{"id":110766,"date":"2024-02-08T11:00:13","date_gmt":"2024-02-08T10:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110766"},"modified":"2026-01-30T07:23:12","modified_gmt":"2026-01-30T06:23:12","slug":"wiedereinfuehrung-der-wehrpflicht-wer-die-falschen-fragen-stellt-kriegt-auch-nicht-die-richtigen-antworten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110766","title":{"rendered":"Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht? \u2013 wer die falschen Fragen stellt, kriegt auch nicht die richtigen Antworten"},"content":{"rendered":"<p>Die Diskussion rund um eine m&ouml;gliche Wiedereinf&uuml;hrung der Wehrpflicht hat auch die NachDenkSeiten erreicht. Am Dienstag er&ouml;ffnete unser regelm&auml;&szlig;iger Gastautor J&uuml;rgen H&uuml;bschen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110643\">die Debatte<\/a>. Dabei ist ihm hoch anzurechnen, dass er mit einigen politischen Fehleinsch&auml;tzungen aufr&auml;umt. Seine Herleitung und vor allem seine Schlussfolgerungen zeigen jedoch, dass auch H&uuml;bschen innerhalb der milit&auml;rischen &bdquo;Logik&ldquo; argumentiert und den Militarismus nicht etwa hinterfragt, sondern als gegeben hinnimmt. Das ist der falsche Ansatz, diese Debatte zu f&uuml;hren. Die viel wichtigere Frage ist doch, warum wir &uuml;berhaupt meinen, eine gro&szlig;e, schlagkr&auml;ftige Armee haben zu m&uuml;ssen. Da waren wir im Denken schon weiter. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5370\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-110766-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240208_Wiedereinfuehrung_der_Wehrpflicht_wer_die_falschen_Fragen_stellt_kriegt_auch_nicht_die_richtigen_Antworten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240208_Wiedereinfuehrung_der_Wehrpflicht_wer_die_falschen_Fragen_stellt_kriegt_auch_nicht_die_richtigen_Antworten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240208_Wiedereinfuehrung_der_Wehrpflicht_wer_die_falschen_Fragen_stellt_kriegt_auch_nicht_die_richtigen_Antworten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240208_Wiedereinfuehrung_der_Wehrpflicht_wer_die_falschen_Fragen_stellt_kriegt_auch_nicht_die_richtigen_Antworten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=110766-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240208_Wiedereinfuehrung_der_Wehrpflicht_wer_die_falschen_Fragen_stellt_kriegt_auch_nicht_die_richtigen_Antworten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240208_Wiedereinfuehrung_der_Wehrpflicht_wer_die_falschen_Fragen_stellt_kriegt_auch_nicht_die_richtigen_Antworten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Auch ich habe, wie es so sch&ouml;n hei&szlig;t, &bdquo;gedient&ldquo;. Nicht weil ich, wie J&uuml;rgen H&uuml;bschen es formuliert, von Vaterlandsliebe beseelt war und Demokratie oder sonstwas verteidigen wollte. Gegen wen auch? Dank der Gnade der sp&auml;ten Geburt wurde ich 1994 eingezogen &ndash; in einer Zeit, in der der Bundeswehr ihre Feinde abhandengekommen sind. Als junger Mann trieb mich eher die Aussicht auf Abenteuer &ndash; zur See fahren, andere L&auml;nder kennenlernen; das war es, was ich wollte. Auch bei den anderen Wehrdienstleistenden gab es damals niemanden, der vom Patriotismus oder seiner Liebe f&uuml;r das Grundgesetz getrieben war. Und die Berufssoldaten? Einige hatten schlicht keinen ordentlichen Ausbildungsplatz im Zivilleben gefunden, die Offiziere und Offiziersanw&auml;rter hatten sich meist verpflichtet, weil sie das Angebot, w&auml;hrend des Studiums einen recht ordentlichen Lohn zu beziehen, attraktiv fanden. In den Krieg ziehen wollte niemand. Das war 1994 alles ohnehin sehr abstrakt. Es war wohl eine gl&uuml;ckliche Generation, f&uuml;r die Krieg weit au&szlig;erhalb des Vorstellbaren lag. <\/p><p>In den Folgejahren wurde die Bundeswehr umgebaut. Man brauche keine gro&szlig;e Verteidigungsarmee mehr. Die Bundeswehr solle eine kleine, daf&uuml;r global einsetzbare Kampfgruppe werden, die im Rahmen des Grundgesetzes und des V&ouml;lkerrechts als Parlamentsarmee deutsche Interessen mit Waffengewalt verteidigt oder durchsetzt. In dieser Bundeswehr brauche es keine Wehrpflichtigen mehr, so hie&szlig; es. Und das war auch richtig! Wenn der Staat seinen S&ouml;hnen &ndash; nicht T&ouml;chtern &ndash; ein Jahr ihrer Lebenszeit wegnehmen will, ist dies ein massiver Eingriff in die Grundrechte. Dieser Eingriff muss sehr gut begr&uuml;ndet sein. Die Verteidigung des Landes mag eine solche Begr&uuml;ndung sein. Weltweit mit milit&auml;rischen Mitteln die Interessen der jeweiligen Mehrheit des Bundestages durchzusetzen, ist jedoch keine ausreichende Begr&uuml;ndung. Wer das will, braucht Berufssoldaten &ndash; S&ouml;ldner, die f&uuml;r Geld t&ouml;ten und get&ouml;tet werden. Mit der Landesverteidigung einer Wehrpflichtarmee hat dies alles aber nichts mehr zu tun.<\/p><p>Darum war die Abschaffung der Wehrpflicht auch eben nicht &ndash; wie J&uuml;rgen H&uuml;bschen es formuliert &ndash; &bdquo;ein politischer Fehler&ldquo; mit einer &bdquo;falschen Begr&uuml;ndung&ldquo;. Der Kalte Krieg war vorbei, der Warschauer Pakt hatte sich aufgel&ouml;st. Wir waren von Freunden umgeben und der einstige Feind, Russland, war nun ein Partner. Ein gro&szlig;er politischer Fehler war es hingegen, die neue geopolitische Lage nicht zum Aufbau neuer sicherheitspolitischer Strukturen zu nutzen. Man hat die NATO nicht &ndash; was geboten gewesen w&auml;re &ndash; aufgel&ouml;st, sondern gen Osten erweitert. Man hat Russland nicht &ndash; was geboten gewesen w&auml;re &ndash; in die neuen Sicherheitsstrukturen einbezogen, sondern die alten Sicherheitsstrukturen nun gegen Russland gerichtet. Man hat mit gro&szlig;em Kraftaufwand den alten Feind zum neuen Feind erkl&auml;rt und so erst eine sicherheitspolitische Lage geschaffen, in der man &uuml;berhaupt wieder den Bedarf f&uuml;r eine gro&szlig;e, schlagkr&auml;ftige Armee hatte, die mitten in Europa Kriege f&uuml;hren soll.<\/p><p>Das ist der militaristische Rahmen, in dem J&uuml;rgen H&uuml;bschen argumentiert. Es macht keinen Sinn, innerhalb dieses Rahmens zu debattieren. Man sollte stattdessen den gesamten militaristischen Rahmen hinterfragen. Deutschland ist nicht Israel und auch nicht die Ukraine, die H&uuml;bschen in seinen Ausf&uuml;hrungen als Beispiel nennt. Es macht keinen Sinn, dar&uuml;ber zu diskutieren, ob Deutschland &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo; ist oder nicht. Man muss stattdessen die Frage in den Mittelpunkt r&uuml;cken, warum Deutschland &uuml;berhaupt &bdquo;kriegst&uuml;chtig&ldquo; sein sollte. <\/p><p>Nur wer der Erz&auml;hlung Glauben schenkt, dass Russland schon bald seine Panzer gen Berlin schickt, wird ernsthaft dar&uuml;ber debattieren wollen, eine Wehrpflicht oder, wie J&uuml;rgen H&uuml;bschen es vorzieht, eine Dienstpflicht auch nur anzudenken. Das ist jedoch genau die Logik, aus der man sich befreien muss. Entspannung hei&szlig;t das Gebot der Stunde! Die Politik hat nicht die Aufgabe, eine schlagkr&auml;ftige Armee zu formen, sondern die gottverdammte Aufgabe, eine Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik zu betreiben, die Kriege verhindert. Das scheinen viele vergessen zu haben. <\/p><p>Deutschland braucht weder eine gro&szlig;e, schlagkr&auml;ftige Armee noch eine Wehrpflicht. Was das Land braucht, ist eine kluge Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik. Alles andere ist die Denke des 19. Jahrhunderts, in dem Kriege dem Clausewitz-Zitat zufolge noch die blo&szlig;e Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln waren. Als man 2011 die Wehrpflicht aussetzte, war man offenbar schon etwas weiter. <\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110978\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Michele Ursi \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/91ad914672654e8dbd4b975c2a1d5fce\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Diskussion rund um eine m&ouml;gliche Wiedereinf&uuml;hrung der Wehrpflicht hat auch die NachDenkSeiten erreicht. Am Dienstag er&ouml;ffnete unser regelm&auml;&szlig;iger Gastautor J&uuml;rgen H&uuml;bschen <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110643\">die Debatte<\/a>. Dabei ist ihm hoch anzurechnen, dass er mit einigen politischen Fehleinsch&auml;tzungen aufr&auml;umt. 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