{"id":110930,"date":"2024-02-12T10:00:50","date_gmt":"2024-02-12T09:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110930"},"modified":"2024-02-12T10:41:07","modified_gmt":"2024-02-12T09:41:07","slug":"arbeit-kapital-und-gaaanz-viel-kultur-dazwischen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110930","title":{"rendered":"Arbeit &amp; Kapital \u2013 und gaaanz viel Kultur dazwischen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie die New York Times f&uuml;r Kriegsf&uuml;hrer Biden Wahlkampf macht.<\/strong> Die <em>New York Times (NYT)<\/em> ist das gr&ouml;&szlig;te und einflussreichste Printmedium des US-gef&uuml;hrten Kapitalismus. Die traditionsreiche Zeitung, l&auml;ngst auch tagesaktuell in vielen anderen Staaten Europas gedruckt und verkauft und mit 9,6 Millionen Digital-Abonnenten weltweit, ist auf das akademische, &bdquo;kritische&ldquo; Publikum spezialisiert. Alle wichtigen US-Kriege, alle daf&uuml;r inszenierten Fake-Begr&uuml;ndungen wurden und werden nachgebetet, aber sp&auml;tere kritische Kommentare sind ebenfalls hochprofessionell gemacht, auch etwa Reportagen bei zu viel Rassismus in den USA oder sonstigen Missst&auml;nden im Gelobten Land diesseits und jenseits des Atlantiks. Oder NYT-Reporter interviewen privilegiert vor Ort neben dem Sch&uuml;tzengraben verzweifelte, kampfesm&uuml;de ukrainische Soldaten (berichten aber nie &uuml;ber die Zahl der get&ouml;teten Soldaten). Von <strong>Werner R&uuml;gemer<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Clinton, Obama, Biden: <\/strong><em><strong>working poor<\/strong><\/em><\/p><p>Die <em>NYT<\/em> steht seit ihrer aktiven Rolle bei der Finanzierung der New Yorker Freiheitsstatue traditionell auf der Seite der Demokratischen Partei.[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] Gegenw&auml;rtig hilft sie dem nicht nur k&ouml;rperlich, sondern auch politisch und wirtschaftlich gebrechlichen Pr&auml;sidenten Joe Biden medial auf die Beine, versucht es jedenfalls. Kann er doch noch die n&auml;chste Wahl im November 2024 gewinnen? Kann er noch mal US-Pr&auml;sident werden und die Welt, jedenfalls die westliche, retten? Das ist die Frage.<\/p><p>Die Biden-Regierung pumpt so viele Hunderte Milliarden Staatssubventionen in &bdquo;die Wirtschaft&ldquo;, also in die gro&szlig;en Privatkonzerne, die auch aus Deutschland heraneilen und nicht nur die Subventionen, sondern auch die viermal billigeren US-Energiepreise nutzen &ndash; und die niedrigeren L&ouml;hne. Diese Art Aufschwung greift noch nicht so richtig, aber schon ein bisschen, lobt die <em>NYT<\/em> zu einem Foto mit dem l&auml;chelnden Wahlk&auml;mpfer Biden: <em>Sunny economy is a potential gain for Biden<\/em> (Sonnige Wirtschaft k&ouml;nnte ein Gewinn f&uuml;r Biden sein).<\/p><p>&bdquo;Die Wirtschaft&ldquo; &ndash; das k&ouml;nnte man gerade in den USA leicht so verstehen, dass damit die Konzerne und deren Aktion&auml;re gemeint sind. Deshalb reden Biden und seine Berater und die <em>NYT<\/em> jetzt im Wahlkampf wieder verst&auml;rkt von den<em> working Americans<\/em> &ndash; nachdem auch die Demokraten-Regierungen seit Obama den gesetzlichen Mindestlohn von 7,25 Dollar (= 6,48 Euro) nicht erh&ouml;ht haben und dieser bis 2,13 Dollar herabgesetzt werden kann, wenn etwa Trinkgeld zu erwarten ist &ndash; die letzte Erh&ouml;hung geschah 2009 unter dem republikanischen Pr&auml;sidenten George W. Bush.<\/p><p>So wurde unter den Pr&auml;sidenten der Demokraten <em>working poor<\/em> beschleunigt, auch f&uuml;r die vorher noch etwas geschonten wei&szlig;en Arbeiter. Aber im normalen Regierungsgesch&auml;ft, nach einer erfolgreichen Wahl, sprechen die Politiker der Demokraten dann nicht mehr von den <em>working Americans<\/em>. Deshalb hat ja der etwas primitivere Demagoge Trump seine Erfolge auch bei der <em>white american working class<\/em> und in der &bdquo;demokratisch&ldquo; abgeschrumpften <em>middle class<\/em>.<\/p><p><strong>Erfolg: Noch mehr Niedrigstl&ouml;hnerinnen f&uuml;r Apple in Indien<\/strong><\/p><p>Und da will die <em>NYT<\/em> auf der Titelseite dem geliebten Biden mit einer wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte aufhelfen: <em>India loosens China iPhone grip <\/em>lautet die Titelgeschichte der Ausgabe vom 5. Februar 2024. (Indien lockert Chinas Zugriff auf die iPhones). Die <em>NYT<\/em> lobt, illustriert mit vier Fotos aus der indischen Stadt Sriperumbudur, dass der taiwanesische Konzern Foxconn hier einen riesigen, zw&ouml;lfst&ouml;ckigen Schlafraumkomplex hochziehen l&auml;sst, mit Sechs-Bett-Zimmern, f&uuml;r 37.000 <em>workers<\/em>. Workers: Das sind, wie erkl&auml;rt wird, ausschlie&szlig;lich Frauen. Sie sollen die neuesten iPhones f&uuml;r Apple endmontieren, mehr noch als bisher schon in Indien.<\/p><p>Die Montage f&uuml;r die Apple-Smartphones 12, 13, 14 organisiert Foxconn in Indien schon seit mehreren Jahren: Kasernierte junge Frauen arbeiten im Drei-Schicht-sechs-Tage-Betrieb f&uuml;r 88 Cent in der Stunde. Davon bekommen sie allerdings nur die H&auml;lfte ausbezahlt. Denn f&uuml;r die &uuml;berwachte Massenunterkunft, das Massenessen und die t&auml;glichen Transporte von der Massenunterkunft zur Fabrik und zur&uuml;ck beh&auml;lt Foxconn die H&auml;lfte des menschenrechtswidrigen Zwangsarbeitslohnes ein.[<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>] Die Entfernung zwischen der Massenunterkunft und der Fabrik jetzt hier in der neuen Anlage von Sriperumbudur betr&auml;gt &uuml;brigens zwischen 50 und 95 Kilometer, berichtet die <em>NYT<\/em> &ndash; das sind also bis zu sechs Stunden Fahrt in engen Bussen, t&auml;glich.<\/p><p>Foxconn, der weltweit f&uuml;hrende Spezialist f&uuml;r kasernierte Niedrigstl&ouml;hnerei, hat sein Gesch&auml;ftsmodell unter Kriegsrecht und Diktatur im US-Protektorat Taiwan entwickelt. Foxconn schickt die jungen, nach wenigen Jahren ersch&ouml;pften, erkrankten Frauen wieder weg &ndash; Agenturen suchen in armen Regionen Indiens st&auml;ndig nach neuem weiblichem Nachschub. Auch solche Wirtschaftsbeziehungen waren im Juni 2023 zwischen Biden und dem indischen Ministerpr&auml;sidenten Modi bei dessen Besuch in Washington vereinbart und gefeiert worden, auch in der <em>NYT<\/em>.<\/p><p>Das feiert die <em>NYT<\/em> jetzt wieder mit ihrer Titelgeschichte als Erfolg f&uuml;r Apple, f&uuml;r die US-Wirtschaft und f&uuml;r den Wahlk&auml;mpfer Biden. Vom 88-Cent-Lohn und den Arbeitsbedingungen ist nat&uuml;rlich nicht die Rede. Vielmehr lobt die <em>NYT<\/em> in &Uuml;bereinstimmung mit Biden, dass Indien damit dem unter Obama neu bestimmten Systemfeind China die bisher dort praktizierte Foxconn-Zuliefer-Montage der Apple-iPhones immer mehr wegnimmt. Wobei auch hier eine entscheidende Information fehlt: Foxconn\/Apple wandern n&auml;mlich deshalb so schnell wie m&ouml;glich aus China ab, weil dort die L&ouml;hne um ein Mehrfaches erh&ouml;ht wurden.<\/p><p><strong>NYT, Apple, Foxconn, UBS: Die Eigent&uuml;mer<\/strong><\/p><p>Zwischen-Info: Die <em>NYT<\/em> ist rechtlich kein Staatsmedium, sondern ein privates Medium. Dann ist die Frage: Wer sind die Eigent&uuml;mer? Die f&uuml;hrenden Aktion&auml;re des NYT-Medienkonzerns sind Vanguard, State Street, BlackRock usw., also diejenigen, die das auch in den wichtigsten US-Unternehmen sind &ndash; in den Wall Street-Banken, in den Branchen Digitales, R&uuml;stung, Fracking, &Ouml;l, Pharma, Chemie, Agro Business, Auto &ndash; also auch bei Apple.<\/p><p>Und f&uuml;hrende Aktion&auml;re des taiwanesischen Konzerns Foxconn sind neben den zwei taiwanesischen Hauptaktion&auml;ren ebenfalls Vanguard, State Street, BlackRock, teilweise etwas verwinkelt mithilfe von Citibank, JP Morgan und Standard Chartered.<\/p><p>Und BlackRock &amp; Co. geh&ouml;ren zu den Dauersponsoren der Partei Bidens, aber im einge&uuml;bten US-Politsystem auch, f&uuml;r alle F&auml;lle, der Partei Trumps. <\/p><p>Und BlackRock stellte mit Beginn von Bidens Pr&auml;sidentschaft drei Manager in der US-Regierung. Das war auch unter Obama so &ndash; unter Clinton noch nicht, da waren BlackRock &amp; Co. durch dessen Deregulierungen erst gro&szlig; geworden.<\/p><p><strong>NYT-Anzeigenk&ouml;nig: Die Schweizer Gro&szlig;bank UBS<\/strong><\/p><p>In dieser NYT-Ausgabe vom 5. Februar 2024 sind vier ganze Druckseiten mit gro&szlig;formatigen, vielfarbigen Werbeanzeigen gef&uuml;llt:<\/p><ul>\n<li>Auf der ersten ganzseitigen Anzeige l&auml;uft eine einsame, superschlanke junge Frau im blauen Jogginganzug mit riesigen Schritten und wehendem langem Pferdeschwarz ins Bild, unter der gro&szlig;gedruckten Botschaft: <em>Exceeding your expectations is how we built ours. Banking is our craft.<\/em> (Gehe &uuml;ber deine Erwartungen hinaus &ndash; so bauen wir unsere. Banking ist unser Handwerk) Die Anzeige wirbt f&uuml;r die Schweizer Super-Bank UBS, die k&uuml;rzlich die letzte verbliebene Schweizer Konkurrenzbank Credit Suisse schluckte und nun allein aus der auch von US-Anlegern und Anlegerinnen gesch&auml;tzten Finanzoase Schweiz weltweit Briefkastenfirmen vermittelt.<\/li>\n<li>Auf der zweiten ganzseitigen Anzeige einige Seiten weiter sitzen vier junge Menschen, davon zwei Kinder, etwas verloren unter einem riesigen Himmel auf einem Felsen und blicken &uuml;ber ein Meer in eine helle, menschenleere Ferne, unter der gro&szlig;gedruckten Botschaft: <em>There&rsquo;s a science to creating wealth. <\/em><em>But making it endure is an art.<\/em> <em>Managing wealth is our craft. <\/em>(Reichtum zu schaffen ist eine Wissenschaft. Aber ihn dauerhaft zu machen ist eine Kunst. Reichtum zu managen ist unser Handwerk) Auch dieses Reichtumsgeschwurbel tr&auml;gt den Namen UBS.<\/li>\n<li>Auf der dritten ganzseitigen Anzeige einige Seiten weiter steht ein einsamer junger Mann mit dem R&uuml;cken zum Publikum, die H&auml;nde in den Hosentaschen, und blickt unter einem dunkel-hell gemischten, weiten Horizont auf eine verschwommene bergige, menschenleere Landschaft, unter der gro&szlig;gedruckten Botschaft: <em>How do we know that uncertainty creates opportunity? 160 years of managing uncertainty. Investing is our craft<\/em>. (Wie wissen wir, dass Unsicherheit Gelegenheit schafft? 160 Jahre Unsicherheit managen. Investieren ist unser Handwerk). Auch diese Anzeige wirbt f&uuml;r die UBS.<\/li>\n<\/ul><p>Der einzelne junge Mensch, allein, in freier, menschenleerer Welt &ndash; umworben, gef&ouml;rdert vom allwissenden Kapital. Und die UBS wirbt jetzt noch gezielter um US-Anleger, entl&auml;sst Tausende Schweizer Besch&auml;ftigte und verspricht eine Rendite von demn&auml;chst 16 Prozent j&auml;hrlich.[<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>] Und da sind die infrage kommenden reichen Anleger aus den USA besonders begehrt: Sie haben noch mehr Geld, und die k&ouml;nnen von weniger Bankbesch&auml;ftigten betreut werden.<\/p><p>&Uuml;brigens: Wer sind die Eigent&uuml;mer der UBS? Gucken Sie mal nach, in Ihrer Lieblingszeitung, ob Sie da was finden!<\/p><p><strong>Kritik an der Verschlafenheit &bdquo;der Deutschen&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die <em>NYT<\/em> agitiert, wie praktisch jeden Tag, auch in dieser Ausgabe vom 5. Februar 2024 gegen Trump, den ungebildeten, rassistischen, sexistischen, nationalistischen usw. Rabauken, der angeblich nach seiner erfolgreichen Wahl als Pr&auml;sident die NATO schw&auml;chen und die Kriege, Boykotte, Sanktionen gegen China und Russland, auch den Krieg in der Ukraine beenden w&uuml;rde, zum Schaden der USA, der <em>NYT<\/em> und ihrer f&uuml;hrenden Aktion&auml;re.<\/p><p>Doch da gibt es Hoffnung, zumindest bei den guten Freunden in Europa. Da lobt die <em>NYT<\/em> &uuml;berschw&auml;nglich den deutschen Verteidigungsminister: Pistorius sei viel beliebter als der immer z&ouml;gernde Bundeskanzler Scholz, und Pistorius k&ouml;nne viel freier die russische Gefahr und die Aggressionspl&auml;ne Putins anprangern und auf die schnellere und zus&auml;tzliche &bdquo;Kriegsf&auml;hrigkeit&ldquo; Deutschlands dr&auml;ngen. Mit gro&szlig;em Foto wird Pistorius in Milit&auml;rkleidung gezeigt, wie er in einem Trainingslager hochger&uuml;stete Soldaten mit Maschinengewehr im Anschlag und Tarnfarben im Gesicht kumpelhaft begr&uuml;&szlig;t.<\/p><p>Leider aber, so die <em>NYT<\/em>, sind die Deutschen nach Meinungsfragen zu 76 Prozent mehrheitlich immer noch f&uuml;r diplomatische L&ouml;sungen, und 71 Prozent der Deutschen w&uuml;rden die von Biden geforderte milit&auml;rische F&uuml;hrung Deutschlands in Europa immer noch ablehnen.<\/p><p>Gegen diese deutsche &bdquo;Verschlafenheit&ldquo; zitiert die <em>NYT<\/em> auch an diesem Tag ihren vielzitierten &bdquo;Sicherheits&ldquo;- und Europa-Experten Charles Kupchan, Professor an der wohl reaktion&auml;rsten privaten Elite-Universit&auml;t der USA, Georgetown University im vornehmen Stadtteil Washingtons, Georgetown. Gegr&uuml;ndet wurde diese r&ouml;misch-katholische Universit&auml;t 1789, etwa gleichzeitig mit dem US-Staat, wird bis heute gef&uuml;hrt vom Jesuitenorden und ist Mitglied der Association of Jesuit Colleges and Universities. Hier hat auch schon z.B. William Clinton studiert und geh&ouml;rt zum Netzwerk. Und der Jesuiten-Professor Kupchan, der schon Obama beraten hat, beschw&ouml;rt in &Uuml;bereinstimmung mit einigen gelobten deutschen Christdemokraten die Hoffnung, dass &bdquo;die Deutschen&ldquo; aus &bdquo;ihrem schlechten Traum aufwachen&ldquo;. (<em>German military officials urge rapid buildup<\/em>, Deutsche Milit&auml;r-Offizielle dringen auf schnelle Aufr&uuml;stung)<\/p><p>Das also ist es, was <em>NYT<\/em>, Biden, BlackRock &amp; Co. wollen und schon weitgehend durchgesetzt haben: Europa und vor allem Deutschland zur&uuml;ck in den zudem erheblich versch&auml;rften Kalten Krieg, mit neuen, noch rechteren Regierungen, mit Kriegshaushalten, mit De-Industrialisierung unter US-Regie, mit Verarmung der Mehrheitsbev&ouml;lkerung, der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten, der Arbeitslosen, der Rentner, mit Abbau der Tarifvertr&auml;ge, des Sozialstaats, der &ouml;ffentlichen Infrastruktur &ndash; zugunsten der Gewinne nicht nur der US-R&uuml;stungskonzerne, sondern auch der US-Digitalkonzerne wie Apple und etwa auch des &bdquo;deutschen&ldquo; R&uuml;stungskonzerns Rheinmetall, in dem inzwischen neun der zehn gr&ouml;&szlig;ten Aktion&auml;re aus den USA kommen, BlackRock &amp;Co., wer sonst?<\/p><p><strong>Aber Krieg mit gaanz viel Kultur, und Sport, und Gesang &hellip;<\/strong><\/p><p>Die direkte Werbung des f&uuml;hrenden westlichen Kapitalmediums f&uuml;r v&ouml;lkerrechtswidrige Kriege, hohe Investoren-Gewinne und globale Niedrigl&ouml;hne ist nur die eine Seite. Zur medialen Profession geh&ouml;rt systemisch auch die Produktion des Gef&uuml;hls, in einer solchen globalen Kriegs- und Ausbeutungsgesellschaft ein sch&ouml;nes, anspruchsvolles Leben f&uuml;hren zu k&ouml;nnen.<\/p><p>So werden frohe Botschaften f&uuml;r hohe und nicht so hohe Kultur produziert. Hier eine auszugsweise Aufz&auml;hlung von meist ganzseitigen, mit vielen bunten Fotos illustrierten Artikeln, die auch in dieser Ausgabe der <em>NYT<\/em> viel mehr Platz einnehmen als die bisher zitierten Wirtschafts-, Wahlkampf- und Milit&auml;rartikel: <\/p><ul>\n<li>Der gefeierte Stardirigent der New Yorker Metropolitan Opera hat nun eine neue Mission: Er tr&auml;gt seine klassisch-gebildete Botschaft f&uuml;r die US-freundliche Oberschicht nun in den n&auml;chsten f&uuml;nf Jahren in ein f&uuml;r die USA wichtiges Land, S&uuml;dkorea. Jaap van Zweden wird das Philharmonische Orchester in Seoul leiten, mit Beethoven- und Mahler-Konzerten <em>(New York maestro takes the podium in Seoul<\/em>).<\/li>\n<li>Auch f&uuml;r die Kulturebene darunter ist vieles dabei. So hat eine neue Studie &uuml;ber Inklusion ergeben: Der Anteil von Frauen bei den erfolgreichsten Hits ist im Jahr 2023 erheblich angestiegen: auf 35 Prozent in der Hot 100 Single Chart von <em>Billboard<\/em>. Und zum ersten Mal &uuml;berhaupt waren 56 Prozent der Songwriter der 100 erfolgreichsten Songs Frauen. Das wird illustriert mit Fotos der gegenw&auml;rtig erfolgreichsten S&auml;ngerinnen Taylor Swift und SZA. (<em>Women make strides in pop songwriting and producing<\/em>)<\/li>\n<li>Ein ganzseitiger Artikel mit mehreren bunten Fotos bekannter Baseballspieler schildert die hochkomplizierte, aber bewegende Frage: Welche Hemden und Hosen, in welcher Farbe d&uuml;rfen die Baseball-Mannschaften der Major League Baseball MLB tragen? Die l&auml;ngste Zeit galt wei&szlig; als Standard. Aber Nike brachte das in der Saison 2017-2018 kommerziell durcheinander, merkt die <em>NYT<\/em> konsumkritisch an. Wie oft ist jetzt blau erlaubt, oder rot, oder schwarz? Bei Heim- und bei Ausw&auml;rtsspielen? Wie oft jede Farbe pro Spielsaison? Oder eine Kombination solcher Farben f&uuml;r das Hemd und die Hose? Und wer entscheidet das? (<em>A tradition shaded by commerce<\/em>)<\/li>\n<li>Auch f&uuml;r kritische Polit-Intellektuelle ist was dabei. Wegen im Westen leicht aufkommender Bewegungen des Anti-Kolonialismus und der Aufarbeitung des bisher besch&ouml;nigten Kolonialismus widmet die <em>NYT<\/em> eine ganze Seite dem fr&uuml;her weltber&uuml;hmten antikolonialen Autor Frantz Fanon, mit gro&szlig;em Foto. Er war Unterst&uuml;tzer der algerischen Befreiungsbewegung gegen die Kolonialmacht Frankreich. Sein 1961 ver&ouml;ffentlichtes Hauptwerk &bdquo;Die Verdammten dieser Erde&ldquo;, damals mit weltweiter Resonanz, wird jetzt wieder &ouml;fter herangezogen. Die <em>NYT<\/em> lobt ihn, allerdings nicht ohne in Bezug auf heute bei der &bdquo;Aufarbeitung&ldquo; des Kolonialismus vor &bdquo;religi&ouml;ser Sektenbildung&ldquo; zu warnen.<\/li>\n<li>Auch f&uuml;r kulturvolle und besserverdienende Trinker, die sich nicht gleich besaufen und mal ein Wochenende in der US-freundlichen Finanzoase Singapur verbringen wollen, ist etwas dabei. Ganzseitig mit vielen Fotos wird die riesige Auswahl an dort in aufwendig dekorierten Hotelbars angebotenen kreativen Cocktails vorgestellt. Etwa der traditionelle Sling, 1915 in der sch&ouml;nen Kolonialzeit erfunden, pinkfarben, auf Gin-Basis. Oder der Gast kann einen &bdquo;Jahrgangs-Martini&ldquo; mit einem Gin aus jedem beliebigen Jahrgang des 20. Jahrhunderts ausw&auml;hlen und zahlt dann f&uuml;r den Cocktail in historischem Becher zwischen 45 und 205 US-Dollar. Aber auch ein Cocktail mit Zutaten von einer biodynamischen Farm aus Kambodscha geh&ouml;rt zur Auswahl, und so weiter. (<em>In Singapore, drinks with a creative twist<\/em>)<\/li>\n<li>Eine ganze Seite mit acht Fotos ist der seit den 1920er-Jahren leichtgesch&uuml;rzt auftretenden T&auml;nzerin Josephine Baker gewidmet, anl&auml;sslich einer Ausstellung in Berlin. Sie hat sich als Einzelne, dazu als Frau und als Schwarze emanzipiert, bewundernswert! Da wird auch daran erinnert, dass die K&uuml;nstlerin im deutschbesetzten Frankreich 1940 Auftrittsverbot bekam, wie andere schwarze und j&uuml;dische K&uuml;nstler auch, dass sie 1961 in Frankreich geehrt wurde und dass sie 1963 beim Marsch auf Washington eine der zwei Frauen war, die neben Martin Luther King eine Rede hielten. Sie war &bdquo;mehr als eine Entertainerin&ldquo; und gilt als Referenz f&uuml;r Menschenrechte, so jetzt die <em>NYT<\/em>. (<em>Josephine Baker, artist and activist<\/em>) Dass die Menschenrechte auch f&uuml;r die in der gleichen NYT-Ausgabe erw&auml;hnten Foxconn-Jobberinnen gelten k&ouml;nnten &ndash; kein Wort davon, diese arbeitenden Frauen bleiben massenhaft und gestaltlos im kapitalen Dunkel.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Im Kleinstgedruckten: verschwiegene Unsicherheiten<\/strong><\/p><p>&Uuml;brigens steht auf allen drei UBS-Werbeseiten ganz links unten in kleinstm&ouml;glicher Minischrift: <em>The value of investments may fall as well as rise, and you may not get back the amount originally invested.<\/em> (Der Wert von Investitionen kann fallen oder steigen, und es kann sein, dass du nicht den Betrag zur&uuml;ckbekommst, den du anfangs investiert hast)<\/p><p>Letzteres passierte &uuml;brigens w&auml;hrend der unsicheren, aber f&uuml;r die Schweizer Banken erfolgreichen 160 Bank-Management-Jahre zum Beispiel vielen Tausenden, eher verm&ouml;genderen Juden: Sie hatten UBS-Vorg&auml;nger-Banken w&auml;hrend der Nazi-Verfolgung ihr Fluchtgeld anvertraut, sie bekamen es aber nicht zur&uuml;ck, weil sie im KZ ermordet worden waren (auch weil die USA die Aufnahme verweigerten und nur ganz wenige besonders Verm&ouml;gende und Prominente hereinlie&szlig;en) und eventuell noch lebende Verwandte von den Banken nicht informiert wurden. (Banking ist unser Handwerk)<\/p><p>Solcherart Bank-Erfolge der f&uuml;hrenden finanziellen Unsicherheitsmanager zulasten der verarmten oder auch get&ouml;teten, ermordeten Kunden sind durch die professionelle mediale Vergessensproduktion l&auml;ngst aus dem &ouml;ffentlichen Ged&auml;chtnis gel&ouml;scht, in der Komplizenschaft der <em>NYT<\/em> und der UBS und ihrer Eigent&uuml;mer.<\/p><p><strong>Und welche Armbanduhr passt zum NYT-UBS-Klientel?<\/strong><\/p><p>Richtig, in unserer Aufz&auml;hlung fehlt noch die vierte, ganzseitige, bunte Werbeanzeige in der <em>NYT<\/em> vom 5. Februar 2024. Normalerweise prangen hier auf der letzten Seite die Anzeigen f&uuml;r die Luxustaschen von Louis Vuitton oder f&uuml;r die Juwelen der Haute Jaillierie Van Cleef &amp; Arpels, place Vendome, Paris, pr&auml;sentiert von gro&szlig;formatigen Fotos einer vertr&auml;umt l&auml;chelnden jungen, h&uuml;bschen coloured woman.<\/p><p>Aber in dieser NYT-Ausgabe wirbt ein junger Mann f&uuml;r ein eher m&auml;nnliches Accessoire: eine Luxus-Armbanduhr von Vacheron Constantin, Gen&egrave;ve, Switzerland. <em>Beauty lies in the Details of the Grandest Structures, and the Finest<\/em>, (Sch&ouml;nheit liegt in den Details der gr&ouml;&szlig;ten Strukturen, und der feinsten) lautet der Werbespruch unter dem Foto des dreitageb&auml;rtigen jungen Mannes. Der blickt vertr&auml;umt unbestimmt nach oben, w&auml;hrend er mit der linken Hand einen gespitzten Holzbleistift vor die Stirn h&auml;lt. Der Mann wird hier sogar mit Vornamen vorgestellt: Oraito. Und, so hei&szlig;t es weiter: Er ist Modedesigner, und so soll man wohl denken, dass er sich gerade tr&auml;umerisch-kreativ etwas ausdenkt, das demn&auml;chst als Modeteil Gestalt annehmen wird, mit den sch&ouml;nsten und feinsten Details. Und er h&auml;lt seinen linken Unterarm mitten ins Bild, da prangt die Luxusuhr Vacheron Constantin Traditionelle, mit Vollkalender, Automatik, Wei&szlig;gold grau und Lederarmband. Das kulturvolle Gebilde kostet 39.950 Euro: Nat&uuml;rlich wird der Preis in der Anzeige dezent nicht genannt.<\/p><p>Das Durchschnittsnettoverm&ouml;gen der NYT-Leser betr&auml;gt 508.000 US-Dollar, hei&szlig;t es marketinggem&auml;&szlig; auf der NYT-Website. Das Durchschnittsnettoverm&ouml;gen der US-Amerikaner liegt bei einem Viertel dieses Betrags, bei 140.800 US-Dollar. Und die H&auml;lfte der US-Amerikaner hat gar kein Nettoverm&ouml;gen. Und 508.000 US-Dollar Nettoverm&ouml;gen oder mehr haben ungef&auml;hr f&uuml;nf Prozent der US-Amerikaner.<\/p><p>Und der h&uuml;bsche Durchschnitt von 508.000 beruht naturgem&auml;&szlig; auf den Verm&ouml;gen, die viel niedriger und vor allem auch viel h&ouml;her sind. Deshalb beginnen die Preise des werbenden Schweizer Luxus-Armbanduhren-Herstellers Vacheron Constantin bei &auml;rmlichen 4.740 Euro, f&uuml;r die ganz Armen unter den Reichen. &Uuml;ber ein paar Dutzend Modelle steigen die Preise bis 195.000 Euro, so f&uuml;r die Overseas Skeleton Ultrathin. Das w&auml;re auch f&uuml;r unseren Modedesigner Oraito zu teuer.<\/p><p>Arbeit &amp; Kapital, und gaanz viel Kultur dazwischen: alles klar?<\/p><p><small>Titelbild: Hadrian\/shutterstock.com<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Werner R&uuml;gemer: Verh&auml;ngnisvolle Freundschaft. K&ouml;ln 2023, S. 56 &ndash; 62<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Werner R&uuml;gemer: Apple: Zwangsarbeit in Indien mit Foxconn, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91897\">nachdenkseiten.de<\/a> 22. Dezember 2022<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] UBS dr&uuml;ckt die Kosten, FAZ 7. Februar 2024<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Wie die New York Times f&uuml;r Kriegsf&uuml;hrer Biden Wahlkampf macht.<\/strong> Die <em>New York Times (NYT)<\/em> ist das gr&ouml;&szlig;te und einflussreichste Printmedium des US-gef&uuml;hrten Kapitalismus. Die traditionsreiche Zeitung, l&auml;ngst auch tagesaktuell in vielen anderen Staaten Europas gedruckt und verkauft und mit 9,6 Millionen Digital-Abonnenten weltweit, ist auf das akademische, &bdquo;kritische&ldquo; Publikum spezialisiert. Alle wichtigen US-Kriege, alle<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110930\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":110932,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[183,11],"tags":[1698,1740,1460,872,3085,1544,919,2009,1347],"class_list":["post-110930","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-apple","tag-arbeitsbedingungen","tag-biden-joe","tag-blackrock","tag-foxconn","tag-kampagnenjournalismus","tag-nyt","tag-ubs","tag-wahlkampf"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shutterstock_607699736.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110930","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=110930"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110930\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":110950,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110930\/revisions\/110950"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/110932"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=110930"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=110930"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=110930"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}