{"id":110784,"date":"2024-02-08T15:10:52","date_gmt":"2024-02-08T14:10:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110784"},"modified":"2026-01-27T11:44:20","modified_gmt":"2026-01-27T10:44:20","slug":"im-heute-journal-werden-kriege-gewonnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110784","title":{"rendered":"Im heute journal werden Kriege \u201egewonnen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Eine Bankrotterkl&auml;rung f&uuml;r die Nachrichten-Redaktion: &Uuml;ber sieben Minuten interviewt Dunja Hayali vom <em>ZDF<\/em> den &bdquo;Milit&auml;rexperten&ldquo; Carlo Masala im <em>heute journal<\/em>. Thema: Der Ukraine-Krieg. Sieben Minuten lang spielen sich die beiden die B&auml;lle zu. Sieben Minuten, in denen Hayali und Masala im Gleichklang von einer &bdquo;Allianz der Willigen&ldquo; sprechen. Mehr Waffen f&uuml;r die Ukraine? Selbstverst&auml;ndlich. Zweifel? Keine. Kritischer Journalismus? Unter den R&auml;dern. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDas Interview, das <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute-journal\/heute-journal-vom-6-februar-2024-100.html\">das <em>ZDF<\/em> am Dienstag den Geb&uuml;hrenzahlern vorgesetzt hat<\/a>, k&ouml;nnte inhaltlich direkt aus der NATO-Pressestelle kommen. Carlo Masala, Politikwissenschaftler von der Bundeswehr-Universit&auml;t in M&uuml;nchen, ist im Hinblick auf den Ukraine-Krieg als Hardliner bekannt. Ginge es nach dem Spezialisten f&uuml;r Internationale Politik, w&uuml;rde die NATO die Ukraine mit maximaler Kraft &bdquo;unterst&uuml;tzen&ldquo;. Wer als Journalist Masala interviewt, wei&szlig;: Geliefert wird, was der Bestellung entspricht. Differenzierung, Graut&ouml;ne, kritische Hinterfragung westlicher Tiefenpolitik und NATO-M&auml;rchen zum Krieg? Fehlanzeige! Daf&uuml;r: Ein klar strukturiertes Feindbild.<\/p><p>Wer als Journalist f&uuml;r eines der Nachrichtenflaggschiffe des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks einen Experten wie Masala interviewen will, muss sich die Frage gefallen lassen: Warum solch ein Interview? Welchen Neuigkeitswert haben die in dem Interview get&auml;tigten Aussagen Masalas? Zusammengefasst h&ouml;rt sich das so an: Wenn die USA ihre &bdquo;Unterst&uuml;tzung&ldquo; f&uuml;r die Ukraine zur&uuml;ckziehen, muss Europa mit gen&uuml;gend Kraft einspringen. Aber: Europa ist gespalten, &bdquo;es muss Bewegung da reinkommen&ldquo;, auf dem Schlachtfeld fehlt der Ukraine Munition.<\/p><p>Neuigkeitswert? Null. Das wurde alles schon von zahlreichen, den NATO-Erz&auml;hlungen nahestehenden Experten, Journalisten und Publizisten gesagt. Nur: Vielleicht wurde es noch nicht von allen B&uuml;rgern geh&ouml;rt. Vielleicht hat die heute-journal-Redaktion deshalb Masala zum Interview gebeten. Doch wenn das die Motivation war, dann stinkt es nach Propaganda &ndash; die bekanntlich jeden B&uuml;rger erreichen will.<\/p><p><strong>&bdquo;Es braucht eine Allianz der Willigen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Was auch immer die Motivation der verantwortlichen Redakteure war: Aus journalistischer Sicht w&auml;re eine kritische Auseinandersetzung mit Masalas Standpunkt eine zwingend gebotene Notwendigkeit gewesen. Mehr Waffen? Warum? Sind hunderttausende tote, verst&uuml;mmelte, schwer traumatisierte ukrainische und russische Soldaten noch nicht genug? Was bewirken mehr Waffen? Ist es nicht so, dass die &bdquo;Eskalationsdominanz&ldquo; bei Russland liegt? Kann Russland nicht immer h&auml;rter gegen eine durch Waffen st&auml;rker gemachte Ukraine vorgehen und durchgreifen &ndash; bis gegebenenfalls hin zum Einsatz von Atomwaffen? Wie viel Blut soll noch flie&szlig;en, bevor die Waffen schweigen? Warum soll sich Deutschland &uuml;berhaupt an einem Stellvertreterkrieg beteiligen? Oder handelt es sich etwa nicht um einen Stellvertreterkrieg? Welche Begr&uuml;ndung w&uuml;rde der Experte anf&uuml;hren? Und vor allem: Wie w&uuml;rde so eine &bdquo;Begr&uuml;ndung&ldquo; aussehen, wenn man sich dabei nicht bis auf die Knochen blamieren m&ouml;chte?<\/p><p>Nichts von alledem ist in Hayalis Interview zu h&ouml;ren. Stattdessen fragt die Journalistin:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Br&auml;uchte es dann eine Allianz der Willigen (&hellip;)?<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Masala antwortet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Es braucht eine Allianz der Willigen (&hellip;).<\/em>&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Zwei Mal im Gleichklang die einpr&auml;gsame Formulierung angef&uuml;hrt. K&auml;me dieses Wortkonstrukt von einem NATO-PR-Berater: Er h&auml;tte zufrieden genickt. Und: &bdquo;Allianz&ldquo; &ndash; der Begriff erinnert an Krieg der Sterne. Die &bdquo;Allianz&ldquo;, das waren &bdquo;die Guten&ldquo;. Irgendwo schwingt bei einem, vielleicht der Werbung nicht abgeneigten Zuschauer im Hinterkopf der Werbespruch mit: &bdquo;Hoffentlich Allianz versichert&ldquo;, schlie&szlig;lich: Versichert zu sein, das ist schon etwas Feines.<\/p><p>Anders gesagt: Auch in der Wahl der Formulierungen bestand Einigkeit. Genauso wie Aussagen, die in ihrer Banalit&auml;t und ihrer besch&ouml;nigenden Wirkung eigentlich nicht in eine seri&ouml;se Nachrichtensendung geh&ouml;ren: &bdquo;Also ohne Material und ohne Mensch, also ohne Soldaten, kann man nat&uuml;rlich auch keinen Krieg gewinnen&ldquo;, so die erfahrene Moderatorin.<\/p><p>Wo waren, so darf man fragen, die kritischen Redakteure im Hintergrund der Sendung, die Hayali wenigstens nach zwei Jahren Krieg vor der Sendung erkl&auml;rt haben, dass Kriege<em> nicht <\/em>gewonnen werden k&ouml;nnen? Wenn erst einmal tausende, zehntausende und hunderttausende Soldaten blutgetr&auml;nkt auf dem Schlachtfeld get&ouml;tet wurden, dann sprechen allenfalls noch unverbesserliche Diplom-Euphemisten von einem &bdquo;Gewinnen&ldquo;. Mit &bdquo;Gewinnen&ldquo; hat die Situation in der Ukraine schon lange nichts mehr zu tun. Verlierer sind alle. Doch es ist genau diese Sicht, der das <em>heute journal <\/em>Raum geben m&uuml;sste.<\/p><p>Journalisten, die ihren Auftrag ernst nehmen, sind zur Abbildung der Realit&auml;t verpflichtet. Die direkte oder indirekte Kriegstreiberei, sei es aus Unwissenheit oder welchen Gr&uuml;nden auch immer, geh&ouml;rt, allgemein gesprochen, nicht zur Aufgabe von Journalisten. Stattdessen tropft in diesem Interview aus allen Poren, was der US-amerikanische Soziologe Charles Wright Mills einmal als <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/open-source\/ukraine-krieg-mehr-diplomatische-fantasie-als-antwort-auf-die-militaerische-metaphysik-li.2167670\">&bdquo;milit&auml;rische Metaphysik&ldquo;<\/a> benannt hat. Das hei&szlig;t: Die Logik des Kampfes und des Krieges hat die Wahrnehmung auf die Realit&auml;t &uuml;bernommen. Die Worte &bdquo;Frieden&ldquo; und &bdquo;Friedensverhandlungen&ldquo; kommen in dem gesamten Interview &uuml;brigens genau null mal vor. Das <em>heute journal <\/em>hat mit der Ausstrahlung dieses Interviews eine journalistische Bankrotterkl&auml;rung abgegeben.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot ZDF.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Bankrotterkl&auml;rung f&uuml;r die Nachrichten-Redaktion: &Uuml;ber sieben Minuten interviewt Dunja Hayali vom <em>ZDF<\/em> den &bdquo;Milit&auml;rexperten&ldquo; Carlo Masala im <em>heute journal<\/em>. Thema: Der Ukraine-Krieg. Sieben Minuten lang spielen sich die beiden die B&auml;lle zu. Sieben Minuten, in denen Hayali und Masala im Gleichklang von einer &bdquo;Allianz der Willigen&ldquo; sprechen. Mehr Waffen f&uuml;r die Ukraine? Selbstverst&auml;ndlich. 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