{"id":111466,"date":"2024-02-23T09:00:18","date_gmt":"2024-02-23T08:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111466"},"modified":"2024-02-23T10:13:51","modified_gmt":"2024-02-23T09:13:51","slug":"kein-bisschen-weise-fruehrentner-sollen-noch-weniger-bekommen-als-wenig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111466","title":{"rendered":"Kein bisschen weise. Fr\u00fchrentner sollen noch weniger bekommen als wenig"},"content":{"rendered":"<p>Die &bdquo;Rente mit 63&ldquo; gibt es gar nicht mehr und trotzdem soll sie weg. Neoliberalen &Ouml;konomen, Wirtschaftsverb&auml;nden, Union, FDP und Gr&uuml;nen missf&auml;llt es, wenn Menschen nicht bis zum Umfallen schuften und verkaufen ihre Attacke mit &bdquo;Fachkr&auml;ftemangel&ldquo;. Dass es in Wirklichkeit um die n&auml;chste von schon etlichen K&uuml;rzungen der Altersgeldanspr&uuml;che geht, sagen sie nicht, so wenig wie: Arbeit im Ruhestand boomt wie nie, Altersarmut sowieso und die Privatversicherer hauen schon Millionen Kunden &uuml;bers Ohr. Aber mehr geht immer. Von <strong>Ralf Wurzbacher<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7325\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-111466-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240223_Kein_bisschen_weise_Fruehrentner_sollen_noch_weniger_bekommen_als_wenig_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240223_Kein_bisschen_weise_Fruehrentner_sollen_noch_weniger_bekommen_als_wenig_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240223_Kein_bisschen_weise_Fruehrentner_sollen_noch_weniger_bekommen_als_wenig_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240223_Kein_bisschen_weise_Fruehrentner_sollen_noch_weniger_bekommen_als_wenig_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=111466-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240223_Kein_bisschen_weise_Fruehrentner_sollen_noch_weniger_bekommen_als_wenig_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240223_Kein_bisschen_weise_Fruehrentner_sollen_noch_weniger_bekommen_als_wenig_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>F&uuml;r Martin Werding gibt es kein Vertun: <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/wirtschaft\/macht-forderungen-deutlich-schafft-die-rente-mit-63-ab-wirtschaftsweise-92834922.html\">&bdquo;Schafft die Rente mit 63 ab!&ldquo;<\/a>. Der Mann ist sogenannter Rentenexperte und steht als eines f&uuml;nf Mitgliedern des &bdquo;Sachverst&auml;ndigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung&ldquo; im Ruf, ein &bdquo;Wirtschaftsweiser&ldquo; zu sein. Von einem Weisen erwartet man Scharfsinn, Verst&auml;ndigkeit und Besonnenheit im Bem&uuml;hen, einen Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen herbeizuf&uuml;hren. Das ist nicht Werdings Ding. Er spaltet viel lieber, polarisiert, verk&uuml;rzt und bedient vor allem die Interessen derer, die schon viel haben und noch mehr haben wollen. Dass dabei f&uuml;r andere weniger bleibt und bleiben muss, geh&ouml;rt f&uuml;r ihn ganz nat&uuml;rlich dazu. Und irgendwie ist das ja auch eine Form des Ausgleichs.<\/p><p>Damit das hinhaut, haut Werding argumentativ schon mal daneben. Die &bdquo;Rente mit 63&ldquo;, die er abgeschafft sehen will, ist jetzt schon Schnee von gestern. Die Zuschreibung traf nach der Einf&uuml;hrung der Regelung 2014 lediglich f&uuml;r zwei Jahrg&auml;nge zu, die von <a href=\"https:\/\/daserste.ndr.de\/panorama\/archiv\/2014\/Rente-mit-63-Zu-frueh-gefreut,rente412.html\">1952 und 1953<\/a>. Nur sie konnten sich, sofern sie 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt hatten, mit 63 Jahren ohne Abschl&auml;ge vorzeitig aufs Altenteil zur&uuml;ckziehen. F&uuml;r nachfolgende Jahrg&auml;nge stieg und steigt die Altersgrenze sukzessive an. Inzwischen liegt diese bei 64 Jahren und vier Monaten f&uuml;r Menschen, die vor 1960 zur Welt kamen. J&uuml;ngere m&uuml;ssen noch l&auml;nger warten beziehungsweise arbeiten. F&uuml;r 1964 und alle sp&auml;ter Geborenen gibt es die abschlagsfreie Rente fr&uuml;hestens mit 65 Jahren, womit sie blo&szlig; zwei Jahre fr&uuml;her ohne Abz&uuml;ge in den Ruhestand gehen k&ouml;nnen als der gro&szlig;e Rest. Bis 2031 wird die Regelaltersrente ohne Abschl&auml;ge bekanntlich schrittweise auf 67 Jahre angehoben.<\/p><p><strong>Die n&auml;chste Kampagne <\/strong><\/p><p>Daraus folgt: Eigentlich ist die &bdquo;Rente mit 63&ldquo; eine Mogelpackung und eigentlich schafft sie sich von selbst ab. Das wei&szlig; auch der weise Herr Werding, nimmt es aber nicht so genau. Er hat ein h&ouml;heres Ziel im Blick, zumindest gibt er das vor: Die vom sogenannten Fachkr&auml;ftemangel gebeutelte Wirtschaft mit r&uuml;stigen Arbeitskr&auml;ften jenseits der 64 &ndash; und am besten mit noch viel &auml;lteren &ndash; zu versorgen. Daf&uuml;r seien &bdquo;Fehlanreize f&uuml;r Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, fr&uuml;hzeitig aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, zu beseitigen&ldquo;, verlangt er und liefert gleich das passende Stigma f&uuml;r die Betroffenen mit. Denn &bdquo;in der Regel&ldquo; w&auml;ren diese &bdquo;&uuml;berdurchschnittlich gesund&ldquo;. Das kn&uuml;pft an eine fr&uuml;here &Auml;u&szlig;erung von Baden-W&uuml;rttembergs Ministerpr&auml;sident Winfried Kretschmann (Gr&uuml;nen-Partei) an. Der hatte schon im September gesagt: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/arbeitsmarkt\/mehr-aeltere-im-job-100.html\">&bdquo;Wir k&ouml;nnen es uns nicht leisten, dass haupts&auml;chlich eigentlich gesunde und gut verdienende Menschen mit 63 in Rente gehen.&ldquo;<\/a> Diejenigen also, die das Angebot in Anspruch nehmen, sind vor allem Dr&uuml;ckeberger, die sich auf Staatskosten einen sch&ouml;nen Lenz machen. So werden S&uuml;ndenb&ouml;cke geschaffen.<\/p><p>Die Attacke gegen die &bdquo;Rente mit 63&ldquo;, die es gar nicht gibt, hat l&auml;ngst kampagnenartige Z&uuml;ge angenommen. Ihre Entsorgung fordern neben Wirtschaftsverb&auml;nden und neoliberalen &Ouml;konomen auch die Unionsparteien, die Gr&uuml;nen und selbstverst&auml;ndlich die FDP. F&uuml;r deren Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner ist das Instrument eine &bdquo;Stilllegungspr&auml;mie f&uuml;r qualifizierte Besch&auml;ftigte&ldquo;. Auff&auml;llig ist der Eifer, mit dem sich dieser Tage die Verlagsgruppe Ippen.Media auf das Thema einschie&szlig;t. Zum f&uuml;nftgr&ouml;&szlig;ten deutschen Zeitungsverbund z&auml;hlen unter anderem die <em>Frankfurter Rundschau<\/em>,<em> <\/em>der M&uuml;nchner <em>Merkur <\/em>und die M&uuml;nchner <em>TZ<\/em>. Via Ippen hat der &bdquo;Wirtschaftsweise&ldquo; Werding seine Botschaft unters Volk gebracht und prompt gab auch der in Rentenfragen unvermeidliche Bernd Raffelh&uuml;schen seinen Senf dazu. Er firmiert als Finanzprofessor und Generationenforscher an der Universit&auml;t Freiburg, ist &bdquo;nebenbei&ldquo; Botschafter der marktradikalen &bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo; (INSM) und lobbyiert f&uuml;r die private Versicherungswirtschaft. Eine vorzeitige Rente ohne Abschl&auml;ge sei eine &bdquo;eklatante Ungerechtigkeit (&hellip;), eine Subvention eines vorgezogenen Ruhestands durch alle anderen Beitragszahler&ldquo;, zitierte ihn am Montag die in Niedersachsen erscheinende <em>Kreiszeitung. <\/em>Das Blatt geh&ouml;rt zu Ippen.Media.<em> <\/em><\/p><p><strong>Quietschfidele Faulenzer <\/strong><\/p><p>Immerhin l&auml;sst Raffelh&uuml;schen durchblicken, worum es wirklich geht. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) arbeitet gerade an seiner &bdquo;gro&szlig;en Rentenreform&ldquo;, die er in wenigen Wochen vorlegen will. Kernpunkte des Pakets sind einmal mehr &bdquo;Beitragsstabilit&auml;t&ldquo; und &bdquo;Sicherung des Rentenniveaus&ldquo;. Bei einer &auml;lter werdenden Bev&ouml;lkerung und grassierender prek&auml;rer Besch&auml;ftigung (Billigl&ouml;hne, Leiharbeit, l&uuml;ckenhafte Erwerbsbiografien) ist die sogenannte doppelte Haltelinie aber schwerlich einzuhalten und selbst der k&uuml;mmerliche Rentensatz von 48 Prozent des Durschnittsverdiensts eine Herausforderung. Freilich k&ouml;nnte Heil mit echten Reformen leicht f&uuml;r Besserung sorgen, indem er etwa die Einnahmebasis durch Einf&uuml;hrung einer B&uuml;rgerversicherung, in die alle Berufsgruppen einzahlen, oder durch Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze st&auml;rkt. Aber eine attraktive gesetzliche Rente ist nicht gewollt, weil das der privaten Versicherungswirtschaft die Tour vermasseln w&uuml;rde.<\/p><p>Ergo muss aus den einfachen Rentnern noch das Letzte herausgepresst werden oder anders: Das St&uuml;ck vom Rentenkuchen wird f&uuml;r eine gr&ouml;&szlig;er werdende Zahl an Rentenanw&auml;rtern noch kleiner. Wie das geht? Man behauptet, die Menschen k&ouml;nnten l&auml;nger arbeiten und bestraft sie mit K&uuml;rzungen, wenn sie eben das nicht k&ouml;nnen oder wollen. Propagandistisch unterf&uuml;ttert wird dies mit den beiden Haudraufthesen von Fachkr&auml;ftenotstand und den quietschfidelen Faulenzern. Werding markiert Professor Gnadenlos. Er pl&auml;diert daf&uuml;r, Fr&uuml;hrentner, die auf Basis der &bdquo;Rente mit 63&ldquo; aus dem Beruf aussteigen, sogar mit h&ouml;heren Abschl&auml;gen zu belegen und ihre Renten an die &bdquo;l&auml;ngere Laufzeit&ldquo; anzupassen &bdquo;wie bei allen anderen Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen&ldquo;. &Uuml;berhaupt seien die Abstriche von den vollen Anspr&uuml;chen bei fr&uuml;herem Ausscheiden in Deutschland &bdquo;generell zu niedrig&ldquo;, meint er. Passend dazu erheben sich aktuell wieder Stimmen, die ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren fordern oder, wie Veronika Grimm &ndash; noch so eine &bdquo;Wirtschaftsweise&ldquo; &ndash;, dessen Kopplung an die Lebenserwartung, was auch CDU-Chef Friedrich Merz guthei&szlig;t. Kommt es so, w&auml;re das die n&auml;chste Rentenk&uuml;rzung durch die Hintert&uuml;r.<\/p><p><strong>Krankmachende Jobs <\/strong><\/p><p>Die vielen Manipulationen seit Beginn der schrittweisen Rentenprivatisierung haben die NachDenkSeiten in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=91542\">etlichen Beitr&auml;gen<\/a> thematisiert. Dabei zeigte sich immer auch, dass sich Demagogen nicht an Widerspr&uuml;chen st&ouml;ren. Tats&auml;chlich haben laut Deutscher Rentenversicherung (DRV) 2023 etwa 300.000 Menschen vom Instrument der abschlagsfreien Fr&uuml;hrente Gebrauch gemacht, mehr als jemals zuvor. Unter &bdquo;Rente mit 63&ldquo; werden aber nicht nur sie erfasst. Unterschieden wird zwischen denen, die 45 Jahre sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, und jenen mit einer &bdquo;Mindestversicherungszeit&ldquo; von 35 Jahren. Erstere laufen unter <a href=\"https:\/\/www.deutsche-rentenversicherung.de\/DRV\/DE\/Ueber-uns-und-Presse\/Presse\/Meldungen\/2023\/230814-rente-63-altersrenten.html\">&bdquo;besonders langj&auml;hrige Versicherte&ldquo;<\/a>, Zweitere unter &bdquo;langj&auml;hrige Versicherte&ldquo;, wobei f&uuml;r diese keine Abschlagsfreiheit gilt. F&uuml;r jeden Monat vor Erreichen des regul&auml;ren Rentenalters werden 0,3 Prozent abgezogen, maximal 14,4 Prozent, bezogen auf das Jahr 2031, in dem die Rente mit 67 zu voller Wirkung gelangt. Derzeit betragen die Abstriche schon bis zu 10,6 Prozent.<\/p><p>Die aktuellen Angriffe der Damen und Herren Rentenk&uuml;rzer d&uuml;rften sich insbesondere gegen diese Gruppe richten, die 2022 knapp 190.000 Personen z&auml;hlte. Hier schwingt die Unterstellung mit, bei nur 35 Beitragsjahren m&uuml;ssten die Betroffenen ja noch voll im Saft stehen. Dabei weisen immer mehr Menschen br&uuml;chige Erwerbsbiografien auf, unterbrochen von Zeiten der Arbeitslosigkeit und Phasen in Billigjobs ohne Sozialversicherungspflicht. Auch deshalb ist zu fragen, wer sich besagte K&uuml;rzungen der ohnehin f&uuml;r gew&ouml;hnlich sp&auml;rlichen Versorgung im Alter freiwillig antut. &bdquo;Ohne Druck und Not wird das kaum jemand hinnehmen&ldquo;, glaubt jedenfalls Reiner Heyse von der Initiative <a href=\"https:\/\/renten-zukunft.de\/\">&bdquo;Rentenzukunft&ldquo;<\/a>, einem Koordinierungskreis gewerkschaftlicher Seniorenpolitiker. Gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten verwies er auf die wachsende Zahl an &uuml;berfordernden Jobs, die die &bdquo;Menschen physisch und mental kaputtmachen und fr&uuml;hzeitig aus dem Berufsleben vergraulen&ldquo;. So m&uuml;ssten mittlerweile &bdquo;&uuml;ber 50 Prozent der Erwerbsminderungsrentner mit psychischen Erkrankungen in Rente gehen&ldquo;.<\/p><p><strong>Altersarbeit gegen Altersarmut <\/strong><\/p><p>Heyse w&uuml;sste gerne, woher Politiker und ihre Experten das Wissen nehmen, dass &uuml;berwiegend Gesunde und Gutverdiener in Fr&uuml;hrente gehen. &bdquo;Wer legt fest und &uuml;berpr&uuml;ft, wer &uuml;berdurchschnittlich gesund ist? Fr&uuml;her hat man auf Pferdem&auml;rkten den Gesundheitszustand der Tiere durch Gebissinspektionen taxiert. Wird es eine &auml;hnliche Fleischbeschau demn&auml;chst f&uuml;r abh&auml;ngig Besch&auml;ftigte geben?&ldquo; Apropos Gutverdiener: Auf Anfrage der Linken im Bundestag r&auml;umte die Ampelregierung Anfang des Jahres unter Berufung auf das Statistische Bundesamt ein, dass &uuml;ber 42 Prozent der Rentner mit einem <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/deutschland-welt\/armutszeugnis-fast-jede-zweite-rente-unter-1-250-euro,U1z5T62\">Nettoeinkommen von 1.250 Euro und weniger<\/a> auskommen m&uuml;ssen, darunter 5,2 Millionen Frauen. Wie Die Linke schon Anfang 2022 beim Bundesarbeitsministerium (BMAS) in Erfahrung gebracht hatte, wird ein Drittel aller Besch&auml;ftigten in Deutschland im Alter mit <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/417852.altersarmut-schuften-f%C3%BCr-die-kleckerrente.html?sstr=rente\">netto 1.160 Euro<\/a> abgespeist. Heyse bringt die Entwicklung und die Art, wie Fakten verschwiegen und verdreht werden, in Rage. &bdquo;Es ist emp&ouml;rend, wie sich Politiker, die Porsche fahren und Privatjets fliegen, und h&ouml;chstbezahlte Professoren anma&szlig;en, die Sozialpolitik zu entern. Die harte Lebensrealit&auml;t von vielen Millionen geht sie nichts an &ndash; sie sind allerbestens versorgt.&ldquo;<\/p><p>Zur harten Realit&auml;t von Millionen geh&ouml;rt es insbesondere, dass sie ihre Kleckerrente durch Erwerbsarbeit aufbessern oder den Renteneintritt aufschieben, wodurch ihr &bdquo;wohlverdienter Lebensabend&ldquo; immer k&uuml;rzer ger&auml;t. Der Linke-Rentenexperte Matthias Birkwald lie&szlig; sich dazu Daten von der Regierung vorlegen. Demnach hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig und geringf&uuml;gig Besch&auml;ftigten im Alter zwischen 63 und 67 Jahren von <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/arbeitsmarkt\/mehr-aeltere-im-job-100.html\">1,31 Millionen im Jahr 2020 auf 1,67 Millionen im Vorjahr zugelegt<\/a>, was einem Aufwuchs von &uuml;ber 25 Prozent entspricht. Die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-J&auml;hrigen stieg zwischen 2012 und 2022 von 47 Prozent auf 63 Prozent. Selbst jenseits des regul&auml;ren Renteneintrittsalters wird immer mehr gejobbt. 2022 waren unter den 65- bis 69-J&auml;hrigen 19 Prozent noch in Arbeit, zehn Jahre davor, 2012, waren es nur elf Prozent.<\/p><p><strong>Riester-Gl&uuml;ck mit 99 <\/strong><\/p><p>Damit f&auml;llt nat&uuml;rlich die Erz&auml;hlung von den arbeitsscheuen Senioren, die den Fachkr&auml;ftemangel befeuern, in sich zusammen. Im Gegenteil sind es die Alten, die den Laden irgendwie am Laufen halten, und das bestimmt nicht immer freiwillig, weil sie andernfalls in bitterste Armut verfielen. &bdquo;Dass die Zahlen &uuml;ber die steigende Besch&auml;ftigung &auml;lterer Menschen in der &ouml;ffentlichen Debatte au&szlig;envorgelassen werden, ist in hohem Ma&szlig;e unseri&ouml;s&ldquo;, monierte Birkwald gegen&uuml;ber den NachDenkSeiten. &bdquo;Wir Linken wollen aber, dass &auml;ltere Menschen nicht gezwungen sind, aufgrund ihrer niedrigen Rente weiter arbeiten zu m&uuml;ssen.&ldquo; Aber Leute wie Werding, Raffelh&uuml;schen und Lindner wollen genau das &ndash; noch mehr in Arbeit zwingende Armut. Und noch mehr &bdquo;Dumme&ldquo;, die wegen ihrer Zukunfts&auml;ngste in den F&auml;ngen der Privatversicherer landen, &bdquo;versorgt&ldquo; mit Riester- und R&uuml;rup-Vertr&auml;gen, deren F&ouml;rderung sich der deutsche Staat bisher <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=101545\">Dutzende Milliarden Euro<\/a> hat kosten lassen.<\/p><p>Wof&uuml;r? Die B&uuml;rgerbewegung Finanzwende hat 111 solcher Produkte auf ihre Renditeerwartung gepr&uuml;ft. Ergebnis: &bdquo;Fast keines der untersuchten Angebote schaffte es, einen kleinen Inflationsausgleich von zwei Prozent auf die eingezahlten Betr&auml;ge zu erwirtschaften.&ldquo; Typisch w&auml;ren Ertr&auml;ge von <a href=\"https:\/\/www.finanzwende.de\/ueber-uns\/aktuelles\/neue-auswertung-riester-und-ruerup-renten\">&bdquo;0,8 beziehungsweise 1,0 Prozent&ldquo;<\/a>. Wolle man hingegen das eigene Geld samt zwei Prozent Zins wieder herausbekommen, m&uuml;sse man &bdquo;im Marktschnitt ein Alter von 99 Jahren (Riester) oder gar 100 Jahren (R&uuml;rup) erreichen&ldquo;. So viel Geduld muss sein &ndash; so wenig Rente sowieso.<\/p><p><small>Titelbild: natasaelena \/ Shutterstock<\/small><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/94fe555f26b046a6937ac03c5baf8823\" alt=\"\" title=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die &bdquo;Rente mit 63&ldquo; gibt es gar nicht mehr und trotzdem soll sie weg. Neoliberalen &Ouml;konomen, Wirtschaftsverb&auml;nden, Union, FDP und Gr&uuml;nen missf&auml;llt es, wenn Menschen nicht bis zum Umfallen schuften und verkaufen ihre Attacke mit &bdquo;Fachkr&auml;ftemangel&ldquo;. 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