{"id":11081,"date":"2011-10-25T13:50:47","date_gmt":"2011-10-25T11:50:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11081"},"modified":"2016-06-01T12:03:10","modified_gmt":"2016-06-01T10:03:10","slug":"ein-abend-mit-bernd-raffelhuschen-versicherungsvertreter-mit-professorentitel-leibhaftig-und-in-voller-lange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11081","title":{"rendered":"Ein Abend mit Bernd Raffelh\u00fcschen, Versicherungsvertreter mit Professorentitel \u2013 leibhaftig und in voller L\u00e4nge"},"content":{"rendered":"<p>Professor Dr. Bernd Raffelh&uuml;schen ist als viel zitierter und viel gesendeter Finanzwissenschaftler, &bdquo;Rentenexperte&ldquo;, &bdquo;Sozialexperte&ldquo; und als ehemaliges Mitglied der R&uuml;rup-Kommission bekannt. Weniger bekannt ist, dass Prof. Raffelh&uuml;schen <a href=\"\/?p=1079\">Lobbyist<\/a> der Arbeitgeberverb&auml;nde und der Versicherungswirtschaft  ist. Von Martin Betzwieser<br>\n<!--more--><\/p><p>K&uuml;rzlich bekam ich den Hinweis, dass Professor Dr. Bernd Raffelh&uuml;schen im Auftrag der dortigen Sparkasse einen Vortrag in Darmstadt hielt. Ich meldete mich an, war da und erlebte eine denkw&uuml;rdige Veranstaltung. <\/p><p><img decoding=\"async\" src=\"\/upload\/bilder\/251011_raffelhueschen.jpg\" alt=\"\"><\/p><p>Am Montag, den 17. Oktober geht es um 19:00 Uhr los. Rechtzeitig bin ich um kurz nach 18:00 Uhr da. Vor dem Veranstaltungsgeb&auml;ude verteilt eine Gruppe aus Gewerkschaftern und Mitgliedern einer Darmst&auml;dter Initiative f&uuml;r Renten- und Generationengerechtigkeit Infomaterial. Einen kenne ich und wir kommen etwas ins Gespr&auml;ch. Die Betreiber des <a href=\"http:\/\/www.darmstadtium.de\/\">Darmstadtiums<\/a> wollten die St&auml;nde verhindern, aber die Darmst&auml;dter Stadtverwaltung erlaubte sie. Was da vorgeht, bekommen nat&uuml;rlich die Veranstalter bis ins Detail mit und das hat sp&auml;ter Konsequenzen.<br>\nVor dem Veranstaltungssaal gibt es ein reichhaltiges Sekt,- Wein- und H&auml;ppchenbuffet. F&uuml;r die Zukunft muss ich mir angew&ouml;hnen, meine Digitalkamera immer mitzunehmen. Im Saal z&auml;hle ich 22 Sitzreihen mit bis zu 28 St&uuml;hlen. Vorsichtig gesch&auml;tzt gibt es bis zu 600 Sitzpl&auml;tze und diese sind bis auf wenige Einzelpl&auml;tze belegt. Viel Fachpublikum mit Sparkassen-Namensschildchen ist da.<\/p><p>Um 19:00 Uhr sagt ein Vorstandssprecher der Darmst&auml;dter Sparkasse den prominenten Gastredner an und er ist an diesem Abend bis auf eine Ausnahme der Einzige, der etwas von privater Altersvorsorge ins Mikrophon sagt.<br>\nRaffelh&uuml;schen spricht fast 80 Minuten und ich gebe seine Show, so gut wie es geht, wieder.<br>\n&Uuml;ber das, was war m&uuml;ssen wir nicht reden, denn das war schon. Und wenn Sie denken, dass das, was ich Ihnen erkl&auml;ren werde noch kommt, dann liegen Sie falsch, denn, was Ihrer Meinung nach noch kommt, war auch schon alles.<\/p><p><strong>Zusammenfassung der Pr&auml;sentation:<\/strong><br>\nDemographie ist komisches Zeug. (Eine Pr&auml;sentation der Bev&ouml;lkerungsentwicklung wird in mehreren Kapiteln abgespielt. Wir sehen die &bdquo;Bev&ouml;lkerungspyramide&ldquo;.) Und es gibt nichts Stabileres als eine richtige Pyramide. Aber es ist eigentlich keine Pyramide, denn w&auml;ren die Originalpyramiden so gebaut wie die deutsche Bev&ouml;lkerungspyramide, dann w&auml;re nicht mehr viel &uuml;brig. Denn bei der deutschen Bev&ouml;lkerungspyramide ist die breiteste Stelle &ndash; der Knubbel &ndash; in der Mitte und diese Mitte sind wir. Und deswegen sprechen wir in Freiburg auch nicht von einer Pyramide sondern von einer D&ouml;nerspie&szlig;-Struktur und diese wird sich im Laufe der Jahre in eine Pilz- bzw. in eine Urnenstruktur entwickeln. (Quelle der Grafiken sind jeweils Daten von Rechenmodellen des Statistischen Bundesamtes).<\/p><p>Ich m&ouml;chte Ihnen nicht zu nahe treten, aber bei der Reproduktion waren Sie, die Sie hier Sitzen, &auml;hnlich erfolgreich wie die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft. Das ist nicht pers&ouml;nlich gemeint, denn ich m&ouml;chte ja nicht dauernd Anzeigen wegen Beleidigung bekommen. Aber in Ihrer Fertilit&auml;t waren Sie der gr&ouml;&szlig;te Rohrkrepierer in der Geschichte. Ihre Kinder sind so wenig wie noch nie &ndash; mit Ausnahme der Endjahre des Zweiten Weltkrieges; damals trieben sich allerdings die meisten Mitglieder der m&auml;nnlichen Bev&ouml;lkerung irgendwo in Europa herum anstatt beim Kinderzeugen. Die haben alle eine gute Entschuldigung, Sie nicht. Und diese Kerbe konnten auch die paar Fremdarbeiter nicht ausgleichen. Aber Sie werden in die Geschichte eingehen als die Generation in der Geschichte, die &uuml;ber 40 Jahre die Fertilit&auml;tsrate deutscher Bombenn&auml;chte hatte. <\/p><p>Und wenn Sie diese zuk&uuml;nftigen Erwerbst&auml;tigen und zuk&uuml;nftigen Rentner von ca. 2033 (auf der Grafik an der Leinwand) f&uuml;r zuk&uuml;nftig halten, dann muss ich Ihnen leider sagen, dass Sie falsch liegen. Die sind nicht zuk&uuml;nftig, die sind alle schon da. An Ihnen ist nichts Zuk&uuml;nftiges, Sie sind ja alle hier. Und die Kinder, die uns hier aus den letzten 40 Jahren als Beitragszahler fehlen, kriegen wir nicht mehr rein &ndash; auch nicht so, wie es das Statistische Bundesamt als M&ouml;glichkeit einplant, 150.000 Beitragszahler als Zuwanderer hinzuzurechnen, jedes Jahr. Das ist die offizielle Projektion, tja. Aber wir sind ein Auswanderungsland. Es wandern jedes Jahr mehr Menschen aus als ein. H&auml;tten wir nur die 150.000 Einwanderer jedes Jahr &ndash; die Richtigen nat&uuml;rlich. Und das k&ouml;nnen Sie und wir nicht mehr &auml;ndern.<\/p><p>Wir werden in Zukunft doppelt so viele Rentner sein wie jetzt und das ist eine Tatsache, denn die sitzen schon alle hier. Die Frage ist nur, wie viele Erwerbst&auml;tige wir dann haben werden. Und Sie f&uuml;hlen sich gesund, laufen am Wochenende mal einen halben Marathon, nicht wahr, glauben Sie mir, das wird sich &auml;ndern. Und wir werden auch in Zukunft doppelt so viele Kranke haben. Und diese Alten und Kranken werden immer l&auml;nger leben und versorgt werden m&uuml;ssen wie heute. Und wir werden Pflegef&auml;lle und wir werden verdammt viele Pflegef&auml;lle. Jeder vierte von Ihnen, der hier sitzt, wird kein Pflegefall werden. Und wer wird das bezahlen? Na die gleichen Beitragszahler wie bei der Rente, die gar nicht geboren wurden. Und wenn Sie meinen, dass man das mit Steuergeld regeln k&ouml;nnte, muss ich Ihnen leider sagen, dass die Steuerzahler, die das bezahlen k&ouml;nnen, genau so wenig geboren wurden wie die Beitragszahler. Jede Generation wird vier Jahre l&auml;nger leben als die Generation davor, sagt das statistische Bundesamt. Und die Anderen m&uuml;ssen das bezahlen und sind gar nicht erfreut dar&uuml;ber. <\/p><p>Und wenn Ihr B&uuml;rgermeister in Darmstadt im Jahr 2055 noch bei allen Hundertj&auml;hrigen zum Gratulieren vorbei schaut mit Blumenstrau&szlig; und dort eine Tasse Kaffee trinkt, dann wird er einen Koffeinschock bekommen bei den vielen Hundertj&auml;hrigen und bei dem vielen Kaffee.<br>\nUnd wenn dann jedes Jahr mal ein paar Schlagzeilen in den gro&szlig;en deutschen Tageszeitungen kommen wie &bdquo;Wir sterben aus.&ldquo; oder &bdquo;Die Deutschen sterben aus.&ldquo; Woher wissen die das? Wei&szlig; ich nicht. Wir Wissenschaftler und wir Statistiker wissen so etwas nicht. Wir haben davon keine Ahnung. Denn das ist dann wirklich Zukunft. Und deshalb wissen wir nur, dass wir ein paar weniger sein werden als jetzt, aber nicht wie Viele. Wenn sie wissen m&ouml;chten, wie die Zukunft 2075 aussehen wird, suchen Sie sich eine alte Frau mit Glaskugel. Aber aussterben werden wir nicht. Der sibirische Tiger ist bei 400. Das ist wirklich kritisch.<\/p><p>Und ein paar Probleme werden nur dann gel&ouml;st sein, wenn ein paar von Ihnen nicht in dieser Urne (der Bev&ouml;lkerungsgrafik Marke Raffelh&uuml;schen in Urnenform) sondern in einer echten Urne sitzen werden. <\/p><p>Wenn Sie immer mehr Rentner immer l&auml;nger versorgen wollen, dann gibt es eigentlich nur zwei M&ouml;glichkeiten. Entweder Sie behalten das Leistungsniveau bei und Ihnen explodieren die Beitr&auml;ge und das macht Ihre G&uuml;ter noch teuerer und wir haben irgendwann eine deindustrielle Zone. Und gegenseitig Haare Schneiden ist nicht bei allen von Ihnen lukrativ. Oder die Leistung muss sinken. Und Sie denken, das wird kommen. Ne, das haben wir alles schon gemacht. Sie werden in Zukunft l&auml;nger arbeiten m&uuml;ssen und daf&uuml;r k&uuml;rzer weniger Rente bekommen. <\/p><p>Das wurde vorgeschlagen von der R&uuml;rup-Kommission und da war ich dabei. Und R&uuml;rup m&uuml;sste Ihnen ja ein Begriff sein. Der wohnt hier in der Gegend und m&uuml;sste f&uuml;r seine Vorschl&auml;ge eigentlich Ehrenb&uuml;rger dieser Stadt werden. Die R&uuml;rup-Kommission schlug die Rente mit 67 vor. Und zeitgleich gab es die Kommission der damaligen Opposition unter Roman Herzog. Und als die den Vorschlag der R&uuml;rup-Kommission mit Rente 67 h&ouml;rten, sagten die: Ja, stimmt. Und da h&auml;tten Sie stutzig werden m&uuml;ssen. Denn nicht nur Regierung und Opposition und s&auml;mtliche Wissenschaftler waren einer Meinung. Dann kann das gar nicht so falsch sein. Und wenn jede Generation l&auml;nger leben muss und daf&uuml;r zwei Jahre l&auml;nger arbeiten muss, ist das umsonst, denn Sie zahlen ja nicht l&auml;nger ein.<br>\nUmsonst ist hier nichts, auch nicht die H&auml;ppchen vorhin.<\/p><p>(Nach ca. einer &frac34; Stunde geht ein &auml;lterer Herr der Darmst&auml;dter Initiative f&uuml;r Renten- und Generationengerechtigkeit an die B&uuml;hne und kritisiert Raffelh&uuml;schen. Der reagiert schlagfertig. &bdquo;Ja glauben, Sie etwa, das ist eine Diskussionsveranstaltung?&ldquo; Der alte Herr ist akkustisch nicht zu verstehen und wird von Teilen des Publikums nieder gebr&uuml;llt und aufgefordert, auf seinen Platz zur&uuml;ck zu kehren oder zu gehen. Es hat keinen Zweck so. Diese Diskussion muss sp&auml;ter direkt im Rahmen einer Fragerunde gef&uuml;hrt m&uuml;ssen &ndash; falls es diese geben wird, abwarten. )<\/p><p>Es wird uns immer wieder vorgeworfen, wir w&uuml;rden eine verkappte Rentenk&uuml;rzung machen. Wieso denn verkappt? Das ist nat&uuml;rlich eine Rentenk&uuml;rzung, was soll das denn sonst sein. Das ist eine Rentenk&uuml;rzung von 0,3% f&uuml;r jeden Monat, den Sie vorzeitig in Rente gehen. Und wenn Sie nicht vorzeitig in Rente gehen, sondern bis zum 67.  Lebensjahr durchhalten, dann arbeiten Sie zwei Jahre l&auml;nger und bekommen ihre ungek&uuml;rzte Rente f&uuml;r zwei Jahre k&uuml;rzer und das ist ebenfalls eine Rentenk&uuml;rzung von 7,2%. Sie d&uuml;rfen sich nun aussuchen, ob Sie Ihre Rentenk&uuml;rzung monatlich oder am St&uuml;ck haben wollen. Und das hat keiner kapiert und es wurde auch wirklich nicht gut erkl&auml;rt. Und die Gro&szlig;e Koalition hat das dann endlich geschafft, die Rente mit 67 zu beschlie&szlig;en. Aber Rot-gr&uuml;n schaffte 2003 noch viel mehr, n&auml;mlich den Nachhaltigkeitsfaktor. Aber das und die modifizierte Bruttorentenanpassung kann ich jetzt nicht erkl&auml;ren, weil das zu lange dauert. Und das ist auch sehr schwer zu erkl&auml;ren. Und Journalisten k&ouml;nnen das auch nicht erkl&auml;ren. Und weil sie das nicht verstehen und nicht erkl&auml;ren k&ouml;nnen, weil das ein Riesenbruch mit griechischen Buchstaben ist, schreiben sie meistens nichts dar&uuml;ber und die Rente mit 67 bleibt &uuml;brig. <\/p><p>Dabei war der Nachhaltigkeitsfaktor die gr&ouml;&szlig;te Rentenk&uuml;rzung aller Zeiten, doppelt so gro&szlig; wie die Rente mit 67, 13 &ndash; 14%. Wir haben in Deutschland eine Basisrente eingef&uuml;hrt. Und diese Basisrente ist sicher, das sage ich ihnen ganz unverBL&Uuml;Mt. (Applaus, Riesenlacher.)<br>\nUnd Sie dachten, Sie bekommen hier etwas &uuml;ber Ihre Probleme erz&auml;hlt. Sie haben keine Probleme, Sie sind das Problem, also nicht die Graumelierten. Die Graumelierten hier wollten Oma und Opa werden, aber wir haben es vermasselt und die Probleme verursacht. Und daher ist es fair und gerecht, wenn wir die Rente gek&uuml;rzt bekommen. Es trifft immer die Richtigen.<\/p><p>Und ob die Rente am Kapitalmarkt hier (das Einzige mal, dass er dieses Wort an diesem Abend sagt) so viel bringt wie z.B. in Norwegen, kann ich nicht sagen, das ist der Wissenschaft egal. Und ob Sie Ihr Geld in eine betriebliche oder eine private Altersvorsorge stecken, in eine Riester-Rente oder einen &bdquo;Wohn-Riester&ldquo;, ist uns aus der Wissenschaft auch egal, uns war sicher, dass Sie die Beitr&auml;ge von der Steuer absetzen k&ouml;nnen und die Rente nachhaltig besteuert wird. Und keine Angst &ndash; so hoch, dass Sie von Ihrer Rente Steuern zahlen m&uuml;ssen, wird die Rente in den meisten F&auml;llen nicht sein.<\/p><p>Altersarmut wird deutlich &uuml;bertrieben. Es ist statistisch nachweisbar: Es gibt keine Altersgruppe in Deutschland, die so wenig von Armut betroffen ist wie die Rentner. In den Talkshows bekommen Sie aber &uuml;ber Altersarmut immer die gleichen Tr&auml;nen vorgef&uuml;hrt, die zusammen gesammelt werden, und es sind immer die Gleichen, weil es kaum welche gibt. (Lacher) Das wird in Zukunft anders sein, keine Frage. <\/p><p>Ach ja. Auch wenn sich zwei von drei Personen, die heute Abend anwesend sind, sich sp&auml;ter im Alter zu Hause pflegen lassen sollten, wird das teuer &ndash; mangels Tochter, die Sie nicht zeugen werden oder gezeugt haben, bzw. mangels Sohn, der Ihnen eine Schwiegertochter gibt.<\/p><p>Nach ca. 80 Minuten ist die Show zu Ende. Eine Diskussion mit dem Publikum im Saal gibt es nicht. Nat&uuml;rlich nicht. Das w&auml;re ja dumm. Da ein Gr&uuml;ppchen Demonstranten vor der Halle war, muss ja klar sein, was eine Diskussion bringt, n&auml;mlich unangenehme Fragen und Fakten. Das ist ja auch keine Diskussionsveranstaltung sondern eine Verkaufsveranstaltung und die Gesch&auml;fte mit bis zu 600 potentiellen Kunden l&auml;sst man sich nicht kaputt machen.<br>\nSo viele Argumente und Fakten hatte ich, mit denen ich den Versicherungsvertreter mit Professorentitel konfrontieren wollte. Aber er nahm sie mir fast alle aus dem Mund. Sein Text vor Publikum unterscheidet sich nicht sehr von dem Text vor <a href=\"\/?p=6468\">Versicherungsvertretern<\/a>. Was er noch vor knapp &uuml;ber einem Jahr vermied, baut er inklusive dem Gag &bdquo;unverBL&Uuml;Mt&ldquo; in seine Reden ein, spricht ganz offen &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PsiZZnPsSX0&amp;feature=related\">Rentenk&uuml;rzung<\/a> und bekommt daf&uuml;r noch Applaus. Dass sich Raffelh&uuml;schen an manchen Stellen selbst widerspricht, n&auml;mlich Modellrechnungen f&uuml;r die n&auml;chsten 50 bis 60 Jahre als unausweichlich darstellt, aber sp&auml;ter selbst zu gibt, Wissenschaftler h&auml;tten keine Ahnung davon, scheint nur den Wenigsten aufzufallen. Damit, dass die erwerbf&auml;hige Bev&ouml;lkerung immer die Teile der Bev&ouml;lkerung ern&auml;hren m&uuml;ssen, die zu jung, zu alt oder zu krank zur Erwerbsarbeit sind &ndash; egal ob mit Umlageverfahren, kapitalgedeckten Systemen oder direkt von der Hand in den Mund, s. <a href=\"\/?p=2798\">Mackenroth-Theorem<\/a> &ndash; ist ein Argument, das nicht vorgetragen werden kann.<br>\nVon Raffelh&uuml;schens zahlreichen <a href=\"http:\/\/www.lobbypedia.de\/index.php\/Bernd_Raffelh%C3%BCschen\">Lobby- und Aufsichtsratst&auml;tigkeiten<\/a> d&uuml;rften den meisten in der Halle kaum bekannt sein. Etwa dass er Aufsichtsratsmitglied bei der <a href=\"http:\/\/www.ergo.com\/de\/Unternehmen\/Overview\/Management\/Aufsichtsrat\">ERGO-Versicherungsgruppe<\/a> und bei der Volksbank Freiburg eG, Berater des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft ist und so genannter &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/ueber-die-insm\/Kuratoren-und-Botschafter.html\">Botschafter<\/a>&ldquo; der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, einer <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/insm\/ueber-die-insm\/FAQ.html\">Lobbyorganisation des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall \/ Elektro<\/a>, die 2011 &uuml;ber einen Gesamtetat von &uuml;ber 7 Millionen Euro verf&uuml;gt. Sein <a href=\"http:\/\/www.vwl.uni-freiburg.de\/fakultaet\/fiwiI\/fzg\/verein\/vorstellung.html\">Forschungszentrum Generationenvertr&auml;ge an der Universit&auml;t Freiburg<\/a>, dessen Logo wir auf den Vortragsfolien sehen, wird &uuml;ber einen <a href=\"http:\/\/www.vwl.uni-freiburg.de\/fakultaet\/fiwiI\/fzg\/verein\/sponsoren.html\">F&ouml;rderverein<\/a> von der Industrie, Versicherungsbranche und eben von der Arbeitgeberlobby Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft finanziert. Der Vorstand des F&ouml;rdervereins besteht aus Raffelh&uuml;schen selbst und <a href=\"http:\/\/www.vwl.uni-freiburg.de\/fakultaet\/fiwiI\/fzg\/verein\/vorstand.html\">G&uuml;nther Knortz<\/a>, einem ehemaligen <a href=\"http:\/\/www.definance.de\/artikel_1287.html\">Vorstandsmitglied<\/a> der ERGO-Versicherungsgruppe.<\/p><p>Auch das mit der Einwanderung und Auswanderung ist eigentlich <a href=\"http:\/\/www.bohrwurm.net\/055.Demographie-Schwindeltabelle.htm\">ganz anders<\/a>.<br>\nIn einem Punkt hat der Professor allerdings v&ouml;llig Recht. Das H&auml;ppchen-Buffet und der Sekt drau&szlig;en sind nicht umsonst. Genauso wenig sind  die Kosten f&uuml;r die Halle oder das Honorar des Professors oder seine Reisekosten umsonst. Das zahlen wir alle doppelt oder dreifach. Wir zahlen das mit der K&uuml;rzung unseres Rentenniveaus und mit der F&ouml;rderung f&uuml;r Riester-Renten. Und wer eine Riester-Rente hat oder noch abschlie&szlig;en wird, zahlt das mit seinen Versicherungsbeitr&auml;gen. Und dieses Geld kommt erst einmal nicht auf den Konten der Anleger\/innen ankommen sondern bei den Banken und Versicherungen an, die davon Provisionen, Werbung und z.B. solche Veranstaltungen mit Riesenhalle, Buffet, Honorarprofessor und Reisekosten finanzieren.<\/p><p>Vielleicht h&auml;tte ein Argument gewirkt. Der von Raffelh&uuml;schen angemahnte Ehrenb&uuml;rger der Stadt Darmstadt Hans Adalbert (Bert) R&uuml;rup sagte bei einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung am Frankfurter Campus Westend zum Thema Beratung f&uuml;r Regierungen und Regierungsorganisationen Anfang 2009 vor ca. 300 Besuchern\/innen, dass es keine &bdquo;unabh&auml;ngigen&ldquo; Experten gebe. Das Ergebnis einer Studie oder das Ergebnis der Arbeit einer Kommision k&auml;me immer dem sehr nahe, was die Auftraggeber einer Studie oder Kommission als Ergebnis w&uuml;nschten; also seien Berater immer abh&auml;ngig. Das wussten wir schon vorher, aber es war sehr wertvoll, diese Aussage aus dem Mund eines ehemaligen Regierungsberaters und immer noch Versicherungsvertreters mit Professorentitel zu h&ouml;ren.<\/p><p>Eines muss man dem Professor aus Freiburg bei aller Ablehnung der meisten seiner Argumente lassen. Er ist ein perfekter Rhetoriker, der sein Publikum langsam weich kaut. Anders, als Sie es aus dem Fernsehen kennen, reichert der Professor seinen Vortragsstil mit pausenlosem Geplapper und Satzwiederholungen an und bewegt sich dabei sehr oft auf der B&uuml;hne hin und her. Ja, nicht wahr, nun, Sie sehen, sehen Sie, Sie verstehen doch, verstehen Sie, Ja, oder, dann ist das so, dann ist das doch so, oder etwa nicht, das muss ich Ihnen sagen, leider muss ich Ihnen das sagen, ja nicht wahr, usw. usf. Er benutzt einen Sprachstil, der improvisiert wirken soll und so, als ob es dem Mann tats&auml;chlich unangenehm ist, dass er Ihnen seine angeblichen Wahrheiten erkl&auml;ren muss, deren Wahrheitsgehalt wir gro&szlig;teils gar nicht nachpr&uuml;fen k&ouml;nnen. Dabei ist hier nichts improvisiert sondern genau einstudiert.<\/p><p>Die Show ist zu Ende und die Publikumsdiskussion bleibt aus. Ein Gr&uuml;ppchen bildet sich um den Professor und der alte Herr von vorhin versucht, ihn blo&szlig; zu stellen, ist ihm aber rhetorisch hoffnungslos unterlegen.<\/p><p>Schlie&szlig;lich verteile ich Infomaterial, das ich mir f&uuml;r einen eigentlich geplanten Redebeitrag aufgehoben hatte und informiere G&auml;ste im Saal &uuml;ber die weiter oben zusammengestellten Lobbyverflechtungen des Professors. Dabei bekomme ich als Antworten auf seine Interessensverflechtungen mit der Versicherungsbranche Spr&uuml;che wie &bdquo;Und was ist daran so schlimm? Wir sollten froh und dankbar sein, dass es jemand macht, der sich so gut auskennt.&ldquo; Zwei junge M&auml;nner nehmen Teile der Veranstaltung mit einem Videotelefon auf. Als ich sie dar&uuml;ber informiere, dass dieses Forschungsinstitut von der Versicherungsbranche finanziert bekommen, antworten sie, dass sie das wissen, denn sie kommen von dort. Ein Ph&auml;nomen, das ich sonst nur von besonderen Filmfestivals kenne, erlebe ich nun hier. Ein Vortragsprofessor nimmt seine Studenten zum Jubeln und zur Dokumentation mit und wir bezahlen alles.<\/p><p>Das war ein sehr ern&uuml;chternder Abend, aber eine lehrreiche Information &uuml;ber das Vorgehen und den Auftritt von Lobbyisten.<\/p><p>Anbei noch ein bescheidener Artikel aus dem <a href=\"http:\/\/www.echo-online.de\/nachrichten\/wirtschaft\/wirtschaftsuedhessen\/Hiobsbotschafter-der-demografischen-Entwicklung;art1155,2262396?_FRAME=33&amp;_FORMAT=PRINT\">Darmst&auml;dter Echo<\/a>. Die Autorin hielt offensichtlich nur die H&auml;lfte des Vortrags durch &ndash; wenn sie &uuml;berhaupt anwesend war &ndash; und ersparte sich bei ihrem vermutlich nicht sehr &uuml;ppigen Zeilenhonorar, die oben beschriebenen Lobbyt&auml;tigkeiten des Professors zu erw&auml;hnen. Um einem Professor Raffelh&uuml;schen etwas entgegen zu setzen, sind schon Meister ihres Fachs auf dem Gebiet des Journalismus oder der Wissenschaft n&ouml;tig und diese fehlten hier nat&uuml;rlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Professor Dr. Bernd Raffelh&uuml;schen ist als viel zitierter und viel gesendeter Finanzwissenschaftler, &bdquo;Rentenexperte&ldquo;, &bdquo;Sozialexperte&ldquo; und als ehemaliges Mitglied der R&uuml;rup-Kommission bekannt. Weniger bekannt ist, dass Prof. Raffelh&uuml;schen <a href=\"\/?p=1079\">Lobbyist<\/a> der Arbeitgeberverb&auml;nde und der Versicherungswirtschaft ist. 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