{"id":11225,"date":"2011-11-09T09:17:12","date_gmt":"2011-11-09T08:17:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11225"},"modified":"2019-10-28T16:05:52","modified_gmt":"2019-10-28T15:05:52","slug":"stuttgart-21-spd-trickst-und-verschaukelt-die-wahler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11225","title":{"rendered":"Stuttgart 21: SPD trickst und verschaukelt die W\u00e4hler"},"content":{"rendered":"<p>Der baden-w&uuml;rttembergische Landesverband der SPD bleibt stur auf seinem Kurs, das Projekt Stuttgart 21 durchzuboxen. Die k&uuml;rzlich noch verk&uuml;ndete &bdquo;Neutralit&auml;t&ldquo; ist l&auml;ngst &uuml;ber Bord geworfen und es wird heftig getrickst. Gestern (7. November) wurde den Vorsitzenden der SPD-Ortsvereine ein Text zur Verf&uuml;gung gestellt, den diese in den &ouml;rtlichen Mitteilungsbl&auml;ttern ver&ouml;ffentlichen sollen. &bdquo;S21: Stimm ab! Schaff Klarheit!&ldquo; ist die Schlagzeile. Diese Aktion ist wohl die Gegenreaktion darauf, dass in einer Informationsbrosch&uuml;re des gr&uuml;nen Verkehrsministers Hermann die Ausstiegskosten aus dem Vorhaben statt mit 1,5 Milliarden mit &bdquo;unter 350 Mio. Euro&ldquo; beziffert werden. Von <strong>Hermann Zoller<\/strong><br>\n<!--more--><\/p><p>&bdquo;Klarheit&ldquo; m&uuml;sste die SPD-Vorstandscrew zu allererst selbst schaffen. Die vom Spiegel ver&ouml;ffentlichten Kostenberechnungen <a href=\"\/?p=11201\">der Regierung Oettinger<\/a>, die weit &uuml;ber den &ouml;ffentlich genannten Zahlen liegen, sind leider weder f&uuml;r den SPD-Landesverband noch f&uuml;r die Abgeordneten der SPD-Landtagsfraktion Anlass Klarheit zu schaffen. Eine Regierung, die das Parlament hintergeht, da m&uuml;ssten doch alle Alarmglocken l&auml;uten &ndash; und zwar v&ouml;llig unabh&auml;ngig davon, ob man f&uuml;r oder gegen S 21 ist. <\/p><p>Aber so viel demokratische Kontrolle geht den SPD-Verantwortlichen offenbar zu weit. Im Gegenteil: Sie setzen selbst das Tricksen und T&auml;uschen fort und versuchen, die W&auml;hler weiter mit irref&uuml;hrenden Behauptungen und Halbwahrheiten zu verschaukeln. <\/p><p>In dem Text, den jetzt die SPD-Ortsvereine ver&ouml;ffentlichen sollen, sind gleich zwei Beispiele f&uuml;r eine solche Irref&uuml;hrung der W&auml;hlerinnen und W&auml;hler enthalten:<\/p><p>Zum einen wird einmal mehr die 1,5 Milliarden Euro Schadenersatzforderung bei einem Stopp von Stuttgart 21 genannt. Eine Summe, die nur als Behauptung der Bahn unbewiesen im Raum steht und die durch ein neueres Gutachten, das 350 Millionen errechnet, begr&uuml;ndet in Zweifel gezogen wird. Die SPD &uuml;bernimmt einfach die Position der Bahn, obwohl eigentlich jedem klar ist, dass die im Raum stehende Forderung die eine Seite, die tats&auml;chlich zu zahlende Summe jedoch auf einem anderen Blatt steht und im Zweifel erst vor Gericht gekl&auml;rt werden wird. Peter Conradi hat dargestellt, dass diese ungepr&uuml;fte &Uuml;bernahme einer solchen Forderung durch Volksvertreter bei Anw&auml;lten als Parteiverrat gewertet werden m&uuml;sste. (Erkl&auml;rung von Peter Conradi siehe unten)<\/p><p>Dieser 1,5 Milliarden schweren Drohkulisse l&auml;sst die SPD eine weitere Irref&uuml;hrung folgen. Behauptet wird: &bdquo;Die Kostenbeteiligung des Landes Baden-W&uuml;rttemberg betr&auml;gt bei der Realisierung des Projektes &uuml;ber 10 Jahre verteilt 824 Millionen Euro.&ldquo; Das mag &ndash; sofern die Kosten nicht explodieren &ndash; grunds&auml;tzlich richtig sein. Das Hinterh&auml;ltige an dieser Darstellung  ist aber, dass den Leserinnen und Lesern der Eindruck vermittelt werden soll, es gehe ja eigentlich nur um eine relativ bescheidene Summe. Damit wird heruntergespielt, dass der Tiefbahnhof nach realistischen Sch&auml;tzungen zwischen f&uuml;nf und acht Milliarden Euro kosten wird. Geld, das der Steuerzahler aufbringen muss. Geld das an anderer Stelle f&uuml;r sinnvollere Vorhaben fehlen wird. <\/p><p>Verschwiegen wird dabei auch, dass die Region, die Kreise und alle St&auml;dte und Gemeinden der Region Stuttgart ebenfalls horrende Betr&auml;ge beisteuern m&uuml;ssen, wenn das verkehrspolitisch unsinnige Projekt realisiert wird. <\/p><p>Es ist ein abschreckendes Beispiel f&uuml;r den Niedergang der demokratischen Kultur, dass vor einer Volksabstimmung der Meinungsstreit von den Bef&uuml;rwortern von S 21 auf solch unsaubere Weise gef&uuml;hrt wird. Eigentlich sollte &uuml;ber die Sache, n&auml;mlich &uuml;ber die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur in Baden-W&uuml;rttemberg gestritten werden. <\/p><p>Diese Versuche, die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger an der Nase herumzuf&uuml;hren, s&auml;hen noch mehr Misstrauen in die Politik. Kein Wunder, dass der Eindruck, es gehe gar nicht um Verkehrspolitik, von immer mehr Menschen geteilt wird.  <\/p><p>Text des SPD-Landesverbandes Baden-W&uuml;rttemberg an die Ortsvereine zur Ver&ouml;ffentlichung in den Mitteilungsbl&auml;ttern der St&auml;dte und Gemeinden:<\/p><blockquote><p><strong>S21: Stimm ab! Schaff Klarheit!<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nAm 27. November stimmen die wahlberechtigten Baden-W&uuml;rttembergerinnen und Baden-W&uuml;rttemberger &uuml;ber das K&uuml;ndigungsgesetz zum Bahnprojekt Stuttgart 21 ab. Die von der SPD im September 2010 auf den Weg gebrachte Volksabstimmung &uuml;berl&auml;sst somit der Bev&ouml;lkerung die letzte Entscheidung. Allerdings hat die Abstimmung nur dann G&uuml;ltigkeit, wenn ein gro&szlig;er Teil der B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger an ihr teilnehmen. Deswegen ist es wichtig, dass m&ouml;glichst viele Menschen ihre Stimme abgeben.<br>\n&nbsp;<br>\n&Uuml;ber was wird abgestimmt? Es wird entschieden, ob das Land Baden-W&uuml;rttemberg von den finanziellen Verpflichtungen am S21-Vorhaben zur&uuml;cktreten soll. Auf dem Stimmzettel hei&szlig;t es:<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>&bdquo;Stimmen Sie der Gesetzesvorlage &sbquo;Gesetz &uuml;ber die Aus&uuml;bung von K&uuml;ndigungsrechten bei den vertraglichen Vereinbarungen f&uuml;r das Bahnprojekt Stuttgart 21&lsquo; (S21-K&uuml;ndigungsgesetz) zu?&ldquo;<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nWer mit<strong> JA<\/strong> stimmt, stimmt <strong>f&uuml;r die K&uuml;ndigung der Vertr&auml;ge und damit f&uuml;r den Ausstieg des Landes<\/strong> aus Stuttgart 21. Ein solcher Ausstieg ist mit hohen H&uuml;rden versehen. Denn nach den klaren Aussagen aller Projektbeteiligten ist mit einer einvernehmlichen Vertragsaufhebung nicht zu rechnen. Dadurch k&auml;men auf das Land Baden-W&uuml;rttemberg nach Expertise der Bahn Schadenersatzforderungen von 1,5 Milliarden Euro zu.<br>\n&nbsp;<br>\nWer mit <strong>NEIN<\/strong> stimmt, stimmt <strong>gegen die K&uuml;ndigung und f&uuml;r den Weiterbau des Bahnprojekts<\/strong>. Das Land Baden-W&uuml;rttemberg bliebe dann bei seiner bisherigen Position. Die Kostenbeteiligung des Landes Baden-W&uuml;rttemberg betr&auml;gt bei der Realisierung des Projektes &uuml;ber 10 Jahre verteilt 824 Millionen Euro.\n<\/p><\/blockquote><blockquote><p>\n<strong>Pressemitteilung von Peter Conradi<\/strong><\/p>\n<p>Bei einer SPD-Veranstaltung &bdquo;Stuttgart 21 &ndash; warum nicht?&ldquo;&nbsp; in Schwaikheim habe ich unter anderem Folgendes erkl&auml;rt:&nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Volksvertreter oder Bahnvertreter? <\/strong><br>\n<strong>Parteiverrat im Landtag von Baden-W&uuml;rttemberg!<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\n1,5 Milliarden Euro Schadenersatz an die Deutsche Bahn AG m&uuml;sste das Land Baden-W&uuml;rttemberg bei einem Abbruch des Projekts &ldquo;Stuttgart 21&rdquo; zahlen, behaupten die Bahn und mit ihr die Bef&uuml;rworter des Bahnprojekts. Bislang hat die Bahn allerdings keine pr&uuml;ff&auml;higen Berechnungen f&uuml;r m&ouml;gliche Schadenersatzforderungen in dieser H&ouml;he vorgelegt. Fachleute sch&auml;tzen die Kosten f&uuml;r einen Projektabbruch weit niedriger. Die Vermutung dr&auml;ngt sich auf, dass die DB AG in der Auseinandersetzung &uuml;ber die finanzielle Beteiligung des Landes mit dieser Horrorzahl Propaganda f&uuml;r ein Nein bei der Volksabstimmung &uuml;ber den Projektausstieg des Landes schaffen will. Im Streitfall werden die Gerichte kl&auml;ren, wie hoch die Abbruchkosten tats&auml;chlich sind, und entscheiden, welche Anteile davon die Projektbeteiligten Bahn, Bund, Land, Stadt, Region und Flughafen tragen m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>Wenn sich Projektbef&uuml;rworter im Land und in der Stadt die Drohungen der Bahn mit Schadenersatzforderung von 1,5 Mrd. Euro ungepr&uuml;ft zu Eigen machen, reden sie zum Nachteil des Landes. Das gilt vor allem f&uuml;r die Landtagsabgeordneten der SPD und der CDU, die sich weniger als Volksvertreter, denn als Bahnvertreter auff&uuml;hren, weil ihnen die Interessen der Bahn offensichtlich wichtiger sind als das Wohl des Volkes.<\/p>\n<p>Ein Rechtsanwalt, der bei einer ihm anvertrauten Rechtssache pflichtwidrig im Einverst&auml;ndnis mit der Gegenpartei zum Nachteil seiner Partei handelt, begeht Parteiverrat und kann daf&uuml;r mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu f&uuml;nf Jahren bestraft werden (&sect; 356 Strafgesetzbuch). Die Projektbef&uuml;rworter im Landtag von Baden-W&uuml;rttemberg, an der Spitze&nbsp; die Fraktionsvorsitzenden Peter Hauk (CDU) und Klaus Schmiedel (SPD), handeln bei der ihnen anvertrauten Rechtssache mit dem Argument der Schadenersatzanspr&uuml;che der Deutschen Bahn AG in H&ouml;he von 1,5 Mrd. Euro pflichtwidrig zum Nachteil des Landes Baden-W&uuml;rttemberg und seiner B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger.<br>\nW&auml;ren sie Rechtsanw&auml;lte, m&uuml;sste man sie wegen Parteiverrats strafrechtlich belangen.<br>\n&nbsp;<br>\nPeter Conradi\n<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der baden-w&uuml;rttembergische Landesverband der SPD bleibt stur auf seinem Kurs, das Projekt Stuttgart 21 durchzuboxen. Die k&uuml;rzlich noch verk&uuml;ndete &bdquo;Neutralit&auml;t&ldquo; ist l&auml;ngst &uuml;ber Bord geworfen und es wird heftig getrickst. Gestern (7. November) wurde den Vorsitzenden der SPD-Ortsvereine ein Text zur Verf&uuml;gung gestellt, den diese in den &ouml;rtlichen Mitteilungsbl&auml;ttern ver&ouml;ffentlichen sollen. &bdquo;S21: Stimm ab! 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