{"id":110504,"date":"2024-02-02T16:09:52","date_gmt":"2024-02-02T15:09:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110504"},"modified":"2024-02-02T16:09:52","modified_gmt":"2024-02-02T15:09:52","slug":"leserbriefe-zu-politische-korrektheit-die-moderne-form-von-gottesfurcht-und-puritanismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110504","title":{"rendered":"Leserbriefe zu \u201ePolitische Korrektheit: Die moderne Form von Gottesfurcht und Puritanismus\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Udo Brandes diskutiert <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110122\">hier<\/a> &uuml;ber die These, nach der der Puritanismus &bdquo;ausgerechnet in den westlich-liberalen L&auml;ndern&ldquo; fr&ouml;hliche Urst&auml;nde feiere. Das &bdquo;lustvoll genossene Leben&ldquo; gelte als &bdquo;geradezu moralisch verwerflich&ldquo;. Auch bei liberalen Menschen sei die seit vielen Jahrhunderten in der Gesellschaft wirksame christliche Ethik pr&auml;sent. Das &bdquo;linksliberale, betont politisch korrekte Milieu, insbesondere die Gr&uuml;nen&ldquo;, seien &bdquo;im Grunde gl&auml;ubige Protestanten mit einem strengen protestantischen &Uuml;ber-Ich, das alles vermeintlich B&ouml;se ausmerzen&ldquo; wolle. Wir danken f&uuml;r die interessanten E-Mails, die wir hierzu erhalten haben. Es folgt nun eine Auswahl der Leserbriefe. Zusammengestellt von <strong>Christian Reimann<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>1. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Udo Brandes, Ihr Artikel hat mir sehr viel Spass bereitet und trifft ins Schwarze. Als Tochter eines Pfarrers kann ich Ihre Ausf&uuml;hrungen nur best&auml;tigen und Ihnen von Herzen danken! <\/p><p>Liebe Gr&uuml;&szlig;e<br>\nAnette Kaufmann<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>2. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Diese bekennenden oder verkappten Gl&auml;ubigen sind unaufgekl&auml;rte, wissenschaftsfeindliche Knechtsnaturen. So w&uuml;nscht sich der Klassenstaat seine Untertanen. Deshalb legt er gro&szlig;en Wert auf eine religi&ouml;se Erziehung und besoldet gro&szlig;z&uuml;gig die kirchlichen Parasiten. Sie sind ihm in kritischen Lagen, wie jetzt, zu Diensten: Aufrufe zu Aufm&auml;rschen f&uuml;r die herrschende Bande.<\/p><p>Gru&szlig;<br>\nP. Swoboda&nbsp;<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>3. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Brandes,<br>\n&nbsp;<br>\nwenn Sie in Ihrem Beitrag das Wort &ldquo;christlich&rdquo; durch &ldquo;kirchlich&rdquo; ersetzen, dann wird er richtig. So aber ist er falsch. Nur ein Beispiel: Sie schreiben, dass die Einteilung in &ldquo;Gut&rdquo; und &ldquo;B&ouml;se&rdquo; typisch christlich sei. Genau das Gegenteil ist der Fall: Die Hinwendung Jesu zu gesellschaftlichen Outsidern &ndash; wegen Krankheit Ausgesto&szlig;enen, Prostituierten, Z&ouml;llnern, also damals nach j&uuml;dischem Verst&auml;ndnis s&uuml;ndhaften Menschen &ndash; zeigt, dass Jesus gerade kein Schwarz-Wei&szlig;-Denken hatte.<\/p><p>Aber es ist halt sehr popul&auml;r geworden, auch Jesus Christus in Verruf zu bringen. Statt dessen gibt es neue &ldquo;G&ouml;tter&rdquo;: Natur und Tiere, politische Ideen, Parteien, wom&ouml;glich sogar Politiker selbst. Darin d&uuml;rfte das tats&auml;chliche Problem f&uuml;r die gesellschaftliche Radikalisierung liegen.<br>\n&nbsp;<br>\nMit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nMilitzer<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>4. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Herr Brandes, danke f&uuml;r die aufkl&auml;rerische Buchbesprechung.<br>\nZeilen von Ihnen&hellip; immer wieder mit Vergn&uuml;gen! d<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>5. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Allen, die noch die Freiheit des Geistes und des Wortes kennen und gebrauchen, st&ouml;sst dieser Puritanismus in seiner Dualit&auml;t auf. <\/p><p>Gleichzeitig lassen aber die J&uuml;ngern auch alles offen und &ldquo;irgendwie&rdquo;. <\/p><p>Seit 20 Jahren versuche ich zu ergr&uuml;nden, was diese Leute veranlasst derart grosse Eingriffe in ihre eigene Pers&ouml;nlichkeit zuzulassen. <\/p><p>Und ich habe tats&auml;chlich den Teufel &ldquo;Digitales&rdquo; entdeckt. <\/p><p>Wir erinnern uns: Ein PC &ldquo;denkt&rdquo; in 0 und 1. Eine dritte Schaltstellung ist nicht vorgesehen. <\/p><p>Das muss nat&uuml;rlich auch unser Denken beeinflussen. <\/p><p>Wenn ein PC keine Antwort liefert, hat an &ldquo;falsch gedacht&rdquo;.<br>\nDie K.I. denkt &ldquo;richtig, und wir eignen uns das nat&uuml;rlich an. <\/p><p>Verbringen wir doch mit Digitalem mehr Zeit, als mit unserer Familie!!<\/p><p>Diese &ldquo;Denk&rdquo;weise ist bereits epigenetisch in uns verankert, und unser Unterbewusstsein st&ouml;sst Gl&uuml;ckshormone aus wenn wir denken, wie wir sollen. Aber nicht weil es uns &ldquo;verboten&rdquo; wird, sondern einfach weil wir das Digitale dann nicht vollumf&auml;nglich nutzen k&ouml;nnen! <\/p><p>Der Teufelskreis &ldquo;Psyche&rdquo; beginnt. <\/p><p>Wolf Dippel<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>6. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Hallo Herr Brandes,<\/p><p>zwar wird man als Christ unter anst&auml;ndigen Linken schon beinahe als reaktion&auml;r eingeordnet, aber hier muss ich einmal einhaken:<\/p><p>Diese Art &ldquo;politische Korrektheit&rdquo;, die Sie aus einer &ldquo;Gottesf&uuml;rchtigkeit&rdquo; herleiten, hat nichts, aber auch gar nichts mit dem urspr&uuml;nglichen Geist des Christentums zu tun, der<\/p><ul>\n<li>Liebe ausdr&uuml;cklich h&ouml;her als ordnungskonformen Gehorsam bewertet,<\/li>\n<li>Befreiung von den Folgen eigener und fremder Fehler hoffnungsvoll in Aussicht stellt sowie<\/li>\n<li>die &auml;u&szlig;erlich-sittlichen Lebensweisen der Menschen sogar in Extremf&auml;llen f&uuml;r beinahe nebens&auml;chlich erkl&auml;rt angesichts echter Br&uuml;derlichkeit.<\/li>\n<\/ul><p>Der Protagonist hat dies mit seinen Handlungen und Worten unterstrichen, indem er zum Beispiel Prostituierte vor Bestrafung bewahrt, &uuml;bermenschlich erscheinende Erfolge einzig dem Mindset der mutigen Vertrauensf&auml;higkeit zuschreibt und menschliche N&auml;he mit Kranken, Ausbeutern und Mobbingopfern pflegt.  <\/p><p>Es ist eher umgekehrt: eine z&auml;h verkopfte, &auml;ngstliche und opportunistische Facette in unserer Kultur hat sich sogar dieses gro&szlig;artig flammenden Freiheitsimpulses bem&auml;chtigt, die lebensbejahenden Ideale des Christentums pervertiert und f&uuml;r den Machtmissbrauch innerhalb bestehender autorit&auml;rer Gef&auml;lle nutzbar gemacht.<\/p><p>Viele Gr&uuml;&szlig;e,<br>\nEvelyn Julians<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>7. Leserbrief<\/strong><\/p><p>F&uuml;r was haben&nbsp; der Protestantismus und&nbsp; Luther nicht schon alles herhalten m&uuml;ssen. F&uuml;r den Kapitalismus &ndash; Max Weber. Nun f&uuml;r den Asketismus des Veganismus und aller rigoristischen Gr&uuml;nen, einer angeblichen Verbotspartei.&nbsp; Und sogar f&uuml;r die These&nbsp; nicht nur die Veganer, sondern alle, die auf einem Selbstverwirklichungstrip sind , seien alle&nbsp; linke Protestanten,&nbsp; ist so kaum zu halten.&nbsp;<\/p><p>Von Religionswissenschaft und Theologiegeschichte nicht gedeckt.&nbsp;<\/p><p>Askese hat es in allen Religionen , auch in der griechischen Philosophie gegeben. Der Dualismus des griechischen&nbsp; Neuplatonismus ist auch ein Hauptkennzeichen f&uuml;r die augustinische,&nbsp; r&ouml;misch-katholische Dogmatik und f&uuml;r das weltfl&uuml;chtige asketische M&ouml;nchtum.&nbsp; Bis heute ist diese Anthropologie im katholischen Volksglauben an die Realexistenz Satans verankert. Auch im&nbsp; Weltbild konservativer politischer Kreise gilt der Mensch als b&ouml;se. Nur Erziehung, Religion, Werte und Sanktionen k&ouml;nnen ihn erl&ouml;sen.&nbsp;&nbsp;<\/p><p>Luthers Anthropologie ist nicht dualistisch, sondern mit dem simul justus et peccator ( gerechtfertigt&nbsp; und s&uuml;ndigen zugleich) realistisch, komplexer und&nbsp; ganzheitlich. Er hat seine Gnadenlehre gerade aus seinem&nbsp; bitteren Scheitern am Askese-Leistungsprinzip,&nbsp; also der frommen Selbsterl&ouml;sung&nbsp; , entwickelt und daf&uuml;r eine tiefe Spaltung der Christenheit in Kauf genommen. Dass er auch an den Teufel geglaubt hat, hat theologisch mit seiner Soteriologie nur indirekt zu tun. Puritanisch hat er selbst keineswegs gelebt.<\/p><p>Die Wurzeln des Puritanismus, als einer angels&auml;chsischen&nbsp; Abspaltung des europ&auml;ischen Protestantismus,&nbsp; haben mit dem&nbsp; europ&auml;ischen Protestantimus wenig zu tun. Puritanismus spielt auch&nbsp; bei den Evangelikalen in Deutschland eher eine untergeordnete Rolle.&nbsp;<\/p><p>Nein, Veganer sind keine verkappten Puritaner, schon gar keine Protestanten. Links im Sinne von sozial f&uuml;r die Geschw&auml;chten sind sie schon gar nicht. Ob sie politisch &uuml;berwiegend Gr&uuml;ne sind, m&uuml;&szlig;te mal erforscht werden.&nbsp;<\/p><p>Nelles kenne ich nur &uuml;ber Brandes.&nbsp;<\/p><p>Dietrich Horstmann<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>8. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Lieber Herr Brandes, <\/p><p>mit der &Uuml;berschrift k&ouml;nnte ich ja noch etwas anfangen, wenn man bei &ldquo;Gottesfurcht&rdquo; die Betonung auf &ldquo;Furcht&rdquo; setzt und unter &ldquo;Puritanismus&rdquo; eine eher totalit&auml;re Ideologie versteht. <\/p><p>Aber &ldquo;Christentum&rdquo;? Da sollte man zun&auml;chst einmal zwischen Christlichem Geist und der Organisation Kirche unterscheiden. Praktisches Beispiel: Wird etwa die katholische Kirche, &auml;lteste kriminelle Organisation des Westens, von Eugen Drewermann repr&auml;sentiert? Der Psychologe, Nelles, verbei&szlig;t sich zu sehr in die fundamentalistischen Abirrungen von Christlichen Kirchen. Von denen im Westen &uuml;brigens, in der Orthodoxen Kirche gibt es das weniger. <\/p><p>Wenn man schon die Bibel zu Rate zieht, um den Wahnsinn der &ldquo;woken&rdquo; Gegenwart zu fassen, dann doch lieber das Alte Testament, den Turmbau zu Babel: Eine gr&ouml;&szlig;enwahnsinnige Herrscherkaste und ein orientierungsloses Volk auf dem Weg der Dekadenz. Mit Christentum hat das nichts zu tun, aber mit Regression, einer r&uuml;ckw&auml;rts gewandten Entwicklung. <\/p><p>Schaut man sich den evolution&auml;ren Aspekt genauer an, dann ist es die Aufkl&auml;rung, die Moderne, die die westliche Gesellschaft gepr&auml;gt hat. Wenn jetzt &ldquo;moralischer Narzissmus&rdquo; diagnostiziert wird, dann scheinen mir als Ursache verborgene, unterbewusste &ldquo;christliche&rdquo; Reste doch sehr weit hergeholt. Orientierungslosigkeit, versteckt hinter lebensfremden Ideologien, ist das pr&auml;gende Merkmal. Und die ist Folge der Postmoderne. &ldquo;Es gibt keine absolute Wahrheit&rdquo;, so d&uuml;rfte, sehr verk&uuml;rzt, die Botschaft der Postmoderne lauten. Und das ist richtig. Allerdings eine &ldquo;negative&rdquo; Erkenntnis, die keinen Weg weist und keinen Halt gibt. <\/p><p>Die Postmoderne zeigt die Beschr&auml;nktheit eines rein logischen, naturwissenschaftlichen, technischen Weltbildes auf. Ein fortschrittlicher Ausweg aus dieser Situation w&auml;re, den Blickwinkel zu weiten, &uuml;ber die Beschr&auml;nktheit hinaus. Der &ldquo;moralische Narzissmus&rdquo; hingegen macht einen logischen Kurzschluss und engt den Blickwinkel noch weiter ein. Er sagt einfach. &ldquo;Wenn es schon keine absolute Wahrheit gibt, dann bin &ldquo;ICH&rdquo; das eben!&rdquo;. Wie das in der Praxis aussieht, kann man an einem der ersten &ldquo;Gr&uuml;nen&rdquo; auf diesem Weg bewundern, Jockel Fischer. Und heute an dem gesamten Personal der Partei &ldquo;die Gr&uuml;nen&rdquo;. <\/p><p>Nicht das Christentum pr&auml;gt diese Gesellschaftsideologie, sondern die Verirrte Postmoderne. <\/p><p>Herzlichen Gru&szlig;,<br>\nRolf Henze<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>9. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrter Herr Brandes,<\/p><p>Ihren Artikel &uuml;ber politische Korrektheit, Gottesfurcht und Puritanismus fand ich sehr interessant. Dennoch kann ich die Kernthese, wonach die Repr&auml;sentanten und Verfechter der Politischen Korrektheit (Gesundheit, Ern&auml;hrung etc. soll nachfolgend darin immer eingeschlossen sein) &ldquo;im Grunde gl&auml;ubige Protestanten mit einem strengen protestantischen &Uuml;ber-Ich sind&rdquo; (auch wenn&nbsp; von ihrer Weltanschauung her atheistisch gepr&auml;gt), nicht teilen.<\/p><p>Sicher gibt es auch im heutigen westlich-liberalen Kulturraum, wo es nicht wenige k&auml;mpferische Atheisten gibt, die sich mit aller Kraft daf&uuml;r einsetzen, dass das Christliche aus dem &ouml;ffentlichen Raum verdr&auml;ngt wird (?), noch Einfl&uuml;sse christlicher Ethik. Ich denke bspw. an den arbeitsfreien Sonntag: bei den Christen der Tag des Herrn, an dem zu seiner Ehre die Arbeit weitgehend ruhen soll, aber auch nicht-gl&auml;ubige Menschen freuen sich, dass 1 Tag in der Woche der Knute von Arbeit und Geldverdienen (f&uuml;r nicht wenige verbunden mit dem Zwang sich ausbeuten zu lassen oder aber am unteren Existenzminimum zu leben) entzogen ist. Weitere heute noch relevante ethische Kategorien mit (auch) christlicher Wurzel sind Wahrheit, Gerechtigkeit, N&auml;chstenliebe bzw. Solidarit&auml;t (innerhalb der Familie aber auch dar&uuml;ber hinaus), Achtung des Eigentums, Monogamie als Grundlage f&uuml;r sexuelle Beziehungen und sicher noch einiges mehr.<\/p><p>Sie sind ja bekennender Atheist und als solcher wahrscheinlich der dialektischen Methode nicht abgeneigt. Soll hei&szlig;en: Sie haben mit Ihrem Artikel eine These vorgestellt, ich liefere die Antithese und vielleicht kommen wir ja auch noch zu einer stimmigen Synthese, aber das wohl eher nicht.<\/p><p>Ich sage also: es sind nicht die heute noch existierenden Einfl&uuml;sse der christlichen (protestantischen) Ethik, die die Apostel (wieder so eine christlich gef&auml;rbte Vokabel) der politischen Korrektheit so auftreten l&auml;&szlig;t, wie sie auftreten (apodiktisch, nur schwarz und wei&szlig; und keine Graut&ouml;ne, apokalyptische Drohszenarien, den Menschen ein schlechtes Gewissen einreden). Auch wenn es das Christentum (und auch den Protestantismus) gar nicht gegeben h&auml;tte, w&uuml;rden die Vertreter der politischen Korrektheit heute genauso auftreten wie beschrieben. Der Grund liegt in der Natur der Sache: Menschen die von etwas &uuml;berzeugt sind und die sicher sind, dass viele Menschen ihre Einsichten und Visionen kennenlernen und teilen sollten, weil diese ihrer Meinung nach zukunftsbestimmende Bedeutung haben, die m&uuml;ssen quasi genau so auftreten und agieren wie christliche Missionare (eher zu fr&uuml;heren Zeiten) bzw. die Missionare der politischen Korrektheit heutzutage, weil sie sonst keiner wahrnehmen w&uuml;rde. Die Botschaften m&uuml;ssen in kurzen aber pr&auml;gnanten Formeln zusammengefasst werden (auch wenn dabei Zwischent&ouml;ne verschwinden), eine Dringlichkeit muss zum Ausdruck kommen, den Menschen muss klar gemacht werden, was passiert, wenn sie der neuen Lehre nicht folgen.<\/p><p>Es ist zwar richtig, dass in L&auml;ndern mit geringerer christlicher Pr&auml;gung (China, Japan, Indien) auch die politische Korrektheit westlicher Provenienz zumindest nicht so dominant in Erscheinung tritt. Aber zumindest f&uuml;r Japan trifft diese Feststellung nur noch sehr bedingt zu. Als Mitgliedsland der westlich gepr&auml;gten G7 und immer noch mit grossen US-Milit&auml;rbasen &ldquo;begl&uuml;cktes&rdquo; Land, zieht diese Str&ouml;mung auch hier mehr und mehr ein, auch ohne gro&szlig;e christliche Tradition als vermeintlichen N&auml;hrboden. Der Grund warum China und Indien hier eher immun sind, ist meiner Meinung nach folgender: diese L&auml;nder hatten in ihrer Geschichte sehr unter dem westlichen Kolonialismus gelitten. Sie sehen daher in ihrer politischen und wirtschaftlichen Souver&auml;nit&auml;t ein hohes Gut und verfolgen&nbsp; ganz bewusst eine vom Westen unabh&auml;ngige Entwicklung, gerade auch innerhalb des BRICS+-Staatenb&uuml;ndnisses. Deshalb und nicht weil die christlichen Pr&auml;gungen fehlen, sind sie auch westlichen modernen Str&ouml;mungen gegen&uuml;ber sehr zur&uuml;ckhaltend.<\/p><p>Peter Werner<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>10. Leserbrief<\/strong><\/p><p>Sehr geehrte Redaktion,<\/p><p>Hauptsache der Autor, Udo Brandes, ist sich sicher, auf der richtigen Seite des Lebens zu stehen. Mit seinem Populismus steht er nicht allein, sondern hat prominente Gesellschaft in der Politik. Von Alice Weidel &uuml;ber Markus S&ouml;der bis hin zu Sahra Wagenknecht will sich niemand ein schlechtes Gewissen beim Verzehr eines Schnitzels einreden lassen.<br>\n(Alice Weidel: <a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/international\/deutschland\/772309697-alice-weidel-fordert-niemand-geht-an-mein-schnitzel\">&laquo;Niemand geht an mein Schnitzel!<\/a>&raquo;;<br>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=csUhkXou9u8\">Markus S&ouml;der: Die Anstalt vom 11.07.2023<\/a>;<br>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CGCXvUXaFeU\">Sahra Wagenknecht: Sommer-Spezial: Ihr fragt. Sahra Wagenknecht antwortet &ndash; Teil II<\/a>, (Minute 8:27))<br>\nPolitisch-korrekt scheint es f&uuml;r diese Politiker zu sein, sich f&uuml;r einen Fleischverzehr ohne schlechtes Gewissen auszusprechen. Gerichtet ist dieser Emp&ouml;rungs-Populismus gegen die Gr&uuml;nen, obwohl sachlich v&ouml;llig unbegr&uuml;ndet, denn die Gr&uuml;nen haben niemals vorgehabt, das Fleischessen zu verbieten. Ihnen wurde schon zum Verh&auml;ngnis, die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r Ern&auml;hrung (DGE) bez&uuml;glich des Fleischverzehrs &ouml;ffentlich zu erw&auml;hnen. Dabei befasst sich die DGE &ldquo;nur&rdquo; mit den gesundheitlichen Aspekten des Fleischkonsums. Dass unser Fleischkonsum dar&uuml;ber hinaus neben unvorstellbaren Tierqualen aber auch noch massive negative Auswirkungen auf den Welthunger und den Klimawandel hat, das wollen unsere Genussmenschen alles nicht h&ouml;ren. Dabei ist das alles l&auml;ngst bekannt. Bereits im Schlussbericht der Enquete-Kommission &ldquo;Schutz der Erdatmosph&auml;re&rdquo; (in Auftrag gegeben vom Deutschen Bundestag) aus dem Jahr 1994 (!) war zu lesen:<br>\n&ldquo;Durch eine Senkung des Fleischkonsums auf ein &ndash; auch der Gesundheit f&ouml;rderliches Ma&szlig; &ndash; k&ouml;nnten ein Viertel oder mehr der klimarelevanten Emissionen vermieden werden. Der &Uuml;bergang zu einer st&auml;rker pflanzlich orientierten Ern&auml;hrung er&ouml;ffnet somit das mit Abstand gr&ouml;&szlig;te Einsparpotential (bis zu 100 Mio. t CO2-&Auml;quivalente) im Ern&auml;hrungssystem. Dar&uuml;ber hinaus w&uuml;rden die volkswirtschaftlichen Folgekosten der ern&auml;hrungsbedingten Krankheiten (50 Mrd. DM\/Jahr) erheblich reduziert.&rdquo;<br>\n<a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/12\/086\/1208600.pdf\">dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/12\/086\/1208600.pdf<\/a><br>\nDer Populismus gegen die Gr&uuml;nen in Sachen Fleischverzehr k&ouml;nnte jetzt zu der Annahme verleiten, dass die Gr&uuml;nen viel f&uuml;r das Tierwohl tun. Das sehen Tiersch&uuml;tzer allerdings anders. Der Grundsatz des Tierschutzgesetzes lautet: &ldquo;Niemand darf einem Tier ohne vern&uuml;nftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schaden zuf&uuml;gen.&rdquo; Die Gr&uuml;nde, warum Tiere ein kurzes Leben in der Massentierhaltung fristen m&uuml;ssen (in Deutschland kommen mehr als 95% des Fleisches aus der Massentierhaltung), sind einzig der Genuss und der Profit. L&auml;ngst ist erwiesen, dass man sich fleischlos ges&uuml;nder ern&auml;hren kann. Man kann also mit Recht behaupten, dass sich alle Parteien, einschlie&szlig;lich der Gr&uuml;nen, nicht um das Tierschutzgesetz scheren.<br>\nTiersch&uuml;tzer kennen zudem den Satz von Leo Tolstoi: &ldquo;Solange es Schlachth&auml;user gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.&rdquo; R&uuml;ckw&auml;rts geschlossen sind die Gr&uuml;nen auch nach diesem Kriterium nicht die Partei, vor der sich Schlachthausbetreiber f&uuml;rchten m&uuml;ssen.<\/p><p>Noch ein paar weitere Anmerkungen:<\/p><p>Martin Luther war bestimmt kein Asket, sondern litt vermutlich eher an V&ouml;llerei. Die Puritaner gehen auf Calvin zur&uuml;ck, der tats&auml;chlich ein Asket war. Aber ob als Genussmensch wie Luther oder Asket wie Calvin, beide haben Andersgl&auml;ubige mit Gewalt bek&auml;mpft bzw. Gewalt gegen Andersgl&auml;ubige bef&uuml;rwortet. Beide waren letztendlich religi&ouml;se Fanatiker, die Gewaltanwendung als von Gott geboten betrachtet haben. Beide waren damit auch keine Christen, denn Jesus hat etwas anderes gelehrt. Die ersten drei Jahrhunderte nach Jesus waren alle Christen konsequente Pazifisten.<\/p><blockquote><p>\n&ldquo;Mit Ketzern braucht man kein langes Federlesen zu machen, man kann sie ungeh&ouml;rt verdammen. Und w&auml;hrend sie auf dem Scheiterhaufen zugrunde gehen, sollte der Gl&auml;ubige das &Uuml;bel an der Wurzel ausrotten und seine H&auml;nde in dem Blute der Bisch&ouml;fe und des Papstes baden, der der Teufel in Verkleidung ist.&rdquo;<br>\n(Martin Luther, Tischreden)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n&ldquo;Der alttestamentliche Ha&szlig; gegen die Feinde Jahwes ist heilige Pflicht, auch f&uuml;r den wahren Christen gegen&uuml;ber denen, die das Wort Gottes f&auml;lschen, das hei&szlig;t also den Bekennern des alten Glaubens. In aller Offenheit und Sch&auml;rfe lehrt Calvin das. Ausdr&uuml;cklich macht er sich in diesem Kampfe sogar die letzten Worte des 137. Psalmes zu eigen: &laquo;Tochter Babel, du Verw&uuml;sterin, Heil dem, der dir vergilt, was du an uns ver&uuml;bt hast. Heil dem, der Deine Kinder packt und sie zerschmettert am Felsen.&raquo;&rdquo;<br>\n(Wilhelm Neuss, Die Kirche der Neuzeit, 1954)\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\nAnstatt Religionskritik in Form einer populistischen Glosse zu bringen, sollten die Nachdenkseiten besser dar&uuml;ber aufkl&auml;ren, wie religi&ouml;ser Fanatismus noch heute die Politik in den USA beeinflu&szlig;t und den Weltfrieden gef&auml;hrdet. Siehe z.B. hier:<br>\n<a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Armageddon-und-der-apokalyptische-Holocaust-3407465.html\">Armageddon und der apokalyptische &ldquo;Holocaust&rdquo;<\/a>\n<\/p><\/blockquote><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en<br>\nRalf B&ouml;hm<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Anmerkung zur Korrespondenz mit den NachDenkSeiten<\/strong><\/p><p>Die NachDenkSeiten freuen sich &uuml;ber Ihre Zuschriften, am besten in einer angemessenen L&auml;nge und mit einem eindeutigen Betreff.<\/p><p>Es gibt die folgenden E-Mail-Adressen:<\/p><ul>\n<li><a href=\"mailto:leserbriefe@nachdenkseiten.de\">leserbriefe(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Kommentare zum Inhalt von Beitr&auml;gen.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:hinweise@nachdenkseiten.de\">hinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> wenn Sie Links zu Beitr&auml;gen in anderen Medien haben.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:videohinweise@nachdenkseiten.de\">videohinweise(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r die Verlinkung von interessanten Videos.<\/li>\n<li><a href=\"mailto:redaktion@nachdenkseiten.de\">redaktion(at)nachdenkseiten.de<\/a> f&uuml;r Organisatorisches und Fragen an die Redaktion.<\/li>\n<\/ul><p>Weitere Details zu diesem Thema finden Sie in unserer &bdquo;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=47939\">Gebrauchsanleitung<\/a>&ldquo;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Udo Brandes diskutiert <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110122\">hier<\/a> &uuml;ber die These, nach der der Puritanismus &bdquo;ausgerechnet in den westlich-liberalen L&auml;ndern&ldquo; fr&ouml;hliche Urst&auml;nde feiere. 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Das &bdquo;linksliberale, betont politisch korrekte Milieu, insbesondere die Gr&uuml;nen&ldquo;, seien<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110504\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[103],"tags":[],"class_list":["post-110504","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-leserbriefe"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110504","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=110504"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110504\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":110508,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110504\/revisions\/110508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=110504"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=110504"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=110504"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}