{"id":11190,"date":"2011-11-04T15:00:15","date_gmt":"2011-11-04T14:00:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11190"},"modified":"2014-12-03T10:59:39","modified_gmt":"2014-12-03T09:59:39","slug":"journalisten-haben-es-schwer-das-ist-aber-kein-grund-die-wahren-grunde-des-versagens-der-medien-nicht-beim-namen-zu-nennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11190","title":{"rendered":"Journalisten haben es schwer. Das ist aber kein Grund, die wahren Gr\u00fcnde des Versagens der Medien nicht beim Namen zu nennen"},"content":{"rendered":"<p>Jeden Tag k&ouml;nnte man an unseren Medien verzweifeln: &Uuml;ble pauschale Kampagnen gegen die Griechen und andere V&ouml;lker, dumpfer Nationalismus, unbegr&uuml;ndeter, fast schon gleichgeschalteter Jubel &uuml;ber Angela Merkels Gipfelleistung, kein Biss, oft bar jeden kritischen Verstands, Denkfehler, voll von PR und Kampagnen, etc.. Ein Musterbeispiel waren die <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt3492.html\">Tagesthemen vom 3.11.2011<\/a>. &ndash; Wenn man Journalisten ob ihrer oft mangelhaften Leistung kritisiert, reagieren sie h&ouml;chst pikiert. Kritik vertragen sie nicht oder schieben sie ab. Jetzt sind auch noch wir Internet-Blogger schuld an ihrer Misere. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><\/p><p><strong>Die Blogger sind schuld an der Orientierungslosigkeit der Journalistinnen und Journalisten?<\/strong><\/p><p>Journalisten\/innen, vor allem die nicht etablierten, haben es wirklich schwer. Sie leiden unter der Konzentration der Verlage. Sie leiden unter dem Outsourcing der Medienkonzerne und dem &Uuml;berangebot an journalistischen Kolleginnen und Kollegen. Sie leiden unter dem Kampf um Einschaltquoten und dem zu diesem Zweck verordneten Schrumpfen der Wortbeitr&auml;ge. Aber sie leiden eben auch unter mangelnder Ausbildung und ihrem Anspruch, insbesondere bei wirtschaftspolitischen Themen ohne ausreichende Sachkenntnis eine feste Meinung zu haben. Die Mehrheit der Journalisten insbesondere der oberen Etagen sind unf&auml;hig zur Selbstkritik und unf&auml;hig die wirklichen M&auml;ngel zu sehen. Ich habe es in den letzten Monaten mehrmals erlebt, dass auch Journalisten, denen ich einen Rest von kritischen Verstand zugetraut habe, behaupteten, bei uns im Land sei anders als in Italien, in Gro&szlig;britannien und in den USA die Medienwelt noch einigerma&szlig;en in Ordnung, wir h&auml;tten ein beachtliches Ma&szlig; an Pluralit&auml;t.<br>\nDass hierzulande die journalistische Arbeit &uuml;ber weite Strecken von strategisch ausgedachten Kampagnen bestimmt wird, dass PR Artikel &ndash; beispielsweise zum demographischen Wandel, zur Riester-Rente und zur Finanzkrise &ndash; am laufenden Band erscheinen. Dass es hierzulande m&ouml;glich ist, aus einer vor allem von Spekulanten und Banken gemachten Krise eine &bdquo;Schuldenkrise&ldquo; der Staaten zu machen, merken gro&szlig;e Teile des Journalismus nicht, obwohl sie genau diese Kampagne mitmachen.<\/p><p>In Mainz kommen jeweils im Herbst Journalistinnen und Journalisten zusammen, von denen man nach erstem Augenschein annehmen k&ouml;nnte, sie w&uuml;rden sich einen Rest an Kritikf&auml;higkeit erhalten haben &ndash; beim MainzerMedienDisput, dieses Jahr am 23. und 24. November zum Thema &bdquo;Interessant vor relevant? Orientierungslosigkeit und Identit&auml;tsverluste &ndash; Wohin steuert der Journalismus?&ldquo;<br>\nDie Projektgruppe zur Vorbereitung dieses 16. MainzerMedienDisputs, bestehend aus Claudia Deeg, Michael Grabenstroer, Professor Dr. Thomas Leif und Thomas Meyer, schreibt in einer Art thematischen Einf&uuml;hrung folgendes:<\/p><blockquote><p>&bdquo;Der klassische Journalismus leidet. Verleger und Sender sparen. Weniger Geld, weniger Zeit, weniger Sorgfalt. Recherche wird klein geschrieben. All dies unterh&ouml;hlt das journalistische Fundament, die Qualit&auml;t von Zeitungen, Magazinen, Funk und Fernsehen. Demgegen&uuml;ber suggerieren Internet-Blogger und &bdquo;Social Media&ldquo; eine neue &bdquo;Wahrhaftigkeit&ldquo;. Sie haben einen Mythos freier, allgegenw&auml;rtiger Informationen geschaffen. Die Folge: klassische Medien und ihre Macher geraten auf die Verliererstra&szlig;e. Viele Journalistinnen und Journalisten finden sich pl&ouml;tzlich in der Orientierungslosigkeit wieder. Das geht einher mit Verlust ihrer Identit&auml;t und der ehemals vorhandenen &bdquo;Deutungshoheit&ldquo; im gesellschaftlichen Diskurs.<\/p><\/blockquote><p>Wir also, die NachDenkSeiten-Macher und die Blogger ansonsten sind schuld an der Orientierungslosigkeit und am Identit&auml;tsverlust der Journalistinnen und Journalisten. Auch sind wir verantwortlich f&uuml;r den Verlust der &bdquo;Deutungshoheit&ldquo; der in den herk&ouml;mmlichen Medien t&auml;tigen Journalistinnen und Journalisten. <\/p><p>Wenn das so ist, wenn das so w&auml;re, dann w&auml;ren wir richtig stolz darauf. Und wie begr&uuml;ndet dieser Stolz ist, das erfahren Sie anschaulich, wenn Sie sich die <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt3492.html\">Tagesthemen von gestern<\/a> noch einmal anschauen.<\/p><p><strong>Tagesthemen am 3. November so mies wie so oft &ndash; voller Kampagnenelemente, Unkenntnis und umso festeren Urteilen<\/strong><\/p><p>Zur Begr&uuml;ndung einige Beispiele aus der Sendung:<\/p><ul>\n<li>Bundesfinanzminister Sch&auml;uble darf in einem Interview dreimal hintereinander dem Sinne nach sagen, Griechenland m&uuml;sse die Ma&szlig;nahmen umsetzen, die vereinbart worden sind, &bdquo;was beschlossen ist, muss umgesetzt werden&ldquo;, usw. Und vom Interviewer Buhrow kommt dazu nicht die Andeutung einer kritischen Frage danach, ob die verlangten Spar- und Reformma&szlig;nahmen richtig sind.\n<\/li>\n<li>Die minimale Absenkung des Leitzinses durch die Europ&auml;ische Zentralbank von 1,5 % auf 1,25 % wird ohne jeden leichten Zweifel als inflationsf&ouml;rdernd dargestellt. Die Preissteigerung von 3 % in Europa wird einfach als zu hoch deklariert, und dies gleich mehrmals, von Anja Kohl und von Tom Buhrow. Damit wird Inflationsangst gesch&uuml;rt, obwohl wir sehr viel n&auml;her an einer Rezession stehen.<\/li>\n<li>Rolf Dieter Krause behauptet, wir k&ouml;nnten uns unsere Verschiedenheit in der Eurozone nicht mehr leisten und deshalb m&uuml;sse es m&ouml;glich sein, dass einzelne L&auml;nder das Euro-Gebiet verlassen. Die Frage, ob man sich innerhalb eines W&auml;hrungsraumes verschiedene Gewohnheiten leisten kann, ist ein interessantes Thema. Aber die Antwort von Krause ist einfach zu billig. Selbstverst&auml;ndlich ist es m&ouml;glich, auch innerhalb eines W&auml;hrungsgebietes verschiedene Gewohnheiten zu haben. Der Ausgleich f&uuml;r die Verschiedenheiten ist nicht nur durch Austritt aus dem W&auml;hrungsgebiet und Abwertung bzw. Aufwertung m&ouml;glich. Es w&auml;re &auml;hnlich gut und ohne gr&ouml;&szlig;eren Aufwand m&ouml;glich, durch verschiedene Lohnentwicklungen in einem W&auml;hrungsgebiet einen Ausgleich zu schaffen.<\/li>\n<li>Dann kommt auch noch der Deutschland Trend, von J&ouml;rg Sch&ouml;nenborn pr&auml;sentiert. Die Zustimmung zur Bundeskanzlerin steigt, genauso die Skepsis gegen&uuml;ber dem Verbleib Griechenlands im Eurogebiet und die Krisenangst. Dass die Ergebnisse dieser Umfragen &uuml;ber weite Strecken das Spiegelbild der laufenden Kampagnen zum Beispiel gegen Griechenland, f&uuml;r Frau Merkel und f&uuml;r Steinbr&uuml;ck sind, wird nicht einmal angedeutet.<\/li>\n<\/ul><p>Die &ndash; von einzelnen Beitr&auml;gen abgesehen &ndash; &uuml;ber weite Strecken miserable Leistung der Tagesthemenredaktion hat mit der von der Projektgruppe des MainzerMedienDisputs aufgez&auml;hlten Beschwernisse der Journalistinnen und Journalisten in Deutschland wenig zu tun. Das, was wir gestern zu sehen bekamen, ist &uuml;ber weite Strecken die schlechte Leistung von Redaktionen, die nicht nur bei den Themen von gestern, voll im Mainstream und von ihm bestimmten Kampagnen eingebunden sind. <\/p><p><strong>Es fehlt an kritischem Verstand. Daher die Orientierungslosigkeit.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeden Tag k&ouml;nnte man an unseren Medien verzweifeln: &Uuml;ble pauschale Kampagnen gegen die Griechen und andere V&ouml;lker, dumpfer Nationalismus, unbegr&uuml;ndeter, fast schon gleichgeschalteter Jubel &uuml;ber Angela Merkels Gipfelleistung, kein Biss, oft bar jeden kritischen Verstands, Denkfehler, voll von PR und Kampagnen, etc.. 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