{"id":110974,"date":"2024-02-13T12:00:00","date_gmt":"2024-02-13T11:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110974"},"modified":"2024-02-17T13:35:56","modified_gmt":"2024-02-17T12:35:56","slug":"alle-externen-akteure-haben-versagt-armenien-nach-dem-sturm-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110974","title":{"rendered":"\u201eAlle externen Akteure haben versagt!\u201c \u2013 Armenien nach dem Sturm (I)"},"content":{"rendered":"<p>Nahezu alle Armenier fl&uuml;chteten im September letzten Jahres vor den vorr&uuml;ckenden aserbaidschanischen Soldaten aus der Region Berg-Karabach in die benachbarte Republik Armenien. Unser Autor f&uuml;hrte Interviews in Jerewan. In einer dreiteiligen Serie ordnen armenische Politologen die Ereignisse vom letzten Herbst und die aktuelle Situation in Armenien genauer ein. Von <strong>Leo Ensel<\/strong> mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/alle-externen-akteure-haben-versagt-armenien-nach-dem-sturm-i\/\">Globalbridge<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\nIrgendwann, wenn sich die st&auml;rksten Wogen etwas gegl&auml;ttet haben, wird man ihre&nbsp;<a href=\"https:\/\/forrights.am\/2024\/02\/02\/%D6%84%D5%B8%D6%82%D5%B5%D6%80%D5%A8-7-%D6%85%D6%80%D5%B8%D6%82%D5%B4-%D5%BF%D5%A5%D5%BD%D5%A5%D5%AC-%D5%A7-%D5%A5%D6%80%D5%A5%D6%84-%D5%A5%D5%B2%D5%A2%D5%A1%D5%B5%D6%80%D5%B6%D5%A5%D6%80%D5%AB-%D5%B4\/\">Geschichten<\/a>&nbsp;schreiben. Die Geschichten der 120.000 Armenier der seit dem 1. Januar dieses Jahres nicht mehr existierenden demokratischen &bdquo;Republik Arzach&ldquo;, die ihre Heimat Berg-Karabach im September 2023 Hals &uuml;ber Kopf und wohl f&uuml;r immer verlassen mussten.<\/p><p>Es ist die Geschichte von Karine, Mutter dreier kleiner Jungen, die w&auml;hrend der Flucht durch den v&ouml;llig verstopften Latschin-Korridor &ndash; eine 37-st&uuml;ndige Stop-and-Go-Odyssee &uuml;ber 70 Kilometer &ndash; nachts das Auto verlie&szlig;, um etwas aus dem Kofferraum zu holen. In diesem Augenblick versagten im dahinterstehenden LKW die Bremsen und Karine wurde beim Aufprall zerquetscht. Der Vater legte die Leiche seiner Frau ins Auto und beruhigte die Kleinen, die Mutter w&uuml;rde schlafen. Beerdigt wurde Karine in der Republik Armenien.<\/p><p>Es ist die Geschichte von Alla, einer alleinerziehenden Mutter, die 18 Jahre in der Karabacher Armee diente, w&auml;hrend des Krieges 2020 aus ihrem kleinen Dorf Madaghis im Zentrum Karabachs vertrieben und in die nahegelegene Stadt Martakert fliehen musste. Und die drei Jahre sp&auml;ter, am 19. und 20. September, als Aserbaidschan der Republik Arzach den Todessto&szlig; versetzte, ihre beiden S&ouml;hne, die als Berufssoldaten ihr Land verteidigten, verlor.<\/p><p>Die Geschichte Sewaks, Vater von zwei S&ouml;hnen und einer zweij&auml;hrigen Tochter, der am 25. September, als er f&uuml;r Benzin anstand, bei der gewaltigen Explosion eines Treibstoffdepots bei Askeranin, nahe der Hauptstadt Stepanakert, zusammen mit seinem 13-j&auml;hrigen Sohn Samwel ums Leben kam, und seiner Frau, die sich als Witwe mit den beiden verbliebenen Kindern allein nach Armenien durchschlagen musste. Geschichten, die f&uuml;r ungez&auml;hlte &auml;hnliche Schicksale stehen.<\/p><p>Die Schande des erzwungenen Massenexodus aus Berg-Karabach ist l&auml;ngst wieder aus den Schlagzeilen verschwunden, die K&auml;mpfe in Gaza und der Ukraine haben sie verdr&auml;ngt. Besonders gro&szlig; hatte man sich hierzulande f&uuml;r diese Gegend im S&uuml;dkaukasus &ndash; eine der Ursprungsregionen der Armenier &uuml;berhaupt, in der sie 3.000 Jahre lang gelebt und gro&szlig;artige Kulturdenkm&auml;ler hinterlassen hatten &ndash; nie interessiert. Und die Gefahr des Vergessens ist gro&szlig;.<\/p><p><strong>R&uuml;ckblende<\/strong><\/p><p>Am 19. September letzten Jahres startete Aserbaidschan eine gro&szlig;angelegte Milit&auml;roffensive gegen die nach dem Karabachkrieg vom Herbst 2020 noch &uuml;briggebliebenen Gebiete der von Armeniern bewohnten Republik Arzach, nachdem Baku seit dem 12. Dezember 2022 die einzige Landverbindung zur Republik Armenien, den Latschin-Korridor, blockiert und damit rund 120.000 Menschen als Geiseln genommen und von der Versorgung mit lebenswichtigen G&uuml;tern wie Nahrungsmitteln, Medikamenten, Treibstoff und Strom abgeschnitten hatte. (Bereits im August hatte der ehemalige Chefankl&auml;ger des Internationalen Strafgerichtshofs, Luis Moreno Ocampo, von &bdquo;Genozid durch Aushungern&ldquo; gesprochen.) Innerhalb von 24 Stunden kapitulierten die seit neun Monaten durch Hunger und K&auml;lte stark geschw&auml;chten und von niemandem, auch nicht von der Republik Armenien, milit&auml;risch unterst&uuml;tzten Karabach-Armenier. Die 1.960 Soldaten der russischen Friedenstruppe, deren Aufgabe es war, die Einhaltung des am 9. November 2020 von Wladimir Putin mit dem Pr&auml;sidenten Aserbaidschans und dem Ministerpr&auml;sidenten Armeniens, Ilham Alijew und Nikol Paschinyan, ausgehandelten&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Waffenstillstandsabkommen_im_Bergkarabachkrieg_2020\">Waffenstillstandsabkommens<\/a>&nbsp;zu kontrollieren, hatten schon seit Blockadebeginn tatenlos zugeschaut. Angesichts der von den vorr&uuml;ckenden aserbaidschanischen K&auml;mpfern an der Zivilbev&ouml;lkerung ver&uuml;bten Gr&auml;ueltaten und in panischer Angst vor einem erneuten Genozid durch die &sbquo;T&uuml;rken&lsquo;, wie sie die Aserbaidschaner nennen, fl&uuml;chteten nahezu alle Armenier Karabachs aus ihrer jahrtausendealten Heimat in die benachbarte Republik Armenien.&nbsp;Selbst im Falle des &Uuml;berlebens h&auml;tten sie nun unter dem aserbaidschanischen Diktator Alijew noch weniger Rechte gehabt als damals unter Stalin.<\/p><p><strong>Das Versagen des russischen Friedenskontingents<\/strong><\/p><p>&bdquo;<em>Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, haben wir verstanden, dass die neue Weltlage f&uuml;r uns neue Gefahren bringen wird.&nbsp;Dass bestimmte Spielregeln, an die sich der Westen und Russland fr&uuml;her gehalten hatten, nun nicht mehr gelten w&uuml;rden und dass dies zweifellos auch Auswirkungen auf die Arzachfrage haben w&uuml;rde. Ich spreche hier nicht nur &uuml;ber die Garantien Russlands, sondern auch &uuml;ber die der Weltgemeinschaft&ldquo;,<\/em>&nbsp;erkl&auml;rt der ehemalige Ombudsmann f&uuml;r Menschenrechte der Republik Arzach,&nbsp;<a href=\"https:\/\/artsakhombuds.am\/en\/ombudsman\/artak-beglaryan\">Artak Beglaryan<\/a>, der im Alter von 10 Jahren&nbsp;beim Spielen vor dem Haus seiner Familie durch die Explosion einer Landmine&nbsp;sein Augenlicht verlor.&nbsp;<em>&bdquo;Seitdem gab es immer wieder kleinere Angriffe Aserbaidschans auf verschiedene Orte, au&szlig;erdem wurden sowohl bei uns in Arzach (zum Beispiel das&nbsp;Dorf Paruch zusammen mit dem Berg Qaragluch)&nbsp;als auch in der Republik Armenien (in den Regionen Gegharkunik, Syunik und&nbsp;Wayoz&nbsp;Dsor) immer wieder kleinere Ortschaften eingenommen.&nbsp;Aber die russischen Friedenstruppen griffen nicht ein und besch&uuml;tzten das Dorf nicht, obwohl das ihre Pflicht gewesen w&auml;re! Und so flohen die Bewohner mit ihren Kindern.<\/em><\/p><p><em>W&auml;hrend der Blockade kamen sowohl die Russen als auch der UN-Sicherheitsrat, der keine Erkl&auml;rung zur Menschenrechtslage in Arzach abgab, ihren Verpflichtungen nicht nach. Alle externen Akteure haben versagt. Hatten die Russen zuvor ihren Job noch irgendwie, wenn auch schlecht gemacht, so haben sie w&auml;hrend der Blockade total versagt. Sie standen einfach tatenlos rum und machten &sbquo;Business&lsquo; mit der hungernden Bev&ouml;lkerung. So verkauften sie zum Beispiel Eier f&uuml;r mehr als das Zehnfache des &uuml;blichen Preises. Alle Karabach-Armenier wissen, dass es da viel Korruption gab. Dabei hatte Russland den Armeniern Garantien gegeben, sie zu besch&uuml;tzen!&ldquo;<\/em>&nbsp;Auf die offiziellen Gr&uuml;nde f&uuml;r die Passivit&auml;t des russischen Friedenskontingents angesprochen, meint Beglaryan:&nbsp;<em>&bdquo;Die Russen argumentieren, sie h&auml;tten f&uuml;r ein aktives Eingreifen entweder ein Mandat vom UN-Sicherheitsrat oder von Aserbaidschan erhalten m&uuml;ssen, was formal v&ouml;lkerrechtlich auch zutrifft. Ich halte das aber f&uuml;r vorgeschoben. Es h&auml;tte unbedingt ein Nachfolgepapier zum Waffenstillstandsabkommen vom 9. November 2020 geben m&uuml;ssen, in dem die Bedingungen eines Eingreifens der russischen Friedenstruppen genau gekl&auml;rt worden w&auml;ren! Dieses Dokument soll aber nach monatelangen Verhandlungen auf Druck Aserbaidschans nicht unterzeichnet worden sein.&ldquo;<\/em><\/p><p>&bdquo;<strong>Friedenstruppe&ldquo; ohne &bdquo;friedenserhaltenden Status&ldquo;?<\/strong><\/p><p>Zumindest letzteres hat der russische Pr&auml;sident durchaus best&auml;tigt. Auf der internationalen Valdai-Konferenz&nbsp;<a href=\"https:\/\/seniora.org\/wunsch-nach-frieden\/der-wunsch-nach-frieden\/putin-rede-und-diskussion-beim-valdai-treffen-in-sochi-am-05-oktober-2023\">erkl&auml;rte Wladimir Putin<\/a>&nbsp;am 5. Oktober 2023 zu diesem Thema:&nbsp;<em>&bdquo;Der rechtliche Status unserer Friedenstruppen basierte ausschlie&szlig;lich auf dieser Erkl&auml;rung vom November 2020. Ein friedenserhaltender Status war damit nie verbunden. Ich werde jetzt nicht &uuml;ber die Gr&uuml;nde sprechen. Aserbaidschan war der Ansicht, dass es daf&uuml;r keinen Bedarf gab, und eine Unterzeichnung ohne Aserbaidschan machte keinen Sinn. Der Status basierte also, ich wiederhole, ausschlie&szlig;lich auf der Erkl&auml;rung vom November 2020, und das einzige Recht, das die Friedenstruppen hatten, war die &Uuml;berwachung des Waffenstillstands&nbsp;&ndash; und nichts anderes.&ldquo;&nbsp;<\/em><\/p><p>Diese Erkl&auml;rung provoziert nat&uuml;rlich zwingend die Frage, was eine &bdquo;Friedenstruppe&ldquo; denn eigentlich soll, mit der, wie der russische Pr&auml;sident es formuliert, angeblich &bdquo;ein friedenserhaltender Status nie verbunden&ldquo; war. Hatten die Unterzeichner des Waffenstillstandsabkommens etwa f&uuml;r das in Karabach stationierte russische Friedenskontingent von Anfang an ein Mandat wie das der UN-Blauhelme in Bosnien im Sinn, die damals den &sbquo;ethnischen S&auml;uberungen&lsquo; und Massakern an der Zivilbev&ouml;lkerung, siehe Srebrenica, tatenlos zusahen, mit dem Ergebnis, dass die Buchstaben UN seitdem in dieser Region mit &bdquo;United Nothing&ldquo; &uuml;bersetzt werden? Ein Blick auf den&nbsp;<a href=\"https:\/\/ru.wikipedia.org\/wiki\/%D0%97%D0%B0%D1%8F%D0%B2%D0%BB%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B5_%D0%BE_%D0%BF%D1%80%D0%B5%D0%BA%D1%80%D0%B0%D1%89%D0%B5%D0%BD%D0%B8%D0%B8_%D0%BE%D0%B3%D0%BD%D1%8F_%D0%B2_%D0%9D%D0%B0%D0%B3%D0%BE%D1%80%D0%BD%D0%BE%D0%BC_%D0%9A%D0%B0%D1%80%D0%B0%D0%B1%D0%B0%D1%85%D0%B5_(2020)\">russischen Wortlaut des Abkommens<\/a>&nbsp;bringt jedenfalls keine Klarheit. Hier ist in Punkt 3 von einem &bdquo;&#1084;&#1080;&#1088;&#1086;&#1090;&#1074;&#1086;&#1088;&#1095;&#1077;&#1089;&#1082;&#1080;&#1081; &#1082;&#1086;&#1085;&#1090;&#1080;&#1085;&#1075;&#1077;&#1085;&#1090;&ldquo; (Friedenssicherungskontingent) entlang der damaligen Frontlinie und des Latschin-Korridors die Rede. Das Gleiche gilt f&uuml;r Punkt 5, der festlegt, &bdquo;zur Verbesserung der Wirksamkeit der Kontrolle&ldquo; (russisch: &bdquo;&#1074;&nbsp;&#1094;&#1077;&#1083;&#1103;&#1093; &#1087;&#1086;&#1074;&#1099;&#1096;&#1077;&#1085;&#1080;&#1103; &#1101;&#1092;&#1092;&#1077;&#1082;&#1090;&#1080;&#1074;&#1085;&#1086;&#1089;&#1090;&#1080; &#1082;&#1086;&#1085;&#1090;&#1088;&#1086;&#1083;&#1103;&ldquo;) ein &bdquo;Friedenszentrum zur &Uuml;berwachung des Waffenstillstands&ldquo; (russisch: &bdquo;&#1084;&#1080;&#1088;&#1086;&#1090;&#1074;&#1086;&#1088;&#1095;&#1077;&#1089;&#1082;&#1080;&#1081; &#1094;&#1077;&#1085;&#1090;&#1088; &#1087;&#1086; &#1082;&#1086;&#1085;&#1090;&#1088;&#1086;&#1083;&#1102; &#1079;&#1072; &#1087;&#1088;&#1077;&#1082;&#1088;&#1072;&#1097;&#1077;&#1085;&#1080;&#1077;&#1084; &#1086;&#1075;&#1085;&#1103;&ldquo;) einzurichten. (Die &Uuml;bersetzung der letzten Formulierung auf der&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Waffenstillstandsabkommen_im_Bergkarabachkrieg_2020\">deutschen Wikipedia-Seite<\/a>&nbsp;mit &bdquo;Zentrale des Friedenskontingents zur&nbsp;<em>Durchsetzung<\/em>&nbsp;des Waffenstillstands&ldquo;&nbsp;[Hervorhebung L.E.]&nbsp;ist falsch! Man sieht, wie sehr es hier, wie in allen juristischen Texten, auf den&nbsp;<em>genauen Wortlaut<\/em>&nbsp;ankommt.)<\/p><p>Fest steht jedenfalls, dass die Formulierung &bdquo;&Uuml;berwachung (bzw. Kontrolle) des Waffenstillstands&ldquo; eine genaue Definition unbedingt verlangt h&auml;tte &ndash; anders formuliert: dass dem Waffenstillstandsabkommen zwingend pr&auml;zise Ausf&uuml;hrungsbestimmungen h&auml;tten folgen m&uuml;ssen &ndash;, was jedoch unterblieb. Man versteht die ma&szlig;lose Entt&auml;uschung und Wut der Menschen in Karabach und Armenien, die sich von dem russischen Friedenskontingent fraglos&nbsp;<em>Schutz<\/em>&nbsp;versprochen hatten, in diesem Glauben nach dem Waffenstillstand im November 2020 zum Teil wieder nach Karabach zur&uuml;ckkehrten, sich dort zum zweiten Mal eine Existenz aufbauten &ndash; und nun ihrer Heimat f&uuml;r immer beraubt sind!<\/p><p>Artak Beglaryan erg&auml;nzt:&nbsp;<em>&bdquo;Ich betone das in jedem Interview: Russland h&auml;tte nicht nur mit Waffen, sondern auch mit anderen Mitteln eingreifen k&ouml;nnen! Sie haben sich lediglich als Beobachter verhalten. Aufgabe einer Friedenstruppe w&auml;re es gewesen, auch den kleinsten Angriff &ndash; und sei es auf einen einzelnen Traktoristen &ndash; genauestens zu untersuchen und der Welt&ouml;ffentlichkeit mitzuteilen. All dies wurde nicht gemacht.&ldquo;<\/em><\/p><p><strong>Putin: &bdquo;Was h&auml;tten wir tun sollen?&ldquo;<\/strong><\/p><p>Noch merkw&uuml;rdiger wird aber das Bild der Gesamtsituation, wenn man genauer studiert, was Putin anschlie&szlig;end verlauten lie&szlig;:<\/p><p>&bdquo;<em>EU-Ratspr&auml;sident Michel, Frankreichs Pr&auml;sident Macron und der deutsche Bundeskanzler Scholz haben daf&uuml;r gesorgt, dass die Staats- und Regierungschefs von Armenien und Aserbaidschan im Herbst 2022 in Prag zusammenkamen und eine Erkl&auml;rung unterzeichneten, in der Armenien Karabach als Teil der Republik Aserbaidschan anerkannte.<\/em><\/p><p><em>Dar&uuml;ber hinaus haben die Leiter der Delegationen und die armenische F&uuml;hrung direkt das Territorium Aserbaidschans in Quadratkilometern angegeben, was nat&uuml;rlich auch Karabach einschlie&szlig;t, und betont, dass sie die Souver&auml;nit&auml;t Aserbaidschans innerhalb der Grenzen der Aserbaidschanischen SSR, die einst Teil der UdSSR war, anerkennen. Und wie Sie wissen, war auch Karabach Teil der Aserbaidschanischen SSR. Damit war die wichtigste Frage gel&ouml;st, die absolut entscheidend war: der Status von Karabach. In Prag hat man anerkannt, dass Karabach zu Aserbaidschan geh&ouml;rt. Und dann, Anfang 2023, wiederholten sie dies ein zweites Mal bei einem &auml;hnlichen Treffen in Br&uuml;ssel.<\/em><\/p><p><em>Was h&auml;tten wir tun sollen? Alles, was in der j&uuml;ngsten Vergangenheit, vor einer Woche, zwei, drei Wochen, passiert ist&nbsp;&ndash; die Sperrung des Latschin-Korridors und andere Dinge &ndash; all das war nach der Anerkennung der Souver&auml;nit&auml;t Aserbaidschans &uuml;ber Karabach unvermeidlich.&nbsp;&nbsp;<\/em><\/p><p><em>Deshalb h&auml;tten Herr Michel und seine Kollegen damals &uuml;berlegen sollen, als sie offenbar privat, hinter den Kulissen, versucht haben, Premierminister Paschinyan zu diesem Schritt zu &uuml;berreden. Sie h&auml;tten damals gemeinsam &uuml;ber die Zukunft der Armenier in Karabach nachdenken und zumindest skizzieren m&uuml;ssen, was sie in dieser Situation erwartet. Sie h&auml;tten eine Form der Integration Karabachs in den aserbaidschanischen Staat und eine Reihe von Ma&szlig;nahmen zur Gew&auml;hrleistung ihrer Sicherheit und Rechte skizzieren m&uuml;ssen. Das ist nicht geschehen. Es gibt nur eine Erkl&auml;rung, dass Karabach Teil Aserbaidschans ist, das ist alles. Was sollen wir also tun, wenn Armenien selbst diese Entscheidung getroffen hat?&ldquo;<\/em><\/p><p>Man mag von Putin halten, was man will und seine Erkl&auml;rung auf der Valdai-Konferenz wird in den Ohren der Armenier zweifelsfrei scheinheilig und zynisch klingen, eine gewisse Plausibilit&auml;t kann man ihr allerdings auch bei schlechtestem Willen nicht absprechen &ndash; vorausgesetzt, sie trifft in der Sache zu! Das w&uuml;rde n&auml;mlich schlicht bedeuten, dass die Armenier in Karabach nicht nur von Russland und vom UN-Sicherheitsrat, sondern auch &ndash; wom&ouml;glich noch gravierender &ndash; von der EU verraten wurden&hellip;<\/p><p><em>In diese Richtung geht auch, was der Karabach-Armenier&nbsp;Artak&nbsp;Beglaryan im Interview mit dem Autor dieses Essays bemerkte: &bdquo;Nat&uuml;rlich hat Russland versagt, aber ich sehe auch eine Tendenz des Westens, die gesamte Schuld auf Russland zu schieben. Ich bin fest davon &uuml;berzeugt, dass es auch im Westen&nbsp;Kr&auml;fte&nbsp;gab, die sowohl die Blockade als auch die Vertreibung der Arzach-Armenier und die T&ouml;tung von Zivilisten inkaufgenommen haben. Und zwar, um dem Image Russlands weiter zu schaden.&ldquo;<\/em><\/p><p>Alle Spuren f&uuml;hren daher zu der zentralen Frage:&nbsp;<em>Was genau wurde am 6. Oktober 2022 in Prag &ndash; und unter welchen Rahmenbedingungen &ndash; von Paschinyan und Alijew unterzeichnet und welchen v&ouml;lkerrechtlichen Stellenwert hat diese Erkl&auml;rung?<\/em><\/p><p><em>(Fortsetzung folgt)<\/em><\/p><p><small>Titelbild: &Uuml;ber hunderttausend Einwohner der Region Berg-Karabach waren im September 2023 aufgrund des Einmarsches der Aserbaidschaner gezwungen, innerhalb von Stunden ihre Heimat zu verlassen. Die meisten konnten gerade mal mitnehmen, was sie tragen konnten. (Bild Tagesschau)<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nahezu alle Armenier fl&uuml;chteten im September letzten Jahres vor den vorr&uuml;ckenden aserbaidschanischen Soldaten aus der Region Berg-Karabach in die benachbarte Republik Armenien. Unser Autor f&uuml;hrte Interviews in Jerewan. In einer dreiteiligen Serie ordnen armenische Politologen die Ereignisse vom letzten Herbst und die aktuelle Situation in Armenien genauer ein. Von <strong>Leo Ensel<\/strong> mit freundlicher Genehmigung von<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110974\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":110975,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[171],"tags":[1947,2964,2963,1055,259,2376,2360],"class_list":["post-110974","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-militaereinsaetzekriege","tag-armenien","tag-aserbaidschan","tag-bergkarabach","tag-fluechtlinge","tag-russland","tag-waffenstillstandsabkommen","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/240213_Berg_Karabach_Flucht.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=110974"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110974\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":111269,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/110974\/revisions\/111269"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/110975"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=110974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=110974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=110974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}