{"id":111188,"date":"2024-02-18T13:00:53","date_gmt":"2024-02-18T12:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111188"},"modified":"2025-07-20T19:26:00","modified_gmt":"2025-07-20T17:26:00","slug":"philippinen-manila-als-hort-der-achsenmaechte-und-zufluchtsstaette-verfolgter-europaeischer-juden-teil-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111188","title":{"rendered":"Philippinen: Manila als Hort der Achsenm\u00e4chte und Zufluchtsst\u00e4tte verfolgter europ\u00e4ischer Juden (Teil IV)"},"content":{"rendered":"<p>Die Philippinen sind das einzige Land in Asien, das nach einem westeurop&auml;ischen Herrscher, Philipp II., benannt ist. Zudem war der s&uuml;dostasiatische Inselstaat die einstige und einzige Kolonie der Vereinigten Staaten von Amerika in Asien, was den bekannten, in mehrere Sprachen &uuml;bersetzten und im Januar 2022 97-j&auml;hrig verstorbenen philippinischen Schriftsteller und Autor Francisco Sionil Jos&eacute; einst zu der trefflichen Bemerkung veranlasste: &bdquo;Unsere Landsleute hatten das historische Pech, etwa 350 Jahre im spanischen Konventsmief und ein halbes Jahrhundert unter Hollywood-Herrschaft leben zu m&uuml;ssen, von einem dreij&auml;hrigen Intermezzo unter japanischer Knute einmal abgesehen.&ldquo; Jahrhunderte kolonialer Herrschaft haben in den Philippinen tiefe Spuren hinterlassen, die bis heute auf Schritt und Tritt sp&uuml;rbar sind. Diese f&uuml;nfteilige Serie aus der Feder unseres S&uuml;dost- und Ostasienexperten <strong>Rainer Werning<\/strong> versteht sich als Spurensuche in einem Land, das w&auml;hrend der Internationalen Buchmesse in Frankfurt am Main im Jahre 2025 Gastland sein wird. Den <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=109736\">1.<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110105\">2.<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=110499\">3. Teil<\/a> k&ouml;nnen Sie auf den NachDenkSeiten nachlesen.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Francos langer Schatten<\/strong><\/p><p>Um Spaniens geopolitischen Einfluss im imperialistischen Kalk&uuml;l der Nazis zu nutzen, wandte sich das Dritte Reich an General Wilhelm Faupel und setzte ihn als neuen Leiter des <em>Ibero-Amerikanischen Instituts<\/em> in Berlin ein. Faupel hatte wie sein Zeitgenosse General Pershing an mehreren Kriegsschaupl&auml;tzen gedient. F&uuml;r das deutsche Kaiserreich k&auml;mpfte er in Afrika und China. Sp&auml;ter wurde er ein erbitterter Gegner der Weimarer Republik, der bereitwillig die Nazis als &bdquo;Gegengift&ldquo; zur deutschen Demokratie akzeptierte. Faupel war allgemein bekannt als <em>&bdquo;I.G.-General&ldquo;<\/em> &ndash; das bezog sich auf den deutschen Chemiekonzern I.G. Farben, der zu einem der gro&szlig;en finanziellen F&ouml;rderer Adolf Hitlers und der Nazipartei avanciert war. Auch hatte er bereits wichtige Erfahrungen in Ibero-Amerika gesammelt. 1911 schloss er sich dem Lehrk&ouml;rper der Argentinischen Milit&auml;rakademie in Buenos Aires an. 1921, nach dem Ersten Weltkrieg, war er Milit&auml;rberater des Generalinspekteurs der argentinischen Armee, 1926 bekleidete er einen hohen Posten in der brasilianischen Armee, danach wurde er Generalinspekteur der peruanischen Armee. <em>[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>]<\/em><\/p><p>Faupel und die Nazis wiesen die sektiererischen, k&ouml;nigstreuen und katholischen Rechtsparteien zur&uuml;ck und entschieden sich f&uuml;r die Falange als Instrument zur Gewinnung der Vorherrschaft &uuml;ber Spanien. Faupel machte sich dann an den Aufbau der <em>&bdquo;Falange Exterior&ldquo; <\/em>als faschistische F&uuml;nfte Kolonne in der Spanisch sprechenden Welt &ndash; einschlie&szlig;lich der Philippinen. Spanische Faschisten wurden von der Gestapo ausgebildet, um f&uuml;r die Achsenm&auml;chte zu arbeiten. Es gab Schulen f&uuml;r Spanier in Hamburg, Bremen, Hannover und Wien. Die Absolventen erhielten ein Offizierspatent im Nachrichtendienst der spanischen Armee, dem <em>SIM.<\/em> Im Vorfeld der japanischen Angriffe auf Pearl Harbor und die Philippinen Ende 1941 hatten die Nazis bereits verabredet, dass die spanische Falange den Weg f&uuml;r die japanische &Uuml;bernahme der Philippinen ebnen sollte. General Faupel setzte Jos&eacute; del Casta&ntilde;o als Regionalleiter der Falange Exterior f&uuml;r die Philippinen ein, und Spanien ernannte ihn zum Generalkonsul in der philippinischen Hauptstadt, wo er unter anderem mit zwei der reichsten Gesch&auml;ftsleute Manilas, Enrique Zobel und Andres Soriano, zusammenarbeitete. Zobel, der den Posten eines &bdquo;Konsuls&ldquo; des Franco-Regimes innehielt, behauptete, er sei pers&ouml;nlicher Vertreter Francos in Manila.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Manila, wohin Jos&eacute; del Casta&ntilde;o per Schiff im Winter 1940 reiste, war in vielerlei Hinsicht leidenschaftlicher falangistisch eingestellt, als man es in Madrid selber war&ldquo;,<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>schrieb Allan Chase in seinem Buch <em>&bdquo;Falange &ndash; The Axis Secret Army in the Americas&ldquo;<\/em> (1943), und er fuhr fort:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Zur absoluten Verbl&uuml;ffung des neuen Generalkonsuls und neuen Regionalleiters veranstalten die f&uuml;nf Unterabteilungen der philippinischen Falange Exterior ein Schauspiel f&uuml;r ihn, dessen pure Gr&ouml;&szlig;e im Madrid von 1936 kaum h&auml;tte &uuml;bertroffen werden k&ouml;nnen. Das Ereignis fand statt im Dezember 1940 in einem Stadion in Manila &ndash; gemietet zu einem nominellen Preis von dem Besitzer, einem spanischen Gesch&auml;ftsmann. Um die Feierlichkeiten zu er&ouml;ffnen, marschierten uniformierte F&uuml;nf- und Sechsj&auml;hrige in milit&auml;rischer Formation &uuml;bers Feld, begleitet von der Musik einer Blaskapelle. Die kleinen Jungs trugen Uniformen &ndash; blaue Hemden und kurze Hosen sowie Koppel mit Schulterriemen wie die Exploradores (Pfadfinder). Aber sie waren keine Exploradores, sondern Jovenes Flechas (Junge Pfeile) de Falange.<\/em><\/p>\n<p><em>Anf&auml;nglich waren die Uniformen mehr oder weniger gleich. Zun&auml;chst wurde den Jovenes Flechas beigebracht, wie man marschiert, wie man Cara al Sol, die Falange-Hymne, singt und wie man brazo en alto (mit hocherhobenem Arm) gr&uuml;&szlig;t, wenn man &sbquo;Franco! Franco! Franco!&rsquo; ruft. Sp&auml;ter w&uuml;rden sie wie die &Auml;lteren lernen, wie man schie&szlig;t.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach den kleinen Kerlen kam die Seccion Femenina de la Falange de Manila. Diese weibliche Truppe war eine absolute &Uuml;berraschung f&uuml;r del Casta&ntilde;o. Sie umfasste die Bandbreite von f&uuml;nfj&auml;hrigen Vorschulm&auml;dchen bis zu Krankenschwestern im Teenageralter und Matronen wie Sturmpanzer &ndash; alle marschierten in makellosen blauen Uniformen hinter den Fahnen der Falange und des k&ouml;niglichen Spanien, salutierten zackig mit dem vorgeschriebenen steifen Arm und betrugen sich wie Frauen, die w&uuml;rdig sind, die Betten und K&uuml;chen der neuen Konquistadoren zu zieren.<\/em><\/p>\n<p><em>Als die Falange ihre f&uuml;nf Pfeile &uuml;ber den Horizont stie&szlig;, sahen die reichen Spanier in den Philippinen in ihnen die Wegweiser zu der Art von spanischem Weltreich, das ihre V&auml;ter wirklich gekannt hatten.&ldquo; [<a href=\"#foot_2\" name=\"note_2\">2<\/a>]<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Die Politik, die del Casta&ntilde;o verfolgte, lie&szlig; sich am besten mit seinen eigenen Worten zusammenfassen:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Unsere faschistischen Br&uuml;der in Japan sind mit uns im gemeinsamen Kampf vereint. Wenn sie zuschlagen, m&uuml;ssen wir ihnen helfen. Wenn wir zuschlagen, werden sie uns helfen.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p><strong>Konfrontation &amp; Kollaboration<\/strong><\/p><p>Und das taten beide denn auch. Die wirkungsvollste Methode, den Weg f&uuml;r die Japaner zu ebnen und ihnen zu helfen, bestand darin, die philippinische <em>Civilian Emergency Administration (C.E.A., Zivilschutzbeh&ouml;rde)<\/em> &ndash; zumindest wesentliche Teile davon &ndash; zu unterwandern und letztlich lahmzulegen. Der Erfinder dieses Plans war niemand anders als der kriegserfahrene und verschlagene General Faupel, der nur allzu gut wusste, dass der &bdquo;moderne totale Krieg&ldquo; der Krieg der organisierten Heimatfront ist.<\/p><p>A. Chase merkte dazu an:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Zivilverteidigungsorganisationen m&ouml;gen nicht so entscheidend sein wie Armeen, aber sie sind eine Notwendigkeit. Manila lehrte die Welt, was f&uuml;r eine Gefahr die Zivilverteidigungsorganisation einer Stadt darstellt, wenn sie dem Feind in die H&auml;nde f&auml;llt. Dank der Falange und deren Regionalleiter, dem spanischen Generalkonsul Jos&eacute; del Casta&ntilde;o, war die Heimatfront vollkommen desorganisiert.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Zivilverteidigungsorganisationen, eigentlich geschaffen, um die Moral der Zivilbev&ouml;lkerung zu st&auml;rken und feindlichen Luftangriffen standzuhalten, erreichten genau das Gegenteil. Um 15 Uhr am Nachmittag des 2. Januar 1942 marschierten die Japaner in Manila ein; ihre milit&auml;rischen Aufgaben wurden tausendfach erleichtert durch die wirkungsvolle Arbeit der F&uuml;nften Kolonne in der Stadt selbst. (&hellip;) Die Gesamtzahl der Falange-Mitglieder in den Philippinen ist nur sehr wenigen Leuten bekannt &ndash; vertrauensw&uuml;rdige Quellen sch&auml;tzen ihre Zahl auf knapp zehntausend. W&auml;re nur die H&auml;lfte der auf zehntausend gesch&auml;tzten, gerissenen Falangistas gegen die Zivilverteidigungsorganisation so vorgegangen, w&auml;re der Zweck der Achsenm&auml;chte auch erf&uuml;llt gewesen. Alle Falangistas, die sich in der Zivilverteidigung engagierten, erhielten eine besondere Ausbildung durch eng mit del Casta&ntilde;o verbundene hochrangige Falangisten. (&hellip;)<\/em><\/p>\n<p><em>Die Falangistas in der philippinischen zivilen Notstandsbeh&ouml;rde waren eine ausgebildete Armee der F&uuml;nften Kolonne der Achse. Sie wurden auf ihre Posten gehievt von dem Nazigeneral, der als Gauleiter in Spanien sa&szlig;, und sie berichteten direkt an den Hauptverbindungsmann f&uuml;r die gesamte Spionageorganisation der Achse auf dem Archipel.&ldquo; [<a href=\"#foot_3\" name=\"note_3\">3<\/a>]<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Ungeachtet der Tatsache, dass die US-Regierung bereits Mitte Juni 1941 die Regierungen von Deutschland, Italien und Japan aufgefordert hatte, alle ihre Konsulate auf dem Boden der Vereinigten Staaten und deren Territorien bis zum 10. Juli zu schlie&szlig;en, &uuml;bernahm Jos&eacute; del Casta&ntilde;o provisorisch die Konsularaufgaben aller drei in Manila zu schlie&szlig;enden Konsulate.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Nicht &ouml;ffentlich bekannt gegeben, aber trotzdem genauso amtlich&ldquo;, <\/em>bemerkte A. Chase,<em> &bdquo;war die Bestellung Jos&eacute; del Casta&ntilde;os auf den wichtigsten Spionageposten der Achsenm&auml;chte in den Philippinen nach dem 18. Juli 1941. Der Falangechef wurde oberster Verbindungsmann f&uuml;r die gesamte verdeckte Arbeit der Achsenm&auml;chte auf den Inseln. Die B&uuml;ros seines Generalkonsulats wurden Hauptquartier, Postamt und Clearingstelle f&uuml;r das gesamte Spionagenetz der Achse. (&hellip;) In New York, London und Moskau beklagten freie M&auml;nner und Frauen die Trag&ouml;die, die sich in Manila zugetragen hatte. Aber in Granada, Spanien, fand am 5. Januar 1942 eine Freudenfeier der Falange statt. Pilar Primo de Rivera, die psychopathische Schwester des jungen Primo und Chefin der weiblichen Abteilung der Falange, riss die Menge schreiend von ihren Sitzen.<\/em><\/p>\n<p><em>Im Namen der philippinischen Sektion der Falange Espa&ntilde;ola (&hellip;) nahm Pilar Primo de Rivera einen offiziellen Orden der japanischen Regierung entgegen &ndash; einen Orden, der der philippinischen Falange als Anerkennung f&uuml;r ihre unsch&auml;tzbare verdeckte Hilfe f&uuml;r die Kaiserliche japanische Regierung bei der Einnahme von Manila und f&uuml;r eine Menge anderer Dienste verliehen wurde.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu den anderen Diensten z&auml;hlte die Bereitstellung von Kolonnen von Lastwagen und Bussen f&uuml;r die japanischen Invasionstruppen in Lingayen, Lamon und anderen Orten. Kaum waren die Hurrarufe in Granada verhallt, da gab der Erzbischof von Manila einen Hirtenbrief heraus, der alle Katholiken der Philippinen dazu aufrief, ihre antijapanischen Aktivit&auml;ten einzustellen und mit den Japanern zusammenzuarbeiten bei ihren edlen Bem&uuml;hungen, den Archipel zu befrieden.&ldquo; [<a href=\"#foot_4\" name=\"note_4\">4<\/a>]<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Tats&auml;chlich gipfelte diese Mitwirkung in der Schaffung von Armeen philippinischer Freiwilliger wie der <em>Makapili (Makabayang Katipunan ng mga Pilipino &ndash; Patriotische Liga der Filipinos),<\/em> der &bdquo;Friedensarmee&ldquo; und der <em>Bisig-Bakal ng Tagala (Eiserne Arme der Tagalog-Frauen).<\/em> Um dabei zu helfen, die Unterst&uuml;tzung der christlichen Mehrheit der Bev&ouml;lkerung und der Beamtenelite zu gewinnen, schuf der Generalstab der japanischen Armee sogar eine eigene Religionsabteilung, die aus christlichen Geistlichen und Laien aus Japan bestand. Die Mitglieder dieser Abteilung zogen durchs Land, lasen Messen und hielten Gottesdienste in den &ouml;rtlichen Kirchen ab und erleichterten die Freilassung verhafteter Religionsvertreter. Der Bischof von Osaka <em>Taguchi<\/em> schloss sich sp&auml;ter dieser Abteilung an und f&uuml;hrte aktiv die Beschwichtigungskampagne gegen&uuml;ber der Katholischen Kirche der Philippinen. Aufgrund der politischen Empfehlungen von Bischof Taguchi versuchte die japanische Milit&auml;rverwaltung, eine umfassende Vereinbarung (Konkordat) mit dem Vatikan abzuschlie&szlig;en, die strittige Forderungen behandelt h&auml;tte wie zum Beispiel die nach der Filipinisierung des h&ouml;heren Klerus der Katholischen Kirche und der Regelung von Kircheneigentumsfragen und Lehrpl&auml;nen f&uuml;r den Schulunterricht. <em>[<a href=\"#foot_5\" name=\"note_5\">5<\/a>]<\/em><\/p><p><strong>Hartn&auml;ckiges Erbe<\/strong><\/p><p>Die damals in Manila ans&auml;ssige spanische Gemeinde war keineswegs homogen, sondern aufgrund des Spanischen B&uuml;rgerkrieges zerstritten. Mehrere Lager standen sich gegen&uuml;ber: linke Republikaner, baskische Hacienderos sowie Falangisten, die die Franco-Regierung blindlings unterst&uuml;tzten. Was die reichen Familien betraf, deren Denken zumeist sehr konservativ war (daher wohlwollend Franco gesinnt), so waren ihre Loyalit&auml;ten kurz nach Kriegsbeginn geteilt. Obwohl in der spanischen Gemeinde keine scharfen Konflikte entstanden, die zu Gewaltt&auml;tigkeiten f&uuml;hrten, unterblieb dennoch ein einheitliches Handeln seitens dieser Bev&ouml;lkerungsgruppe. Sich f&uuml;r die philippinische Staatsb&uuml;rgerschaft zu entscheiden, war eine Methode, seinen Besitz zu sch&uuml;tzen. Dies stand auch im Einklang mit dem Plan des seit 1935 amtierenden Pr&auml;sidenten der US-Commonwealth-Regierung, Manuel L. Quezon, zur F&ouml;rderung einer philippinischen Oberschicht. <em>[<a href=\"#foot_6\" name=\"note_6\">6<\/a>]<\/em><\/p><p>Militarismus, Faschismus und Ideologien, die den Rassismus und rassische &Uuml;berlegenheit verherrlichten, waren Markenzeichen der Achsenm&auml;chte und wurden von diesen auch brutal umgesetzt. Deutschland und Japan gemein war das Konzept des &bdquo;geborenen F&uuml;hrers&ldquo; und der &bdquo;Herrenrasse&ldquo;. Und es waren die Philippinen, wo die Nazis sowie die Falangistas behilflich waren, den Faschismus zu verpflanzen, der sich nach dem japanischen Einmarsch kongenial in Tokios eigenem Konzept einer &bdquo;Gro&szlig;ostasiatischen Wohlstandssph&auml;re&ldquo; einbetten sollte.<\/p><p>Das Verm&auml;chtnis dieses dunklen Kapitels der Geschichte war Jahrzehnte sp&auml;ter noch zu sp&uuml;ren. In den Philippinen wurden Filipinos, die in verschiedene projapanische Freiwilligenverb&auml;nde eingetreten waren, sowie Kollaborateuren unter der nationalen Elite nach dem Krieg kein Haar gekr&uuml;mmt, und sie kamen in den Genuss einer Amnestie. Diejenigen jedoch, die mutig die Japaner bek&auml;mpft hatten und denen gleichzeitig jedwede ausl&auml;ndische Intervention verhasst war &ndash; wie beispielsweise den Partisanen der <em>Antijapanischen Befreiungsarmee (Hukbalahap)<\/em> und sp&auml;teren <em>Volksbefreiungsarmee<\/em> &ndash;, wurden stigmatisiert, als &bdquo;Banditen&ldquo; und &bdquo;Terroristen&ldquo; ge&auml;chtet und bek&auml;mpft.<\/p><p>Und im Nachkriegseuropa wurde kein ernster Versuch unternommen, die Iberische Halbinsel zu &bdquo;entfalangisieren&ldquo;. Im Gegenteil: Franco und seine Kumpane blieben in Spanien bis 1975 an der Macht. Ebenso befand sich Portugal noch Jahrzehnte nach Kriegsende im W&uuml;rgegriff des faschistischen Diktators Salazar. Schlie&szlig;lich ist der dominante Einfluss lateinamerikanischer Faschisten in den Nachkriegsdekaden (einschlie&szlig;lich ihrer Kollaboration mit Elementen der US-Geheimdienste) allgemein bekannt.<\/p><p>&bdquo;<strong>Musik trotz allem&ldquo;<\/strong><\/p><p>Die ausgesprochen antisemitische Politik Nazideutschlands hatte u.a. zur Folge, dass Juden aus dem Land flohen und anderswo sichere H&auml;fen aufsuchten. Zahlreiche j&uuml;dische Intellektuelle, Schriftsteller &ndash; wie der eingangs erw&auml;hnte Stefan Zweig, der Autor von <em>Magellan: Der Mann und seine Tat <\/em>&ndash;, Wissenschaftler und K&uuml;nstler emigrierten nach Amerika und Schanghai<em> <\/em>&ndash; Orte<em>, <\/em>an denen zu jener Zeit eine vergleichsweise liberale Immigrationspolitik vorherrschte. Neben Alaska, Madagaskar, Mexiko, der Dominikanischen Republik und Pal&auml;stina geh&ouml;rten auch die Philippinen zu den weltweit f&uuml;r j&uuml;dische Gemeinden als neue Heimat in Betracht gezogenen Ansiedlungsgebieten. Pr&auml;sident Quezon und die Autorit&auml;ten des Commonwealth waren im Jahre 1939 darauf vorbereitet, im Zuge der weiteren Kolonisierung der s&uuml;dphilippinischen Insel Mindanao etwa 2.000 j&uuml;dische Familien einreisen zu lassen &ndash; weiterhin j&auml;hrlich etwa 5.000 Familien bis zu einer Obergrenze von 30.000. Mindanao &ndash; insbesondere die Ebene von Bukidnon im Norden &ndash; rangierte ganz oben auf der Liste Erfolg verhei&szlig;ender und potenziell sicherer Zufluchtsst&auml;tten f&uuml;r die Ansiedlung von Fl&uuml;chtlingen aus nah und fern. Gesetzliche Verz&ouml;gerungen, aber auch die japanische Invasion und Eroberung der Philippinen vereitelten jedoch die Ansiedlungspl&auml;ne. Bereits vor dem Krieg existierte auf Mindanao eine der weltweit gr&ouml;&szlig;ten japanischen Kolonien. Mindanao diente wegen seines Ressourcenreichtums quasi als Magnet f&uuml;r japanische Gro&szlig;unternehmen.<\/p><p>Den Philippinen war es m&ouml;glich, eine eigene Einwanderungspolitik &ndash; frei von Beschr&auml;nkungen, etwa bei der Festlegung entsprechender Quoten &ndash; zu betreiben. Nachdem die erste Welle von Fl&uuml;chtlingen im September 1938 angekommen war, wuchs die j&uuml;dische Community zahlenm&auml;&szlig;ig weiter an. Sie erreichte mit etwa 2.500 Mitgliedern Ende 1942 ihren H&ouml;chststand.<\/p><p>Anfang April 2005 meldete der philippinische Botschafter in Israel, Antonio C. Modena, seinem Au&szlig;enministerium, dass man an der geb&uuml;hrenden Anerkennung der Rolle arbeite, die dem philippinischen Volk im Hinblick auf die Hilfestellungen zukomme, die man j&uuml;dischen Fl&uuml;chtlingen bei ihrer Flucht aus dem von Nazis besetzten Europa gew&auml;hrt hatte. Er f&uuml;hrte aus:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das philippinische Volk begr&uuml;&szlig;te die j&uuml;dischen Fl&uuml;chtlinge zu einer Zeit auf den Philippinen, als der Rest der Welt einem Volk die T&uuml;ren zuschlug, das eine sichere Zuflucht vor der Tyrannei der Nazis suchte. Man sollte dem philippinischen Volk sicherlich daf&uuml;r Anerkennung zollen, dass es an einem hohen moralischen Standard festhielt und Humanit&auml;t zeigte.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Tats&auml;chlich organisierten Filipinos am 19. November 1938 eine Protestrally, um die Unmenschlichkeit der Reichskristallnacht zu brandmarken. Es ward diese jene Nacht, in der die Nazis in Deutschland randalierten, j&uuml;dische H&auml;user und Gesch&auml;fte zerst&ouml;rten, Synagogen in Brand steckten und Kinder aus dem Fenster warfen. Der Botschafter wies darauf hin, dass es die amerikanische Regierung (in Miami) ablehnte, 900 Juden aufzunehmen, die sich an Bord des Schiffes <em>&bdquo;St. Louis&ldquo;<\/em> befanden. Das Schiff war von Nazideutschland gechartert worden, um zu beweisen, dass kein anderes Land die Juden wollte. Zur gleichen Zeit bereitete Pr&auml;sident Manuel L. Quezon eine Wohnsiedlung f&uuml;r j&uuml;dische Fl&uuml;chtlinge in Manilas Stadtbezirk Marikina vor und plante die Errichtung eines Farmkomplexes f&uuml;r Juden auf Mindanao. <em>[<a href=\"#foot_7\" name=\"note_7\">7<\/a>]<\/em><\/p><p><strong>Solidarische Netzwerke<\/strong><\/p><p>Mit Emil Bachrach und Morton I. Netzorg tauchten zwei bedeutsame Namen zur Jahrhundertwende in der j&uuml;dischen Community in Manila auf. Emil Bachrach erreichte 1901 Manila und hatte bald &bdquo;ein Wirtschaftsimperium von betr&auml;chtlichem Ausma&szlig;&ldquo; aufgebaut. Weil er als erster amerikanischer Jude angesehen wird, der sich auf den Philippinen dauerhaft niederlie&szlig;, trugen die Synagoge und ein Kulturgeb&auml;ude seinen Namen: <em>Temple Emil<\/em> und <em>Bachrach Hall<\/em>. Die Familie hatte diese beiden Einrichtungen &uuml;ber Jahrzehnte finanziert.<\/p><p>Sein wirtschaftlicher Erfolg erlaubte es Bachrach, sowohl j&uuml;dische als auch christliche Anliegen zu unterst&uuml;tzen. Zur j&uuml;dischen Community in Manila z&auml;hlten der Gr&uuml;nder der B&ouml;rse in Manila, der Dirigent des <em>Manila Symphony Orchestra<\/em> sowie Angeh&ouml;rige anderer Berufe wie &Auml;rzte und Architekten. W&auml;hrend des Zweiten Weltkriegs wurde der Temple Emil von den Japanern zerst&ouml;rt. <em>[<a href=\"#foot_8\" name=\"note_8\">8<\/a>]<\/em><\/p><p>Als die Nazis die Macht in Deutschland &uuml;bernahmen und die Welt j&uuml;dischen Fl&uuml;chtlingen den R&uuml;cken zukehrte, bem&uuml;hten sich vier Br&uuml;der, die eine Zigarrenfabrik in den Philippinen betrieben, in aller Ruhe darum, etwa 1.200 nach Manila geflohenen Juden Hilfestellungen zu geben. Die Frieder-Br&uuml;der &ndash; Alex, Philip, Herbert und Morris &ndash; &bdquo;waren ganz normale j&uuml;dische Gesch&auml;ftsleute, aber sie scheuten keine Umwege, um Leben zu retten&ldquo;, sagte Frank Ephraim. Dieser war acht Jahre alt, als seine Familie 1939 von Deutschland nach Manila floh. Unter dem Titel <em>&bdquo;Escape to Manila: From Nazi Tyranny to Japanese Terror&ldquo; <\/em>beschrieb er sp&auml;ter die Geschichte ihrer Rettung. <em>[<a href=\"#foot_9\" name=\"note_9\">9<\/a>]<\/em><\/p><p>W&auml;hrend der 1920er- und 1930er-Jahre kamen die Frieder-Br&uuml;der aus Cincinnati immer wieder f&uuml;r zwei Jahre nach Manila, um die <em>Helena Cigar Factory<\/em> zu leiten, die ihr Vater 1918 aufgebaut hatte. W&auml;hrend sie im Lande weilten, gr&uuml;ndeten sie ein j&uuml;disches Fl&uuml;chtlingskomitee und arbeiteten mit Freunden in h&ouml;heren Stellen zusammen, um den meist aus Deutschland und &Ouml;sterreich stammenden Fl&uuml;chtlingen bei der Pass-, Visa-, Arbeits- und Wohnraumbeschaffung behilflich zu sein. <em>[<a href=\"#foot_10\" name=\"note_10\">10<\/a>]<\/em> Es war ein im besten Sinne funktionierendes Reziprozit&auml;tsprinzip; die Philippinen halfen auf unterschiedliche Weise, das Leben vieler Juden zu retten, und diese brachten ihre jeweiligen Talente in ihr Wirken im Gastland ein.<\/p><p><strong>Kulturelle Bereicherung<\/strong><\/p><p>Auf dem H&ouml;hepunkt der Immigrationsjahre war die Ankunft bekannter Pers&ouml;nlichkeiten wie Dr. Herbert Zipper f&uuml;r die Philippinen sicherlich von Nutzen. Er wurde Leiter des <em>Manila Symphony Orchestra<\/em>, seine Frau Trudl Zipper unterrichtete viele philippinische T&auml;nzer in den modernen Stilrichtungen. Dr. Eugene Stransky, ein Spezialist f&uuml;r Bluterkrankungen, und Ernest Kornfeld, ein Architekt, trugen mit ihrem Schaffen zur Bereicherung des Lebens in den Philippinen bei.<\/p><p>Die dramatische Flucht des Kantors Joseph Cysner von Polen &uuml;ber Deutschland nach Manila wurde in Bonnie M. Harris&rsquo; Dissertation aus dem Jahre 2009 <em>&bdquo;From Zbaszyn to Manila: The Creation of an American Holocaust Haven&rdquo;<\/em> anschaulich beschrieben. <em>[<a href=\"#foot_11\" name=\"note_11\">11<\/a>]<\/em> Cysner wurde sp&auml;ter als Musikprofessor am De La Salle College in Manila verpflichtet. Seine Lehrveranstaltungen zur klassischen Musik genossen einen exzellenten Ruf. Die unter der Leitung von Philip Frieder stehende <em>Manila Jewish Community<\/em> und das <em>Jewish Refugee Committee of Manila (JRC)<\/em> umfassten einflussreiche und wohlhabende amerikanische Mitglieder der J&uuml;dischen Community und wurden auch mit der Zielsetzung gegr&uuml;ndet, deutsche Mitglieder der j&uuml;dischen Community in Schanghai zu retten. <em>[<a href=\"#foot_12\" name=\"note_12\">12<\/a>]<\/em><\/p><p>Eine herausragende Figur unter den j&uuml;dischen Fl&uuml;chtlingen war zweifellos der am 24. April 1904 in Wien geborene Herbert Zipper. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Dr. Zipper klassischer Musiker, Komponist und Dirigent. Er kannte die damaligen Koryph&auml;en der Musikszene &ndash; unter ihnen Igor Strawinski, Paul Hindemith, Sergej Prokofjew und Kurt Weill. W&auml;hrend des Krieges wurden er und seine Br&uuml;der wie so viele andere Juden von den Nazis verhaftet und in das Konzentrationslager in Dachau eingewiesen. Dort baute er ein geheimes Orchester auf, das mit selbst gebauten Instrumenten auf einer verlassenen Latrine spielte. 1938 komponierte er das <em>Dachau-Lied<\/em>, f&uuml;r das sein Freund und Mitgefangener Jura Soyfer den Text schrieb. <em>[<a href=\"#foot_13\" name=\"note_13\">13<\/a>]<\/em><\/p><p>Soyfer war weniger Gl&uuml;ck beschieden als seinem Kollegen Zipper. Er wurde nach Buchenwald transportiert und verstarb dort an Typhus. Das Tor zum Lager trug die Aufschrift: <em>Arbeit macht frei<\/em>. Diese Parole erscheint im Text des Liedes, dessen erster Vers wie folgt lautet:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Stacheldraht, mit Tod geladen, <\/em><br>\n<em>ist um unsere Welt gespannt. <\/em><\/p>\n<p><em>Drauf ein Himmel ohne Gnaden <\/em><br>\n<em>sendet Frost und Sonnenbrand. <\/em><\/p>\n<p><em>Fern von uns sind alle Freuden, <\/em><br>\n<em>fern die Heimat, fern die Frau&rsquo;n, <\/em><br>\n<em>wenn wir stumm zur Arbeit schreiten, <\/em><br>\n<em>Tausende im Morgengrau&rsquo;n. <\/em><\/p>\n<p><em>Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt <\/em><br>\n<em>und wurden stahlhart dabei: <\/em><br>\n<em>Sei ein Mann, Kamerad, <\/em><br>\n<em>bleib ein Mensch, Kamerad, <\/em><br>\n<em>mach ganze Arbeit, pack an, Kamerad, <\/em><br>\n<em>denn Arbeit, Arbeit macht frei!&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Das Lied wurde zu einer Hymne des Widerstandes und von Lager zu Lager weitergereicht. Die Nazis gr&uuml;ndeten in jedem der f&uuml;nf Vernichtungslager Orchester, die sich aus inhaftierten H&auml;ftlingen zusammensetzten. Sie wurden gezwungen, Musik zu spielen, w&auml;hrend ihre Mitgefangenen in die Gaskammern getrieben wurden. Obwohl diese Musiker saubere Kleidung und andere Verg&uuml;nstigungen erhielten, war unter ihnen die Selbstmordrate h&ouml;her als unter den meisten anderen versklavten Lagerarbeitern. Eine Ausnahme hiervon bildeten die, die in die T&ouml;tungsmaschinerie eingebunden waren oder Bestattungen durchf&uuml;hren mussten. <em>[<a href=\"#foot_14\" name=\"note_14\">14<\/a>]<\/em><\/p><p>In sp&auml;teren Kriegsjahren wurde Zipper von Dachau nach Buchenwald verlegt. Mit Hilfe seiner Familie konnte seine Freilassung bewirkt werden. Zipper reiste dann auf die Philippinen und leitete dort das Manila Symphony Orchestra. Als die Japaner einmarschierten, wurde er abermals interniert. W&auml;hrend der Besetzung Manilas war Zipper Mitglied der im Untergrund operierenden Widerstandsbewegung und funkte unter anderem Schiffsinformationen an die US-Flotte. Als die Amerikaner 1945 Manila wieder zur&uuml;ckeroberten, organisierte er ein Konzert f&uuml;r die US-Truppen. Das Konzert erwies sich als so erfolgreich, dass das US-Milit&auml;r Zipper und das Manila Symphony Orchestra mit der Fortf&uuml;hrung der Konzerte beauftragte. Einmal spielten sie vor &uuml;ber 200.000 Milit&auml;rangeh&ouml;rigen. Nach dem Krieg siedelten Zipper und seine Frau Trudl in die Vereinigten Staaten &uuml;ber, wo Zipper seine Kompositions-, Dirigenten- und Unterrichtst&auml;tigkeit fortsetzte. <em>[<a href=\"#foot_15\" name=\"note_15\">15<\/a>]<\/em><\/p><p><strong>Kriegswirren &amp; Flucht<\/strong><\/p><p>Die zuvor von Amerikanern dominierte j&uuml;dische Community, die das Leben von weit &uuml;ber 1.000 europ&auml;ischen Juden vor der m&ouml;glichen Ausl&ouml;schung sicherte, sah sich selbst einer unerwarteten Verfolgung ausgesetzt. Als die japanischen Truppen Anfang 1942 ins Land eindrangen, wurden innerhalb weniger Tage jeder Amerikaner, Brite, Commonwealth-Angeh&ouml;rige, Holl&auml;nder, Pole, Belgier oder Angeh&ouml;rige eines Staates, der sich mit Japan oder Deutschland im Krieg befand, mit dem Bus zur <em>Santo Tomas University<\/em> verbracht und dort interniert. Der Januar 1943 brachte eine neue und dennoch alte Bedrohung f&uuml;r die j&uuml;dische Community von Manila. Antisemitische Verfolgungen zielten auf die nicht internierten deutschen Juden ab.<\/p><p>Im Zuge der deutschen Allianz mit dem japanischen Kaiser hatten nazistische Schm&auml;hreden die Philippinen erreicht. Im Januar 1944 bef&ouml;rderte der deutsche Botschafter in Japan, Heinrich Stahmer, mit Franz Josef Spahn die Berufung eines neuen nationalsozialistischen Parteiaufsehers f&uuml;r die <em>German Community<\/em> in Manila. Ger&uuml;chte kamen auf, nach denen die deutschen Juden in ein Ghetto verbracht werden sollten. Spahn verlangte die sofortige Internierung von Fremden, die sich <em>&bdquo;feindlicher, gegen den Frieden, die Sicherheit und Interessen der philippinischen Republik gerichteter Aktionen schuldig&ldquo;<\/em> gemacht hatten. <em>[<a href=\"#foot_16\" name=\"note_16\">16<\/a>]<\/em><\/p><p>Die Nazi-Partei auf den Philippinen f&auml;lschte zudem Tatsachen in Bezug auf das mittlerweile aufgegebene Mindanao-Ansiedlungsprojekt und behauptete, die Juden selbst sabotierten dieses. Sie verfolgten angeblich das Ziel, die st&auml;dtische philippinische Wirtschaft zu dominieren. Der Vorwurf galt der j&uuml;dischen Community. Mit anhaltendem Krieg verschlechterte sich die Lage in Manila dramatisch. Alle Zivilpersonen galten nunmehr als subversiv, und viele flohen aus der Stadt in die Berge, um m&ouml;glichen Vergeltungen zu entgehen. Die <em>&bdquo;Schlacht um Manila&ldquo;<\/em>, die offiziell am 3. Februar 1945 begann, dauerte einen Monat lang. Zur&uuml;ck blieb eine Ruinenstadt. &Uuml;ber 1.000 Juden entkamen dem Holocaust in Manila, indem sie den Pasig River in Richtung Norden &uuml;berquerten. Sie mussten 67 tote und mehr als 200 verwundete Mitglieder zur&uuml;cklassen. Viele verlie&szlig;en schlie&szlig;lich Manila in Richtung Vereinigte Staaten, um sich dort dauerhaft niederzulassen. <em>[<a href=\"#foot_17\" name=\"note_17\">17<\/a>]<\/em><\/p><p><small>Titelbild: hyotographics\/shutterstock.com<\/small><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Reinhard Liehr\/G&uuml;nther Maihold\/G&uuml;nther Vollmer (Hrsg.): <em>Ein Institut und sein General &ndash; Wilhelm Faupel und das Iberoamerikanische Institut in der Zeit des Nationalsozialismus. <\/em>Frankfurt am Main: Vervuert, 2003.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_2\" name=\"foot_2\">&laquo;2<\/a>] Allan Chase: <em>Falange &ndash; The Axis Secret Army in the Americas.<\/em> New York: G. P. Putnam&rsquo;s Sons, 1943, S. 38, 39. <em>(Eigene &Uuml;bersetzung: RW)<\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_3\" name=\"foot_3\">&laquo;3<\/a>] Ebd. &ndash; insbesondere Kapitel 2: <em>Falange es Espa<\/em>&ntilde;<em>a, or What Really Happened in Manila<\/em>, S. 32-50. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_4\" name=\"foot_4\">&laquo;4<\/a>] Ebd. &ndash; In diesem Zusammenhang erw&auml;hnte der Autor, dass sogar die akademische Welt von der Ideologie der Falangisten nicht verschont blieb. Father Silvestre Sancho, Rektor der altehrw&uuml;rdigen (dominikanischen) <em>University of Santo Tomas<\/em> in Manila, begab sich nach Madrid und suchte dort nach einem qualifizierten Vertreter f&uuml;r den neu geschaffenen Lehrbereich &bdquo;Hispanidad&ldquo;. Seine Wahl fiel auf niemand Geringeren als auf Generalissimo Franco. Dieser hegte die Vision eines wiederbelebten spanischen Imperiums, das auch Manila einschlie&szlig;en und mit den Achsenm&auml;chten koexistieren sollte.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_5\" name=\"foot_5\">&laquo;5<\/a>] Ikehata Setsuho\/Ricardo Trota Jos&eacute; (eds.): <em>The Philippines Under Japan: Occupation Policy and Reaction,<\/em> Quezon City: Ateneo de Manila University Press, 1999 &amp; Rheinisches JournalistInnenb&uuml;ro\/Recherche International e.V. (Hrsg.): <em>&bdquo;&sbquo;Unsere Opfer z&auml;hlen nicht&rsquo;&rdquo; &ndash; Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg&rdquo;,<\/em> Berlin\/Hamburg: Assoziation A &ndash; insbesondere das Kapitel &uuml;ber Asien.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_6\" name=\"foot_6\">&laquo;6<\/a>] Florentino Rodao, Ph. D. (Universidad de Tokio): <em>Falange en Extremo Oriente, 1936-1945<\/em>, in: Revista Espa&ntilde;ola del Pac&iacute;fico [Publicaciones peri&oacute;dicas]. N&ordm; 3, A&ntilde;o 1993; Florentino Rodao: <em>Spanish Falange in the Philippines, 1936-1945<\/em>, in: Philippine Studies Vol. 43 (1): 3-26. <\/p>\n<p>[<a href=\"#note_7\" name=\"foot_7\">&laquo;7<\/a>] <em>Philippine Ambassador to Israel Pushes for Recognition of Filipinos&rsquo; Role in Saving Jews<\/em>, Department of Foreign Affairs, Pressemitteilung (SFA-AGR-186-05), Jerusalem, Israel, April 01, 2005. &ndash; Siehe ferner: Ambeth Ocampo: <em>Quezon saved Jews from the Holocaust,<\/em> in: Philippine Daily Inquirer, March 01, 2011.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_8\" name=\"foot_8\">&laquo;8<\/a>] Die einzige heute existente Synagoge im Land ist die 1983 gebaute <em>Makati&rsquo;s Beth Ya&rsquo;acov Synagoge.<\/em> &ndash; Lee Saunders: <em>The Philippines: A small Jewish community with a giant heart<\/em>, in: The Jerusalem Post, March 20, 2023 * <a href=\"https:\/\/www.jpost.com\/opinion\/article-734911\">jpost.com\/opinion\/article-734911<\/a> sowie <a href=\"https:\/\/www.worldjewishcongress.org\/en\/about\/communities\/ph\">worldjewishcongress.org\/en\/about\/communities\/ph<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_9\" name=\"foot_9\">&laquo;9<\/a>] Siehe Fu&szlig;note 6.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_10\" name=\"foot_10\">&laquo;10<\/a>] Joseph Berger: <em>A Filipino-American Effort to Harbor Jews Is Honored,<\/em> in: The New York Times, February 14, 2005.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_11\" name=\"foot_11\">&laquo;11<\/a>] Bonnie M. Harris: <em>From Zbaszyn to Manila: The Holocaust Odyssey of Joseph Cysner and Refugee Rescue in the Philippines.<\/em> \/ Bonnie M. Harris:<em> The Memoirs of Cantor Joseph Cysner. A rare testimonial of the Polenaktion<\/em>, in: Key Documents of German-Jewish History, October 25, 2017 * <a href=\"https:\/\/dx.doi.org\/10.23691\/jgo:article-94.en.v1\">dx.doi.org\/10.23691\/jgo:article-94.en.v1<\/a> &amp; <a href=\"https:\/\/keydocuments.net\/article\/harris-cysner.pdf\">keydocuments.net\/article\/harris-cysner.pdf<\/a><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_12\" name=\"foot_12\">&laquo;12<\/a>] Ebd.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_13\" name=\"foot_13\">&laquo;13<\/a>] Das Dachau-Lied endet mit den Worten:<br>\n&bdquo;<em>Denn wir haben die Losung von Dachau gelernt <\/em><br>\n<em>und wurden stahlhart dabei: <\/em><br>\n<em>Sei ein Mann, Kamerad, <\/em><br>\n<em>bleib ein Mensch, Kamerad, <\/em><br>\n<em>mach ganze Arbeit, pack an, Kamerad, <\/em><br>\n<em>denn Arbeit, Arbeit macht frei!&ldquo; <\/em><\/p>\n<p>[<a href=\"#note_14\" name=\"foot_14\">&laquo;14<\/a>] Ein anderes Lied &ndash; <em>Die Moorsoldaten<\/em> &ndash; wurde weltber&uuml;hmt. Es ist zuerst im B&ouml;rgermoorer Konzentrationslager aufgef&uuml;hrt worden. B&ouml;rgermoor liegt im Nordwesten Deutschlands nahe der niederl&auml;ndischen Grenze. Das Lied geht auf das t&auml;gliche Leben und die in den Lagern verrichtete Zwangsarbeit ein. In einer Revue-Auff&uuml;hrung im Lager marschierten 16 Gefangene mit dem Spaten auf der Schulter singend auf die B&uuml;hne. Der Komponist leitete den Chor mit einem gebrochenen Spatenschaft. Das Lied wurde zwei Tage nach seinem Deb&uuml;t verboten, gelangte aber auch in andere Lager.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_15\" name=\"foot_15\">&laquo;15<\/a>] Paul Cummins: <em>Musik trotz allem &ndash; Herbert Zipper: Von Dachau um die Welt.<\/em> Wien: Lafite-Verlag, 1993.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_16\" name=\"foot_16\">&laquo;16<\/a>] Bonnie M. Harris: <em>From Zbaszyn to Manila (&hellip;) &ndash; <\/em>siehe Fu&szlig;note 11.<\/p>\n<p>[<a href=\"#note_17\" name=\"foot_17\">&laquo;17<\/a>] Ebd.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Philippinen sind das einzige Land in Asien, das nach einem westeurop&auml;ischen Herrscher, Philipp II., benannt ist. Zudem war der s&uuml;dostasiatische Inselstaat die einstige und einzige Kolonie der Vereinigten Staaten von Amerika in Asien, was den bekannten, in mehrere Sprachen &uuml;bersetzten und im Januar 2022 97-j&auml;hrig verstorbenen philippinischen Schriftsteller und Autor Francisco Sionil Jos&eacute; einst<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111188\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":109737,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[88,169,20,171],"tags":[1945,1055,2216,1497,1403,1971,826,564,340],"class_list":["post-111188","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-antisemitismus","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-landerberichte","category-militaereinsaetzekriege","tag-faschismus","tag-fluechtlinge","tag-franco-francisco","tag-japan","tag-konzentrationslager","tag-philippinen","tag-rassismus","tag-spanien","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Shutterstock_1326821609.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/111188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=111188"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/111188\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":111225,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/111188\/revisions\/111225"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/109737"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=111188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=111188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=111188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}