{"id":111618,"date":"2024-02-26T10:00:24","date_gmt":"2024-02-26T09:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111618"},"modified":"2026-01-27T11:44:13","modified_gmt":"2026-01-27T10:44:13","slug":"unterwerfung-unter-einen-woken-zeitgeist-das-online-magazin-telepolis-und-ein-eigenartiger-disclaimer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111618","title":{"rendered":"Unterwerfung unter einen woken Zeitgeist \u2013 das Online-Magazin Telepolis und ein eigenartiger Disclaimer"},"content":{"rendered":"<p>Das Online-Magazin <em>Telepolis<\/em> vom Heise Verlag hat vor alle Beitr&auml;ge, die vor 2021 erschienen sind, einen Disclaimer gestellt. Darin hei&szlig;t es, der vorliegende Beitrag k&ouml;nnte &bdquo;m&ouml;glicherweise in Form und Inhalt nicht mehr den aktuellen journalistischen Grunds&auml;tzen der Heise Medien und der Telepolis-Redaktion&ldquo; gen&uuml;gen. Am Wochenende hat sich nun der ehemalige Chefredakteur des Magazins mit <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/telepolis-oder-der-journalismus-fuer-das-betreute-lesen\/\">kritischen Worten ge&auml;u&szlig;ert<\/a>. Ein Kommentar von <strong>Marcus Kl&ouml;ckner<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8155\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-111618-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240226_Unterwerfung_unter_einen_woken_Zeitgeist_das_Online_Magazin_Telepolis_und_ein_eigenartiger_Disclaimer_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240226_Unterwerfung_unter_einen_woken_Zeitgeist_das_Online_Magazin_Telepolis_und_ein_eigenartiger_Disclaimer_NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240226_Unterwerfung_unter_einen_woken_Zeitgeist_das_Online_Magazin_Telepolis_und_ein_eigenartiger_Disclaimer_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240226_Unterwerfung_unter_einen_woken_Zeitgeist_das_Online_Magazin_Telepolis_und_ein_eigenartiger_Disclaimer_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=111618-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240226_Unterwerfung_unter_einen_woken_Zeitgeist_das_Online_Magazin_Telepolis_und_ein_eigenartiger_Disclaimer_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240226_Unterwerfung_unter_einen_woken_Zeitgeist_das_Online_Magazin_Telepolis_und_ein_eigenartiger_Disclaimer_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Es ist eine eigenartige Zeit. Bevor etwas gesagt wird, m&uuml;ssen sich zun&auml;chst alle von allem distanzieren. Und wenn sie sich von allem distanziert haben, bitten sie noch einige Male vorab um Verzeihung. Ausgeschlossen werden soll so, dass sich die Fraktion der taktisch sensiblen Vertreter eines woken Zeitgeistes &uuml;ber eine ge&auml;u&szlig;erte Meinung ver&auml;rgert f&uuml;hlen. Das kann man machen. Man k&ouml;nnte aber auch einfach R&uuml;ckgrat besitzen und zu seiner Sicht stehen. Zu sehen, was das Online-Magazin <em>Telepolis<\/em> sich leistet, schmerzt. Es schmerzt mich als Autor, der gerne f&uuml;r das Magazin geschrieben hat. Vor allen Beitr&auml;gen, die vor 2021 erschienen sind, <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Praesidentschaftswahl-in-den-USA-4944548.html\">findet sich der folgende Disclaimer<\/a>:<\/p><blockquote><p>Der folgende Beitrag ist mehrere Jahre alt und entspricht daher m&ouml;glicherweise in Form und Inhalt nicht mehr den aktuellen journalistischen Grunds&auml;tzen der Heise Medien und der Telepolis-Redaktion. Ausf&uuml;hrliche Informationen zu unserer Arbeit und unseren Grunds&auml;tzen finden Sie in unserem Leitbild.<\/p><\/blockquote><p>Was denkt ein Leser, wenn er auf solche Zeilen st&ouml;&szlig;t? Mir als Leser dr&auml;ngt sich der Verdacht auf: Hier liegt &ndash; das kann nicht ausgeschlossen werden &ndash; ein minderwertiges journalistisches Produkt vor. Warum sollte ich f&uuml;r einen derartigen Beitrag Lesezeit investieren? Die Frage steht im Raum: Entspricht der Beitrag nun &bdquo;in Form und Inhalt nicht mehr den aktuellen journalistischen Grunds&auml;tzen&ldquo; oder nicht? Aber vor allem auch: Was hei&szlig;t hier &bdquo;aktuelle journalistische Grunds&auml;tze&ldquo;? Welche Grunds&auml;tze haben sich ge&auml;ndert? Die Kerngrunds&auml;tze journalistischer Arbeit haben vor 30 Jahren genauso gegolten wie es heute der Fall ist. Zumindest theoretisch. In der Praxis hat sich innerhalb vieler Medien eine Art Zombiejournalismus etabliert. Journalistisch maximal entkernt, daf&uuml;r weltanschaulich maximal im Sinne des woken Zeitgeistes aufgeladen. Doch das ist ein eigenes Thema.<\/p><p>Mit diesem Disclaimer wertet <em>Telepolis<\/em> die Arbeit aller seiner Autoren, die vor 2021 dort Beitr&auml;ge publiziert haben, pauschal ab. Die Verantwortlichen werten auch die Arbeit der Redaktion ab, die &uuml;ber viele Jahre ein innovatives Autorenmagazin erm&ouml;glicht hat. Auch das ver&ouml;ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/Ueber-Telepolis-9305053.html\">&bdquo;Leitbild&ldquo;<\/a>, auf das die Redaktion sich bezieht, vermag den Schritt hin zu dem Disclaimer nicht befriedigend zu erkl&auml;ren. <em>Telepolis<\/em>, das darf man ruhig sagen, hatte Mediengeschichte geschrieben. Es war das erste rein internetbasierte Magazin im deutschsprachigen Internet. F&uuml;r seine journalistischen Leistungen erhielt das Magazin Preise. Die Autorin Christiane Schulzki-Haddouti wurde 2000 zusammen mit der Telepolis-Redaktion f&uuml;r investigative Recherchen zum Thema &bdquo;Enfopol-&Uuml;berwachung&ldquo; ausgezeichnet. Es gab den Europ&auml;ischen Preis f&uuml;r Online-Journalismus der Medien-Konferenz Net-Media 2000 in der Kategorie &bdquo;Investigative Reporting&ldquo;. 2002 folgte der Grimme Online Award in der Kategorie Medienjournalismus und 2004 den Lead Award f&uuml;r spezialisierte Onlinemagazine. Die damals ausgezeichneten Beitr&auml;ge sind heute mit einem Disclaimer versehen.<\/p><p>Florian R&ouml;tzer hat das Projekt aufgebaut, Anfang 2021 gab er den Stab an Harald Neuber ab. Als ich durch Leser auf den Disclaimer aufmerksam gemacht wurde, habe ich das Gespr&auml;ch mit Neuber gesucht. Es war ein kurzer Mailaustausch. Respektvoll, aber nicht konstruktiv. Die Hintergr&uuml;nde, die zur Etablierung dieses Disclaimers gef&uuml;hrt haben, sind mir bis jetzt noch immer nicht sinnvoll nachvollziehbar. Der Disclaimer steht jedenfalls da. Was kommt als n&auml;chstes? Heute findet sich eine pauschale Distanzierung vor diesen Artikeln. Und morgen? Werden Beitr&auml;ge, die dem Zeitgeist entgegenstehen, umgeschrieben? Verschwinden sie aus dem Archiv? &Uuml;bernimmt der Geist von Orwell irgendwann? Dass bei einem Magazin wie <em>Telepolis<\/em> Journalismus im Vordergrund steht, ist sehr zu begr&uuml;&szlig;en. Ein Disclaimer, der als Unterwerfung unter einen woken Zeitgeist verstanden werden kann, hat aber mit Journalismus nichts zu tun. M&ouml;ge sich die Vernunft durchsetzen.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112010\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/390bd72abfc54371add034b450fb9a78\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Online-Magazin <em>Telepolis<\/em> vom Heise Verlag hat vor alle Beitr&auml;ge, die vor 2021 erschienen sind, einen Disclaimer gestellt. Darin hei&szlig;t es, der vorliegende Beitrag k&ouml;nnte &bdquo;m&ouml;glicherweise in Form und Inhalt nicht mehr den aktuellen journalistischen Grunds&auml;tzen der Heise Medien und der Telepolis-Redaktion&ldquo; gen&uuml;gen. 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