{"id":111474,"date":"2024-02-23T11:00:37","date_gmt":"2024-02-23T10:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111474"},"modified":"2024-02-23T13:00:46","modified_gmt":"2024-02-23T12:00:46","slug":"waffenstillstand-in-gaza-so-bald-wie-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111474","title":{"rendered":"Waffenstillstand in Gaza \u2013 \u201eSo bald wie m\u00f6glich\u201d"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie die US-Administration im UN-Sicherheitsrat mit Wortspielen Israels Morden im Gazastreifen deckt.<\/strong> Zum achten Mal hat der UN-Sicherheitsrat am Dienstag (20.2.2024, NY Ortszeit) &uuml;ber eine Resolution zum Gaza-Krieg abgestimmt. Der Entwurf war von Algerien bereits am 31. Januar vorgelegt worden und bezog sich konkret auf die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes vom 26. Januar. Zentrale Forderung des <a href=\"https:\/\/press.un.org\/en\/2024\/sc15595.doc.htm\">Textes<\/a> war ein &bdquo;sofortiger Waffenstillstand in Gaza&ldquo;. Nur wenige Tage, nachdem der Textentwurf von Algerien an die Sicherheitsratsmitglieder verteilt worden war, erkl&auml;rte die US-Administration, sie werde ihr Veto gegen die Resolution einlegen. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2546\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-111474-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240223_Waffenstillstand_in_Gaza_So_bald_wie_moeglich_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240223_Waffenstillstand_in_Gaza_So_bald_wie_moeglich_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240223_Waffenstillstand_in_Gaza_So_bald_wie_moeglich_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240223_Waffenstillstand_in_Gaza_So_bald_wie_moeglich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=111474-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240223_Waffenstillstand_in_Gaza_So_bald_wie_moeglich_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240223_Waffenstillstand_in_Gaza_So_bald_wie_moeglich_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Die Resolution erhielt am Dienstag die Zustimmung von 13 der 15 Mitgliedsstaaten im UN-Sicherheitsrat. Gro&szlig;britannien enthielt sich, die USA legten &ndash; wie angek&uuml;ndigt &ndash; ihr Veto ein. Die US-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield nannte die Forderung nach einem Waffenstillstand einen &bdquo;frommen Wunsch und unverantwortlich&ldquo;. Die Resolution gef&auml;hrde &bdquo;sensible Verhandlungen&ldquo; &uuml;ber die Freilassung von Geiseln im Gaza-Streifen. Man werde mit der Resolution keinen &bdquo;tragf&auml;higen Frieden erreichen, sondern m&ouml;glicherweise das Gegenteil davon&ldquo;.<\/p><p>Der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/israel-hamas-war-us-vetoes-gaza-cease-fire-vote-at-un\/live-68304024\">bezeichnete<\/a> die Resolution als &bdquo;fehlerhaft&ldquo; und keine &bdquo;Zauberformel (zur L&ouml;sung, kl) aller Probleme der Region&ldquo;. Demagogisch fragte er, ob ein Waffenstillstand die Geiseln heimbringe oder &bdquo;die Hamas ausl&ouml;scht&ldquo;? Ein Waffenstillstand erreiche nur ein Ziel, so der Botschafter: &bdquo;Das &Uuml;berleben der Hamas&ldquo;. F&uuml;r Israelis und die Menschen in Gaza bedeute ein Waffenstillstand die &bdquo;Todesstrafe&ldquo;.<\/p><p>Von den insgesamt acht Resolutionsentw&uuml;rfen, die seit Beginn des Krieges am 7. Oktober 2023 im Sicherheitsrat zur Abstimmung standen, wurden lediglich zwei Resolutionen angenommen. Keine der beiden Resolutionen forderte einen sofortigen Waffenstillstand. Das brachte jedes Mal Russland dazu, sich der Stimme zu enthalten. Die USA &ndash; die jeweils die Texte durch Verhandlungen verw&auml;ssert hatte &ndash; enthielten sich, weil die Texte ihnen nicht ausreichend die Hamas verurteilten.<\/p><p><strong>UNSR-Resolution 2712<\/strong><\/p><p>Am 15. November 2023 wurde die UNSR-Resolution <a href=\"http:\/\/unscr.com\/en\/resolutions\/doc\/2712\">2712<\/a> verabschiedet, die von Malta eingebracht worden war. Sie forderte alle Kriegsparteien auf, das internationale Recht und das internationale humanit&auml;re Recht einzuhalten und die Zivilbev&ouml;lkerung, besonders Kinder, zu sch&uuml;tzen. Ausgedehnte &bdquo;humanit&auml;re (Kampf)Pausen&ldquo; sollten eingehalten und Korridore im ganzen Gazastreifen eingerichtet werden, um die Menschen mit humanit&auml;rer Hilfe zu versorgen. Umgesetzt wurde die Resolution nicht.<\/p><p>Am 24.11.2023 allerdings begann ein von Katar, &Auml;gypten mit Israel und den USA ausgehandelter viert&auml;giger Waffenstillstand, um Geiseln gegen die Freilassung von pal&auml;stinensischen Gefangenen auszutauschen. Die Vereinbarung wurde zwei Mal um einen Tag verl&auml;ngert und f&uuml;hrte zur Freilassung von 110 israelischen, thail&auml;ndischen und philippinischen Geiseln nach Israel und von 240 pal&auml;stinensischen Gefangenen. Gleichzeitig konnten Lastwagenkonvois mit Wasser, Medikamenten, Benzin, Nahrungsmitteln und anderen Hilfsg&uuml;tern in den Gazastreifen fahren. Am 1. Dezember wurden die K&auml;mpfe wieder aufgenommen. Hussein Ibish, Analyst am Institut der Arabischen Golfstaaten (Washington), <a href=\"https:\/\/www.france24.com\/en\/middle-east\/20231201-israel-s-new-gaza-offensive-the-goal-is-to-destroy-hamas-not-to-save-the-hostages\">kommentierte<\/a>, dass es Israel in dem Krieg nicht um die Befreiung der Geiseln, sondern um die Zerschlagung der Hamas gehe.<\/p><p><strong>UNSR-Resolution 2720<\/strong><\/p><p>Am 22. Dezember verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2023\/12\/1145022\">UNSR-Resolution 2720<\/a>. Der Text war auf Initiative arabischer Staaten von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) eingereicht worden und forderte erneut die Einhaltung des internationalen und humanit&auml;ren Rechts durch die Kriegsparteien. Humanit&auml;re Hilfe m&uuml;sse ungehindert an die Bev&ouml;lkerung im ganzen Gazastreifen verteilt werden. Der UN-Generalsekret&auml;r solle einen Koordinator f&uuml;r Humanit&auml;re Hilfe und Wiederaufbau ernennen. Das Amt &uuml;bernahm die Niederl&auml;nderin Sigrid Kaag.<\/p><p>Ansonsten wurde die Resolution nicht umgesetzt. Im Gegenteil versch&auml;rfte Israel seine Angriffe auf die Zivilbev&ouml;lkerung im Gaza-Streifen und weitete sie aus. Menschen, die bereits geflohen waren, wurden erneut aufgefordert zu fliehen, um den Panzern und Truppen der israelischen Invasionstruppen zu entkommen.<\/p><p>Am Morgen des 20. Februar, dem Tag, an dem Algerien erneut den Versuch unternahm, einen Resolutionsentwurf mit dem Ziel eines Waffenstillstandes zur Abstimmung zu stellen, bekr&auml;ftigte die USA ihre Absicht, ein Veto einzulegen, und pr&auml;sentierte einen eigenen Entwurf f&uuml;r eine Resolution.<\/p><p>Der Resolutionstext Algeriens forderte einen sofortigen humanit&auml;ren Waffenstillstand und verurteilte alle Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur. Jede Zwangsvertreibung der pal&auml;stinensischen Zivilbev&ouml;lkerung wird verurteilt, die Einhaltung des internationalen und humanit&auml;ren Rechts wird eingefordert. Humanit&auml;re Hilfe m&uuml;sse zugelassen werden, die vom Internationalen Gerichtshof verlangten vorl&auml;ufigen Ma&szlig;nahmen, die Israel einhalten m&uuml;sse, wurden bekr&auml;ftigt. Alle vom UN-Sicherheitsrat beschlossenen Ma&szlig;nahmen m&uuml;ssten sofort umgesetzt werden, hie&szlig; es in dem Resolutionstext, der zur Abstimmung stand &ndash; und trotz mehrheitlicher Zustimmung &ndash; scheiterte.<\/p><p><strong>Mehrdeutige und undurchsichtige Wortspiele<\/strong><\/p><p>Der <a href=\"https:\/\/www.securitycouncilreport.org\/whatsinblue\/2024\/02\/the-middle-east-including-the-palestinian-question-vote-on-a-draft-resolution-3.php\">Gegenentwurf der USA<\/a> zeichnet sich wie gewohnt durch Vieldeutigkeit aus. Danach wird ein &bdquo;zeitweiliger Waffenstillstand in Gaza so bald wie m&ouml;glich auf der Grundlage&ldquo; gefordert, &bdquo;dass alle Geiseln freigelassen&ldquo; werden m&uuml;ssen. Neu sei, dass die USA von einem &bdquo;Waffenstillstand&ldquo; spreche, hei&szlig;t es in einer Information des UN-Sicherheitsrates, die im Vorfeld der Abstimmungen an die Medien verbreitet wurde. Nicht neu ist allerdings, dass die USA keine &bdquo;sofortigen&ldquo; Ma&szlig;nahmen fordern und damit Israel Zeit verschaffen, seinen Vernichtungsfeldzug in Gaza fortzusetzen.<\/p><p>Israel kann sich keinen besseren Freund und Unterst&uuml;tzer als die USA w&uuml;nschen. Seit Beginn des Krieges am 7. Oktober 2023 versorgen die USA Israel mit Waffen und Munition und im UN-Sicherheitsrat setzten sie ihren politischen Druck zum Schutz Israels ein. Gegen drei UNSR-Resolutionen (von acht) legten die USA ihr Veto ein. Alle anderen Texte wurden in Verhandlungen &uuml;ber die Sprachregelung verw&auml;ssert und Abstimmungen wurden hinausgez&ouml;gert. Mit mehrdeutigen und undurchsichtigen Wortspielen werden eindeutige Textpassagen grotesk ver&auml;ndert, wie das folgende Beispiel zeigt, das auch unter UN-Diplomaten auffiel.<\/p><p>Die Autoren der urspr&uuml;nglichen UNSR-Resolution 2720\/Dezember 2023 wollten bei den Verhandlungen &uuml;ber die Sprache der Resolution erreichen, dass die USA nicht ihr Veto einlegen, sondern sich lediglich enthalten solle. Um den Begriff &bdquo;Waffenstillstand&ldquo; zu vermeiden, gegen den die USA ihr Veto angek&uuml;ndigt hatte, wurde aus &bdquo;Waffenstillstand&ldquo; die Forderung nach einer &bdquo;dringenden und dauerhaften Einstellung der Feindseligkeiten&ldquo;. Die US-Unterh&auml;ndler waren nicht zufrieden und &auml;nderten die &Auml;nderung in &bdquo;dringende Schritte, um Bedingungen f&uuml;r eine dauerhafte Einstellung von Feindseligkeiten zu schaffen&ldquo;.<\/p><p>Die Wortklaubereien und die Hinhaltetaktik der USA im UN-Sicherheitsrat sind hinreichend bekannt und sorgen daf&uuml;r, dass das Vertrauen in die Biden-Administration immer weiter sinkt. Aufrufe an Israel, keine Milit&auml;roffensive gegen Rafah zu starten, ohne einen &bdquo;glaubw&uuml;rdigen Plan&ldquo; f&uuml;r die Sicherheit der Zivilbev&ouml;lkerung vorzulegen, sind nichts wert, wenn Washington weitere Waffen und Munition an den Kriegstreiber <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2024\/2\/17\/us-to-send-weapons-to-israel-amid-invasion-threat-in-gazas-rafah-report\">liefert<\/a>. Nach Angaben des <em>Wall Street Journal<\/em> sollen MK-82-Bomben und KMU-572 (Gemeinsame direkte Angriffsmunition, JDAM) <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/us-plans-send-weapons-israel-even-biden-pushes-ceasefire-wsj-reports-2024-02-17\/\">geliefert werden<\/a>, die (einfache) Bomben in pr&auml;zisionsgesteuerte Bomben aufr&uuml;sten. Auch FMU-139-Bombenz&uuml;nder geh&ouml;ren demnach zu der Lieferung im Wert von &bdquo;Dutzenden Millionen US-Dollar&ldquo;.<\/p><p>Als der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, auf einer Pressekonferenz am 12. Februar gefragt wurde, ob US-Pr&auml;sident Biden die milit&auml;rische Unterst&uuml;tzung an Israel im Falle einer Offensive auf die Stadt Rafah im S&uuml;den des Gazastreifens einstellen werde, <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/briefing-room\/press-briefings\/2024\/02\/12\/press-briefing-by-press-secretary-karine-jean-pierre-and-white-house-national-security-communications-advisor-john-kirby\/\">antwortete<\/a> Kirby: &bdquo;Wir werden Israel weiter unterst&uuml;tzen. Sie haben das Recht, sich gegen die Hamas zu verteidigen. Und wir werden auch weiterhin daf&uuml;r sorgen, dass sie &uuml;ber die entsprechenden Mittel und F&auml;higkeiten verf&uuml;gen, um dies zu tun.&ldquo;<\/p><p>Israel kann sich auf die USA, seinen besten Freund, Finanzier und Waffenlieferanten, verlassen. Nicht nur, dass die USA Waffen und Munition liefern, die seit mehr als 4 Monaten t&auml;glich oft mehr als 100 Zivilisten im Gazastreifen t&ouml;ten, die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Die Schulen und Krankenh&auml;user zerst&ouml;ren, Ambulanzwagen bombardieren, Journalisten, Lehrer, &Auml;rzte und Rettungskr&auml;fte t&ouml;ten.<\/p><p>Auch andere Verb&uuml;ndete wie Deutschland und Gro&szlig;britannien, Frankreich, Spanien und Italien liefern oder lieferten Waffen und Munition an Israel. Nach Angaben des Internationalen Friedensforschungsinstituts in Stockholm (SIPRI) erhielt Israel 70,2 Prozent seiner Waffen zwischen 2011 und 2020 aus den USA. An zweiter Stelle der Waffenlieferanten Israels lag in dieser Zeit Deutschland mit 23,9 Prozent und Italien mit 5,9 Prozent.<\/p><p>In Italien, Spanien und Gro&szlig;britannien wurden seit Oktober 2023 Waffenlieferungen an Israel ganz oder teilweise aufgrund von &ouml;ffentlichen Protesten, juristischen Klagen und <a href=\"https:\/\/caat.org.uk\/news\/statement-on-uk-arms-exports-to-israel\/\">politischen Initiativen eingestellt<\/a>. So stellte das Transportunternehmen K&uuml;hne &amp; Nagel Anfang Februar 2024 offiziell seine Zusammenarbeit mit dem israelischen R&uuml;stungsunternehmen Elbit Systems ein, das &uuml;ber Produktionslizenzen in Gro&szlig;britannien verf&uuml;gt und u.a. in Gro&szlig;britannien hergestellte Raketen nach Israel exportiert. Aktivisten der britischen Organisation &bdquo;Palestine Action&ldquo; hatten die B&uuml;ros der Transportfirma mit roter Farbe bespr&uuml;ht und die Firma aufgefordert, die Zusammenarbeit mit Elbit Systems einzustellen: &bdquo;Cut ties with Elbit&ldquo;.<\/p><p>Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatten die pal&auml;stinensische Menschenrechtsorganisation Al Haq und die britische Organisation Global Legal Action Network (GLAN) vor dem obersten britischen Gericht eine Klage gegen die britische Regierung eingereicht. Gro&szlig;britannien mi&szlig;achte die Forderungen, Waffenlieferungen an Israel einzustellen, hie&szlig; es in einer <a href=\"https:\/\/www.palestinechronicle.com\/germany-uk-provide-significant-supplies-of-arms-to-israel-report\/\">Erkl&auml;rung<\/a>. Sie verstie&szlig;en gegen das internationale Recht. &bdquo;Exportlizenzen f&uuml;r britische Waffen, die dazu beitragen, dass Israel internationales Recht bricht, m&uuml;ssen sofort ausgesetzt werden.&ldquo;<\/p><p>In Deutschland geht der R&uuml;stungsexport an Israel derweil durch die Decke. Das deutsche Wirtschaftsministerium erh&ouml;hte im Oktober 2023 deutsche Waffenlieferungen an Israel im Wert von 326,5 Millionen Euro um das Zehnfache gegen&uuml;ber 2022. Dabei wurden schon in den ersten Wochen nach Kriegsbeginn am 7. Oktober letzten Jahres 185 zus&auml;tzliche Exportlizenzen f&uuml;r Waffen und Munition an Israel im Wirtschaftsministerium durchgewunken. Der Spiegel <a href=\"https:\/\/www.palestinechronicle.com\/germany-uk-provide-significant-supplies-of-arms-to-israel-report\/\">berichtete<\/a> im Januar 2024 von einer m&ouml;glichen Lieferung von Panzermunition f&uuml;r israelische Panzer, die aktiv an der Zerst&ouml;rung des Gaza-Streifens beteiligt sind. Israel soll dem Bericht zufolge bereits im November die Lieferung der Panzermunition in Deutschland bestellt haben.<\/p><p><strong>Vernichtung und Entmenschlichung<\/strong><\/p><p>Die boomenden R&uuml;stungsexporte an Israel sind &ndash; ebenso wie die Veto- und Verz&ouml;gerungstaktik der USA im UN-Sicherheitsrat &ndash; mitverantwortlich f&uuml;r die Toten, die das UN-B&uuml;ro f&uuml;r die Koordination von Nothilfe (OCHA) am 19. Februar mit mehr als 29.000 angibt. Ganze Wohnviertel sind in Schutt und Asche gebombt, wie Fotos und Filmaufnahmen zeigen. Das Weltern&auml;hrungsprogramm (WFP) <a href=\"https:\/\/www.wfp.org\/news\/un-food-agency-pauses-deliveries-north-gaza\">stellte<\/a> seine Hilfslieferungen f&uuml;r den Norden von Gaza ein, weil eine sichere Verteilung dort nicht gew&auml;hrleistet sei.<\/p><p>Die Zahl der Inlandsfl&uuml;chtlinge im Gazastreifen wurde (17. Februar) mit 1,7 Millionen Menschen angegeben, die sich zwischen Khan Younis und Rafah aufhielten. Erneut warnten UN-Vertreter vor einer israelischen Offensive gegen Rafah, die von Mitgliedern des Netanyahu-Kriegskabinetts f&uuml;r den Beginn des Fastenmonats Ramadan (ca. 8. M&auml;rz) angek&uuml;ndigt wurde.<\/p><p>Der UN-Diplomat Martin Griffiths (OCHA) <a href=\"https:\/\/www.unocha.org\/news\/un-relief-chief-warns-military-operations-rafah-could-lead-slaughter-gaza-and-put-fragile\">wies darauf hin<\/a>, dass mehr als die H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung von Gaza &bdquo;in Rafah zusammengedr&auml;ngt&ldquo; sei und &bdquo;dem Tod ins Gesicht starre&ldquo;. Die Menschen h&auml;tten kaum zu essen, so gut wie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung und &bdquo;nirgends gibt es einen sicheren Platz, wo sie hingehen k&ouml;nnen&ldquo;. Sollte es &bdquo;milit&auml;rische Operationen in Rafah&ldquo; geben, werde es zu einem Gemetzel kommen&ldquo;, so Griffiths. Damit werde der humanit&auml;ren Hilfe &bdquo;der Todessto&szlig; versetzt&ldquo;.<\/p><p>In arabischen internationalen Medien ist viel &uuml;ber das menschenverachtende Vorgehen der israelischen Armee gegen die Pal&auml;stinenser <a href=\"https:\/\/euromedmonitor.org\/en\/article\/6169\/Statement-of-UN-experts-on-Israel%E2%80%99s-violations-against-Palestinian-women,-girls-is-welcomed-by-Euro-Med-Monitor\">zu erfahren<\/a>. Die sadistische Art und Brutalit&auml;t der israelischen Streitkr&auml;fte wird von den Betroffenen berichtet, jeder einzelne Fall beschreibt die H&ouml;lle.<\/p><p>Der Leiter eines Krankenhauses, der sich geweigert hatte, die Klinik und seine Patienten zu verlassen, wurde unter israelischem Feuer aus dem Geb&auml;ude gezwungen. Vor dem Haupteingang waren Krankenhauspersonal, Patienten, Vertriebene aufgereiht, Frauen auf der einen, M&auml;nner auf der anderen Seite. Der Mann wurde aufgefordert, seine Kleidung komplett abzulegen und barfu&szlig; durch das Spalier bis zu einem israelischen Panzer zu laufen. Dort angekommen wurde er zur&uuml;ckgeschickt und musste erneut durch das Spalier auf den Panzer zulaufen. Dann wurde ihm ein Hundehalsband um den Hals gelegt und er musste &ndash; vor den Augen aller Versammelten &ndash; nackt und auf allen vieren zwischen dem Panzer und dem Eingang zur Klinik hin und her kriechen. Dieser Mann und andere, die sich tagelang in israelischer Gefangenschaft befanden, berichteten von Schl&auml;gen und Folter. Vielen wurden die Beine oder Arme gebrochen. Wenn sie sagten, sie seien durstig, h&auml;tten israelische Soldaten auf sie uriniert.<\/p><p>(Quelle: Zeugnis eines Pal&auml;stinensers gegen&uuml;ber der Autorin)<\/p><p>Andere Freigelassene aus israelischer Haft berichteten, dass die Streitkr&auml;fte israelische Zivilisten gebracht habe, um dabei zuzusehen, wie die M&auml;nner nackt gefoltert wurden. Sie seien als &bdquo;Hamas-Terroristen&ldquo; bezeichnet worden, die Frauen vergewaltigt und Kinder get&ouml;tet h&auml;tten, berichtete ein Mann. Einer der Mitgefangenen habe Hebr&auml;isch sprechen k&ouml;nnen und &uuml;bersetzt. Die Soldaten und die israelischen Zuschauer <a href=\"https:\/\/euromedmonitor.org\/en\/article\/6153\/%E2%80%9CThey-brought-Israeli-civilians-to-watch-our-nude-torture%E2%80%9D:-IDF-torture-of-Palestinian-prisoners-is-turned-into-entertainment-for-Israeli-viewers\">h&auml;tten<\/a> die Folter mit ihren Handys fotografiert oder gefilmt und &uuml;ber soziale Medien verbreitet.<\/p><p><strong>Mit den USA am Tisch sitzen<\/strong><\/p><p>Eine UN-Sicherheitsratsresolution f&uuml;r einen sofortigen Waffenstillstand, der das Gemetzel in Gaza zumindest h&auml;tte stoppen k&ouml;nnen, ist zum achten Mal an den USA gescheitert. Washington hat noch nicht erreicht, was es will.<\/p><p>Washington will das Gemetzel in Gaza f&uuml;r eigene geostrategische Interessen in der Region nutzen, also verbindet Washington die Forderung nach einem Waffenstillstand in Gaza mit Druck auf die arabischen Staaten, sich mit Israel zu einigen. Unter der F&uuml;hrung Israels soll ein milit&auml;risches B&uuml;ndnis errichtet werden, das westliche Interessen gegen die V&ouml;lker der Region und gegen den Einfluss von China, Russland, Iran abschirmen, das Ressourcen und Transportwege &ndash; rund um die arabische Halbinsel &ndash; sichern soll. Es gebe eine &bdquo;au&szlig;erordentliche Gelegenheit&ldquo; f&uuml;r Israel, seine Beziehungen in den kommenden Monaten mit seinen arabischen Nachbarn zu normalisieren, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lTyaaDZRuYA\">sagte<\/a> US-Au&szlig;enminister Antony Blinken bei der M&uuml;nchner Sicherheitskonferenz.<\/p><p>Gleichwohl brauche man auch einen Staat Pal&auml;stina. Hoffnung daf&uuml;r gebe es, weil arabische L&auml;nder versuchten, die pal&auml;stinensische Autonomiebeh&ouml;rde wiederzubeleben, damit diese effektiver die Pal&auml;stinenser vertreten k&ouml;nne. Wichtig aber sei, dass &bdquo;nahezu jedes arabische Land&ldquo; Israel &bdquo;in die Region integrieren (wolle), um die Beziehungen zu normalisieren &hellip; um Sicherheitsverpflichtungen und Zusicherungen zu geben, damit Israel sich sicherer f&uuml;hlen kann&ldquo;, <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/blinken-extraordinary-opportunity-israel-be-integrated-into-middle-east-2024-02-17\/\">sagte Blinken<\/a>. Dringender denn je sei es daher, einen Staat Pal&auml;stina zu schaffen, &bdquo;der auch die Sicherheit Israels gew&auml;hrleistet.&ldquo;<\/p><p>Die Sicherheit und das international verbriefte Recht der Pal&auml;stinenser, selber ihre Regierung zu w&auml;hlen, auf staatliche Unabh&auml;ngigkeit, Souver&auml;nit&auml;t, Entwicklung, Verteidigung und Selbstbestimmung kommen in diesem Weltbild nicht vor. Die Geisteshaltung Blinkens &ndash; stellvertretend f&uuml;r die US-Administration und deren &bdquo;Verb&uuml;ndete&ldquo; &ndash; wurzelt in der kolonialen Vergangenheit der europ&auml;ischen Siedler, die Millionen Menschen ermordeten, um sich ihr Land, ihre Bodensch&auml;tze anzueignen und ein &bdquo;internationales System&ldquo; zu schaffen, in dem es, <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/secretary-antony-j-blinken-german-foreign-minister-annalena-baerbock-and-indian-external-affairs-minister-subrahmanyam-jaishankar-at-the-munich-security-conference\/\">so Blinken<\/a>, nur zwei M&ouml;glichkeiten gibt: &bdquo;Wenn man im internationalen System nicht mit am Tisch sitzt, landet man auf der Speisekarte&ldquo;.<\/p><p><small>Titelbild: Vitalii Vodolazskyi\/shutterstock.com<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Wie die US-Administration im UN-Sicherheitsrat mit Wortspielen Israels Morden im Gazastreifen deckt.<\/strong> Zum achten Mal hat der UN-Sicherheitsrat am Dienstag (20.2.2024, NY Ortszeit) &uuml;ber eine Resolution zum Gaza-Krieg abgestimmt. Der Entwurf war von Algerien bereits am 31. Januar vorgelegt worden und bezog sich konkret auf die Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes vom 26. Januar. Zentrale Forderung<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111474\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":111475,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,170,171],"tags":[3005,302,822,2222,1557,303,639,1556,2377,2376,2360],"class_list":["post-111474","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-friedenspolitik","category-militaereinsaetzekriege","tag-blinken-antony","tag-gaza","tag-hamas","tag-humanitaere-hilfe","tag-israel","tag-palaestina","tag-uno","tag-usa","tag-waffenlieferungen","tag-waffenstillstandsabkommen","tag-zivile-opfer"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/Shutterstock_2373496937.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/111474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=111474"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/111474\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":111517,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/111474\/revisions\/111517"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/111475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=111474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=111474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=111474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}