{"id":11186,"date":"2011-11-04T09:18:58","date_gmt":"2011-11-04T08:18:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11186"},"modified":"2014-12-03T10:57:35","modified_gmt":"2014-12-03T09:57:35","slug":"erganzungen-und-erklarungen-zum-artikel-der-schuldenschnitt-und-das-kleingedruckte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11186","title":{"rendered":"Erg\u00e4nzungen und Erkl\u00e4rungen zum Artikel \u00bbDer \u201eSchuldenschnitt\u201c und das Kleingedruckte\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>Zum Artikel &raquo;<a href=\"\/?p=11127\">Der &bdquo;Schuldenschnitt&ldquo; und das Kleingedruckte<\/a>&laquo; haben uns viele Zuschriften erreicht, in denen wir gebeten wurden, die Fachbegriffe und Mechanismen einmal n&auml;her zu erkl&auml;ren. Dem kommen wir gerne nach, da wir es sehr wichtig finden, dass unsere Leser nicht nur unsere Texte verstehen, sondern auch allgemeinverst&auml;ndliche Argumente in der Hand haben, die Propaganda und Meinungsmache der Politik als solche zu durchschauen. Von Jens Berger<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Prim&auml;r- und Sekund&auml;rm&auml;rkte &ndash; wie werden Staatsanleihen eigentlich gehandelt?<\/strong><\/p><p>Was Einnahmen und Ausgaben angeht, sind die &ouml;ffentlichen Haushalte &ndash; zumindest rechnerisch &ndash;  gar nicht so verschieden von einem normalen Haushalt. Das Finanzministerium wei&szlig; durch die Steuersch&auml;tzungen zumindest ungef&auml;hr, welche Einnahmen zu welchem Zeitpunkt erzielt werden k&ouml;nnen. Es wei&szlig; aufgrund des vom Parlament verabschiedeten Haushaltsgesetzes und der Anmeldungen der Ministerien auch ungef&auml;hr, welche Ausgaben zu welchem Zeitpunkt anfallen. Wie ein normaler Haushalt kann auch der Staat nur dann Ausgaben vornehmen, wenn seine Konten gedeckt sind und das n&ouml;tige Guthaben aufweisen. Dies ist jedoch nicht immer gegeben &ndash; vor allem dann nicht, wenn der Staat mittel- bis langfristig h&ouml;here Ausgaben als Einnahmen hat. Um immer ausreichend Geld auf den Konten zu haben, damit die anstehenden Ausgaben p&uuml;nktlich bedient werden k&ouml;nnen, stellt das Finanzministerium einen Finanzplan auf, der besagt, zu welchem Zeitpunkt der Staat sich wie viel Geld leihen muss. Zu den Ausgaben, die regelm&auml;&szlig;ig bedient werden m&uuml;ssen, geh&ouml;ren auch die Tilgung und der Zinsdienst f&uuml;r bereits ausgegebenen Staatsanleihen.<\/p><p>Wenn ein Staat Anleihen herausgibt, so tut er das auf dem sogenannten Prim&auml;rmarkt. In Deutschland wird die Emission (Ausgabe) von Staatsanleihen von der Finanzagentur durchgef&uuml;hrt. Die eigentliche Emission erfolgt nach dem Prinzip einer umgekehrten Versteigerung, bei der diejenigen den Zuschlag bekommen, die den jeweils niedrigsten Zinssatz bieten. Bei diesen Versteigerungen kann nicht jeder mitbieten, sondern nur ein sehr kleiner und erlauchter Kreis von Banken, der die sogenannte <a href=\"http:\/\/www.deutsche-finanzagentur.de\/fileadmin\/Material_Deutsche_Finanzagentur\/PDF\/Pressemitteilungen\/Pressemitteilungen_2010\/pm_36_15122010_dt_BIETERGRUPPE.pdf\">Bietergruppe [PDF &ndash; 28.3 KB]<\/a> bildet. Wenn also beispielsweise ein Hedgefonds deutsche Staatsanleihen erwerben will, so kann er dies nicht auf dem Prim&auml;rmarkt tun. F&uuml;r den Staat ist der Prim&auml;rmarkt von gro&szlig;er Bedeutung, da bei den Versteigerungen der eigentliche Zinssatz f&uuml;r die Staatsanleihen festgelegt wird. Auf dem sog. Sekund&auml;rmarkt k&ouml;nnen dann Staatsanleihen auch zwischen den anderen Marktteilnehmern gehandelt werden. Der jeweilige Handelskurs dieser Anleihen wird &ndash; wie auch bei Aktien &ndash; durch Angebot und Nachfrage geregelt. <\/p><p><strong>Nennwert, Kurswert, Buchwert &ndash; was sind Anleihen wert?<\/strong><\/p><p>Der Nennwert einer Anleihe ist die Summe, die der Besitzer des Papiers am Ende der Laufzeit vom Staat zur&uuml;ckbekommt. Neben dem Nennwert ist der sogenannte Kupon der einzige Wert, der bereits bei der Ausgabe der Anleihen feststeht. Als Kupon wird die garantierte Zinszahlung pro Jahr bezeichnet. Wenn also Deutschland eine 100-Euro-Anleihe herausgibt, die mit einem Kupon von 3% versehen ist, hei&szlig;t dies, dass der Besitzer dieser Anleihe jedes Jahr 3 Euro und am Ende der Laufzeit die Kreditsumme von 100 Euro zur&uuml;ckbekommt. Der Kupon ist jedoch nur ein Anhaltspunkt f&uuml;r die eigentliche Verzinsung. Wenn eine Anleihe mit dem Nennwert 100 Euro bei der Versteigerung auf dem Prim&auml;rmarkt f&uuml;r nur 95 Euro verkauft wird, kriegt der Besitzer der Anleihe dennoch 3 Euro pro Jahr und 100 Euro am Ende der Laufzeit. In diesem Falle liegt der eigentliche Zins &uuml;ber 3%. Wenn spiegelbildlich dazu der Zuschlag bei 105 Euro erteilt wird, liegt der eigentliche Zins bei unter 3%. Wenn ein Staat beispielsweise plant, bei einer Auktion f&uuml;nf Milliarden Euro einzunehmen, so ist der effektive Erl&ouml;s abh&auml;ngig vom Auktionsergebnis und kann auch deutlich h&ouml;her oder niedriger liegen. Die f&auml;llige Zahlung am Ende der Laufzeit ist jedoch durch den Nennwert exakt bekannt.<\/p><p>Der Marktwert einer Anleihe ist der Kurs des betreffenden Papiers an den B&ouml;rsen. F&uuml;r die allermeisten Investoren ist dieser Wert besonders wichtig, da er die eigentliche Verzinsung aus Sicht des Investors anzeigt. Liegt der Kurs einer Anleihe mit 100 Euro Nennwert beispielsweise bei 80 Euro, ist die effektive Verzinsung weitaus h&ouml;her als der Kupon, liegt der Kurs bei 120 Euro, ist die effektive Verzinsung weitaus niedriger. F&uuml;r den Staat ist dieser Kurs, also der Marktwert, jedoch nicht von direktem Belang. Er zahlt nur den Kupon und den Nennwert am Ende der Laufzeit. Gewinne und Verluste, die auf dem Sekund&auml;rmarkt entstehen, sind &ndash; ebenso wie die daraus resultierende Ver&auml;nderung der effektiven Verzinsung &ndash; ausschlie&szlig;lich eine Umverteilung unter den verschiedenen Marktteilnehmern.<\/p><p>Im Kontext der Eurokrise und der schw&auml;chelnden Banken ist es von Interesse, mit welchem Wert die Banken bestimmte Anleihen, die in ihrem Besitz sind, bilanziert haben. Hierbei gibt es unterschiedliche Regeln: US-Gro&szlig;banken m&uuml;ssen Anleihen zum jeweiligen Marktpreis bilanzieren, w&auml;hrend europ&auml;ische Banken hier weitaus mehr Freiheiten haben. Es ist hierzulande &ndash; vereinfacht gesagt &ndash; Sache der Bank, mit welchem Wert sie eine Anleihe bilanziert. So kann eine Bank eine 100-Euro-Griechenlandanleihe, die einen Marktwert von nur noch 30 Euro hat, beispielsweise zum Nennwert von 100 Euro bilanzieren, sie kann aber auch beliebige Abschreibungen vornehmen und die Anleihe mit 80 Euro (20% Abschreibung), 50 Euro (50% Abschreibung) oder auch zum Marktwert von 30 Euro in der Bilanz ausweisen. <\/p><p><strong>Die Eurokrise und ihre Folgen<\/strong><\/p><p>Ein Staat, der in seiner eigenen W&auml;hrung verschuldet ist und eine souver&auml;ne Notenbankpolitik betreiben kann, kann nicht Bankrott gehen. Wenn ein solcher Staat im Notfall Geld braucht und es nicht an den Finanzm&auml;rkten bekommt, kann er sich dieses Geld von seiner eigenen Notenbank sch&ouml;pfen lassen &ndash; man k&ouml;nnte hier auch von &bdquo;Geld drucken&ldquo; sprechen. Die Staatsanleihen der USA, Gro&szlig;britanniens oder Japans haben daher auch kein wirkliches Ausfallrisiko &ndash; sie haben allenfalls ein Inflationsrisiko, das in den Kursen abgebildet wird. M&ouml;glich ist allerdings, dass die betreffende W&auml;hrung gegen&uuml;ber anderen an Wert verliert. Die Eurozone ist jedoch eine W&auml;hrungsgemeinschaft. Kein Land hat Zugriff auf die EZB und kein Land kann somit eine souver&auml;ne Notenbankpolitik betreiben. L&auml;nder der Eurozone sind daher &ndash; bildlich betrachtet &ndash; nicht in ihrer &bdquo;eigenen&ldquo; W&auml;hrung verschuldet und k&ouml;nnen sehr wohl Bankrott gehen, also zahlungsunf&auml;hig werden, wenn ihnen die Finanzm&auml;rkte kein frisches Kapital zur Verf&uuml;gung stellen. Dies w&auml;re der Fall, wenn bei den Auktionen am Prim&auml;rmarkt zu wenige oder gar keine Gebote platziert w&uuml;rden.<\/p><p>So etwas war jedoch bislang noch nicht der Fall. Was jedoch geschah, war, dass die Bieter bei den Auktionen Maximalgebote abgegeben haben, die weit unterhalb eines vern&uuml;nftigen Niveaus lagen. Wenn also beispielsweise Griechenland Anleihen zum Nennwert von 100 Euro versteigert und die Bieter lediglich bereit sind, 50 Euro zu zahlen, steigt dadurch die effektive Verzinsung, da Griechenland ja &ndash; unabh&auml;ngig vom Kupon &ndash; am Ende der Laufzeit die vollen 100 Euro Nennwert zur&uuml;ckzahlen muss. . Kein Industrieland der Welt kann dauerhaft Zinsen oberhalb einer kritischen H&ouml;he bedienen.<\/p><p>Der gr&ouml;&szlig;te Teil der Staatsanleihen, die ausgegeben werden m&uuml;ssen, sind kein Teil der Neuverschuldung. Sie m&uuml;ssen vielmehr ausgegeben werden, um die Verpflichtungen f&uuml;r &auml;ltere, auslaufende Anleihen zu bedienen. Wenn man einmal vereinfacht unterstellt, dass die Anleihen eine durchschnittliche Laufzeit von 10 Jahren haben, hei&szlig;t dies, dass jedes Jahr rund ein Zehntel der Gesamtverschuldung durch neue Anleihen abgel&ouml;st werden muss. H&ouml;here Zinsen k&ouml;nnen so ziemlich schnell einen gef&auml;hrlichen Effekt auf den Staatshaushalt aus&uuml;ben.<\/p><p>Wenn Griechenland beispielsweise nur 50 Euro f&uuml;r jede Anleihe mit 100 Euro Nennwert bekommt, muss es doppelt so viele Anleihen ausgeben, um die Zahlungsverpflichtungen der auslaufenden Anleihen bedienen zu k&ouml;nnen. Das bedeutet, dass sich nicht nur die Zinslast (also die Zahlungen f&uuml;r den Kupon) verdoppelt, sondern auch die Summe, die am Ende der Laufzeit zur&uuml;ckgezahlt werden muss. Wenn man die Zahlen aus diesem Beispiel hochrechnet und eine Laufzeit von 10 Jahren unterstellt, hie&szlig;e dies, dass Griechenland seine Staatsverschuldung binnen 10 Jahren verdoppeln w&uuml;rde &ndash; die ebenfalls verdoppelte Zinslast durch den Kupon ist hierbei noch nicht einmal eingerechnet.<\/p><p><strong>Die EFSF<\/strong><\/p><p>Um Griechenland und anderen Staaten diesen Teufelskreis zu ersparen, wurde von der EU die EFSF (Europ&auml;ische Finanzstabilisierungsfazilit&auml;t) ins Leben gerufen. Die EFSF versteigert &ndash; genauso wie die Staaten &ndash; Anleihen am Prim&auml;rmarkt und reicht die Versteigerungserl&ouml;se (mit Bearbeitungsgeb&uuml;hren und Aufschlag) an die angeschlagenen L&auml;nder weiter. Diese L&auml;nder kriegen das Geld freilich nicht geschenkt, sondern m&uuml;ssen jeden Cent, inklusive Zins, an die EFSF zur&uuml;ckzahlen. Der einzige Vorteil f&uuml;r die betroffenen L&auml;nder ist der, dass der Zins bei EFSF-Anleihen niedriger ist, als der Zins f&uuml;r ihre eigenen Anleihen. Das hei&szlig;t konkret, dass die Bieter bei den Versteigerungen der EFSF h&ouml;here Gebote abgeben als bei den Versteigerungen der angeschlagenen L&auml;nder. Dies wird dadurch m&ouml;glich, dass bei der EFSF nicht nur die angeschlagenen L&auml;nder, sondern alle Eurozonenl&auml;nder die R&uuml;ckzahlung garantieren. <\/p><p>Die j&uuml;ngst beschlossene Hebelung der EFSF hei&szlig;t nichts anderes, als dass k&uuml;nftig die Eurozonenl&auml;nder nicht mehr die gesamte R&uuml;ckzahlung, sondern nur noch die R&uuml;ckzahlung der ersten 20% garantieren. Dadurch k&ouml;nnte die EFSF auf diesem Wege f&uuml;nfmal so viele Anleihen garantieren und &ndash; wenn gen&uuml;gend Anleger da sind &ndash; somit auch f&uuml;nfmal so viel Kapital mobilisieren, ohne bei den eigenen Parlamenten eine neue Freigabe f&uuml;r h&ouml;here Garantien zu erwirken. Der Pferdefu&szlig; der Hebelung ist jedoch, dass durch die Ausweitung der garantierten Papiere ein Ausfall wahrscheinlicher wird &ndash; was nat&uuml;rlich ihre Sicherheit verringert.<\/p><p><strong>Was ist ein Schuldenschnitt?<\/strong><\/p><p>Wenn ein Land zahlungsunf&auml;hig wird, vereinbart es in der Regel mit seinen Gl&auml;ubigern einen sogenannten Schuldenschnitt (oder engl. Haircut). Ein Schuldenschnitt von 50% hei&szlig;t, dass die Gl&auml;ubiger auf 50% des Nennwertes ihrer Anleihen verzichten. Wer also im Besitz von zwei alten 100-Euro-Anleihen ist, bekommt entweder zwei neue 50-Euro-Anleihen oder eine neue 100-Euro-Anleihe im Tausch. Da bei einem Schuldenschnitt die alten Papiere ung&uuml;ltig werden und die Restforderung in neuen Papieren &bdquo;ausgezahlt&ldquo; wird, spricht man in diesem Zusammenhang auch von einer Umschuldung. <\/p><p><strong>Warum auf dem EU-Gipfel kein Schuldenschnitt beschlossen wurde<\/strong><\/p><p>Bei einem echten Schuldenschnitt spielt es keine Rolle, wer Inhaber der Anleihen ist. Die verhandelten Abschreibungen betreffen alle Gl&auml;ubiger in gleichem Ma&szlig;e. Einzig und alleine der IWF wird traditionell von einem Schuldenschnitt ausgenommen. Das Ergebnis des EU-Gipfels besagt jedoch, dass von dem verhandelten Anleihentauschprogramm nur Banken und Versicherungen betroffen sind. S&auml;mtliche Anleihen, die im staatlichen Besitz oder aber im Besitz der EZB sind, sind vom geplanten Anleihentauschprogramm nicht betroffen. Wie im Artikel &raquo;<a href=\"\/?p=11127\">Der &bdquo;Schuldenschnitt&ldquo; und das Kleingedruckte<\/a>&laquo; dargelegt wurde, bezieht sich das Angebot nicht auf 100% der ausstehenden griechischen Staatsschulden, sondern nur auf die 27%, die im Besitz nicht-griechischer Banken und Versicherungen sind. Wenn alle Gl&auml;ubiger auf das Angebot eingehen und f&uuml;r ihre Griechenlandanleihen im Nennwert von 100 Euro EFSF-Anleihen im Nennwert von 50 Euro akzeptieren w&uuml;rden, w&uuml;rden Griechenland nicht 50%, sondern nur 13,5% seiner ausstehenden Schulden erlassen.<\/p><p>Der Teufel steckt jedoch auch hier im Detail. Diese 13,5% k&auml;men nur dann zustande, wenn die Laufzeit und der Kupon genauso hoch sind, wie bei den alten Anleihen. Und hier besteht sehr viel Verhandlungsspielraum seitens der Banken. Wenn Griechenland beispielsweise eine alte Anleihe mit einer Restlaufzeit von 5 Jahren und einem Kupon von 3% gegen eine EFSF-Anleihe mit einer Laufzeit von 30 Jahren und einem Kupon von 6% eintauschen m&uuml;sste, w&auml;re dies kein gutes, sondern ein verdammt schlechtes Gesch&auml;ft f&uuml;r das Land, da sich an der H&ouml;he des Kupons nichts &auml;ndern w&uuml;rde (3% von 100 sind genau so viel wie 6% von 50) und die lange Laufzeit wie ein Damoklesschwert &uuml;ber den Staatsfinanzen schweben w&uuml;rde. <\/p><p><strong>Warum die Banken unter Umst&auml;nden gar keine 50% abschreiben m&uuml;ssen<\/strong><\/p><p>Der Anleihentausch wird &ndash; so sich an der Situation nichts mehr ver&auml;ndert &ndash; Ende des Jahres ausgehandelt und soll zu Beginn des n&auml;chsten Jahres in Kraft treten. Was konkret verhandelt wird, ist daher auch noch nicht bekannt. Auf Abschreibungen von 50% wird es jedoch aller Voraussicht nach nicht hinauslaufen. Daf&uuml;r gibt es zwei Gr&uuml;nde: <\/p><ol>\n<li>Die Abschreibung bezieht sich auf den Nennwert. Selbst wenn die neuen EFSF-Anleihen, die im Tausch gegen die alten Griechenland-Anleihen ausgegeben werden, wirklich nur 50% des Nennwertes haben sollten, kann dies ein Gewinn f&uuml;r die Banken sein. Der alte Nennwert von 100 Euro ist bei einem angeschlagenen Land wie Griechenland nur ein fiktiver Wert, der nur dann relevant ist, wenn das Land seine Schulden zu 100% bedient. Davon geht jedoch kein Marktteilnehmer aus, weshalb der Marktwert weit unterhalb des Nennwertes liegt. Wenn eine Anleihe aber nur einen Marktwert  z.B. von 30 Euro hat und gegen eine erstklassig abgesicherte Anleihe mit einem Nennwert von 50 Euro, die auch einen Marktwert von 50 Euro haben sollte, eingetauscht wird, ist dies de facto kein Verlust von 50 Euro, sondern ein Gewinn von 20 Euro. Die &ouml;ffentlich dargestellte Version einer 50%-Abschreibung durch den Finanzsektor l&auml;sst sich nur dann aufrecht erhalten, wenn man den Marktwert der Anleihen komplett ignoriert und sich ausschlie&szlig;lich auf den Nennwert fokussiert. Das w&auml;re ungef&auml;hr so, als wenn man einen klapprigen, zwanzig Jahre alten Mercedes nicht zum Gebrauchtwagenwert, sondern zum Neupreis bilanzieren w&uuml;rde. Im &uuml;bertragenen Sinne sitzen die Banken also auf einem uralten griechischen Mercedes, der einen Neupreis von 100.000 Euro hatte und auf dem Gebrauchtwagenmarkt nur noch 30.000 Euro wert w&auml;re und tauschen ihn &ndash; dank EU-Gipfel &ndash; gegen einen neuen europ&auml;ischen Mercedes im Wert von 50.000 Euro ein. Ist dies ein Verlust? Ist dies eine substantielle Beteiligung des Privatsektors?<\/li>\n<li>Eine Anleihe im Nennwert von 50 Euro kann wesentlich &bdquo;wertvoller&ldquo; sein. Da bei dem Anleihentausch keine Auktion stattfindet, sondern die Banken und Versicherungen die neuen Anleihen zugewiesen bekommen, findet auch keine Preisfindung statt. F&uuml;r die Banken er&ouml;ffnet sich bei dem Szenario die Manipulationsm&ouml;glichkeit, den Kupon viel zu hoch anzusetzen. Diesen Trick versuchten die Banken <a href=\"\/?p=10194\">bereits im Juli dieses Jahres<\/a>, als sie einen Abschlag von damals 20% nur unter der Bedingung akzeptieren wollten, dass die EFSF-Anleihen, gegen die sie ihre Griechenland-Anleihen eintauschen wollten, einen Kupon von 6,42% haben sollten. Anleihen mit einem Nennwert von 50 Euro, einem Kupon von 6,42% und einem AAA-Rating durch die erstklassigen Garantien von  Eurozonenl&auml;ndern wie Deutschland, sind auf dem Markt aber wesentlich mehr wert als 50 Euro. Es ist daher auch davon auszugehen, dass die Banken die Regierungschefs einmal mehr &uuml;ber den Tisch ziehen werden. Im Mercedes-Beispiel hie&szlig;e dies, dass die Banken im Endeffekt sogar einen neuen Mercedes bekommen w&uuml;rden, der eigentlich 70.000 Euro wert ist, der aber nur mit 50.000 Euro ausgezeichnet wurde.<\/li>\n<\/ol><p>Wir hoffen, den Sachverhalt einigerma&szlig;en plausibel und sprachlich verst&auml;ndlich dargestellt zu haben. Sollten Sie weitere Fragen haben, scheuen Sie Sich bitte nicht, uns eine Mail zu schreiben.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/5729f9f9facb4062991b2e2fda3a0bd0\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Artikel &raquo;<a href=\"\/?p=11127\">Der &bdquo;Schuldenschnitt&ldquo; und das Kleingedruckte<\/a>&laquo; haben uns viele Zuschriften erreicht, in denen wir gebeten wurden, die Fachbegriffe und Mechanismen einmal n&auml;her zu erkl&auml;ren. Dem kommen wir gerne nach, da wir es sehr wichtig finden, dass unsere Leser nicht nur unsere Texte verstehen, sondern auch allgemeinverst&auml;ndliche Argumente in der Hand haben, die Propaganda<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11186\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[134,50],"tags":[672,507,283,851,637],"class_list":["post-11186","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-finanzen-und-waehrung","category-finanzkrise","tag-esmefsf","tag-ezb","tag-finanzmaerkte","tag-schuldenschnitt","tag-staatsanleihen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11186"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24158,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11186\/revisions\/24158"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}