{"id":110643,"date":"2024-02-06T10:00:46","date_gmt":"2024-02-06T09:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110643"},"modified":"2024-02-06T11:28:59","modified_gmt":"2024-02-06T10:28:59","slug":"wiedereinfuehrung-der-wehrpflicht-eine-unpopulaere-aber-notwendige-diskussion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110643","title":{"rendered":"Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht? \u2013 eine unpopul\u00e4re, aber notwendige Diskussion"},"content":{"rendered":"<p>Vor dem Hintergrund des seit fast zwei Jahre andauernden Krieges in der Ukraine und dem Krieg zwischen Israel und der Hamas sind Themen wie Sicherheit und Verteidigungsf&auml;higkeit wieder in das Bewusstsein der Politik und auch der deutschen &Ouml;ffentlichkeit ger&uuml;ckt. Milit&auml;rische Fachleute, aber vor allem auch selbst ernannte Experten melden sich mit immer neuen Ideen zu Wort, wie man Deutschlands Sicherheit bewahren kann. Dabei werden auch immer wieder Gedanken ge&auml;u&szlig;ert, ob man die seit 2011 in Deutschland zwar nur ausgesetzte, aber de facto abgeschaffte Wehrpflicht wiedereinf&uuml;hren sollte. Da diese Diskussion bislang mehr von Emotionen als von Wissen gekennzeichnet war und ist, wird im Folgenden der Versuch unternommen, ein paar Argumente f&uuml;r eine sachliche Diskussion &uuml;ber die genannte Thematik darzustellen. Von <strong>J&uuml;rgen H&uuml;bschen<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><p><em><strong>Anmerkung der Redaktion:<\/strong> Dieser Artikel ist ein Debattenbeitrag , der nicht den Positionen der NachDenkSeiten-Redaktion entspricht. Wir werden morgen eine Gegenargumentation ver&ouml;ffentlichen.<\/em><\/p><p><strong>Die Aussetzung der Wehrpflicht<\/strong><\/p><p>Nur kurz zur Erinnerung und Erg&auml;nzung:<\/p><p>Am 14. M&auml;rz 2011 beschloss die Bundesregierung, alle deutschen Atomkraftwerke, die bis einschlie&szlig;lich 1980 in Betrieb gegangen waren, vom Netz zu nehmen und herunterzufahren. Diese Entscheidung wurde geradezu spontan gef&auml;llt, ohne dass es dazu vorab eine fundierte Diskussion gegeben hatte. Eine &uuml;berzeugende Begr&uuml;ndung gab es f&uuml;r die Entscheidung nicht.<\/p><p>Im selben Monat, konkret am 24. M&auml;rz 2011, beschloss der Deutsche Bundestag eine &Auml;nderung des Wehrpflichtgesetzes und die Aussetzung der Wehrpflicht mit Wirkung vom 1. Juli 2011. Mit dem Gesetz wurde zugleich ein freiwilliger Wehrdienst von sechs bis 23 Monaten geschaffen, der M&auml;nner und Frauen gleicherma&szlig;en offensteht. Bis zu 15.000 Freiwillige sollten in Zukunft neben den Zeit- und Berufssoldaten in der Bundeswehr dienen. Die Aussetzung der Wehrpflicht war Teil der angestrebten Streitkr&auml;ftereform, mit der die Bundeswehr von 255.000 Soldaten auf bis zu 185.000 verkleinert werden sollte.<\/p><p>Zus&auml;tzlich wurde entschieden, dass die Aussetzung der Wehrpflicht nur in Friedenszeiten G&uuml;ltigkeit hat und diese im Spannungs- oder Verteidigungsfall wieder aktiviert werden kann. Deshalb wurde Artikel 12a des Grundgesetzes nicht ge&auml;ndert, nach dem jeder m&auml;nnliche deutsche Staatsb&uuml;rger <i>&bdquo;vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkr&auml;ften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden kann&ldquo;<\/i>.<\/p><p>Der nach dem R&uuml;cktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg seit M&auml;rz 2011 amtierende Verteidigungsminister Thomas de Maizi&egrave;re erkl&auml;rte dazu vor dem deutschen Bundestag: <i>&bdquo;Ich finde das keinen Freudenakt heute, dass wir hier die Wehrpflicht aussetzen&ldquo;, <\/i>sie sei aber sicherheitspolitisch nicht mehr zu begr&uuml;nden. Deutschland ben&ouml;tige leistungsf&auml;hige und finanzierbare Streitkr&auml;fte. Warum die Wehrpflichtarmee nicht mehr erforderlich war, wurde im Vorfeld weder diskutiert noch konkret begr&uuml;ndet.<\/p><p><strong>Wesentliche Konsequenzen aus der Aussetzung der Wehrpflicht<\/strong><\/p><p><u>Verkleinerung der Bundeswehr und Wandel von einer Wehrpflichtarmee in eine Berufsarmee<\/u><\/p><p>Quasi selbsterkl&auml;rend war, dass niemand mehr Wehrdienst leisten musste, sich aber freiwillig weiterhin zur Verf&uuml;gung stellen konnte. Im Klartext hei&szlig;t das, die Bundeswehr &auml;nderte sich von einer Wehrpflichtarmee in eine Armee aus Berufs- und Zeitsoldaten oder einfacher formuliert in eine Berufsarmee. Der Umfang der Streitkr&auml;fte wurde, wie dargestellt, um 70.000 Soldaten reduziert.<\/p><p><u>Abschaffung des Zivildienstes<\/u><\/p><p>Die Ableistung des Wehrdienstes konnte verweigert werden, aber ein Ersatzdienst, besser bekannt als Zivildienst, war zwingend vorgeschrieben. Diesen Ersatzdienst leistende M&auml;nner, die sogenannten &bdquo;Zivis&ldquo;, &uuml;bernahmen die unterschiedlichsten Aufgaben vor allem im sozialen und medizinischen Bereich, also z.B. in Seniorenheimen, Krankenh&auml;usern, Einrichtungen f&uuml;r behinderte Menschen, aber auch im Katastrophenschutz, bei der Freiwilligen Feuerwehr oder als Rettungssanit&auml;ter.<\/p><p>Man konnte aber auch an Stelle des Wehrdienstes &uuml;ber einen bestimmten Zeitraum, z.B. an Wochenenden, Dienst leisten beim Technischen Hilfswerk (THW) oder auch bei der Freiwilligen Feuerwehr. Personal f&uuml;r all diese Aufgaben stand jetzt nicht mehr zur Verf&uuml;gung.<\/p><p><u>Aufl&ouml;sung der Wehrersatzorganisation<\/u><\/p><p>Die Kreiswehrersatz&auml;mter wurden abgeschafft. Es gab also keine Erfassung von jungen M&auml;nnern mehr im wehrdienstf&auml;higen Alter. Niemand musste mehr gemustert werden, um festzustellen, ob er f&uuml;r den Wehrdienst geeignet war und f&uuml;r welche konkreten Aufgaben. Auch eine &Uuml;berpr&uuml;fung von jungen M&auml;nnern, die statt Wehrdienst lieber Ersatzdienst leisten wollten, war nicht mehr erforderlich. Ebenfalls entfiel die Dokumentation &uuml;ber diejenigen, die Wehrpflicht geleistet hatten und dadurch automatisch Angeh&ouml;rige der Reserve wurden, besser bekannt als &bdquo;Reservisten&ldquo;, die die Bundeswehr im Spannungs-und Verteidigungsfall als ausgebildete Soldaten h&auml;tten verst&auml;rken k&ouml;nnen. Die F&auml;higkeiten dieser Reservisten konnten zur Zeit der Wehrpflicht in Wehr&uuml;bungen aktualisiert werden.<\/p><p><u>Umfang der Streitkr&auml;fte im Spannungs- und Verteidigungsfall<\/u><\/p><p>Durch die Einberufung von Reservisten konnte die Antrittsst&auml;rke der Bundeswehr im Spannungs- und Verteidigungsfall mehr als verdreifacht werden. Diese F&auml;higkeit war zwingend erforderlich, weil im Falle eines Krieges ja praktisch die Aufgabe eines jeden Soldaten t&auml;glich 24 Stunden lang gew&auml;hrleistet werden musste. Deshalb gab es f&uuml;r jede milit&auml;rische Einheit eine materielle, vor allem aber auch eine personelle Organisationsgrundlage f&uuml;r den Frieden und eine zweite f&uuml;r den Spannungs- und Verteidigungsfall. Einfach formuliert war also z.B. eine Kompanie, die im Frieden &uuml;ber eine Personalst&auml;rke von 100 Soldaten verf&uuml;gte, im Verteidigungsfall bis zu 300 Mann stark.<\/p><p>Aktuell ist ein solcher Personalaufwuchs der Bundeswehr im Spannungs- und Verteidigungsfall nicht mehr m&ouml;glich.<\/p><p><u>Nachwuchsgewinnung f&uuml;r die Bundeswehr<\/u><\/p><p>Wehrpflichtige Soldaten waren ein entscheidendes Fundament f&uuml;r die Nachwuchsgewinnung in den Streitkr&auml;ften. In der Luftwaffe waren z.B. phasenweise bis zu 50 Prozent der Zeit- und Berufssoldaten ehemalige Wehrpflichtige. Diese jungen M&auml;nner hatten den Dienst in der Bundeswehr erlebt und waren dadurch zu der Entscheidung gekommen, die M&ouml;glichkeiten, die sich f&uuml;r Zeit- und Berufssoldaten ergaben, zu nutzen. Daf&uuml;r ein paar Beispiele: Bei einer Verpflichtung f&uuml;r eine bestimmte Zeit gab es neben der Fachausbildung w&auml;hrend der Dienstzeit zus&auml;tzlich eine Berufsf&ouml;rderung nach Abschluss des aktiven Dienstes. So beendete z.B. ein Soldat, der sich f&uuml;r zw&ouml;lf Jahre verpflichtet hatte, seinen aktiven Dienst f&uuml;r berufsf&ouml;rdernde Ma&szlig;nahmen schon wesentlich fr&uuml;her, und eine weitere Ausbildung wurde f&uuml;r bis zu drei Jahre nach seinem Ausscheiden von der Bundeswehr bezahlt. Au&szlig;erdem gab es die M&ouml;glichkeit, nach dem Ausscheiden aus den Streitkr&auml;ften in den &ouml;ffentlichen Dienst &uuml;bernommen zu werden. F&uuml;r Berufsoffiziere und f&uuml;r Offiziere, die sich f&uuml;r zw&ouml;lf Jahre verpflichtet hatten, war das Studium an einer Universit&auml;t der Bundeswehr obligatorisch und im Zivilleben anerkannt.<\/p><p>Heute entscheiden sich junge Menschen f&uuml;r einen freiwilligen Dienst in der Bundeswehr, ohne zu wissen, &bdquo;worauf sie sich einlassen&ldquo;, und das ist der Grund, warum so viele von ihnen nach einer Art Probezeit die Streitkr&auml;fte wieder verlassen.<\/p><p><u>Einbindung der Bundeswehr in die Gesellschaft<\/u><\/p><p>Die Bundeswehr ist qua Definition eine Parlamentsarmee, aber zur Zeit der Wehrpflicht war sie auch eine Armee der Bev&ouml;lkerung. Durch den Wehrdienst gab es einen st&auml;ndigen Austausch zwischen den Streitkr&auml;ften und der Bev&ouml;lkerung, was zu einer automatischen Integration der Soldaten f&uuml;hrte. Au&szlig;erdem waren die Wehrpflichtigen innerhalb der Streitkr&auml;fte f&uuml;r alle Vorgesetzten eine Herausforderung, diese von ihrer Aufgabe zu &uuml;berzeugen. Das f&uuml;hrte nicht selten bei Unteroffizieren und Offizieren zum &Uuml;berdenken eigener Standpunkte und der Vermeidung von &bdquo;milit&auml;rischen Elfenbeint&uuml;rmen.&ldquo; Durch den Dienst, den die eigenen S&ouml;hne oder Neffen oder jungen Leute im Bekanntenkreis leisteten, hatte die Zivilbev&ouml;lkerung einen ganz pers&ouml;nlichen Zugang zur Bundeswehr und eine eigene Meinung &uuml;ber unsere Streitkr&auml;fte. Dazu geh&ouml;rte auch eine sehr konkrete Vorstellung, wie und wo Soldaten der Bundeswehr eingesetzt werden sollten. Im weitesten Sinne konnte man von einer pers&ouml;nlichen Betroffenheit sprechen, w&auml;hrend heute eher von einem wohlwollenden Desinteresse die Rede sein kann.<\/p><p><u>Politische Entscheidungen &uuml;ber Eins&auml;tze der Bundeswehr<\/u><\/p><p>Last, but not least hatte und hat die Aussetzung der Wehrpflicht auch Konsequenzen f&uuml;r die Entscheidungen der gew&auml;hlten Volksvertreter. Politiker entscheiden heute &uuml;ber alle die Streitkr&auml;fte betreffenden Ma&szlig;nahmen auf Grund einer aus ihrer Sicht politischen Notwendigkeit, gest&uuml;tzt auf Informationen aus zweiter oder dritter Hand. Kaum jemand verf&uuml;gt &uuml;ber Insider-Erkenntnisse, weil er keinen pers&ouml;nlichen Bezug zu den Streitkr&auml;ften hat und vor allen Dingen auch keinerlei direkte Erfahrungen. Das ist nicht zuletzt ein Grund daf&uuml;r, dass immer mehr Politiker zu selbst ernannten sicherheitspolitischen Experten mutieren. Zur Zeit der Wehrpflicht hatte man nicht nur Informationen aus erster Hand, sondern war auch pers&ouml;nlich betroffen, vor allen Dingen auch von Entscheidungen, die f&uuml;r die Soldaten mit Risiken und bisweilen auch mit Lebensgefahr verbunden waren.<\/p><p><strong>Wiedereinf&uuml;hrung der Wehrpflicht?<\/strong><\/p><p><strong>Die De-facto-Abschaffung der Wehrpflicht<\/strong><\/p><p>Die Abschaffung der Wehrpflicht war ein politischer Fehler, und die Begr&uuml;ndung daf&uuml;r war falsch. Die Darstellung der wesentlichen Konsequenzen aus der De-facto-Abschaffung der Wehrpflicht sollte einerseits verdeutlichen, warum diese Entscheidung falsch war, und andererseits klarmachen, dass man diese nicht einfach so r&uuml;ckg&auml;ngig machen k&ouml;nnte, falls es politisch gewollt w&uuml;rde.<\/p><p>Israel hat im Nahostkrieg etwa 380.000 Reservisten eingezogen, und f&uuml;r die Ukraine ist das Hauptproblem das zunehmende Fehlen von ausgebildeten Soldaten. Waffen und Munition kann man produzieren, Personal eben nicht. Die Bundeswehr hat nicht nur eine zu geringe Antrittsst&auml;rke bei den aktiven Soldatinnen und Soldaten, sondern vor allem &uuml;berhaupt keine M&ouml;glichkeit eines nennenswerten personellen Aufwuchses f&uuml;r den Spannungs- und Verteidigungsfall, weil die Reservisten fehlen. &bdquo;Doppel-Wumms&ldquo; und Sonderverm&ouml;gen helfen da nicht weiter.<\/p><p>Was die ausreichende materielle Ausstattung der Streitkr&auml;fte angeht, m&uuml;ssen daf&uuml;r acht bis zehn Jahre veranschlagt werden, falls die Politik dazu wirklich mit Priorit&auml;t bereit w&auml;re. Aktuell verschlechtert sich die Situation sogar, weil zunehmend Waffen, Munition und anderes Material aus dem Bestand der Bundeswehr an die Ukraine abgegeben werden, obwohl die Streitkr&auml;fte in vielen Bereichen bereits deutlich unter ihrem Soll liegen.<\/p><p>Wenn heute &uuml;ber die Verteidigungsf&auml;higkeit der Bundeswehr oder sogar &uuml;ber eine Kriegst&uuml;chtigkeit unserer Bev&ouml;lkerung gesprochen wird, muss man leider feststellen, dass beides nicht gegeben ist, wobei ich dar&uuml;ber hinaus bezweifle, ob die von Verteidigungsminister Pistorius geforderte Kriegst&uuml;chtigkeit des deutschen Volkes &uuml;berhaupt berechtigt ist.<\/p><p>Was also ist zu tun?<\/p><p><strong>M&ouml;glichkeiten, die personelle Einsatzbereitschaft der Bundeswehr zu verbessern<\/strong><\/p><p><u>&bdquo;Wiedereinf&uuml;hrung&ldquo; der Wehrpflicht<\/u><\/p><p>Das Aussetzen der Wehrpflicht r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen, w&auml;re zwar sicherheitspolitisch geboten, ist aber keine realistische M&ouml;glichkeit, weil allein die Reaktivierung der Wehrersatzorganisation Jahre dauern w&uuml;rde. Daf&uuml;r gibt es &ndash; nicht zuletzt vor dem aktuellen Fachkr&auml;ftemangel &ndash; kein geeignetes Personal, und auch die daf&uuml;r ben&ouml;tigte Infrastruktur ist nicht mehr vorhanden.<\/p><p>Politisch w&auml;re ein solcher Schritt vermutlich auch nicht durchsetzbar.<\/p><p><u>Anwerbung von Soldaten aus anderen EU-L&auml;ndern<\/u><\/p><p>Auch das Anwerben von Soldaten aus anderen EU-Staaten wird von einigen sicherheitspolitischen Theoretikern angedacht. Dazu ist zun&auml;chst einmal festzustellen, dass der Beruf des deutschen Soldaten eine hoheitliche Aufgabe darstellt, f&uuml;r die eine deutsche Staatsb&uuml;rgerschaft eine Grundvoraussetzung ist. Hinzu kommt nat&uuml;rlich die Sprachbarriere. Vor allem aber muss man sich dar&uuml;ber im Klaren sein, dass diese Soldaten im Spannungs- und Verteidigungsfall kaum zur Verf&uuml;gung st&auml;nden, weil es nicht passieren wird, dass Deutschland als einziges NATO- oder EU-Land allein einer akuten Bedrohung ausgesetzt sein wird. Und genau in einer solchen Situation m&uuml;ssten diese Soldaten, die ja in ihren Heimatl&auml;ndern der nationalen Wehr&uuml;berwachung unterliegen, nach Hause zur&uuml;ckkehren.<\/p><p><u>Anwerbung von Soldaten aus Nicht-EU-L&auml;ndern<\/u><\/p><p>Ebenfalls wird aktuell sogar das Anwerben von Angeh&ouml;rigen aus Nicht-EU-Staaten diskutiert, vor allem nat&uuml;rlich von diesen selbst ernannten Sicherheitsexperten, die noch nie eine Armee von innen gesehen haben. Bevor man eine solche Idee ins Auge fasst, muss man sich vor allem &uuml;ber zwei Dinge im Klaren sein, n&auml;mlich, warum jemand Soldat wird und wof&uuml;r ein Soldat k&auml;mpft. <\/p><p>Den Beruf des Soldaten ergreift man, weil man bereit ist, seinem Land zu dienen. Nat&uuml;rlich spielt auch die finanzielle Sicherheit eine Rolle, aber die reicht nicht aus, sein Leben f&uuml;r ein Land einzusetzen. Der Beruf des Soldaten hat eine starke emotionale Komponente, man k&ouml;nnte in diesem Zusammenhang auch von Vaterlandsliebe sprechen, auch wenn das f&uuml;r deutsche Ohren vielleicht etwas merkw&uuml;rdig klingen mag. Und diese Vaterlandsliebe ist auch ein wesentliches Motiv daf&uuml;r, dass ein Soldat k&auml;mpft und sein Leben einsetzt. Das ist ja keine rationale Entscheidung, sein Leben zu riskieren, so nach dem Motto: &bdquo;Ich hab es mir &uuml;berlegt und bin zum Schluss gekommen, mein Leben einzusetzen.&ldquo; Nein, ein Soldat muss sich seiner Aufgabe verpflichtet f&uuml;hlen. Er muss, wie man im Englischen sagt, &bdquo;committed&ldquo; sein. Und dieses sich verpflichtet F&uuml;hlen gilt nicht einer Staatsform wie z.B. der freiheitlich demokratischen Grundordnung, sondern seinem Volk und seiner Heimat. Dazu kommt die Kameradschaft als wesentlicher Faktor der soldatischen Gemeinschaft. Zuallererst k&auml;mpft der Soldat f&uuml;r sich, weil er &uuml;berleben m&ouml;chte, dann aber auch f&uuml;r seinen Kameraden, den er nicht h&auml;ngen l&auml;sst und last, but not least f&uuml;r seinen Vorgesetzten, wenn der etwas taugt und der Soldat ihm vertraut.<\/p><p>Diese Begr&uuml;ndungen f&uuml;r den Beruf des Soldaten treffen auf S&ouml;ldner nicht zu. Und in diese Kategorie geh&ouml;ren im gewissen Sinne Soldaten aus anderen EU-Staaten, wenn sie in die Bundeswehr eintreten, vor allem aber M&auml;nner und ggf. auch Frauen aus Nicht-EU-L&auml;ndern, die in eine fremde Armee eintreten, in der sie gutes Geld bekommen und f&uuml;r ihren Dienst die deutsche Staatsb&uuml;rgerschaft erhalten.<\/p><p>Klartext: Ausl&auml;ndische Soldaten w&auml;ren in der Bundeswehr letztlich S&ouml;ldner und damit auch zur Aus&uuml;bung hoheitlicher Aufgaben nicht berechtigt.<\/p><p><u>Einf&uuml;hrung einer allgemeinen Dienstpflicht<\/u><\/p><p>Die allgemeine Dienstpflicht f&uuml;r junge M&auml;nner und Frauen, die mindestens 16, besser noch 18 Jahre alt sind, k&ouml;nnte auch Teil einer neuen Wehrpflicht sein. Im Rahmen einer solchen allgemeinen Dienstpflicht m&uuml;ssten die jungen Menschen ein Jahr ihres Lebens in das Wohl der Gemeinschaft investieren. Diese Pflicht sollte mit verschiedenen M&ouml;glichkeiten ausgestattet sein, wie und wof&uuml;r man sich engagieren m&ouml;chte. Das k&ouml;nnten die Aufgaben sein, die zur Zeit der Wehrpflicht von den &bdquo;Zivis&ldquo; wahrgenommen wurden, und als eine andere Alternative ein zw&ouml;lfmonatiger Dienst in den Streitkr&auml;ften. Da es, wie bereits ausgef&uuml;hrt, keine Wehrersatzorganisation mehr gibt, m&uuml;sste die Erfassung der Jugendlichen, auch im Rahmen aller von ihnen gew&auml;hlten M&ouml;glichkeiten, durch die Kommunen erfolgen, die &uuml;ber alle erforderlichen Informationen verf&uuml;gen. Nach der Registrierung k&ouml;nnte die Zust&auml;ndigkeit f&uuml;r die weitere Personalf&uuml;hrung w&auml;hrend der einj&auml;hrigen Dienstzeit im Rahmen der zivil-milit&auml;rischen Zusammenarbeit an die territorialen Dienststellen der Bundeswehr &uuml;bergehen. Nach Ende ihres Einsatzes m&uuml;sste die Zust&auml;ndigkeit der entlassenen Soldatinnen und Soldaten, die ja dann Reservisten sind, an die personalbearbeitenden Dienststellen der Bundeswehr &uuml;bergehen.<\/p><p>Fazit: Mit der Entscheidung, als Ersatz f&uuml;r die Wehrpflicht eine solche allgemeine Dienstpflicht im Grundgesetz zu verankern, m&uuml;ssten alle Jugendlichen, unabh&auml;ngig von ihrem Geschlecht oder, wie es heute hei&szlig;t, m\/w\/d, einen Gemeinschaftsbeitrag leisten. Dem bei der Aussetzung der Wehrpflicht genannten Aspekt der Wehrgerechtigkeit w&auml;re Gen&uuml;ge getan, die personellen Probleme in allen sozialen Bereichen der Gesellschaft w&uuml;rden deutlich geringer, die Armee h&auml;tte eine Chance, ihre vorgesehene Friedenssollst&auml;rke zu erreichen, und mit dem Aufwuchs des Reservistenpotenzials w&uuml;rde, wenn auch erst in einigen Jahren, eine ausreichende personelle Decke f&uuml;r den Spannungs- und Verteidigungsfall entstehen.<\/p><p><small>Titelbild: Shutterstock \/ Filmbildfabrik<\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110052\">Die Signale stehen auf Kriegst&uuml;chtigkeit: Menschen ohne deutschen Pass sollen Soldaten Deutschlands werden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=103460\">Krieg ohne Krieger &ndash; oder: Das phantomhafte T&ouml;ten und Sterben an der Front<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=102761\">Kanzler des Niedergangs<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=100861\">Stimmen aus der Ukraine: Die Mobilisierungsmethoden erinnern an Menschenjagd<\/a>\n<\/p><\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg09.met.vgwort.de\/na\/2fe55867de2d473dba4246177aa3542b\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem Hintergrund des seit fast zwei Jahre andauernden Krieges in der Ukraine und dem Krieg zwischen Israel und der Hamas sind Themen wie Sicherheit und Verteidigungsf&auml;higkeit wieder in das Bewusstsein der Politik und auch der deutschen &Ouml;ffentlichkeit ger&uuml;ckt. 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