{"id":11035,"date":"2011-10-19T15:41:01","date_gmt":"2011-10-19T13:41:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11035"},"modified":"2014-12-02T09:52:34","modified_gmt":"2014-12-02T08:52:34","slug":"riester-pr-in-der-zeit-kein-guter-rat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11035","title":{"rendered":"Riester-PR in der ZEIT \u2013 kein guter Rat"},"content":{"rendered":"<p>Seit die Riester-Rente existiert, gibt es in den selbsternannten Qualit&auml;tszeitungen Artikel zur Riester-Rente, die selbst bei wohlwollender Betrachtung nicht von bezahlten PR-Artikeln zu unterscheiden sind. Mal kommen diese Artikel suggestiv daher und zitieren Gutachten und Studien von gekauften &bdquo;Wissenschaftlern&ldquo;, mal kommen sie g&auml;nzlich brachial daher. Ein Musterexemplar f&uuml;r brachiale PR stellt der Artikel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2011\/42\/F-Riester-Rente\">Der gute Rat<\/a>&ldquo; von Marcus Rohwetter dar, der sowohl in der letzten Printausgabe der ZEIT als auch gestern auf ZEIT-Online erschienen ist. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p>Wer in der ZEIT eine Anzeige in der Gr&ouml;&szlig;e einer Viertelseite schalten will, <a href=\"http:\/\/www.iqm.de\/nc\/medien\/zeitungen\/die_zeit\/media\/preise.html#mc\">zahlt daf&uuml;r<\/a> 20.064 Euro. Jeder abgeschlossene Riester-Vertrag bringt den <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/beitrag\/video\/1344282\/Riester-Geschaefte-mit-der-Zusatzrente-\">Versicherungsunternehmen nach Angaben<\/a> des Versicherungsexperten Prof. Klaus J&auml;ger von der FU Berlin einen Gewinn von 8.000 Euro. Wenn also nur drei Leser der ZEIT aufgrund einer solchen Anzeige einen Riester-Vertrag abschlie&szlig;en, lohnt es sich f&uuml;r die Branche bereits. Jeder PR-Experte wei&szlig; jedoch, dass Werbung, die als solche erkennbar ist, von vielen Lesern nicht ernst- oder erst gar nicht wahrgenommen wird. Ziel der PR ist es daher, wenn man wie in der Apotheken Umschau oder der B&auml;ckerblume interessengesteuerte Inhalte im redaktionellen Teil unterbringen kann. Der Jackpot ist es, wenn dies auch in einer vermeintlichen Qualit&auml;tszeitung gelingt.<\/p><p>Es gibt nat&uuml;rlich keinen Beweis, dass Rohwetter oder die ZEIT f&uuml;r diesen Artikel eine wie auch immer geartete Pr&auml;mie von der Versicherungswirtschaft erhalten haben. Wenn man sich allerdings einen Moment lang vorstellt, dieser PR-Artikel sei tats&auml;chlich ein Produkt des &bdquo;Qualit&auml;tsjournalismus&ldquo;, wird einem Angst und Bange um das Qualit&auml;tsverst&auml;ndnis der Branche. Fragt sich, was schlimmer ist &ndash; bezahlte PR oder hundsmiserabler Journalismus? Diese Frage muss jeder Leser f&uuml;r sich selbst beantworten.<\/p><p>Rohwetters joviale Anbiederung bei den &bdquo;Youngsters&ldquo;, um ihnen einen Riester-Vertrag schmackhaft zu machen, ist jedoch nur peinlich. Er verliert kein einziges Wort &uuml;ber die Risiken und Nachteile der Riesterrente. Kein Wort davon, dass die &bdquo;Youngster&ldquo; nur dann ihre Beitr&auml;ge samt Garantieverzinsung zur&uuml;ckbekommen k&ouml;nnen, wenn sie den Vertrag bis zum Renteneintritt l&uuml;ckenlos bedienen, kein Wort davon, dass diese Garantieverzinsung erst zur Geltung kommt, wenn die &bdquo;Youngster&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/finanzen\/die-riester-luege-403903\/\">fast so alt werden<\/a> wie Jopi Heesters und selbst dies dann bestenfalls einem Inflationsausgleich entspricht. Nat&uuml;rlich verliert Rohwetter auch kein Wort dar&uuml;ber, dass die &bdquo;Youngster&ldquo; (je nach Laufzeit ihres Vertrages) erst einmal 10 Jahre Beitr&auml;ge einzahlen m&uuml;ssen, die ausschlie&szlig;lich die &bdquo;Kosten&ldquo; des Versicherers decken und &uuml;berhaupt nicht zur Altersvorsorge beitragen und daher auch nicht verzinst werden.<\/p><p>Daf&uuml;r arbeitet Rohwetter mit Pauschalisierungen, die bei ernsthafter Betrachtung nicht haltbar sind. So suggeriert er, dass vor allem die j&uuml;ngere Generation besonders von der Riesterrente profitieren w&uuml;rde. Das mag bei einer jungen Frau mit Familie, die zeitlebens in einem festen Arbeitsverh&auml;ltnis steht, weder zu viel, noch zu wenig verdient, und dabei steinalt wird, durchaus zutreffend sein &ndash; f&uuml;r den Rest der U-30-Generation gilt dies jedoch nicht. M&auml;nner sind schon alleine wegen der Unisex-Beitr&auml;ge benachteiligt und Niedrigverdienern wird die k&uuml;nftige Riesterrente ohne Zusatznutzen voll von der zu erwartenden Grundsicherung abgezogen. <\/p><p>Besonders kritisch kann der Riester-Vertrag f&uuml;r Beitragszahler werden, die ihren Job verlieren und den Vertrag fr&uuml;hzeitig k&uuml;ndigen m&uuml;ssen &ndash;  zumal die &bdquo;Kosten&ldquo; des Versicherers (10% bis 20% der Versicherungssumme) am Beginn anfallen. In einer Zeit, in der gerade die Unter-Drei&szlig;igj&auml;hrigen sich oft von einem Zeitvertrag zum n&auml;chsten hangeln, ist dies ein sehr reales Risiko. Bereits heute wird mehr als die H&auml;lfte aller Vertr&auml;ge &uuml;berhaupt nicht bis zum Renteneintritt bedient und muss &ndash; mit gewaltigen Verlusten f&uuml;r den Versicherungsnehmer &ndash; vorzeitig aufgel&ouml;st werden. F&uuml;r die &bdquo;Youngster&ldquo; w&auml;re auch der Hinweis wichtig, dass sie s&auml;mtliche Zulagen und Steuervorteile zur&uuml;ckzahlen m&uuml;ssen, wenn sie sich einmal dazu entschlie&szlig;en sollten, im Ausland zu arbeiten. Und sollten sie sich dazu entschlie&szlig;en, einmal f&uuml;r ihre frisch gegr&uuml;ndete Familie ein Eigenheim erwerben zu wollen, k&ouml;nnen sie die angesparten Beitr&auml;ge noch nicht einmal als Sicherheit f&uuml;r einen Kredit verwenden. <\/p><p>Es g&auml;be viele weitere Argumente, die gegen die Riesterrente f&uuml;r Unter-Drei&szlig;igj&auml;hrige sprechen. Marcus Rohwetter nennt in seinem Artikel kein einziges. Stattdessen polemisiert er ganz nach dem Motto &bdquo;Lieber Riester als iPhone&ldquo;. Beides muss man sich als Unter-Drei&szlig;igj&auml;hriger jedoch erst einmal leisten k&ouml;nnen. Vielleicht bezahlt ja der Holtzbrinck-Verlag seine Volont&auml;re und Praktikanten so gut, dass sie sich tats&auml;chlich ernsthafte Gedanken dar&uuml;ber machen m&uuml;ssen, wo sie das viele Geld unterbrigen sollen &ndash; das ist jedoch heute nicht mehr die Regel, ein Gro&szlig;teil dieser Generation lebt von der Hand in den Mund und kann sich weder iPhone noch Riesterrente leisten. Rohwetters altv&auml;terliche &bdquo;Lebenshilfe&ldquo; geht jedoch komplett an diesen Problemen vorbei.<\/p><p>Es ist komplett unverst&auml;ndlich, wie ein Journalist, der immerhin bereits mit dem Otto-Brenner-Preis und dem Helmut-Schmidt-Journalistenpreis (f&uuml;r kritischen Verbraucherjournalismus) ausgezeichnet und daf&uuml;r auch von den NachDenkSeiten lobend erw&auml;hnt wurde, sich f&uuml;r ein solches Machwerk einspannen lassen konnte. Da wundert es nicht, dass Rohwetters Artikel von den Kommentatoren bei Zeit.de f&ouml;rmlich zerrissen ist &ndash; mit vielfachen Verweis auf die NachDenkSeiten.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/41a545db65e740d7957bb8da737bd520\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit die Riester-Rente existiert, gibt es in den selbsternannten Qualit&auml;tszeitungen Artikel zur Riester-Rente, die selbst bei wohlwollender Betrachtung nicht von bezahlten PR-Artikeln zu unterscheiden sind. Mal kommen diese Artikel suggestiv daher und zitieren Gutachten und Studien von gekauften &bdquo;Wissenschaftlern&ldquo;, mal kommen sie g&auml;nzlich brachial daher. 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