{"id":112308,"date":"2024-03-12T11:36:19","date_gmt":"2024-03-12T10:36:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112308"},"modified":"2024-03-12T14:52:11","modified_gmt":"2024-03-12T13:52:11","slug":"die-drakonische-strafverfolgung-von-julian-assange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112308","title":{"rendered":"Die drakonische (Straf-)Verfolgung von Julian Assange"},"content":{"rendered":"<p>Kurz vor Schluss der zweit&auml;gigen Berufungsanh&ouml;rung des WikiLeaks-Herausgebers am High Court von England und Wales gegen seine Auslieferung tat sich in den Pl&auml;nen, ihn in ein Flugzeug in die USA zu verfrachten, ein g&auml;hnendes Loch auf, so die australische Journalistin <strong>Mary Kostakidis. <\/strong>Schon am 23. Februar erschien auf <a href=\"https:\/\/johnmenadue.com\/\"><em>Pearls and Irritations<\/em><\/a> dieser interessante und detaillierte <a href=\"https:\/\/johnmenadue.com\/assanges-draconian-prosecution-criminalises-journalism-and-grants-the-us-extraterritorial-reach\/\">Artikel<\/a> in englischer Sprache. Am 4. M&auml;rz erschien auf <em>Consortium News<\/em> eine &uuml;berarbeitete und <a href=\"https:\/\/consortiumnews.com\/2024\/03\/04\/assanges-draconian-prosecution\/\">aktualisierte Fassung<\/a>. Da der Inhalt die einzelnen Punkte der letzten Assange-Anh&ouml;rung in London herausragend gut wiedergibt, ver&ouml;ffentlichen die NachDenkSeiten mit Genehmigung von und Dank an Mary Kostakidis, John Menadue und <em>Consortium News<\/em> die folgende &Uuml;bersetzung von <strong>Moritz M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7406\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-112308-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240312-Drakonische-Strafverfolgung-von-Assange-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240312-Drakonische-Strafverfolgung-von-Assange-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240312-Drakonische-Strafverfolgung-von-Assange-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240312-Drakonische-Strafverfolgung-von-Assange-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=112308-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240312-Drakonische-Strafverfolgung-von-Assange-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240312-Drakonische-Strafverfolgung-von-Assange-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die drakonische Verfolgung von Assange kriminalisiert den Journalismus und gew&auml;hrt den USA extraterritoriale Reichweite<\/strong><\/p><p>In den letzten Momenten der Anh&ouml;rung am 21. Februar r&auml;umte Ben Watson, der Vertreter des britischen Innenministers, ein, dass gegen Julian Assange in den USA weitere Anklagen erhoben werden k&ouml;nnten, die die Todesstrafe nach sich ziehen, wie z.B. die Beihilfe zum Hochverrat.<\/p><p>Auf die Frage des Richters, ob man etwas tun k&ouml;nne, um die Verh&auml;ngung der Todesstrafe zu verhindern, antwortete er: &bdquo;Es w&auml;re sehr schwierig, Zusicherungen zu geben, um die Verh&auml;ngung der Todesstrafe zu verhindern.&ldquo; (Da Assange eines Bundesverbrechens und nicht eines Bundesstaatsverbrechens angeklagt ist, k&ouml;nnte er die Todesstrafe erhalten, unabh&auml;ngig davon, ob der Bundesstaat, in dem er vor Gericht steht &ndash; in diesem Fall Virginia &ndash;, die Todesstrafe nutzt oder nicht).<\/p><p>Diese Formulierung ist bezeichnend &ndash; es ging nicht um die Schwierigkeit, eine Zusicherung &bdquo;anzunehmen&rdquo;, sondern um ihr Angebot. Dem Gericht wurde gesagt, dass die USA nie eine Zusicherung angeboten haben, dass sie nicht die Todesstrafe fordern werden, weil das (britische, <em>MM<\/em>) Innenministerium nie darum gebeten hat. Und das, obwohl die Auslieferung vom Vereinigten K&ouml;nigreich an ein Land, in dem die Todesstrafe droht, nach dem Auslieferungsvertrag zwischen dem Vereinigten K&ouml;nigreich und den USA verboten ist und der Innenminister solche Zusicherungen einholen muss.<\/p><p>Was bedeutet das f&uuml;r den britischen Innenminister, dessen Vorvorg&auml;ngerin die Auslieferung bereits abgesegnet hat, und f&uuml;r die j&uuml;ngste Entscheidung des High Courts, der die Auslieferung genehmigt hat?<\/p><p>Assange muss weiter die Entscheidung der beiden Richter abwarten, um zu erfahren, ob dieser und andere Gr&uuml;nde eine vollst&auml;ndige Berufung rechtfertigen.<\/p><p>Doch die Zeit dr&auml;ngt f&uuml;r Assange, der 13 Jahre lang kaum das Sonnenlicht gesehen hat, mit 50 Jahren einen Schlaganfall erlitten hat und die Auswirkungen anhaltender, unerbittlicher Angstzust&auml;nde zeigt. Ihm drohen unmenschliche Bedingungen in einem US-SuperMax-Gef&auml;ngnis auf Lebenszeit &ndash; Einzelhaft in einem st&auml;hlernen Schuhkarton. Dies brachte das Bezirksgericht dazu, zu entscheiden, dass die Gefahr besteht, dass er sich das Leben nimmt.<\/p><p>Zusicherungen der USA, dass sie Assange nicht misshandeln w&uuml;rden (aber nicht, dass sie nicht die Todesstrafe anstreben w&uuml;rden), wurden von den Richtern des High Courts akzeptiert, die die Entscheidung, die Auslieferung zu verweigern, aufhoben. Diese Zusicherungen sind laut Amnesty International das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen, da sich die USA das Recht vorbehalten, sie zu widerrufen.<\/p><p>Das Gericht h&ouml;rte, dass Assange nicht gesund genug war, um zu erscheinen. W&auml;re er anwesend gewesen, wie er es sich gew&uuml;nscht hatte, h&auml;tte er in einem Eisenk&auml;fig hoch oben im Gericht rechts von den Richtern gesessen &ndash; unf&auml;hig, mit seinen Anw&auml;lten zu kommunizieren, als w&auml;re er ein Gewaltt&auml;ter.<\/p><p>Er ist nat&uuml;rlich nicht gewaltt&auml;tig, aber dies erinnert ihn und uns alle daran, welchen Platz er in dieser Spielart der britischen Justiz einnimmt. Er ist wegen nichts verurteilt, wird aber von einer Supermacht verfolgt, deren Verbrechen er aufgedeckt hat, indem er Beweise f&uuml;r diese ver&ouml;ffentlicht hat. Dies ist die erste Anh&ouml;rung, in der seine Anw&auml;lte auf die Verbrechen der USA eingingen &ndash; die Staatsverbrechen der USA.<\/p><p>Assanges Verteidiger haben die zahlreichen Gr&uuml;nde f&uuml;r eine Berufung brillant dargelegt &ndash; ihre bisher beste Leistung &ndash;, w&auml;hrend die Staatsanwaltschaft die vorhersehbaren, erfundenen und weitgehend entkr&auml;fteten Argumente vorbrachte &ndash; dass er ein Hacker sei, der ungeschw&auml;rzte Dokumente ins Internet gestellt habe, die die darin genannten Personen dem Risiko ausgesetzt haben, Schaden zu nehmen, und den USA Unannehmlichkeiten bereitet haben.<\/p><p><strong>Der Hacking-Vorwurf<\/strong><\/p><p>Der Vorwurf des Hackens ist f&uuml;r die USA von gro&szlig;er Bedeutung, da er, obwohl er die geringste Haftstrafe nach sich zieht, aber entscheidend ist, um seine Arbeit von der eines Journalisten zu unterscheiden. Man wei&szlig;, dass sie (die USA,<em> MM<\/em>) versucht haben, die Anklage aufzustocken, aber diese Bem&uuml;hungen sind gescheitert, weil der Hauptzeuge, der verurteilte P&auml;dophile Siggi Thordarson, sich ungl&uuml;cklicherweise &ouml;ffentlich geoutet und zugegeben hat, dass er das FBI &uuml;ber Assange belogen hat.<\/p><p>Chelsea Manning hat unmissverst&auml;ndlich erkl&auml;rt, dass sie allein f&uuml;r den Zugang zu den Dokumenten verantwortlich war, und es ist erwiesen, dass sie &uuml;ber die entsprechende Sicherheitsfreigabe verf&uuml;gte, um dies zu tun.<\/p><p>Eine aufgezeichnete Internet-Chatroom-Diskussion zwischen zwei ungenannten Personen &uuml;ber die M&ouml;glichkeiten des Zugriffs auf Material bei gleichzeitigem Schutz der eigenen Identit&auml;t endete mit einem &bdquo;Tut mir leid, da kann ich nicht helfen&ldquo;.<\/p><p>Wie wir daraus die Gewissheit ziehen k&ouml;nnen, dass es a) Assange und Manning waren b) zeigt, dass er ihr geholfen hat, ihre Spuren zu verwischen und somit zum Akt des &bdquo;Hackens&rdquo; beigetragen hat, ist r&auml;tselhaft &ndash; es ist einfach keine logische Schlussfolgerung.<\/p><p>Es geh&ouml;rt jedoch zu den Aufgaben eines Journalisten, die Identit&auml;t seiner Quellen zu sch&uuml;tzen, und das geht oft so weit, dass er diesen Ratschl&auml;ge gibt, wie sie ihre eigenen Spuren verwischen k&ouml;nnen. Zu den Aufgaben eines Journalisten geh&ouml;rt es auch, die Quellen zur Bereitstellung weiterer Informationen und untermauernder Beweise zu ermutigen.<\/p><p>Clair Dobbin KC von der Staatsanwaltschaft argumentierte jedoch, dass dies eine Ermutigung zum Diebstahl von Dokumenten darstellt und eine Straftat ist. Die Ermutigung, das Anbieten von Ratschl&auml;gen an eine Quelle zur Verbergung ihrer Identit&auml;t, die Entgegennahme und Ver&ouml;ffentlichung von Informationen &uuml;ber staatliche Verbrechen sind ihr zufolge als kriminelle Handlungen zu betrachten.<\/p><p>Mit dieser drakonischen Strafverfolgung wird Journalismus kriminalisiert und den USA eine extraterritoriale Reichweite einger&auml;umt, indem man ein innerstaatliches Gesetz anwendet, das eigentlich zur Ergreifung von Spionen gedacht ist.<\/p><p>Und es kommt noch schlimmer. Die US-Staatsanw&auml;lte haben gleichzeitig erkl&auml;rt, dass sie daf&uuml;r sorgen werden, dass Assange in einem eventuellen Prozess nicht unter den Schutz des ersten Verfassungszusatzes (Das Recht auf freie Meinungs&auml;u&szlig;erung und Pressefreiheit, <em>MM<\/em>) f&auml;llt, weil er kein amerikanischer Staatsb&uuml;rger ist. Damit dies aber kein Grund ist, gegen eine Auslieferung zu argumentieren, sagen die Staatsanw&auml;lte, dass es durchaus m&ouml;glich ist, dass er unter den Schutz des ersten Verfassungszusatzes f&auml;llt. Assange w&auml;re der Testfall, denn all das ist nicht (durch Pr&auml;zedenzf&auml;lle, <em>MM<\/em>) bekannt.<\/p><p>Hinzu kommt die Wahrscheinlichkeit, dass es zus&auml;tzliche Anklagen geben wird, die die Todesstrafe nach sich ziehen k&ouml;nnen.<\/p><p>Die Anklage gegen Assange wurde w&auml;hrend der Amtszeit von Mike Pompeo als Au&szlig;enminister und nach der <em>WikiLeaks<\/em>-Ver&ouml;ffentlichung von Tresor 7 (Vault 7) erhoben &ndash; der Trickkiste der CIA, die Drehb&uuml;cher enth&auml;lt, die es der CIA erm&ouml;glichen, sich einzumischen und die digitalen Fingerabdr&uuml;cke eines anderen Staates zu hinterlassen, darunter Russland und China.<\/p><p>Pompeo hat <em>WikiLeaks<\/em> als &bdquo;feindlichen Auslandsnachrichtendienst&rdquo; bezeichnet. Diese Bezeichnung erm&ouml;glicht es der CIA, ohne Zustimmung des Kongresses gegen <em>WikiLeaks<\/em> vorzugehen. Viele Zeugen, darunter CIA-Insider, haben best&auml;tigt, dass die CIA plante, Assange zu entf&uuml;hren oder zu t&ouml;ten.<\/p><p>Nach dem amerikanischen Rechtssystem h&auml;tten die Beteiligten &ndash; in diesem Fall die CIA &ndash; ein Mitspracherecht bei den Haftbedingungen in einem Fall von nationaler Sicherheit. Es ist jedoch au&szlig;ergew&ouml;hnlich, dass &uuml;berhaupt erwogen wird, Assange an ein Land auszuliefern, dessen Geheimdienst seine Ermordung plante und in dem andere hochrangige Beamte zu seiner Ermordung aufgerufen haben.<\/p><p><strong>Offenlegung von US-Quellen<\/strong><\/p><p>Das zweite Hauptargument der Anklage ist, dass er f&uuml;r die Ver&ouml;ffentlichung der Namen von US-Quellen verantwortlich ist.<\/p><p>Auch wenn niemand gesch&auml;digt wurde und der Nutzen der Enth&uuml;llungen f&uuml;r das &ouml;ffentliche Interesse beachtet werden sollte, war er in Wirklichkeit nicht f&uuml;r die Ver&ouml;ffentlichung der Namen verantwortlich, und die Staatsanwaltschaft und die US-Beh&ouml;rden wissen das.<\/p><p>Ein ranghoher Journalist des <em>Guardian<\/em> bestand &ndash; in einem Akt erstaunlicher Verantwortungslosigkeit &ndash; zun&auml;chst darauf, dass Assange den Passwortschl&uuml;ssel mit ihm teilte, da der<em> Guardian <\/em>ein Ver&ouml;ffentlichungspartner von <em>WikiLeaks<\/em> war, und ver&ouml;ffentlichte dann den Schl&uuml;ssel in seinem Buch. Er wurde sogar zum Titel eines Buchkapitels.<\/p><p>Assange hatte bef&uuml;rchtet, dass die <em>WikiLeaks<\/em>-Website abgeschaltet werden k&ouml;nnte, und sorgte daf&uuml;r, dass an anderer Stelle Spiegelserver eingerichtet wurden. Diese waren durch mehrere Sicherheitsebenen, einschlie&szlig;lich eines Passwortschl&uuml;ssels, v&ouml;llig sicher.<\/p><p>Es war nie beabsichtigt, auf die Spiegelserver zuzugreifen &ndash; sie waren seine (Assanges, <em>MM<\/em>) Garantie daf&uuml;r, dass die Dokumente &uuml;berleben w&uuml;rden. Aber die Ver&ouml;ffentlichung des Schl&uuml;ssels f&uuml;hrte dazu, dass die Dokumente sofort von mehreren Websites, die von technisch sehr versierten Personen geleitet wurden, heruntergeladen wurden. Die Website, die die Dokumente als erste ver&ouml;ffentlichte, war <em>Cryptome.org<\/em>.<\/p><p>Deren Herausgeber war Zeuge bei Assanges Auslieferungsanh&ouml;rung und sagte auch, dass die USA ihn nicht einmal aufgefordert h&auml;tten, das Material vom Netz zu nehmen.<\/p><p>Die USA betonen immer wieder, dass es sich (bei der Verfolgung von Assange, <em>MM<\/em>) nicht um einen Angriff auf den seri&ouml;sen Mainstream-Journalismus handelt. K&ouml;nnte <em>The Guardian<\/em> aus dieser sicheren Position heraus nicht &ouml;ffentlich eine gewisse Verantwortung &uuml;bernehmen in Anbetracht der katastrophalen Folgen, die diese Aktion f&uuml;r Assange hatte?<\/p><p>Schlie&szlig;lich besteht allgemeiner Konsens dar&uuml;ber, dass diese Strafverfolgung einen verheerenden Pr&auml;zedenzfall schafft, der sich auf die F&auml;higkeit von Journalisten auswirken wird, die M&auml;chtigen zur Rechenschaft zu ziehen und staatliche Verbrechen und Korruption aufzudecken.<\/p><p>Und hierin liegt ein Geschenk f&uuml;r US-Pr&auml;sident Joe Biden, dessen Chancen gegen den ehemaligen Pr&auml;sidenten Donald Trump bei den kommenden Wahlen nicht gut aussehen.<\/p><p>Er kann die Anklage fallen lassen, um die Mainstream-Presse in den USA zu retten, weil sonst ein Pr&auml;zedenzfall geschaffen wird, den Trump gegen die <em>New York Times<\/em> und die <em>Washington Post<\/em> verwenden k&ouml;nnte.<\/p><p>Wird er die Gelegenheit ergreifen, sich als Held darzustellen, der die amerikanische Presse vor Trump rettet? Das wird davon abh&auml;ngen, ob sein kognitiver Zustand ihm das Selbstvertrauen und die Mittel l&auml;sst, um der CIA die Stirn zu bieten.<\/p><p><strong>Verteidigung: keine Gr&uuml;nde f&uuml;r eine Auslieferung<\/strong><\/p><p>Die Hauptargumente der Verteidigung waren:<\/p><ul>\n<li>dass man sich nicht auf den Auslieferungsvertrag berufen und ihn gleichzeitig ignorieren kann &ndash; eine Auslieferung wegen einer politischen Straftat ist weder nach dem Vertrag noch nach dem V&ouml;lkerrecht zul&auml;ssig, und Spionage ist allgemein als politische Straftat definiert;<\/li>\n<li>Assanges politische Ansichten waren allgemein bekannt. Er deckte die Staatsverbrechen auf, um die B&uuml;rger zu st&auml;rken, und er glaubte, dass dies zu Ver&auml;nderungen f&uuml;hren w&uuml;rde &ndash; dass Staaten mit mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht weniger geneigt w&auml;ren, Verbrechen zu begehen, insbesondere Angriffskriege zur Beg&uuml;nstigung ihrer Eliten zu f&uuml;hren.<\/li>\n<li>dass sein Handeln und seine Motivation politisch waren (Journalismus als politischer Akt k&ouml;nnte Gegenstand eines anderen Artikels sein), dass er der &bdquo;Sprecher einer internationalen politischen Bewegung war &ndash; nicht im Dienste einer bestimmten Nation, sondern vielmehr im Dienste der allgemeinen Interessen der Menschheit &hellip; Dies ist ein musterhaftes Beispiel f&uuml;r staatliche Vergeltung f&uuml;r die &Auml;u&szlig;erung politischer Meinungen&rdquo; und f&uuml;r die Aufdeckung von Staatsverbrechen wie illegale &Uuml;berstellungen, Folter und Ermordungen;<\/li>\n<li>Dar&uuml;ber hinaus haben die USA gezeigt, dass sie weltweite Straffreiheit anstreben und jeden bedrohen, der mit der vorgeschlagenen ICC-Untersuchung von Kriegsverbrechen in Afghanistan kooperiert. Die USA haben sogar die ICC-Ankl&auml;ger selbst eingesch&uuml;chtert f&uuml;r den Fall, dass WikiLeaks-Dokumente als Beweise vorgelegt w&uuml;rden und Assange selbst aussagen w&uuml;rde.<\/li>\n<\/ul><p>Auf diese Argumente &uuml;ber die politische Motivation sowohl von Assange als auch der USA antwortete Claire Dobbin, dass es sich nicht um eine politische Strafverfolgung handele, weil die Regierung seit der Anklageerhebung gewechselt habe.<\/p><p>Dies ist eine &auml;u&szlig;erst umst&auml;ndliche und enge Definition des Begriffs &bdquo;politisch&rdquo;, die durch das Fehlen signifikanter Unterschiede zwischen den beiden gro&szlig;en Parteien in Bezug auf Au&szlig;enpolitik, Angriffskriege und Geheimhaltung entkr&auml;ftet wird.<\/p><p>Was die Ver&ouml;ffentlichung von Namen betrifft, so fragte einer der Richter nach Pr&auml;zedenzf&auml;llen. Ob es in der Vergangenheit bereits umfangreiche Ver&ouml;ffentlichungen von Namen und strafrechtliche Verfolgungen wegen der Offenlegung einer gro&szlig;en Zahl menschlicher Quellen gegeben h&auml;tte. Erstaunlicherweise lautete die Antwort: Ja, es gab sie (den Fall des ehemaligen CIA-Agenten Philip Agee), und sie f&uuml;hrten lediglich zur Beschlagnahmung eines Reisepasses!<\/p><p>Assanges Verteidigung argumentierte &uuml;berzeugend, dass eine Auslieferung aus all den oben genannten Gr&uuml;nden gegen mehrere Artikel der Europ&auml;ischen Menschenrechtskonvention versto&szlig;en w&uuml;rde.<\/p><p>Bei dieser Anh&ouml;rung wurde zum ersten Mal von einem Vergleich gesprochen. Fast zeitgleich hat unser Premierminister den Medien mitgeteilt, dass er mit den Anw&auml;lten von Assange zusammenarbeitet, um eine L&ouml;sung herbeizuf&uuml;hren.<\/p><p>Die CIA wird ihre Genugtuung (<a href=\"https:\/\/nosweatshakespeare.com\/quotes\/famous\/pound-of-flesh\/\">Pound of Flesh<\/a>) haben wollen, und ich wette, dass man von Julian Assange &auml;hnlich wie von <a href=\"https:\/\/www.news.com.au\/national\/david-hickss-terror-conviction-has-been-vacated-but-does-that-mean-hes-innocent\/news-story\/b901d4514c24ce09277564f86d7dec0c\">David Hicks<\/a> verlangen w&uuml;rde, Straftaten zuzugeben, die er nicht begangen hat, oder journalistische Handlungen, die er begangen hat und die als kriminell eingestuft werden. Das sind Knackpunkte, ebenso wie die Ausreise in die USA. (Die USA haben gesagt, dass Assange einen Vergleich nur auf US-amerikanischem Boden aushandeln k&ouml;nne. <em>MM<\/em>)<\/p><p><strong>Beschr&auml;nkungen f&uuml;r die Presse<\/strong><\/p><p>Es ist notwendig, meine Quellen f&uuml;r die Informationen, die ich zu dieser Anh&ouml;rung erhalten habe, zu nennen, auch wenn die Fehler in der Analyse und im Kommentar meine eigenen sind.<\/p><p>Wie allen Journalisten au&szlig;erhalb von England und Wales wurde auch mir der Zugang zu einer (elektronischen, <em>MM<\/em>) Verbindung verweigert, um die Anh&ouml;rung zu verfolgen. Dies ist ein Novum in den Jahren, in denen ich die Assange-Anh&ouml;rungen verfolgt habe, einschlie&szlig;lich zweier fr&uuml;herer Anh&ouml;rungen vor demselben High Court. Diese Entscheidung des Gerichts benachteiligt unabh&auml;ngige Journalisten in der ganzen Welt.<\/p><p>Es war ein doppelter Schlag f&uuml;r australische Journalisten wie mich und alle Australier, die sich auf unsere Informationen &uuml;ber die Geschehnisse vor Gericht in Echtzeit auf <em>X<\/em> und anschlie&szlig;end in weiteren Analysen, Diskussionen, Interviews und Artikeln sowie in Andrew Fowlers Fallb&uuml;chern verlassen haben.<\/p><p>Dies ist nicht nur der wichtigste Fall f&uuml;r Pressefreiheit in der Welt, seit es den Begriff der Pressefreiheit gibt, sondern in seinem Zentrum steht auch ein australischer B&uuml;rger.<\/p><p>Obwohl es bei allen Anh&ouml;rungen technische Probleme gab, vor allem mit dem Ton, scheint diese die Schlimmste gewesen zu sein. Selbst Journalisten in dem winzigen Gerichtssaal (inklusive mir, <em>MM<\/em>) hatten Schwierigkeiten, leise gesprochene Worte zu verstehen, Journalisten in einem angrenzenden Overspill-Raum h&ouml;rten fast nichts, was angeblich auf ein unzureichendes Wi-Fi zur&uuml;ckzuf&uuml;hren war, und diejenigen, die &uuml;ber eine Verbindung irgendwo anders, aber &bdquo;innerhalb von England und Wales&rdquo; verbunden waren, hatten M&uuml;he, etwas von dem zu h&ouml;ren, was gesagt wurde.<\/p><p>Infolgedessen ist es wahrscheinlich, dass niemand alles mitbekommen hat, was geschehen ist. Das ist nicht die Art und Weise, wie eine offene Justiz funktioniert.<\/p><p>In Anbetracht des vorhersehbaren Interesses h&auml;tte ein gro&szlig;er Gerichtssaal mit geeigneten Mikrofonen zur Verf&uuml;gung stehen m&uuml;ssen, und wenn bekannt ist, dass das Geb&auml;ude &uuml;ber unzureichendes WLAN verf&uuml;gt, h&auml;tte den Journalisten eine Verbindung zum Gerichtssaal an einem Ort ihrer Wahl angeboten werden m&uuml;ssen.<\/p><p>Es gab keinen Grund f&uuml;r die Benachrichtigung so kurz vor der Anh&ouml;rung, dass es erforderlich war, in England oder Wales vor Ort zu sein. Es blieb keine Zeit, ein Flugzeug zu besteigen, dessen Ankunft noch eine Genehmigung f&uuml;r eine Verbindung garantierte.<\/p><p>F&uuml;r Informationen &uuml;ber die Geschehnisse im Gerichtssaal griff ich auf die Live-Beitr&auml;ge, Kurzartikel oder das Videomaterial von Mohamed Elmaazi, Cathy Vogan, Taylor Hudak, Richard Medhurst, Stefania Maurizi und Kevin Gosztola zur&uuml;ck.<\/p><p>Im Einklang mit den Ratschl&auml;gen des Beratungsunternehmens Stratfor an die USA, Assange von Land zu Land und von Gerichtsprozess zu Gerichtsprozess zu schleppen, handelt es sich um einen Schauprozess mit einem durchsichtigen Ziel. Manchmal ist es wie bei Monty Python, wie ein anderer Kommentator bemerkte, und manchmal mittelalterlich.<\/p><p>Es ist ein durchsichtiger Justizkrieg (Lawfare) gegen jemanden, der erfolgreich entmenschlicht wurde. Aber die &ouml;ffentliche Meinung &uuml;ber Assange hat sich gedreht, und die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r seine Freilassung hat in unserem Parlament und im Ausland zugenommen.<\/p><p>Der Preis, den er bezahlt hat, ist zu hoch, selbst f&uuml;r diejenigen, denen nicht gef&auml;llt, was er getan hat. Was auch immer es sein mag &ndash; Rache, ein Exempel statuieren, einen Pr&auml;zedenzfall schaffen &ndash;, es ist keine Gerechtigkeit.<\/p><p>Dies geschieht inmitten des Entsetzens und der tiefen Wut und des Misstrauens der &Ouml;ffentlichkeit gegen&uuml;ber der F&uuml;hrung der westlichen Demokratien angesichts des sich ausbreitenden V&ouml;lkermords in Gaza, wo das israelische Regime seit dem 7. Oktober &uuml;ber 100 Journalisten get&ouml;tet hat.<\/p><p>Wir sehen weiterhin t&auml;glich, welche Auswirkungen die Entmenschlichung anderer Menschen, sogar von Kindern, hat. Keine Strafe, keine Gr&auml;ueltat ist zu viel f&uuml;r die &bdquo;Freunde&rdquo;.<\/p><p>Die staatliche Grausamkeit ist zu weit gegangen. Wenn unsere Politiker das nicht begreifen, sind sie ungeeignet zu regieren.<\/p><p><small>Titelbild: PhotoBatta\/shutterstock.com<\/small><\/p><p><em>Die Journalistin Mary Kostakidis moderierte zwei Jahrzehnte lang die <\/em>SBS World News<em> als Australiens erste nationale Nachrichtensprecherin zur Hauptsendezeit. Zu ihren fr&uuml;heren Artikeln geh&ouml;rt &bdquo;Watching the Eyes&rdquo; f&uuml;r <\/em>Declassified Australia<em>.<\/em><\/p><p>Dieser Artikel stammt von <em>Pearls and Irritations<\/em>. Der Text wurde von Moritz M&uuml;ller &uuml;bersetzt. F&uuml;r eventuelle Verst&auml;ndnis- oder &Uuml;bersetzungsfehler tr&auml;gt er die Verantwortung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz vor Schluss der zweit&auml;gigen Berufungsanh&ouml;rung des WikiLeaks-Herausgebers am High Court von England und Wales gegen seine Auslieferung tat sich in den Pl&auml;nen, ihn in ein Flugzeug in die USA zu verfrachten, ein g&auml;hnendes Loch auf, so die australische Journalistin <strong>Mary Kostakidis. <\/strong>Schon am 23. Februar erschien auf <a href=\"https:\/\/johnmenadue.com\/\"><em>Pearls and Irritations<\/em><\/a> dieser interessante und<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112308\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":112309,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,198,126,20],"tags":[681,2163,901,2129,469,3093,1440,1471,930,304,3329,3277,1415,1841,1556],"class_list":["post-112308","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-audio-podcast","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-erosion-der-demokratie","category-landerberichte","tag-assange-julian","tag-gefaengnis","tag-geheimdienste","tag-geheimhaltung","tag-grossbritannien","tag-haftbedingungen","tag-internationaler-strafgerichtshof","tag-investigativer-journalismus","tag-justiz","tag-kriegsverbrechen","tag-lawfare","tag-politische-haft","tag-pressefreiheit","tag-todesstrafe","tag-usa"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/Shutterstock_2428837781.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112308","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=112308"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112308\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":112324,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112308\/revisions\/112324"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/112309"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=112308"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=112308"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=112308"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}