{"id":111065,"date":"2024-02-15T09:00:54","date_gmt":"2024-02-15T08:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111065"},"modified":"2024-02-15T13:34:50","modified_gmt":"2024-02-15T12:34:50","slug":"die-sinnkrise-der-israelischen-linken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111065","title":{"rendered":"Die Sinnkrise der israelischen Linken"},"content":{"rendered":"<p>Seit dem 7. Oktober befindet sich die israelische Linke in der tiefsten Sinnkrise ihrer Geschichte. Woran liegt es? Der verheerende Gaza-Krieg dauert schon gut vier Monate an, ein Ende ist nicht in Sicht. Wie steht die israelische Linke zum Gaza-Krieg? Welche Position nehmen Linkszionisten im von einer rechtsradikalen Regierung gef&uuml;hrten Land ein? Ein Artikel von Dr. <strong>Tamar Amar-Dahl<\/strong>, israelisch-deutsche Historikerin, Berlin.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_1139\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-111065-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240215-Sinnkrise-israelische-Linke-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240215-Sinnkrise-israelische-Linke-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240215-Sinnkrise-israelische-Linke-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240215-Sinnkrise-israelische-Linke-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=111065-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240215-Sinnkrise-israelische-Linke-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240215-Sinnkrise-israelische-Linke-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der 7. Oktober hat die israelische Linke ins Mark getroffen. Seit &uuml;ber einem Jahr k&auml;mpft sie gegen eine rechtsextreme Regierung des Ende 2022 zum sechsten Mal gew&auml;hlten Langzeit-Premiers. Benjamin Netanyahu ist schon lange ein regelrechtes rotes Tuch f&uuml;r die Linkszionisten: Ihm verzeihen sie die Regierungskrisen der Jahre 2019 bis 2022 nicht, sein Klammern an die Macht trotz Anklage und Gerichtsverfahren wegen Korruption. In seinem Kriegsziel des &bdquo;endg&uuml;ltigen Siegs&ldquo; vermutete die israelische Linke eine gef&auml;hrliche Taktik. Vor allem seine Versuche, Israels demokratische Ordnung mit der sogenannten Justizreform im Laufe des Jahres 2023 durchzusetzen, weshalb sie dauerhaft und massenhaft auf die Stra&szlig;en gingen.<\/p><p>Der Hamas-&Uuml;berraschungsangriff auf j&uuml;dische St&auml;dte und Siedlungen in der N&auml;he des Gazastreifens, und zwar am j&uuml;dischen Feiertag, erreichte eine ungeahnte Dimension. Nach einigen Wochen Schockzustand wurde Netanjahus Beitrag immer klarer: Seine Hamas-Politik im letzten Jahrzehnt habe die Ereignisse vom 7. Oktober 2023 erst m&ouml;glich gemacht, so hie&szlig; es immer wieder in linkszionistischen Kreisen. Sein Arrangement mit dem einen Feind, der Hamas, katarisches Geld in den Gazastreifen hineinzulassen, und so den anderen, sprich die Pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde, immer st&auml;rker ins Abseits zu verdr&auml;ngen, um so nicht mit ihr &uuml;ber einen Pal&auml;stinenserstaat in den besetzten Gebieten verhandeln zu m&uuml;ssen, erwies sich als fatal. Mit diesem Geld habe Hamas ihre milit&auml;rische Macht ausbauen k&ouml;nnen. Netanjahus Strategie, der Zweistaatenl&ouml;sung zu entkommen, habe also verheerende Konsequenzen.<\/p><p>Doch welche L&ouml;sung bieten die israelischen Linken f&uuml;r die Pal&auml;stina-Frage? Seit &uuml;ber zwei Jahrzehnten verlieren sie in Politik und Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Seit dem Scheitern des Oslo-Friedensprozesses Ende 2000 hat es in Israel nie wieder eine linkszionistische Regierung gegeben. Heute sind nur noch k&uuml;mmerliche vier Sitze der Arbeiterpartei in der <em>Knesset<\/em> verblieben. Die B&uuml;rger-rechts-Partei <em>Meretz<\/em> ist dort seit 2022 &uuml;berhaupt nicht mehr vertreten. Wenn Netanjahu in den letzten Jahren herausgefordert wurde, dann waren es meistens die Parteien der Mitte, angef&uuml;hrt von Benny Gantz bzw. dem Kurzzeit-Premier Yair Lapid. Ihre Pal&auml;stina-Politik unterscheidet sich kaum von der Netanjahus: Die Besatzung als etabliertes Regime in den Pal&auml;stinensergebieten, mithin die Ablehnung eines pal&auml;stinensischen Staates gelten auch uneingeschr&auml;nkt f&uuml;r Netanjahus Herausforderer. Daher auch ihr Einverst&auml;ndnis mit der Entpolitisierung der Pal&auml;stina-Frage im israelischen Diskurs.<\/p><p>Zur Politisierung dieser Frage hatten ja urspr&uuml;nglich Anfang der 1990er-Jahre tats&auml;chlich die Linkszionisten beigetragen. Der historische Oslo-Friedensprozess war die Folge: Die linkszionistische Regierung unter Itzhak Rabin (1992-1995) stellte sich dieser Frage erstmals in der Geschichte, und sie war bereit, mit dem Erzfeind PLO, mit Jassir Arafat zu verhandeln. Im September 1993 gestanden beide Seiten sich gegenseitig das Selbstbestimmungsrecht zu. Weitere Zwischenabkommen wurden unterzeichnet, doch nicht das ersehnte endg&uuml;ltige Abkommen. War ein Pal&auml;stinenserstaat im Westjordanland und Gazastreifen je ein echtes Ziel des linkszionistischen Israel?<\/p><p>Auch hier bedarf es an historischer Aufarbeitung: Itzhak Rabin hatte zwar dem historischen, seinerzeit in Israel h&ouml;chst kontroversen Oslo-Friedensprozess zugestimmt. Doch anstatt in seiner m&auml;chtigen Doppelfunktion als Ministerpr&auml;sident und Verteidigungsminister die Teilung des Landes mit aller Entschlossenheit durchzuziehen &ndash; um jeglicher Opposition (etwa der lautstarken Siedlerbewegung sowie der Rechten) effektiv zu begegnen &ndash;, z&ouml;gerte er in den entscheidenden Momenten. Etwa, als einige Monate nach Bekanntgabe des Oslo-Prozesses, im Februar 1994, ein rechtsextremer j&uuml;discher Arzt aus Hebron ein Blutbad unter betenden Muslimen in der H&ouml;hle der Patriarchen in Hebron anrichtete. Sein Ziel war es, den Friedensprozess zu stoppen. Daraufhin r&auml;umte Rabin nicht etwa diese kleine j&uuml;dische Siedlung mitten in der pal&auml;stinensischen Stadt, sondern er lie&szlig; sogar die Hauptstra&szlig;e der Altstadt f&uuml;r <em>Pal&auml;stinenser <\/em>sperren.<\/p><p>Rabins Ermordung im November 1995 durch einen j&uuml;dischen Rechtsextremisten hat die israelische Linke bis heute nicht verkraftet. Die Hetze des Oppositionsf&uuml;hrers Benjamin Netanjahu gegen die Person Rabin h&auml;lt sie f&uuml;r verh&auml;ngnisvoll &ndash; damit auch die Hetze gegen seine Friedenspolitik. Vergessen wird in diesen Kreisen jedoch viel zu oft, dass Rabins Nachfolger Shimon Peres aus der Arbeiterpartei den Friedensprozess nach dem Mord an Rabin h&auml;tte abschlie&szlig;en k&ouml;nnen, wenn er die Teilung des Landes zwischen beiden V&ouml;lkern wirklich gewollt h&auml;tte. Wie ich in meiner Dissertation &uuml;ber Israels Altpolitiker herausgearbeitet habe, war Peres auch in den 1990ern weit entfernt davon, an diese L&ouml;sung zu glauben, geschweige denn sie politisch durchzusetzen.<\/p><p>Und tats&auml;chlich traf Peres in der kurzen Zeitspanne zwischen November 1995 und Mai 1996 &ndash; &uuml;brigens auch er in der Doppelfunktion als Ministerpr&auml;sident und Verteidigungsminister &ndash; sicherheitspolitische Entscheidungen, die nicht nur ihn unmittelbar das Amt kosteten, sondern dem Frieden keineswegs dienlich waren: Die umstrittene Liquidierungsaktion eines Terroristen im Gazastreifen im Januar und die milit&auml;rische Operation in Libanon im April 1996 ersch&uuml;tterten das Land. Sie ebneten den Weg f&uuml;r den neuen Likud-Chef.<\/p><p>Entscheidend bei Peres&lsquo; kurzer Amtszeit: In seinem hohen Alter &ndash; nach f&uuml;nf Jahrzehnten in der Politik und nach unz&auml;hligen Kriegen und milit&auml;rischen Operationen &ndash; sah der als Friedensmann erachtete Politiker leider immer noch nicht die Dringlichkeit, den Pal&auml;stina-Konflikt endlich zu l&ouml;sen. Die Macht und die Autorit&auml;t hatte er, und nach zwei Abkommen mit einem anerkannten Gespr&auml;chspartner unterst&uuml;tzten die internationale Gemeinschaft und, wichtiger noch, auch das israelische Volk den Friedensprozess. Keine Frage: Wenn Israel je eine Chance hatte, die Zweistaatenl&ouml;sung durchzusetzen, dann war es in diesen schicksalhaften Monaten zwischen November 1995 und Mai 1996.<\/p><p>Doch wie die meisten Politiker in der israelischen Linken war auch Peres in erster Linie sicherheitspolitisch orientiert. Auch er begriff die Pal&auml;stina-Frage nicht als eine politische, gar eine moralische, sondern lediglich als eine Sicherheitsfrage. Das israelische Okkupationsregime war daher auch Mitte der 1990er-Jahre nicht ohne Weiteres aufhebbar. Dies war auch das Argument des Generalstabschefs Ehud Barak gegen&uuml;ber dem Rabin-Kabinett: Beim R&uuml;ckzug aus den besetzten Gebieten k&ouml;nne das Milit&auml;r die Sicherheit im Kernland nicht mehr garantieren. Sp&auml;ter als Minister wollte Barak das wichtige Abkommen Oslo II nicht unterst&uuml;tzen. Das Verbl&uuml;ffende: Ausgerechnet diesen Oslo-Skeptiker hat die Arbeiterpartei 1996 f&uuml;r den Parteivorsitz gew&auml;hlt &ndash; in der Hoffnung, dass er Rabins Friedenspolitik fortsetzen w&uuml;rde. Und nach der turbulenten Regierung Netanjahu (1996-1999) w&auml;hlte ihn genau daf&uuml;r auch das israelische Volk.<\/p><p>Doch auch aufgrund Baraks kurzer Amtszeit (1999-2000) war er offensichtlich der falsche Mann f&uuml;r diese heikle Mission. Nicht nur, dass er mit seiner fragw&uuml;rdigen Verz&ouml;gerungstaktik den Pal&auml;stinensern den Gipfel in Camp David aufgezwungen hatte, der dann wie erwartet auch scheiterte, sondern im Anschluss an den historischen Gipfel gelang es ihm, das israelische Friedenslager ernsthaft davon zu &uuml;berzeugen, dass <em>die Pal&auml;stinenser kein Partner f&uuml;r den Frieden seien<\/em>.<\/p><p>Diese fatalistische Botschaft Baraks vom Juli 2000 hat Israel im neuen Millennium nachhaltig gepr&auml;gt &ndash; weit mehr, als die Linken es glauben wollen: Der letzte Hoffnungstr&auml;ger des Friedenslagers hatte damit dem einzigen Friedensprozess in der israelisch-pal&auml;stinensischen Konfliktgeschichte den Todeskuss gegeben. Der Rest ist eine blutige Geschichte: Die verheerende Zweite Intifada der Jahre 2000 bis 2005 l&auml;utete den endg&uuml;ltigen Untergang der israelischen Linken ein. Die anschlie&szlig;enden Kriege in Gaza und im Libanon &ndash; immer verheerender, immer kontraproduktiver &ndash;, wurden <em>allesamt<\/em> von den Linkszionisten unterst&uuml;tzt. Weshalb?<\/p><p>Was den israelischen Militarismus so stabil macht &ndash; insofern auch den gesellschaftlichen Konsens f&uuml;r Israels Kriegspolitik &ndash; ist das israelische Ph&auml;nomen des Zivilmilitarismus. Mit Ausnahme der nicht-zionistischen orthodoxen Juden sowie der pal&auml;stinensischen Staatsb&uuml;rger wird der israelische Militarismus von der Gesamtgesellschaft getragen: Politik, Medien, Wirtschaft und Akademie folgen ihrem Milit&auml;r, das in Abschreckung, daher im Krieg den eigentlich effizienten Weg f&uuml;r Sicherheit, l&auml;ngerfristig f&uuml;r die Staatsexistenz sieht. Darauf basiert Israels Sicherheitsdoktrin.<\/p><p>Der israelische Zivilmilitarismus ist historisch gewachsen, und zwar im Kontext des seit Jahrzehnten tobenden Nahostkonflikts. Da dieser l&auml;ngst au&szlig;er Kontrolle geraten ist, wird das Milit&auml;rische immer bedeutsamer, weshalb der gesellschaftliche Konsens f&uuml;r immer kostspieligere milit&auml;rische Eins&auml;tze immer wieder hergestellt werden muss. Da die IDF aber noch immer als zentrale Sicherheitsinstitution gilt, unterst&uuml;tzen &bdquo;die Israelis&ldquo; ihre Eins&auml;tze.<\/p><p>&bdquo;Die Israelis&ldquo; meint hier beide zionistische Lager, die sich jedoch seit Jahren in einem latenten Kulturkampf befinden. 2023 im Zuge der geplanten Justizreform der rechtsradikalen Regierung Netanjahus und der Massendemonstrationen, vor allem der Linken, ist dieser Streit manifest geworden. Die Zukunft des zionistischen Staatsprojekts stand bereits vor dem 7. Oktober 2023 auf der Kippe: Sollte die alte politischen Ordnung eines j&uuml;dischen <em>und<\/em> demokratischen Staates beibehalten werden? Oder, wie die rechten Neozionisten immer lauter und offener im Sinne des Nationalstaatsgesetztes vom Juli 2018 anstreben: einen J&uuml;dischen Staat nur f&uuml;r Juden in Gro&szlig;israel?<\/p><p>Der 7. Oktober versetzte die israelischen Linken in die tiefste Sinnkriese ihrer Geschichte: ganz im Sinne des Zivilmilitarismus unterst&uuml;tzen sie den Gaza-Krieg. Dem Hamas-&Uuml;berraschungsangriff auf j&uuml;dische St&auml;dte und Siedlungen milit&auml;risch zu begegnen, war so selbstverst&auml;ndlich wie quasi bitter notwendig: Dieser Krieg sei eine klassische Verteidigung, er sei ein Muss, um die Sicherheit bzw. Abschreckung wiederherzustellen.<\/p><p>Doch nach vier Monaten stellt sich dieser Krieg in vielerlei Hinsicht als linkszionistisches Debakel heraus: Zuv&ouml;rderst sind die milit&auml;rischen, sprich die sicherheitspolitischen Kriegsziele noch immer nicht erreicht: Mehr als die H&auml;lfte der 240 von Hamas verschleppten Geiseln befinden sich noch immer im Gazastreifen. Der Krieg sollte sie befreien, doch es ist l&auml;ngst erwiesen: Der Krieg steht ihrer Freilassung im Wege. <\/p><p>Dar&uuml;ber hinaus: Hamas zu entwaffnen scheint auch nach &uuml;ber 100 Kriegstagen mit verheerenden Konsequenzen f&uuml;r die Menschen und ihren Lebensraum im Gazastreifen nicht in Sicht. F&uuml;r ihre Vernichtung &ndash; so die Rede etlicher Milit&auml;rs &ndash; w&auml;ren viele Kampfmonate, wenn nicht -jahre n&ouml;tig. Vielleicht hat dies Premierminister Benjamin Netanjahu im Sinn, wenn er dezidiert &ndash; von Beginn der Kampfhandlungen bis zum heutigen Tag &ndash; vom &bdquo;endg&uuml;ltigem Sieg&ldquo; spricht.<\/p><p>Tats&auml;chlich machen diese eigentlichen Motive Netanyahus f&uuml;r seine Kriegsf&uuml;hrung den israelischen Linken zu schaffen. Denn nicht nur halten sie ihn pers&ouml;nlich f&uuml;r hauptverantwortlich f&uuml;r den 7. Oktober, da er mit seiner Pal&auml;stina-Politik die Hamas de facto verst&auml;rkte, hinzukommt: Dass Hamas dieses Datum ausgew&auml;hlt hat, sehen die israelischen Linken im engen Kontext zu der von Netanjahus Regierung geplanten Justizreform. Der Kulturkampf zwischen Juden und Juden habe die israelische Gesellschaft ma&szlig;geblich geschw&auml;cht und so den Angriff quasi provoziert.<\/p><p>Netanjahus Verantwortung f&uuml;r den 7. Oktober wollen die Linken naturgem&auml;&szlig; untersucht wissen. Doch Netanjahu will jegliche Untersuchung m&ouml;glichst weit hinausschieben &ndash; nicht zuletzt um seines Machterhalts willen. In seinem Kriegsziel des &bdquo;endg&uuml;ltigen Siegs&ldquo; vermutete die israelische Linke eine gef&auml;hrliche Taktik der Fortsetzung des Krieges, um sich der Verantwortung f&uuml;r den 7. Oktober weiterhin zu entziehen.<\/p><p>Doch auch die israelische Linke ist von der Notwendigkeit dieses Krieges fest &uuml;berzeugt: Auch sie sieht darin die L&ouml;sung f&uuml;r das Sicherheitsproblem, auch sie glaubt an die vom Milit&auml;r propagierte Doktrin der Abschreckung, auch sie bef&uuml;rchtet einen weiteren 7. Oktober, sollte die Hamas ihre milit&auml;rischen Kapazit&auml;ten aufrechterhalten.<\/p><p>So befinden sich die israelischen Linken in einer wahrlichen Sinnkrise: Sie unterst&uuml;tzen den historisch verheerendsten Krieg in Gaza, der ihr modernes Israel in zweierlei Hinsicht akut gef&auml;hrdet: Zum einen wird Israel international immer mehr isoliert. Der J&uuml;dische Staat wurde wegen Verdachts auf V&ouml;lkermord bereits vor den IGH in Den Haag gebracht. Zum anderen verst&auml;rkt der Krieg innenpolitisch gerade die politischen Rivalen: Die neo-zionistischen Kr&auml;fte in der Regierung tagten k&uuml;rzlich und planen energisch die j&uuml;dische Wiederbesiedlung des Gazastreifens. Die zweite Nakba ist damit vorprogrammiert, was Israel buchst&auml;blich um Jahrzehnte zur&uuml;ckversetzten w&uuml;rde. Dieser Krieg best&auml;rkt zudem auch ihren verhassten Rivalen. Netanjahu sitzt auch vier Monate nach dem schlimmsten Angriff auf Juden in der Geschichte Israels fest im Sattel. Und die zionistische Linke wei&szlig; offensichtlich nicht, wie sie ihn nach &uuml;ber 17 Jahren im Amt endlich loswerden kann.<\/p><p><small>Titelbild: Moslem mohammadi\/shutterstock.com<\/small><\/p><p><em>Die Autorin hat k&uuml;rzlich dieses Buch publiziert: &bdquo;<em><strong><a href=\"https:\/\/mediashop.at\/buecher\/der-siegeszug-des-neozionismus\/\">Der Siegeszug des Neozionismus. Israel im neuen Millennium<\/a><\/strong><\/em>&ldquo; (Promedia, Wien 2023).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 7. Oktober befindet sich die israelische Linke in der tiefsten Sinnkrise ihrer Geschichte. Woran liegt es? Der verheerende Gaza-Krieg dauert schon gut vier Monate an, ein Ende ist nicht in Sicht. Wie steht die israelische Linke zum Gaza-Krieg? Welche Position nehmen Linkszionisten im von einer rechtsradikalen Regierung gef&uuml;hrten Land ein? 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