{"id":111328,"date":"2024-02-20T11:00:23","date_gmt":"2024-02-20T10:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111328"},"modified":"2024-02-20T16:26:32","modified_gmt":"2024-02-20T15:26:32","slug":"stimmen-aus-ungarn-propagandisierende-propagandisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111328","title":{"rendered":"Stimmen aus Ungarn: Propagandisierende Propagandisten"},"content":{"rendered":"<p>Ein Interview auf <em>n-tv.de<\/em> vom 10. Februar mit dem Nawalny-Vertrauten Leonid Wolkow tr&auml;gt die &Uuml;berschrift <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Putin-muss-vernichtet-werden-article24720519.html\">&bdquo;Putin muss vernichtet werden&ldquo;<\/a>. Der mediale Aufschrei bleibt aus. Das scheint legitim und hinnehmbar zu sein. Wenn aber ein ZDF-Journalist &uuml;ber die von Russland besetzte Stadt Marijupol berichtet: &bdquo;Die Stadt funktioniert&ldquo;, muss die Redaktion <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/politik\/ausland\/mariupol-ukraine-krieg-russland-100.html\">einschreiten<\/a>. Das kann der m&uuml;ndige Zuschauer nicht ohne Betreuung verkraften. Die russische Botschaft in Berlin <a href=\"https:\/\/germany.mid.ru\/de\/aktuelles\/pressemitteilungen\/offener_brief_des_botschafters_der_russischen_f_deration_herrn_sergej_netschajew_an_den_chefredakteu\/\">findet es<\/a> &bdquo;absto&szlig;end, dass auf n-tv.de eine offene Plattform f&uuml;r die rechtswidrigen und im Kern terroristischen &Auml;u&szlig;erungen geboten wird und diese sogar in der Schlagzeile platziert werden&ldquo;. Laut dem Botschafter Sergej Netschajew geht es hier &bdquo;um eklatante Verletzung der Berufsethik&ldquo;. Aber wie sieht das der ungarische Journalist G&aacute;bor Stier mit langj&auml;hriger Berufserfahrung und aus einem gewissen r&auml;umlichen Abstand? Ein Kommentar von <strong>G&aacute;bor Stier<\/strong>, &Uuml;bersetzung <strong>&Eacute;va P&eacute;li<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7465\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-111328-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240220_Stimmen_aus_Ungarn_Propagandisierende_Propagandisten_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240220_Stimmen_aus_Ungarn_Propagandisierende_Propagandisten_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240220_Stimmen_aus_Ungarn_Propagandisierende_Propagandisten_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240220_Stimmen_aus_Ungarn_Propagandisierende_Propagandisten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=111328-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240220_Stimmen_aus_Ungarn_Propagandisierende_Propagandisten_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240220_Stimmen_aus_Ungarn_Propagandisierende_Propagandisten_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Das Interview ist ein typisches Beispiel f&uuml;r den Versuch der westlichen Presse, als eine Art verl&auml;ngerte Hand der Politik Russland zu diskreditieren und gleichzeitig ihre Professionalit&auml;t zu wahren. In den meisten F&auml;llen schlie&szlig;en sich diese beiden Aspekte gegenseitig aus, da die Mainstream-Medien ein einseitiges Bild von Russland zeichnen, das zumindest an Propaganda grenzt, wenn es nicht sogar die Grenze &uuml;berschreitet.<\/p><p>Das Problem ist nicht, dass sie das russische Establishment kritisieren &ndash; da gibt es durchaus einiges zu kritisieren &ndash;, sondern dass sie es einseitig, voreingenommen und auf Vorurteile gest&uuml;tzt tun. Es geht nicht darum, zu verstehen, wie das Moskauer System funktioniert und was es antreibt, sondern, es zu verurteilen. In diesem Sinne werden diejenigen, die sich um das Verst&auml;ndnis und die Darstellung des russischen Denkens bem&uuml;hen, als &bdquo;Putinversteher&ldquo; stigmatisiert und der Voreingenommenheit bezichtigt. Doch ohne dieses Verst&auml;ndnis ist es unm&ouml;glich, die Handlungen des Kremls nachzuvollziehen, und vieles scheint irrsinnig, was in der Wirklichkeit durchaus der Logik der Vernunft folgt.<\/p><p>Aber derselbe Aspekt leitet die Medien, wenn sie im Grunde versuchen, die russische Politik durch die Brille der russischen Opposition darzustellen. Doch wenn sie Analysten interviewen, die dem politischen Mainstream Russlands nahestehen, wird sofort an die Grundlagen des Qualit&auml;tsjournalismus und an den gebotenen Abstand erinnert &ndash; dann f&uuml;hlen sie sich in ihrem Element. Das gelingt so gut, dass der Abstand oft Lichtjahre entfernt ist. Das Gesamtbild ist bekannt. Es ist einseitig und verzerrt. Dar&uuml;ber hinaus ist dies eine Falle f&uuml;r eine abweichende Betrachtungsweise. Die kann aus Sicht des Mainstreams, der sich als unabh&auml;ngig und objektiv ausgibt, in der Tat als Putin-Sympathisant im falschen Sinne des Wortes erscheinen, wenn sie dem vereinfachenden und vorurteilsbehafteten Narrativ des Mainstreams entgegenzuwirken versucht.<\/p><p>Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass im derzeitigen Informationskrieg mit dem Etikett &bdquo;Propagandist&ldquo; um sich geworfen wird, um die Position der anderen Seite zu diskreditieren, als ob jeder, der nicht dem Mainstream angeh&ouml;rt, ein Propagandist w&auml;re. Nat&uuml;rlich scheitert dieser Ansatz an der Realit&auml;t, doch so, wie die Ereignisse der letzten zwei Jahre aufgetischt wurden, interessiert es niemanden, dass es die angeblichen Propagandisten und Putinversteher waren, die bereits vor Monaten von der Aussichtslosigkeit der ukrainischen Gegenoffensive, der Nichtgewinnbarkeit des Krieges oder eben der Korruptheit der ukrainischen politischen Elite gesprochen haben.<\/p><p>Wie ich bereits sagte, veranschaulicht das Interview mit Wolkow diesen Ansatz. Formal ist alles in Ordnung, da der Journalist, wenn auch etwas schleierhaft, versucht, die offensichtlichen Verleumdungen anzusprechen. Aber das Gesamtbild bleibt unver&auml;ndert, und Wolkows Erz&auml;hlung setzt sich durch. Zumal der Titel den Ton des Interviews vorgibt. Obwohl der Satz &bdquo;Putin muss vernichtet werden&ldquo; in Anf&uuml;hrungszeichen gesetzt wird, wie es der Berufsstand verlangt, ist dies nicht nur beleidigend, sondern suggeriert auch die Zustimmung der Redaktion.<\/p><p>Ich halte das nicht f&uuml;r eine Unterst&uuml;tzung des Terrorismus, aber <em>n-tv.de<\/em> leistet sich etwas, was es mit einem deutschen Politiker nicht tun w&uuml;rde. Es entfernt sich nicht weit genug von der Aussage, es fehlt eine kritische Haltung. Das wird sogar durch die Er&ouml;ffnung verst&auml;rkt, in der der Journalist Wolkow geschickt Aussagen in den Mund legt, die Putin in einem schlechten Licht darstellen, die ihn verunglimpfen und Meinungen derer diskreditieren, die nicht in das Narrativ passen &ndash; sie w&auml;ren &bdquo;gest&ouml;rt&ldquo;, &bdquo;Verr&uuml;ckte&ldquo;, &bdquo;Idioten&ldquo;. Diese wenigen Zeilen geben die Stimmung vor, das Interview ist &bdquo;eingebettet&ldquo;. Von hier aus kann Wolkow sogar behutsam mit der Realit&auml;t konfrontiert werden &ndash; die Leistung der russischen Wirtschaft, die Kriegsm&uuml;digkeit der westlichen Gesellschaften &ndash;, aber das Gesamtbild &auml;ndert sich nicht wesentlich.<\/p><p>Es ist, wie wenn das <em>ZDF<\/em> &uuml;ber die Demonstration anl&auml;sslich des Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz in Niedersachsen berichtet, nur dass der Fokus nicht auf dem Protest der Bauern liegt, sondern auf dem einzigen Mann mit einem riesigen Plakat, der mehr Waffen f&uuml;r die Ukraine fordert. Formal kann es halbwegs stimmen, aber es ist kein Journalismus, es ist ein Verschweigen, eine Verzerrung &ndash; ergo: Propaganda.<\/p><p><small>Titelbild: Screenshot von <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Putin-muss-vernichtet-werden-article24720519.html\">n-tv.de<\/a><\/small><\/p><div class=\"moreLikeThis\">\n<strong>Mehr zum Thema:<\/strong>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111290\">Gedanken zum Tod von Alexej Nawalny<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111161\">Vortrag von General a. D. 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