{"id":112471,"date":"2024-03-17T13:00:24","date_gmt":"2024-03-17T12:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112471"},"modified":"2024-03-18T16:19:03","modified_gmt":"2024-03-18T15:19:03","slug":"apathie-und-schockstarre-warum-bleiben-die-aengste-vor-einer-ausweitung-des-krieges-stumm-und-folgenlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=112471","title":{"rendered":"Apathie und Schockstarre \u2013 Warum bleiben die \u00c4ngste vor einer Ausweitung des Krieges stumm und folgenlos?"},"content":{"rendered":"<p>Eine deutliche Mehrheit der B&uuml;rger f&uuml;rchtet einer Umfrage zufolge eine Ausweitung des Kriegs in der Ukraine auf europ&auml;isches NATO-Gebiet. Warum wird das hingenommen, als handele es sich um ein unabwendbares Naturereignis? Von <strong>Leo Ensel <\/strong>mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/apathie-und-schockstarre-warum-bleiben-die-aengste-vor-einer-ausweitung-des-krieges-stumm-und-folgenlos\/\">Globalbridge<\/a>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7700\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-112471-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240318-Apathie-Schockstarre-NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240318-Apathie-Schockstarre-NDS.mp3\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240318-Apathie-Schockstarre-NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240318-Apathie-Schockstarre-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=112471-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/240318-Apathie-Schockstarre-NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"240318-Apathie-Schockstarre-NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><blockquote><p>&bdquo;Vielleicht wird es der sp&auml;te Historiker noch r&auml;tselhafter finden als wir Zeitgenossen, dass, obwohl allm&auml;hlich fast jedes Kind wusste, dass man vor Kriegen stand, die auch f&uuml;r den Sieger das entsetzlichste Leiden mit sich brachten, dennoch die Massen nicht etwa mit verzweifelter Energie alles unternahmen, um die Katastrophe abzuwenden, sondern auch noch ihre Vorbereitung durch R&uuml;stungen, milit&auml;rische Erziehung usw. ruhig geschehen lie&szlig;en, ja sogar unterst&uuml;tzten.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Mit diesen Worten von Erich Fromm hatte ich vor genau 40 Jahren ein Buch &uuml;ber <a href=\"https:\/\/www.zvab.com\/servlet\/SearchResults?cm_sp=red-_-leg-_-zvab&amp;kn=ensel%20richtige%20angst\">Angst &ndash; genauer: Nicht-Angst &ndash; und atomare Aufr&uuml;stung<\/a> eingeleitet, das im Mai 1984 erschien. Fromm hatte diese S&auml;tze am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, 1937, in seinem Aufsatz &bdquo;&Uuml;ber die Ohnmacht&ldquo; formuliert; das Zitat war damals also bereits 47 Jahre alt.<\/p><p>Warum ich nun vier Jahrzehnte sp&auml;ter einen Essay wiederum mit diesem Zitat er&ouml;ffne, das bedarf, leider(!), keiner weiteren Erl&auml;uterung. Wiederum stehen wir vor Kriegen, nein: <em>tobt<\/em> im Osten Europas l&auml;ngst ein Krieg, der &bdquo;auch f&uuml;r den Sieger&ldquo; &ndash; falls es den &uuml;berhaupt geben und was auch immer hier mit &bdquo;Sieg&ldquo; genau gemeint sein sollte &ndash; &bdquo;das entsetzlichste Leiden&ldquo; mit sich bringen wird, nein: bereits mit sich <em>bringt<\/em>. Und es sieht so aus, als h&auml;tte dieser Krieg seinen Kulminationspunkt noch gar nicht erreicht. Auf der Skala der m&ouml;glichen Entsetzlichkeiten ist nach oben noch <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/taurus-lieferung-wird-kanzler-olaf-scholz-dem-druck-der-gruenen-nachgeben-li.2195731\">erschreckend viel Luft<\/a>. Mit anderen Worten: Dass der Krieg in der Ukraine sich nicht doch noch zu einem Fl&auml;chenbrand ausw&auml;chst, der ganz Europa, ja m&ouml;glicherweise die gesamte Nordhalbkugel erfasst, und dass die finalen Untergangsger&auml;te nicht doch noch zum Einsatz kommen, falls eine Seite sich definitiv in die Ecke gedr&auml;ngt f&uuml;hlen sollte, das ist noch lange nicht ausgemacht.<\/p><p>Nur, dass diese Gefahr, genauso wie vor &uuml;ber 85 Jahren, offenbar niemanden gro&szlig; zu interessieren, gar aufzuregen scheint!<\/p><p><strong>Sprachlosigkeit und stumpfe Unbeweglichkeit<\/strong><\/p><p>Mittlerweile frage ich mich nur noch, was mich fassungsloser macht: Die Ungeniertheit, die fr&ouml;hliche Unbek&uuml;mmertheit und an Wahnsinn grenzende Skrupellosigkeit, mit der Politiker, Milit&auml;rs und Medien hierzulande nahezu unisono im Dauerstaccato und jeden Tag schriller bis an die Schmerzgrenze eskalieren &ndash; von der Lieferung immer gef&auml;hrlicherer Waffensysteme &uuml;ber Szenarien, &bdquo;den Krieg nach Russland zu tragen und Ministerien, Hauptquartiere und Kommandoposten zu zerst&ouml;ren&ldquo; bis zur Forderung nach westlichen &bdquo;Boots on the Ground&ldquo; &ndash; oder die Apathie und Schockstarre, mit der die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Zeitgenossen dies alles kritik- und klaglos &uuml;ber sich ergehen l&auml;sst.<\/p><p>Dabei scheint es unter der Oberfl&auml;che durchaus zu brodeln. Erheblich mehr Menschen als auf den ersten Blick sichtbar scheint es allm&auml;hlich mulmig zu werden. So &auml;u&szlig;erten Ende Februar im Rahmen einer <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/Politik__Inland_\/article250261476\/Umfrage-61-Prozent-fuerchten-Ausweitung-des-Ukraine-Kriegs.html\">INSA-Umfrage<\/a> 61 Prozent die Bef&uuml;rchtung, der Ukrainekrieg k&ouml;nne sich auf NATO-Gebiet ausweiten. (Der Untersuchung <a href=\"https:\/\/www.ipsos.com\/sites\/default\/files\/ct\/news\/documents\/2023-11\/ipsos-hisf-world-affairs-report-2023-final.pdf\">&bdquo;World Affairs&ldquo;<\/a> des global operierenden demoskopischen Instituts <a href=\"https:\/\/www.ipsos.com\/de-de\">IPSOS<\/a> in 30 L&auml;ndern auf allen Kontinenten zufolge hielten Mitte November letzten Jahres im l&auml;nder&uuml;bergreifenden Durchschnitt sogar 71 Prozent &bdquo;eine nukleare, biologische oder chemische Attacke innerhalb der n&auml;chsten zw&ouml;lf Monate f&uuml;r eine reale Gefahr&ldquo;.) Und seit Langem w&uuml;nscht sich eine <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/internationales\/umfrage-zum-ukrainekrieg-mehrheit-der-deutschen-wunscht-sich-starkeres-engagement-der-regierung-fur-friedensgesprache-9413837.html\">&uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Deutschen<\/a> ein st&auml;rkeres Engagement der Bundesregierung f&uuml;r Friedensverhandlungen. All dies ist angesichts des medialen Dauerfeuers aus allen offiziellen Kan&auml;len durchaus bemerkenswert. Andererseits bleibt die allgemeine unterschwellige Unruhe stumm und auf der Handlungsebene v&ouml;llig folgenlos, sodass man sich fassungslos fragt, wo eigentlich der l&auml;ngst f&auml;llige Aufschrei bleibt.<\/p><p>Und auch das ist nicht neu.<\/p><p>&bdquo;Nahezu die H&auml;lfte unserer Bev&ouml;lkerung glaubt laut Umfragen an die M&ouml;glichkeit eines Krieges. Die Leute sind betroffen, aber sie r&uuml;hren sich kaum. Wie k&ouml;nnen Menschen in Passivit&auml;t und zumindest &auml;u&szlig;erlicher Gelassenheit auf demoskopischen Frageb&ouml;gen bejahen, dass ein gro&szlig;er Krieg bevorstehen k&ouml;nnte? Warum reagieren wir so, als handele es sich hier um ein unbeeinflussbares Naturereignis, obwohl in dieser Angelegenheit doch alles, was geschieht, in der Macht menschlicher Berechnung und Entscheidung liegt?&ldquo; Dies schrieb der 2011 verstorbene Arzt und Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter im Mai 1980 im Vorfeld der Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Westeuropa. &bdquo;Wir B&uuml;rger f&uuml;hlen uns in einen seltsam unm&uuml;ndigen Zustand versetzt, der uns zugleich die Sprache verschl&auml;gt&ldquo;, konstatierte Richter damals in seinem &bdquo;Sind wir unf&auml;hig zum Frieden?&ldquo; betitelten Essay und diagnostizierte &bdquo;Sprachlosigkeit und stumpfe Unbeweglichkeit&ldquo;.<\/p><p>Die Parallele zur aktuellen Situation springt f&ouml;rmlich ins Auge.<\/p><p><strong>Apokalypseblindheit: Ablenkung und Ersatzhandlungen<\/strong><\/p><p>Dabei verbl&uuml;fft zugleich, dass &bdquo;Sprachlosigkeit und stumpfe Unbeweglichkeit&ldquo; jedoch bei anderen gesellschaftspolitischen Themen nicht unbedingt vorherrschen. Immerhin gingen hier in den letzten beiden Monaten Hundertausende Menschen &bdquo;Gegen rechts!&ldquo; und &bdquo;F&uuml;r ein buntes weltoffenes Deutschland!&ldquo; auf die Stra&szlig;e. Vergleicht man allerdings diese Zahlen mit denen derjenigen, die bislang f&uuml;r ein Ende der Kampfhandlungen im Ukrainekrieg demonstrierten, so ergibt sich ein groteskes Missverh&auml;ltnis. Offenbar sind nicht nur die jungen Klimasch&uuml;tzer, sondern auch die &uuml;berwiegende Mehrheit der Demonstranten f&uuml;r ein weltoffenes Deutschland blind f&uuml;r die M&ouml;glichkeit einer Ausweitung des Ukrainekrieges auf NATO-Terrain &ndash; mit Gefahren bis hin zum Undenkbaren &hellip;<\/p><p>Und dies ist ebenfalls nicht neu.<\/p><p>Was Horst-Eberhard Richter zu Beginn der Achtzigerjahre in diesem Kontext &uuml;ber Initiativen gegen Kindesmisshandlungen und Tierversuche bis hin zum Kampf gegen Atomkraftwerke schrieb, gilt mutatis mutandis heute ebenso: &bdquo;Niemand wird den Sinn der Initiativen bestreiten, die sich zur Abwendung solcher und anderer Gefahren aufgetan haben. Aber wenn das Gesamt dieser Initiativen am Ende zu einer Ersch&ouml;pfung der Widerstandskr&auml;fte f&uuml;hrt, von denen ein gro&szlig;er Teil sich gegen die wichtigste aller Bedrohungen wenden m&uuml;sste, dann liegt in der Tat ein unheilvoller Verschiebungsmechanismus vor: Man reagiert sich in der Bek&auml;mpfung von vergleichsweise greifbaren Sch&auml;dlichkeiten ab, die unbewusst das bei Weitem gef&auml;hrlichste, aber deshalb unertr&auml;glich gewordene Angstobjekt ersetzen.&ldquo; Gemeint war nat&uuml;rlich die durchaus reale Gefahr eines Atomkrieges in Europa, deren psychologische Auswirkungen Richter folgenderma&szlig;en charakterisierte: &bdquo;Das Vernichtungspotential, das die Atomm&auml;chte bereits aufgeh&auml;uft haben, ist zu ungeheuerlich, als dass man es noch auszuhalten wagt, sich die Ausma&szlig;e vor Augen zu halten. Es gibt Wahrheiten, die so entsetzlich sind, dass man alle Anstrengungen daran wendet, sie zu verdr&auml;ngen bzw. zu verharmlosen.&ldquo;<\/p><p>Wie heute.<\/p><p>Und zu dieser Verharmlosung geh&ouml;rt auch ein dem Wunderglauben &auml;hnliches magisches Hoffen auf automatische Ver&auml;nderungen. Horst-Eberhard Richter: &bdquo;Je weniger man selbst das System beeinflussen kann, in das man eingeordnet und von dem das Tun in erheblichem Ma&szlig;e bestimmt wird, umso mehr m&ouml;chte man darauf bauen, dass das gute Gewissen in dem System selbst steckt. Man versucht alles m&ouml;gliche, um diese &Uuml;berzeugungen gegen gegenteilige Erfahrungen zu verteidigen, und konsumiert deshalb dankbar eine entsprechende Propaganda des Systems. Man bel&uuml;gt sich, aber man kann damit besser schlafen.&ldquo;<\/p><p>Der Philosoph G&uuml;nther Anders, der sich wie kein anderer mit der Gefahr einer atomaren Selbstvernichtung der Menschheit auseinandergesetzt hat, nannte diesen Mechanismus &bdquo;Apokalypseblindheit&ldquo;.<\/p><p><strong>Mut zur Angst<\/strong><\/p><p>Es geht darum, die Angst wieder zu lernen, den, wie G&uuml;nther Anders vor 65 Jahren in seinen &bdquo;Thesen zum Atomzeitalter&ldquo; schrieb, &bdquo;Mut zur Angst&ldquo; wieder aufzubringen: <em>&bdquo;Was zu klein ist und was dem Ausma&szlig; der Bedrohung nicht entspricht, ist das Ausma&szlig; unserer Angst. Habe keine Angst vor der Angst, habe Mut zur Angst. Auch den Mut, Angst zu machen. &Auml;ngstige deinen Nachbarn wie dich selbst.&ldquo;<\/em> Und Anders fuhr fort: <em>&bdquo;Freilich muss diese unsere Angst eine von ganz besonderer Art sein: 1. Eine furchtlose Angst, da sie jede Furcht vor denen, die uns als Angsthasen verh&ouml;hnen k&ouml;nnten, ausschlie&szlig;t. 2. Eine belebende Angst, da sie uns statt in die Stubenecken hinein in die Stra&szlig;en hinaustreiben soll. 3. Eine liebende Angst, die sich um die Welt &auml;ngstigen soll, nicht nur vor dem, was uns zusto&szlig;en k&ouml;nnte.&ldquo;<\/em><\/p><p>Sich der Angst stellen und diese produktiv umzusetzen, w&uuml;rde f&uuml;r jede\/n Einzelne\/n von uns hier und jetzt bedeuten, sich mit allem gebotenen Ernst Folgendes &ndash; <em>und zwar nicht nur auf der Ebene der Ratio, sondern, viel wichtiger!, auch des Gem&uuml;ts <\/em>&ndash; bewusst zu machen: Jawohl, es <em>ist<\/em> brandgef&auml;hrlich! Und wenn wir jetzt nicht handeln, wenn <em>ich<\/em> jetzt nicht handele, wird die Wahrscheinlichkeit, dass das Undenkbare eintritt, mit jedem Tag gr&ouml;&szlig;er. Oder, um einen &uuml;ber 200 Jahre alten &sbquo;kategorischen Imperativ&lsquo; Heinrich von Kleists zu paraphrasieren: <em>&bdquo;Handele so, als ob das Schicksal einer weiteren Eskalation des Krieges allein von dir abhinge!&ldquo;<\/em> (Dies w&uuml;rde im &Uuml;brigen auch dem <a href=\"https:\/\/www.friedenskooperative.de\/friedensforum\/artikel\/das-friedensgebot-des-grundgesetzes-und-der-un\">Friedensgebot unseres Grundgesetzes<\/a> entsprechen, das, wie der verstorbene Botschafter a.D. und Genscher-Vertraute <a href=\"https:\/\/www.blog-der-republik.de\/zum-umgang-mit-russland-rueckkehr-zu-bewaehrten-strategien-ein-gastbeitrag-von-frank-elbe-botschafter-a-d\/\">Frank Elbe schrieb<\/a>, &bdquo;eine unmittelbar bindende Vorschrift unserer Verfassung ist: Sie verpflichtet jedermann &ndash; staatliche Organe wie auch jeden B&uuml;rger.&ldquo;)<\/p><p>H&ouml;ren wir ein letztes Mal Horst-Eberhard Richter: &bdquo;Die Bedrohung l&auml;sst sich &uuml;berhaupt nur bewusst ertragen, indem man praktisch dagegen ank&auml;mpft.&ldquo; Und schauen wir uns die aktuellen Bedingungen des &sbquo;praktischen dagegen Ank&auml;mpfens&lsquo; illusionslos an: Die Lage ist dramatisch. Die &uuml;berwiegende Mehrheit der Bev&ouml;lkerung ist in Sprachlosigkeit und Unbeweglichkeit gel&auml;hmt, die junge Generation der Klimasch&uuml;tzer <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=108050\">auf dem r&uuml;stungspolitischen Auge blind<\/a>, und das, was unter dem Etikett &bdquo;Friedensbewegung&ldquo; heute noch aktiv ist, ist &uuml;berwiegend marginalisiert, vergreist und im Ritualismus erstarrt.<\/p><p>Es sieht so aus, als m&uuml;ssten wir alle nochmal ganz von vorne anfangen.<\/p><p>Und hoffentlich bleibt uns noch gen&uuml;gend Zeit!<\/p><p>PS: Die Diagnosen und Warnungen Horst-Eberhard Richters vom Mai 1980 blieben &uuml;brigens nicht ungeh&ouml;rt. Im Februar 1981 ging <em>Der Stern<\/em> ein gro&szlig;es Risiko ein, als er unter dem Titel &bdquo;Die gr&ouml;&szlig;te Atomwaffendichte der Welt&ldquo; eine Karte der alten Bundesrepublik mit den Standorten der dort gelagerten 6.000 Atomsprengk&ouml;pfe ver&ouml;ffentlichte. Nun konnte jeder, der es wissen wollte, nachpr&uuml;fen, wie viele potenzielle &sbquo;Hiroshimas&lsquo; in seiner unmittelbaren Nachbarschaft schon gelagert waren. Und am 10. Oktober desselben Jahres demonstrierten bereits 300.000 Menschen im Bonner Hofgarten gegen die Stationierung amerikanischer atomar best&uuml;ckter Mittelstreckenraketen. Zwei Jahre sp&auml;ter, im Herbst 1983, waren es &uuml;ber eine Million.<\/p><p>Die Friedensbewegung konnte damals die Stationierung nicht verhindern, aber Jahre sp&auml;ter schrieb ein gewisser Michail Sergejewitsch Gorbatschow: &bdquo;Ich erinnere mich gut an die lautstarke Stimme der Friedensbewegung gegen Krieg und Atomwaffen in den 1980er-Jahren. Diese Stimme wurde geh&ouml;rt!&ldquo;<\/p><p><small>Titelbild: Der 2011 verstorbene Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/psychologie\/article13776838\/Psychoanalytiker-Horst-Eberhard-Richter-gestorben.html\">diagnostizierte<\/a> Anfang der Achtzigerjahre angesichts der damaligen Kriegsgefahr der Bev&ouml;lkerung &bdquo;Sprachlosigkeit und stumpfe Unbeweglichkeit&ldquo; &ndash; und trug nicht unwesentlich zum Entstehen der Friedensbewegung gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen bei.<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine deutliche Mehrheit der B&uuml;rger f&uuml;rchtet einer Umfrage zufolge eine Ausweitung des Kriegs in der Ukraine auf europ&auml;isches NATO-Gebiet. Warum wird das hingenommen, als handele es sich um ein unabwendbares Naturereignis? Von <strong>Leo Ensel <\/strong>mit freundlicher Genehmigung von <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/apathie-und-schockstarre-warum-bleiben-die-aengste-vor-einer-ausweitung-des-krieges-stumm-und-folgenlos\/\">Globalbridge<\/a>.<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":112472,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,107,172,171],"tags":[1519,3293,1120,2301],"class_list":["post-112471","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-audio-podcast","category-aufruestung","category-militaereinsaetzekriege","tag-atomwaffen","tag-bellizismus","tag-friedensbewegung","tag-konfrontationspolitik"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/richter-DW-Wissenschaft-Giessen-jpg.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112471","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=112471"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112471\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":112591,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/112471\/revisions\/112591"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/112472"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=112471"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=112471"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=112471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}