{"id":110408,"date":"2024-02-01T13:28:30","date_gmt":"2024-02-01T12:28:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110408"},"modified":"2026-01-27T11:44:24","modified_gmt":"2026-01-27T10:44:24","slug":"zensur-und-soziale-netzwerke-berliner-unternehmer-wehrt-sich-gegen-linkedin-und-klagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110408","title":{"rendered":"Zensur und soziale Netzwerke: Berliner Unternehmer wehrt sich gegen LinkedIn und klagt"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Eine Zensur findet nicht statt.&ldquo; So steht es in unserem Grundgesetz. Doch, stimmt das? Was soziale Netzwerke angeht, das hei&szlig;t etwa Plattformen wie Facebook oder LinkedIn, werden bisweilen unliebsame Beitr&auml;ge sehr schnell gel&ouml;scht. Dem Berliner Mittelst&auml;ndler <strong>J&ouml;rg Kuttig<\/strong> ist das mehrmals auf seinem LinkedIn-Kanal passiert. Bei dem US-amerikanischen Konzernunternehmen stie&szlig; er auf taube Ohren. Sein gesamtes Profil wurde gel&ouml;scht. Das l&auml;sst sich Kuttig nicht gefallen und ist auf einem Klageweg &ndash; wenn n&ouml;tig, wie er sagt, auch durch alle Instanzen. Im Interview mit den NachDenkSeiten f&uuml;hrt der Unternehmer aus, warum er klagt. Es geht, so Kuttig, um mehr als nur seine Befindlichkeiten. Das hohe Gut der Meinungsfreiheit sieht er in Gefahr. &bdquo;Mittlerweile beziehen viele Menschen einen Gro&szlig;teil ihrer Informationen aus sozialen Medien. Wenn in diesen Medien Informationen gel&ouml;scht werden, die auch f&uuml;r die politische Willensbildung wichtig sind, ger&auml;t letztlich nicht weniger als unsere freiheitliche demokratische Grundordnung in Gefahr&ldquo;, so Kuttig. Von<strong> Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_3843\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-110408-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240201_Zensur_und_soziale_Netzwerke_Berliner_Unternehmer_wehrt_sich_gegen_LinkedIn_und_klagt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240201_Zensur_und_soziale_Netzwerke_Berliner_Unternehmer_wehrt_sich_gegen_LinkedIn_und_klagt_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240201_Zensur_und_soziale_Netzwerke_Berliner_Unternehmer_wehrt_sich_gegen_LinkedIn_und_klagt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240201_Zensur_und_soziale_Netzwerke_Berliner_Unternehmer_wehrt_sich_gegen_LinkedIn_und_klagt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=110408-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240201_Zensur_und_soziale_Netzwerke_Berliner_Unternehmer_wehrt_sich_gegen_LinkedIn_und_klagt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240201_Zensur_und_soziale_Netzwerke_Berliner_Unternehmer_wehrt_sich_gegen_LinkedIn_und_klagt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Marcus Kl&ouml;ckner: Herr Kuttig, Sie klagen gegen das Netzwerk LinkedIn. Worum geht es?<\/strong><\/p><p><strong>J&ouml;rg Kuttig:<\/strong> LinkedIn hat zun&auml;chst einige meiner Beitr&auml;ge entfernt und sp&auml;ter mein Profil ganz gesperrt. Die Klage hat das Ziel, dass LinkedIn die Beitr&auml;ge und das Profil wiederherstellen muss.<\/p><p><strong>Wie viele Beitr&auml;ge wurden gel&ouml;scht? <\/strong><\/p><p>Insgesamt wurden 15 meiner Beitr&auml;ge gel&ouml;scht. Sieben davon waren ab dem Moment der L&ouml;schung dauerhaft verschwunden, bei den anderen acht hatte LinkedIn die L&ouml;schung zwischenzeitlich r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht. Die sind dann aber wieder mit der Profilsperre verloren gegangen, zusammen mit allen meinen anderen, nie vorher gel&ouml;schten Beitr&auml;gen, das waren etwa 400.<\/p><p><strong>Worum ging es in den Beitr&auml;gen?<\/strong><\/p><p>In den gel&ouml;schten Beitr&auml;gen ging es um Zweifel an der Sicherheit der neuartigen Impfstoffe, die in der Corona-Krise propagiert worden sind. In den vor der Profilsperre ungel&ouml;schten Beitr&auml;gen ging es auch um andere Themen der Corona-Krise, insbesondere um Zweifel an der Angemessenheit der Schlie&szlig;ungen von Kitas, Schulen und Hochschulen nach dem ersten Lockdown. Zu anderen politischen Themen hatte ich keine Beitr&auml;ge gepostet.<\/p><p><strong>W&uuml;rden Sie die kritischen Stellen bitte anf&uuml;hren, damit unsere Leser sehen, was Sie geschrieben haben? <\/strong><\/p><p>Die 15 gel&ouml;schten Beitr&auml;ge enthielten keine Texte, die ich selbst geschrieben hatte. Sie enthielten Zitate aus Texten Dritter. Zur Begr&uuml;ndung der Profilsperre ist von LinkedIn nur auf die letzten drei gel&ouml;schten Beitr&auml;ge Bezug genommen worden.<\/p><p>Im ersten Beitrag hatte ich aus einem von der <em>Berliner Zeitung<\/em> ver&ouml;ffentlichten Artikel zitiert. Verfasser ist Herr Dr. Alexander Zinn. Die &Uuml;berschrift lautet <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wochenende\/zwischenruf-eines-geimpften-warum-ich-verstaendnis-fuer-die-impfskeptiker-habe-li.204231\">&bdquo;Zwischenruf eines Geimpften: Warum ich Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Impfskeptiker habe&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Die im zweiten Beitrag verwendeten Zitate stammten aus einem im Internet ver&ouml;ffentlichten offenen Brief an alle Bundestagsabgeordneten. Verfasser ist die aus &uuml;ber 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bestehende Gruppe &bdquo;7 Argumente&ldquo;. Der Brief ist &uuml;berschrieben mit <a href=\"https:\/\/7argumente.de\/\">&bdquo;Eine Impfpflicht ist verfassungswidrig&ldquo;<\/a>.<\/p><p>Auch die im dritten Beitrag enthaltenen Zitate stammten aus einem im Internet ver&ouml;ffentlichten <a href=\"https:\/\/netzwerkkrista.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Offener-Brief-MdBs_2.-April-22_Netzwerk-KRiStA-.pdf\">offenen Brief an alle Bundestagsabgeordneten<\/a>. Dessen Verfasser ist der Verein &bdquo;KRiStA &ndash; Netzwerk Kritische Richter und Staatsanw&auml;lte&ldquo;. Auch in dem Brief geht es um die Verfassungswidrigkeit einer Impfpflicht mit den neuartigen Impfstoffen.<\/p><p><strong>Das haben Sie ver&ouml;ffentlicht. Und dann? Wie lange waren die Beitr&auml;ge online? Und: Wurden Sie &uuml;ber die L&ouml;schung informiert?<\/strong><\/p><p>In der Regel waren alle gel&ouml;schten Beitr&auml;ge jeweils nur wenige Stunden online. Ich wurde jeweils unmittelbar nach der L&ouml;schung per standardisierter E-Mail dar&uuml;ber informiert, dass der Beitrag gemeldet und daraufhin gel&ouml;scht wurde. Dabei wurde als Grund f&uuml;r die L&ouml;schungen jeweils nur ein einziges Wort angegeben: &bdquo;Falschinformationen&ldquo;. Ich beantragte jeweils umgehend eine erneute Pr&uuml;fung, wobei ich in jedem Antrag ausf&uuml;hrlich erl&auml;uterte, warum die L&ouml;schung ungerechtfertigt war. LinkedIn antwortete auf jeden Antrag kurzfristig mit einer zweiten standardisierten E-Mail. Wenn der Beitrag wieder eingestellt wurde, enthielt die zweite E-Mail eine nicht auf Einzelheiten eingehende, wortkarge Entschuldigung. Wenn der Beitrag gel&ouml;scht blieb, teilte mir LinkedIn mit der zweiten E-Mail mit, dass die Pr&uuml;fung einen Versto&szlig; gegen die Community-Richtlinien best&auml;tigt habe. Dabei wurde dieselbe Begr&uuml;ndung wie in der ersten E-Mail angegeben: &bdquo;Falschinformationen&ldquo;.<\/p><p>Erst in der Klageerwiderung der LinkedIn vertretenden Rechtsanw&auml;lte sind die L&ouml;schungen ausf&uuml;hrlicher begr&uuml;ndet worden: die in meinen Beitr&auml;gen enthaltenen Behauptungen st&uuml;nden nicht im Einklang mit bestimmten Verlautbarungen der St&auml;ndigen Impfkommission beziehungsweise der Weltgesundheitsorganisation, deshalb handele es sich bei ihnen um &bdquo;falsche oder irref&uuml;hrende Informationen&ldquo;, deren Verbreitung gem&auml;&szlig; Community-Richtlinien verboten ist. Der mich vertretende Rechtsanwalt Professor H&auml;rting hat diese Vorw&uuml;rfe in einer Replik entkr&auml;ftet. Nun muss das Landgericht Berlin entscheiden.<\/p><p><strong>Nun k&ouml;nnte man sagen: Solche Plattformen l&ouml;schen immer wieder Beitr&auml;ge &ndash; teilweise ist ein fragw&uuml;rdiges Vorgehen zu beobachten. Viele Nutzer nehmen das hin. Sie klagen. Warum? Was ist Ihre Motivation?<\/strong><\/p><p>In dieser Angelegenheit geht es zuvorderst um das durch Artikel 2 unserer Verfassung gesch&uuml;tzte Recht auf Leben und k&ouml;rperliche Unversehrtheit, und das ist zu wichtig, als dass diese Zensur hinnehmbar w&auml;re. Weder der STIKO noch der WHO noch irgendeiner anderen Institution oder einer nat&uuml;rlichen Person darf Unfehlbarkeit zugesprochen werden, das w&auml;re das Gegenteil von Wissenschaftlichkeit.<\/p><p>Die sch&auml;dlichen Nebenwirkungen der neuartigen Impfstoffe sind nie ausreichend erfasst worden. Schon deshalb ist die Behauptung, ihr Nutzen w&uuml;rde ihr Risiko &uuml;berwiegen, gar nicht belegbar. Dazu kommt, dass der Nutzen fragw&uuml;rdig ist. Dennoch wird an den Stoffen festgehalten. Mehr noch: Es droht die Gefahr, dass diese Art Impfstoffe schon sehr bald f&uuml;r &bdquo;alternativlos&ldquo; deklariert werden.<\/p><p>Olaf Scholz hat die Empf&auml;nger der neuartigen Impfstoffe im Nachhinein als &bdquo;Versuchskaninchen&ldquo; bezeichnet. Es war sehr vielen Empf&auml;ngern zum Zeitpunkt der Impfung gar nicht bewusst, dass sie eine solche Rolle &uuml;bernommen haben, denn die Informationen zu den Risiken waren gar nicht rechtzeitig bis zu ihnen durchgedrungen.<\/p><p>In nicht allzu ferner Zukunft wird es auch noch um viel mehr als Impfstoffe gehen. Die Gentechnik schreitet sehr schnell voran. Darin liegen enorme Chancen, aber auch ebensolche Risiken. Nach den Erfahrungen aus der Corona-Krise ist davon auszugehen, dass wir B&uuml;rger auch k&uuml;nftig bez&uuml;glich der Risiken neu entwickelter Produkte nicht ausreichend vorab durch Hersteller, Leitmedien oder Regierung informiert werden. Wir werden vielmehr wieder auf M&ouml;glichkeiten des direkten Austausches untereinander angewiesen sein. Und eine wichtige M&ouml;glichkeit ist der Austausch &uuml;ber gro&szlig;e soziale Medien. Ich m&ouml;chte mit der Klage dazu beitragen, dass diese M&ouml;glichkeit wieder hergestellt wird.<\/p><p><strong>Vordergr&uuml;ndig geht es um die gel&ouml;schten Beitr&auml;ge. Aber bei Licht betrachtet geht es Ihnen also um mehr?<\/strong><\/p><p>Es geht nicht nur um meine Beitr&auml;ge oder sonst irgendwie nur um mich. Viele andere sind auch betroffen. Potenziell kann es zudem irgendwann alle anderen treffen, und zwar nicht nur zum Thema Impfungen, denn es geht nicht nur um das Recht auf Leben und k&ouml;rperliche Unversehrtheit. Es geht auch um ein weiteres Grundrecht, n&auml;mlich das in Artikel 5 des Grundgesetzes festgeschriebene Recht auf Freiheit der Meinungs&auml;u&szlig;erung. Dort steht auch ausdr&uuml;cklich: &bdquo;Eine Zensur findet nicht statt.&ldquo;<\/p><p><strong>Was bedeutet es denn aus Ihrer Sicht, wenn gro&szlig;e soziale Medien eine solche L&ouml;schpraxis wie LinkedIn veranschlagen?<\/strong><\/p><p>Mittlerweile beziehen viele Menschen einen Gro&szlig;teil ihrer Informationen aus sozialen Medien. Wenn in diesen Medien Informationen gel&ouml;scht werden, die auch f&uuml;r die politische Willensbildung wichtig sind, ger&auml;t letztlich nicht weniger als unsere freiheitliche demokratische Grundordnung in Gefahr.<\/p><p>Besonders erschreckend ist, dass die Politik den Medienunternehmen nicht Einhalt gebietet, sondern sie sogar noch antreibt zu zensieren. Willy Brandt hat einmal gesagt: &bdquo;Der Respekt vor dem m&uuml;ndigen B&uuml;rger verlangt, dass man ihm Schwierigkeiten nicht vorenth&auml;lt.&ldquo; Im Hinblick auf die sch&auml;dlichen Nebenwirkungen der neuartigen Impfstoffe scheint mir dieser Respekt v&ouml;llig verloren gegangen zu sein.<\/p><p><strong>Kann denn jeder B&uuml;rger, der betroffen ist, klagen, sprich: so vorgehen wie Sie?<\/strong><\/p><p>Rein rechtlich schon, aber solch eine Klage kostet viel Zeit, Energie und Geld, das kann sich nicht jeder B&uuml;rger leisten. LinkedIn hatte mir und anderen Betroffenen einen Vergleich angeboten, der sinngem&auml;&szlig; lautete: &bdquo;Sie ziehen die Klage zur&uuml;ck, wir schalten Ihr Profil wieder frei, aber Ihre betroffenen Beitr&auml;ge bleiben gel&ouml;scht.&ldquo; Ich habe das abgelehnt. Aber alle, die ich kenne, sind darauf eingegangen, weil zu dem Zeitpunkt, zu dem der Vergleich angeboten wurde, ihr Budget ersch&ouml;pft war. Als gerecht empfinden sie den Vergleich allerdings nicht.<\/p><p>Auch Geduld ist erforderlich. Mein Profil ist im April 2022 gesperrt worden, meine Klage ist im Juli 2022 eingereicht worden, das Gericht hat den Verhandlungstermin auf Mai 2024 bestimmt, dann wird das Profil schon mehr als zwei Jahre gesperrt sein.<\/p><p><strong>Verraten Sie uns, wie viel Sie die Klage bisher gekostet hat?<\/strong><\/p><p>Bisher sind Kosten in H&ouml;he von gut 50.000 Euro angefallen. Dabei wird es aber wahrscheinlich nicht bleiben. Denn wenn ich vor dem Landgericht gewinne, wird LinkedIn vermutlich Revision beim Oberlandesgericht einlegen, umgekehrt werde ich das ganz sicher tun, und das Gleiche gilt auch f&uuml;r den Bundesgerichtshof.<\/p><p>Es h&auml;tte die M&ouml;glichkeit gegeben, zun&auml;chst eine einstweilige Verf&uuml;gung zu beantragen, statt gleich Klage einzureichen. Das h&auml;tte zun&auml;chst geringere Kosten verursacht. Es w&auml;re auch aussichtsreich gewesen, denn es hat schon entsprechende einstweilige Verf&uuml;gungen gegen LinkedIn gegeben, und LinkedIn hat es bislang bei denen belassen. Das hat aber immer nur vorl&auml;ufigen Charakter, nie endg&uuml;ltigen, es schafft also keine echte Rechtssicherheit. Deshalb habe ich mich entschieden, den beschwerlichen Weg &uuml;ber ein Hauptsacheverfahren zu gehen, und zwar erforderlichenfalls bis zur letzten Instanz. Dieser Weg ist meines Wissens noch nie beschritten worden und im Erfolgsfall k&ouml;nnten sich viele andere auf das in meinem Prozess ergangene Urteil berufen.<\/p><p><strong>Das hei&szlig;t: Um sich in so einem Fall zu wehren, braucht man viel Geld?<\/strong><\/p><p>Ja, leider. In der Hinsicht n&uuml;tzt es auch nicht viel, wenn man einen solchen Prozess gewinnt, denn selbst in dem Fall wird einem nur ein kleiner Teil der Kosten erstattet. Die Gegenseite juckt das nicht, denn LinkedIn geh&ouml;rt Microsoft und hinter Microsoft steht Bill Gates, und f&uuml;r den sind die Betr&auml;ge, um die es geht, &bdquo;peanuts&ldquo;. Mir hingegen tun sie schon weh, aber ich handele nach der Devise &bdquo;Augen zu und durch&ldquo;.<\/p><p>Man kann selbstverst&auml;ndlich versuchen, an finanzielle Unterst&uuml;tzung durch Dritte zu kommen. Es gibt zum Beispiel eine Initiative namens &bdquo;Meinungsfreiheit im Netz&ldquo;. F&uuml;r mich ist das allerdings nichts, ich lege sehr gro&szlig;en Wert darauf, v&ouml;llig unabh&auml;ngig agieren zu k&ouml;nnen.<\/p><p>&Uuml;brigens: Wichtiger noch als finanzielle Unterst&uuml;tzung ist die Unterst&uuml;tzung durch Sachverst&auml;ndige. Leider sind viele Sachverst&auml;ndige selbst gegen angemessenes Honorar nicht bereit, als Zeuge aufzutreten, weil Sie berufliche Sanktionen bef&uuml;rchten.<\/p><p><strong>Wie sieht es aus Ihrer Sicht um die Meinungsfreiheit generell aus? Gibt es ein Problem, das &uuml;ber LinkedIn und Co. hinausgeht?<\/strong><\/p><p>Ja, ein solches Problem sehe ich tats&auml;chlich. Um die Meinungsfreiheit in Deutschland steht es nach meiner Wahrnehmung schlechter als je zuvor in den Zeiten, die ich selbst bewusst erlebt habe. Soweit ich es erkennen kann, hat vor einigen Jahren ein Trend eingesetzt, der nach wie vor anh&auml;lt. Besonders schmerzt, dass die Beschr&auml;nkungen der Freiheit der Meinungs&auml;u&szlig;erung nicht nur von der Staatsgewalt ausgehen, sondern auch und sogar mehr noch vom Staatsvolk selbst, also von den Mitb&uuml;rgern.<\/p><p>Zum Beispiel haben andere LinkedIn-Nutzer mir in &ouml;ffentlich einsehbaren Kommentaren zu meinen Corona-Beitr&auml;gen N&auml;he zu Neonazis und Antisemiten vorgeworfen. F&uuml;r mich ist das unfassbar, ich vertrete keinerlei entsprechende Ansichten, ich war &uuml;ber ein Vierteljahrhundert lang Mitglied der SPD, war vor dem Eintritt und bin seit dem Austritt parteilos, habe nie etwas anderes gew&auml;hlt als SPD, FDP oder CDU.<\/p><p>Man kann mittlerweile t&auml;glich beobachten, wie gegen Andersmeinende auf absurde Weise die Nazi-Keule geschwungen wird. Die Spaltung der Gesellschaft wird immer gr&ouml;&szlig;er. Ich h&auml;tte nie gedacht, dass so etwas unter der Kanzlerschaft und Pr&auml;sidentschaft von Sozialdemokraten passieren k&ouml;nnte. Willy Brandt hat einmal gesagt: &bdquo;Wenn ich sagen soll, was mir neben dem Frieden das Wichtigste sei, dann lautet meine Antwort: Freiheit.&ldquo; Wir sollten mehr Willy Brandt wagen!<\/p><p><small>Titelbild: IB Photography\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Eine Zensur findet nicht statt.&ldquo; So steht es in unserem Grundgesetz. Doch, stimmt das? Was soziale Netzwerke angeht, das hei&szlig;t etwa Plattformen wie Facebook oder LinkedIn, werden bisweilen unliebsame Beitr&auml;ge sehr schnell gel&ouml;scht. Dem Berliner Mittelst&auml;ndler <strong>J&ouml;rg Kuttig<\/strong> ist das mehrmals auf seinem LinkedIn-Kanal passiert. Bei dem US-amerikanischen Konzernunternehmen stie&szlig; er auf taube Ohren. 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