{"id":112253,"date":"2024-03-11T11:52:21","date_gmt":"2024-03-11T10:52:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112253"},"modified":"2024-03-15T14:22:34","modified_gmt":"2024-03-15T13:22:34","slug":"putins-papst-journalisten-und-politiker-finden-waffenstillstand-entsetzlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112253","title":{"rendered":"\u201ePutins Papst\u201c: Journalisten und Politiker finden Waffenstillstand \u201eentsetzlich\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Papst Franziskus hat die Ukraine aufgefordert, Verhandlungen mit Russland zu suchen, um das Sterben zu beenden. Die Reaktionen vieler deutscher Politiker und Journalisten offenbaren einmal mehr die Entschlossenheit, diesen Krieg m&ouml;glichst in die L&auml;nge zu ziehen. Ein Kommentar von <strong>Tobias Riegel<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nDie &bdquo;Argumente&ldquo; der Gegner von Waffenstillstand und Verhandlungen im Ukrainekrieg sind vorerst nur Behauptungen. Zieht man das ideologische und emotionale Beiwerk in diesen Begr&uuml;ndungen ab, dann bleibt noch diese permanent wiederholte These &uuml;brig: Wenn Putin nun in der Ukraine auch nur den kleinsten Erfolg erzielt, dann w&uuml;rde er &bdquo;einfach weitermachen&ldquo; mit seinen Feldz&uuml;gen &ndash; also anschlie&szlig;end mindestens das Baltikum &uuml;berrollen. Um diese (behauptete) imperialistische Dynamik zu verhindern, m&uuml;ssen &bdquo;wir&ldquo; also mit unseren Steuergeldern und bis zum letzten Ukrainer &bdquo;zusammenstehen&ldquo;, so das ideologische Konstrukt vieler Kriegsverl&auml;ngerer &ndash; ein Konstrukt, das sich (wie gesagt) nicht auf Fakten, sondern auf Behauptungen st&uuml;tzt. <\/p><p>Die Gegenseite hat dagegen zumindest eine unumst&ouml;&szlig;liche und bittere Realit&auml;t auf ihrer Seite: T&auml;glich sterben Menschen auf beiden Seiten. Dieses Sterben k&ouml;nnte umgehend beendet werden, wenn sich nicht immer wieder Kriegsverl&auml;ngerer in den Weg einer Verhandlungsl&ouml;sung stellen w&uuml;rden. Dass das Eintreten gegen Verhandlungen in den meisten deutschen Medien nicht als ein Eintreten f&uuml;r verl&auml;ngertes Sterben problematisiert wird, ist ein Zeichen der &bdquo;zeitengewendeten&ldquo; Zeit und wirft ein helles Licht auf diese Journalisten. Ebenso muss es als tragisches Versagen (bzw. als problematischer Vorsatz) von weiten Teilen der Medienlandschaft bezeichnet werden, dass die Sinn- und Wirkungslosigkeit sowohl des westlichen Wirtschaftskrieges gegen Russland als auch der milit&auml;rischen Unterst&uuml;tzung der Ukraine nicht angemessen thematisiert wird. <\/p><p>Papst Franziskus hat sich nun zur Frage von Friedensverhandlungen und Waffenstillstand in der Ukraine ge&auml;u&szlig;ert, wie etwa <a href=\"https:\/\/lostineu.eu\/ukraine-krieg-kommen-doch-noch-verhandlungen\/\">&bdquo;Lost In Europe&ldquo; berichtet<\/a>: &bdquo;Wenn man sieht, dass man besiegt wird, dass die Dinge nicht gut laufen, muss man den Mut haben, zu verhandeln&ldquo;, sagte der Papst demnach in einem Interview. &bdquo;Sch&auml;mt euch nicht, zu verhandeln, bevor es noch schlimmer wird&ldquo;, f&uuml;gte er hinzu. Die Kritik am Papst etwa aus Kiew h&auml;ngt sich laut dem Bericht vor allem an einer Bemerkung des Papstes auf: Die Ukraine m&uuml;sse den Mut haben, <em>&bdquo;<\/em>die wei&szlig;e Flagge zu hissen und zu verhandeln&ldquo;. Der Papst habe an dieser Stelle aber nur eine Frage aufgegriffen und keineswegs eine &bdquo;bedingungslose Kapitulation&ldquo; gefordert, wie Fabio De Masi in diesem <a href=\"https:\/\/x.com\/FabioDeMasi\/status\/1766756785589825859?s=20\">l&auml;ngeren Tweet erl&auml;utert<\/a>. Seine Interpretation der Papst-Worte:<\/p><blockquote><p>&bdquo;<em>Eine Verhandlung, um das Leben der eigenen Bev&ouml;lkerung zu sch&uuml;tzen und einen noch gr&ouml;&szlig;eren Verlust an Souver&auml;nit&auml;t zu vermeiden, ist keine Schande<\/em>.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p><em>Lost In Europe <\/em>erw&auml;hnt auch, dass es neben dem Papst aktuell auch einen Vorsto&szlig; des t&uuml;rkischen Pr&auml;sidenten Erdogan&nbsp;gibt, der sich als Gastgeber f&uuml;r Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine angeboten hat. <\/p><p><strong>Das moralische Auftrumpfen der gr&uuml;nen, schwarzen und gelben Sofa-Soldaten <\/strong><\/p><p>Dass der Ukrainekrieg von westlicher Seite noch im Vorfeld des russischen Einmarsches h&auml;tte verhindert werden k&ouml;nnen, das haben die NachDenkSeiten oft beschrieben. Auch &uuml;ber die mutma&szlig;lich von westlicher Seite sabotierten M&ouml;glichkeiten, den Ukrainekrieg auch nach dem russischen Einmarsch noch m&ouml;glichst schnell zu beenden, haben wir berichtet.<\/p><p>Das moralische Auftrumpfen der gr&uuml;nen, schwarzen und gelben Sofa-Soldaten ist darum unhaltbar. Die aktuellen Reaktionen auf die &Auml;u&szlig;erungen des Papstes zeigen, wie gr&uuml;ndlich die Schocktherapie der &bdquo;Zeitenwende&ldquo; wirkt: Noch vor kurzer Zeit w&auml;re ein so &bdquo;selbstbewusstes&ldquo; &ouml;ffentliches Eintreten f&uuml;r ein Fortsetzen des (von beiden Seiten begangenen) Gemetzels undenkbar gewesen. Man kann in gewissen Kreisen nun tats&auml;chlich Ruhm ernten, indem man durch Meinungsmache hilft, Friedensverhandlungen zu sabotieren und Kriege zu verl&auml;ngern. Hier folgen aus dem Artikel &bdquo;Papst-&Auml;u&szlig;erungen zu Ukraine-Krieg sorgen f&uuml;r Entsetzen&ldquo; <a href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/politik\/russland-krieg-ukraine\/papst-aeusserungen-ukraine-krieg-sorgen-entsetzen-39417032\">einige Reaktionen<\/a> aus der deutschen Politik:<\/p><p><strong>Russen sollen &bdquo;ihre Piraten-Fahne &ndash; das Symbol f&uuml;r den Tod und den Satan&ldquo; &ndash; einholen<\/strong><\/p><p>So sagte Bundestagsvizepr&auml;sidentin Katrin G&ouml;ring-Eckardt (Gr&uuml;ne): &bdquo;Wer von der&nbsp;Ukraine&nbsp;verlangt, sich einfach zu ergeben, gibt dem Aggressor, was er sich widerrechtlich geholt hat, und akzeptiert damit die Ausl&ouml;schung der Ukraine.&ldquo; Der CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Heuer meint: &bdquo;Der Papst r&auml;t also der Ukraine zu einer Existenz unter russischer Diktatur.&ldquo; Er f&uuml;gte noch hinzu: &bdquo;Ich sch&auml;me mich als katholischer Christ einmal mehr f&uuml;r das Versagen der r&ouml;misch-katholischen Kirche an zentraler Stelle.&ldquo; Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann behauptete: &bdquo;Bevor die ukrainischen Opfer die wei&szlig;e Flagge hissen, sollte der Papst laut und un&uuml;berh&ouml;rbar die brutalen russischen T&auml;ter auffordern, ihre Piraten-Fahne &ndash; das Symbol f&uuml;r den Tod und den Satan &ndash; einzuholen.&ldquo; Auch sollte er &bdquo;die m&ouml;rderische Hetze&ldquo; des Oberhaupts der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I., verurteilen. &bdquo;Ich sch&auml;me mich als Katholikin, dass er das unterl&auml;sst&ldquo;, sagte die FDP-Politikerin. <\/p><p>Da wollen auch manche Sozialdemokraten nicht nachstehen: So sagte der SPD-Politiker Wolfgang Thierse, sollte die Ukraine dem Rat des Papstes folgen, die wei&szlig;e Fahne zu hissen, &bdquo;so h&auml;tte das schwere Folgen f&uuml;r die Ukraine und Europa. Putin w&uuml;rde sich ermuntert sehen, seinen brutalen Imperialismus fortzusetzen&ldquo;. Und die Pr&auml;sidentin des Evangelischen Kirchentages 2025 in Hannover, Anja Siegesmund, sagte: &bdquo;Die Sehnsucht nach Frieden darf nicht dazu f&uuml;hren, dass das Recht des vermeintlich St&auml;rkeren siegt&ldquo;. Wer die eigene Freiheit verteidige, bed&uuml;rfe der Unterst&uuml;tzung aller, die jetzt in Freiheit leben. &bdquo;Wir stehen weiter an der Seite der Ukraine&ldquo;, hob Siegesmund hervor. Auch auf Roderich Kiesewetter ist in dieser Sache Verlass:<\/p><div class=\"external-2click\" data-provider=\"X (Twitter)\" data-provider-slug=\"twitter\"><div class=\"external-placeholder\"><p><strong>Externer Inhalt<\/strong><\/p><p>Beim Laden des Tweets werden Daten an X (ehemals Twitter) &uuml;bertragen.<\/p><button type=\"button\" class=\"external-load\">Inhalt von X (Twitter) zulassen<\/button><\/div><div class=\"external-content\"><blockquote class=\"external-2click-target twitter-tweet\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">Unglaublich, das Oberhaupt der katholischen Kirche stellt sich auf die Seite des Agressors. Wie traurig! <br>Papst fordert von UKR &bdquo;wei&szlig;e Fahne zu hissen + ein Ende des russ. Angriffskrieges auszuhandeln&ldquo;. Er liefert Putin Blaupause f&uuml;r weiteres Vorgehen. <a href=\"https:\/\/t.co\/m1klnuImuZ\">https:\/\/t.co\/m1klnuImuZ<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Roderich Kiesewetter&#127466;&#127482;&#127465;&#127466;&#127470;&#127473;&#127482;&#127462; (@RKiesewetter) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/RKiesewetter\/status\/1766558632617869589?ref_src=twsrc%5Etfw\">March 9, 2024<\/a><\/p><\/blockquote><\/div><div class=\"external-optout\"><a href=\"#\" data-revoke=\"twitter\">Inhalte von X (Twitter) nicht mehr zulassen<\/a><\/div><\/div><p> <\/p><p><strong>Medien: &bdquo;Der &sbquo;Heilige Vater&lsquo; hat sich als scheinheiliger Friedensprediger entlarvt&ldquo;<\/strong><\/p><p>Viele Journalisten geben der Position gegen Verhandlungen Sch&uuml;tzenhilfe oder treiben in der Sache sogar Politiker vor sich her: Die <em>FAZ<\/em> wiederholt die These von der &bdquo;Ermutigung Putins&ldquo;: &bdquo;Ein Aufgeben der Ukraine bedeutet keinen dauerhaften Frieden f&uuml;r Europa. Sondern die Ermutigung Putins zum n&auml;chsten Krieg&ldquo;. Die <em>N&uuml;rnberger Nachrichten<\/em> meinen zum einen, der russische Pr&auml;sident d&uuml;rfte sich freuen &uuml;ber die Worte von Franziskus, zum anderen wird auch hier von der &bdquo;Ermutigung&ldquo; des russischen Pr&auml;sidenten zum Imperialismus geredet: &bdquo;Hat er in der Ukraine auch nur etwas Erfolg, macht er weiter&ldquo;. Auch die <em>Volksstimme<\/em> aus Magdeburg behauptet, dass &bdquo;ukrainischer &sbquo;Mut zur wei&szlig;en Fahne&lsquo;&ldquo; nichts anderes bedeuten w&uuml;rde &bdquo;als den Triumph von Putins Imperialismus. Der &sbquo;Heilige Vater&lsquo; hat sich als scheinheiliger Friedensprediger entlarvt&ldquo;.<\/p><p>Die Worte des Papstes zeigen Wirkung: Sie st&auml;rken die Menschen, die das sinnlose Sterben im Stellungskrieg schnell beenden wollen. Und sie zwingen die Menschen, die dieses Sterben aus ideologischen oder wirtschaftlichen Gr&uuml;nden verl&auml;ngern wollen, einmal mehr dazu, diese moralisch unhaltbare Position &ouml;ffentlich zu verteidigen.<\/p><p><em>Leserbriefe zu diesem Beitrag <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112371\">finden Sie hier<\/a>.<\/em><\/p><p><small>Titelbild: Boris Stroujko \/ Shutterstock<\/small><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/7909257ffdfa4c278af0b9e19f26761d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Papst Franziskus hat die Ukraine aufgefordert, Verhandlungen mit Russland zu suchen, um das Sterben zu beenden. Die Reaktionen vieler deutscher Politiker und Journalisten offenbaren einmal mehr die Entschlossenheit, diesen Krieg m&ouml;glichst in die L&auml;nge zu ziehen. 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