{"id":11012,"date":"2011-10-18T10:39:27","date_gmt":"2011-10-18T08:39:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11012"},"modified":"2014-11-26T09:26:26","modified_gmt":"2014-11-26T08:26:26","slug":"zum-besseren-verstandnis-der-polemik-gaucks-zur-occupy-bewegung-gauck-war-auch-als-prasidentschaftskandidat-schon-ein-gesteuertes-mediales-kunstprodukt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11012","title":{"rendered":"Zum besseren Verst\u00e4ndnis der Polemik Gaucks zur Occupy-Bewegung: Gauck war auch als Pr\u00e4sidentschaftskandidat schon ein gesteuertes mediales Kunstprodukt"},"content":{"rendered":"<p>In den <a href=\"\/?p=10993#h01\">Hinweisen vom 17.10.<\/a> wird auf Gaucks Polemik eingegangen. Im Nachtrag zur Taschenbuchausgabe von &bdquo;<a href=\"\/?page_id=4078\">Meinungsmache<\/a>&ldquo;  finden Sie einen Text zum Verst&auml;ndnis des Verhaltens dieses Menschen und zur Arglosigkeit bzw. zum Kalk&uuml;l von Rot und Gr&uuml;n bei der Nominierung Gaucks als ihr Pr&auml;sidentschaftskandidat. Gauck ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch jetzt wieder PR-gesteuert, er wird gegen die Proteste der Bankenkritiker in Stellung gebracht. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p>Schon vor einem Jahr bei der Nominierung als Pr&auml;sidentschaftskandidat h&auml;tte auffallen m&uuml;ssen, dass Gauck ein mediales Kunstprodukt ist. Er war der SPD und den Gr&uuml;nen vom Chefredakteur des Springerblattes &bdquo;Welt&ldquo; angedient worden.<br>\nAn Gauck und seiner Verwendung kann man leider auch sehen, dass auch gegen dreiste und verwegene PR und ihre Wirkung kein Kraut gewachsen ist. Eigentlich m&uuml;sste diese Person verbrannt und PR-m&auml;&szlig;ig mausetot sein. Das ist er aber offensichtlich nicht.<\/p><p>Hier der Text.<br>\n<strong>Auszug aus<\/strong><br>\n<strong>Albrecht M&uuml;ller: Meinungsmache. Wie Wirtschaft, Politik und Medien uns das Denken abgew&ouml;hnen. Seiten 461-468<\/strong><\/p><p><strong>D. Der doppelte Missbrauch des Bundespr&auml;sidentenamtes<\/strong><\/p><blockquote><p>\n<em>Der erfundene Bundespr&auml;sident<\/em><\/p>\n<p>Der Kommentator des ZDF Peter Frey nannte den R&uuml;cktritt Horst K&ouml;hlers vom Amt des Bundespr&auml;sidenten &raquo;unverantwortlich&laquo; und merkte an, hier habe sich best&auml;tigt, was mancher von Beginn an bef&uuml;rchtet habe, dass &raquo;hier einer im Jahr 2004 zum Bundespr&auml;sidenten gemacht worden war, der ins Amt nicht passte&laquo;. Heute, am Tag des R&uuml;cktritts, habe er auch jene in Stich gelassen, die ihn &raquo;erfunden&laquo; h&auml;tten.<\/p>\n<p>Warum ist er dann zum Bundespr&auml;sidenten gemacht worden?<br>\nWarum ist er &raquo;erfunden&laquo; worden? Warum versagt die Personalauswahl der Politiker so fundamental? Das ist leicht zu erkl&auml;ren, wenn man verstanden hat, welche hinrei&szlig;ende Macht die Meinungsmacher haben. Angela Merkel und Guido Westerwelle wollten auch mit der Wahl K&ouml;hlers die schwarz-gelbe Koalition vorbereiten, und sie konnten sich 2004 der geballten Macht des Boulevards, vieler seri&ouml;ser Tageszeitungen und der meisten Kan&auml;le im Fernsehen so sicher sein, dass bei der Suche nach einem Bundespr&auml;sidenten-Kandidaten nicht unbedingt auf Qualit&auml;t geachtet werden musste. <\/p>\n<p>Es war in den Bonner Ministerien bekannt, dass Horst K&ouml;hler kein besonders qualifizierter &Ouml;konom ist. Es war bekannt, dass Horst K&ouml;hler als Staatssekret&auml;r im Bundesfinanzministerium an der fragw&uuml;rdigen und teuren Entscheidung beteiligt war, die ostdeutschen Banken an die westdeutschen zu verscherbeln. Es war bekannt, dass von K&ouml;hler wenig geistige Anst&ouml;&szlig;e zu erwarten waren. Gerade das ist es aber, womit ein Bundespr&auml;sident punkten und etwas bewegen kann und wof&uuml;r Deutschland ihn eigentlich gebraucht h&auml;tte. Was h&auml;tte Bundespr&auml;sident K&ouml;hler nicht alles ansto&szlig;en k&ouml;nnen:<\/p>\n<ul>\n<li>eine Debatte &uuml;ber das Ungl&uuml;ck und die soziale und private Verunsicherung von Millionen Menschen, die in seiner Amtszeit in prek&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse entlassen wurden,<\/li>\n<li>eine Debatte &uuml;ber die immer skandal&ouml;ser werdenden Einkommens- und Verm&ouml;gensunterschiede,<\/li>\n<li>eine Debatte &uuml;ber den zynischen Umgang der &raquo;Oberschicht&laquo; mit der &raquo;Unterschicht&laquo;. <\/li>\n<\/ul>\n<p>K&ouml;hler hat nicht eingegriffen, er hat nicht einmal seine Stimme erhoben, als sich beispielsweise Westerwelle und Sarrazin mit zynischen Einlassungen &uuml;ber die Unterschicht, &uuml;ber Zuwanderer und &uuml;ber t&uuml;rkische Muslime zu profilieren suchten; K&ouml;hler ist auch nicht dem Philosophen Peter Sloterdijk in die Parade gefahren, als dieser den Sozialstaat als &raquo;institutionalisierte Kleptokratie&laquo; gei&szlig;elte und den falschen Eindruck erweckte, der Staat w&uuml;rde den Spitzenverdienern immer mehr abverlangen.<br>\nGerade w&auml;hrend der Amtszeit von Bundespr&auml;sident K&ouml;hler h&auml;tten die Schw&auml;chsten in unserer Gesellschaft einen Schutzengel gebraucht, einen, der sie wenigstens mit Worten &ouml;ffentlich in Schutz nimmt. Fehlanzeige. Horst K&ouml;hler schlug sich auf die Seite der M&auml;chtigen und scheute auch nicht vor fragw&uuml;rdigen Verkn&uuml;pfungen mit ihnen zur&uuml;ck. Er lie&szlig; sich von der Bertelsmann Stiftung ein &raquo;Forum Demographischer Wandel des Bundespr&auml;sidenten&laquo; aushalten. Als erfahrener Politiker muss man wissen, dass Bertelsmann in der Debatte um den demographischen Wandel &ndash; wie auch bei anderen wichtigen Themen &ndash; ideologisch und finanziell parteilich ist, die Interessen der Wirtschaft und der Privatvorsorger vertritt und deshalb nicht neutral beraten kann. Zu dieser Einseitigkeit passt auch, dass Horst K&ouml;hler als Chef des Bundespr&auml;sidialamtes den ehemaligen Chef des Finanzkonzerns W&uuml;stenrot, Gert Haller, als &raquo;Ein-Euro-Mann&laquo; engagierte, was sparsam klingt, aber mindestens anr&uuml;chig ist.<\/p>\n<p>Auf Neutralit&auml;t hat Bundespr&auml;sident K&ouml;hler nicht geachtet. Er hat der Wirtschaft und den Arbeitgebern deutlich zu erkennen gegeben, dass sie sicher sein k&ouml;nnen, einen der ihren im Bundespr&auml;sidialamt plaziert zu haben. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang war eine vielbeachtete Rede K&ouml;hlers auf dem Arbeitgeberforum am 15. M&auml;rz 2005, neun Monate nach Amtsantritt.<\/p>\n<p>Die vorgetragenen L&ouml;sungsvorschl&auml;ge waren einseitig und orthodox wirtschaftsliberal, so wie es sein Publikum h&ouml;ren wollte. Jedenfalls machte der damalige Bundespr&auml;sident auch bei dieser Gelegenheit klar, dass er keineswegs der Pr&auml;sident aller Deutschen ist.<br>\nK&ouml;hlers fachliche Mittelm&auml;&szlig;igkeit, seine Ideenlosigkeit, seine Einseitigkeit zugunsten der finanziell Potenten, seine unkritische neoliberale Orientierung waren also bekannt. Angela Merkel, Guido Westerwelle und ihre politische Gruppierung hatten ihn dennoch, oder gerade deshalb, als Bundespr&auml;sidenten &raquo;erfunden&laquo;.<br>\nMerkel und ihre Freunde konnten sich auf das verlassen, was dann eintrat: die massive Unterst&uuml;tzung Horst K&ouml;hlers durch die Medien, von nur wenigen Ausnahmen abgesehen. Die g&auml;ngigen Medien haben ihn zugunsten von Angela Merkel und ihrer angepeilten schwarz-gelben Koalition gelobt. Das Kalk&uuml;l, das zu seiner Nominierung f&uuml;hrte, ging auf. Weil das PR-Produkt &raquo;Horst K&ouml;hler&laquo; und die Realit&auml;t seiner Amtsf&uuml;hrung dann aber deutlich nicht zur Deckung kamen und weil es K&ouml;hler offenbar nicht mehr gelang, seine Rolle zynisch mitzuspielen, zerbrach die politische Ehe Merkel-K&ouml;hler.<\/p>\n<p>F&uuml;r die meisten Menschen in Deutschland d&uuml;rften der Aufstieg Horst K&ouml;hlers und sein gespenstischer Abgang ein R&auml;tsel geblieben sein. Weil sie die M&ouml;glichkeiten der Meinungsmache nicht erkennen und deshalb f&auml;lschlicherweise immer noch davon ausgehen, in der politischen Entscheidungsfindung zur Sache wie zur Person m&uuml;sste wie im privaten Leben auf Qualit&auml;t geachtet werden.<\/p>\n<p><em>Missbrauch im Selbstversuch: Gauck<\/em><\/p>\n<p>&Auml;hnlich liegt der Fall Gauck. Seine &uuml;berragende Popularit&auml;t, die er im Laufe seiner Kandidatur zum Bundespr&auml;sidenten innerhalb k&uuml;rzester Zeit erreichte, ist nicht die Folge seiner besonderen Qualit&auml;t, sondern die Folge einer Kampagne mit defi nierten Zielen und unterschiedlichen Ausrichtern. Der Kandidat Joachim Gauck wurde nicht im &uuml;blichen inneren Willensbildungsprozess der ihn nominierenden Parteien SPD und Gr&uuml;ne gefunden. Der Vorschlag kam vom Chefredakteur des Springerblattes &raquo;Welt&laquo;.<br>\nDie &raquo;Financial Times Deutschland&laquo; beschreibt am 20. Juni 2010 den Vorgang und die Umst&auml;nde so:<br>\n&raquo;Inzwischen geben die rot-gr&uuml;nen Parteigranden sogar ehrlich zu, wer sie auf die Idee mit dem Kandidaten Joachim Gauck gebracht hat: Thomas Schmid war es, Chefredakteur der &rsaquo;Welt&lsaquo; aus dem Verlag Axel Springer. Als Gaucks Kandidatur dann offiziell war, jubelten &rsaquo;Welt&lsaquo; und &rsaquo;Bild&lsaquo; (&raquo;Yes, we Gauck&laquo;) so demonstrativ und laut, dass Kanzlerin Angela Merkel mehrmals zum Telefonh&ouml;rer griff, um sich bei Verlegerin Friede Springer zu erkundigen, was denn mit ihrem Verlag los sei.&laquo;<\/p>\n<p>Der Vorschlag war also offensichtlich mit dem Versprechen verbunden, dass die involvierten Medien bei der Kampagne helfen w&uuml;rden. Ob Joachim Gauck am Anfang oder zwischendurch hoffte, gew&auml;hlt zu werden, ist schwer zu sagen. Die Aussichten waren von vornherein gering, so dass man bei n&uuml;chterner Betrachtung die Kandidatur nur zum geringsten Teil als ernsthafte Kandidatur zum Erreichen dieses Amtes betrachten kann. Das gilt f&uuml;r die Person Gauck wie auch f&uuml;r die ihn nominierenden Parteien SPD und Gr&uuml;ne. Auch sie konnten nicht ernsthaft erwarten, diesen Kandidaten durchbringen zu k&ouml;nnen. Sie hatten &ndash; wie auch Gauck &ndash; andere Motive:<br>\nErstens wollten SPD und Gr&uuml;ne die Union und die FDP vorf&uuml;hren, indem sie mit dieser Kandidatur, mit der medial gemachten Begeisterung f&uuml;r Gauck und der publizistisch gesch&uuml;rten Erwartung seiner m&ouml;glichen Wahl dokumentierten, dass Schwarz-Gelb nicht einmal eine Mehrheit f&uuml;r die Wahl des Bundespr&auml;sidenten zusammenbekommt. Zumindest bis zur Wahl des neuen Bundespr&auml;sidenten Wulff hat diese Spekulation funktioniert. Zweitens wollte Gauck und wollten zumindest die SPD und die ihn unterst&uuml;tzenden Medien die Linkspartei blo&szlig;stellen. Diese Rechnung ging einigerma&szlig;en auf. Es wurde &uuml;ber alle m&ouml;glichen Kan&auml;le die Botschaft plaziert, die Linkspartei habe sich noch nicht von ihrer undemokratischen SED-Vergangenheit gel&ouml;st.<br>\nDas sehe man daran, dass sie nicht einmal im dritten Wahlgang bereit war, den Kandidaten Gauck zu unterst&uuml;tzen. Diese Botschaft wurde unentwegt verbreitet, obwohl unter normal denkenden erwachsenen Menschen eigentlich klar sein musste, dass man keiner Partei zumuten kann, einem Kandidaten ohne jegliche vorherige Beratung und &Uuml;bereinkunft zuzustimmen und den Kandidaten auch dann zu unterst&uuml;tzen, wenn er penetrant und unfreundlich jene in der Linkspartei angriff, die ihn w&auml;hlen sollten.<\/p>\n<p>Das alles ist eine absurde Konstellation und zugleich ein ausgezeichnetes Studienobjekt zur Bedeutung und zu den M&ouml;glichkeiten der Meinungsmache: Man kann, wenn man die notwendige Meinungsmacht, also Geld und publizistische Kraft, besitzt, aus einer Zumutung eine selbstverst&auml;ndliche und glaubw&uuml;rdige Forderung machen. Wie nachhaltig die Zielsetzung wirkt, die Linkspartei als undemokratisch und noch nicht in der Bundesrepublik Deutschland angekommene Partei zu stigmatisieren, l&auml;sst sich an vielen Medienereignissen und &Auml;u&szlig;erungen von Politikerinnen und Politikern auch nach der Bundespr&auml;sidentenwahl belegen. Die Kandidatur Gaucks und seine zynische Selbstinstrumentalisierung und Instrumentalisierung durch Rot-Gr&uuml;n und die sie unterst&uuml;tzenden Medien werden vermutlich Jahre nachwirken.<\/p>\n<p>Der Kandidat Gauck passte inhaltlich nicht sonderlich zur Mehrheit der Wahlfrauen und Wahlm&auml;nner des roten und des gr&uuml;nen Lagers. Er hat wenig Gesp&uuml;r f&uuml;r die gro&szlig;en sozialen Probleme unserer Gesellschaft. Soziale Gerechtigkeit ist f&uuml;r ihn kein vorrangiges Ziel. Er ist nach eigenem Bekenntnis ideologisch auf den Begriff &raquo;Freiheit&laquo; fixiert, ohne auch nur andeutungsweise zu fragen, welche Bedingungen zu einem Leben in Freiheit geh&ouml;ren &ndash; n&auml;mlich die &ouml;konomische und soziale Basis zu besitzen, um Freiheit &uuml;berhaupt leben zu k&ouml;nnen.<br>\nGauck wei&szlig; offensichtlich wenig von der Bedrohung der Demokratie in Deutschland durch die Konzentration von Medienmacht und dem hohen Potenzial von Agitation und Manipulation, das wir heute vorfinden und deren Profiteur der Kandidat Gauck war. Jedenfalls h&auml;tte ein auch nur einigerma&szlig;en aufgeweckter Wahlmann und eine gleicherma&szlig;en tickende Wahlfrau des rot-gr&uuml;nen Lagers in Kenntnis der inhaltlichen Vorstellungen dieses Kandidaten verzweifeln m&uuml;ssen. Sie mussten es aber nicht, denn f&uuml;r einigerma&szlig;en mit Durchblick gesegnete Personen mussten das dargebotene taktische Spiel, das hier mit dem Kandidaten betrieben wurde, und auch die Chancenlosigkeit des Spiels erkennbar<br>\nsein. Die Wahlfrauen und Wahlm&auml;nner der SPD und von den Gr&uuml;nen konnten also genie&szlig;en, dass man aus einem fragw&uuml;rdigen Kandidaten einen angenehmen Kandidaten machen kann, wenn man die notwendige Kampagnenkraft besitzt. Das ist im Fall Gauck gelungen.<\/p>\n<p>Der Fall Gauck eignet sich zum Studium und zum Beleg einiger der im Buch beschriebenen Methoden der Meinungsmache. So ist Gaucks schneller Gewinn an Popularit&auml;t leicht erkl&auml;rbar, wenn man verstanden hat, dass eine Botschaft, im konkreten Fall die Botschaft &raquo;Der Kandidat Gauck ist ausgezeichnet&laquo;, dadurch glaubhaft wird, dass sie aus verschiedenen politischen und medialen Ecken kommt. Gauck wurde von wirtschaftsnahen Kr&auml;ften, von Konservativen aus der Leserschaft der Medien des Springerkonzerns und von liberalen Kr&auml;ften unterst&uuml;tzt, und er war von Rot und Gr&uuml;n nominiert worden, also von zwei Parteien, die von einer Mehrheit vermutlich immer noch eher links eingeordnet werden. Er galt damit als &uuml;berparteilich.<\/p>\n<p>Seine Popularit&auml;t wurde zudem dadurch gef&ouml;rdert, dass den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern erz&auml;hlt wurde, es gebe im Internet eine &uuml;berw&auml;ltigende Zustimmung f&uuml;r den Kandidaten Gauck. Das konnten Menschen ohne Internetzugang nicht nachpr&uuml;fen, andere hatten weder Zeit noch Mu&szlig;e, diese angebliche Welle der Sympathie aufzusp&uuml;ren. Sie ist zudem au&szlig;erordentlich schwer messbar. Aber eines ist sicher, von den Mitarbeitern der PRAgentur Scholz &amp; Friends wurde die Zustimmung im Netz organisiert.<br>\nIch zitiere die Internet-Ausgabe der &raquo;WAZ&laquo;, &raquo;derwesten.de&laquo;, vom 7. Juni 2010: &raquo;Joachim Gauck ist Liebling der Netzgemeinde<br>\n&laquo; &hellip; &raquo;Die weitaus meisten Pro-Gauck-Initiatoren im Netz haben allerdings keinen parteipolitischen Hintergrund. Oft z&auml;hlen sie aber zu Meinungsf&uuml;hrern im Netz, die das Kampagnen Gesch&auml;ft gut verstehen. Zum Beispiel Nico Lumma von der Werbeagentur Scholz &amp; Friends. Er hat mit &rsaquo;Wir f&uuml;r Gauck&lsaquo; eine Online-Petition ins Netz gestellt, die bis Montagnachmittag &uuml;ber 700 Mitzeichner hatte.&laquo; F&uuml;r Joachim Gauck ist also durchschaubar gut organisiert im Internet getrommelt worden. Die Internetkommunikation &uuml;ber den Kandidaten und die gezielt verbreitete Stimmung wurden dann wiederum genutzt, um die Menschen ohne Internetzugang zu beeindrucken. Zur Unterst&uuml;tzung von Joachim Gaucks Popularit&auml;t wurden Umfragen veranstaltet, deren Ergebnisse man dann wieder einsetzte, um seine Popularit&auml;t zu f&ouml;rdern.<\/p>\n<p><em>Schmierentheater mit einem aparten Abgang des Hauptdarstellers.<\/em><\/p>\n<p>Mit einem sehr geringen Anstandsabstand von 31 Tagen hat der Kandidat Gauck einen kleinen Tribut an jene gezahlt, die ihn bei der Kandidatur unterst&uuml;tzt haben. Er tritt ab dem 31. Juli 2010 als Werber f&uuml;r die &raquo;FAZ&laquo; auf &ndash; vor dem Schlo&szlig; Bellevue, dem Amtssitz des Bundespr&auml;sidenten, sitzend montiert und versehen mit dem gel&auml;ufi gen Werbemotto der &raquo;FAZ&laquo; &raquo;Dahinter steckt ein kluger Kopf&laquo;.<\/p>\n<p>Interessant daran ist zweierlei: zum Ersten der &auml;u&szlig;erst geringe Abstand zur Bundespr&auml;sidentenwahl, womit dieser Wahlgang und die Kandidatur Joachim Gaucks ein Gschm&auml;ckle von Kommerz bekommen. Er und die werbetreibende Agentur samt &raquo;FAZ&laquo; nutzen die verbliebene Popularit&auml;t so schnell wie m&ouml;glich, und sie nutzen die Verkn&uuml;pfung mit dem Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespr&auml;sidenten. Zum Zweiten entlohnt der Kandidat Gauck mit diesem Schritt die Werbeagentur Scholz &amp; Friends, deren Mitarbeiter Nico Lumma die Petition &raquo;Wir f&uuml;r Gauck&laquo; ins Netz gestellt hatte. Wissen sollte man noch, dass die Agentur Scholz &amp; Friends auch lange f&uuml;r die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gearbeitet hat.<\/p>\n<p>So schlie&szlig;en sich die Kreise. Immer im Dienste von Meinungsmache zugunsten von politischen und personellen Entscheidungen, die den Herrschenden zupass kommen. Im konkreten Fall geht es bei diesen Fall wie auch langfristig um die Verhinderung einer politischen Option diesseits der rechtskonservativen Meinungsmacht.\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den <a href=\"\/?p=10993#h01\">Hinweisen vom 17.10.<\/a> wird auf Gaucks Polemik eingegangen. Im Nachtrag zur Taschenbuchausgabe von &bdquo;<a href=\"\/?page_id=4078\">Meinungsmache<\/a>&ldquo; finden Sie einen Text zum Verst&auml;ndnis des Verhaltens dieses Menschen und zur Arglosigkeit bzw. zum Kalk&uuml;l von Rot und Gr&uuml;n bei der Nominierung Gaucks als ihr Pr&auml;sidentschaftskandidat. 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