{"id":110025,"date":"2024-01-25T14:00:56","date_gmt":"2024-01-25T13:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110025"},"modified":"2024-01-26T14:17:37","modified_gmt":"2024-01-26T13:17:37","slug":"als-liberaler-bei-buendnis-sahra-wagenknecht-ex-dunkelrot-plus-ex-gelb-vereint-fuer-die-demokratie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110025","title":{"rendered":"Als Liberaler bei B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht: Ex-Dunkelrot plus Ex-Gelb vereint f\u00fcr die Demokratie"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin Rechtsanwalt\/Bankkaufmann und unter anderem engagiert im Beirat des Verbandes der Migrantenwirtschaft, war Abgeordneter der FDP in der legend&auml;ren <a href=\"https:\/\/www.imago-images.de\/st\/0052027944\">NRW-Landtagsfraktion des Jahres 2000 mit J&uuml;rgen M&ouml;llemann und Christian Lindner<\/a> und bis 2009 Mitglied der Partei. Jetzt bin ich als Liberaler dem B&uuml;ndnis Sahra Wagenknecht (BSW) beigetreten und dort aktiv. &Uuml;ber die Beweggr&uuml;nde des Eintritts, die Reaktionen darauf kurz vor dem ersten Bundesparteitag exklusiv gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten. Von Dr. <strong>Stefan Gr&uuml;ll<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1220\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-110025-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240125_Als_Liberaler_bei_Buendnis_Sahra_Wagenknecht_Ex_Dunkelrot_plus_Ex_Gelb_vereint_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240125_Als_Liberaler_bei_Buendnis_Sahra_Wagenknecht_Ex_Dunkelrot_plus_Ex_Gelb_vereint_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240125_Als_Liberaler_bei_Buendnis_Sahra_Wagenknecht_Ex_Dunkelrot_plus_Ex_Gelb_vereint_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240125_Als_Liberaler_bei_Buendnis_Sahra_Wagenknecht_Ex_Dunkelrot_plus_Ex_Gelb_vereint_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=110025-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240125_Als_Liberaler_bei_Buendnis_Sahra_Wagenknecht_Ex_Dunkelrot_plus_Ex_Gelb_vereint_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240125_Als_Liberaler_bei_Buendnis_Sahra_Wagenknecht_Ex_Dunkelrot_plus_Ex_Gelb_vereint_fuer_die_Demokratie_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Geduldet als Exot mit Fremdk&ouml;rpercharme oder als sozial-liberal sozialisierter Mitstreiter willkommen? Politisch einst un&uuml;berbr&uuml;ckbar Getrennte nun in einer Partei vereint; kann das funktionieren? Fragen, die mir so oder &auml;hnlich in diesen Tagen vielfach gestellt werden, wenn ich mit denen &uuml;ber meinen Schritt in die neue Wagenknecht-Partei spreche, die meine politische Vergangenheit kennen. Auffallend ist dabei stets der erkennbar auf eine positive Antwort hoffende Unterton. Das Interesse an BSW ist gro&szlig;. Die mit BSW verkn&uuml;pften Erwartungen sind wohl noch gr&ouml;&szlig;er, gerade aus der von allen umworbenen und vielfach entt&auml;uschten Mitte der Gesellschaft, die auch mein privates und berufliches Umfeld spiegelt. Die, die wissen, warum der Austritt vor unterdessen rund f&uuml;nfzehn Jahren f&uuml;r mich als einem &uuml;berzeugten Liberalen zwingend war, fragen mich dies dagegen nicht; heute nochmals weniger: In den Corona-Jahren als ehemalige B&uuml;rgerrechtspartei ein Totalausfall, regiert die FDP mit SPD und Gr&uuml;nen nach dem Prinzip der kleinsten Nenner, auf die man sich so gerade noch verst&auml;ndigen kann. Neuwahlen, das ist sicher, kosten den Dienstwagen. Den Preis zahlt Deutschland. <\/p><p>Mein Schritt in die aktive Politik war damals und ist unver&auml;ndert getragen von dem Wunsch, mitzuarbeiten an der Entwicklung einer Gesellschaft, in der individuelle Freiheit kein Synonym f&uuml;r maximale Egoismen ist und erarbeiteter Erfolg als Ansporn motiviert, nicht aber in materiellen Status umgesetzt zur Aus- und Abgrenzung missbraucht wird. Es war die Begeisterung f&uuml;r ein Menschenbild, das Unterschiedlichkeit gleich welcher Art und welches Hintergrundes als Turbo eines Miteinanders gleicher Chancen begreift und allen den gesellschaftlich barrierefreien Zugang zu fairer Partizipation an den M&ouml;glichkeiten und dem Wohlstand garantiert, die eine Marktwirtschaft generiert, die sozial nicht nur im Namen f&uuml;hrt, sondern als Verpflichtung begreift. Die Verantwortung f&uuml;r Frieden im Inneren und das Eintreten f&uuml;r Frieden in der Welt, waren\/sind f&uuml;r mich zwei Seiten einer Medaille. Brandt\/Bahr, Scheel\/Genscher haben mit der Entspannungspolitik Ma&szlig;st&auml;be gesetzt und Diplomatie zum Markenzeichen eines weltweit geachteten Nachkriegsdeutschlands gemacht. Unter ihren <em>zeitengewendeten<\/em> Nachfolgern haben Waffen unheimliche Konjunktur. <\/p><p>Die St&auml;rke der liberalen Idee ist wesentlich begr&uuml;ndet, sich nicht von Ideologie einengen zu lassen, sich nicht von Dogmen abhalten zu lassen, auf neue Herausforderungen neue Antworten zu finden und sich nicht im Rechts- oder Links-Schema zu verirren, sondern das Beste zu kombinieren, was der politische Diskurs zu bieten hat. Dass dies die Freiheit der Debatte voraussetzt, versteht sich, wie auch die Notwendigkeit, Probleme zu benennen, ohne mit Populismen auf Stimmenfang zu gehen. Gemessen daran fiel der Abgleich meiner Grund&uuml;berzeugungen mit dem Angebot der demokratischen Parteien in der Vergangenheit regelm&auml;&szlig;ig negativ aus und so blieb ich viele Jahre heimatloser Liberaler. Aufgrund der singul&auml;r kritischen Positionierung w&auml;hrend der Corona-Hysterie schienen die Freien W&auml;hler tempor&auml;r eine Option zu sein. Frei im Namen aber reicht nicht, wenn schrille T&ouml;ne aus Bayern regelm&auml;&szlig;ig eine andere Sprache sprechen. <\/p><p>Die sukzessive Justierung der politischen Koordinaten im Weltbild von Sahra Wagenknecht habe ich &uuml;ber einen langen Zeitraum verfolgt; erst ungl&auml;ubig staunend, sp&auml;ter als m&ouml;glicherweise lediglich begnadete Eigen-PR skeptisch betrachtend, schlie&szlig;lich &ndash; seit dem Friedensmanifest mit Alice Schwarzer Anfang 2023 &ndash; mit von Sympathie getragener Neugierde darauf hoffend, dass sie tats&auml;chlich den harten Weg der Gr&uuml;ndung einer Partei geht. In einem bei <em>CICERO<\/em> im Fr&uuml;hsommer 2023 erschienenen Artikel habe ich es <a href=\"https:\/\/www.cicero.de\/innenpolitik\/sahra-wagenknecht-und-hubert-aiwanger-afd-demokratie-wahlen-partei\">so formuliert<\/a>:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wagenknecht hat das politische Gesp&uuml;r und die rhetorische Strahlkraft, Massen zu begeistern. Sie hat die intellektuellen Kapazit&auml;ten und die charakterliche Chuzpe, den politischen Kampf gegen die AfD erfolgreich zu f&uuml;hren, um W&auml;hlerinnen und W&auml;hler zur&uuml;ckzuholen, die derzeit den Extremen ihre Stimme leihen, ohne deren programmatische Ansichten zu teilen. Sie hat die Begeisterungsf&auml;higkeit, das Kreativpotenzial der in die Nichtwahl Gefl&uuml;chteten wieder f&uuml;r die Demokratie zu aktivieren und damit zur&uuml;ckzuholen auch in die Reichweite der Etablierten.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Seit dem 8. Januar 2024 gibt es diese Partei, in die ich nach etlichen Gespr&auml;chen aufgenommen worden bin. Dass man sich die neuen Mitglieder sehr genau anschaut, ist gebotener Selbstschutz. Der Gr&uuml;nder der AfD, Bernd Lucke, ist von den unkontrollierten Zug&auml;ngen weggesp&uuml;lter Zeitzeuge f&uuml;r die Kaperung einer jungen Partei durch Fanatiker und Extremisten.<\/p><p>Eine liberale Gesellschaft m&uuml;sse nicht zwingend voller Liberaler sein, zitierte mich der heutige Chefredakteur der <em>NEUEN WESTF&Auml;LISCHEN (NW)<\/em> &ndash; damals Landeskorrespondent der <em>RP<\/em> &ndash; in einem Artikel wenige Monate vor meinem Ausscheiden aus dem Mandat. Ich w&uuml;rde es heute genauso formulieren und auf eine Partei &uuml;bertragen gilt nichts anderes. Nicht in jeder Einzelfrage muss man bis auf das letzte Komma &uuml;bereinstimmen. Auf die verbindenden Werte und grunds&auml;tzlichen &Uuml;berzeugungen kommt es an: Vernunft und Gerechtigkeit, Chancengleichheit und sozialer Ausgleich, individuelle Entfaltung in freiheitlicher Gesellschaft und ein Rechtsstaat, der dies garantiert, weil unverzichtbare Regeln durchgesetzt werden. Ex-Gelb zusammen mit Ex-Dunkelrot; in den Balkendiagrammen der Sonntagsfrage neuerdings als Violett ausgewiesen. Ein Politikangebot zu formulieren, das auch die Menschen wieder erreichen wird, die zuletzt gar nicht mehr oder aus Verzweiflung extrem gew&auml;hlt haben. <\/p><p>Das ist eine der Herausforderungen, auf die kein parteipolitischer Wettbewerber bisher eine Antwort gefunden hat. Entscheidend f&uuml;r den Erfolg wird sein, dass BSW mit Inhalten, aber eben auch mit einem Politikstil &uuml;berzeugt, der zum USP der neuen Partei werden kann. Dazu bedarf es auch der Statur, nicht die Fehler der Etablierten zu machen, die mit W&auml;hlerbeschimpfung, unausgegorenen Verbotsfantasien oder &ndash; dies die neueste Idee perspektivischen Scheiterns &ndash; &uuml;ber die Parteienfinanzierung glauben, die bek&auml;mpfen zu k&ouml;nnen, die sie damit gro&szlig; machen. W&auml;hlergruppen nicht pauschal zu beschimpfen, ihnen vielmehr mit glaubhafter Offenheit das Gespr&auml;ch anzubieten, ist schlichtes Gebot einer politischen Klugheit, die die bisherigen Parteien gr&ouml;blichst haben vermissen lassen. B&uuml;ndnis Sahra Wagenknecht hat und ist historische Chance in bewegter Zeit, neue Ma&szlig;st&auml;be innerparteilich und vor allem auch im &ouml;ffentlichen Diskurs zu setzen, Pluralismus zu leben und die Resilienz der Demokratie zu steigern. Daran mitzuwirken, ist f&uuml;r Liberale Verpflichtung. <\/p><p><small>Titelbild: Xiomara Bender<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109267\">Wagenknecht: Aufarbeitung der Corona-Politik ist ein ganz wichtiges Thema unserer neuen Partei<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109447\">Mit Umfragen manipulieren. Diese Versuche gab es immer wieder. Jetzt aktuell zum BSW<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109373\">&bdquo;Teils von Putin bezahlt&ldquo; &ndash; Kann Habeck seine Vorw&uuml;rfe in Bezug auf die Bauernproteste belegen?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109873\">Warum sagt das BSW Nein zu einem schlecht gemachten AfD-Antrag?<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/5efafe1c4ff64b9e8b8dc6b55400c24f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Rechtsanwalt\/Bankkaufmann und unter anderem engagiert im Beirat des Verbandes der Migrantenwirtschaft, war Abgeordneter der FDP in der legend&auml;ren <a href=\"https:\/\/www.imago-images.de\/st\/0052027944\">NRW-Landtagsfraktion des Jahres 2000 mit J&uuml;rgen M&ouml;llemann und Christian Lindner<\/a> und bis 2009 Mitglied der Partei. 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