;djemens entlang durch das Arabische Meer, den Golf von Aden und die Meerenge von Bab al-Mandab bis ins Rote Meer eskortieren und vor den Huthi-Angriffen sch&uuml;tzen. Es w&auml;re eine klare Abgrenzung von den US-Operationen, die sich in der Hauptsache an nationalen Interessen orientieren und im Grunde gegen den Iran gerichtet sind.<\/p><p><u>Nachteil<\/u><\/p><p>Die Handelsschiffe m&uuml;ssten &uuml;ber eine sehr lange Strecke eskortiert werden. Daf&uuml;r w&auml;re ein umfangreicher Schutz durch europ&auml;ische Seestreitkr&auml;fte erforderlich, und auch f&uuml;r die notwendige &Uuml;berwachung aus der Luft w&auml;ren umfangreiche Ressourcen unabdingbar. Ob eine solche EU-Operation durch die aktuelle UN-Resolution gedeckt ist, muss bezweifelt werden, weil diese ja in der Hauptsache den Schutz vor Huthi-Angriffen zum Inhalt hat. Die Huthis bedrohen aber die Schifffahrt im Raum der Stra&szlig;e von Hormuz nicht und auch nicht entlang der K&uuml;ste von Oman. Auch im S&uuml;d-Jemen sind die Huthis nicht pr&auml;sent, so dass auch von dort keine konkrete Bedrohung f&uuml;r die Handelsschifffahrt ausgeht. Da es bei der Operation &bdquo;Ag&eacute;nor&ldquo; de facto haupts&auml;chlich um den Schutz von Handelsschiffen vor Angriffen durch den Iran geht, w&uuml;rde bei einer Integration dieser Mission in die Operation &bdquo;Atalanta&ldquo; der Eindruck erweckt, dass letztlich Teheran f&uuml;r die Gesamtbedrohung in der Region verantwortlich sei. Last, but not least darf man nicht vergessen, dass Frankreich im Falle einer solchen Integration f&uuml;hrungsm&auml;&szlig;ig ins zweite Glied zur&uuml;cktreten m&uuml;sste; es sei denn, man w&uuml;rde Paris die F&uuml;hrung der Gesamtoperation &uuml;bertragen.<\/p><p><strong>Fazit<\/strong><\/p><p>In Kenntnis der aktuellen Entwicklung muss man wohl davon ausgehen, dass die Huthis, wie auch die Hamas, erst dann einlenken, wenn es aus ihrer Sicht akzeptable Verhandlungsangebote f&uuml;r einen Waffenstillstand im Nahostkrieg gibt. Da daf&uuml;r aktuell keine Anzeichen zu erkennen sind, ist es dringend geboten, eine Alternative zu den amerikanischen und britischen Luftangriffen zu versuchen, bevor die milit&auml;rische Situation &bdquo;aus dem Ruder l&auml;uft&ldquo; und die Folgen der unterbrochenen Handelsketten f&uuml;r Europa eine Dimension erreichen wie im M&auml;rz 2021 durch den vom Containerschiff &bdquo;Ever Given&ldquo; blockierten Suez-Kanal.<\/p><p>Wenn man die Vor- und Nachteile der dargestellten Alternativen gegeneinander abw&auml;gt, scheint mir eine Kombination aus &bdquo;Atalanta&ldquo; mit erweitertem Mandat und Eins&auml;tzen aus St&uuml;tzpunkten in Dschibuti die meisten Vorteile zu bieten. Als zweitbeste L&ouml;sung k&auml;me aus meiner Sicht eine Integration der &bdquo;European Maritime Awareness in the Strait of Hormuz&ldquo; (EMASoH) und der Milit&auml;roperation &bdquo;Ag&eacute;nor&ldquo; in eine Mission &bdquo;Atalanta&ldquo; mit einem erweiterten EU-Mandat infrage, wobei man in diesem Fall die nicht zu &uuml;bersehenden Nachteile im Auge behalten m&uuml;sste.<\/p><p>Unabh&auml;ngig davon, wof&uuml;r sich die Europ&auml;er entscheiden: Wichtig ist eine klare Abgrenzung von den US-Operationen &bdquo;Prosperity Guardian&ldquo; und &bdquo;Sentinel&ldquo;, die in keiner Weise zur Deeskalation beitragen, auch weil sie sich letztlich gegen den Iran richten und damit zu einer entscheidenden Regionalisierung des Nahostkrieges f&uuml;hren k&ouml;nnen.<\/p><p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"Youtube\" data-provider-slug=\"youtube\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von Youtube zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\" title=\"YouTube video player\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" allowfullscreen class=\"external-2click-target \" data-src=\"https:\/\/www.youtube-nocookie.com\/embed\/VmyrZPyp3Kc?si=G5tuHRCLirPsSig0\"><\/iframe><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"youtube\">Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ GAlexS<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109555\">Luftschl&auml;ge im Jemen &ndash; wo bleibt da eigentlich unsere neu entdeckte Liebe f&uuml;r das V&ouml;lkerrecht?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109646\">Bundesregierung sieht US-Angriffe gegen Jemen vom V&ouml;lkerrecht gedeckt &ndash; kann dies aber nicht begr&uuml;nden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=62134\">Das T&ouml;ten im Jemen geht weiter &ndash; und Deutschland liefert Waffen<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/2ab1236d18f147df8d1665f8d4bf96b4\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach wiederholten Angriffen der Huthis auf Handelsschiffe im Golf von Aden und im Roten Meer haben US-amerikanische und britische Kampfflugzeuge im Rahmen der Operation &bdquo;Prosperity Guardian&ldquo; mehrfach Einrichtungen der Huthis im Jemen angegriffen und damit eine weitere Eskalation der Gesamtlage in der Nahmittelost-Region in Kauf genommen. 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