{"id":111789,"date":"2024-02-29T14:00:47","date_gmt":"2024-02-29T13:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111789"},"modified":"2024-02-29T16:48:07","modified_gmt":"2024-02-29T15:48:07","slug":"im-visier-der-fregatte-hessen-das-armenhaus-der-arabischen-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=111789","title":{"rendered":"Im Visier der Fregatte Hessen: Das Armenhaus der arabischen Welt"},"content":{"rendered":"<p>Geschafft. Endlich hat Deutschland seinen Platz an der Seite von USA und Gro&szlig;britannien eingenommen, um den Welthandel im Roten Meer gegen die &bdquo;<em>von Iran unterst&uuml;tzten Huthis<\/em>&ldquo; aus dem jemenitischen Hochland <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/bundeswehr-fregatte-rotesmeer-huthi-100.html\">zu sch&uuml;tzen<\/a>. Scharf geschossen wurde auch schon, wie die deutsche &Ouml;ffentlichkeit am Mittwochmorgen aus den Nachrichten erfahren konnte. Und getroffen hat sie auch, die Fregatte Hessen, die sich seit Anfang der Woche gegen den &bdquo;Terror der Huthis&ldquo; im Einsatz befindet. &bdquo;<em>Das an der EU-Milit&auml;rmission &ldquo;Aspides&rdquo; beteiligte Schiff zerst&ouml;rte nach Angaben der Bundeswehr zwei Drohnen&ldquo; und wehrte damit &bdquo;erstmals einen Huthi-Angriff ab&ldquo;<\/em>, hie&szlig; es in einer Meldung von <em>tagesschau.de<\/em>. Allerdings sei unklar, ob die Drohnen die deutsche Fregatte oder ein Handelsschiff angreifen sollten. Von <strong>Karin Leukefeld<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_2024\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-111789-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240229-Fregatte-Hessen-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240229-Fregatte-Hessen-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240229-Fregatte-Hessen-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240229-Fregatte-Hessen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=111789-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240229-Fregatte-Hessen-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240229-Fregatte-Hessen-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Geschossen, getroffen, geschafft!<\/strong><\/p><p>Dass der Einsatz nicht ohne Risiken ist, zeigte sich bereits unmittelbar nach Ankunft im Einsatzgebiet. Die Besatzung entdeckte erwartungsgem&auml;&szlig; eine Drohne auf dem Radar und kontaktierte die Leitstelle der US-gef&uuml;hrten Mission, um eine m&ouml;gliche Verwechslung auszuschlie&szlig;en. Die US-Mission winkte ab, es sei keine ihrer Drohnen unterwegs, und auf der &bdquo;Hessen&ldquo; wurden die Flugabwehrraketen startklar gemacht und gefeuert. Der Abschuss sei dann aber &bdquo;nicht gelungen&ldquo;, hie&szlig; es etwas unscharf vom Sprecher des Verteidigungsministeriums Michael Stempfle, ein ehemaliger Journalist der <em>ARD<\/em> Berlin.<\/p><p>Nach Informationen des Internetportals <em>Augen geradeaus<\/em> <a href=\"https:\/\/augengeradeaus.net\/2024\/02\/rotes-meer-nach-zwei-fehlschuessen-zerstoert-fregatte-hessen-huthi-drohnen\/\">hatten beide Raketen<\/a> &bdquo;aus technischen Gr&uuml;nden ihr Ziel verfehlt&ldquo;. Zum Gl&uuml;ck, kann man nur sagen, denn es stellte sich heraus, dass das Ziel eine US-Drohne der Marke MQ-9 war, eine sogenannte &bdquo;Reaper-Drohne&ldquo;, auch Schnitter oder Sensenmann genannt &ndash; St&uuml;ckpreis rund 30 Millionen Euro. Die Maschine war offenbar in einer so geheimen Mission unterwegs, dass sie nicht nur ihre &bdquo;Freund-Feind-Erkennung&ldquo; ausgeschaltet hatte, sondern ihre Lenker hatten auch keine Operationszentrale &ndash; weder der USA noch auf Kriegsschiffen anderer Nationen in dem Gebiet &ndash; &uuml;ber ihren Flug informiert. Erst eine Woche zuvor hatten die Huthis eine MQ-9 der US-Armee mit einer Boden-Luft-Rakete <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/newsticker\/liveblog-nahost-mittwoch-106.html#US-Drohne\">abgeschossen<\/a>.<\/p><p>Der Deutsche Bundestag hatte (am 23. Februar 2024) noch nicht einmal &uuml;ber den Einsatz und dessen Sinn debattiert, geschweige denn entschieden, da verabschiedete der Verteidigungsminister (am 20. Februar 2024) in einem verschwiegenen Hafen auf der griechischen Mittelmeerinsel Kreta die Fregatte Hessen <a href=\"https:\/\/augengeradeaus.net\/2024\/02\/vor-einsatz-im-roten-meer-pistorius-an-bord-der-hessen\/\">bereits in den Einsatz<\/a>. Bis zu 700 Soldaten und Soldatinnen sind vorgesehen. Am Tag der namentlichen Verabschiedung im Bundestag (538 Ja, 31 Nein, 4 Enthaltungen, 163 nicht gegebene Stimmen) hatte die &bdquo;Hessen&ldquo; schon den Suez-Kanal erreicht und konnte umgehend ins Einsatzgebiet <a href=\"https:\/\/augengeradeaus.net\/2024\/02\/bundeswehr-beginnt-einsatz-im-roten-meer\/\">weiterfahren<\/a>.<\/p><p>Das Einsatzgebiet der &bdquo;Hessen&ldquo; reicht vom Roten Meer, die Meerenge Bab al Mandab (Tor der Tr&auml;nen) &uuml;ber den Golf von Aden zur Stra&szlig;e von Hormus bis in den Persischen Golf. Der Einsatz f&uuml;r den Schutz von Handelsschiffen gilt offiziell nicht n&ouml;rdlich von Maskat, der Hauptstadt des Oman (d.h. nicht in der Stra&szlig;e von Hormus und nicht im Persischen Golf).<\/p><p>Nach Ansicht der Bundesregierung handelt es sich bei dem Einsatzgebiet um einen maritimen &bdquo;Raum von besonderer geostrategischer Bedeutung f&uuml;r die internationale Handelsschifffahrt&ldquo;, hei&szlig;t es in der Information des Bundestages zur Abstimmung. &bdquo;&Uuml;ber diese mit am st&auml;rksten befahrene Seeverbindungslinie der Welt transportieren Schiffe G&uuml;ter zwischen Asien und Europa, darunter einen Gro&szlig;teil aller Energielieferungen f&uuml;r Europa. Etwa 65 Schiffe pro Tag, circa zw&ouml;lf Prozent des weltweiten Warenverkehrs, verkehren auf dieser Route.&ldquo; Der wirtschaftliche Schaden durch die Angriffe der Huthi-Miliz sei erheblich &ndash; auch f&uuml;r Deutschland. Der Einsatz sei zun&auml;chst bis Ende Februar 2025 befristet, die &bdquo;Zusatzausgaben (&hellip;) f&uuml;r diesen Zeitraum&ldquo; werden auf &bdquo;voraussichtlich rund 55,9 Millionen Euro&ldquo; <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2024\/kw08-de-bundeswehr-eunavfor-aspides-988594\">beziffert<\/a>.<\/p><p>Zum Einsatz der &bdquo;Hessen&ldquo; sei an dieser Stelle auf ein <a href=\"https:\/\/youtu.be\/7OajoBfRIUs\">Interview<\/a> der Bundeswehr &bdquo;Marine: Seekrieg im Fokus&ldquo; mit dem Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan-Christian Kaack, verwiesen. Das Besondere an der &bdquo;Hessen&ldquo; seien &bdquo;ihre Radaranlagen und Waffen&ldquo;, die genau f&uuml;r den Fall des Geleitschutzes und von Kommandos auf Schiffen &bdquo;optimiert&ldquo; seien. Die Radaranlagen an Bord verf&uuml;gen demnach &uuml;ber &bdquo;etwa 400 Kilometer Reichweite&ldquo; und k&ouml;nnen &bdquo;auch kleinste Kontakte aufnehmen&ldquo;, so der Marineinspekteur. &bdquo;Im Schutz kann sie (die Fregatte Hessen, KL) auf drei Arten wirken. Sie kann sich neben ein Handelsschiff stellen, sodass alles, was anfliegt, quasi von der Fregatte ausman&ouml;vriert wird und mit Rohrwaffen oder dem Flugk&ouml;rper <em>Rolling Airframe Missile<\/em> auf bis zu zehn Kilometer bek&auml;mpft werden kann. In einem gr&ouml;&szlig;eren Ansatz, um mehrere Schiffe zu sch&uuml;tzen, kann sie den <em>Evolved Sea Sparrow Missile<\/em> mit einer Reichweite von &uuml;ber 50 Kilometern einsetzen und dar&uuml;ber hinaus den Flugk&ouml;rper <em>Standard Missile 2<\/em> mit einer Reichweite von etwa 160 Kilometern.&ldquo;<\/p><p>Ein Radarsystem (APAR) ist auf die Zielverfolgung spezialisiert, Reichweite bis zu 160 km. Ein weiteres Radarsystem (SMART-L) ist auf die Luft&uuml;berwachung &ndash; auch Aufkl&auml;rung &ndash; mit einer Reichweite von bis zu 400 km spezialisiert; wohlgemerkt immer im Radius. Diese Reichweite umfasst nicht nur Teile des Jemen, sondern auch von Saudi-Arabien, Eritrea, &Auml;thiopien, Dschibouti und die Meerenge Bab al-Mandab. Kaack weiter:<\/p><blockquote><p>\n<em>&bdquo;Angesichts eines absehbaren Austauschs der Lagebilder auch mit der US-Mission hat der deutsche Einsatz damit voraussichtlich auch Bedeutung &uuml;ber die EU-Operation hinaus.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>Auf die Frage, warum die Deutsche Marine &uuml;berhaupt in den Einsatz ins Rote Meer geschickt werde, antwortet Kaack:<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;<em>Das ist eigentlich ziemlich einfach zu beantworten: Deutschland und Europa sind absolut abh&auml;ngig von sicheren Seewegen. <a href=\"https:\/\/www.gtai.de\/de\/trade\/aegypten\/wirtschaftsumfeld\/ever-given-blockiert-suezkanal-und-welthandel-632242\">90 Prozent des Handels<\/a> gehen &uuml;ber die Seewege. Das Rote Meer und der Suezkanal ist die zweitwichtigste Wasserstra&szlig;e der Welt. Was passiert, wenn diese gesperrt sind, haben wir mit der Ever Given vor drei Jahren erlebt. V&ouml;lliger Stillstand der Industrie in einigen Teilen, und zur Zeit sehen wir es auch. Tesla hat seine Produktion hier im deutschen Werk einstellen m&uuml;ssen, weil die Lieferketten eben nicht mehr funktionieren.&ldquo;<\/em>\n<\/p><\/blockquote><p>So viel zu den &ouml;ffentlichen und offiziellen Angaben aus Politik, Medien, Bundeswehr und Marine zu dem ersten Einsatz der deutschen Fregatte Hessen im Seekrieg im Roten Meer gegen die &bdquo;vom Iran unterst&uuml;tzten&ldquo; Huthi-Milizen.<\/p><p><strong>Und hier die andere Perspektive:<\/strong><\/p><p>USA und Gro&szlig;britannien, die seit mehr als einem Monat auch Stellungen der Ansar Allah, auch Huthi-Bewegung genannt, im Jemen angreifen, nennen ihre Mission <a href=\"https:\/\/www.airandspaceforces.com\/operation-prosperity-guardian-houthi-attacks\/\">&bdquo;W&auml;chter zum Erhalt des Wohlstands&ldquo;<\/a>. An ihrer Seite nun die EU-Mission Aspides, altgriechisch f&uuml;r Schild, im Sinne von Besch&uuml;tzer. Besch&uuml;tzt werden allerdings nicht Menschen, sondern die Handelsinteressen der Weltwirtschaft, deren Waren durch das Rote Meer und den Suezkanal nach Deutschland und Europa, Israel, Gro&szlig;britannien transportiert werden.<\/p><p>Die Transporte schippern durch das Rote Meer und den Suez-Kanal vorbei an den Habenichtsen im Jemen, in Dschibouti, Eritrea, &Auml;thiopien und &Auml;gypten, vorbei an den &bdquo;Killing Fields&ldquo; im Pal&auml;stinensischen Gazastreifen in die israelischen H&auml;fen, wo sie Waffen und Munition abliefern, Weizen und &Ouml;l, Konsumg&uuml;ter aller Art f&uuml;r die israelische Bev&ouml;lkerung. Einige Israelis verhindern aktiv mit Blockaden, dass Hilfsg&uuml;ter der UNO oder des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz &uuml;ber den israelischen Hafen Aschdod an die bedrohten, hungernden Menschen im Gazastreifen gelangen. Der Regierung von Israel ist das recht.<\/p><p>Damit der Krieg der israelischen Armee in Gaza, der von den USA, Gro&szlig;britannien, Frankreich, Deutschland und anderen NATO-B&uuml;ndnisstaaten unterst&uuml;tzt wird, ein Ende hat, hat die Huthi-Bewegung im November 2023 damit begonnen, Handelsschiffe dieser L&auml;nder, die in Richtung Israel unterwegs sind, zu stoppen, zu bedrohen und zu Kurs&auml;nderungen zu zwingen. Ein Schiff wurde entf&uuml;hrt, andere werden mit Drohnen angegriffen. Bisher ist kein einziger Seemann auf diesen Schiffen ums Leben <a href=\"https:\/\/interactive.aljazeera.com\/aje\/2024\/mapping-red-sea-shipping-attacks\/\">gekommen<\/a>.<\/p><p>Die Forderung der Huthi-Bewegung ist klar: Waffenstillstand in Gaza, und die Angriffe auf die Handelsschiffe werden eingestellt. Verhandlungen zur Freilassung aller Gefangenen und eine gerechte L&ouml;sung f&uuml;r Pal&auml;stina, damit es Hilfe, Schutz und eine Zukunft f&uuml;r die Menschen im Gazastreifen gibt. Kaum jemand versteht das Elend und Leid der Pal&auml;stinenser so gut wie die Huthis und die Menschen im Jemen, die (2015 bis 2022) einem erbarmungslosen Bombenkrieg einer von Saudi-Arabien gef&uuml;hrten Kriegsallianz widerstanden. Die seit 2001 bis 2022 einem US-amerikanischen Drohnenkrieg ausgesetzt waren. Seit dem 7. Oktober wurden 30.000 Pal&auml;stinenser get&ouml;tet, darunter 13.000 Kinder und mehr als 8.500 Frauen. Der Lebensraum von 2,3 Millionen Menschen wurde zerst&ouml;rt, t&auml;glich werden dicht mit Inlandsvertriebenen besiedelte Gebiete bombardiert. Jede Woche gehen im jemenitischen Sanaa Millionen Menschen f&uuml;r die Pal&auml;stinenser auf die Stra&szlig;en.<\/p><p>Die Huthi-Bewegung <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/secretary-antony-j-blinken-german-foreign-minister-annalena-baerbock-and-indian-external-affairs-minister-subrahmanyam-jaishankar-at-the-munich-security-conference\/\">hat keinen<\/a> &bdquo;Platz am Tisch des internationalen Systems&ldquo; und will auch nicht auf der &bdquo;Speisekarte&ldquo; derjenigen landen, die dort sitzen. Vielmehr beharren sie auf ihrem Recht und dem Recht der Pal&auml;stinenser auf Souver&auml;nit&auml;t, Respekt und Entwicklung, wie es die UN-Charta festlegt. Darum haben die K&auml;mpfer aus dem jemenitischen Hochland einen ihnen m&ouml;glichen Weg gew&auml;hlt, um die Interessen von USA, Israel, EU und NATO zu behindern, damit sie Israel zu einem Waffenstillstand in Gaza zwingen.<\/p><p>Die Reedereien sind am Gesch&auml;ft, nicht an dem Konflikt interessiert und w&auml;hlen in ihrer Mehrheit lieber den &ndash; wenn auch teureren und zeitaufwendigeren &ndash; Umweg um das Kap der Guten Hoffnung, als sich auf ein milit&auml;risches Abenteuer einzulassen. Den Entscheidungstr&auml;gern in Washington, London, Berlin und Br&uuml;ssel fehlt diese Intelligenz oder Einsicht, und sie reagieren, wie sie es immer tun, wenn sie ihre Interessen nicht anders durchsetzen k&ouml;nnen. Sie bezeichnen ihre politischen Gegner als &bdquo;Terroristen&ldquo;, verh&auml;ngen Sanktionen und schicken das Milit&auml;r.<\/p><p><strong>Zur Erinnerung <\/strong><\/p><p>Parallel zu dem Entscheidungsprozess &uuml;ber die Entsendung der Marine ins Rote Meer wurde in Berlin der erste Zwischenbericht der Enquete-Kommission &bdquo;Afghanistan&ldquo; des Deutschen Bundestags vorgelegt. Die Staatengemeinschaft habe nach dem 11. September 2001 den Afghanistan-Einsatz &bdquo;&uuml;berst&uuml;rzt begonnen&ldquo;, so <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2023\/kw40-interview-michael-mueller-967708\">eine erste Erkenntnis<\/a> des Vorsitzenden Michael M&uuml;ller. &bdquo;Wir (haben) uns nicht hinreichend mit Kultur und Geschichte dieses Landes auseinandergesetzt.&ldquo; Zwar finden die get&ouml;teten deutschen Soldaten Erw&auml;hnung bei M&uuml;ller, nicht aber die Toten der afghanischen Zivilgesellschaft.<\/p><p>Die US-gef&uuml;hrten Kriege gegen den Terror seit dem 11. September 2001 kosteten von Afghanistan &uuml;ber Pakistan, Irak, Syrien, Jemen und auf weiten Kriegsschaupl&auml;tzen (Libyen, Somalia, Sudan) bis zu <a href=\"https:\/\/watson.brown.edu\/costsofwar\/figures\">940.000 Menschen das Leben<\/a>. Indirekt starben an den Folgen dieser Kriege mindestens bis zu 4,7 Millionen Menschen&nbsp;an Verletzungen, Krankheiten, zerst&ouml;rten Lebensgrundlagen und Infrastruktur sowie Unterern&auml;hrung. Mindestens 37 Millionen Menschen wurden aus diesen L&auml;ndern durch die Kriege vertrieben.<\/p><p>Im Jemen, dem &bdquo;Armenhaus der arabischen Welt&ldquo;, gibt es nach wie vor eine gro&szlig;e Hungersnot. Nach <a href=\"https:\/\/www.unicef.org\/emergencies\/yemen-crisis\">Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF<\/a> galten f&uuml;r den Zeitraum 2016 bis 2021 mindestens 2,3 Millionen Kinder im Jemen als akut unterern&auml;hrt, fast 400.000 Kinder unter f&uuml;nf Jahren waren vom Hungertod bedroht. Nach Beginn des saudisch gef&uuml;hrten Krieges gegen die Huthi-Bewegung im Jemen waren (2015 bis 2020) vier Millionen Menschen immer wieder neuer Vertreibung ausgesetzt, 1,4 Millionen davon waren Kinder. Stand Februar 2024 sind mehr als elf Millionen Kinder auf Hilfe angewiesen.<\/p><p>Durch die Wiederann&auml;herung von Iran und Saudi-Arabien, mit chinesischer Unterst&uuml;tzung (M&auml;rz 2023), wurde ein bestehender, durch die UNO vermittelter Waffenstillstand zwischen Jemen und Saudi-Arabien verl&auml;ngert, und es kam im Fr&uuml;hsommer des Jahres zu einem gro&szlig;en Gefangenenaustausch als vertrauensbildende Ma&szlig;nahme. Beide Seiten <a href=\"https:\/\/news.un.org\/en\/story\/2023\/12\/1145087\">einigten sich<\/a> Ende Dezember 2023 unter UN-Vermittlung auf einen Friedensprozess in den kommenden 18 Monaten.<\/p><p>Der milit&auml;rische Aufmarsch von USA, Gro&szlig;britannien, Deutschland und EU im Roten Meer k&ouml;nnte die Region in einen weiteren Krieg st&uuml;rzen. Alle arabischen Staaten &ndash; bis auf Bahrain &ndash; lehnen die Marine-Operationen von USA, GB und der EU ab. Saudi-Arabien hat die USA aufgefordert, ihre Flugpl&auml;tze auf saudischem Territorium nicht f&uuml;r Angriffe auf den Jemen zu nutzen. Anstatt weiter zu eskalieren, muss &ndash; so die mehrheitliche Meinung nicht nur in der arabischen Welt &ndash; alles f&uuml;r einen Waffenstillstand in Gaza aktiviert werden.<\/p><p>Politik, Medien, die &Ouml;ffentlichkeit und das Milit&auml;r in Deutschland sollten sich &bdquo;mehr mit Kultur und Geschichte&ldquo; der Region auseinandersetzen, statt mit einer &uuml;bereifrigen Marinemission im Roten Meer Konflikte und Kriege weiter anzufeuern. Das gilt f&uuml;r alle L&auml;nder und Schlachtfelder des &bdquo;Krieges gegen den Terror&ldquo;, von Afghanistan bis Libyen.<\/p><p><small>Titelbild: This image photographed by Brian Burnell with permission was uploaded to Commons by George Hutchinson. Eigenes Werk, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=18740830\">CC BY-SA 3.0<\/a><\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschafft. Endlich hat Deutschland seinen Platz an der Seite von USA und Gro&szlig;britannien eingenommen, um den Welthandel im Roten Meer gegen die &bdquo;<em>von Iran unterst&uuml;tzten Huthis<\/em>&ldquo; aus dem jemenitischen Hochland <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/bundeswehr-fregatte-rotesmeer-huthi-100.html\">zu sch&uuml;tzen<\/a>. Scharf geschossen wurde auch schon, wie die deutsche &Ouml;ffentlichkeit am Mittwochmorgen aus den Nachrichten erfahren konnte. 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