{"id":110077,"date":"2024-01-27T12:00:32","date_gmt":"2024-01-27T11:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110077"},"modified":"2024-01-27T02:52:20","modified_gmt":"2024-01-27T01:52:20","slug":"generalstreik-und-massenproteste-in-argentinien-gegen-praesident-milei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110077","title":{"rendered":"Generalstreik und Massenproteste in Argentinien gegen Pr\u00e4sident Milei"},"content":{"rendered":"<p>Hunderttausende Menschen haben am Mittwoch&nbsp;in ganz Argentinien gegen die Politik der Regierung und des Pr&auml;sidenten Javier Milei sowie dessen &bdquo;Notstandsdekrete&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.lanacion.com.ar\/politica\/la-cgt-hizo-una-manifestacion-de-fuerza-contra-milei-ante-el-congreso-aunque-el-paro-no-fue-nid24012024\/\">protestiert<\/a>. Gleichzeitig galt ein bis Mitternacht andauernder zw&ouml;lfst&uuml;ndiger Generalstreik im ganzen Land. Zahlreiche Gewerkschaften und weitere zivilgesellschaftliche Gruppen bezeugten weltweit ihre Solidarit&auml;t mit den Protesten. Von <strong>Christian D&uuml;rr<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nIn der Hauptstadt Buenos Aires versammelten sich ab Mittag laut Angaben der Organisatoren rund 600.000 Personen rund um den Platz des Nationalkongresses, landesweit sollen es bis zu 1,5 Millionen gewesen sein. Das Sicherheitsministerium und seine Ministerin Patricia Bullrich wollen in der Hauptstadt dagegen nur 40.000 Teilnehmer gez&auml;hlt haben.<\/p><p>Demonstriert wurde auch in zahlreichen Provinzen, am massivsten in den St&auml;dten C&oacute;rdoba, Mar del Plata und Santa Fe. Auf internationaler Ebene&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.resumenlatinoamericano.org\/2024\/01\/23\/argentina-se-internacionaliza-la-protesta-de-este-24-de-enero\/\">solidarisierten<\/a>&nbsp;sich unter anderen der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) und der Bund der Gewerkschaften Amerikas (CSA). In Berlin&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/C2KyKOwoHMb\/?igsh=MnhkYThhdWc3aXp4&amp;img_index=1\">hatte<\/a>&nbsp;das internationale Netzwerk &bdquo;Argentina no se vende&rdquo; (Argentinien wird nicht verkauft) zu Protesten aufgerufen.&nbsp;Gr&ouml;&szlig;ere Kundgebungen fanden&nbsp;auch in Paris, Rom, Barcelona, Lissabon, Br&uuml;ssel, London, Amsterdam, Toulouse, Genf, Bern, S&atilde;o Paulo, Mexiko-Stadt, Santiago de Chile, Rio de Janeiro und Montevideo statt.<\/p><p>Zu den Protesten hatte der argentinische Gewerkschaftsdachverband CGT bereits Ende Dezember, drei Wochen nach dem Amtsantritt der neuen Regierung, aufgerufen.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/706195-organismos-de-derechos-humanos-adhieren-al-paro-y-la-moviliz\">Angeschlossen<\/a>&nbsp;haben sich die beiden Fl&uuml;gel des zweiten gro&szlig;en Gewerkschaftsbundes CTA, unz&auml;hlige Einzelgewerkschaften, soziale Bewegungen, Menschenrechtsorganisationen wie die M&uuml;tter und Gro&szlig;m&uuml;tter der Plaza de Mayo sowie Interessensvertretungen aus den Bereichen Kultur, Wissenschaft und Sport.<\/p><p>Unterst&uuml;tzt wurden die Proteste auch von Teilen der politischen Opposition. F&uuml;r das fr&uuml;here Regierungsb&uuml;ndnis Union por La Patria des aus dem Amt geschiedenen Pr&auml;sidenten Alberto Fern&aacute;ndez&nbsp;war der Gouverneur der Provinz Buenos Aires <a href=\"https:\/\/www.infobae.com\/politica\/2024\/01\/24\/axel-kicillof-intendentes-y-gobernadores-peronistas-participan-del-paro-de-la-cgt\/\">Axel Kiciloff auf dem Kongressplatz anwesend<\/a>. Das Linke B&uuml;ndnis FIT-U (Frente de Izquierda y de Trabajadores-Unidad) war durch die Abgeordneten Myriam Bregman und Nicol&aacute;s del Ca&ntilde;o&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/shorts\/9-F92g0t0eI\">vertreten<\/a>.<\/p><p>Der Generalstreik und die Massendemonstrationen stellen nach nur 45 Tagen Amtszeit der Regierung einen Rekord in der politischen Geschichte Argentiniens dar. Bislang galt f&uuml;r neu antretende Regierungen zumeist eine stillschweigende Schonfrist von 100 Tagen.<\/p><p>Grund f&uuml;r dieses fr&uuml;he Aufkochen der sozialen Massenproteste ist die Geschwindigkeit, mit&nbsp;der die Regierung Milei versucht, den Umbau des Staates voranzutreiben. Ein Ende Dezember verk&uuml;ndetes Notstandsdekret sowie ein im parlamentarischen Verhandlungsprozess befindliches Mega-Gesetz, bestehend aus &uuml;ber 600 Einzelartikeln aus unterschiedlichsten Politikbereichen, zielen unter anderem auf die Ausweitung der Machtbefugnisse der Regierung, die Liberalisierung der Wirtschaft samt Aush&ouml;hlung des Staates, die Privatisierung von Staatsunternehmen und&nbsp;die K&uuml;rzung von Pensionen und Sozialleistungen ab.<\/p><p>Des Weiteren sind die Erh&ouml;hung von Tarifen und Abgaben, massive Entlassungen im &ouml;ffentlichen Sektor, die Aush&ouml;hlung des Arbeitsrechts und weitere Einschnitte in soziale und politische Rechte geplant. Zudem hatte die Regierung im Dezember mit der Abwertung des Pesos im Hinblick auf eine angestrebte Dollarisierung f&uuml;r eine Rekordinflation von &uuml;ber 25 Prozent in einem Monat&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ambito.com\/economia\/inflacion-indec-diciembre-milei-11-enero-2024\">gesorgt<\/a>.<\/p><p>Die beiden Hauptredner des Abschlussakts in Buenos Aires, Pablo Moyano und H&eacute;ctor Daer vom peronistisch dominierten Gewerkschaftsbund CGT,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.lanacion.com.ar\/politica\/la-cgt-hizo-una-manifestacion-de-fuerza-contra-milei-ante-el-congreso-aunque-el-paro-no-fue-nid24012024\/\">appellierten<\/a>&nbsp;daher auch an die Abgeordneten, beiden Regierungsprojekten im Kongress die Zustimmung zu verweigern. &bdquo;Ein Peronist kann nicht f&uuml;r dieses Notstandsdekret stimmen, das sich gegen die Arbeiter und Arbeiterinnen, Rentner und Rentnerinnen und die nationale Souver&auml;nit&auml;t richtet&rdquo;, so Moyano.<\/p><p>Daer erg&auml;nzte: &bdquo;Die Regierung will pers&ouml;nliche und kollektive Rechte abschaffen und die Gewerkschaften zerst&ouml;ren. Sie attackiert die gewerkschaftliche Aktion, die Arbeiter und Arbeiterinnen, die Kultur, und sie richtet sich gegen alles Populare, indem sie auch den Sport privatisieren will.&rdquo;<\/p><p>Der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes CTA und Abgeordnete Hugo Yaski hatte im Vorfeld der Proteste&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/706288-paro-del-24-e-los-sindicatos-rechazaron-los-ataques-del-gobi\">gesagt<\/a>: <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Milei sieht sich als messianischen Anf&uuml;hrer, der Argentinien in das Jahr 1905 zur&uuml;ckversetzen will, als die Armen keine Rechte hatten, anonym blieben und in aller Stille mit gesenktem Haupt Hunger litten, w&auml;hrend die wenigen, die dagegen aufstanden, brutal unterdr&uuml;ckt wurden.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Trotz diverser Drohungen im Vorfeld insbesondere von Seiten der Sicherheitsministerin Bullrich verliefen s&auml;mtliche Proteste friedlich und in Volksfeststimmung. Bullrich hatte davor mehrfach auf das von ihr eingef&uuml;hrte&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/706630-javier-milei-enfrenta-su-primer-paro-general-por-la-ley-omni\">Sicherheitsprotokoll<\/a> verwiesen, das jegliche Behinderung des Verkehrs auch f&uuml;r politische Demonstrationen verbietet und mit betr&auml;chtlichen Strafen sanktioniert. Zudem lie&szlig; sie eine Telefonhotline&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/706285-patricia-bullrich-el-show-de-los-aprietes-y-la-linea-134\">einrichten<\/a>, &uuml;ber die Einzelpersonen anonyme Anzeige erstatten konnten, sollten sie sich zur Teilnahme an der Demonstration erpresst f&uuml;hlen.<\/p><p>Polizisten der Bullrich unterstehenden Bundespolizei&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/707164-el-fracaso-del-protocolo-y-de-las-provocaciones-de-patricia-\">blockierten<\/a> Demonstrationsz&uuml;ge aus den s&uuml;dlichen Vororten und untersagten ihnen den Weitermarsch in Richtung Hauptstadt. W&auml;hrend die Hauptstadtpolizei w&auml;hrend der Proteste kaum sichtbar war, f&uuml;hrte die Bundespolizei au&szlig;erhalb ihres eigentlichen Zust&auml;ndigkeitsbereichs Kontrollen durch.<\/p><p>Unterdessen f&uuml;hrte die Regierung weitere&nbsp;Verhandlungen mit ihr wohlgesonnenen Fraktionen der Opposition, um dem Notstandsdekret und dem Mega-Gesetz in beiden Kammern des Nationalkongresses eine Mehrheit zu verschaffen. Bisher gemachte Zugest&auml;ndnisse&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/706088-uno-por-uno-todos-los-cambios-a-la-ley-omnibus-que-introdujo\">betreffen<\/a>&nbsp;etwa die Reduzierung von Notstandsbefugnissen f&uuml;r die Regierung von zwei auf ein Jahr mit der M&ouml;glichkeit der Verl&auml;ngerung um ein weiteres Jahr und&nbsp;eine Beibehaltung der Anpassung der Renten, die f&uuml;r die Betroffenen dennoch zu einem hohen Kaufkraftverlust f&uuml;hren w&uuml;rde. Weiter soll der&nbsp;staatliche&nbsp;Erd&ouml;lkonzerns YPF von den Privatisierungsma&szlig;nahmen ausgenommen werden.<\/p><p>Beschlossen wurde zudem die vorl&auml;ufige R&uuml;cknahme von &Auml;nderungen im Wahlrecht, au&szlig;erdem soll von K&uuml;rzungen im Kultur- und Wissenschaftsbereich abgesehen werden. Ein Begutachtungsverfahren im Abgeordnetenhaus wurde mit Stimmen der Regierung und Teilen der Opposition mehrheitlich angenommen. Kommende Woche sollen die Debatten im Plenum&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.pagina12.com.ar\/707014-el-gobierno-postegro-la-sesion-para-tratar-la-ley-omnibus-en\">beginnen<\/a>.<\/p><p>Die linke Abgeordnete Myriam Bregman&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.laizquierdadiario.com\/Ley-omnibus-los-dialoguistas-salieron-al-rescate-de-Milei-y-hay-dictamen\">sagte<\/a>&nbsp;dazu:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Wir k&ouml;nnen uns nach dem Streik und den Demonstrationen nicht zur&uuml;cklehnen, denn was hier passiert, ist schwerwiegend. Wir m&uuml;ssen weiterhin die Stra&szlig;en besetzen.&rdquo;\n<\/p><\/blockquote><p><em>Dieser Artikel erschien zuerst <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2024\/01\/267904\/argentinien-generalstreik-massenproteste\">auf Amerika21<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Hunderttausende protestierten rund um den Platz des Kongresses in Buenos Aires &ndash; Quelle: Christian D&uuml;rr<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109406\">Erster R&uuml;ckschlag f&uuml;r Milei in Argentinien: Justiz bremst Arbeitsreform aus<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108277\">Argentiniens neuer Pr&auml;sident Milei bereitet Bev&ouml;lkerung auf &bdquo;Schocktherapie&rdquo; vor<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=107191\">Analyse zur Wahl in Argentinien: Der Tag, an dem die Demokratie einen Libert&auml;ren gebar<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=104544\">Ein verzweifelter Schrei nach Ver&auml;nderung: Argentinien, ein Land am Rande des Abgrunds<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ssl-vg03.met.vgwort.de\/na\/092666f3d7d64114be4cc71390dd52e9\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hunderttausende Menschen haben am Mittwoch&nbsp;in ganz Argentinien gegen die Politik der Regierung und des Pr&auml;sidenten Javier Milei sowie dessen &bdquo;Notstandsdekrete&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.lanacion.com.ar\/politica\/la-cgt-hizo-una-manifestacion-de-fuerza-contra-milei-ante-el-congreso-aunque-el-paro-no-fue-nid24012024\/\">protestiert<\/a>. 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