{"id":110803,"date":"2024-02-09T10:00:58","date_gmt":"2024-02-09T09:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110803"},"modified":"2024-02-09T11:08:32","modified_gmt":"2024-02-09T10:08:32","slug":"mary-kostakidis-assanges-ueberleben-steht-auf-dem-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110803","title":{"rendered":"Mary Kostakidis: Assanges \u00dcberleben steht auf dem Spiel"},"content":{"rendered":"<p>Dies ist der Text einer <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BJsZsIJYa2I&amp;t=1s\">Rede<\/a> von Mary Kostakidis auf einer Konferenz &uuml;ber Julian Assange, die am 29. Januar in Sydney, Australien, stattfand. In der Rede ging Frau Kostakidis auf den Gesundheitszustand von Julian Assange und dessen Bedeutung f&uuml;r vergangene und zuk&uuml;nftige Entscheidungen im Auslieferungsverfahren gegen Julian Assange ein. Der <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2024\/02\/04\/mary-kostakidis-assanges-very-life-at-stake\/\">Wortlaut der Rede<\/a> erschien am 4. Februar auf Englisch auf <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/\"><em>Consortium News<\/em><\/a>. Mit der freundlichen Genehmigung von <em>Consortium News<\/em> hat <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong> diesen Text f&uuml;r die NachDenkSeiten &uuml;bersetzt.<br>\n<!--more--><br>\nF&uuml;r Julian Assange wird sich bald herausstellen, ob er in seinem Kampf gegen die Auslieferung an die USA eine letzte Berufung in Gro&szlig;britannien einlegen kann oder ob er bald der grausamen Rache der USA ausgesetzt sein wird &ndash; so Mary Kostakidis in einer Rede am 29. Januar in Sydney.<\/p><p>Im Auslieferungsprozess von Julian Assange hatte Richterin Venessa Baraitser <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=68479\">geurteilt<\/a>, dass er die Haft in einem US-Supermax-Gef&auml;ngnis nicht &uuml;berleben w&uuml;rde &ndash; und dass er h&ouml;chstwahrscheinlich Selbstmord begehen w&uuml;rde.<\/p><p>Einer der letzten Zeugen in dem vierw&ouml;chigen Auslieferungsprozess im Jahr 2020 war ein amerikanischer Anwalt, dessen Mandant Abu Hamza im ADX Florence\/Colorado inhaftiert ist. Dorthin w&uuml;rde Julian wahrscheinlich auch geschickt werden. Abu Hamza hat keine H&auml;nde. Er wurde vom Vereinigten K&ouml;nigreich ausgeliefert, nachdem die USA zugesichert hatten, dass ihr Gef&auml;ngnissystem in der Lage sei, mit den besonderen Anforderungen eines solchen Gefangenen umzugehen.<\/p><p>Sein Anwalt sagte aus, dass er trotz der Zusicherung, dass er nicht in v&ouml;lliger Isolation untergebracht werden w&uuml;rde, tats&auml;chlich im Rahmen von Sonderverwaltungsma&szlig;nahmen (<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Special_administrative_measure\">S.A.M.S.<\/a>) festgehalten wurde und dass die USA auch andere Zusagen zum Schutz seiner Menschenrechte nicht eingehalten hatten &ndash; er hat keine Toilette in seiner Zelle, die er bedienen kann &ndash; und ihm entgegen den Garantien jegliche W&uuml;rde genommen wurde.<\/p><p>Im Fall von <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=78774\">David Mendoza Herrarte<\/a> setzte die spanische Regierung erfolgreich die R&uuml;ckkehr ihres Staatsb&uuml;rgers durch, der an die USA ausgeliefert worden war, nachdem die USA ihre Zusagen nicht eingehalten hatten &ndash; ein Prozess, der sich &uuml;ber viele Jahre hinzog. Der Gefangene versuchte zun&auml;chst, in den USA Abhilfe zu schaffen, was ihm aber letztlich erst gelang, nachdem er die spanische Regierung verklagt hatte, weil sie es vers&auml;umt hatte, seine Rechte zu sch&uuml;tzen. Diese sah sich zum Handeln gezwungen, nachdem der Oberste Gerichtshof Spaniens praktisch damit gedroht hatte, das Auslieferungsabkommen zwischen Spanien und den USA auszusetzen.<\/p><p>Die Zusicherungen, die die USA in ihrer Berufung beim High Court 2021 gegen die Entscheidung des Bezirksgerichts im Fall Assange gegeben hatten, wurden vor Gericht nicht gepr&uuml;ft. Sie wurden automatisch akzeptiert, da ein Richter volles Vertrauen in die Zuverl&auml;ssigkeit einer Garantie der Regierung der Vereinigten Staaten zum Ausdruck brachte und zwischen der Garantie eines Staates und der eines Diplomaten unterschied. (Die Zusicherung eines Diplomaten wird zwar von diesem unterschrieben, aber dessen Unterschrift erfolgt sicherlich erst nach der Genehmigung seiner Regierung. Aber das scheint dennoch einen Unterschied zu machen).<\/p><p>Bezeichnenderweise waren die Zusicherungen aber auch an Bedingungen gekn&uuml;pft &ndash; sie k&ouml;nnen jederzeit widerrufen werden, waren also das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben wurden, egal, wer sie unterschrieben hat.<\/p><p>Seit dieser Entscheidung hat der Oberste Gerichtshof des Vereinigten K&ouml;nigreichs jedoch ein wegweisendes Urteil in einem Fall gef&auml;llt, in dem die britische Regierung Zusicherungen einer ausl&auml;ndischen Regierung (Ruanda) akzeptiert hatte. Das Gericht stellte fest, dass solche Zusicherungen nicht automatisch akzeptiert werden k&ouml;nnen, sondern dass eine &bdquo;sinnvolle, unabh&auml;ngige, auf Beweisen basierende gerichtliche &Uuml;berpr&uuml;fung erforderlich ist, die sich auf den Schutz der Menschenrechte vor Ort in diesem Land konzentriert&ldquo;.<\/p><p>In Julians Fall geht es um die Menschenrechte von Gefangenen, die wegen der Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA angeklagt und\/oder verurteilt sind, ihre Behandlung und die Bedingungen, unter denen sie festgehalten werden.<\/p><p>Die Vereinten Nationen betrachten Isolationshaft von mehr als zwei Wochen als Folter. UN-Sonderberichterstatter argumentieren seit Jahrzehnten in diesem Sinne. Als er die Behandlung von Chelsea Manning in einem US-Gef&auml;ngnis verurteilte, sagte der damalige Sonderberichterstatter f&uuml;r Folter, Juan Mendez:<\/p><p>&bdquo;L&auml;ngere Einzelhaft ist besonders besorgniserregend, weil <em>das Risiko eines schweren und nicht wiedergutzumachenden Schadens <\/em><strong>f&uuml;r die inhaftierte Person mit der L&auml;nge der Isolation und der Ungewissheit &uuml;ber deren Dauer zunimmt &hellip;<\/strong><em> <\/em>Ich habe l&auml;ngere Einzelhaft als jeden Zeitraum von mehr als 15 Tagen definiert. Diese Definition spiegelt die Tatsache wider, dass der Gro&szlig;teil der wissenschaftlichen Literatur zeigt, dass nach 15 Tagen bestimmte Ver&auml;nderungen der Gehirnfunktionen auftreten und die sch&auml;dlichen psychologischen Auswirkungen der Isolation irreversibel werden k&ouml;nnen.&ldquo; [Hervorhebung hinzugef&uuml;gt].<\/p><p>Abu Hamza befindet sich seit neun Jahren in Isolationshaft. Sein Anwalt sagte aus, dass das Gehen f&uuml;r ihn aufgrund seiner langen Zehenn&auml;gel schmerzhaft ist und dass seine Bitten, sie zu schneiden, ignoriert wurden.<\/p><p><strong>Signifikante Ver&auml;nderungen in Assanges Gesundheitszustand<\/strong><\/p><p>Die automatische Akzeptanz und die Verl&auml;sslichkeit dieser Zusicherungen waren zu diesem Zeitpunkt nicht das einzige Problem. Ein ernsthaftes Problem, das bei diesen Anh&ouml;rungen auftrat, war das Vers&auml;umnis, die Ver&auml;nderung von Julians Gesundheitszustand zur Kenntnis zu nehmen oder zu ber&uuml;cksichtigen. Dies ist ein schwerwiegender Fehler, da die Entscheidung auf Zusicherungen beruhte, dass das US-Gef&auml;ngnissystem seine bekannten Risikofaktoren &ndash; das Risiko, dass er Selbstmord begehen w&uuml;rde &ndash; abmildern k&ouml;nne. Es hatte sich bei ihm jedoch ein weiterer ernster gesundheitlicher Risikofaktor entwickelt.<\/p><p>Nach der vierw&ouml;chigen Auslieferungsanh&ouml;rung des Bezirksgerichts, bei der Assange in einer Glaskabine im hinteren Teil des Gerichts eingesperrt war, wo er nicht mit seinen Anw&auml;lten kommunizieren konnte, wurde ihm gestattet, per Videolink von Belmarsh (Gef&auml;ngnis, in dem Julian Assange festgehalten wird. <em>Anm. MM<\/em>) aus an den folgenden Hauptverhandlungen teilzunehmen.<\/p><p>Zu Beginn der Berufungsklage der USA gab es ein kurzes Gespr&auml;ch zwischen Assanges Anwalt und dem Richter, in dem es hie&szlig;, der Angeklagte habe beschlossen, aufgrund einer erh&ouml;hten Medikamentenmenge nicht zu erscheinen. Es schien uns au&szlig;ergew&ouml;hnlich und unvorstellbar, dass er die Anh&ouml;rung nicht per Videolink verfolgen wollte. Sp&auml;ter teilte mir seine Frau Stella mit, dass er erscheinen wollte, dies aber vom Gef&auml;ngnis nicht gestattet worden war.<\/p><p>Sowohl seine Abwesenheit als auch deren Erkl&auml;rung deuteten auf ein Problem hin. Assange hatte bis dato keine einzige Anh&ouml;rung vers&auml;umt. Er hatte gro&szlig;e Entschlossenheit in seinem Kampf gezeigt, sich auf das Drama vor Gericht einzulassen, trotz enormer Herausforderungen wie der Tatsache, dass er nicht in der Lage war, die Aufmerksamkeit seiner Anw&auml;lte (aus der Glaskabine, in der er eingesperrt war. <em>Anm. MM<\/em>) auf sich zu lenken (nachdem ihm die Mittel und die Zeit zur Vorbereitung seiner eigenen Verteidigung verweigert worden waren), und trotz der Medikamente und einer dramatischen Verschlechterung seines Gesundheitszustands. Dies hat der ehemalige UN-Sonderberichterstatter f&uuml;r Folter Nils Melzer in seinem Buch <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=72191\">The Trial of Julian Assange: Geschichte einer Verfolgung<\/a>, sorgf&auml;ltig dokumentiert.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240208-Nils-Melzer-UN.png\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240208-Nils-Melzer-UN.png\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><em>Der Ehemalige Sonderberichterstatter Nils Melzer<\/em><\/p><p>Warum wurde er so stark mit Medikamenten behandelt, dass er nicht in der Lage war, im Video&uuml;bertragungsraum in Belmarsh zu sitzen? Was hatte diese Erh&ouml;hung der Medikation notwendig gemacht? Diese Frage war f&uuml;r die Entscheidung, die das Gericht zu treffen hatte, unmittelbar relevant, aber man h&ouml;rte keine Frage des Richters dazu und die Anh&ouml;rung wurde fortgesetzt.<\/p><p>Bemerkenswerterweise erschien Julian nach einiger Zeit w&auml;hrend der Anh&ouml;rung. Wir Journalisten, die die Verhandlung &uuml;ber einen Link verfolgten, konnten ihn in einem Fenster auf unseren Bildschirmen sehen. Er konnte den Richter sehen und h&ouml;ren, und die Anwesenden im Gerichtssaal konnten ihn wie wir auf einem Monitor sehen.<\/p><p>Er sah sehr unwohl aus, nicht nur bet&auml;ubt. Er musste seinen Arm benutzen, um seinen Kopf zu st&uuml;tzen, aber eine Seite seines Gesichts hing merklich herunter und ein Auge war geschlossen. W&auml;hrend dieser Anh&ouml;rung bekamen wir sehr gelegentliche, kurze Blicke auf den Angeklagten &ndash; Zeit genug, um festzustellen, dass er immer noch sein eigenes Gerichtsverfahren beobachtete, und sei es auf eine abwesende Weise. Ich bat den Videolink-Moderator im Chat, uns mehr von dem Angeklagten zu zeigen &ndash; wir br&auml;uchten einen besseren und h&auml;ufigeren Blick auf ihn, da er unwohl auss&auml;he.<\/p><p>Journalisten werden, bevor wir uns in die Videoverbindung einklinken, gewarnt, dass die Nutzung des Chats f&uuml;r etwas anderes als die Kommunikation &uuml;ber technische Fragen und auch nur mit dem Moderator (die Anh&ouml;rungen wurden h&auml;ufig durch Audioprobleme behindert) dazu f&uuml;hren k&ouml;nnte, dass der Zugang entzogen wird. Aber viele der anderen etwa 30 Journalisten, die die Verbindung nutzten, schickten &bdquo;Me Too&ldquo;-Nachrichten in den Chat. Bemerkenswerterweise und zu meiner Erleichterung lenkte der Moderator ein, und wir bekamen Julian &ouml;fter und l&auml;nger zu sehen als bei allen vorherigen Anh&ouml;rungen.<\/p><p>Nach der bizarren Nachricht, dass Julian nicht zu seiner eigenen Anh&ouml;rung erscheinen w&uuml;rde, war das Zweite, was ich nicht verstehen konnte, als er doch erschien, dass es keine Fragen zu seinem Zustand oder eine Vertagung gab. Diejenigen, die &uuml;ber sein Schicksal entschieden, waren von seinem Zustand nicht beunruhigt, oder sie hatten &uuml;bersehen, was f&uuml;r uns sofort offensichtlich war.<\/p><p>Julian versuchte weiterhin, sich zu konzentrieren, aber er war offensichtlich stark beeintr&auml;chtigt. Schlie&szlig;lich gab er auf, stand auf und entfernte sich von der Videokamera. Es war, als k&ouml;nnte er die Dem&uuml;tigung nicht l&auml;nger ertragen, von Unbekannten beobachtet zu werden, die Zeugen eines schwachen, gescheiterten Versuchs waren, seinen K&ouml;rper und seinen Verstand zu beherrschen &ndash; einen Verstand, der messerscharf ist und ihn bisher noch nie im Stich gelassen hatte.<\/p><p>Etwa neun Wochen sp&auml;ter und wenige Tage nach dem Urteil, das den Weg f&uuml;r Julians Auslieferung freimachte, erfuhr die &Ouml;ffentlichkeit, dass er tats&auml;chlich eine TIA &ndash; eine transitorische isch&auml;mische Attacke oder einen leichten Schlaganfall &ndash; erlitten hatte, der oft eine Vorstufe zu einem schweren, katastrophalen Schlaganfall ist, bei dem der sofortige Zugang zu einem MRT-Ger&auml;t lebensnotwendig w&auml;re, um sein Leben zu retten.<\/p><p>Ich wei&szlig; nicht, ob bekannt ist, wann genau Julian den Schlaganfall hatte. Die &Uuml;berwachung von Gefangenen ist nicht gerade darauf ausgelegt, solche stillen, heimlichen Symptome zu erkennen und schnell darauf zu reagieren. Ist der Schlaganfall vor der Anh&ouml;rung aufgetreten? Wurde er deshalb so stark mit Medikamenten behandelt? Oder ereignete er sich zum Zeitpunkt der Anh&ouml;rung?<\/p><p>Eines ist klar &ndash; er hatte einen Schlaganfall, sein Zustand hat sich also ver&auml;ndert, und die vom Berufungsgericht akzeptierten Zusicherungen haben dies nicht ber&uuml;cksichtigt, obwohl die Entscheidung des Gerichts lange nach dem Schlaganfall und etwa zur gleichen Zeit erging, als dieser schlie&szlig;lich diagnostiziert und bekannt gegeben wurde.<\/p><p>Einer der beiden Richter, die den Vorsitz im US-Berufungsverfahren innehatten, Ian Duncan Burnett, war zu dieser Zeit der Oberste Richter des High Court. Mit seiner Entscheidung im Fall des britischen Staatsb&uuml;rgers <a href=\"https:\/\/www.golem.de\/news\/lauri-love-love-gegen-die-vereinigten-staaten-von-amerika-1701-125328.html\">Laurie Love<\/a> schuf er einen Pr&auml;zedenzfall, bei dem die Auslieferung an die USA auf der Grundlage eines medizinischen Zustands verweigert wurde.<\/p><p>Dies lie&szlig; ein wenig Hoffnung aufkeimen, dass er die Entscheidung des Bezirksgerichts im Fall von Julian nicht aufheben w&uuml;rde. Aber wie der Juraprofessor Nils Melzer bemerkte, braucht man den Obersten Richter nicht in einem Fall, zu dem er bereits einen Pr&auml;zedenzfall geschaffen hat, der befolgt werden kann. Man braucht ihn jedoch, wenn sein Pr&auml;zedenzfall gekippt werden soll.<\/p><p>W&auml;hrend der gesamten Anh&ouml;rung hatten wir die Love-Entscheidung im Hinterkopf, und Love war im Gerichtssaal anwesend, aber wir mussten erkennen, dass dieser m&ouml;gliche Weg eine Sackgasse war, als er schlie&szlig;lich von Julians Anw&auml;lten angesprochen wurde. Der Oberste Richter antwortete schnell, abweisend und kategorisch: &bdquo;Oh, aber das war ein ganz anderer Fall. Er hatte ein Ekzem&ldquo; (wortw&ouml;rtlich nach meiner Erinnerung).<\/p><p>Der Unterschied zwischen Auslieferung und Nichtauslieferung war also ein Ekzem, und es w&uuml;rde vor diesem Gericht keinen Erfolg f&uuml;r Julian geben, trotz der deutlichen Verschlechterung seines physischen und psychischen Gesundheitszustands.<\/p><p>Julian wollte gegen die Entscheidung des High Court beim Supreme Court Berufung einlegen, aber der Supreme Court kam zu dem Schluss, dass es keine (f&uuml;r die Allgemeinheit wichtigen <em>Anm. MM<\/em>) strittigen Rechtsfragen gebe, die eine Grundlage f&uuml;r eine Berufung h&auml;tten bilden k&ouml;nnen.<\/p><div class=\"imagewrap\"><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240208-IMG_3360.JPG\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/240208-IMG_3360.JPG\" alt=\"\" title=\"\"><\/a><\/div><p><strong>Die bevorstehende Anh&ouml;rung<\/strong><\/p><p>Am 20. und 21. Februar wird ein Gremium aus zwei Richtern des High Courts dar&uuml;ber entscheiden, ob Julian sowohl gegen die Entscheidung des Au&szlig;enministers, ihn auszuliefern, als auch gegen die Entscheidung von Richterin Baraitser Berufung einlegen kann, und zwar auf der Grundlage aller von ihm vorgebrachten Gr&uuml;nde, die die Richterin zur&uuml;ckwies, wie z. B. den politischen Charakter der Strafverfolgung und die Unm&ouml;glichkeit eines fairen Prozesses f&uuml;r ihn in den USA.<\/p><p>Die Zuverl&auml;ssigkeit und Angemessenheit der Zusicherungen der USA, dass er weder in einem Hochsicherheitsgef&auml;ngnis noch unter S.A.M.S. festgehalten wird, dass sein Selbstmord verhindert werden kann und dass er irgendwann nach Australien zur&uuml;ckkehren kann, um seine Strafe zu verb&uuml;&szlig;en, wurden vor Gericht nicht gepr&uuml;ft. Nun hat sich auch noch der medizinische Zustand, f&uuml;r den sie gegeben wurden, ge&auml;ndert. In der Zwischenzeit hat der Oberste Gerichtshof des Vereinigten K&ouml;nigreichs in einem anderen Fall ein wegweisendes Urteil gef&auml;llt, in dem es um die Notwendigkeit einer gerichtlichen &Uuml;berpr&uuml;fung von Zusicherungen ausl&auml;ndischer Regierungen geht.<\/p><p>Ein Brief, den eine partei&uuml;bergreifende Gruppe unserer (australischen <em>Anm. MM<\/em>) Parlamentarier Anfang des Jahres an den britischen Innenminister richtete, ist wichtig und kommt zur rechten Zeit. Darin wird dieser aufgefordert, &bdquo;eine dringende, gr&uuml;ndliche und unabh&auml;ngige Bewertung der Risiken f&uuml;r die Gesundheit und das Wohlergehen von Herrn Assange vorzunehmen, falls er an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird&ldquo;.<\/p><p>Assange hat beantragt, bei der Anh&ouml;rung in diesem Monat pers&ouml;nlich anwesend zu sein, damit er mit seinem Anwaltsteam kommunizieren kann. Die Richter k&ouml;nnen am Ende der zweit&auml;gigen Anh&ouml;rung eine sofortige Entscheidung treffen oder sich ihr Urteil vorbehalten. Falls Assange in diesem Fall gewinnt, wird ein Termin f&uuml;r eine vollst&auml;ndige Berufungsverhandlung festgelegt. Falls ihm das Recht auf Berufung verweigert wird, gibt es auf nationaler Ebene keine weiteren Berufungsm&ouml;glichkeiten.<\/p><p>Er kann sich dann an den Europ&auml;ischen Gerichtshof f&uuml;r Menschenrechte wenden, der die Befugnis hat, eine Aussetzung seiner Auslieferung anzuordnen &ndash; eine Anweisung nach Regel 39, die nur unter &bdquo;au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Umst&auml;nden&ldquo; erteilt wird. Es k&ouml;nnte jedoch ein Wettlauf mit der Zeit sein, die Berufung einzureichen, bevor er in ein Flugzeug in die USA verfrachtet wird.<\/p><p>Falls Julian Assange ausgeliefert wird und die USA ihn erfolgreich verfolgen, wird er dort keinen fairen Prozess bekommen und wahrscheinlich auch nicht den verfassungsm&auml;&szlig;igen Schutz, der ihren eigenen B&uuml;rgern gew&auml;hrt wird, denn die USA w&uuml;rden investigativen Journalismus rechtlich als &bdquo;Spionage&ldquo; neu definieren.<\/p><p>Es w&uuml;rde sich in diesem Fall zeigen, dass die innerstaatlichen Gesetze der USA, aber nicht deren Schutzfunktionen, international f&uuml;r Nicht-US-B&uuml;rger gelten. Es w&uuml;rde Assange seine Freiheit und wahrscheinlich sein Leben kosten &ndash; ein Beispiel f&uuml;r jeden, der versucht, das staatlich gef&ouml;rderte Narrativ zu diskreditieren. Ein Narrativ, das von unabh&auml;ngigen und B&uuml;rgerjournalisten in Gaza explosionsartig, t&auml;glich, weltweit und unwiderruflich zerst&ouml;rt wird.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Dies ist der Text einer Rede von Mary Kostakidis auf einer Konferenz &uuml;ber Julian Assange, die am 29. Januar in Sydney, Australien, stattfand.<\/p><p>Die Journalistin Mary Kostakidis moderierte zwei Jahrzehnte lang die <em>SBS World News<\/em> als Australiens erste nationale Nachrichtensprecherin zur Hauptsendezeit. Zu ihren fr&uuml;heren Artikeln geh&ouml;rt <a href=\"https:\/\/declassifiedaus.org\/2022\/11\/30\/watching-the-eyes\/\">&bdquo;Watching the Eyes&ldquo;<\/a> f&uuml;r<em> Declassified Australia<\/em>. Sie berichtet live auf <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MaryKostakidis\"><em>Twitter<\/em><\/a> &uuml;ber das Auslieferungsverfahren von Julian Assanges<\/p><p>&Uuml;bersetzung aus dem Englischen und die eingef&uuml;gten weiterf&uuml;hrenden Links von Moritz M&uuml;ller. (MM)<\/p><p>Selbst etwas Widerstand leisten mit Hilfe von <a href=\"https:\/\/www.freeassange.eu\/#veranstaltungen\">FreeAssange.eu<\/a>!<\/p><p><small>&copy; Titelbild: Somerset Bean\/ Nils Melzer: UN Foto\/ Royal Courts of Justice: Moritz M&uuml;ller<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist der Text einer <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BJsZsIJYa2I&amp;t=1s\">Rede<\/a> von Mary Kostakidis auf einer Konferenz &uuml;ber Julian Assange, die am 29. Januar in Sydney, Australien, stattfand. In der Rede ging Frau Kostakidis auf den Gesundheitszustand von Julian Assange und dessen Bedeutung f&uuml;r vergangene und zuk&uuml;nftige Entscheidungen im Auslieferungsverfahren gegen Julian Assange ein. Der <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2024\/02\/04\/mary-kostakidis-assanges-very-life-at-stake\/\">Wortlaut der Rede<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110803\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":110804,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,198,126],"tags":[712,681,2163,469,3093,930,929,305,1556],"class_list":["post-110803","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","tag-arzneimittel","tag-assange-julian","tag-gefaengnis","tag-grossbritannien","tag-haftbedingungen","tag-justiz","tag-krankheiten","tag-menschenrechte","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/240209-Sydney-Rede-titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=110803"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110803\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":110837,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110803\/revisions\/110837"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/110804"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=110803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=110803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=110803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}