{"id":11213,"date":"2011-11-08T09:20:30","date_gmt":"2011-11-08T08:20:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11213"},"modified":"2016-06-01T12:00:45","modified_gmt":"2016-06-01T10:00:45","slug":"nach-dem-flop-der-riester-rente-nun-auch-noch-der-pflege-bahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11213","title":{"rendered":"Nach dem Flop der Riester-Rente nun auch noch der \u201ePflege-Bahr\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Was im allgemeinen Erstaunen dar&uuml;ber, dass sich die schwarz-gelbe Koalition nach monatelangem Gezerre zusammengerauft hat, unterzugehen droht: Neben einer bisher nur versprochenen Leistungsverbesserungen f&uuml;r Demenzkranke und deren Angeh&ouml;rige durch eine Anhebung des Beitragssatzes um 0,1 Prozentpunkte auf 1,96 % des Bruttolohns (auf 2,3% f&uuml;r Kinderlose) hat die FDP bei der Pflegeversicherung den Einstieg in die kapitalgedeckte Vorsorge durchgesetzt: Den &bdquo;Pflege-Bahr&ldquo;, wie der <a href=\"http:\/\/www.liberale.de\/Pflege-Bahr-schafft-Generationengerechtigkeit\/8806c14210i1p69\/index.html\">Gesundheitsminister stolz verk&uuml;ndet<\/a>. Die private Zusatzversicherung soll sich an der Riester-Rente orientieren und analog dazu auch steuerlich gef&ouml;rdert werden.<br>\nDie Klientel-Partei FDP hat &bdquo;geliefert&ldquo;. Die Versicherungswirtschaft reibt sich die H&auml;nde. Von <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><p>Nach Einf&uuml;hrung der Riester-Rente sagte der Finanzoptimierer Karsten Maschmeyer auf der Hauptversammlung seines damaligen Unternehmens AWD: Die Finanzdienstleistungsbranche stehe &bdquo;vor dem gr&ouml;&szlig;ten Boom, den sie je erlebt hat&ldquo;, die private Altersvorsorge &bdquo;ist ein Wachstumsmarkt &uuml;ber Jahrzehnte.&ldquo; Es sei so, &bdquo;als wenn wir auf einer &Ouml;lquelle sitzen&hellip;Sie ist <a href=\"http:\/\/www.netzeitung.de\/spezial\/zukunftdesalters\/342794.html\">angebohrt, sie ist riesig gro&szlig; und sie wird sprudeln<\/a>.&ldquo;<\/p><p>Zugegeben die gesetzliche Pflegeversicherung mit einem Einnahmevolumen von knapp <a href=\"http:\/\/www.gbe-bund.de\/oowa921-install\/servlet\/oowa\/aw92\/dboowasys921.xwdevkit\/xwd_init?gbe.isgbetol\/xs_start_neu\/&amp;p_aid=3&amp;p_aid=73066875&amp;nummer=579&amp;p_sprache=D&amp;p_indsp=-&amp;p_aid=49838199\">22 Milliarden Euro<\/a> ist gegen&uuml;ber der gesetzlichen Rente mit 184 Milliarden Euro Beitragseinnahmen im Jahre 2010 zwar keine &Ouml;lquelle sondern bestenfalls eine Silbermine, aber es lohnt sich f&uuml;r die Versicherungsbranche einen k&uuml;nftig anwachsenden Teil der bisher umlagefinanzierten Pflegevorsorge f&uuml;r eine kapitalgedeckte Versicherung abzuzwacken und ihrem Portfolio einzuverleiben. Es zahlt sich offenbar aus, politische &bdquo;Landschaftspflege&ldquo; bei den politischen Parteien zu betrieben zu haben. <\/p><p>Seit Beginn der Finanzkrise erhielt die CDU von Deutscher Bank, Allianz und anderen rund 1,6 Millionen und die viel kleinere FDP sogar 1,1 Millionen Euro. (Die Spenden an SPD (270.000 Euro) und Gr&uuml;ne (170.000 Euro) nehmen sich <a href=\"http:\/\/www.pr-inside.com\/de\/zeitung-finanzwirtschaft-nach-lehmann-pleite-spend-r2855503.htm\">dagegen wie Ablenkungsman&ouml;ver aus.<\/a>). Ein Weiteres ist bemerkenswert: Laut den Ver&ouml;ffentlichungen der Nebent&auml;tigkeiten nach dem Abgeordnetengesetz hat z.B. Guido Westerwelle von 2005 bis 2009 35 Vortr&auml;ge bei Versicherungen, Banken, Unternehmen etc. gehalten, f&uuml;r die er mehr als die anzugebende H&ouml;chstgrenze von 7.000 Euro mindestens <a href=\"\/upload\/pdf\/20100223_Brief_Westerwelle.pdf\">aber knapp 250.000 Euro erhalten hat [PDF &ndash; 161 KB]<\/a>. Tats&auml;chlich d&uuml;rften die Einnahmen f&uuml;r sich oder seine Partei weitaus h&ouml;her liegen.<\/p><p>Auch der derzeitige Gesundheitsminister Bahr kommt aus der <a href=\"http:\/\/www.daniel-bahr.de\/Persoenlich\/9706b2391\/index.html\">Finanzwirtschaft<\/a>.<br>\nDie Klientelpartei FDP ist also ein willkommenes Trojanisches Pferd f&uuml;r die Versicherungsbranche um nun auch in die Pflegeversicherung einzudringen, um dieses solidarische Versicherungssystem zu knacken.<br>\n(Das wird sich gewiss auch im kommenden Bundestagswahlkampf auszahlen.)<\/p><p> &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/47939\/Opposition_und_Verbaende_kritisieren_Pflegeplaene_der_Koalition.htm\">Die einzigen, die hier verdienen werden, ist die Versicherungswirtschaft&ldquo;, kritisierte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig<\/a>. Recht hat sie damit, es w&auml;re allerdings nur logisch, wenn sie den gleichen Vorwurf gegen&uuml;ber der von der SPD eingef&uuml;hrten Riester-Rente erheben w&uuml;rde. <\/p><p>Mit dem Beschluss des Koalitionsausschusses mit einem sog. &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.liberale.de\/Pflege-Bahr-schafft-Generationengerechtigkeit\/8806c14210i1p69\/index.html\">Pflege-Bahr<\/a>&ldquo; einzuf&uuml;hren, ist nun endlich auch der &bdquo;Einstieg in die private kapitalgedeckte Vorsorge&ldquo; bei der Pflege geschafft. Analog zur Riester-Rente soll die freiwillige private Zusatzvorsorge auch noch steuerlich gef&ouml;rdert werden. <\/p><p>Die Abh&auml;ngigkeit der Politik oder gar die K&auml;uflichkeit f&uuml;hrender Politiker durch die Finanzindustrie klingt wie eine Verschw&ouml;rungstheorie, doch die Realit&auml;t d&uuml;rfte in diesem Fall wohl um vieles schlimmer sein als jede noch so verwegene Theorie. Und in der &bdquo;marktkonformen Demokratie&ldquo; (<a href=\"\/?p=10611\">Angela Merkel<\/a>) sollte man nicht zuerst nach vern&uuml;nftigen politischen Argumenten suchen, sondern vor allem danach fragen, wer an politischen Entscheidungen verdient. Denn au&szlig;er, dass sich hier einmal mehr die Finanzindustrie ein neues Gesch&auml;ftsfeld erobern kann und deshalb auch eine entsprechende politische &bdquo;Landschaftspflege&ldquo; betreibt, gibt es kaum ein vern&uuml;nftiges Argument, um nach dem Flop der Riester-Rente nun auch noch auf dem Feld der Pflege zus&auml;tzlich freiwillige private Versicherungsvertr&auml;ge einzuf&uuml;hren um eine Versorgungsl&uuml;cke zu schlie&szlig;en. <\/p><p>Die gleichfalls in der schwarz-gelben Koalition beschlossene Beitragsanhebung bei der gesetzlichen Pflegeversicherung um 0,1 Prozentpunkte auf 1,96 % des Bruttolohns (auf 2,3% f&uuml;r Kinderlose ab 23 (!) Jahre) im Jahre 2013 reicht bei weitem nicht aus, um den von den Pflegeverb&auml;nden diagnostizierten Pflegebedarf zu decken. 1,1 Milliarden sollen damit zus&auml;tzlich in die gesetzliche Pflegeversicherung flie&szlig;en, doch nach begr&uuml;ndeter Meinung einschl&auml;giger Fachleute, w&auml;ren allein f&uuml;r die notwendige Einbeziehung von Demenzkranken 3,6 Mrd. <a href=\"http:\/\/www.verbaende.com\/news.php\/Koalition-versagt-bei-Pflegereform?m=80302\">Euro n&ouml;tig<\/a>. Der Pflegenotstand ist also mit dieser minimalen Beitragserh&ouml;hung programmiert und die Versicherungswirtschaft wird sich freuen, diese L&uuml;cke durch Zusatzvertr&auml;ge der ver&auml;ngstigten Menschen schlie&szlig;en zu d&uuml;rfen. <\/p><p>Ein lukrativeres neues Gesch&auml;ftsfeld l&auml;sst sich kaum finden, das belegt die Riester-Rente: <\/p><ul>\n<li>Jeder abgeschlossene Riester-Vertrag bringt den <a href=\"http:\/\/www.zdf.de\/ZDFmediathek\/beitrag\/video\/1344282\/Riester-Geschaefte-mit-der-Zusatzrente-#\/beitrag\/video\/1344282\/Riester-Geschaefte-mit-der-Zusatzrente\">Versicherungsunternehmen nach Angaben<\/a> &ndash; des Versicherungsexperten Prof. Klaus J&auml;ger von der FU Berlin einen Gewinn von 8.000 Euro.<\/li>\n<li>Ein junger Mensch zahlt (je nach Laufzeit seines Vertrages) erst einmal 10 Jahre Beitr&auml;ge ein, die ausschlie&szlig;lich die &bdquo;Kosten&ldquo; des Versicherers decken und &uuml;berhaupt nicht zur Altersvorsorge <a href=\"\/?p=11035\">beitragen und daher auch nicht verzinst werden<\/a>.<\/li>\n<li>Ein 30-j&auml;hriger Riester-Fondssparer mit einem j&auml;hrlichen Bruttoeinkommen von 52.500 Euro m&uuml;sste 92&nbsp;Jahre alt werden, um seine eigenen Beitr&auml;ge samt Zinsen als Rente ausgezahlt zu bekommen. Tats&auml;chlich hat ein derzeit 30-j&auml;hriger Mann nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes aber eine Lebenserwartung von nur 78&nbsp;Jahren, Frauen sterben <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/finanzen\/vorsorge\/staatlich-gefoerderte-altersvorsorge-die-riester-luege\/5210054.html\">im&nbsp;Durchschnitt mit 83&nbsp;Jahren<\/a>.<\/li>\n<li>Die staatlichen Zulagen kommen letztlich nicht den Versicherten sondern den Versicherungsunternehmen zugute. Provisionen und Geb&uuml;hren &bdquo;fressen&hellip;fast die gesamten Zulagen auf&ldquo;. (&Ouml;ko-Test, Heft6\/2011)<\/li>\n<li>Die Versicherer d&uuml;rfen bis zu 25 Prozent der &Uuml;bersch&uuml;sse als Gewinn einstreichen.<\/li>\n<li>Die Riester-Vertr&auml;ge werden vor allem von solchen Einkommensbeziehern abgeschlossen und damit die staatliche F&ouml;rderung kassiert, die es am wenigsten n&ouml;tig haben und die nur von einem Sparmodell auf ein anderes umsteigen. Die mittleren und unteren Einkommensgruppen, denen es im Alter am schlechtesten geht, <a href=\"http:\/\/www.diw.de\/documents\/publikationen\/73\/diw_01.c.347791.de\/10-8-1.pdf\">werden nicht erreicht [PDF &ndash; 345 KB]<\/a>. Die &uuml;bergro&szlig;e Mehrheit bleibt also in der politisch aufgerissenen Versorgungsl&uuml;cke stecken.<\/li>\n<li>&Uuml;ber den Steuervorteil durch das Riestern entgehen dem Staat laut Bundesbank 12,5 Milliarden Euro <a href=\"\/?p=3124\">Steuereinnahmen<\/a>.<\/li>\n<li>Der Riesterfaktor (d.h. der private Altersvorsorgeanteil wird vorab vom Bruttolohn abgezogen) mindert die Anpassung der Renten an die Lohnsteigerung und schm&auml;lert die Beitr&auml;ge f&uuml;r die gesetzliche Rentenversicherung. Die dadurch verursachte geringere Rentenleistung, dient gleichzeitig wiederum als Argument f&uuml;r den Abschluss von Riester-Vertr&auml;gen.<\/li>\n<\/ul><p>So oder ganz so &auml;hnlich d&uuml;rften auch die &bdquo;Gesch&auml;ftsbedingungen&ldquo; f&uuml;r die &bdquo;Bahr-Pflege&ldquo; aussehen. Schlie&szlig;lich soll sie sich laut Bahr an <a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/47939\/Opposition_und_Verbaende_kritisieren_Pflegeplaene_der_Koalition.htm\">der Riester-Rente orientieren<\/a>. <\/p><p>Die &bdquo;Bahr-Pflege&ldquo; wurde von der Versicherungslobby und ihren Mietm&auml;ulern in Wissenschaft und Medien seit Jahren mit den gleichen Parolen wie bei der Riester-Rente propagiert. In Kurzform:<\/p><ul>\n<li>Die demografische Entwicklung f&uuml;hre zu immer mehr Alten, die gepflegt werden m&uuml;ssten und die Zahl der Beitragszahler gehe aufgrund der geburtenschwachen Jahrg&auml;nge zur&uuml;ck.<\/li>\n<li>Dadurch w&uuml;rde die beitragsfinanzierte Rente f&uuml;r die &bdquo;junge Generation&ldquo; unbezahlbar, mehr &bdquo;Eigenverantwortung&ldquo; sei notwendig.<\/li>\n<li>Die Beitr&auml;ge f&uuml;r die gesetzliche Vorsorge d&uuml;rften aber nicht erh&ouml;ht werden, weil sich damit die sog. &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; erh&ouml;hten und damit wiederum durch h&ouml;here Lohnkosten die Wettbewerbsf&auml;higkeit und Arbeitspl&auml;tze gef&auml;hrdet w&uuml;rden.<\/li>\n<\/ul><p>Wir haben diese Argumentation im Zusammenhang mit der Debatte um die Riester-Rente dutzende Male ausf&uuml;hrlich kritisiert und widerlegt. Siehe dazu unserer Rubrik &bdquo;Sachfragen&ldquo; unter &bdquo;<a href=\"\/?cat=40\">Die Riester-R&uuml;rup-T&auml;uschung<\/a>&ldquo;, &bdquo;<a href=\"\/?category_name=demographie\">Demographie<\/a>&ldquo;  und &bdquo;<a href=\"\/?cat=39\">Rente, Privatvorsorge, etc.<\/a>&ldquo;. <\/p><p>Die Stimmen, die sich kritisch mit der Riester-Rente auseinandersetzten sind allerdings von den etablierten Parteien (SPD,CDU, FDP, Gr&uuml;ne) nicht geh&ouml;rt und vom Meinungsmainstream <a href=\"\/?p=7327\">&uuml;bersp&uuml;lt<\/a>, ja sogar unterdr&uuml;ckt worden. Oder einzelne Medien wie die Bild-Zeitung sind ganz offen mit einem m&auml;chtigen Versicherungsunternehmen eine <a href=\"\/?p=2548\">PR-&bdquo;Allianz&ldquo; eingegangen<\/a>.<\/p><p>Ich kann und will an dieser Stelle nicht noch einmal diese Auseinandersetzung nachzeichnen, sondern nur noch einmal ein paar Kernargumente gegen die Ideologie der Privatisierung der Vorsorge kurz benennen:<\/p><ul>\n<li><strong>Zur demografischen Entwicklung:<\/strong> Ja, die Gesellschaft wird &auml;lter, hei&szlig;t das zugleich, dass sie &auml;rmer wird? Das eindimensionale Schielen auf die Demografie blendet alle anderen Variablen aus, die f&uuml;r das Wachstum des zwischen Jungen und Alten zu verteilenden &bdquo;Kuchens&ldquo; von entscheidender Bedeutung sind: Steigerung der Produktivit&auml;t durch technischen Fortschritt, Erwerbst&auml;tigenquote, Erh&ouml;hung der Erwerbst&auml;tigkeit von Frauen, sp&auml;teres (tats&auml;chliches) Eintreten in die Rente etc.\n<p>Das gesch&auml;tzte Wachstum der &Auml;lteren entsteht auch durch die Annahme einer h&ouml;heren Lebenserwartung. Die Panikmache bei der Pflegeversicherung beruht auf der Unterstellung, dass durch die gewonnen Lebensjahre auch mehr Pflegef&auml;lle auftreten. Es ist jedoch eine Tatsache, dass sich mit dem &Auml;lterwerden auch der durchschnittliche Gesundheitszustand hebt und damit nat&uuml;rlich auch die Grenze zur Pflegebed&uuml;rftigkeit (<a href=\"?p=11133\">Gerd Bosbach<\/a>).<\/p><\/li>\n<li><strong>Zur Generationengerechtigkeit:<\/strong> Die Umstellung des Finanzierungsverfahrens auf das Kapitaldeckungsverfahren &auml;ndert nichts daran, dass die Jungen f&uuml;r die Alten aufkommen m&uuml;ssen (<a href=\"\/?p=2798\">Mackenroth-Theorem<\/a>). Die Umstellung &auml;ndert auch nichts an der Relation von jung und alt.<br>\nDie Hoffnung, dass diese Ertr&auml;ge, von denen man dann im Alter zehren k&ouml;nnte, im Ausland erwirtschaftet werden, ist (wie man an der derzeitigen Schuldenkrise sieht) ein riskanter Wechsel auf eine ungewisse Zukunft. Ob k&uuml;nftig Ausl&auml;nder f&uuml;r die Altersversorgung der Deutschen arbeiten wollen, ist eine vage Hoffnung. Auf Dauer d&uuml;rfte das Ausland unsere Alten nicht durchf&uuml;ttern oder pflegen.<br>\nDie entscheidende Frage wird in alle Ewigkeit (so lange es menschliche Gesellschaften gibt) immer sein, ob wir in Zukunft &bdquo;reich&ldquo; genug sind, dass k&uuml;nftig Unternehmen und Arbeitnehmer Ertr&auml;ge erwirtschaften k&ouml;nnen (oder aber eben Vorsorgebeitr&auml;ge verkraften k&ouml;nnen), die Alten (nicht mehr Erwerbst&auml;tigen) eine <a href=\"\/?p=10349\">angemessene Versorgung<\/a> bzw. eine angemessene Pflege absichern.\n<\/li>\n<li><strong>Zu den &bdquo;Lohnnebenkosten:<\/strong> Die Senkung oder die Deckelung der sog. &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; ist ein deutscher Mythos. Ihm huldigt auch der Vorschlag des Koalitionsausschusses, die Beitr&auml;ge f&uuml;r die Pflegeversicherung um 0,1 Prozentpunkte anzuheben und gleichzeitig die Beitr&auml;ge f&uuml;r die Rentenversicherung um 0,3 Prozentpunkte zu senken. Der &bdquo;Pflege-Bahr&ldquo; geht also auf Kosten der Rente.\n<p>Deutschland liegt bei den sog. &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; <a href=\"\/?p=5015\">unter dem europ&auml;ischen Durchschnitt<\/a>. Einmal ganz abgesehen davon, dass f&uuml;r einen Arbeitgeber diese Differenzierung zwischen Lohn- und Lohnebenkosten irrelevant ist, f&uuml;r ihn z&auml;hlen die Kosten f&uuml;r den Faktor &bdquo;Lohn&ldquo;. Die Reall&ouml;hne stagnieren in Deutschland jedoch seit den 90er Jahren. Das hat (neben dem Sozialabbau und den Unternehmensteuersenkungen) dazu gef&uuml;hrt, dass wir alle unsere europ&auml;ischen Nachbarn wirtschaftlich niederkonkurriert haben und sie sich bei uns derart verschuldet haben, dass sie &ndash; wie die Euro-Krise zeigt &ndash; kaum in der Lage sind ihre Schulden zur&uuml;ckzuzahlen.<br>\n&bdquo;Die einzige Alterssicherungsform, die von den Turbulenzen des Weltfinanzmarktes nicht ber&uuml;hrt wurde, ist das umlagefinanzierte, von der Arbeit gespeiste, gute, alte, viel gescholtene Rentenversicherungssystem.&ldquo; (<a href=\"\/?p=3813\">Norbert Bl&uuml;m<\/a>)<\/p>\n<p>Aber selbst wenn man in volkswirtschaftlichen Kategorien denkt, macht ein &Uuml;bergang zu einer Kapitaldeckung keinen Sinn, denn durch den &uuml;ber die Kosten f&uuml;r die private Vorsorge zus&auml;tzlichen Konsumverzicht werden eher <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/p_imk_report_43_2009.pdf\">Wachstumsprobleme erzeugt [PDF &ndash; 281 KB]<\/a> und das auch noch in einer Phase, in der man angesichts von R&uuml;ckg&auml;ngen beim Export eine verst&auml;rkte private Konsumnachfrage im Inland brauchte. <\/p>\n<p>Im &Uuml;brigen ist es ein Gauklertrick, wenn der Eindruck erweckt wird, als w&uuml;rden durch die Senkung der Lohnebenkosten auch die Arbeitnehmer von Abgaben entlastet. So m&uuml;ssen etwa die Arbeitnehmer bei der Riester-Rente knapp 10 als h&auml;lftiger Beitragssatz (derzeit 19,9 %) von ihrem Bruttolohn an die gesetzliche Rente bezahlen plus 4 Prozent f&uuml;r die private Vorsorge. D.h. sie zahlen mehr als durch jede f&uuml;r eine ausk&ouml;mmliche Finanzierung notwendige Beitragserh&ouml;hung f&uuml;r die gesetzliche Rente notwendig w&auml;re. Eine Deckelung der Beitr&auml;ge kommt letztlich nur der Arbeitgeberseite zugute. Mit der privaten Vorsorge wird nicht mehr und nicht weniger als die parit&auml;tisch finanzierte, solidarische Vorsorge aufgek&uuml;ndigt und die Zusatzkosten m&uuml;ssen ausschlie&szlig;lich die Arbeitnehmer tragen &ndash; sofern sie es sich leisten k&ouml;nnen!<\/p><\/li>\n<\/ul><p>Anstatt die gesetzliche Pflegeversicherung deutlich zu st&auml;rken, wird mit dem &bdquo;Pflege-Bahr&ldquo; das Pflegerisiko weiter privatisiert und die Kosten in der Pflege unsolidarisch weiter auf die Versicherten abgew&auml;lzt.  Das Solidarprinzip k&ouml;nnte ohne Probleme (zumindest mittelfristig) durch eine Beitragserh&ouml;hung aufrecht erhalten werden. Man k&ouml;nnte aber &ndash; statt des Systemwechsels in die Privatisierung &ndash; auch einen Systemwechsel zu einer allgemeinen &bdquo;B&uuml;rgerversicherung&ldquo;, in die alle einbezahlen, vornehmen. Doch das ist wohl gegen den geballten Widerstand und die Propagandamacht der Finanzwirtschaft nicht mehr zu schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was im allgemeinen Erstaunen dar&uuml;ber, dass sich die schwarz-gelbe Koalition nach monatelangem Gezerre zusammengerauft hat, unterzugehen droht: Neben einer bisher nur versprochenen Leistungsverbesserungen f&uuml;r Demenzkranke und deren Angeh&ouml;rige durch eine Anhebung des Beitragssatzes um 0,1 Prozentpunkte auf 1,96 % des Bruttolohns (auf 2,3% f&uuml;r Kinderlose) hat die FDP bei der Pflegeversicherung den Einstieg in die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11213\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[127,205,148],"tags":[869,344,1175,273,221],"class_list":["post-11213","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lobbyismus-und-politische-korruption","category-neoliberalismus-und-monetarismus","category-pflegeversicherung","tag-bahr-daniel","tag-maschmeyer-carsten","tag-pflege-bahr","tag-privatvorsorge","tag-versicherungswirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11213"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11213\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11216,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11213\/revisions\/11216"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}