{"id":110874,"date":"2024-02-11T13:00:22","date_gmt":"2024-02-11T12:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110874"},"modified":"2024-02-14T19:59:53","modified_gmt":"2024-02-14T18:59:53","slug":"menschen-ohne-mut-sind-dumpf-wie-vieh-das-sich-nur-vermehrt-skizzen-ueber-indonesien-und-seinen-literarischen-genius-pramoedya-ananta-toer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110874","title":{"rendered":"\u201eMenschen ohne Mut sind dumpf, wie Vieh, das sich nur vermehrt\u201c \u2013 Skizzen \u00fcber Indonesien und seinen literarischen Genius Pramoedya Ananta Toer"},"content":{"rendered":"<p>Am 14. Februar finden im weltweit gr&ouml;&szlig;ten Inselstaat Indonesien Wahlen statt, in denen u.a. ein neuer Staatspr&auml;sident und sein Stellvertreter gew&auml;hlt werden. Just in diesen Tagen, genau am 6. Februar, w&auml;re Pramoedya Ananta Toer, der landesweit bedeutendste Geschichtenerz&auml;hler im 20. Jahrhundert, 99 Jahre alt geworden. Anlass genug, um das literarische Schaffen und politische Wirken dieses Mannes im Kontext der j&uuml;ngeren Geschichte Indonesiens Revue passieren zu lassen. Ein Essay von <strong>Rainer Werning<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMit &uuml;ber 17.000 Inseln und knapp 280 Millionen Menschen ist Indonesien der fl&auml;chenm&auml;&szlig;ig gr&ouml;&szlig;te und bev&ouml;lkerungsreichste Staat S&uuml;dostasiens. Die Kontrolle des schon immer strategischen Seeweges durch die Malakka-Stra&szlig;e bedeutete gleichzeitig Teilhabe an expandierendem Handel mit Ost- und S&uuml;dasien. Im Westen weckte das eigene Begehrlichkeiten: Seit dem fr&uuml;hen 16. Jahrhundert erschienen zun&auml;chst Portugiesen, sp&auml;ter Spanier und schlie&szlig;lich Holl&auml;nder auf dem Archipel, um sich unter anderem die gesch&auml;tzten Gew&uuml;rze von &bdquo;Niederl&auml;ndisch-Indien&ldquo; unter den Nagel zu rei&szlig;en. Zig einheimische Revolten wurden niedergeschlagen, 1911 entstand die erste antikoloniale Partei. Den Repressionen der Kolonialmacht trotzten Politiker unter der charismatischen F&uuml;hrung Achmed Sukarnos. Sie verschafften Mitte der 1920er-Jahre mit der Gr&uuml;ndung der <em>Indonesischen Nationalpartei (PNI) <\/em>der aufkeimenden Nationalbewegung gegen die holl&auml;ndische Herrschaft eine politische Plattform.<\/p><p><strong>Jugendjahre<\/strong><\/p><p>Die Suche nach Einheit und Eigenst&auml;ndigkeit jenseits von kolonialer Bevormundung wurde zum beherrschenden Thema. In dieser Phase des politischen Umbruchs kam <em>Pramoedya Ananta Toer<\/em> am 6. Februar 1925 im zentraljavanischen Blora als &auml;ltestes Kind eines Schuldirektors zur Welt. In Blora verbrachte <em>Pram<\/em>, wie Freunde und Klassenkameraden ihn nannten, seine Kindheit. Dort absolvierte er auch in dem von seinem Vater gef&uuml;hrten <em>&bdquo;Instituut Boedi Oetomo&ldquo;<\/em> die Grundschule. Die m&uuml;tterliche Unterst&uuml;tzung verschaffte Pram die Chance, einen Radiolehrgang zu absolvieren. W&auml;hrend der japanischen Besatzung (1942-45), die Pram und seine Freunde anf&auml;nglich begr&uuml;&szlig;ten, arbeitete er bei der japanischen Nachrichtenagentur <em>Domei<\/em>. Da er dort haupts&auml;chlich als Stenograph eingesetzt wurde und keine Chance sah, einen eigenen Beitrag zur Befreiung zu leisten, schloss er sich einer Untergrundorganisation an.<\/p><p>Am 17. August 1945 erkl&auml;rte Indonesien seine Unabh&auml;ngigkeit. Die Niederlande versuchten, das Ende ihrer Kolonialmacht mit Waffengewalt zu verhindern. Erst Ende 1949 verzichtete Den Haag auf die Herrschaft &uuml;ber Indonesien. In diese Zeit fiel Prams erste Verhaftung. Die Holl&auml;nder sperrten den Rebellen von Juli 1947 bis Dezember 1949 hinter Gitter. Mit der endg&uuml;ltig erlangten Unabh&auml;ngigkeit verband Pram die gro&szlig;e Hoffnung, als freier Mensch in einem freien Land eine Karriere als politischer Publizist und Schriftsteller zu beginnen. Schlie&szlig;lich schien der Antikolonialist Sukarno als nunmehr volksnaher Pr&auml;sident Indonesiens der beste Garant f&uuml;r ein w&uuml;rdevolles Leben zu sein.<\/p><p><strong>Schaffensreiche Phase<\/strong><\/p><p>F&uuml;r Pramoedya Ananta Toer waren die Jahre von 1950 bis 1965 eine au&szlig;erordentlich schaffensreiche Phase. Er avancierte zu einem landesweit geachteten Autor und wurde leitendes Mitglied der <em>Lekra<\/em>, des Instituts f&uuml;r Volkskultur, das ma&szlig;geblich die nationalistischen Ideen der Revolution von 1945 bef&ouml;rdert hatte. Pram betreute die Herausgabe von <em>Lentera <\/em>(Die Laterne), der w&ouml;chentlichen Kulturbeilage der linken Zeitung <em>Bintang Timur <\/em>(&Ouml;stlicher Stern). Dar&uuml;ber hinaus lehrte er indonesische Sprache und Literatur sowie Journalismus.<\/p><p>So sehr Pramoedya Sukarno anf&auml;nglich bewunderte, so sehr irritierte ihn zunehmend dessen autokratischer Regierungsstil. 1959\/60 verbot ein Pr&auml;sidialdekret chinesischst&auml;mmigen Indonesiern, au&szlig;erhalb der St&auml;dte Handel zu treiben. Proteste dagegen und gegen die Diskriminierung dieser Minderheit trugen Pram die zweite Gef&auml;ngnisstrafe ein. Ebenfalls im Jahre 1959 l&ouml;ste Sukarno das parlamentarische System durch die <em>&bdquo;Gelenkte Demokratie&ldquo;<\/em> ab. Die Konsequenz: Das Milit&auml;r wurde immer m&auml;chtiger. Unter dem Vorwand, eine Macht&uuml;bernahme der damals weltweit drittgr&ouml;&szlig;ten KP, der <em>Kommunistischen Partei Indonesiens<\/em> (PKI), zu vereiteln, putschten sich Offiziere Anfang Oktober 1965 an die Macht. In den Monaten danach wurden in Indonesien nach konservativen Sch&auml;tzungen etwa eine Million Menschen &ndash; bezichtigt als &bdquo;Subversive&ldquo; oder &bdquo;Sympathisanten der PKI&ldquo; &ndash; get&ouml;tet. Komplizen der Milit&auml;rdiktatur waren die Regierungen der USA, Gro&szlig;britanniens, Australiens und der Bundesrepublik Deutschland. US-Agenten, so ist mittlerweile freigegebenen Dokumenten des <em>US-State Department<\/em> aus jener Zeit zu entnehmen, hatten den neuen Machthabern unter der F&uuml;hrung von Ex-General Suharto Todeslisten geliefert und akribisch die Namen der &bdquo;Liquidierten&ldquo; durchgestrichen.<\/p><p><strong>Brachiale &bdquo;Neue Ordnung&ldquo;<\/strong><\/p><p>Einer Ger&ouml;lllawine gleich riss Suhartos &bdquo;Neue Ordnung&ldquo; alles in den Abgrund, was Kritik und Dissens wagte. Tats&auml;chliche oder vermeintliche Regimegegner &bdquo;verschwanden&ldquo;. Kritischen Intellektuellen, oppositionellen Gewerkschaftern, Journalisten und Schriftstellern &ndash; darunter Pramoedya Ananta Toer &ndash; wurde durch Schreib-, Rede- und Versammlungsverbot der Maulkorb verpasst. Pramoedya selbst wurde bereits im Oktober 1965 aufgegriffen und zum dritten Mal inhaftiert. Seine Schriften wurden verboten, seine Bibliothek beschlagnahmt, unver&ouml;ffentlichte Texte und pers&ouml;nliche Unterlagen konfisziert oder gingen verloren. Bis 1979 dauerte Prams Haftzeit, darunter von August 1969 bis November 1979 auf der Gefangeneninsel Buru. Dort waren Tausende von politischen Gefangenen gezwungen, auf sich allein gestellt ihr &Uuml;berleben zu organisieren.<\/p><p>Auf Buru entstand Pramoedyas bedeutendstes Werk, die Tetralogie <em>B&uuml;cher der Insel Buru<\/em>. Die allgegenw&auml;rtige Repression veranlasste Pram, die Handlung dieser Romane in die Zeit um 1900 zu verlegen. Sein Thema ist die koloniale Unterdr&uuml;ckung durch die Holl&auml;nder. Anhand des Hauptprotagonisten, des javanischen Adeligen Minke, entfaltet Pram im Zeitraffer die Geschichte Indonesiens. Als einer der wenigen Einheimischen genie&szlig;t Minke das Privileg, eine holl&auml;ndische Oberschule zu besuchen und dort die Sprache der Kolonialherren zu lernen. Seine unbequeme Zwischenstellung erf&auml;hrt Minke durch die Bekanntschaft mit der Konkubine Ontosoroh, deren Tochter Annelies er liebt. Ontosoroh ist eine Einheimische, die &ndash; an einen Europ&auml;er verschachert &ndash; keinerlei soziale Wertsch&auml;tzung genie&szlig;t, aber gebildet, gewandt und gesch&auml;ftst&uuml;chtig ist. Pram pr&auml;sentiert sie als Mut einfl&ouml;&szlig;ende Frau, die neben ihrem holl&auml;ndischen Mann Tuan Mellema zielstrebig ihren eigenen Weg geht. Letztlich aber wird sie ein Opfer der erbarmungslosen Gesetze der Wei&szlig;en.<\/p><p><strong>Sch&auml;rfung nationalen, historischen und sozialen Bewusstseins<\/strong><\/p><p>Minke schlie&szlig;t die Schule mit guten Noten ab und arbeitet als Journalist. Sein Holl&auml;ndisch ist exzellent, sodass Freunde ihm vorwerfen, er schreibe nicht in der Sprache der Einheimischen und kenne sein eigenes Volk nicht. Minkes Dilemma ist der Zwiespalt, trotz hoher Bildung die dunkle Hautfarbe nicht verleugnen zu k&ouml;nnen. So sehr er sich m&uuml;ht, in Gestus, Duktus und Diktion zur Herrenrasse zu geh&ouml;ren, er bleibt im doppelten Sinne au&szlig;en vor: Die Herren wollen ihn nicht, und er mag sein Volk nicht. R&uuml;ckschl&auml;ge in seinem Beruf und das Schicksal derer, die Minke umgeben, lassen ihn mehr und mehr &uuml;ber seine eigene Lage reflektieren. In den letzten beiden B&auml;nden der Buru-Tetralogie finden wir Minke in der Gro&szlig;stadt, wo er seine Identit&auml;t in politischem Engagement findet. Er wird verfolgt und ins Exil getrieben.<\/p><p>Leitmotivisch durchzieht Prams Schriften die Auseinandersetzung der einheimischen mit der europ&auml;ischen Kultur und damit die Sch&auml;rfung nationalen, historischen und sozialen Bewusstseins. Immer wieder geht es um die Sprache als Instrument von Herrschaft und Medium des Widerstands. Subtil arbeitet die Buru-Tetralogie mit den Techniken der Montage. Ihr Autor konfrontiert seine Leserschaft mit komplexen Figuren, die auf vielf&auml;ltige Weise ihr Leben meistern. Die unaufdringliche, lebensbejahende Botschaft: Bediene dich deines Verstandes und sch&auml;rfe dein Erinnerungsverm&ouml;gen, um die Verh&auml;ltnisse zu verstehen und zu ver&auml;ndern.<\/p><p><strong>Verkannt und ge&auml;chtet<\/strong><\/p><p>1979 konnte Pram aus Buru zur&uuml;ckkehren. Doch er wurde unter Stadtarrest gestellt &ndash; knapp 20 Jahre lang. Seiner B&uuml;rgerrechte beraubt, musste er sich regelm&auml;&szlig;ig bei der Polizei melden. Ein Jahr sp&auml;ter erschienen mit <em>Garten der Menschheit<\/em> und <em>Kind aller V&ouml;lker<\/em> die ersten beiden B&auml;nde der Buru-Tetralogie. Auf Anhieb wurden sie Bestseller &ndash; und ein Stachel im Wanst staatlicher Schn&uuml;ffler und Kommissk&ouml;pfe. Die Zensoren des Suharto-Regimes belegten die Werke mit dem Bannfluch des &bdquo;Marxismus, Leninismus und des Kommunismus&ldquo; und verboten sie wegen ihres &bdquo;subversiven&ldquo; Gehalts. Selbst Personen, die Prams B&uuml;cher nur besa&szlig;en, landeten hinter Gittern. Dennoch blieb Pram der meistgelesene zeitgen&ouml;ssische Autor des Landes. Massenhaft wurden seine Schriften hektographiert und unter der Hand weitergereicht.<\/p><p><strong>Eine pers&ouml;nliche Begegnung in Z&uuml;rich<\/strong><\/p><p>Freundlich l&auml;chelnd kam mir Pramoedya entgegen, ein r&uuml;stiger, &auml;lterer Herr, die Schirmm&uuml;tze tief ins Gesicht gezogen. Den ganzen Nachmittag eines strahlendblauen Sommertages im Jahre 2002 genoss ich das Privileg, diese beeindruckende Person trotz hektischen Terminkalenders hautnah zu erleben und in seine Gedankenwelt eintauchen zu k&ouml;nnen. Mehrfach z&uuml;ndete er sich eine &bdquo;Kretek&ldquo; an, Nelkenzigaretten, deren allgegenw&auml;rtige Duftschwaden jeden Winkel seiner Heimat durchwehen und wie ein unsichtbarer Schleier &uuml;ber den Inseln schweben.<\/p><p>Welch Zierde f&uuml;r ein Land! So jedenfalls sollte man meinen. Immerhin tauchte der Name Pramoedya Ananta Toer seit 1981 auf der Liste der Anw&auml;rter f&uuml;r den Literaturnobelpreis auf. Doch die M&auml;chtigen seines Landes scherten sich einen Dreck um diesen gro&szlig;en alten Mann der indonesischen Literatur. Ihnen war er die meiste Zeit ein Dorn im Auge und ein Stachel im Bewusstsein. Erst nach dem Abtritt Suhartos von der politischen B&uuml;hne im Mai 1998 wurde das Verbot der Verbreitung seiner Werke offiziell aufgehoben. &bdquo;Nat&uuml;rlich lie&szlig;en sich die Menschen auch vorher nicht abschrecken, meine B&uuml;cher zu lesen&ldquo;, res&uuml;mierte Pramoedya verschmitzt.<\/p><p>Zur Entstehung seines Hauptwerks <em>B&uuml;cher der Insel Buru<\/em> sagte er selbst:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>In den ersten Jahren habe ich in Gedanken geschrieben. Indem ich die Geschichten meinen Freunden erz&auml;hlte, behielt ich sie in Erinnerung.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Sp&auml;ter brachte er sie zu Papier. Das war schwierig genug: Erst nach z&auml;hen Interventionen von <em>Amnesty International<\/em> und Literaten wie G&uuml;nter Grass gelangte Pram endlich in den Besitz einer Schreibmaschine:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Mit diesen Romanen wollte ich zuallererst Mut machen. Ohne Mut entsteht &uuml;berhaupt nichts. Mut muss man sich erarbeiten. Menschen ohne Mut sind dumpf, wie Vieh, das sich nur vermehrt.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>An einer Stelle hei&szlig;t es in <em>Kind aller V&ouml;lker<\/em>, dem zweiten Band der Buru-Tetralogie:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das ist Menschenwerk. Das haben Menschen in ihrem Gehirn, in ihrem kaltbl&uuml;tigen Herzen ausgebr&uuml;tet. Und Menschen m&uuml;ssen wir unsere Worte entgegenhalten. Gott ist nie auf der Seite der Verlierer.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Trifft das auch heute noch zu? &bdquo;Ja&ldquo;, lautete die kategorische Antwort, &bdquo;Gott ist stets auf der Seite der M&auml;chtigen und Gewinner.&ldquo; Das Bestehende gilt es zu erkennen, um Niedertr&auml;chtiges zu &uuml;berwinden:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ich habe geschrieben, um zu bilden und nicht, um die Massen aufzuwiegeln. Ich sah, wie apathisch die Masse der Indonesier damals war, dass es der Massenaktion bedurfte, um Bewusstsein zu schaffen. Im Wesentlichen geht es darum, indonesische Geschichte literarisch zu schreiben. Es geht mir um Fragen der Ver&auml;nderung unserer Gesellschaft. Und dazu geh&ouml;rt die Ver&auml;nderung des Geschichtsbildes.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Pr&auml;gend f&uuml;r sein politisches Engagement waren die Jugendjahre in Blora:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Ich wuchs in einem politisierten Umfeld auf. Mein Vater leitete eine Bildungseinrichtung, die bereits 1908 entstanden war, um javanisches Nationalbewusstsein zu f&ouml;rdern.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das grausame Intermezzo der japanischen Besatzung in den 1940er-Jahren raffte Hunderttausende seiner Landsleute dahin:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>In jedem k&uuml;stennahen Dorf wurde die Zivilbev&ouml;lkerung gezwungen, Schutzw&auml;lle aufzusch&uuml;tten. Romusha hie&szlig;en die Zwangsarbeiter, die von den Japanern systematisch ausgepresst wurden. Ihr Schicksal ist vergessen, keine Regierungsstelle in Jakarta k&uuml;mmert sich um sie beziehungsweise ihre Hinterbliebenen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Welches Res&uuml;mee zog Pramoedya aus der Suharto-&Auml;ra?<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Da war eine Kriegerkaste an der Macht, die tief in die Poren der Gesellschaft eindrang und sie unterdr&uuml;ckte. Im Gegensatz dazu war der erste Staatspr&auml;sident Sukarno ein Brahmane und politischer Ideologe. Sukarno wurde von der Armee, den Landstreitkr&auml;ften, gest&uuml;rzt. Und als Aburrahman Wahid (Pr&auml;sident von Oktober 1999 bis Juli 2001 &ndash; RW) die Vorrechte der Armee zugunsten der Marine &ndash; wir sind ja ein insulares und maritimes Land &ndash; beschneiden wollte, wurde er gest&uuml;rzt.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Und wie sch&auml;tzte er die Amtsf&uuml;hrung der damaligen Regierung unter Pr&auml;sidentin und Sukarno-Tochter Megawati Sukarnoputri (von Juli 2001 bis Oktober 2004) ein?<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Megawati ist eine hochbezahlte Touristin, die auf Staatskosten herumreist. Sagte ihr Vater noch zu den USA &sbquo;To hell with you!&lsquo;, hofiert seine Tochter heute eben die USA. Deren Milit&auml;rpr&auml;senz im n&ouml;rdlichen Nachbarland, den Philippinen, ist auch gegen unser Land gerichtet. Die USA betrachten Indonesien als ein riesiges Dollarfeld, das sie beackern m&ouml;chten. Da der Einfluss des Milit&auml;rs im gesellschaftlichen Leben des Landes ungebrochen ist, m&ouml;chten sich die USA, sobald die letzten Prozesse gegen Offiziere in Jakarta abgeschlossen sind, schnell wieder voll ihrer Dienste versichern. Dann bekommt die Meute von Sch&auml;ferhunden wieder einige Knochen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Scharfz&uuml;ngig kommentierte Pram auch die zur Zeit unseres Treffens politisch brisanten Entwicklungen wie den von den USA inszenierten &bdquo;Feldzug gegen den Terror&ldquo; und das Hohelied auf die Globalisierung:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Die Vereinigten Staaten von Amerika sollten, was Terror betrifft, in sich kehren und die eigene Geschichte studieren: Der Ausrottung der urspr&uuml;nglichen Bev&ouml;lkerung folgte die sklavische Behandlung der Schwarzen. Ich bef&uuml;rchte, heute zeigt sich Washington eher schie&szlig;w&uuml;tig als bereit, Konflikte durch politische Verhandlungen zu l&ouml;sen. Globalisierung &ndash; das ist f&uuml;r mich nur ein anderes Wort f&uuml;r einen entfesselten Kapitalismus, der s&auml;mtliche Lebensbereiche durchdringen und sich einverleiben m&ouml;chte.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Vision Pramoedya Ananta Toers, der in diesen Tagen seinen 99. Geburtstag gefeiert h&auml;tte, blieb Zeit seines Lebens ein demokratisches Indonesien. Daf&uuml;r hat er ebenso unerm&uuml;dlich wie unbeugsam gestritten &ndash; in Worten wie in Taten.<\/p><p><strong>Werke von Pramoedya Ananta Toer<\/strong><\/p><ul>\n<li><em>Spur der Schritte<\/em> (Jejak Langkah). Roman. Aus dem Indonesischen von Giok Hiang-Gornik. Unionsverlag, Z&uuml;rich 2002, 506 S., 12,90 EUR<\/li>\n<li><em>Die Braut des Bendero. <\/em>Roman. Aus dem Indonesischen von Diethelm Hofstra. Horlemann, Bad Honnef 2001, 262 S., 14,90 EUR<\/li>\n<li><em>Aufzeichnungen aus Buru.<\/em> Aus dem Indonesischen von Diethelm Hofstra. Horlemann, Bad Honnef 2000, 343 S., 10,20 EUR<\/li>\n<li><em>Stilles Lied eines Stummen. <\/em>Deutsch von Diethelm Hofstra. Horlemann, Bad Honnef 2000, 343 S., 10,20 EUR<\/li>\n<li><em>Die Familie der Partisanen.<\/em> Aus dem Indonesischen von Diethelm Hofstra, Bad Honnef 1997, 319 S., 22,50 EUR<\/li>\n<li><em>Kind aller V&ouml;lker<\/em> (Anak Semua Bangsa). Roman. Aus dem Indonesischen von Brigitte Schneebeli. Unionsverlag, Z&uuml;rich 1994, 395 S., 12,90 EUR<\/li>\n<li><em>Spiel mit dem Leben<\/em>. Roman. Aus dem Indonesischen von Doris Jedamski und Thomas Rieger. Rowohlt TB Reinbek 1990, 203 S., (vergriffen) sowie die<\/li>\n<li><em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Buru-Tetralogie\">Buru-Tetralogie \/ B&uuml;cher der Insel Buru<\/a><\/em><\/li>\n<\/ul><p><small>Titelbild: Pramoedya Ananta Toer in K&ouml;ln (1999) &ndash; Archiv: Deutsch-Indonesische Gesellschaft (DIG), K&ouml;ln<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 14. Februar finden im weltweit gr&ouml;&szlig;ten Inselstaat Indonesien Wahlen statt, in denen u.a. ein neuer Staatspr&auml;sident und sein Stellvertreter gew&auml;hlt werden. Just in diesen Tagen, genau am 6. Februar, w&auml;re Pramoedya Ananta Toer, der landesweit bedeutendste Geschichtenerz&auml;hler im 20. Jahrhundert, 99 Jahre alt geworden. Anlass genug, um das literarische Schaffen und politische Wirken dieses<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110874\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":110875,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[198,917,20],"tags":[2163,1620,1792,663,309,2989,3369,2991,220],"class_list":["post-110874","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-kultur-und-kulturpolitik","category-landerberichte","tag-gefaengnis","tag-indonesien","tag-kolonialismus","tag-putsch","tag-repressionen","tag-suharto-haji-mohamed","tag-sukarno-achmed","tag-unabhaengigkeitsbewegungen","tag-zensur"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/240211_titel.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110874","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=110874"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110874\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":111058,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110874\/revisions\/111058"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/110875"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=110874"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=110874"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=110874"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}